friedensflotte mirno more bringt mit der Flottenwoche benachteiligte Kinder und Jugendliche zusammen und hat am 21. April in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen gepitcht
Wie ist Mirno More entstanden und wer steht hinter der Organisation? Was hat euch dazu motiviert, die Friedensflotte ins Leben zu rufen?
Die friedensflotte mirno more entstand 1994 aus einer einfachen, aber kraftvollen Idee. Was als kleines Friedensprojekt mit drei Schiffen, einer Handvoll Freiwilliger und ein paar Kindern begann, entwickelte sich bis heute zum weltweit größten sozialpädagogischen Segelprojekt für benachteiligte junge Menschen. Über 30 Jahre nach der ersten Flotte setzen jährlich rund 100 Schiffe mit 1.000 Menschen an Bord die Segel im Zeichen des Friedens. Christian Winkler, der Begründer des Projekts wollte Kinder und Jugendliche, die aus den ehemaligen Kriegsgebieten Jugoslawiens nach Österreich geflohen waren, verbinden und zusammenführen – ihnen zeigen, dass auf einem Segelschiff der Wind für alle gleich weht. Seine Idee war es, völkerverbindend zu wirken, vermeintliche Unterschiede zu hinterfragen, Konflikte friedlich zu lösen, Vorurteile abzubauen und den Kindern in diesem außergewöhnlichen und damit sehr tiefgreifend prägenden Rahmen beizubringen, sich mit Respekt und Solidarität zu begegnen.
Mirno More wird am 21. April 2026 in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen zu sehen sein. Mit welchen Erwartungen geht ihr in die Teilnahme?
Die friedensflotte mirno more ist ein rein ehrenamtlich organisiertes und ausschließlich durch Spenden und Sponsorings getragener Verein. Die Arbeit daran, die Beliebtheit und Bekanntheit hochzuhalten ist daher eine wichtige und stetige Aufgabe. Ein Auftritt im Fernsehen ist für uns kein Selbstdarstellungszweck, sondern eine wichtige Plattform, den Verein friedensflotte mirno more einem großen – und möglichst neuen – Publikum näherzubringen. Ob und wie viel die Investor*innen vor Ort spenden, war für uns von Beginn an etwas weniger im Fokus, als die Bühne im TV zu nutzen, neuen Menschen zu zeigen, was wir tun und vielleicht die eine oder andere Unterstützung dadurch zu lukrieren.
Wie bereitet ihr euch aktuell auf euren Auftritt bei 2 Minuten 2 Millionen vor?
Die Vorbereitungen waren intensiv und teilweise stressig, da die drei Pitcher*innen Michael Fuchs, Tamara Penz als auch Fabijan Berket sowie das gesamte im Hintergrund helfende Team im regulären Leben gut eingedeckt sind mit Vollzeit-Jobs, Familie, Studium und Co. Trotzdem haben wir ein paar Übungseinheiten geschafft, sind den Pitch wiederholt durchgegangen und hatten allen voran großen Spaß in der Vorbereitung. Schön am Team ist, dass alle sehr unterschiedlich sind – das gemeinsame Engagement für die Sache aber enorm vereinend und motivierend ist.
Welche zentrale Botschaft möchtet ihr mit Mirno More vor den Investorinnen und Investoren sowie dem Publikum vermitteln?
Neben Start-Ups, Investments und Co darf nicht vergessen werden, wie wichtig in der heutigen Zeit der dritte Sektor ist. Organisationen also, die weder dem Staat noch dem gewinnorientierten Markt angehören. Kapitalismus und Materialismus sind die gegenwärtigen wirtschaftlichen Systeme, in denen wir uns bewegen – genau hier ist aber Philanthropie und Gemeinwohl nicht wegzudenken. Als „Return on Investment“ kann auch gesehen werden, benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit und Chance zu geben, die ihnen das Leben sonst nicht gegeben hätte. Das ist eine Botschaft, die wir vermitteln wollen.
Was wäre für euch ein persönlicher Erfolg nach der Teilnahme an 2 Minuten 2 Millionen?
