Freitag, Juli 31, 2026
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Sonica: KI-Betriebssystem skaliert rechtssicheren Markensound

Die innovative Audio-Plattform Sonica ermöglicht es Unternehmen, ihren Markensound mithilfe intelligenter KI-Technologien zentral zu steuern, rechtssicher zu skalieren und international effizient auszurollen

Können Sie Sonica kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Sonica ist eine Plattform für die Anwendung und Steuerung von Markensound in allen Inhalten. Unternehmen können ihre akustische Markenidentität damit zentral verwalten und für unterschiedliche Kanäle, Formate, Sprachen und Märkte effizient einsetzen – von Brand Music und Soundlogos über Voice-Anwendungen bis hin zu Produktsounds oder In-Store-Audio.

Die technologische Entwicklung dahinter begann lange vor dem aktuellen KI-Hype. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie sich die Wirkung und der Markenfit von Musik, Sound und Stimmen systematisch erfassen lassen. Daraus entstanden zunächst unsere Sonic-DNA-Technologie und unterschiedliche Researchansätze, mit denen wir akustische Markenidentitäten analysiert und weiterentwickelt haben.

Mit den Fortschritten der generativen KI wurde deutlich, dass wir auf dieser Grundlage einen wesentlich größeren Teil des Produktionsprozesses abbilden können. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass zwischen beeindruckenden KI-Demos und einem belastbaren Workflow für Marken eine große Lücke besteht. Unternehmen brauchen konsistente Qualität, klare Rechteketten, sichere Freigabeprozesse und eine Infrastruktur, die ihre Markenidentität versteht.

Gemeinsam mit unserem ersten Kunden Yello und weiteren Pilotkunden haben wir deshalb untersucht, wie eine Produktionsumgebung aussehen muss, mit der komplexe Marken ihren Sound im Alltag effizient, kontrolliert und rechtssicher einsetzen können. Aus dieser Entwicklung ist Sonica entstanden.

Wer steht hinter Sonica, und wie haben Ihre langjährige Erfahrung im Sound-Business und Ihre Zusammenarbeit die Entwicklung der Plattform geprägt?

Hinter Sonica stehen Nicolas Montavon, Michael Wittland, Vincent Raciti und ich als Gründerteam. Wir bringen sehr unterschiedliche Kompetenzen zusammen: jahrzehntelange Erfahrung in Sound Branding und Markenführung, Produkt- und Technologieentwicklung, Strategie, Design und den Aufbau komplexer Markenprozesse.

Ich selbst beschäftige mich seit mehr als 35 Jahren mit der Frage, wie Marken über Sound erkennbar und erlebbar werden. Über TRO haben wir in dieser Zeit viele akustische Markenidentitäten entwickelt und weltweit ausgerollt. Dabei haben wir sehr genau gesehen, wo Unternehmen im Alltag an Grenzen stoßen: Assets liegen dezentral, Nutzungsrechte sind schwer nachvollziehbar, Produktionen benötigen viele Abstimmungsschleifen und für jede neue Anwendung werden erneut externe Spezialisten benötigt.

Sonica übersetzt diese Erfahrung in ein Softwareprodukt. Wir entwickeln die Plattform also nicht aus einer rein technologischen Perspektive, sondern aus realen Anforderungen internationaler Marken heraus. Technologie spielt bei uns schon seit vielen Jahren eine zentrale Rolle im Beratungs- und Produktionsprozess. Die Ausgründung war deshalb der nächste logische Schritt: Wir wollten ein eigenständiges Softwareunternehmen schaffen, das dieses Wissen skalierbar macht und unabhängig vom klassischen Agenturgeschäft wachsen kann.

Welche Vision verfolgen Sie mit Sonica, und warum braucht die Kreativbranche aus Ihrer Sicht ein Betriebssystem für skalierbaren Markensound?

Sound Branding endet heute häufig mit der Übergabe eines Soundlogos, eines Brand Tracks und einiger Guidelines. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch danach: Wie wird diese Identität in hunderten Anwendungen, unterschiedlichen Märkten und durch verschiedene interne und externe Partner konsequent eingesetzt?

Genau dafür braucht es eine gemeinsame Infrastruktur. Sonica verbindet Assets, kreative Werkzeuge, Brand Intelligence, Rechte, Freigaben und Governance in einem System. Teams erhalten damit einen zentralen Ort, an dem sie mit ihrer akustischen Markenidentität arbeiten können, ohne bei jeder Anwendung von vorne zu beginnen.

