EightSix macht Musik für Marken strategisch nutzbar und schafft klare Systeme für konsistente Entscheidungen
Wer steckt hinter EightSix und welche Hintergründe bringen die Gründerinnen und Gründer mit?
Hinter EightSix stehen Gordian Gleiß, Shai Hirschson und Joss Brightwell. Wir kommen aus Musik, Komposition, Sonic Branding, Supervision, Produktion und strategischer Markenarbeit. EightSix ist aus 86Tales heraus entstanden, einer Firma, mit der wir über Jahre Musik für Marken, Kampagnen und Kommunikationsformate entwickelt haben. Uns verbindet die Erfahrung, dass Musik in Unternehmen oft eine enorme Wirkung hat, aber selten mit derselben Klarheit geführt wird wie Design oder Sprache.
Wie ist die Idee zu EightSix entstanden und welches Problem im Marketing wolltet ihr konkret lösen?
Die Idee zu EightSix ist direkt aus der Arbeit von 86Tales entstanden. Über Jahre haben wir dort erlebt, wie Musikentscheidungen in Unternehmen getroffen werden. Meist subjektiv, politisch und kaum nachvollziehbar. Jeder hat eine Meinung, aber oft gibt es kein System. Ein Team entscheidet so, das nächste völlig anders. Das Ergebnis ist ein Klangbild ohne Linie. EightSix ist entstanden, weil wir dieses Problem nicht nur kreativ, sondern strukturell lösen wollten.
Welche Vision verfolgt EightSix im Bereich Musik und Markenkommunikation?
Unsere Vision ist, Musik in Unternehmen genauso ernst zu nehmen wie visuelles Design. Mit klaren Regeln, einem gemeinsamen Verständnis und einer langfristigen Logik. Wir wollen, dass jede Marke weiß, wie sie klingt, warum sie so klingt und wie sie diesen Klang über alle Kanäle und Märkte hinweg konsistent hält.
An welche Zielgruppen richtet sich EightSix und welche Bedürfnisse stehen dabei im Fokus?
Wir arbeiten mit Marken und Agenturen, die Musik nicht als Dekoration sehen, sondern als strategisches Werkzeug. Das sind meist CMOs, Brand Leads oder Marketingentscheider in mittelgroßen bis großen Organisationen. Im Fokus stehen Klarheit, Konsistenz, schnellere Entscheidungen und ein System, das auch in komplexen Teamstrukturen funktioniert.
Warum wird Musik im Marketing aus eurer Sicht noch immer unterschätzt?
Weil es in den meisten Unternehmen kein gelerntes Vokabular dafür gibt. Für Farben, Typografie und Layout gibt es Brand Books und Guidelines. Für Musik oft nicht. Deshalb wird Musik häufig als letzte Entscheidung im Prozess behandelt. Kurz vor der Deadline, nach Bauchgefühl und oft ohne klaren Rahmen. Dabei ist sie einer der stärksten Hebel für Wiedererkennung und Emotion.
Wie schafft ihr es bei EightSix, Musikentscheidungen datenbasiert und nachvollziehbar zu machen?
Wir haben mit dem Brand Studio eine Plattform gebaut, die Marken eine gemeinsame Sprache für Musik gibt. Statt nur über Geschmack zu diskutieren, arbeiten Teams mit klaren Parametern. Zum Beispiel Stimmung, Energie, Tempo, Instrumentierung oder kulturelle Referenzen. Diese Parameter werden aus der Markenidentität abgeleitet. So wird aus Intuition ein Framework, das teilbar, nachvollziehbar und skalierbar ist.
Was unterscheidet euren Ansatz von klassischen Agenturen im Bereich Sound und Branding?
Viele Ansätze enden beim Audio Logo oder bei einem Sound Manual. Das ist wichtig, löst aber nicht das operative Problem im Alltag. Was passiert, wenn ein Team drei Monate später neue Musik für eine Kampagne braucht? Wer entscheidet dann, was zur Marke passt? EightSix verbindet kreative Exzellenz mit einem System, das auch nach dem Projekt weiterlebt. Wir machen nicht nur den Klang. Wir machen die Entscheidungsfähigkeit rund um Klang.
Welche Herausforderungen begegnen euch, wenn ihr kreative Prozesse mit Daten und Technologie verbindet?
Die größte Herausforderung ist Vertrauen. Viele Kreative reagieren verständlicherweise skeptisch auf Systeme, die ihre Arbeit zu stark einengen könnten. Unser Ziel ist aber nicht, Kreativität zu ersetzen, sondern sie besser abzusichern. Die Kunst liegt darin, Struktur zu schaffen, ohne die Magie zu verlieren.
Wie reagieren Unternehmen darauf, Musik nicht mehr rein subjektiv auszuwählen?
Erstaunlich positiv. Viele Teams empfinden es als Erleichterung. Endlich gibt es eine Grundlage, auf der man diskutieren kann, ohne dass es persönlich wird. Ohne gemeinsame Kriterien gewinnt oft einfach die lauteste Stimme. Mit einem klaren Rahmen werden Musikentscheidungen schneller, sicherer und besser begründbar.
Welche Rolle spielt eure Plattform bei der täglichen Arbeit mit Kundinnen und Kunden?
Das Brand Studio ist der Ort, an dem die musikalische Identität einer Marke sichtbar und anwendbar wird. Dort können Teams Musik gegen ihre Markenparameter prüfen und Entscheidungen über Märkte und Kanäle hinweg konsistent halten. Bei Siemens Hausgeräte nutzen wir diesen Ansatz, um eine klare musikalische Sprache über unterschiedliche Touchpoints hinweg zu sichern.
Wie wollt ihr EightSix in Zukunft weiterentwickeln und welche nächsten Schritte plant ihr?
Wir wollen EightSix als führende Plattform für strategische Musikentscheidungen weiter ausbauen. Dazu gehören neue Integrationen, weitere Musikquellen, internationale Skalierung und noch stärkere Anwendungen für große Markenorganisationen. Unser Ziel ist, dass in Zukunft keine große Marke mehr ohne ein klares Musik Governance System arbeitet.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Build what you need. Dann bleibt ihr auch dann dran, wenn es schwierig wird.
Zweitens: Seid bereit, eure ursprüngliche Idee immer wieder zu hinterfragen. Wir haben über Jahre gelernt, dass das eigentliche Problem nicht Musik selbst ist, sondern die Entscheidung rund um Musik.
Drittens: Unterschätzt nie die Kraft klarer Sprache. Wenn ihr nicht in einem Satz sagen könnt, was ihr macht und warum es relevant ist, habt ihr kein Kommunikationsproblem, sondern ein Strategieproblem.
Bild:Die Co-Gründer von EightSix Shai Caleb Hirschson (l.) und Gordian Gleiss (r.). Bild: EightSix
Wir bedanken uns bei Shai Caleb Hirschson und Gordian Gleiss für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