Uns war es wichtig, unser Herzensprojekt so zu zeigen, dass es von den Investor*innen und dem Publikum vorm Fernseher verstanden wird. Es ist manchmal gar nicht so einfach zu beschreiben, welche bedeutsamen, emotionalen und pädagogisch hochrelevanten Momente auf der Flottenwoche passieren. Treffen Kinder mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung auf andere, tauschen sie sich über ihre unterschiedlichen Geschichten, aber vor allem auch über Gemeinsamkeiten aus und fühlen sich verstanden.
Ein Kind mit einer Behinderung, das im Rollstuhl sitzt, berührt vielleicht zum ersten Mal das Meerwasser, weil sich die Familie bisher noch nie imstande gesehen hat, so weit weg zu fahren. Auch ein Jugendlicher, der gewohnt war, Konflikte immer körperlich auszutragen, kann am Schiff plötzlich erkennen „Wir sitzen alle im gleichen Boot“ und verstehen, dass es nur funktioniert, wenn man kommuniziert und sich friedlich arrangiert. Das sind die Momente und Eindrücke, die wir aus unserer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der friedensflotte mirno more mittragen und anderen mitgeben wollen. Wenn uns das gelungen ist, war es ein Erfolg!
Welche Vision verfolgt ihr mit Mirno More für die Zukunft von Integration, Inklusion und Friedensarbeit?
Unser idealistisches Ziel ist es, dass es die friedensflotte mirno more irgendwann nicht mehr braucht. Da wir aber leider in einer Welt leben, die nicht gerade nur von Frieden und Solidarität geprägt ist, werden wir weitermachen. Friede beginnt im Kleinen. Was wir tun und wie wir handeln, prägt die Gestaltung der Welt im Großen. Durch die erklärten Werte Integration, Inklusion und Solidarität wird auf der Flottenwoche ein Miteinander geschaffen, das sich durch Selbstwirksamkeit und Verantwortung, gewaltfreie Kommunikation und friedliche Konfliktlösung sowie respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander äußert. Die Kinder und Jugendlichen erleben auf der Flottenwoche diese Werte lebendig und integrieren diese nachhaltig in ihr Leben – und das schafft die Grundlage für eine friedlichere Welt.
Was macht die Friedensflotte so besonders und welche Wirkung erzielt ihr bei den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen? Welche Rolle spielt das gemeinsame Segeln für Teamgeist, Vertrauen und interkulturellen Austausch?
Die friedensflotte mirno more ist eine erlebnispädagogische Intervention, die benachteiligten jungen Menschen ermöglicht, die Sorgen ihres Alltags zu vergessen. Durch die Ausnahmesituation am Schiff wird dem zugrundeliegenden erlebnispädagogischen Konzept nach ein tiefgehender und ganzheitlicher Lernprozess angestoßen, der nachhaltig wirkt. Das Leben als Crew erfordert die Kooperation aller, so lernen die Teilnehmenden anderen und sich selbst zu vertrauen – und gehen aus der Flottenwoche mit einem neuen (Selbst-)Verständnis und Mut heraus.
Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Organisation eines internationalen Sozialprojekts dieser Größe? Wie finanziert ihr eure Projekte und welche Rolle spielen Partnerschaften und Unterstützer dabei?
Die Koordination aller ist die wohl größte Herausforderung bei einem Projekt dieser Größenordnung. Da sprechen wir von diversen österreichischen oder kroatischen Behörden, den Vercharterern und Marinas entlang unserer Route, den vielen involvierten Institutionen und Organisationen, den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen sowie den vielen ehrenamtlichen tätigen im Organisationsteam, die Skipperinnen, Betreuerinnen und Pädagoginnen, den medizinischen Helferinnen und vielen mehr. Wir arbeiten das ganze Jahr daran, dass die Flottenwoche im Herbst wie sie ist mit 100 Schiffen und 1.000 Menschen stattfinden kann. Die zweite große Herausforderung ist die Finanzierung. Da die friedensflotte mirno more ausschließlich durch Spenden und Sponsorings getragen wird, ist es eine stetige Challenge, die notwendigen Mittel für die Durchführung der nächsten Flottenwoche abzusichern.
Welche Zielgruppen sprecht ihr mit euren Projekten besonders an und welche gesellschaftlichen Probleme möchtet ihr konkret lösen?
