Freitag, Mai 22, 2026
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Was steckt wirklich hinter den Dingen, die wir achtlos wegwerfen?

Pfandpirat entwickelt eine App, mit der Pfandfunde, Fundorte und Challenges spielerisch sichtbar gemacht werden

Wie ist die Idee zu Pfandpirat entstanden und wer steckt hinter dem Startup?

Die Idee zu Pfandpirat ist bei Spaziergängen durch Dresden entstanden. Mir ist immer wieder aufgefallen, wie viele Pfandflaschen und Dosen im öffentlichen Raum stehen bleiben oder im Müll landen. Gleichzeitig steckt darin ein realer Wert, den andere Menschen sammeln können. Hinter Pfandpirat stehe ich, Sammy Zimmermanns aus Dresden. Ich entwickle die App mit dem Ziel, Pfand, Wiederverwendung und Stadtsauberkeit spielerisch sichtbar zu machen.

Warum wolltet ihr das klassische Pfandsammeln mit Gaming-Elementen verbinden?

Pfandsammeln wird oft nur als Randthema wahrgenommen. Mit Gaming-Elementen wie XP, Karten, Fundorten und Challenges wird daraus ein niedrigschwelliger Anreiz, genauer hinzuschauen und mitzumachen. Mir war wichtig, das Thema nicht zu moralisieren, sondern spielerisch zugänglich zu machen. Wer einen Pfandfund meldet, leistet einen kleinen Beitrag und sieht sofort, dass diese Handlung Teil von etwas Größerem ist.

Welche Vision verfolgt Pfandpirat im Bereich Nachhaltigkeit und Community?

Die Vision ist, eine Karte für Dinge zu schaffen, die nicht im Müll landen sollten. Das beginnt mit Pfandflaschen und Dosen, geht aber inzwischen weiter: Nutzerinnen und Nutzer können auch Gegenstände melden, die am Straßenrand zum Verschenken stehen. Pfandpirat soll Menschen verbinden, die etwas sehen, mit Menschen, die es gebrauchen oder sammeln können. So entstehen Nachhaltigkeit, Nachbarschaftshilfe und Community direkt im Alltag.

Wie funktioniert das Konzept hinter Schatzkarten, Expeditionen und Challenges konkret?

Pfandpirat arbeitet mit einer Karte, auf der Fundorte sichtbar gemacht werden. Wer Pfand entdeckt, kann es melden. Andere sehen den Fund und können ihn einsammeln. Expeditionen und Challenges sollen daraus kleine Aufgaben machen: zum Beispiel eine Pfandrunde im Stadtteil, eine Campus-Challenge oder ein gemeinsames Ziel bei einem Event. Die Schatzkarte zeigt also nicht Fantasie-Schätze, sondern reale Dinge mit Wert, die sonst oft übersehen werden.

An welche Zielgruppen richtet sich Pfandpirat besonders?

Pfandpirat richtet sich an mehrere Gruppen. Zum einen an Menschen, die Pfand sammeln und dadurch Fundorte leichter entdecken können. Zum anderen an alle, die unterwegs Pfand sehen und es unkompliziert melden möchten. Außerdem ist die App spannend für nachhaltige Communities, Studierende, Familien, Stadtteilinitiativen, Veranstalter, Kommunen und Menschen, die Spaß an Bewegung, Karten und spielerischen Aufgaben haben.

Was unterscheidet Pfandpirat von klassischen Recycling- oder Nachhaltigkeits-Apps?

Pfandpirat setzt nicht nur auf Information, sondern auf konkrete Orte und direkte Handlung. Man sieht etwas im öffentlichen Raum, meldet es und macht es dadurch für andere sichtbar. Neu ist außerdem, dass einfache Meldungen ohne Account möglich sind. Dadurch ist die Einstiegshürde sehr gering. Pfandpirat verbindet Recycling, Wiederverwendung, soziale Wirkung, Bewegung und Gamification in einer App.

Wie wichtig sind Gamification und Community-Funktionen für die langfristige Motivation der Nutzer?

