Precisis entwickelt mit EASEE eine neue Epilepsie Therapie, die gezielt Anfälle im Gehirn unterdrückt und Patienten nachhaltig entlastet
Wie ist Precisis entstanden und was war der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer neuen Therapie für Epilepsie?
PRECISIS hat ein kleines, intelligentes medizinisches Gerät erfunden, mit dem epileptische Anfälle gestoppt werden können. Dünne Elektrodenplättchen werden unter die Kopfhaut gelegt. Diese senden elektrische Pulse, um die Anfälle punktgenau an ihrem Ursprungsort im Gehirn zu unterdrücken. Die Wirkung hält dauerhaft an, die Patienten fühlen sich im Alltag frei und geschützt.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, mit Precisis in einem so forschungsintensiven Bereich zu gründen?
Es gibt eine traurige Statistik, die trotz duzender neuer Pillen im Markt bis heute nicht besser geworden ist: Jeder dritte Epilepsie Patient bekommt seine Anfälle nicht los, obwohl er starke und viele Medikamente im Cocktail einnimmt. Im Schnitt leiden solche Patienten über 22 Jahre (!) lang, bis sie eine andere, individuellere Methode (chirurgisch oder technisch) zur Unterbrechung ihrer Anfälle vorgestellt bekommen. Wir bei Precisis sind angetreten, diesen Missstand aufzulösen.
Mit dem Neuroimplantat EASEE® hat Precisis eine neue Therapieoption geschaffen. Was steckt hinter dieser Technologie?
Das Neue an unserer Erfindung ist der Kunstgriff, dass die elektrischen Pulse den Kopfknochen durchdringen können und das definierte Gebiet im Gehirn gezielt beruhigen. Damit wird die Hürde für Patienten klein, sich ein Implantat unter die Haut legen zu lassen. Wir nennen das eine minimalinvasive Methode. Das Gehirn bleibt bei der Prozedur vollkommen unberührt.
Mit der konsequenten Fokussierung unserer technologischen Erfindung auf das Patientenwohl lagen wir von Anfang an richtig. Das Gerät heißt EASEE (Anspielung auf easy), weil es das Leben mit Epilepsie leichter macht. Inzwischen tragen Hunderte von Patienten das EASEE Gerät und wollen es nicht mehr missen.
Welche Vision verfolgen Sie mit Precisis im Bereich der Behandlung neurologischer Erkrankungen?
Da es sich bei der EASEE Technologie um eine individuelle, intelligente Stimulationsmethode handelt, ist sehr gut vorstellbar, dass auch andere neurologische Erkrankungen, deren Ursprung in einem abgegrenzten Areal des Gehirns liegt, davon profitieren können. Derzeit denken wir hier vor allem an Patienten mit schwerer Depression, die allein mit Medikamenten nicht zurechtkommen.
Wie möchten Sie diese Vision in den kommenden Jahren konkret umsetzen?
Wir haben in den kommenden Jahres Großes vor. Zunächst werden wir den Zugang zur EASEE Therapie für erwachsene Patienten in ganz Europa erleichtern. Darüber hinaus rechnen wir damit, dass wir ab ca. in einem Jahr auch Teenagern im Alter ab 12 Jahren die EASEE Methode anbieten können. Parallel dazu werden wir den Sprung auf den amerikanischen Markt wagen. Wichtig ist uns bei allen Vorhaben, dass Patienten, ihre Angehörigen und natürlich Ärzte über unsere neue Methode gut informiert werden. Bis dato prägt die Pharmaindustrie mit ihrer enormen Marktmacht sowohl die öffentliche Kommunikation als auch die Ausbildung der Ärzte. Im umkämpften Markt der neurologischen Erkrankungen Fuß zu fassen, erfordert Kraft und Ausdauer.
Welche Patientengruppen sprechen Sie mit Ihrer Lösung an und welche Probleme lösen Sie im Alltag der Betroffenen?
Es geht darum, die lange Leidensdauer solcher Epilepsie Patienten zu verkürzen, die trotz der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten nicht anfallsfrei geworden sind.
Was unterscheidet Precisis und das EASEE® System von klassischen Therapieansätzen bei Epilepsie?
Bisher galt die Regel, dass alle technischen oder chirurgischen Methoden in der Epilepsie Therapie als Ultima Ratio angesehen wurden. Mit dem neuen effektiven EASEE Konzept kann den Patienten nun viel früher ein minimal invasives System angeboten werden. Vor allem junge Leute, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, schätzen daran, dass EASEE – wenn denn gewünscht – auch wieder entfernt werden kann. Anders als bei Gehirnoperationen, bei denen das kranke Areal herausgeschnitten oder verödet wird, hinterlässt EASEE keinerlei Schäden am Gewebe.
Welche Herausforderungen sind Ihnen beim Aufbau von Precisis im MedTech Bereich besonders begegnet?
Die Zulassungsbedingungen und die Erstattungsregeln sind intelligenten, digitalen Therapie Methoden gegenüber nicht adäquat, weil sie viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Patienten, die an schweren neurologischen Erkrankungen leiden, haben hingegen einen Anspruch darauf, möglichst rasch mehr qualifizierte Lebenszeit zu gewinnen.
Wie erleben Sie die Startup Szene als Gründerin in einer technologiegetriebenen Branche?
Wir bei Precisis haben das Glück, dass unser Geschäftsmodell leicht verständlich ist. Der Sinn unseres Handelns ist für potenzielle Mitarbeiter schnell eingängig und so gewinnen wir einfacher als andere Firmen hochmotivierte Teammitglieder.
Welche nächsten Schritte und Entwicklungen planen Sie für Precisis?
Precisis möchte innerhalb kurzer Zeit auf dem amerikanischen Markt aktiv sein.
Wo sehen Sie Precisis in fünf bis zehn Jahren?
In fünf bis zehn Jahren wird unsere Plattformtechnologie EASEE auch für andere neurologische Krankheiten einsetzbar sein.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Schnell sein. Eine starke Markenbotschaft prägen. Nur die Besten ins Team holen.
Bild Bildcredits @Precisis
Wir bedanken uns bei Angela Liedler für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


























