Senani will die Gesundheit von jedem Hund besser verständlich machen und setzt dafür auf einen KI-gestützten Tracker, der individuelle Verhaltensmuster analysiert und Veränderungen frühzeitig erkennen soll.
Können Sie Senani kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für einen KI-gestützten Gesundheitstracker für Hunde entstanden ist?
Wenn wir Menschen unsere Gesundheit immer stärker tracken und dadurch besser verstehen, was in unserem Körper passiert, warum tun wir das nicht auch für unseren besten Freund, unseren Hund? Hunde sind für uns Familienmitglieder. Trotzdem können sie uns nicht sagen, wenn ihnen etwas wehtut oder sich etwas verändert. Als Halter ist man zudem nicht den ganzen Tag beim Hund. Man arbeitet, ist unterwegs, und viele Veränderungen bekommt man gar nicht direkt mit.
Aus dieser Beobachtung ist Senani entstanden: ein KI-gestützter Gesundheitstracker für Hunde, der genau diese Lücke schließt. Der Tracker wird am Halsband oder Geschirr befestigt und analysiert täglich 15 relevante Verhaltensmuster. Dabei lernt Senani den Hund individuell kennen und berücksichtigt Faktoren wie Rasse, Alter und Gewicht. So entsteht ein persönliches Bild seines normalen Verhaltens. Erkennt das System Auffälligkeiten, führt der Senani Coach den Halter Schritt für Schritt durch die nächsten Beobachtungen.
Unser Ziel ist nicht, eine tierärztliche Untersuchung zu ersetzen. Sondern Haltern im Alltag mehr Sicherheit zu geben und gleichzeitig relevante Informationen für die Zusammenarbeit mit dem Tierarzt aufzubereiten.
Wer sind die drei Gründer hinter Senani, und welche Erfahrungen und Kompetenzen bringen Sie in die Entwicklung ein?
Hinter Senani stehen drei Gründer, die seit dem gemeinsamen Studium zusammenarbeiten und sich in Technik und Go-to-Market ergänzen. Außerdem waren wir mehrere Monate im Tierheim Karlsruhe aktiv und haben mit den unterschiedlichsten Hunden gearbeitet.
Benjamin war drei Jahre CTO und Mitgründer der Fußball-App matchbase. Davor hat er über zehn Jahre als Full-Stack-Entwickler und Interim-CTO gearbeitet. Robin bringt aus seiner Selbstständigkeit und dem Wirtschaftsingenieurwesen-Studium technisches Know-how mit und war als Einkaufsprojektmanager bei Robert Bosch tätig. Fernando war über sechs Jahre selbstständig als Performance-Marketer und hat Kunden bei der Neukunden- und Mitarbeitergewinnung begleitet.
Gemeinsam haben wir bereits drei Produktiterationen umgesetzt. Grundlage war das Feedback aus unserem Netzwerk aus Haltern, Tierärzten, Tierphysios, Hundeschulen und dem Tierheim. Außerdem haben wir mehr als 225 Nutzer für unsere Warteliste gewonnen und das EXIST-Gründerstipendium erhalten.
Sie haben mehrere Monate nahezu täglich mit unterschiedlichen Hunden im Tierheim Karlsruhe gearbeitet. Welche Erkenntnisse aus dieser Zeit haben Ihr Produkt besonders geprägt?
Der wohl schönste Moment war, den ersten Prototyp zum ersten Mal an einem Hund zu befestigen. Hardware und App hatten wir komplett selbst entwickelt. Am Anfang lief nie etwas so, wie wir es uns vorgestellt hatten, und wir mussten ständig nachjustieren. Unser Alltag bestand über Monate aus morgendlichen Runden mit den unterschiedlichsten Hunden, direkt danach ging es ins Labor, um Senani weiterzuentwickeln.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Hunde sind extrem individuell. Neben Rasse, Größe und Aktivitätslevel spielt das Gesamtverhalten eine zentrale Rolle. Zwei Hunde derselben Herkunft können völlig unterschiedlich sein. Der eine genießt Ruhe, der andere ist ständig in Bewegung. Pauschale Informationen überfordern Halter deshalb eher, als dass sie ihnen helfen.
Neben dieser Erkenntnis fürs Produkt war der größte Gewinn die Zusammenarbeit im Team. In dieser Zeit zählten über Tage nur wir drei, Senani und die Tierheim-Hunde. Dabei haben wir gelernt, wie interdisziplinär und agil wir als Team arbeiten und wie unsere unterschiedlichen Kompetenzen die Umsetzung vorantreiben, vom Marktverständnis bis zur technischen Anwendung.
Der Tracker analysiert täglich 15 Verhaltensmuster und lernt jeden Hund individuell kennen. Wie entsteht daraus ein persönliches Normalverhalten?