Unsere Vision ist, dass Sound künftig genauso selbstverständlich und systematisch geführt wird wie visuelle Markenidentität. Unternehmen sollen ihre akustische Marke weltweit konsistent einsetzen können und zugleich schneller auf neue Anforderungen reagieren. Sonica bringt dafür Audioexpertise direkt in die Organisation und macht sie im Arbeitsalltag nutzbar.

An welche Zielgruppen richtet sich Sonica, und welche Herausforderungen lösen Sie für Unternehmen und Marken?

Sonica richtet sich aktuell vor allem an größere Unternehmen, die bereits über eine akustische Markenidentität verfügen oder regelmäßig Audio-Content produzieren. Dazu gehören Marken mit vielen Märkten, Kontaktpunkten, Agenturen und internen Stakeholdern.

In solchen Organisationen entstehen häufig ähnliche Probleme: Audio-Assets werden dezentral verwaltet, Rechte und Versionen sind schwer nachvollziehbar, Produktionen dauern zu lange und jede Adaption erfordert neue Abstimmungen. Gleichzeitig fehlt vielen Marketing- und Kreativteams das spezialisierte Audiowissen, um Anwendungen selbst sicher umzusetzen.

Mit Sonica können sie ihre Sound-Assets zentral verwalten, Musik und Stimmen markenkonform adaptieren, Produktionen lokalisieren und Freigaben innerhalb eines kontrollierten Workflows organisieren. Dadurch werden Teams produktiver und unabhängiger, ohne bei Qualität, Markenfit oder rechtlicher Sicherheit Abstriche machen zu müssen.

Perspektivisch möchten wir die Einstiegshürden weiter senken. Viele mittelständische Unternehmen und Creator Brands haben starke akustische Anknüpfungspunkte, empfinden ein professionelles Sound Branding bisher jedoch als zu aufwendig oder zu teuer. Auch diesen Unternehmen möchten wir künftig einen strukturierten Zugang ermöglichen.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit KI-generierten Stimmen. Warum setzt Sonica auf einen Ansatz, der Voice-Artists Kontrolle und Vergütungsrechte sichert?

Brand Safety steht für uns an erster Stelle. Unternehmen können KI-generierte Stimmen nur dann verantwortungsvoll einsetzen, wenn Herkunft, Nutzungsrechte und Freigaben jederzeit eindeutig nachvollziehbar sind. Genau diese Sicherheit möchten wir unseren Kunden bieten.

Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit transparenten Vereinbarungen und klar definierten Nutzungsrechten. Voice-Artists wissen, für welche Marke und welche Anwendungen ihre Stimme eingesetzt wird und behalten die Kontrolle über deren Nutzung. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Sicherheit, dass sämtliche Anwendungen rechtlich sauber und mit den beteiligten Kreativen abgestimmt sind.

Für uns ist das aber auch eine Frage der Haltung. Eine Stimme ist eng mit der Persönlichkeit und der kreativen Leistung eines Menschen verbunden. Wenn daraus ein digitales Modell entsteht, müssen Zustimmung, Kontrolle und eine faire Vergütung selbstverständlich sein.

Unser Anspruch ist, dass alles, was innerhalb von Sonica entsteht, in einem transparenten, regelkonformen und markensicheren Rahmen produziert wird. So schützen wir Marken vor rechtlichen und reputativen Risiken und stellen gleichzeitig sicher, dass kreative Leistungen auch im KI-Zeitalter ihren Wert behalten.

Was macht Sonica aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Audioagenturen oder anderen KI-Lösungen?

Klassische Audioagenturen leisten hervorragende kreative Arbeit. Die Herausforderung liegt häufig in den nachgelagerten Prozessen: Viele Produktionen laufen weiterhin manuell, benötigen zahlreiche Abstimmungen und müssen für jede neue Anwendung erneut beauftragt werden.

Sonica bildet diese wiederkehrenden Prozesse in einer gemeinsamen Produktionsumgebung ab. Unternehmen können innerhalb definierter Markenregeln selbst Varianten ausprobieren, Formate anpassen, Inhalte lokalisieren und Freigaben organisieren. Das reduziert manuelle Arbeit und bringt mehr kreative Handlungsfähigkeit in die Teams.

