Mittwoch, August 19, 2026
StartInterviewsZVG Melder: Wie KI Wertgutachten liest und Zwangsversteigerungen transparent macht

ZVG Melder: Wie KI Wertgutachten liest und Zwangsversteigerungen transparent macht

ZVG Melder macht Zwangsversteigerungen für Privatpersonen transparenter und nutzt eine KI-gestützte Risikoanalyse, um Wertgutachten schnell und nachvollziehbar auszuwerten.

Können Sie ZVG Melder kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die Plattform entstanden ist?

ZVG Melder ist ein Portal für Zwangsversteigerungen in Deutschland. Wir führen die Termine aller 14 am zvg-portal beteiligten Bundesländer täglich an einer Stelle zusammen, lesen die amtlichen Wertgutachten automatisch aus und zeigen zu jedem Objekt Risiken, Kosten und Fristen – jede kritische Aussage mit wörtlichem Zitat aus dem Originaldokument. Die Idee ist aus eigener Erfahrung entstanden: Wer sich für Zwangsversteigerungen interessiert, klickt sich durch 14 getrennte Länderportale, bekommt keine Benachrichtigung, wenn ein Termin verlegt oder aufgehoben wird, und sitzt dann pro Objekt vor einem 30- bis 60-seitigen Gutachten in Amtsdeutsch. Ich bin Software-Entwickler und habe mir zuerst ein Werkzeug für mich selbst gebaut. Als klar wurde, dass die eigentliche Arbeit nicht das Sammeln der Termine ist, sondern das Lesen der Gutachten, wurde daraus ZVG Melder.

Sie haben ZVG Melder allein entwickelt. Welche Vorteile und Herausforderungen bringt eine Gründung als Solo Gründer mit sich?

Der Vorteil ist Geschwindigkeit: Es gibt keine Abstimmung, keine Meetings, ich kann eine Entscheidung morgens treffen und abends live haben. Die Herausforderung ist, dass jede Disziplin bei mir landet – Recht, Steuern, Marketing, Support, Infrastruktur. Und man hat keinen Sparringspartner, der einen vor den eigenen blinden Flecken warnt. Ich gleiche das mit drei Dingen aus: harte Messkriterien statt Bauchgefühl, sehr frühes Feedback von echten Bietern, und KI-Agenten als Werkzeug für die Arbeit, die ich sonst nicht schaffen würde – mit klaren Freigaben durch mich, nicht auf Autopilot.

Welche Vision verfolgen Sie mit ZVG Melder, und was möchten Sie im Markt für Zwangsversteigerungen verändern?

Die Vision ist die verlässlichste Risikoanalyse für Zwangsversteigerungs-Gutachten in Deutschland. Verändern möchte ich, dass die Entscheidung „Lohnt sich die Prüfung dieses Objekts?“ heute eine Stunde Lesearbeit pro Gutachten kostet und damit vor allem Profis vorbehalten bleibt. Wenn ein Eigennutzer in wenigen Minuten sieht, was im Gutachten steht – und was nicht –, dann wird der Markt für Privatpersonen zugänglicher, ohne dass jemand die Katze im Sack kauft.

Informationen zu Zwangsversteigerungen sind öffentlich verfügbar. Warum sind sie für Interessenten dennoch so schwer nutzbar?

Weil öffentlich nicht nutzbar heißt. Die Termine stehen auf 14 getrennten Länderportalen ohne gemeinsame Suche, ohne Suchauftrag und ohne Benachrichtigung. Aufhebungen und Verlegungen erscheinen oft nur als kleine Notiz beim Amtsgericht – wer nicht regelmäßig nachschaut, fährt umsonst hin. Und die entscheidenden Informationen stecken in PDF-Gutachten mit Fachsprache: Rechte in Abteilung II, ob eine Innenbesichtigung stattgefunden hat, wie alt der Wertermittlungsstichtag ist. Das kann ein Laie lesen, aber nicht sicher bewerten – und schon gar nicht für zehn Objekte am Wochenende.

Ihre KI liest umfangreiche Wertgutachten aus und erfasst dabei 94 Datenfelder. Wie stellen Sie sicher, dass die Ergebnisse zuverlässig sind?

Mit einem Referenzdatensatz, den wir Feld für Feld manuell gegen die Originaldokumente geprüft haben. Jede Änderung an Modell oder Prompt wird gegen diesen Datensatz gemessen, bevor sie live geht – nicht nach Gefühl, sondern mit Trefferquoten pro Feld. Dazu kommen Kreuzprüfungen, zum Beispiel ob der Verkehrswert im Portal und im Gutachten übereinstimmen, und die Regel, dass jede Aussage ihre Quelle mitführt. Was das System nicht sicher belegen kann, zeigen wir als offen an, statt es zu erraten.

Jede kritische Aussage der KI wird mit einem Zitat aus dem Originalgutachten belegt. Warum war Ihnen dieser Belegzwang besonders wichtig?

