Mittwoch, Juni 10, 2026
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Warum akzeptieren wir bei der Periode noch Lösungen von gestern?

rayne entwickelt mit der rayne Disc ein wiederverwendbares Periodenprodukt, das mehr Komfort, Nachhaltigkeit und Sicherheit während der Periode ermöglichen soll

Wie ist die Idee zu rayne entstanden und wer steckt hinter dem Startup?

Ich bin Ramona, Gründerin von rayne, und komme ursprünglich aus dem Bereich Unterwäsche- und Lingerie-Design. Zehn Jahre lang habe ich mich mit dem weiblichen Körper, mit Materialien, Passform und Funktion beschäftigt. Irgendwann habe ich gemerkt: Bei Periodenprodukten hinkt die Innovation massiv hinterher. Die Idee zu rayne entstand aus echter Frustration – und dem Wunsch, es besser zu machen. Nicht nur funktional, sondern auch bei Design, Qualität und Kommunikation. rayne ist in Zürich entstanden, Swiss-made – und das ganz bewusst.

Heute wird rayne von einem starken Team getragen. Neben mir ist Désirée als Co-Founderin mit an Bord – sie bringt unternehmerische Erfahrung, Finanzierungs-Know-how und strategische Kompetenz mit. Uns verbindet die Überzeugung: Frauengesundheit verdient mehr Sichtbarkeit. Dieser Markt ist gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich stark unterschätzt.

Warum war es euch wichtig, Menstruationsprodukte neu zu denken?

Weil die meisten Produkte auf dem Markt seit Jahrzehnten kaum verändert wurden, obwohl sich das Verständnis von Körper, Komfort und Nachhaltigkeit enorm weiterentwickelt hat. Mir war wichtig, ein Produkt zu entwickeln, das wirklich zum modernen Leben passt: langlebig, durchdacht, gut designt. Das Ziel war simpel – your most comfortable period. Ever.

Welche Erfahrungen aus dem Alltag vieler Frauen wolltet ihr mit rayne konkret verbessern?

Das ständige Wechseln, das Mitschleppen von Produkten, das Gefühl von Unsicherheit – gerade bei Sport, langen Arbeitstagen oder nachts. Ich wollte, dass man die Periode einfach vergessen kann. Nicht verdrängen – vergessen, weil man sich sicher und comfortable fühlt. Deshalb auch unser Claim: „Designed to be forgotten.“

Was unterscheidet die rayne disc von klassischen Periodenprodukten?

Die rayne Disc sitzt anders als Tampons oder Menstruationstassen: direkt unter dem Gebärmutterhals und nicht im empfindlichen Vaginalkanal. Das macht sie für viele Menschen deutlich komfortabler als Tampons. Sie bietet bis zu 12 Stunden Schutz – ohne Wechseln, ist wiederverwendbar, aus medizinischem Silikon und hat einen patentierten Finger-Tab, der die Entnahme einfacher und sicherer macht. Entwickelt und produziert in der Schweiz.

Welche Rolle spielen Design und Komfort bei der Entwicklung eurer Produkte?

Eine zentrale. Design ist bei rayne kein Zusatz — es ist Teil der Funktion. Der Finger-Tab ist ein gutes Beispiel: Er ist sowohl ästhetisch als auch funktional gedacht. Auch die Verpackung, die Kommunikation, das gesamte Markenerlebnis soll zeigen, dass Periodenprodukte nicht in eine Schmuddelecke gehören. Period Care kann schön sein.

Warum setzt rayne bewusst auf wiederverwendbare und nachhaltige Lösungen?

