Lagery bringt Anbieter und Interessenten auf einem digitalen Marktplatz zusammen, um ungenutzte Flächen einfacher sichtbar, buchbar und wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Können Sie Lagery kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für den digitalen Marktplatz für ungenutzte Flächen entstanden ist?
Lagery ist ein digitaler Marktplatz für Lager-, Abstell- und Parkflächen. Das Angebot reicht vom Kellerabteil über Garagen und Stellplätze bis zur gewerblichen Hallenfläche. Die Idee entstand aus einem eigenen Problem. Für unser damaliges Amazon-FBA-Geschäft hatten wir in Hilchenbach eine 142,5 Quadratmeter große Halle gemietet, obwohl wir weniger als die Hälfte davon benötigten. Kleinere oder teilbare Flächen waren auf den üblichen Portalen kaum zu finden. Gleichzeitig sahen wir überall ungenutzte Garagen, Scheunen und Gewerbeflächen. Statt weiter nach der passenden Halle zu suchen, begannen wir, die Plattform zu entwickeln, auf der solche Flächen sichtbar und buchbar werden.
Wer steht hinter Lagery, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau der Plattform ein?
Hinter Lagery steht die BundS GmbH aus Kreuztal. Ich, Seckin Hikmet Alkas, verantworte als Geschäftsführer den Aufbau und die Weiterentwicklung von Lagery. Meine Erfahrungen stammen aus dem E-Commerce, dem Aufbau eigener digitaler Angebote sowie der praktischen Arbeit mit Lagerhaltung, Warenflüssen und digitalen Prozessen. Lagery wurde innerhalb der BundS GmbH von Grund auf selbst entwickelt und wird auch von uns betrieben. Dadurch verbinden wir kaufmännische Erfahrung mit technischer Produktentwicklung und einem direkten Verständnis für die Herausforderungen von Anbietern und Mietern.
Garagen, Stellplätze oder Lagerflächen bleiben vielerorts ungenutzt. Welches Potenzial sehen Sie darin, diese Kapazitäten digital verfügbar zu machen?
Das Potenzial liegt nicht nur in einzelnen großen Hallen, sondern in vielen dezentral verteilten Flächen. Eine freie Garage, ein Kellerraum oder ein ungenutzter Hallenbereich wirkt für sich genommen klein. Digital gebündelt entsteht daraus jedoch ein relevantes lokales Angebot. Anbieter können vorhandene Flächen wirtschaftlich nutzen, während Mieter näher an ihrem Wohn- oder Unternehmensstandort passenden Platz finden. Gleichzeitig wird bestehende Infrastruktur besser ausgelastet, anstatt für jeden zusätzlichen Bedarf neue Fläche schaffen zu müssen.
Welche Zielgruppen möchten Sie auf Anbieter- und Mieterseite besonders erreichen?
Auf Anbieterseite richten wir uns sowohl an Privatpersonen mit freien Garagen, Kellern, Dachböden oder Stellplätzen als auch an Unternehmen, Immobilienverwaltungen, landwirtschaftliche Betriebe und Logistikunternehmen mit ungenutzten Teilflächen oder mehreren Einheiten. Auf Mieterseite sprechen wir Menschen an, die beispielsweise wegen eines Umzugs, einer Renovierung oder saisonaler Gegenstände zusätzlichen Platz benötigen. Hinzu kommen Selbstständige und Unternehmen, die Lagerraum für Waren, Material, Werkzeuge, Retouren, Akten oder Fahrzeuge suchen.
Anbieter können ihre Flächen kostenlos inserieren. Warum haben Sie sich bewusst für eine möglichst niedrige Einstiegshürde entschieden?
Ein Marktplatz kann nur funktionieren, wenn ausreichend relevante Angebote sichtbar werden. Viele Eigentümer wissen jedoch noch nicht, ob es in ihrer Umgebung überhaupt Nachfrage nach ihrer Fläche gibt. Deshalb möchten wir ihnen ermöglichen, diese Nachfrage ohne Vorabkosten zu testen. Auch der Einstieg ist bewusst einfach gestaltet. Zunächst genügen wenige Angaben. Weitere Details und Zahlungsinformationen werden erst dann abgefragt, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Etwaige Gebühren werden im konkreten Buchungsprozess transparent ausgewiesen. Unser Modell soll an einer erfolgreichen Vermittlung ansetzen und nicht daran, dass jemand lediglich ein Inserat ausprobiert.
Von der Suche bis zur Zahlungsabwicklung läuft der Prozess über Lagery. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz gegenüber einer klassischen Vermietung?
Bei einer klassischen Vermietung verteilen sich Inserat, E-Mails, Telefonate, Terminabsprachen, Überweisungen und Dokumente häufig auf verschiedene Kanäle. Lagery führt diese Schritte in einem nachvollziehbaren Prozess zusammen. Interessenten können Angebote strukturiert vergleichen, eine unverbindliche Anfrage senden oder, sofern angeboten, direkt buchen. Kommunikation, Buchungsstatus, Zahlung, Stornierung und Auszahlung bleiben für beide Seiten an einer Stelle einsehbar. Das reduziert den Abstimmungsaufwand und macht Vereinbarungen besser nachvollziehbar.
Garagen, Hallen und Container unterscheiden sich deutlich voneinander. Wie schaffen Sie es, diese unterschiedlichen Flächen auf einer Plattform sinnvoll abzubilden?
