A Friend entwickelt einen physischen Begleiter mit KI, der Gespräche führen und Informationen speichern soll. Über Crowdfunding möchte Gründer Marco Riedesser den Schritt zur ersten Produktionsserie finanzieren.
Marco, kannst du dich und A Friend kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, einen physischen KI-Begleiter zu entwickeln?
Ich bin Marco Riedesser, Gründer von A Friend. Wir entwickeln in Tirol einen physischen KI-Begleiter, mit dem man sprechen kann und der sich an Dinge erinnert, die man mit ihm teilt. Seit rund zwei Jahren arbeiten wir daran, diese Idee zu einem greifbaren Produkt zu machen.
Im Mittelpunkt steht für uns die Frage, wie sich KI persönlicher und selbstverständlicher in den Alltag einfügen kann. Heute beginnt die Nutzung meist damit, dass man ein Gerät entsperrt, eine App öffnet und eine Unterhaltung startet. Wir wollen einen anderen Zugang schaffen: ein kleines Gegenüber, das im Raum präsent ist und das man direkt ansprechen kann. Dabei sollen praktische Unterstützung und die Gestaltung des Geräts zusammenpassen.
Künstliche Intelligenz wird heute überwiegend über Smartphones, Computer oder digitale Assistenten genutzt. Warum hast du dich bewusst für ein eigenständiges Gerät entschieden und welchen Mehrwert soll ein physischer KI-Begleiter bieten?
Ein eigenständiges Gerät verändert die Art, wie man mit einer Anwendung umgeht. Ein Gedanke, eine Notiz oder eine Frage muss nicht erst den Weg durch ein Display finden. Man kann sie einfach aussprechen und sich anschließend wieder dem widmen, was man gerade tut.
Bei A Friend spielt auch die physische Gestaltung eine wichtige Rolle. Der weiche Körper und die Augen geben der Interaktion einen anderen Charakter als ein Chatfenster. Der Mehrwert muss trotzdem im Alltag entstehen. Wenn das Gerät nur nett aussieht, aber keine verlässliche Hilfe bietet, reicht das nicht. Unser Ziel ist deshalb, diese greifbare Präsenz mit nützlichen Funktionen wie Notizen, Kalenderaktionen und dem Wiederaufgreifen von Gesprächsinhalten zu verbinden.
A Friend verbindet Sprachinteraktion mit einer Erinnerungsfunktion. Wie funktioniert das Zusammenspiel dieser beiden Funktionen und in welchen Alltagssituationen soll das Gerät seine Nutzer unterstützen?
Sprache ist der direkte Zugang. Die Erinnerungsfunktion soll dafür sorgen, dass nicht jedes Gespräch wieder bei null beginnt. Wenn jemand etwas festhält oder einen Gedanken später weiterführen möchte, soll A Friend den Zusammenhang wieder aufgreifen können.
Die gespeicherten Informationen lassen sich in der App als übersichtliche Zusammenfassungen ansehen. Nutzer können einzelne Erinnerungen durchgehen und löschen oder alle Erinnerungen vollständig entfernen.
Alltagssituationen sind beispielsweise eine spontan ausgesprochene Notiz, eine Frage zum Kalender oder das Anlegen eines Termins über einen verbundenen Dienst. In unseren Prototyp-Demos zeigen wir bereits Kalenderaktionen, Websuche, Notizen und Erinnerungen über mehrere Gespräche hinweg. Gleichzeitig entwickeln und testen wir weiter, wie zuverlässig diese Abläufe unter unterschiedlichen Bedingungen funktionieren.
Der Name A Friend vermittelt die Vorstellung eines persönlichen Begleiters. Welche Rolle soll das Gerät im Alltag übernehmen und wo ziehst du die Grenze zwischen technischer Unterstützung und einer tatsächlichen zwischenmenschlichen Beziehung?
