Freitag, August 7, 2026
StartInterviewsHinter jeder Medaille steht ein Team: Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

Hinter jeder Medaille steht ein Team: Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen aus dem Spitzensport und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

BG prevent beschäftigt sich intensiv mit Gesundheit, Prävention und Zusammenarbeit.

Ihr Vortrag trägt den Titel „Gemeinsam zum Erfolg“. Warum ist Erfolg aus Ihrer Sicht immer eine Teamleistung?

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Obwohl ich allein auf dem Rad sitze, sind an meinem Erfolg viele Menschen beteiligt. Mein Orthopädietechniker hat gemeinsam mit mir eine Radsportprothese entwickelt, die mein Training überhaupt erst ermöglicht. Mein Trainer, meine Teamärztin, mein Osteopath und mein Radmechaniker sorgen dafür, dass ich meine Leistung abrufen kann. Und ohne Sponsoren wären viele Dinge im Spitzensport gar nicht möglich.

Genau deshalb sehe ich viele Parallelen zur Wirtschaft. Moderne Unternehmen stehen vor immer komplexeren Herausforderungen. Selbst kleinere Unternehmen müssen heute international denken und in einem dynamischen Umfeld bestehen. Auch dort entsteht Erfolg nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Perspektiven und Erfahrungen.

Deshalb ist Erfolg aus meiner Sicht immer eine Teamleistung. Natürlich muss ich als Athletin im entscheidenden Moment selbst in die Pedale treten. Aber hinter jeder Medaille steht ein Team. Und genauso steht hinter jedem erfolgreichen Unternehmen ein Team, das gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Genau darum geht es auch in meinem Vortrag „Gemeinsam zum Erfolg“.

Welche Rolle spielen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, wenn Teams große Herausforderungen meistern müssen?

Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Teamleistung. Solange alles gut läuft, ist Zusammenarbeit relativ einfach. Die wahre Stärke eines Teams zeigt sich erst dann, wenn Herausforderungen, Rückschläge oder Unsicherheiten auftreten.

In meiner sportlichen Karriere habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig Vertrauen ist. Ich muss mich darauf verlassen können, dass mein Trainer, mein Orthopädietechniker oder mein medizinisches Team die richtigen Entscheidungen treffen und mich bestmöglich unterstützen. Vertrauen entsteht dabei nicht durch große Worte, sondern dadurch, dass Menschen über längere Zeit hinweg das tun, was sie versprechen – wenn Worte und Handlungen übereinstimmen.

Vertrauen bedeutet für mich auch, Verantwortung abzugeben und die Expertise anderer anzuerkennen. Niemand kann alles allein schaffen. Erst wenn Menschen ihre Stärken einbringen können und sich gegenseitig unterstützen, entsteht echte Spitzenleistung.

Das gilt im Sport genauso wie in Unternehmen. Je größer die Herausforderung, desto wichtiger werden Vertrauen, Offenheit und der Zusammenhalt im Team. Oft sind genau diese Faktoren am Ende entscheidend für den Erfolg.

Wie wichtig ist mentale Stärke, wenn man mit Niederlagen oder unerwarteten Veränderungen umgehen muss?

Mentale Stärke spielt für mich eine entscheidende Rolle. Dabei geht es nicht darum, nie zu scheitern oder immer stark zu sein. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen, Niederlagen und unerwarteten Veränderungen umzugehen.

Einer meiner Leitsätze lautet: Es ist nicht die Frage, ob Rückschläge kommen. Die Frage ist, wie wir persönlich und auch als Team damit umgehen. Genau das entscheidet langfristig darüber, ob wir erfolgreich durchs Leben gehen.

Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass Erfolg niemals geradlinig verläuft. Oft sehen wir nur das Ergebnis – die Medaille, den Titel oder das erfolgreiche Unternehmen. Was wir nicht sehen, sind die Fehler, Niederlagen und Zweifel auf dem Weg dorthin. Rückschläge sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein unvermeidbarer Teil von Entwicklung und Erfolg.

Entscheidend ist deshalb der Umgang damit. Bin ich bereit, die Ursachen ehrlich anzuschauen? Bin ich bereit zu lernen und Verantwortung zu übernehmen? Und schaffe ich es, die Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen?

