Freitag, Juni 5, 2026
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Warum werden medizinische Entscheidungen bei Frauen noch immer auf Standardmodellen getroffen?

OvulaRing entwickelt ein medizinisches Diagnostiksystem für die kontinuierliche Analyse des weiblichen Zyklus und setzt dabei auf datenbasierte Frauengesundheit sowie präzise Zyklusdiagnostik. In The Green Deal Show sprach das Unternehmen über Forschung, Kinderwunsch und die Herausforderungen im FemTech- und MedTech-Markt

Wie entstand die Idee zu OvulaRing und welche Vision steckt hinter dem Unternehmen?

Die Idee geht auf meinen Vater Prof. Dr. med. Henry Alexander zurück, ein Pionier der Reproduktionsmedizin in Deutschland. Bereits in den 1990er-Jahren erkannte er, dass der individuelle Zyklus medizinisch nicht in seiner Gesamtheit sichtbar war – und wichtige diagnostische Entscheidungen deshalb oft auf vereinfachten Standardmodellen beruhten. Daraus entstand die Vision, den Zyklus kontinuierlich und objektiv zu erfassen. Heute verfolgt VivoSensMedical das Ziel, Frauengesundheit präziser, individueller und datenbasiert zu gestalten und damit langfristig den Gender Health Gap zu verkleinern.

Was hat euch dazu bewegt, Frauengesundheit und Zyklusdiagnostik technologisch neu zu denken?

Der weibliche Zyklus ist bis heute unzureichend erforscht. Standardannahmen wie der 28-Tage-Zyklus mit Eisprung an Tag 14 treffen nur auf einen winzigen Teil der Frauen zu. Wir wollten deshalb weg von Schätzungen und Einzelmessungen und hin zu einer Diagnostik, die die tatsächliche biologische Individualität jeder Frau berücksichtigt.

OvulaRing richtet sich unter anderem an Frauen mit Kinderwunsch. Welche Bedürfnisse stehen dabei besonders im Fokus?

Frauen mit Kinderwunsch möchten vor allem wissen, wann ihre fruchtbaren Tage sind. Gerade bei unregelmäßigen Zyklen, PCOS, Endometriose oder trotz erfolgloser Kinderwunschbehandlungen liefert OvulaRing präzise Daten zum Eisprung und zur Zyklusgesundheit. Dadurch können Paare ihre Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern und in vielen Fällen sogar physisch, psychisch und finanziell belastende IVF-Behandlungen vermeiden.

Was unterscheidet OvulaRing aus eurer Sicht von klassischen Zyklus Apps oder anderen Tracking Lösungen?

Die meisten Apps arbeiten mit Durchschnittswerten. OvulaRing misst im Gegensatz dazu kontinuierlich und hochpräzise die Körperkerntemperatur. Alle fünf Minuten wird ein Temperaturwert gespeichert – das ergibt 288 Messpunkte pro Tag. So entsteht ein vollständiges Bild des individuellen Zyklusverlaufs – ohne Zutun der Frau. Die Auswertung erfolgt über medizinisch validierte Algorithmen. OvulaRing ist zudem ein zertifiziertes Medizinprodukt und funktioniert gerade auch bei langen, kurzen oder unregelmäßigen Zyklen. Das haben nur wir in unabhängigen medizinischen Studien außerhalb des Standardzyklus beweisen können.

Welche Herausforderungen gibt es im FemTech und MedTech Bereich besonders häufig?

Eine große Herausforderung ist die Kombination aus hohem Forschungsaufwand und strengen regulatorischen Anforderungen. Innovationen müssen wissenschaftlich belegt und medizinisch zugelassen werden. Hinzu kommt, dass Frauengesundheit noch heute unterfinanziert ist und wissenschaftlich unterschätzt wird. Etablierte Denkmuster müssen erst aufgebrochen werden. Langsam, langsam tut sich da was. Aber zu langsam.

ovularing app mit produkt in der hand - OvulaRing: Zyklusdiagnostik für mehr Frauengesundheit
(c) VivoSensMedical

Wie wichtig sind medizinische Forschung und wissenschaftliche Daten für die Weiterentwicklung von OvulaRing?

Sie bilden die Grundlage unseres gesamten Geschäftsmodells. OvulaRing basiert auf jahrzehntelanger medizinischer Forschung. Die kontinuierlich erhobenen Daten helfen uns nicht nur bei der Verbesserung unserer Algorithmen, sondern liefern auch wichtige Erkenntnisse etwa zur Fruchtbarkeit, Menopause, zu Stress oder Sport in Zusammenhang mit dem Zyklus. Wir arbeiten dabei mit nationalen und internationalen Forschungspartnern zusammen.

Ihr wart am 29. Mai 2026 in der zweiten Folge von The Green Deal Show zu sehen. Wie habt ihr die Teilnahme erlebt?