Weil es um sechsstellige Entscheidungen geht. Niemand sollte einer KI glauben müssen – man soll nachlesen können. Das Zitat macht die Aussage in Sekunden prüfbar und schützt vor dem gefährlichsten Fehler, den solche Systeme machen: plausibel klingende Behauptungen ohne Grundlage. Der Belegzwang diszipliniert außerdem uns selbst: Was nicht belegbar ist, wird nicht behauptet.

An welche Nutzer richtet sich ZVG Melder, und wie unterscheiden sich die Bedürfnisse von Eigennutzern und privaten Kapitalanlegern?

An Privatpersonen in Deutschland. Eigennutzer nehmen meist zum ersten Mal an einer Versteigerung teil; sie brauchen Erklärung, einen Prüfplan und die Sicherheit, keine Falle zu übersehen – ein Wohnrecht, einen Sanierungsstau, eine Sonderumlage. Private Kapitalanleger kennen das Verfahren, haben aber ein Mengenproblem: Sie wollen viele Objekte in mehreren Regionen im Blick behalten, brauchen die Zahlen strukturiert, Rendite und Gesamtbudget auf einen Blick und sofortige Benachrichtigungen. Für die einen ist Verständlichkeit der Mehrwert, für die anderen Zeit.

Von Risikoanalysen bis zum PDF Dossier für die Bank bietet die Plattform verschiedene Werkzeuge. Wo entsteht für Nutzer der größte Mehrwert?

In der ersten Stunde, die man nicht mehr braucht: Die Risikoanalyse mit Zitaten beantwortet in Minuten, ob ein Objekt eine ernsthafte Prüfung wert ist. Danach kommen die Suchaufträge mit Aufhebungs-Warnung, damit niemand zu einem geplatzten Termin fährt, und der Kostenrechner, der aus dem Gutachten Gesamtbudget und Rendite vorbelegt. Das Dossier für die Bank ist der Abschluss – wenn die Entscheidung gefallen ist und die Finanzierung steht.

Was unterscheidet ZVG Melder von bestehenden Portalen und Informationsangeboten rund um Zwangsversteigerungen?

Die meisten Angebote sammeln Termine. Wir lesen zusätzlich das Gutachten – vollständig, jede Nacht, mit Beleg. Die Risikoklasse von 1 bis 6 ist keine reine KI-Note, sondern kombiniert feste Regeln mit belegten Signalen aus dem Dokument. Das Verzeichnis selbst bleibt kostenlos und werbefrei; bezahlt werden Zeitersparnis und Sicherheit.

Tausende Wertgutachten unterscheiden sich stark in Aufbau und Inhalt. Was war bei der automatisierten Auswertung technisch besonders herausfordernd?

Die Heterogenität: gescannte Seiten neben digitalem Text, Tabellen, unterschiedliche Gliederungen je Gutachter, dieselbe Information an zehn verschiedenen Stellen. Jedes Feld muss nicht nur extrahiert, sondern mit seiner Fundstelle versehen werden, sonst funktioniert der Belegzwang nicht. Dazu Widersprüche zwischen Portal und Gutachten, die man erkennen statt überschreiben muss. Und ein Sicherheitsaspekt, den viele unterschätzen: Dokumenttext ist für die KI ausschließlich Daten, nie eine Anweisung – ein präpariertes PDF darf das System nicht steuern können.

ZVG Melder ist seit August 2026 live. Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für die Plattform im Fokus?

Erstens Feedback: Ich spreche gerade mit den ersten Nutzern, die wirklich bieten, und baue das ein, was ihnen fehlt. Zweitens Transparenz nach außen: ein monatliches Zwangsversteigerungs-Barometer aus unseren Daten – Termine, Verkehrswerte und häufige Risiken nach Region –, das auch Journalisten und Bieter frei nutzen können. Drittens die Risikoanalyse selbst: weiter gegen den Referenzdatensatz messen und verbessern.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit KI komplexe Daten und Dokumente für Nutzer verständlicher machen möchten?

Erstens: Referenzdaten vor Modell. Ohne einen manuell geprüften Datensatz weiß man nie, ob eine Änderung besser oder nur anders ist.

Zweitens: Belege statt Behauptungen. Jede KI-Aussage sollte auf ihre Quelle zeigen – das schützt Nutzer und zwingt einen selbst zur Ehrlichkeit.

Drittens: Unsicherheit sichtbar machen. Ein „nicht belegbar“ ist mehr wert als eine geratene Antwort, und Nutzer danken es einem mit Vertrauen.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei Pascal Szorath für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: ZVG Melder

Kontakt:

ZVG Melder
Pascal Szorath
Albulastrasse 50
8048 Zürich
Schweiz

www.zvg-melder.de
pascal@zvg-melder.de

Ansprechpartner: Pascal Szorath

Social Media:
LinkedIn

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

StartupValley Venture

FUNDING

ALERTS

Täglich die neuesten Startup-Fundings, Investments und VC-Deals direkt in deinem WhatsApp-Feed. Schnell, aktuell und kompakt für Gründer, Investoren und Tech-Begeisterte.

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

spot_img
- Advertisement -

PREMIUM STARTUPS

Neueste Beiträge

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img

Das könnte dir auch gefallen!