Das Health-Tech-Unternehmen Heidi hat eine Series-C-Runde über 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Lead-Investor ist Blackbird, die Runde bewertet Heidi mit 900 Millionen US-Dollar. Zusätzlich erhält das Unternehmen 240 Millionen US-Dollar Wachstumskapital vom Customer Value Fund (CVF) von General Catalyst. Mit dem Geld will Heidi seinen KI-Assistenten für medizinisches Fachpersonal ausbauen und in der DACH-Region deutlich wachsen.
Die Eckdaten der Heidi Finanzierung
- Volumen gesamt: 340 Mio. US-Dollar
- Series C: 100 Mio. US-Dollar
- Lead-Investor: Blackbird
- Weitere Investoren: Phoenix Court (Investmentgesellschaft hinter LocalGlobe, Latitude und Solar Funds), Point72 Private Investments, Headline (alle bereits investiert)
- Wachstumsfinanzierung: 240 Mio. US-Dollar aus dem Customer Value Fund von General Catalyst
- Bewertung: 900 Mio. US-Dollar
- Eigenkapital gesamt (inkl. Series C): 436,6 Mio. US-Dollar
- Gründung: 2019 in Melbourne
- Gründer: Dr. Thomas Kelly (CEO), Waleed Mussa, Yu Liu
- Sitz: Melbourne, Australien
Vom KI-Scribe zum Begleiter für den ganzen Arbeitstag
Heidi startete als sogenannter Scribe: eine KI, die Sprechstunden transkribiert und daraus Arztnotizen erstellt. Inzwischen versteht sich das Unternehmen als „AI Care Partner“. Die Plattform soll Ärzt:innen und anderes Fachpersonal durch den ganzen Arbeitstag begleiten – von Verwaltungsaufgaben über klinisches Wissen bis zur Arbeit rund um den Patientenkontakt.
„Von dem Tag an, an dem ich Heidi gegründet habe, ging meine Vision immer weit über das Schreiben von Arztnotizen hinaus“, sagt Mitgründer und CEO Dr. Thomas Kelly. Ihm schwebte von Anfang an eine KI vor, die auch die Folgearbeit nach dem Gespräch übernimmt.
Dazu hat Heidi sein Angebot zuletzt deutlich erweitert. Die Funktion Heidi Evidenz liefert Informationen zum jeweiligen Fall direkt am Behandlungsort. Seit dem Start im März 2026 hat sie weltweit fast acht Millionen Anfragen beantwortet. Außerdem bringt Heidi mit Remote sein erstes tragbares Gerät auf den Markt. Eine Diktierfunktion ergänzt das Angebot, sodass Fachkräfte Gespräche auch unterwegs festhalten können. Zudem verbindet sich die Plattform zunehmend mit Systemen für elektronische Patientenakten.
Technisch setzt Heidi dabei nicht allein auf große KI-Modelle anderer Anbieter, sogenannte Frontier-Modelle. Transkription und Notizen, die den Großteil der Rechenleistung verbrauchen, laufen fast vollständig auf eigenen Modellen. Ein eigenes Forschungsteam testet und prüft die Produkte, bevor sie im Alltag ankommen.
Die Nutzung wächst schnell. Aktuell setzt Fachpersonal Heidi bei 2,8 Millionen Patientenkontakten pro Woche ein. Insgesamt kommt die Plattform auf mehr als 175 Millionen Kontakte und über 67 Millionen klinische Arbeitsstunden. Damit hat sich die Nutzung seit September 2025 mehr als verdreifacht. Der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) stieg in den zwei Jahren seit Verkaufsstart von einer Million auf 50 Millionen US-Dollar (Stand: April 2026). Heidi ist in 190 Ländern und 110 Sprachen im Einsatz.
