Physio CKI zeigt, wie sich Physiotherapie von einem kleinen Behandlungsraum zu 18 Standorten entwickeln lässt, ohne die Qualität aus den Augen zu verlieren
Können Sie Physio CKI kurz vorstellen und erzählen, wie 2012 in einem nur fünf Quadratmeter großen Raum alles begonnen hat?
„Physio CKI habe ich 2012 im Vereinsheim des TSV Germania Windeck gegründet. Zuvor war ich als angestellter Physiotherapeut tätig, doch leider konnte ich mich dort nicht weiterentwickeln. Deshalb wollte ich etwas Eigenes aufbauen. Ich sprach mit dem Vorstand des Vereins, denn in dem Vereinsheim hatte ich bereits einen kleinen Raum, in dem ich die Fußballer behandelte. Wir einigten uns darauf, dass ich den Raum ab sofort auch für meine eigenen Patienten nutzen durfte. Meine erste Praxis war zwar klein, aber dadurch blieb die Atmosphäre persönlich und vertraut. Mit wenig Platz konnte ich eine solide Basis schaffen, aus der alles Weitere gewachsen ist. Ich wusste schnell, dass ich mehr Menschen erreichen möchte und mein Geschäftsmodell erweitern will.“
Sie sind selbst Physiotherapeut. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie nicht nur behandeln, sondern ein eigenes Unternehmen aufbauen möchten?
„Schon während meiner Kindheit, in der ich oft ausgegrenzt wurde, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zwischenmenschliche Verbindungen zu schaffen. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und mich motiviert, ein Unternehmen zu schaffen, in dem ich nicht nur Menschen helfe, sondern auch ein Umfeld aufbaue, in dem mein Team und ich gemeinsam wachsen können.“
Der Schritt vom Physiotherapeuten zum Unternehmer verlangt völlig neue Fähigkeiten. Was mussten Sie auf diesem Weg am schnellsten lernen?
„Der wichtigste Lernprozess war, unternehmerisch zu denken. Als Physiotherapeut war ich es gewohnt, direkt mit Patienten zu arbeiten. Doch der Schritt in die Selbstständigkeit und später in die Expansion erforderte ganz neue Kompetenzen: Organisation, Personalführung, strategisches Wachstum. Ich musste lernen, Prozesse effizient zu gestalten, das Team zu motivieren und eine klare Vision zu kommunizieren. Besonders die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die über die Behandlung hinausgehen, war essenziell – ich habe viel auf mein Bauchgefühl vertraut und schnell gemerkt, dass ich mich darauf verlassen kann.“
Aus einem einzelnen Behandlungsraum ist ein Netzwerk mit 18 Standorten entstanden. Welche Entscheidung war für dieses Wachstum besonders wichtig?
„Ganz klar: ein Netzwerk mit mehreren Standorten aufzubauen. Dabei war es entscheidend, Qualität und Werte der Marke konsequent zu wahren. Ich habe früh auf eine starke Unternehmenskultur gesetzt, die nicht nur die Behandlung, sondern auch den Zusammenhalt und die Ideale des Unternehmens in den Fokus stellt. Das schnelle Wachstum wurde durch klare Strategien, kontinuierliche Weiterentwicklung und eine enge Zusammenarbeit mit meinem Team möglich.“
Physiotherapie ist stark von der persönlichen Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten geprägt. Wie lässt sich diese Qualität über viele Standorte hinweg erhalten?
„Eine persönliche Note bei der Behandlung ist sehr wichtig und diese möchte ich trotz vieler Standorte bewahren. Schließlich war mein Ziel nie, primär Quantität, sondern vor allem weiterhin Qualität zu bieten. Dafür brauche ich natürlich Mitarbeitende, die nicht nur fachlich kompetent sind, sondern auch die gleichen Wertevorstellungen haben. Daher setze ich auf eine Unternehmenskultur, in der Loyalität, Transparenz und Weiterentwicklung zentral sind. Regelmäßige Schulungen, ein offener Austausch und die Förderung einer starken Teamatmosphäre sorgen für flächendeckenden exzellenten Service.“
Mit jedem neuen Standort wachsen auch Personalbedarf, Organisation und Verantwortung. Was war beim Skalieren von Physio CKI bislang die größte Herausforderung?
