Montag, Juli 13, 2026
StartFemale FoundersTextilexpertise trifft Tech: Wie zwei Schwestern mit Stitcha maßgeschneiderte Strickanleitungen per Algorithmus...

Textilexpertise trifft Tech: Wie zwei Schwestern mit Stitcha maßgeschneiderte Strickanleitungen per Algorithmus schaffen

Kein Rechnen, kein Frust bei der Maschenprobe: Die Gründerinnen Annika und Linn Klaas im Interview über ihren ganzheitlichen Plattformansatz, den Stoff im Kopf Accelerator und die Frage, wie digitale Tools traditionelles Handwerk stärken können.

Wie entstand die Idee zu Stitcha und wer steckt hinter der Plattform?

Die Idee zu Stitcha entstand aus einer ganz alltäglichen Situation: Immer wenn Linn ein neues Strickprojekt beginnen wollte, ging sie zuerst zu ihrer Schwester Annika. Sie hatte viele Ideen, wusste aber oft nicht, welches Garn geeignet ist oder wie sich eine Anleitung an ihre Wünsche anpassen lässt. Als Strickdesignerin konnte Annika diese Fragen beantworten. Viele Strickende haben jedoch niemanden, der sie dabei unterstützt. So entstand die Idee für Stitcha: Eine Plattform, die dieses Wissen bündelt und den gesamten Strickprozess an einem Ort begleitet. Hinter Stitcha stehen wir, Annika und Linn Klaas. Annika bringt ihre Erfahrung als Strickdesignerin ein, Linn entwickelte das Konzept im Rahmen ihrer Masterarbeit im Bereich User Experience Design. Gemeinsam verbinden wir textile Expertise mit digitaler Produktentwicklung.

Welches Problem im Bereich individuelles Stricken möchte Stitcha lösen?

Rund ums Stricken sind Inspiration, Anleitungen, Projektverwaltung und Hilfestellungen auf verschiedene Plattformen verteilt. Stitcha bringt diese Bereiche in einer intuitiven und benutzerfreundlichen Plattform zusammen, ermöglicht individuelle Anpassungen und begleitet Strickende Schritt für Schritt durch den gesamten Strickprozess.

Warum war euch die automatische Erstellung maßgeschneiderter Strickanleitungen besonders wichtig?

Jeder Mensch strickt anders und hat unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Kleidungsstück sitzen soll. Schon kleine Unterschiede bei Garn, Maschenprobe oder Körpermaßen können dazu führen, dass ein Strickstück am Ende nicht wie gewünscht ausfällt. Unser Ziel ist es, diese Hürden abzubauen und Individualisierung zum Standard zu machen. So können sich Strickende auf den kreativen Prozess konzentrieren, statt Zeit mit Berechnungen zu verbringen.

Wie funktioniert die Erstellung der personalisierten Anleitungen bei Stitcha?

Stitcha berechnet Strickanleitungen auf Basis fester stricktechnischer Regeln. Nutzerinnen und Nutzer geben ihre Körpermaße, die tatsächlich gestrickte Maschenprobe sowie Informationen zum verwendeten Garn ein. Aus diesen Daten werden alle relevanten Werte, wie Maschenzahlen, Reihen, Zu- und Abnahmen oder Größenverläufe automatisch neu berechnet. Ändert sich das Garn, die Maschenprobe oder eine Körpermaße, passt sich die gesamte Anleitung entsprechend an.

Welche Vorteile bietet Stitcha gegenüber klassischen Strickanleitungen?

Klassische Strickanleitungen basieren auf Standardgrößen und einer vorgegebenen Maschenprobe. Stitcha passt Anleitungen dagegen an die individuellen Körpermaße und die tatsächlich gestrickte Maschenprobe an. Dadurch muss sie nicht immer wieder neu gestrickt werden, bis sie exakt den Vorgaben der Anleitung entspricht – stattdessen passt sich die Anleitung ihrer persönlichen Strickweise an. Gleichzeitig führt Stitcha Schritt für Schritt durch das Projekt: Statt langer PDF-Anleitungen wird immer nur der aktuelle Arbeitsschritt angezeigt, und Techniken lassen sich direkt in der Anleitung per Klick erklären.

Welche Rolle spielen Community und Austausch auf eurer Plattform?

Stricken lebt vom Austausch. Mit Stitcha möchten wir eine Community schaffen, in der sich Strickende gegenseitig inspirieren, voneinander lernen und einander unterstützen. Wer bei einem Projekt nicht weiterkommt, kann sich mit anderen vernetzen. Idealerweise mit Personen, die gerade dieselbe Anleitung stricken. Gleichzeitig zeigen fertige Projekte, wie unterschiedlich ein Design mit verschiedenen Garnen, Farben oder individuellen Anpassungen umgesetzt werden kann. Über Funktionen zum Finden lokaler Stricktreffs möchten wir den Austausch außerdem über die Plattform hinaus in die reale Welt tragen.

Wie wichtig ist die Verbindung aus Kreativität, Technologie und Handarbeit für eure Vision?