Sehr wichtig. Nachhaltigkeit funktioniert langfristig besser, wenn sie nicht nur als Pflicht wahrgenommen wird. Gamification hilft, kleine Handlungen sichtbar und motivierend zu machen. Community-Funktionen sind dabei der nächste Schritt: Menschen sollen sehen, dass sie nicht allein unterwegs sind, sondern gemeinsam etwas bewegen. Ein einzelner Pfandfund wirkt klein, aber viele Fundmeldungen ergeben ein klares Bild davon, was im öffentlichen Raum passiert.

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell beim Aufbau einer solchen Plattform?

Die größte Herausforderung ist, Menschen zum ersten Mitmachen zu bringen. Eine App wie Pfandpirat lebt davon, dass Nutzerinnen und Nutzer Fundorte melden und dadurch Wert für andere schaffen. Deshalb arbeite ich stark daran, die Einstiegshürde zu senken. Ein wichtiger Schritt ist, dass man Pfand jetzt ohne Account melden kann. Außerdem geht es darum, Partner, Medien und lokale Communities zu finden, die das Thema sichtbar machen.

Wie schafft ihr es, Umweltbewusstsein spielerisch und alltagstauglich zu vermitteln?

Pfandpirat setzt dort an, wo Menschen ohnehin unterwegs sind: auf dem Weg zur Arbeit, beim Spaziergang, auf dem Campus, im Park oder bei Veranstaltungen. Man muss keine große Aktion planen. Wenn man Pfand sieht, kann man es direkt melden. Durch Karte, XP und Challenges wird daraus ein kleines Spiel im Alltag. So entsteht Umweltbewusstsein nicht abstrakt, sondern durch konkrete Beobachtung und einfache Handlung.

Gab es einen Moment, in dem euch bewusst wurde, dass Pfandpirat mehr als nur eine einfache App werden könnte?

Ja, als klar wurde, dass es nicht nur um Pfand geht. Pfand ist der Einstieg, aber dahinter steht eine größere Idee: Dinge sichtbar machen, die noch Wert haben. Das können Pfandflaschen sein, aber auch Möbel oder Gegenstände, die jemand am Straßenrand verschenkt. In diesem Moment wurde Pfandpirat für mich mehr als eine Pfand-App. Es wurde eine kleine Infrastruktur für Wiederverwendung, Nachbarschaftshilfe und Stadtraum.

Welche Rolle spielen Bewegung, GPS und Mobile Gaming für eure weitere Entwicklung?

Eine große Rolle. Pfandpirat findet draußen statt. Bewegung, GPS und Karten sind deshalb zentrale Bestandteile. Die App soll Menschen motivieren, ihre Umgebung bewusster wahrzunehmen. Mobile Gaming macht daraus eine aktive Erfahrung: Man entdeckt Fundorte, meldet Dinge, sammelt XP und kann perspektivisch an Expeditionen oder lokalen Challenges teilnehmen. Die Stadt wird dadurch selbst zum Spielfeld.

Welche nächsten Funktionen oder Erweiterungen plant ihr aktuell für Pfandpirat?

Aktuell ist besonders wichtig, dass Pfandmeldungen ohne Account möglich sind. Außerdem wurde die App erweitert, sodass man nicht nur Pfand, sondern auch verschenkte Gegenstände am Straßenrand melden kann. Als nächste Schritte sind bessere Filter, klarere Kategorien, lokale Challenges, mehr Community-Funktionen und Auswertungen für Stadtteile oder Aktionen geplant. Langfristig soll Pfandpirat auch für Partner wie Events, Initiativen oder Kommunen nutzbar werden.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Fangt mit einer echten Beobachtung an. Gute Ideen entstehen oft aus Dingen, die man im Alltag immer wieder sieht.

Zweitens: Macht den ersten Schritt so einfach wie möglich. Wenn Menschen erst viel erklären, registrieren oder verstehen müssen, verliert man sie.

Drittens: Sprecht früh mit Medien, Partnern und Nutzerinnen und Nutzern. Sichtbarkeit entsteht nicht erst, wenn alles perfekt ist. Oft entwickelt sich ein Projekt gerade durch die Gespräche weiter.

Titelbild: Bildrechte Antje Zimmermanns @privat

Wir bedanken uns bei Sammy Zimmermanns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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