Nuvio Planet ermöglicht datenbasierte Nachhaltigkeit durch präzise Analyse von Emissionen entlang komplexer Lieferketten
Wie ist Nuvio Planet entstanden und wer sind die Gründer, die hinter dem Startup stehen?
Nuvio Planet entstand aus der Überzeugung, dass die Messung von Umweltwirkungen genauso einfach sein sollte wie ein Finanzbericht.
Ich habe über zehn Jahre lang Unternehmen dabei unterstützt, ihren ökologischen Fußabdruck zu verstehen, und überall das gleiche Muster gesehen: Die Daten waren vorhanden, aber zu langsam, zu komplex und zu fragmentiert. Wir haben die Lösung ursprünglich im BASF-Ökosystem entwickelt. Als uns klar wurde, dass wir unabhängig deutlich mehr Wirkung erzielen können, haben wir diesen Schritt konsequent umgesetzt. Mein Co-Founder und ich bringen zusammen jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Agrar- und Lebensmittelindustrie, Umweltmodellierung sowie Aufbau und Skalierung von Softwareunternehmen mit.
Welche Vision verfolgt Nuvio Planet im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit in der Tierprotein- und Futtermittelindustrie?
Die Tierhaltungsindustrie wird nicht verschwinden. Aber ihre Funktionsweise muss sich grundlegend verändern. Planetare Grenzen sind real. CO₂-Kosten kommen. Regierungen kaufen landwirtschaftliche Betriebe zurück. Der einzige Weg nach vorne ist radikale Effizienz und Effizienz erfordert Messbarkeit. Environmental Intelligence wird zu einer Standard-Kennzahl neben finanziellen KPIs werden. Es ist keine Frage ob, sondern wann.
Bis 2030 wird Umweltperformance auf demselben Dashboard stehen wie Marge und Ertrag. Unternehmen, die diese Intelligenz heute in ihre Prozesse integrieren, sind nicht nur regulatorisch voraus – sie bauen sich einen strukturellen Wettbewerbsvorteil auf, den Nachzügler nicht über Nacht aufholen können.
Und ehrlich gesagt: Die Branche ist diesem Punkt näher, als viele glauben.
Wie funktioniert die Plattform von Nuvio Planet in der Praxis?
Unternehmen geben die Daten ein, die sie bereits haben und die beschreiben, wie ihre Lebensmittel produziert werden: Energie, Ressourcen, Futtermittel, Wasser, Abfall. Unsere Modelle erfassen den gesamten Umweltfußabdruck entlang des Produktlebenszyklus, inklusive Treibhausgase, Landnutzung, Wasser und mehr. Wir machen diese Daten visuell und leicht verständlich. Man braucht kein Wissenschaftler zu sein, um damit zu arbeiten. Nachhaltigkeitsexperten sparen Zeit und Kosten, weil Prozesse automatisiert werden, die früher Monate gedauert haben.
Gleichzeitig treffen Teams aus Einkauf, Marketing und Vertrieb bessere Entscheidungen, weil sie erstmals einen vollständigen Überblick über das gesamte Tierproduktionssystem haben, inklusive aller Zielkonflikte, nicht nur einzelner Aspekte.
Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeit von einem Reporting-Thema zu einer operativen Steuerungsgröße zu machen. Unternehmen sehen bereits heute: Emissions-Hotspots sind oft gleichzeitig Kostenineffizienzen. Wer dem CO₂ folgt, findet die Kosten.
Welche Zielgruppen sprechen Sie an und welche Probleme lösen Sie konkret?
Unsere Plattform deckt rund 70 % des ökologischen Fußabdrucks eines typischen Warenkorbs ab. Allein tierisches Protein macht etwa zwei Drittel dieses Fußabdrucks aus, genau dort setzen wir an.
Wir bedienen die gesamte Wertschöpfungskette für tierisches Protein: Geflügel, Schwein, Milchprodukte, Rind, Eier und Futtermittel. Ein Beispiel: Ein Geflügelproduzent muss gleichzeitig Umweltversprechen gegenüber dem Handel einhalten, ESG-Anforderungen erfüllen und wirtschaftlich effizient bleiben.
Mit Nuvio Planet kann er exakt sehen, wo die größten Auswirkungen entstehen und welche Maßnahmen diese am schnellsten reduzieren. Führende internationale Unternehmen wie Evonik, KWS, Vall Companys und Bestmix arbeiten bereits mit uns.
Welche Rolle spielt Nuvio Planet beim Verständnis von Scope-3-Emissionen?
Scope 3 war lange ein Reporting-Thema, heute ist es operative Steuerung. In Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungsketten machen vorgelagerte Scope-3-Emissionen bis zu 95 % der Gesamtemissionen aus. Bisher wurden sie oft nur als Offenlegung behandelt. Der Markt bewegt sich jetzt klar weg von generischen Emissionsfaktoren hin zu Emissionen auf Betriebsebene. Diese Detailtiefe auf Produktebene ist entscheidend, um echte Entscheidungen entlang der Lieferkette treffen zu können.
Unsere Modelle helfen Unternehmen dabei, Emissionen zu quantifizieren, Hotspots zu identifizieren, Lieferanten zu bewerten und gezielte Maßnahmen umzusetzen. Einkaufsteams filtern bereits heute Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien, um zukünftige Compliance und Resilienz sicherzustellen.