Sie ist der Kern von Stitcha. Wir möchten zeigen, dass digitale Technologien handwerkliche Kreativität nicht ersetzen, sondern sinnvoll unterstützen können. Unser Ziel ist es, den kreativen Prozess einfacher, individueller und zugänglicher zu gestalten, ohne den Charakter des Handwerks zu verlieren.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Entwicklung einer digitalen Plattform für den Strickbereich?

Die größte technische Herausforderung besteht darin, bestehende Strickanleitungen in eine digitale, logisch strukturierte Form zu überführen und gleichzeitig neue Anleitungen fehlerfrei zu generieren. Diesen Prozess entwickeln wir mithilfe zahlreicher Referenzanleitungen, Teststricks und kontinuierlicher Validierung. Eine ebenso wichtige Herausforderung ist der Aufbau einer aktiven Community. Deshalb konzentrieren wir uns zunächst darauf, Strickenden mit passgenauer Inspiration und Hilfestellungen während des Strickens einen echten Mehrwert zu bieten. Mit einer wachsenden Nutzerinnenbasis wird Stitcha anschließend auch für Strickdesignerinnen als Plattform zur Veröffentlichung, Vermarktung und zum Austausch zunehmend attraktiver.

Wie reagieren Nutzerinnen und Nutzer bislang auf die Möglichkeiten von Stitcha?

Wenn wir von Stitcha erzählen, hören wir oft als erste Reaktion: „Oh, wie cool, genau das brauche ich! Wann kann ich die App herunterladen?“ Dieses Feedback zeigt uns, dass viele Strickende sich eine zentrale Plattform für ihr Hobby wünschen. Je nach Erfahrungsstand unterscheiden sich dabei die Bedürfnisse: Anfängerinnen und Anfänger interessieren sich vor allem für die schrittweise Begleitung durch Anleitungen und schnelle Hilfestellungen direkt während des Strickens. Fortgeschrittene schätzen insbesondere die Möglichkeiten zur Individualisierung von Anleitungen. Beide Gruppen begeistert jedoch vor allem die Idee, erstmals alle wichtigen Funktionen rund ums Stricken an einem Ort zu vereinen.

Welche Rolle spielt die Teilnahme am Stoff im Kopf Accelerator für eure Entwicklung?

Für uns ist der Accelerator vor allem eine intensive Lernphase. Wir erhalten praxisnahes Wissen zu allen Themen, die für eine Unternehmensgründung wichtig sind und können unsere konkreten Fragestellungen direkt mit erfahrenen Expertinnen und Experten besprechen. Besonders bereichernd ist außerdem der Austausch mit den anderen Start-ups, da unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel oft zu neuen Ideen führen. Das persönliche Coaching hilft uns, fundierte Entscheidungen zu treffen, typische Fehler zu vermeiden und Stitcha gezielt weiterzuentwickeln.

Was unterscheidet Stitcha aus eurer Sicht von anderen digitalen Angeboten rund ums Stricken?

Viele bestehende Lösungen decken nur einzelne Bereiche wie Inspiration, Projektverwaltung oder die Erstellung neuer Anleitungen ab. Stitcha verfolgt einen ganzheitlichen Plattformansatz und verbindet diese Bereiche erstmals miteinander. Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist die Individualisierung bestehender Anleitungen auf Basis der tatsächlich gestrickten Maschenprobe der Nutzerinnen und Nutzer. Statt so lange Maschenproben zu stricken, bis sie exakt der Vorgabe einer Anleitung entsprechen, genügt eine eigene Maschenprobe – die Anleitung passt sich anschließend an die individuelle Strickweise an. Dadurch entsteht ein durchgängiger digitaler Workflow für den gesamten Strickprozess.

Welche nächsten Funktionen oder Erweiterungen plant ihr für die Plattform?

Der Fokus liegt zunächst auf der Weiterentwicklung der personalisierten Anleitungen und der Projektverwaltung. Gleichzeitig entwickeln wir Funktionen für Anleitungsdesigner*innen, die den Erstellungsprozess erleichtern. Beispielsweise durch Werkzeuge zur Organisation von Teststricks und Unterstützung bei der Gradierung verschiedener Größen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Aufbau einer aktiven Community. Mit Funktionen zum Finden und Gründen lokaler Stricktreffs und Knit Clubs möchten wir Menschen nicht nur digital vernetzen, sondern auch den persönlichen Austausch und das gemeinsame Stricken vor Ort fördern.

Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im Kreativ- oder Techbereich geben?

Erstens: Sprecht so früh wie möglich mit euren zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern – sie kennen die Probleme am besten.

Zweitens: Testet Ideen früh und regelmäßig, statt zu lange im stillen Kämmerlein zu entwickeln.

Drittens: Baut ein Team mit unterschiedlichen Kompetenzen auf. Gerade die Kombination aus Fachwissen, Design und Technologie hat uns geholfen, Stitcha aus verschiedenen Perspektiven zu entwickeln.

Bild Linn Klaas und Annika Klaas Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Annika und Linn Klaas für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!