Montag, September 28, 2026
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Lebensstimmen: Die KI-Plattform für selbstbestimmte Abschiedsvorsorge

Lebensstimmen verbindet KI mit der Erfahrung von Bestatter-Experten, um persönliche Abschieds- und Erinnerungsformate bereits zu Lebzeiten selbstbestimmt zu gestalten

Kannst du Lebensstimmen kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist?

Lebensstimmen-Words that Remain ist eine neuartige KI-gestützte Plattform, mit der Menschen persönliche Abschieds- und Erinnerungsformate zu Lebzeiten als Vorsorgemodell und ergänzend zum bestehenden Angebot selbstbestimmt gestalten können. Das sind z.B. Grußbotschaften, die eigene Trauer bzw. Abschiedsrede oder eine würdevolle Rede der Familie, als Audio oder Video.

Die Idee ist aus persönlichen Erfahrungen und eigenen Wünschen heraus entstanden, kommt aber auch direkt aus der Praxis der Bestattung. Zunehmend wünschen sich auch immer mehr Menschen, ihren Abschied selbst zu Lebzeiten in die Hand zu nehmen, um die Angehörigen zu entlasten, aber auch um diesen nach eigenen Wünschen und Inhalten mitzugestalten, so dass auch sprachliche, kulturelle, aber auch digitale Kanäle und deren Herausforderungen darin Berücksichtigung finden. Unsere Antwort darauf: Nicht andere sprechen über einen Menschen, sondern er oder sie kann zu Lebzeiten selbst Autor der eigenen letzten Worte im gewünschten Rahmen dieses Vorsorgeproduktes sein. Die KI ist dabei Werkzeug und nicht Hauptdarsteller, sie ergänzt und unterstützt sinnvoll wenn gewünscht, damit ein neues Erinnerungsformat entsteht, welches für den Tod und darüber hinaus Bestand hat.

Wer steht hinter Lebensstimmen, und wie ergänzen sich eure Erfahrungen?

Lebensstimmen wurde von drei Partnern mit umfangreicher Expertise gegründet.

  • Dr. Markus Pinter (Pinter Bestattung) bringt langjährige Branchenerfahrung und ein starkes europäisches und globales Netzwerk ein, unter anderem über seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien, aber auch seiner Rolle als Vizepräsident des Europäischen Bestatter Verbandes EFFS, aber auch als Delegierter des Weltverbands der Bestatter FIAT-IFTA.
  • Lukas Stern (Aldea Agency) ist mit mir in der Geschäftsführung und verantwortet Plattformkonzeption, KI-Produktion, Videoproduktion und Qualitätssicherung und bringt langjährige Erfahrung mit internationalen Kunden ein.
  • Ich selbst, Dr. Philipp Berkessy (Berkessy Consulting), führe als Geschäftsführer Strategie, Marketing, Sales und PR und schaue auf über 30 Berufsjahre in Führungspositionen u.a. im internationalen Motorsport wie u.a. Head of Marketing des Bahrain International Circuit, COO der DTM, Geschäftsführer am Red Bull Ring, oder als SMO der Firma Frutura zurück. Mein internationales Netzwerk ist aktiv in den Aufbau von Lebensstimmen involviert.

Ergänzt werden wir durch starke Beratungspartner:

  • BLCKs rund um Philipp Fuchs für die KI-Orchestrierung, Software und Frontend-Lösung
  • Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte rund um Hon. Prof. Sascha Verovnik für Recht und Datenschutz
  • Green Encoded rund um Michael Kien für digitale Assets und Tokenisierung

Diese Kombination ist unser Kern. Die Branche weiß, was gebraucht wird. Die Technik weiß, was möglich ist. Beratung und Management sorgen dafür, dass daraus ein neuartiges und international skalierbares Geschäftsmodell wird, welches am Ende jeden Menschen betrifft.

Was hat euch überzeugt, dass es für ein solches Angebot Bedarf gibt?