Der Name beschreibt, wie zugänglich und vertraut sich die Nutzung anfühlen soll. A Friend darf eine angenehme Präsenz sein, mit der man gerne spricht und die einem hilft, Gedanken zu ordnen oder Dinge im Alltag festzuhalten.
Die Grenze ist für mich trotzdem klar: Es bleibt ein technisches System. Es hat keine menschlichen Gefühle und kann die Gegenseitigkeit einer echten Beziehung nicht ersetzen. Wir wollen weder menschliche Kontakte verdrängen noch den Eindruck erwecken, dass eine KI Freundschaften, Familie oder professionelle Unterstützung ersetzen könnte. Die persönliche Gestaltung bringt auch Verantwortung mit sich. Deshalb müssen wir verständlich bleiben, was A Friend kann, wo seine Grenzen liegen und wann man seinen Antworten nicht einfach vertrauen sollte.
Eine KI, die sich an frühere Gespräche oder Informationen erinnern kann, benötigt einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten. Wie ist die Erinnerungsfunktion konzipiert und welche Möglichkeiten sollen Nutzer erhalten, gespeicherte Informationen einzusehen oder zu löschen?
Erinnerung darf aus unserer Sicht keine undurchsichtige Sammlung persönlicher Informationen sein. Nutzer müssen nachvollziehen können, was A Friend über sie gespeichert hat, und selbst entscheiden können, was davon erhalten bleiben soll.
Dafür gibt es in der App Zusammenfassungen der gespeicherten Erinnerungen. Man kann die einzelnen Einträge ansehen, durchgehen und löschen. Wer einen vollständigen Neustart möchte, kann auch alle Erinnerungen vollständig löschen. Diese Kontrolle ist gerade deshalb wichtig, weil sich persönliche Informationen und Lebensumstände ändern und eine KI Inhalte auch falsch verstehen kann.
Die Gespräche und Erinnerungen der Nutzer verwenden wir nicht zum Training eigener KI-Modelle. Wer einen externen KI-Anbieter verbindet, muss zusätzlich dessen Bedingungen für die dorthin übertragenen Informationen berücksichtigen.
Bei einem sprachgesteuerten Gerät spielen Datenschutz und Vertrauen eine besonders wichtige Rolle. Wie möchtest du sicherstellen, dass persönliche Gespräche geschützt bleiben und Nutzer jederzeit die Kontrolle über die Sprachinteraktion behalten?
A Friend soll gezielt angesprochen werden können. Uns ist wichtig, dass Nutzer die Sprachinteraktion bewusst steuern und verstehen, welche Verarbeitung lokal erfolgt und wann externe Dienste beteiligt sind.
Bei unserer eigenen Lösung verarbeiten wir Spracheingaben zunächst lokal. Daraus kann anschließend beispielsweise ein Auftrag entstehen, einen Termin über eine angebundene Kalenderschnittstelle anzulegen. Die dafür erforderlichen Informationen werden an den jeweiligen Dienst übertragen. Einen Teil der KI-Verarbeitung müssen wir ebenfalls in die Cloud auslagern. A Friend ist deshalb keine vollständig lokale KI.
Nutzer können unsere Lösung verwenden oder einen unterstützten eigenen KI-Anbieter über eine API anbinden. Bei externen Anbietern gelten deren Datenverarbeitungsbedingungen. Für uns gehört zu Vertrauen, diese Unterschiede offen zu erklären und keine pauschale Zusage zu machen, dass grundsätzlich keine Daten das Gerät verlassen. Die Einsichts- und Löschmöglichkeiten für Erinnerungen sind ein weiterer wichtiger Teil dieser Kontrolle.
Ihr habt bereits funktionsfähige Entwicklungsgeräte gebaut, befindet euch aber noch vor der Serienproduktion. Welche technischen Herausforderungen waren bisher am größten und welche Funktionen konnten bereits erfolgreich umgesetzt werden?
