Reverion sichert sich 175 Millionen Dollar für Brennstoffzellen-Megafactory
Das bayerische Energy-Tech-Unternehmen Reverion hat eine Series B über 175 Millionen Dollar abgeschlossen. Der Deeptech- und Klimafonds Kembara führt die Runde an. Mit dem Geld baut Reverion in Deutschland eine Megafactory, die die Fertigung seiner Brennstoffzellenkraftwerke um den Faktor zehn steigern soll.
Kembara führt die bisher größte Runde von Reverion an
- Finanzierungssumme: 175 Millionen Dollar
- Runde: Series B, die bisher größte Finanzierungsrunde des Unternehmens
- Lead-Investor: Kembara, ein europäischer Wachstumsfonds für Deeptech und Klimatechnologien
- Neue Investoren: Allianz, KfW Capital (über ein von UVC verwaltetes SPV), Aurum Impact, Carbon Equity
- Bestandsinvestoren: Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, European Innovation Council (EIC), alfa8, Possible Ventures
- Mitgründer: Stephan Herrmann (CEO), Felix Fischer (COO)
- Sitz: Eresing, Bayern
- Team: über 200 Mitarbeitende
Strom aus Gas ohne Verbrennung – und wieder zurück
Reverion setzt auf Festoxidbrennstoffzellen. Diese wandeln Gas auf elektrochemischem Weg in Strom um, also ohne Verbrennung. Dabei trennt die Anlage das CO2 aus dem Brennstoff in reiner Form ab. Läuft die Anlage mit Biogas, fällt ihre CO2-Bilanz laut Unternehmen negativ aus. Für den Betrieb mit Erdgas nennt Reverion eine solche Bilanz nicht.
Der zweite Kern der Technik ist die Umkehrbarkeit. Dieselbe Anlage arbeitet auch im Elektrolysebetrieb. Sie macht dann aus überschüssigem Strom speicherbare Gase. Betreiber können dadurch auf Preissignale im Strom- und im Gasmarkt reagieren: Ist Strom teuer, erzeugen sie ihn selbst. Ist er billig, speichern sie ihn als Gas.
Zudem verweist Reverion auf einen hohen Wirkungsgrad. Im laufenden Kundenbetrieb habe man 74,2 Prozent elektrischen Wirkungsgrad gemessen. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen damit den Effizienz-Weltrekord für thermische Kraftwerke.
„Sonne und Wind liefern uns saubere Energie, aber bisher nur, wenn das Wetter mitspielt. Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf“, sagt CEO Stephan Herrmann. Die Series B lege daher den Grundstein für die industrielle Großserie. Außerdem soll das Produkt in die Megawatt-Klasse wachsen. „Für Reverion eröffnen sich dadurch ganz neue Märkte“, so Herrmann.
Rechenzentren werden zur wichtigsten Kundengruppe
Ursprünglich kam die Nachfrage vor allem aus dem landwirtschaftlichen Biogassektor. Inzwischen fragt jedoch zunehmend die Tech-Branche an. Der Grund: Rechenzentren brauchen sehr viel Strom und stoßen an die Grenzen des öffentlichen Netzes. Netzanschlüsse verzögern sich deutlich. Gleichzeitig wächst vor Ort der Widerstand gegen neue Standorte.
Reverion will dieses Problem direkt am Ort des Verbrauchs lösen. Die Anlagen erzeugen Strom aus Biogas oder Erdgas und nutzen dafür die örtliche Gasinfrastruktur. Betreiber sichern sich so eine Versorgung rund um die Uhr, die weder vom Netzausbau noch von Preisschwankungen am Strommarkt abhängt.
„Schon heute erfahren wir eine extrem hohe internationale Nachfrage nach unseren Brennstoffzellenkraftwerken“, sagt COO Felix Fischer. Energieversorger und Industriekunden hätten erkannt, dass echte Energiesicherheit steuerbaren, sauberen Strom voraussetze.
Auch der Lead-Investor sieht den Wachstumsmarkt bei den Rechenzentren. „Hyperscaler brauchen enorme, verlässliche Leistung, können dabei aber keine Abstriche bei ihren Klimazielen machen“, sagt Robert Trezona, der bei Kembara den Bereich Klima leitet. Neben der Effizienz zähle dort daher auch der CO2-Fußabdruck. Mit der Runde finanziere Kembara nun die industrielle Großskalierung.
Megafactory mit bis zu 800 neuen Stellen
Den Großteil des Kapitals steckt Reverion in einen neuen Produktionsstandort in Deutschland. Die Megafactory soll 250 Megawatt Fertigungskapazität pro Jahr erreichen. Wo genau sie entsteht, nennt das Unternehmen bislang nicht. Am neuen Standort sollen bis zu 800 Arbeitsplätze entstehen. Bereits am Stammsitz in Eresing ist das Team zuletzt von 100 auf über 200 Mitarbeitende gewachsen.
Derzeit laufen sieben Anlagen bei Kunden im Regelbetrieb. Jede Einheit leistet inzwischen 500 Kilowatt. Parallel arbeitet Reverion daran, die Technik für Projekte im Multi-Megawatt-Bereich zu skalieren. Die Projektpipeline beziffert das Unternehmen auf ein Umsatzpotenzial von über zwei Milliarden Dollar. Außerdem befinden sich erste internationale Projekte in der Entwicklung.
Das Kapital soll dabei nicht nur Wachstum finanzieren. Laut Fischer ebnet es auch den Weg, das Unternehmen in Richtung langfristiger Profitabilität zu führen.
Bild Reverion
