Die Bestattungskultur befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Standardisierte Abläufe weichen individuellen Abschiedsformen. Menschen und vor allem die junge Generation lebt sehr digital und erwartet immer stärke Einbindung und Unterstützung von Ton, Bild und digitalen Formate. Die Gesellschaft wird vielfältiger in Sprachen, Kulturen und Religionen. Die Freunde, Familien oder Kollegen sind weltweit verstreut und Social Media verbindet immer mehr Menschen global. Und der Wunsch nach Selbstbestimmung wächst, auch beim eigenen Abschied. Man hat viel selbst zu sagen, u.a. über sein Leben, seine Erinnerungen, seine Familien und Freunde, aber auch seine Wünsche und wie man selbst in Erinnerung bleiben will. Dies alles will Lebensstimmen festhalten, bewußt zu Lebzeiten in entsprechendem würdigen Rahmen.

Hinzu kommt die Vorsorge: Wer heute sein Begräbnis regelt, will zunehmend auch mitentscheiden, was dort gesagt wird. In Gesprächen mit Bestattern und Versicherern, Vereinen, Institutionen, aber auch der Gesellschaft selbst, hören wir immer öfter: Das Bedürfnis ist da, es fehlten bisher aber würdevolle, rechtssichere, aber auch innovative Angebote im digitalen Bereich. Alleine in der DACH-Region gibt es rund 1,4 Millionen Sterbefälle pro Jahr, und digital ist dieser Bereich mit entsprechenden Produkten weltweitgesehen noch weitgehend unerschlossen.

Wie findet ihr die Balance zwischen Technologie und würdevollem Umgang?

Für uns ist Würde das oberste Prinzip und der Mensch steht im Mittelpunkt. Keine technologische Optimierung rechtfertigt einen Verlust an Würde. Das zeigt sich konkret an drei Punkten:

  • Der Mensch kuratiert. Jede Rede entsteht aus den Vorgaben echter Menschen und wird vor der Auslieferung von einem Menschen geprüft.
  • Die Gestaltung ist bewusst reduziert. Digitale Möglichkeiten, Bildsprache, Inhalte und Sprache sind Teil des Respekts und werden in einen dem Thema entsprechendem Rahmen erarbeitet.
  • Das neuartige Zusatzangebot kommt neben Versicherungen, relevanten Institutionen und Medie, vor allem auch über den Bestatter. Die Familie erhält es über jemanden, dem sie in dieser Situation ohnehin vertraut.

Technologie ist bei uns Mittel und nicht Selbstzweck. Sie soll Menschen in einer sensiblen Lebenssituation entlasten, nicht menschliche Zuwendung ersetzen.

Wo zieht Lebensstimmen die ethischen Grenzen?

Die Grenze ist klar: Wir lassen keine Menschen nach dem Tod weiterleben oder sprechen, sondern schaffen neuartige Erinnerungsformate zu Lebzeiten, die dem Willen des betroffenen Menschen entsprechend und verwendet werden. Alle Inhalte sind bewusst stilisiert und tragen die Kennzeichnung „Digitale Inszenierung zur Erinnerung“. Unsere KI-Trauerredner sind neutrale, würdevolle digitale Redner, die im Sinne des Verstorbenen nach seinen Vorgaben sprechen. Sie spielen ihn nicht nach.

Die eigene Stimme kommt also nur dann zum Einsatz, wenn der Mensch das zu Lebzeiten selbst ausdrücklich wünscht und in entsprechendem ethisch würdigem Rahmen freigibt. Ein „digitales Weiterleben“, also einen Avatar, der nach dem Tod neue Dinge sagt oder mit Angehörigen Gespräche führt, bieten wir bewusst nicht an! Was bleibt, sind die Worte, die ein Mensch selbst hinterlassen wollte.

Wie stellt ihr sicher, dass auch nach dem Tod eindeutig geregelt ist, was mit den Inhalten geschehen darf?