Fehler zu machen ist menschlich. Die gleichen Fehler immer wieder zu machen, ist dagegen eine Entscheidung. Wer aus Erfahrungen nicht lernt, dreht sich im Kreis und macht seinen Weg unnötig schwer, lang und im Unternehmenskontext oft auch unwirtschaftlich.

Mentale Stärke bedeutet für mich deshalb nicht, niemals zu fallen. Mentale Stärke bedeutet, nach jedem Rückschlag aufzustehen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und den nächsten Schritt zu gehen.

Viele Unternehmen stehen aktuell unter hohem Druck. Was können Teams aus dem Leistungssport über Resilienz und Zusammenhalt lernen?

Eine Erkenntnis aus dem Leistungssport ist für mich: Druck ist ein Privileg. Denn Druck entsteht meist dann, wenn uns jemand etwas zutraut – eine Verantwortung, eine Aufgabe oder eine Leistung, die wir erbringen sollen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir Druck vermeiden, sondern wie wir mit ihm umgehen. Im Sport lernen wir, Druck zu akzeptieren und den Fokus auf die Dinge zu richten, die wir beeinflussen können.

Resilienz und Zusammenhalt entstehen dabei nicht in den guten Zeiten, sondern in den schwierigen. Wenn Ergebnisse ausbleiben, Pläne nicht aufgehen oder unerwartete Veränderungen eintreten, zeigt sich, wie stark ein Team wirklich ist.

Welche Eigenschaften zeichnen aus Ihrer Sicht wirklich erfolgreiche Teams aus?

Wirklich erfolgreiche Teams zeichnen sich für mich vor allem durch zwei Dinge aus: Vielfalt und Vertrauen.

Vielfalt deshalb, weil komplexe Herausforderungen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen erfordern. Wenn alle gleich denken, entstehen selten die besten Lösungen. Die Qualität eines Teams entsteht oft gerade aus den unterschiedlichen Blickwinkeln seiner Mitglieder.

Mindestens genauso wichtig ist aber das, was man heute als psychologische Sicherheit bezeichnet. Menschen müssen sich trauen, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern oder neue Ideen einzubringen – auch dann, wenn sie noch nicht wissen, ob diese Idee am Ende funktioniert.

Die besten Teams, die ich erlebt habe, waren nicht die Teams ohne Fehler. Es waren die Teams, in denen Menschen offen miteinander sprechen konnten, voneinander gelernt haben und gemeinsam besser geworden sind.

Denn Fortschritt entsteht selten aus Gewissheit. Fortschritt entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, ihre Gedanken einzubringen und gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen.

Wie gelingt es Teams, auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig zu bleiben?

Ich glaube, dass Teams auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig bleiben können, wenn sie drei Dinge haben: eine klare Vision, Vertrauen in die Führung und das Gefühl, Teil der Lösung zu sein.

Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen Menschen Orientierung. Sie müssen verstehen, warum sie etwas tun und wofür es sich lohnt, weiterzumachen. Gleichzeitig braucht es Führungspersönlichkeiten, die Zuversicht vermitteln. Nicht indem sie Probleme schönreden, sondern indem sie ehrlich, transparent und verlässlich kommunizieren. Worte und Handlungen müssen dabei übereinstimmen – denn Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch gelebtes Verhalten.

Mindestens genauso wichtig ist die Einbindung des Teams. Menschen bleiben motiviert, wenn sie gehört werden, Verantwortung übernehmen können und das Gefühl haben, einen Beitrag zu leisten.

Und schließlich ist es immer auch eine Frage der Haltung. Wir können viel Energie darauf verwenden, warum etwas nicht funktioniert, oder wir können unsere Energie darauf richten, was der nächste mögliche Schritt ist. Erfolgreiche Teams entscheiden sich gerade in schwierigen Phasen für Handlungsfähigkeit statt Opferrolle. Sie richten ihren Blick nicht auf das Problem, sondern auf die Möglichkeiten, die ihnen trotz der Situation noch zur Verfügung stehen.

Bildcredits Sven Erberich

Wir bedanken uns bei Denise Schindler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

spot_img
- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!