Gegenüber allgemeinen KI-Lösungen liegt der Unterschied vor allem im Markenkontext. Ein generatives Modell kann Musik oder Sprache erzeugen. Es kennt jedoch nicht automatisch die Sound-Identität, Rechtearchitektur, Freigaberegeln und Qualitätsanforderungen eines Unternehmens.

Unsere Wertschöpfung liegt daher in der Orchestrierung. Wir kombinieren unterschiedliche KI-Modelle mit eigenen Technologien – beispielsweise für Emotionserkennung, markenspezifische Kuratierung und unsere Audio Engine – und verbinden sie mit Brand-Guidelines, Rechte- und Freigabemanagement, Lokalisierung und globalen Rollout-Prozessen.

Hinzu kommen Governance und Service. Wir lassen die Unternehmen mit der Technologie nicht allein, sondern begleiten sie beim Aufbau ihrer Strukturen und Workflows.

Rechtssicherheit wird beim Einsatz von KI immer wichtiger. Welche Rolle spielt dieses Thema bei der Entwicklung Ihrer Plattform?

Rechtssicherheit spielt eine elementare Rolle. Unternehmen können generative Technologien nur dann dauerhaft einsetzen, wenn Rechte, Verantwortlichkeiten und Nutzungsbedingungen nachvollziehbar geregelt sind.

Deshalb berücksichtigen wir rechtliche und regulatorische Anforderungen von Beginn an in der Produktentwicklung. Dazu gehören klare Rechteketten, dokumentierte Freigaben, definierte Nutzungsszenarien und eine transparente Zuordnung der eingesetzten Assets und Technologien.

Für unsere Kunden ist entscheidend, dass sie sich nicht bei jeder Produktion erneut mit komplexen Einzelregelungen beschäftigen müssen. Sonica übersetzt diese Anforderungen in standardisierte und kontrollierbare Workflows. Damit übernehmen wir einen Teil der Komplexität, die Unternehmen beim Einsatz von KI aktuell stark beschäftigt.

Natürlich entwickelt sich die Regulierung weiter. Deshalb verstehen wir Compliance nicht als einmalige Aufgabe, sondern als kontinuierlichen Bestandteil der Plattform.

Sonica ist erst seit wenigen Wochen am Markt und wurde bereits zu internationalen Pitches eingeladen. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Wir kennen diesen sehr spezialisierten Markt und seine Entwicklung äußerst gut. Dadurch konnten wir uns auf die Fragen konzentrieren, die Unternehmen aktuell tatsächlich beschäftigen: Wie lässt sich Brand Sound international skalieren? Wie bleiben Qualität und Markenfit erhalten? Wie werden Rechte und Verantwortlichkeiten geregelt? Und wie kann KI eingesetzt werden, ohne neue Risiken und Abhängigkeiten zu schaffen?

Unsere Antworten darauf stammen aus konkreter Praxiserfahrung. Wir haben über Jahrzehnte erlebt, wie Sound-Identitäten entwickelt, implementiert und in komplexen Organisationen angewendet werden. Dieses Wissen ist direkt in die Architektur von Sonica eingeflossen.

Ein weiterer Faktor ist, dass wir Technologie nicht isoliert betrachten. Unternehmen suchen keine weitere einzelne KI-Anwendung. Sie benötigen eine belastbare Infrastruktur, die sich in ihre Marken- und Produktionsprozesse integrieren lässt.

Wie gelingt es Sonica, Audio-Produktionen effizienter zu gestalten und gleichzeitig Kosten sowie Zeitaufwand für Unternehmen zu reduzieren?

In einem klassischen internationalen Produktionsprozess sind häufig mehrere externe Parteien beteiligt: Agenturen, Studios, Komponistinnen und Komponisten, Sprecherinnen und Sprecher, lokale Märkte und unterschiedliche Freigabestellen. Für jede Variante entstehen Briefings, Terminabstimmungen, Produktionsschritte, Feedbackrunden und neue Exporte.

Mit Sonica werden viele dieser Schritte in einer kontrollierten Umgebung zusammengeführt. Freigegebene Assets, Markenregeln und Nutzungsrechte sind bereits hinterlegt. Teams können Varianten erstellen, Stimmen oder Musik anpassen, Inhalte lokalisieren und die Ergebnisse direkt freigeben.