Der Tracker erfasst über Bewegungssensoren am Halsband oder Geschirr kontinuierlich Daten zu 15 definierten Verhaltensmustern, etwa Laufen, Liegen, Kratzen oder Fressen. Diese Muster haben wir auf Basis veterinärmedizinischer Fachliteratur und im Austausch mit Tierärzten entwickelt. Ein internes, KI-gestütztes Klassifikationsmodell ordnet jede Bewegungsphase einem dieser Muster zu. Aus Häufigkeit, Dauer und zeitlichem Verlauf dieser Verhaltensweisen entsteht mit der Zeit eine individuelle Baseline. Veränderungen gleichen wir laufend mit dieser persönlichen Baseline ab. Zusätzlich vergleichen wir sie mit Referenzwerten von Hunden ähnlicher Rasse, ähnlichen Alters und Gewichts. Außerdem beziehen wir die Vorgeschichte des Hundes ein, etwa bekannte Vorerkrankungen. So lassen sich Auffälligkeiten besser einordnen und verständlicher an Halter und Tierarzt kommunizieren.
Senani soll Abweichungen im Verhalten frühzeitig erkennen. Wo liegen die Grenzen der Technologie und wann bleibt der Gang zum Tierarzt unverzichtbar?
Invasive Gesundheitsanalysen sind technisch derzeit nicht möglich. Außerdem erkennt Senani Veränderungen im Verhalten, keine bereits bestehenden Zustände. Hat ein Hund schon ein gesundheitliches Problem, bevor er den Tracker trägt, fließt das zunächst in seine Baseline ein. Der Abgleich mit Referenzwerten vergleichbarer Hunde kann Hinweise liefern, ersetzt aber keine Untersuchung. Deshalb bleibt der regelmäßige Check beim Tierarzt unverzichtbar, und Senani versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz dafür. Genau deshalb binden wir Halter und Tierärzte von Anfang an in die Entwicklung ein. Wir wollen Haltern im Alltag Orientierung geben und gleichzeitig die Kommunikation zwischen Halter und Tierarzt verbessern. Für gesündere Hunde, entspanntere Halter und besser vorbereitete Tierarztbesuche.
Mehr als 300 Hundehalter haben Sie bereits zu Funktionen, Design und Bedürfnissen befragt. Was hat Sie bei diesen Gesprächen am meisten überrascht?
Am meisten überrascht hat uns, woran Menschen beim Wort „Hundetracker“ zuerst denken: an GPS. Tracking beim Hund verbinden die meisten automatisch mit Ortung, also mit der Frage, wo der Hund gerade ist. Die Frage, wie es ihm geht, hat dagegen kaum jemand im Kopf. Das finden wir spannend, weil wir bei uns selbst Schlaf, Puls oder Schritte längst ganz selbstverständlich tracken. Für uns heißt das: Gesundheitstracking beim Hund muss sich als eigene Kategorie in den Köpfen erst noch etablieren, und genau da setzen wir mit Senani an.
Veterinäre, Tierphysios, Hundeschulen, Tierheim und Hundehalter fließen in die Entwicklung ein. Wie schaffen Sie es, die unterschiedlichen Perspektiven in einem Produkt zusammenzuführen?
Tierärzte, Tierphysios, Hundeschulen, Tierheim und Hundehalter haben eines gemeinsam: Sie lieben Hunde. Daraus ergibt sich ein gemeinsames Ziel, nämlich das Leben mit dem Hund gesünder und einfacher zu machen. Die unterschiedlichen Perspektiven sehen wir deshalb nicht als Herausforderung, sondern als Chance, Senani für alle Seiten wertvoll zu machen. Mit diesem Anspruch gehen wir direkt auf unsere Partner zu. Weil wir alle Seiten früh einbinden und offen über den Entwicklungsstand sprechen, können wir Feedback schnell bewerten und direkt in den nächsten Iterationszyklus übernehmen.
Gesundheits- und Verhaltensdaten von Haustieren sind besonders sensible Informationen. Wie möchten Sie bei Senani mit Datenschutz und dem Vertrauen der Halter umgehen?
Halter behalten jederzeit die Hoheit über die Daten ihres Hundes. Alle Daten und Analysen werden verschlüsselt übertragen. Unsere Infrastruktur läuft in der EU und ist konform zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) umgesetzt. Transparenz gegenüber unseren Nutzern steht dabei immer an erster Stelle.
Aktuell sammeln Sie mit Hundehaltern in Deutschland und der Schweiz Daten. Wie stellen Sie sicher, dass unterschiedliche Rassen, Altersgruppen und Lebenssituationen ausreichend berücksichtigt werden?
