Chemische Herbizide geraten in Europa zunehmend unter Druck – sei es durch strengere Zulassungsauflagen oder wachsenden Druck aus der Öffentlichkeit. Genau hier setzt ag-tech.systems an. Das Unternehmen aus Geilenkirchen hat eine Technologie entwickelt, die Unkraut mit Hochspannungsstrom statt mit Chemie bekämpft.
Die NRW.BANK beteiligt sich über ihr Programm NRW.SeedCap an der Seed-Finanzierungsrunde von ag-tech.systems. Weitere Investoren steigen ebenfalls ein, werden in der Mitteilung aber nicht namentlich genannt. Über die genaue Höhe der Runde schweigen sich die Beteiligten aus – eine Zahl, die viele Leser aus der Investorenszene an dieser Stelle vermissen dürften.
Strom statt Chemie
Im Zentrum der Technologie steht eine eigens entwickelte Leitflüssigkeit. Sie senkt den elektrischen Eintrittswiderstand der Pflanzen und macht sie dadurch empfänglich für Hochspannungsstrom. Bei Kulturpflanzen wie Kartoffeln und Hafer steuert das Verfahren so den Reifeprozess gezielt und unabhängig von der Witterung.
Bei unerwünschten Pflanzen wirkt derselbe Mechanismus umgekehrt: Der Strom bekämpft invasive Arten wie das Erdmandelgras von der Wurzel bis zum Blatt. Anders als bei synthetischen Herbiziden bleiben dabei keine chemischen Rückstände im Boden, in den Kulturpflanzen oder in Lebensmitteln zurück. Damit bietet ag-tech eine rein physikalische Alternative zur klassischen Unkrautbekämpfung.
Genau diesen Anspruch formuliert Geschäftsführer Marcus Lehnen deutlich: Unkrautbekämpfung ohne Chemie dürfe kein Kompromiss sein. Sie müsse auf dem Acker genauso zuverlässig wirken wie ein Herbizid – und sich für den Betrieb wirtschaftlich rechnen. Das neue Kapital verschaffe ag-tech.systems laut Lehnen die Mittel, um die Serienfertigung des Systems epc.160 vorzubereiten und die Markteinführung kontrolliert sowie nah an den Kunden zu gestalten.
Was ag-tech.systems für die NRW.BANK attraktiv macht
Die NRW.BANK begründet ihr Engagement mit dem allgemeinen Anspruch, Innovationen aus der Entwicklungsphase in den Markt zu bringen. Vorstandsvorsitzende Gabriela Pantring verweist darauf, dass junge Unternehmen dafür passendes Kapital brauchen. Mit der Beteiligung an ag-tech.systems fördere die Bank gezielt eine Technologie aus Nordrhein-Westfalen und stärke damit den Innovationsstandort.
Der epc.160 als Herzstück der Markteinführung
Die nächste Entwicklungsphase von ag-tech.systems dreht sich um ein zentrales Produkt: das System epc.160. Es lässt sich vollständig in moderne Standard-Landmaschinen integrieren und wird direkt über den Traktor gesteuert. Landwirte benötigen also keine komplett neue Maschinerie, um auf die Technologie umzusteigen.
Parallel dazu will das Unternehmen den Einsatzbereich erweitern. Neben Kartoffeln und Hafer sollen künftig auch Zuckerrüben, Gerste und Raps von dem Verfahren profitieren. Zusätzlich entwickelt ag-tech.systems größere Maschinen für den großflächigen Ackerbau – ein Schritt, der auf Betriebe mit deutlich mehr Fläche zielt als bislang adressiert.
ag-tech.systems plant Expansion in fünf neue Länder
Neben der Technik nimmt das Unternehmen auch die internationale Expansion in Angriff. Geplant ist der Markteintritt in Kanada, die USA, Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich. Diese Länder zählen zu den bedeutenden Agrarmärkten Nordamerikas und Europas, was die Auswahl nachvollziehbar macht. Konkrete Zeitpläne für die einzelnen Länder nennt das Unternehmen bislang nicht.
Fazit: Seed-Kapital als Testfall für die herbizidfreie Landwirtschaft
Die Seed-Finanzierung bringt ag-tech.systems von der Entwicklung näher an die Marktreife. Die Serienfertigung des epc.160 rückt näher, und mit ihr die Frage, ob sich chemiefreie Unkrautbekämpfung im landwirtschaftlichen Alltag tatsächlich behauptet. Entscheidend wird sein, ob die Technologie preislich und praktisch mit klassischen Herbiziden mithalten kann – erst dann zeigt sich, ob aus der Nische ein echter Standard wird.
Wichtige FAQ
Das Unternehmen aus Geilenkirchen nutzt Hochspannungsstrom und eine eigens entwickelte Leitflüssigkeit, um Kulturpflanzen chemiefrei reifen zu lassen und invasive Unkrautarten zu bekämpfen.
Die genaue Summe nennt das Unternehmen nicht. Bekannt ist, dass sich die NRW.BANK über ihr Programm NRW.SeedCap zusammen mit weiteren, nicht näher benannten Investoren beteiligt.
Eine leitfähige Flüssigkeit senkt den elektrischen Widerstand der Pflanzen. Hochspannungsstrom wirkt anschließend von der Wurzel bis zum Blatt, ohne chemische Rückstände in Boden oder Lebensmitteln zu hinterlassen.
Der epc.160 ist das System, mit dem ag-tech.systems in Serienfertigung gehen will. Es lässt sich in Standard-Landmaschinen integrieren und über den Traktor steuern.
Geplant ist der Eintritt in Kanada, die USA, Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich.
