Weil Einwegprodukte auf Dauer weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sind. Eine menstruierende Person verbraucht im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 10’000 Tampons und Binden – viele davon mit Kunststoffanteilen, die Hunderte von Jahren brauchen, um sich abzubauen. Die rayne disc ersetzt das alles. Bei richtiger Pflege ist sie mehrere Jahre wiederverwendbar. Uns war dabei wichtig: Nachhaltigkeit soll sich nicht wie ein Kompromiss anfühlen. Die rayne disc soll nicht nur besser für die Umwelt sein – sondern auch komfortabler und praktischer als das, was man vorher kannte.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Gynäkolog und Produktdesigner für eure Entwicklung?

Unverzichtbar. Die rayne disc wurde über zwei Jahre in enger Zusammenarbeit mit Gynäkologinnen und Produktdesignern entwickelt. Diese Kombination hat die Form, die Materialien und die Anwendung geprägt. Uns war dabei auch wichtig: Wer produziert das Produkt – und wie? Periodenprodukte unterliegen keiner Deklarationspflicht für Inhaltsstoffe. Wir haben uns bewusst für einen Schweizer Hersteller entschieden, der nach höchsten Qualitätsstandards produziert. Nicht weil wir müssen sondern weil wir wissen wollen, was in unserem Produkt steckt. Und weil unsere Kundinnen das verdienen.

An welche Zielgruppe richtet sich rayne besonders?

An alle, die menstruieren und bereit sind, umzudenken. Besonders spricht rayne Menschen an, die aktiv leben, hohe Ansprüche an Qualität haben und nicht zwischen Komfort und Verantwortung wählen wollen. Auch für Athletinnen ist die Disc ideal — kein String, kein Tampon, keine Einschränkung.

Welche Herausforderungen begegnen euch im FemTech-Markt aktuell?

Aufklärung ist nach wie vor eine der grössten. Die Disc ist vielen Menschen noch unbekannt – selbst im Vergleich zum Menstruationscup. Wir müssen gleichzeitig ein Produkt erklären und eine Marke aufbauen. Dazu kommt, dass Periodengesundheit in der Werbung und im Handel immer noch stiefmütterlich behandelt wird. Der Platz im Regal, die Sichtbarkeit in Medien – da ist noch viel Luft nach oben.

Wie geht ihr mit gesellschaftlichen Tabus rund um Menstruation und Frauengesundheit um?

Indem wir offen darüber sprechen – ohne Euphemismen, ohne Scham, aber auch ohne performativen Aktivismus. rayne nimmt die Periode ernst: als körperliche Realität, nicht als Problem. Unser Ton ist selbstbewusst, nicht laut. Zeitgemäss und selbstverständlich – das ist unsere Art, Normalisierung voranzutreiben.

Gab es einen Moment, in dem euch bewusst wurde, dass rayne mehr als nur ein Produkt werden könnte?

Ja, als die ersten Nutzerinnen begannen, uns zu schreiben. Nicht „danke, gutes Produkt“, sondern echte Nachrichten: dass sie sich endlich sicher fühlten beim Sport, beim Reisen, im Alltag. Da wurde klar: Das hier verändert etwas. Und das verpflichtet. Deshalb nehmen wir uns bewusst Zeit – nicht um das Sortiment zu erweitern, sondern um die gesamte Experience rund um die Periode weiterzudenken.

Welche nächsten Entwicklungen und Ziele plant ihr aktuell für rayne?

Wir expandieren gerade in weitere Märkte und arbeiten an der globalen Retail-Präsenz. Langfristig wollen wir nicht einfach wachsen — wir wollen die Art, wie Menschen ihre Periode erleben, nachhaltig verändern. rayne soll global die Referenzmarke für premium Period Care werden.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Wirklich ein Problem lösen – nicht nur ein Produkt entwickeln. Zweitens: Schnell testen, Feedback ernst nehmen und direkt von Kund lernen. Drittens: Nicht alles alleine machen. Ein starkes Netzwerk, gute Sparringspartner und Menschen, die Türen öffnen, sind unglaublich wertvoll.

Bildcredits/Fotograf: Joël Hunn

Wir bedanken uns bei Ramona Schwarz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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