Die Teilnahme war für uns eine wertvolle Gelegenheit, das Thema nachhaltige Frauengesundheit einem breiteren Publikum vorzustellen. Besonders spannend war der Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern sowie die Möglichkeit zu zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema für Energie oder Mobilität ist, sondern auch für Medizin und Diagnostik.

Mit welchen Erwartungen seid ihr damals in The Green Deal Show gegangen?

Unser Ziel war es, Aufmerksamkeit für die Themen Frauengesundheit, Zyklusdiagnostik und Gender Health Gap zu schaffen. Gleichzeitig wollten wir neue Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern, Multiplikatoren und Institutionen knüpfen, die unsere Vision einer ganz individuellen und gendersensiblen Medizin teilen.

Gab es nach der Ausstrahlung neue Gespräche, Kooperationen oder Reaktionen auf OvulaRing?

Wir haben uns sehr über die positive Resonanz direkt nach der Show vor Ort und nach der Ausstrahlung gefreut. Die Sendung hat zusätzliche Sichtbarkeit geschaffen und zahlreiche Gespräche ausgelöst, auch wenn die Ausstrahlung noch nicht lange her ist. Besonders positiv war das Interesse an unserem Ansatz, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Frauengesundheit miteinander zu verbinden. Durch die Show aber auch generell entwickeln wir neue Kooperationen, das ist ein fortlaufender Prozess.

Konnte OvulaRing durch The Green Deal Show einen Deal abschließen oder wichtige Kontakte gewinnen?

In der Show konnten wir die Creatorin Leo Schley von OvulaRing überzeugen, was uns sehr freut. Der größte Mehrwert dieses Formats liegt in den Kontakten und der Reichweite. Bereits das Publikum der Show war sehr interessiert und hat uns später viele Fragen gestellt. Die Teilnahme hat uns den Zugang zu neuen Gesprächspartnern eröffnet und unser Netzwerk erweitert. Gerade für ein spezialisiertes MedTech-Unternehmen sind solche Kontakte oft langfristig wertvoller als kurzfristige Abschlüsse.

Wie ging es nach der Sendung für euch weiter und welche Entwicklungen haben sich seitdem ergeben?

Wir arbeiten weiterhin an der Weiterentwicklung unserer Technologie, dem Ausbau von Forschungskooperationen und neuen Anwendungsfeldern der Zyklusdiagnostik. Parallel wächst unsere Datenbasis kontinuierlich, wodurch wir die wissenschaftliche Aussagekraft unseres Systems weiter verbessern können.

Welche Ziele verfolgt OvulaRing in den kommenden Jahren?

Wir möchten individualisierte Zyklusdiagnostik als festen Bestandteil der gynäkologischen Versorgung etablieren. Darüber hinaus wollen wir unsere Forschung noch weiter ausbauen, weitere medizinische Anwendungsfelder erschließen und dazu beitragen, den Gender Health Gap sowie den Gender Data Gap nachhaltig zu verkleinern.

Würdet ihr anderen Startups empfehlen, bei The Green Deal Show teilzunehmen und warum?

Ja, unbedingt. Die Show spricht durch das unterhaltsame Format eine breite Öffentlichkeit an und bietet eine gute Möglichkeit, innovative Ideen sichtbar zu machen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und Feedback aus unterschiedlichen Perspektiven zu erhalten. Gerade für junge Unternehmen kann diese Reichweite ein wichtiger Impuls sein. Außerdem hat es uns sehr großen Spaß gemacht, die Bühne mit anderen Gründer zu teilen – das war ein spannendes Erlebnis.

Welche drei Tipps würdet ihr Gründer geben, die heute ein Startup im Gesundheitsbereich aufbauen möchten?

Erstens: Ein echtes Problem lösen und nicht nur einem Trend folgen. Zweitens: Wissenschaftliche Substanz und Glaubwürdigkeit von Anfang an mitdenken. Drittens: Geduld mitbringen, denn Entwicklung, Studien und Zulassungen benötigen Zeit – langfristiger Nutzen ist wichtiger als kurzfristiges Wachstum. Aber vor allem: Haltet an eure Vision fest. Denn echte Innovation im Gesundheitsbereich entsteht dort, wo man bereit ist, bestehende Standards zu hinterfragen – und lange genug dranbleibt, bis daraus schlussendlich eine bessere Versorgung wird.

Bild von links nach rechts: Anne Alexander und Annika Brasse Bildcredits: Quintus Studios GmbH / Michael Laver, Edit by Clemens Barth

Wir bedanken uns bei Anne Alexander für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: OvulaRing

Kontakt:

VivoSensMedical GmbH
Limburgerstr. 74C
04229 Leipzig
Germany

https://ovularing.com
anne.alexander@vivosensmedical.com
+49 341 355 878 95

Ansprechpartner: Anne Alexander

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.
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