Die zentrale Herausforderung liegt im Zusammenspiel. Eine brauchbare KI-Antwort allein macht noch kein gutes Gerät. Spracheingabe, Verarbeitung, Erinnerung, Reaktion und die Anbindung externer Werkzeuge müssen zusammen funktionieren und sich für den Nutzer verständlich anfühlen.
Unsere Entwicklungsgeräte können bereits Gespräche führen. In den veröffentlichten Demos zeigen wir unter anderem Kalenderabfragen und das Anlegen von Terminen, Websuche, das Erfassen von Notizen sowie Erinnerungen an frühere Gespräche. Auch die Ausdrucksmöglichkeiten über die Augen haben wir an physischen Prototypen erprobt.
Das sind wichtige Schritte, aber noch keine fertige Serienversion. Gerade bei Erinnerung und Gesprächsabläufen geht es jetzt darum, Zuverlässigkeit, Fehlerbehandlung und Bedienbarkeit weiter zu verbessern. Wir zeigen bewusst Entwicklungsstände, statt den Eindruck zu vermitteln, dass bereits jedes Detail abgeschlossen ist.
Der Schritt von einer KI-Anwendung zu einem physischen Produkt bringt zusätzliche Anforderungen an Hardware, Design und Fertigung mit sich. Welche Erfahrungen hast du bei dieser Entwicklung gesammelt und welche Entscheidungen waren besonders schwierig?
Bei Hardware beeinflussen sich Entscheidungen sehr unmittelbar. Eine Änderung am Gehäuse kann Auswirkungen auf Akustik, Montage oder Wartung haben. Ein Material, das sich gut anfühlt, muss sich auch verarbeiten lassen. Und etwas, das bei einem einzelnen Prototyp funktioniert, muss später in einer ganzen Serie wiederholbar sein.
Für mich ist deshalb die Trennung zwischen einem überzeugenden Entwicklungsgerät und einem fertigungsreifen Produkt besonders wichtig. Die schwierigen Entscheidungen liegen oft darin, welche Funktionen für die erste Version wirklich wesentlich sind und wo zusätzliche Komplexität mehr schadet als hilft. A Friend soll persönlich und eigenständig wirken. Gleichzeitig müssen wir das Gerät so entwickeln, dass es sich verlässlich herstellen, prüfen und im Alltag betreiben lässt.
Am 6. November startet eure Indiegogo-Kampagne. Warum hast du dich für Crowdfunding entschieden, welche Ziele verfolgt ihr damit und welche Bedeutung hat die Unterstützung der Community für die weitere Produktentwicklung?
Crowdfunding passt für uns zu dem Punkt, an dem wir stehen: Es gibt funktionierende Entwicklungsgeräte, und wir wollen den Schritt zur ersten Produktionsserie gehen. Die Kampagne startet am 6. November um 18 Uhr mit einem Finanzierungsziel von 250.000 Euro.
Damit wollen wir die nächsten Schritte in Richtung Fertigung und Auslieferung finanzieren und gleichzeitig sehen, wie viele Menschen A Friend tatsächlich unterstützen möchten. Interesse ist wertvoll, eine verbindliche Unterstützungsentscheidung ist aber noch einmal etwas anderes.
Die Community hilft uns auch, die richtigen Fragen früh zu sehen: Welche Abläufe sind wirklich nützlich? Was muss verständlicher erklärt werden? Wo gibt es Bedenken? Wir verstehen die Kampagne deshalb als Austausch über das Produkt und seinen Entwicklungsstand, nicht nur als Verkaufsmoment. Dazu gehört auch, Risiken und mögliche Verzögerungen offen anzusprechen.
Die Auslieferung von A Friend ist derzeit für das zweite Quartal 2027 geplant. Welche Entwicklungsschritte müssen bis dahin noch abgeschlossen werden und welche Risiken siehst du auf dem Weg vom funktionierenden Prototyp zur Serienfertigung?