„Das größte Hindernis war, das richtige Personal zu finden, das unsere hohen Standards teilt. Es ist nicht nur wichtig, neue Standorte zu eröffnen, sondern auch, sicherzustellen, dass überall die gleiche Qualität herrscht. Das erfordert eine klare Organisation, kontinuierliche Schulungen und eine Unternehmenskultur, die Mitarbeitende motiviert und bindet.“
Fachkräfte sind im Gesundheitsbereich besonders gefragt. Wie schaffen Sie ein Umfeld, in dem gute Physiotherapeuten langfristig bleiben möchten?
„Gute Fachkräfte wollen sich entwickeln, wertgeschätzt werden und Teil eines Teams sein, das ihre Arbeit ernst nimmt. Deshalb setzen wir auf offene Kommunikation, zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Atmosphäre, in der Kollegialität großgeschrieben wird. Ich möchte, dass unsere Mitarbeitenden nicht nur einen Job, sondern eine Perspektive sehen.“
Viele Physiotherapeuten entscheiden sich für eine eigene kleine Praxis. Warum haben Sie stattdessen früh größer gedacht?
„Ich wollte nicht nur eine einzelne Praxis, sondern ein Netzwerk aufbauen, das den Anspruch hat, die Patientenjourney von Anfang bis zum Ende zu verbessern. Ich sehe das Potenzial, Standards zu setzen und eine Brand zu schaffen, die für Qualität und Innovation steht. Für mich war klar: Wenn man groß denkt, kann man mehr Menschen erreichen und nachhaltiger etwas bewirken.“
Wenn Sie heute auf Ihren Start 2012 zurückblicken: Welche unternehmerische Entscheidung würden Sie mit Ihrem heutigen Wissen anders treffen?
Mit meinem heutigen Wissen würde ich noch früher auf Digitalisierung setzen und meine Prozesse konsequenter standardisieren. Damit hätte ich die Abläufe effizienter gestalten und die Qualität in allen Standorten noch besser sichern können. Außerdem hätte ich den Markenaufbau noch intensiver vorantreiben sollen, um eine stärkere Identifikation mit Physio CKI und eine noch höhere Wiedererkennung zu schaffen. Ein weiterer Punkt, den ich heute anders angehen würde, ist die frühzeitige Investition in Weiter- und Fortbildungen. Damit hätte ich mein Team noch breiter aufstellen und auf den hohen Anspruch, den wir haben, optimal vorbereiten können.
Welche Vision verfolgen Sie mit Physio CKI, und wie soll sich das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterentwickeln?
Meine Vision ist es, eine innovative und nachhaltige Health Care Brand für Physiotherapie zu schaffen, die sowohl qualitativ hochwertige Versorgung bietet als auch digital auf dem neuesten Stand ist. In den kommenden Jahren möchte ich das Unternehmen weiter vergrößern und die Marke als Vorreiter in der Branche etablieren.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus ihrem Fachberuf heraus ein Unternehmen aufbauen möchten?
- Mach es, aber behalte immer deine Vision im Blick, das Ganze auch gesund und professionell zu führen. Es ist wichtig, nicht in einem Hinterzimmer zu agieren, sondern von Anfang an eine fachgerechte Infrastruktur aufzubauen. Jeder fängt klein an, aber die langfristige Zielsetzung sollte eine nachhaltige Größe sein, die auch die Qualität der Versorgung sichert.
- Sichtbar werden. Es ist entscheidend, dass potenzielle Kunden und Mitarbeitenden dich kennenlernen und Vertrauen aufbauen können.
- Und mein letzter Punkt: Versuch nicht, das Rad neu zu erfinden. Nutze bestehende Lösungen und verbessere sie kontinuierlich, um effizienter und erfolgreicher zu sein. Das spart Zeit und Ressourcen und führt schneller zum gewünschten Ergebnis.
Bildcredits Physio CKI
Wir bedanken uns bei Chaled Qarizada für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.