Die Grundlage bildet eine schriftliche Einwilligung. Der Mensch legt zu Lebzeiten fest, welche Inhalte entstehen, in welchem Rahmen sie verwendet werden und wann sie wie bereitgestellt werden. Diese Freigabe ist jederzeit widerrufbar. Die Inhalte werden archiviert und erst im Anlassfall digital bereitgestellt.

Rechtlich entwickeln wir Einwilligungs-, Freigabe- und Widerrufsregeln gemeinsam mit der Kanzlei Scherbaum Seebacher. Die Orchestrierungsplattform nutzt spezielle Verschlüsselungen und die Daten liegen DSGVO-konform in der EU. Langfristig soll weitere Add Ons wie u.a. ein tokenisiertes Familien-Erinnerungsarchiv die Rechteverwaltung über Generationen hinweg nachvollziehbar sichern.

Warum setzt ihr auf ein Lizenz- und White-Label-Modell statt auf direkten Zugang zu Endkunden?

Die Produkte sind neuartig und müssen wie bei jedem neuen Produkt erst gelernt werden, damit Menschen in den relevanten Lebensphasen aktiv nach den eigenen letzten Worten bzw. einer KI-Trauerrede fragen. Sie vertrauen ihrem Bestatter, ihrem Vorsorgeversicherer oder den relevanten Institution, Vereinen und relevanten Anbietern von bestehenden Produkten. Deshalb gehen wir im Rahmen von Partnerschaften und einfachen Möglichkeiten der Verfügbarkeit und Umsetzung unserer Produkte für den Kunden dorthin, wo dieses Vertrauen bereits besteht; werden aber auch Interessierten eine direkte Möglichkeit schaffen, Lebensstimmen für sich zu nutzen.

Für Partner ist Lebensstimmen ein emotional starkes Zusatzangebot mit völlig neuen und vor allem auch wiederkehrenden Erlösquellen und einfacher Integration. Für uns bedeutet das ein asset-light Modell: Wir produzieren zentral, vertrieben wird dezentral ohne komplizierte Systemanbindungen oder Adaptierungen. Über White-Label und Lizenzen lässt sich das international ausrollen, ohne dass wir in jedem Land eine eigene Endkundenmarke aufbauen müssen.

Wie reagieren Bestatter auf eure Plattform, und wo gibt es Vorbehalte gegenüber KI?

Die Reaktionen sind überwiegend interessiert, neugierig und positiv, das haben wir zuletzt beim KI-Symposium TODTAL des Bundesverband Deutscher Bestatter in Düsseldorf deutlich gespürt, an dem wir als Speaker und Diskussionsteilnehmer teilgenommen haben. Viele in der Branche sehen, dass sich die Erwartungen ihrer Kunden verändern, und suchen nach zeitgemäßen Angeboten, die dennoch zu ihrer Haltung passen und KI ist in aller Munde, aber es gibt natürlich so wie aktuell überall im Bereich der KI auch Vorbehalte und diese sind auch nachvollziehbar. Genau deshalb haben wir den ethischen Rahmen von Anfang an zum Kern des Produkts gemacht. Hinzu kommt, dass mit Dr. Markus Pinter ein langjähriger Branchenexperte Mitgründer ist.

Welche Anforderungen unterscheiden sich zwischen Märkten und Kulturen?

Abschied ist zutiefst kulturell geprägt. Die Unterschiede zeigen sich u.a. in mehreren Punkten:

  • Rituale und religiöse Traditionen, etwa wer spricht, wie lange und in welchem Ton
  • Die Rolle von Musik und Bild
  • Wie offen man über den Tod spricht
  • Natürlich auch über die Sprachen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere beim Datenschutz und beim Persönlichkeitsrecht

Unsere Antwort darauf ist Modularität. Sprache, Tonalität, Bildwelten und Redner sind anpassbar, bis hin zu einer Auswahl an Rednern, die Vielfalt nach Herkunft und Religion abgebildet. Langfristig planen wir Versionen in über 50 Sprachen. Wir wollen keine österreichische Lösung exportieren, sondern einen Rahmen schaffen, den lokale Partner in Ihren Ländern mit ihrer eigenen Kultur füllen und wir die spezifischen Anforderungen in den jeweiligen Märkten aufnehmen und entsprechend für die dann dort angebotene Lösung anpassen.