Bei einem Kunden, den wir aktuell onboarden, wird ein täglich wiederkehrender Produktionsprozess für 14 Märkte auf diese Weise auf rund eine Stunde inklusive Freigabe reduziert. Zuvor waren dafür mehrere externe Produktionsschritte und Abstimmungen notwendig.

Der wirtschaftliche Effekt entsteht daher nicht allein durch günstigere Einzelproduktionen. Der größere Hebel liegt in kürzeren Durchlaufzeiten, weniger Abstimmungsaufwand, einer höheren Wiederverwendbarkeit bestehender Assets und der Möglichkeit, deutlich mehr Varianten mit den vorhandenen Teams umzusetzen.

Welche Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei Sonica aktuell im Fokus?

Unser zentraler Fokus liegt darauf, die Einstiegshürden für professionelles Sound Branding insgesamt zu senken. Heute profitieren vor allem große Unternehmen von einer akustischen Markenidentität, weil der Aufbau und die langfristige Anwendung oft mit hohen Investitionen und komplexen Prozessen verbunden sind. Wir möchten dieses Potenzial künftig auch mittelständischen Unternehmen und Marken zugänglich machen.

Dafür entwickeln wir Sonica kontinuierlich weiter – sowohl technologisch als auch hinsichtlich neuer Bereitstellungs- und Ausstattungsmodelle. Gleichzeitig integrieren wir Brand Intelligence noch tiefer in die Workflows, damit auch Teams ohne spezialisierte Audioexpertise sicher innerhalb ihrer Markenidentität arbeiten können.

Parallel bauen wir Funktionen für internationale Rollouts, Lokalisierung, Kollaboration und Rechteverwaltung weiter aus. Unser Anspruch bleibt dabei unverändert: Auch wenn der Einstieg einfacher wird, dürfen Qualität, Brand Safety und Governance keine Kompromisse eingehen.

Wo soll Sonica in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie bei der Zukunft von KI-gestütztem Sonic Branding einnehmen?

Wir möchten gemeinsam mit Kunden wachsen, die unsere Vorstellung eines modernen Sound-Branding-Setups und unsere Werte teilen. Entscheidend ist für uns, dass Unternehmen tatsächlich von den neuen Workflows profitieren und Sound dauerhaft in ihrer Organisation verankern können.

Unser Ziel ist kein Wachstum um jeden Preis. Wir wollen eine belastbare Plattform aufbauen, die reale Probleme löst und langfristig zu einem festen Bestandteil moderner Markenführung wird.

Gleichzeitig möchten wir Unternehmen erreichen, für die die Hürde zu einem professionellen Sound Branding bisher zu hoch war. Viele Marken verfügen über starke Geschichten, Produkte, Communities oder emotionale Anknüpfungspunkte, die sich akustisch hervorragend übersetzen lassen. Mit der richtigen Infrastruktur kann Sound Branding für deutlich mehr Unternehmen zugänglich werden.

In der Entwicklung von KI sehen wir dabei eine große Chance. Die grundlegenden Modelle werden künftig immer leistungsfähiger. Der nachhaltige Wert für Marken entsteht jedoch durch Brand Intelligence, Markenfit, Governance und eine skalierbare Produktionsumgebung. Genau in diesem Bereich möchten wir einen internationalen Standard setzen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ihre langjährige Branchenerfahrung nutzen möchten, um mit einer innovativen Idee ein Startup aufzubauen?

Erstens: Der eigenen Überzeugung vertrauen. Wer eine Branche lange kennt, erkennt häufig Probleme und Chancen, bevor sie für den breiten Markt offensichtlich werden. Diese Erfahrung sollte man ernst nehmen und konsequent in ein klares Produkt übersetzen.

Zweitens: Das Team schützen und mitnehmen. Der Aufbau eines neuen Unternehmens verlangt viel Energie und bringt immer wieder Unsicherheit mit sich. Gerade in solchen Phasen sind Vertrauen, Transparenz und gegenseitige Verantwortung entscheidend.

Drittens: Die eigene Strategie regelmäßig überprüfen. Erfahrung ist ein großer Vorteil, darf aber nicht dazu führen, dass man an alten Annahmen festhält. Märkte, Technologien und Kundenbedürfnisse verändern sich. Gründer müssen an ihrer Vision festhalten und zugleich bereit sein, den Weg dorthin immer wieder anzupassen.

Bildcredits Sonica

Wir bedanken uns bei Hans Landwehr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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