Weniger Papierkram gegen den Personalmangel
Heidi zielt auf ein Kernproblem vieler Gesundheitssysteme. Die Nachfrage nach Versorgung steigt, das Personal bleibt knapp. Gleichzeitig wächst der Aufwand für Dokumentation. Das Unternehmen formuliert daher ein ehrgeiziges Ziel: Es will die weltweiten Versorgungskapazitäten verdoppeln.
Große öffentliche Auftraggeber setzen bereits auf die Lösung. So hat NHS England Midlands Heidi Anfang des Jahres als einzigen Anbieter ausgewählt. Laut Unternehmen ist das die bisher größte Beschaffung klinischer KI-Dokumentation in der Geschichte des britischen NHS. Der Auftrag umfasst 15 Akut- und Community Trusts, alle Integrated Care Boards der Region sowie 1.239 Hausarztpraxen. In Australien nutzen unter anderem das Royal Children’s Hospital Melbourne und Metro South Health die Software. In Neuseeland läuft Heidi in allen Notaufnahmen des Landes.
Die Investoren sehen darin eine solide Basis. Phoenix Court verweist auf die Fachkenntnis des Teams und auf ein Produkt, dem das medizinische Personal stark vertraue. Das mache die Ambition „absolut erreichbar“, heißt es von dem Investor.
Wichtig für die Einordnung der Summe: Nur die 100 Millionen US-Dollar der Series C bilden die Eigenkapitalrunde mit der Bewertung von 900 Millionen. Die 240 Millionen von General Catalyst fließen separat als Wachstumsfinanzierung.
Klar ist auch: In Europa hängt der weitere Ausbau stark an der Regulierung. Ein Teil der Series C fließt deshalb in Zulassungsverfahren für weiterführende klinische Funktionen in Europa und Großbritannien. DSGVO und Datensicherheit bleiben dabei zentrale Themen. Die Entscheidung über Diagnose und Behandlung liegt laut Heidi stets beim Fachpersonal.
Das DACH-Team von Heidi soll sich verdoppeln
Die DACH-Region zählt für Heidi zu den wichtigsten Wachstumsmärkten. Seit dem Markteintritt im Zuge der Series B stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer:innen bis August 2026 um 205 Prozent. In diesem Zeitraum gab es über 600.000 Interaktionen mit Patient:innen. Zu den Kunden zählt unter anderem das Swiss Medical Network, eine private Klinikgruppe aus der Schweiz.
Mit dem neuen Kapital will Heidi die Zahl seiner Mitarbeitenden in der Region verdoppeln. Besonders in Deutschland soll ein eigenes Führungsteam entstehen. Außerdem entwickelt das Unternehmen Produkte, die auf die Gesundheitssysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugeschnitten sind.
„Die Finanzierungsrunde gibt uns die Möglichkeit, noch weiterzugehen“, sagt Kelly. Heidi wolle Produkte für europäische Gesundheitssysteme bauen und in die nötigen regulatorischen Grundlagen investieren. Am Ende solle das Fachpersonal mehr Zeit für Patientinnen und Patienten haben. Parallel will Heidi seine Rolle im NHS und in anderen öffentlichen Systemen ausbauen und im privaten Gesundheitssektor weiter wachsen.
FAQ über Heidi
Heidi erhält insgesamt 340 Millionen US-Dollar: 100 Millionen aus einer Series-C-Runde und 240 Millionen Wachstumsfinanzierung vom Customer Value Fund von General Catalyst.
Blackbird führt die Series C an. Außerdem beteiligen sich Phoenix Court, Point72 Private Investments und Headline. Die Wachstumsfinanzierung stammt von General Catalyst.
Die Series C bewertet das Unternehmen mit 900 Millionen US-Dollar.
Heidi entwickelt einen KI-Assistenten für medizinisches Fachpersonal. Die Software dokumentiert Sprechstunden, liefert klinisches Wissen und unterstützt bei Aufgaben rund um den Patientenkontakt.
Dr. Thomas Kelly, Waleed Mussa und Yu Liu haben Heidi 2019 in Melbourne gegründet.
