Bis zur Auslieferung müssen wir Hardware und Software weiter auf den Serieneinsatz vorbereiten. Dazu gehören die Fertigungsvorbereitung, die Prüfung von Komponenten und Materialien, Tests der Geräte und der integrierten Funktionen sowie die erforderlichen Compliance- und Zulassungsarbeiten. Auch Qualitätskontrolle, Verpackung und Versand müssen zuverlässig organisiert sein.
Risiken liegen beispielsweise in der Verfügbarkeit von Bauteilen, notwendigen Änderungen nach Tests, der Qualität einer ersten Produktionsserie und der Abstimmung mit Fertigungspartnern. Bei angebundenen KI- und anderen Diensten können sich außerdem Schnittstellen oder Bedingungen ändern.
Das zweite Quartal 2027 ist unser derzeitiges Auslieferungsziel, keine garantierte Ankunftszusage. Wenn sich wesentliche Dinge ändern, müssen wir das früh kommunizieren und erklären, was die Änderung für die Unterstützer bedeutet.
Der Markt für persönliche KI-Assistenten entwickelt sich schnell und zunehmend entstehen auch eigenständige Hardwarelösungen. Für welche Zielgruppen entwickelt ihr A Friend, wodurch soll sich euer Gerät von bestehenden Angeboten unterscheiden und welche langfristigen Einsatzmöglichkeiten siehst du?
Zunächst sprechen wir Menschen an, die KI bereits interessant oder nützlich finden, sich aber einen anderen Zugang als das Smartphone wünschen. Menschen, die Gedanken gerne aussprechen, Informationen festhalten möchten und eine greifbare Präsenz im Alltag schätzen.
Unser Ansatz verbindet die physische Gestaltung mit Gespräch, Erinnerung und praktischer Unterstützung. Hinzu kommt die Wahl zwischen unserer eigenen Lösung und unterstützten externen KI-Anbietern. Wir wollen nicht behaupten, dass ein weiteres Gerät automatisch besser ist als eine App. Es muss einen eigenen Nutzen haben und sich im Alltag bewähren.
Langfristig sehe ich Möglichkeiten bei persönlicher Organisation, dem Weiterführen von Ideen und individuellen Routinen. Welche Anwendungen daraus wirklich wertvoll werden, wollen wir mit den Nutzern lernen. Daraus leiten wir keine medizinischen oder therapeutischen Leistungsversprechen ab.
Welche Vision verfolgst du mit A Friend und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine innovative Hardware-Idee entwickeln und über Crowdfunding auf den Markt bringen möchten?
Meine Vision ist, dass KI im Alltag zugänglich und hilfreich sein kann, ohne dass wir dafür noch mehr Zeit vor einem Bildschirm verbringen müssen. A Friend soll ein Gegenstand sein, den man gerne um sich hat und dessen Nutzen man versteht. Persönliche Gestaltung und technische Unterstützung sollen zusammenkommen, ohne die Grenzen der Technik zu verschleiern.
Mein erster Rat wäre: Baut früh etwas, das außerhalb einer Präsentation funktioniert. Ein physischer Prototyp und die Reaktionen darauf zeigen andere Probleme als ein Rendering.
Zweitens: Plant den Weg zur Serie genauso ernsthaft wie die Funktionen. Fertigung, Tests, Qualität und Logistik gehören von Anfang an in die Überlegungen. Ein funktionierendes Einzelstück ist ein Meilenstein, aber noch keine Produktion.
Drittens: Seid im Crowdfunding sehr klar darüber, was bereits funktioniert, was noch entwickelt wird und welche Risiken bestehen. Unterstützer geben einem Projekt Vertrauen. Das muss man durch nachvollziehbare Fortschritte und ehrliche Kommunikation verdienen, auch wenn einmal etwas nicht nach Plan läuft.
Bildnachweis: Andreas Amplatz Bildunterschrift: Marco Riedesser, Gründer von A Friend, mit einem Entwicklungsgerät.
Wir bedanken uns bei Marco Riedesser für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