Welche Herausforderungen gibt es bei Daten entlang komplexer Lieferketten?
Die größte Herausforderung ist nicht fehlende Daten, sondern fragmentierte Daten entlang der Wertschöpfungskette. Unternehmen haben meist gute Daten zu ihren eigenen Prozessen. Die Lücken liegen upstream und downstream, also vor dem Hof (z. B. Futtermittel, Pflanzenproduktion) und danach (Verarbeitung, Handel).
Unsere Plattform schließt diese Lücken, indem sie Lebenszyklusanalysen (LCA) durch standardisierte Templates, intuitive Workflows und Echtzeit-Szenarienmodellierung vereinfacht. Das reduziert Analysezeiten von Monaten auf Stunden und macht LCA für deutlich mehr Nutzer zugänglich.
Was unterscheidet Nuvio Planet von anderen Lösungen?
Wir sind unabhängig, spezialisiert und tief in der Branche verankert. Unabhängigkeit bedeutet: keine Konzernagenda, die unsere Produktentwicklung beeinflusst. Wir besitzen unsere Technologie vollständig, können schnell reagieren und uns exakt an den Bedürfnissen des Marktes orientieren. Unser Fokus liegt ausschließlich auf Agrar- und Lebensmittelwertschöpfung sowie tierischem Protein. Wir integrieren uns direkt in bestehende Systeme wie Futtermittelsoftware und reduzieren so den Datenaufwand erheblich. Was andere in Wochen liefern, liefern wir in Stunden.
Wie können Unternehmen Szenarien simulieren?
Nachhaltigkeit kann heute gemeinsam mit Ernährung und Kosten optimiert werden, nicht isoliert. 50–80 % der Umweltwirkungen und Kosten in der Tierproduktion entstehen durch Futtermittel. Die zentrale Frage lautet: Wie viel Protein kann pro Einheit Futtermittel, Land und Emission produziert werden? Unsere Tools ermöglichen genau diese Simulationen.
Unternehmen können Lösungen identifizieren, die Emissionen senken, Effizienz steigern und gleichzeitig Margen schützen. Schon kleine strukturelle Anpassungen können Output steigern und Emissionen reduzieren.
Welche Entwicklungen planen Sie für die Zukunft?
Unser Ziel ist es, die zentrale „Intelligence Layer“ der Branche zu werden, die Grundlage für smartere Proteinproduktion. Der regulatorische Druck nimmt stark zu: CSRD, EU Green Deal, digitale Produktpässe. Gleichzeitig verlangen Konsumenten und Handel echte Nachhaltigkeit statt Greenwashing. Unternehmen, die Environmental Intelligence heute integrieren, sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile.
Digitale Lösungen wie unsere werden nicht nur hilfreich sein – sie werden unverzichtbar.
Wie sehen Sie die Zukunft der nachhaltigen Tierproteinproduktion?
Die Zukunft von Proteinwachstum liegt in Effizienz, nicht in Expansion. Jeder Bissen hat einen Fußabdruck. Was wir essen und wie es produziert wird, beeinflusst Wasser, Böden und Klima.
Wenn Unternehmen ihre Auswirkungen messen und reduzieren, entsteht ein Effekt, der uns alle betrifft. Ein oft übersehener Punkt: Produktionssysteme sind integriert und erzeugen mehrere Produkte gleichzeitig. Eine Milchkuh produziert Milch, Fleisch, Käse und Molke. Wer diese getrennt betrachtet, verzerrt die tatsächliche Effizienz.
Mit Nuvio Planet erhält man eine ganzheitliche Systemperspektive und damit die Grundlage für echte Produktivitätsentscheidungen.
Welche Herausforderungen haben Sie als Gründerteam geprägt?
Die größte Veränderung war der Wechsel vom Konzern- zum Startup-Mindset. Für mich persönlich war die wichtigste Erkenntnis: kompromisslos auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Markt und Kunden zu fokussieren. Am erfüllendsten ist es zu sehen, dass die Branche den Wert unserer Lösung erkennt.
Wir sind mit der klaren Überzeugung gestartet, dass die Umweltwirkung ein zentraler Business-KPI wird. Heute helfen wir Unternehmen, genau das operativ umzusetzen.
Welche drei Ratschläge geben Sie anderen Climate-Tech-Gründern?
Erstens: Baut, was der Markt heute braucht, nicht das, was theoretisch interessant klingt.
Der Climate-Tech-Friedhof ist voll von eleganten Lösungen für falsche Probleme. Sprecht mit Kunden, bevor ihr baut – nicht danach.
Zweitens: Wenn eure Plattform einen Wissenschaftler braucht, um sie zu bedienen, habt ihr verloren.
Komplexität muss vereinfacht werden. Der Wert entsteht erst, wenn Kunden sie verstehen und nutzen können.
Drittens: Wartet nicht auf Regulierung, um euren Markt zu schaffen.
Die Unternehmen, die 2035 dominieren, treffen heute operative Entscheidungen auf Basis von Umweltdaten.
Euer Geschäftsmodell muss genauso robust sein wie eure Technologie – denn wirtschaftlicher Druck gilt auch für Climate Tech.
Bild Irene Rosique-Conesa Fotografin Patrycia Lukas
Wir bedanken uns bei Irene Rosique-Conesa für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Premium Start-up: Nuvio Planet

Kontakt:
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14165 Berlin
www.nuvioplanet.com
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