Wir verfolgen täglich, wie sich unsere Verhaltensdaten auf Kategorien wie Rasse oder Altersgruppe verteilen. So erkennen wir früh, wo Lücken entstehen, und können rechtzeitig gegensteuern. Über unsere Kommunikationskanäle teilen wir dann gezielt mit, welche Hunde für die nächste Entwicklungsphase besonders wertvoll sind.
Bis zum geplanten Launch 2027 möchten Sie die Technologie weiterentwickeln. Welche entscheidenden Meilensteine müssen Sie bis dahin noch erreichen?
Aktuell bauen wir gemeinsam mit unterschiedlichsten Haltern unsere Verhaltensdatenbasis kontinuierlich aus. Im ersten Quartal 2027 rollen wir unsere Alpha aus. Dort können Halter erste Verhaltensanalysen in der Senani App einsehen. Parallel dazu vergrößern wir unsere Community, bevor wir Ende 2027 offiziell launchen. Wer Senani schon vor dem Marktstart kennenlernen und die Entwicklung unterstützen möchte, kann sich über unsere Website kostenlos als Testkunde registrieren und direkt in die laufende Datensammelphase einsteigen. Testkunden erhalten kostenlosen Zugang zu Tracker und App und können sich einmalig bis zu 50 % Launch-Rabatt sichern.
Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Senani, und welche Rolle könnte KI künftig bei der Gesundheitsvorsorge von Haustieren spielen?
Senani soll jedem Halter ermöglichen, das Leben mit seinem gesunden Hund zu genießen, mit mehr Gelassenheit und einem besseren Verständnis für das Verhalten des eigenen Hundes. Halter sollen ihren Hund über die Jahre besser kennenlernen und seine Gesundheit einfach im Blick behalten können. Langfristig soll Senani deshalb mehr sein als ein einzelner Tracker: eine ganzheitliche Gesundheitslösung, die den Hund im Alltag begleitet und relevante Informationen auch für die Zusammenarbeit mit Tierärzten nutzbar macht. Gleichzeitig bauen wir eine Community auf, in der sich Halter austauschen und gemeinsam dazu beitragen, dass Hunde ein langes, gesundes Leben führen. Wenn ein Halter wissen will, wie es seinem Hund geht, soll Senani die erste Anlaufstelle sein.
Dabei spielt KI bei Senani von der Früherkennung über die Begleitung im Alltag bis hin zur Prävention eine zentrale Rolle. Besonders durch die Möglichkeit, große Mengen an Verhaltensdaten auszuwerten und daraus Muster abzuleiten. Das Fundament bilden veterinärmedizinische Fachliteratur und der Austausch mit Tierärzten. Jegliche Erkenntnisse werden menschlich validiert, bevor sie ausgespielt werden. Langfristig sehen wir darin noch mehr Potenzial. Der einzelne Hund profitiert von seiner persönlichen Baseline. Die aggregierten Verhaltensdaten über tausende Hunde hinweg könnten zusätzlich rassen- oder altersspezifische Krankheitsmuster sichtbar machen. Solche Muster sind für einzelne Tierarztpraxen kaum erkennbar, weil ihnen schlicht die Datenbasis über so viele Hunde und Jahre fehlt. Genau dafür wollen wir mit Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Damit soll aus Senani nicht nur ein Produkt für den einzelnen Halter werden, sondern ein Ökosystem, aus dem neue Erkenntnisse für die Veterinärmedizin entstehen können.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein datenbasiertes Produkt entwickeln und ihre Zielgruppe bereits früh in die Entwicklung einbeziehen möchten?
Erstens: Holt euch so früh wie möglich Feedback aus unterschiedlichen Perspektiven. Geht dorthin, wo eure Zielgruppe ist. Bei uns waren das Hundemessen.
Zweitens: Haltet Interessenten regelmäßig auf dem Laufenden, auch wenn eine Nachricht unwichtig erscheint. Early Adopters sind extrem wertvoll. Sie geben euch nicht nur regelmäßig Feedback, sondern zeigen euch auch, dass das, was ihr baut, wirklich gebraucht wird. Oft genügt eine kleine, hoch aktive Gruppe, um ein Produkt in kürzester Zeit nah am Kunden weiterzuentwickeln.
Drittens: Interviewergebnisse liefern nicht immer das, was man sich wünscht. Entscheidend ist nicht, was der Kunde sagt, sondern welches Bedürfnis dahintersteckt und wie man es bestmöglich löst. Kunden können oft nur beurteilen, was sie sehen, und tun sich schwer zu formulieren, was sie eigentlich brauchen. Hört also genau hin und überlegt, welche Lösung wirklich passt. Manchmal ist das nicht direkt das, was eure Interviewpartner sagen.
Bildrechte: Senani
Wir bedanken uns bei Benjamin Seitz, Robin Jäger und Fernando Bauer für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.