Wir arbeiten mit einem gemeinsamen Kern aus Standort, Größe, Preis, Verfügbarkeit und Buchungsart. Diesen ergänzen wir um Angaben, die für die jeweilige Fläche relevant sind. Dazu gehören beispielsweise Maße und Türbreiten, Zufahrtsmöglichkeiten, maximale Belastung, Zugangszeiten, Sicherheitsmerkmale, Klimatisierung, die Anzahl verfügbarer Einheiten und Regeln für erlaubte Gegenstände. Dadurch bleiben unterschiedliche Flächen vergleichbar, ohne ihre Besonderheiten in einem allgemeinen Beschreibungstext zu verstecken. Aktuell lassen sich unter anderem Keller, Garagen, Stellplätze, Dachböden, Zimmer, Schuppen, Container und Lagerhallen abbilden.
Ein Marktplatz funktioniert nur, wenn gleichzeitig genügend Anbieter und Interessenten vorhanden sind. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung beim Wachstum um?
Wir möchten nicht nur oberflächlich möglichst viele Orte abdecken, sondern in ausgewählten Regionen und Anwendungsfällen eine echte Angebotsdichte schaffen. Dafür sprechen wir Anbieter gezielt an und unterstützen sie bei Bedarf persönlich beim ersten Inserat. Gleichzeitig nutzen wir lokale Suchseiten, konkrete Kategorien und Suchbenachrichtigungen, um vorhandene Nachfrage sichtbar zu machen. Entscheidend ist, Angebot und Nachfrage in denselben Städten und Regionen aufzubauen. Suchanfragen ohne passendes Ergebnis zeigen uns außerdem, in welchen Orten und bei welchen Flächentypen wir als Nächstes weitere Anbieter gewinnen müssen.
Vertrauen spielt bei der Vermietung privater und gewerblicher Flächen eine wichtige Rolle. Wie möchten Sie dieses Vertrauen auf Lagery schaffen?
Vertrauen entsteht für uns nicht durch ein einzelnes Siegel, sondern durch mehrere nachvollziehbare Maßnahmen. Dazu gehören bestätigte E-Mail-Adressen, die klare Kennzeichnung privater und gewerblicher Anbieter sowie geprüfte Identitätsangaben, sofern diese bereits vorliegen. Inserate sollen mit Fotos, Maßen, Informationen zum Zugang, Regeln und Ausstattung möglichst konkret beschrieben werden. Gebühren werden vor der Zahlung angezeigt. Die Kommunikation bleibt der jeweiligen Buchung zugeordnet und Zahlungen werden über einen spezialisierten Zahlungsdienstleister abgewickelt. Bewertungen sind erst nach einer bezahlten Buchung möglich. Hinzu kommen Melde- und Supportwege sowie versionierte Rechtstexte, deren jeweiliger Stand einer Buchung zugeordnet wird.
Was unterscheidet Lagery von klassischen Immobilienportalen oder anderen Möglichkeiten, freie Lager- und Stellflächen zu vermieten?
Klassische Immobilienportale enden häufig bei der Kontaktvermittlung und sind überwiegend auf vollständige Immobilien oder langfristige Mietverhältnisse ausgelegt. Lagery konzentriert sich dagegen auf Lager-, Abstell- und Parkflächen. Dazu gehören auch kleine Teilflächen und Angebote mit mehreren verfügbaren Einheiten. Die relevanten Merkmale werden strukturiert erfasst und durch Suche, Karte und Filter vergleichbar gemacht. Nach dem ersten Kontakt geht der Prozess auf Lagery mit Anfrage oder Sofortbuchung, Kommunikation, Zahlung und Statusverwaltung weiter. Damit ist Lagery nicht nur ein digitales Schwarzes Brett, sondern eine auf diesen Markt spezialisierte Vermittlungsplattform.
Lagery befindet sich aktuell im weiteren Aufbau. Welche Vision verfolgen Sie, und welche nächsten Entwicklungsschritte sind geplant?
Unsere Vision ist, ungenutzte Flächen so einfach auffindbar und buchbar zu machen wie andere digitale Dienstleistungen. Jeder geeignete Quadratmeter soll die Chance bekommen, genau dort gefunden zu werden, wo jemand zusätzlichen Platz benötigt. In der nächsten Phase konzentrieren wir uns vor allem auf mehr Angebotsdichte in konkreten Regionen, einen noch einfacheren Einstieg für Anbieter und bessere Such- und Vermittlungsprozesse. Gleichzeitig entwickeln wir die Abläufe rund um Vertrauen, Zahlung und den technischen Betrieb kontinuierlich weiter. Für gewerbliche Anbieter möchten wir insbesondere die Verwaltung mehrerer Flächen und Einheiten weiter vereinfachen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die einen digitalen Marktplatz aufbauen möchten?
Erstens sollte man mit einem klar abgegrenzten Markt beginnen, in dem sich eine echte Balance zwischen Angebot und Nachfrage schaffen lässt. Viele Registrierungen helfen wenig, wenn beide Seiten nicht zueinanderpassen.
Zweitens sollte man von Beginn an intensiv mit beiden Marktseiten sprechen. Anbieter und Interessenten haben unterschiedliche Probleme und Erwartungen. Beide Perspektiven müssen separat verstanden werden.
Drittens sollte man Vertrauen und die operativen Abläufe früh mitdenken. Zahlung, Stornierung, Support und die Prüfung von Inhalten sind keine späteren Zusatzfunktionen, sondern ein wesentlicher Teil des Produkts. Entscheidend sind am Ende erfolgreiche Vermittlungen und eine wiederkehrende Nutzung, nicht die Länge der Funktionsliste.
Fotocredits: privat
Wir bedanken uns bei Seckin Hikmet Alkas für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: Lagery

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