Die friedensflotte mirno more ist heute eine tragfähige Plattform für vielfältige Zielgruppen. Aber wir haben eine gemeinsame Mission: Dass die in unterschiedlicher Form benachteiligten Kinder und Jugendlichen die zentralen Werte Integration, Inklusion und Solidarität auf der Flottenwoche lebendig lernen und nachhaltig in ihr Leben integrieren. Weniger ist man benachteiligt, vielmehr wird man benachteiligt – von anderen Menschen, von einer Gesellschaft, vom Leben. Genau hier setzen wir an: Wir betreiben Gleichstellung statt Gleichbehandlung und arbeiten somit aktiv Benachteiligungen entgegen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist es immens wichtig zu verankern, dass es uns in der Gesamtheit besser geht, wenn allen geholfen ist, wir uns gegenseitig auf Augenhöhe begegnen, am gleichen Strang ziehen, solidarisch sind, auf das metaphorisch „schwächste Glied einer Kette“ achtgeben und Vorurteile nicht weitertragen, sondern sie über Bord werfen.
Was unterscheidet Mirno More von anderen sozialen Initiativen im Bereich Bildung, Integration und Jugendarbeit?
Wir sind das weltweit größte Segelprojekt, das sich mit sozialpädagogischen Zielen Kindern und Jugendlichen widmet. Über die Jahre sind der Verein und die Zielgruppen in einen sehr vielfältigen Bereich gewachsen und wir wollen die Möglichkeit einer Teilnahme auch für alle diversen Anliegen und Hintergrundgeschichten schaffen. Für ein so außergewöhnliches erlebnispädagogisches Setting besteht natürlich im Alltag nicht immer die Möglichkeit, es ist schon etwas ganz Besonderes in Kroatien auf einem Segelboot zu sein. Genau diese Ausnahmesituation schafft folglich den Rahmen für einen tiefgehenden und ganzheitlichen Lernprozess. Oft schon – und gerade nach der Ausstrahlung von 2 Minuten 2 Millionen – haben sich ehemalige Teilnehmende oder deren Eltern bei uns gemeldet, um erneut zu betonen, was für ein wichtiger Wendepunkt die friedensflotte mirno more war, wie weit das Gelernte im Leben mitgetragen wurden und welch positiven Eindruck sie in ihrer Gesamtheit hinterlassen hat.
Welche Bedeutung haben Werte wie Frieden, Respekt und Zusammenhalt für eure Arbeit?
Da unsere Kernwerte durch friedliche Konfliktlösung sowie respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander geprägt sind, hat das auch hohen Stellenwert für das Miteinander im Team und in der Zusammenarbeit. Während des Jahres, aber vor allem auf der Flottenwoche, haben alle ehrenamtlich Tätigen im Organisationsteam und darüber hinaus außerdem eine große Vorbildfunktion. Das gemeinsame Engagement und „das große Ganze“ im Blick vereint auf eine sehr schöne Art und Weise die unterschiedlichsten Menschen und Charaktere, die für die friedensflotte mirno more tätig sind.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im Social Impact Bereich mit auf den Weg geben?
Grundsätzlich ist es natürlich ehrenvoll sich in diesem Bereich zu engagieren – anzunehmen, dass es deshalb immer nur schön und einfach ist, wäre auch nicht gut. Obwohl der dritte Sektor, NGO, Ehrenamt und soziale Organisationen so wichtig für unsere Gesellschaft sind, wird einem deshalb die Arbeit nicht leichter gemacht – manchmal leider genau im Gegenteil. Man kämpft als rein durch Spenden und Sponsorings getragener Verein „für die gute Sache“ sehr häufig ums pure Weiterbestehen. Ganz abgesehen von den Herausforderungen kann die Arbeit in einem Bereich mit Social Impact sehr erfüllend sein. Wenn man am Ende aber sieht und erlebt, was mit dem Einsatz erreicht wird, wer davon profitiert, eine Chance und Gelegenheit bekommt, die anders nicht möglich gewesen wäre, generiert die reingesteckte Energie einen vielfachen Mehrwert – und das ist jedes Mal wieder ein unglaublich eindrückliches und motivierendes Gefühl!
Bild: Behind The Scenes Copyright © friedensflotte mirno more
Sehen Sie Biersirup am 21. April 2026 in der Sendung 2 Minuten 2 Millionen
Wir bedanken uns bei Lucia Schweiger für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


