Welche Rolle soll Dr. Helmut Marko über die finanzielle Beteiligung hinaus spielen?

Dr. Helmut Marko ist für uns weit mehr als ein Kapitalgeber. Er steht für unternehmerische Erfahrung, internationale Vernetzung und eine Persönlichkeit, die internationales Vertrauen genießt. Kaum ein Fachgebiet hat deutlicher gezeigt, wie beständige Innovationen etwas grundlegend verändern können als der Motorsport. Sein Zitat im Rahmen des Beitritts „Motorsport wurde nie durch Zufall verbessert, sondern durch den Mut, konsequent neue Technologien im Dienst der Menschen einzusetzen. Genau diese Haltung erkenne ich in Lebensstimmen“ hat uns besonders gefreut und beflügelt. Dass wir mit ihm einen weiteren starken Grazer Partner an Bord haben, unterstreicht auch unsere regionale Verankerung.

Welche nächsten Schritte sind entscheidend, um eine internationale Plattform aufzubauen?

  1. Offizieller Plattformpräsentation: Die Vorstellung erfolgt am 20. Oktober diesen Jahres rund um Allerheiligen und Allerseelen mit dem PR-Kick-off in Wien, der Go-Live der vier Kernmodelle erfolgt im ersten Quartal 2027.
  2. Pilotbetrieb: Wir starten mit ersten Bestatterpartnern in Österreich und entwickeln das Produkt mit echtem Kundenfeedback weiter.
  3. Final Investor: Finalisierung der Investorengespräche und Beitritt eines zweiten und letzten Investors bis zum offiziellen Rollout
  4. Rollout in Q1 2027: Wir starten im DACH-Raum, danach Europa, die MENA Region und weltweit über ausgewählte Partner, aber auch im Direktvertrieb. Schlussendlich können wir bei Interesse eines fast jeden Marktes dort rasch operativ tätig werden.
  5. Ausbau der Plattform: Dazu gehören Sprach- und Kulturmodule sowie eine Vielzahl an Add-ons wie z.B. das genannte digitale Familienarchiv.

Die Technik skaliert leicht. Entscheidend ist, in jedem Markt die richtigen, vertrauenswürdigen Partner für eine schnelle internationale Skalierung zu finden.

Welche drei Ratschläge gebt ihr Gründerinnen und Gründern, die mit KI in einem sensiblen Bereich arbeiten?

  1. Macht Ethik zur Produktfunktion, nicht zur Fußnote. Legt eure Grenzen fest und macht sie sichtbar. In sensiblen Märkten und Branchen ist Vertrauen das eigentliche Produkt.
  2. Holt die Branche ins Gründerteam. Technologie allein öffnet keine Türen. Wer die Menschen, Abläufe und Ängste eines Feldes wirklich kennt, entscheidet über Akzeptanz.
  3. Lasst den Menschen im Mittelpunkt und in der Schleife. Menschliche Prüfung, klare Einwilligung und das Recht auf Widerruf sind kein Bremsklotz, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt skalieren zu dürfen und Vertrauen zu schaffen.
  4. Erzählt die richtigen Geschichten und schafft Praxisbeispiel, die die Menschen erreichen und die komplexe Technik verständlich lassen werden. Story-Telling ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor!

Bild 3 Gründer und Investor Dr. Helmut Marko Bildrechte: ©Lebensstimmen

Wir bedanken uns bei Philipp Berkessy für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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