Montag, Oktober 19, 2026
StartInterviewsFrauengesundheit neu gedacht: Wie das Startup Aenders Kreatin für Frauen etabliert

Frauengesundheit neu gedacht: Wie das Startup Aenders Kreatin für Frauen etabliert

Mit Aenders wollen die Gründerinnen Kathrin Ridder und Caroline Thiel das Thema Kreatin für Frauen neu positionieren und verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse zur Frauengesundheit mit Nahrungsergänzungsmitteln, Aufklärung und einer starken Community.

Wer steckt hinter Aenders und wie ist die Idee entstanden, eine eigene Marke mit dem Schwerpunkt Frauengesundheit aufzubauen?

Wir sind Kaddi und Caro, also Kathrin Ridder und Caroline Thiel, beste Freundinnen und beide Psychologinnen. Bei uns dreht sich immer alles um Menschen.

Kaddi war die erste Mitarbeiterin bei everdrop. Dort hat sie von Tag 1 an miterlebt, wie man ein Start-up erfolgreich skaliert und eine neue Kategorie aufmacht. Sie war Chief of Staff, hat das Influencer-Marketing auf sechs Millionen Euro Umsatz skaliert und später die Produktentwicklung verantwortet. W&V hat sie in die „Top 33 unter 33“ gewählt.

Caro hat ein Health Café in München eröffnet, die Food-Marke SNACCIDENTS gegründet und F50 mitgegründet, eine digitale Lösung für Menschen mit Essstörungen, die von der Bundesregierung ausgezeichnet wurde. Zuletzt war sie Head of Growth bei Evermood, einer Plattform für mentales Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Wissenschaftlich begleitet uns die Ernährungswissenschaftlerin und Frauengesundheitsexpertin Dr. Dorothea Portius. Sie war am Salk Institute in den USA, forscht heute in Halle und Heilbronn zu Ernährung in der Menopause und hat mehrere Fem Health Bücher geschrieben.

Die Idee zu Aenders kam uns im Gespräch mit den Frauen in unserem Umfeld. Wir kennen so viele tolle Frauen, die nicht sehen, wie stark sie sind. Gleichzeitig hinken Forschung und Produkte bei Frauengesundheit hinterher. Das wollten wir ändern, mit einer Community und mit Produkten, die Frauen wirklich guttun.

Mit Aenders möchtet ihr Frauengesundheit stärker in den Mittelpunkt rücken. Welche Probleme oder Versorgungslücken haben euch zur Gründung bewegt?

In der Medizin war der männliche Körper lange der Standard. Nur rund ein Prozent der Forschungsausgaben im Gesundheitswesen fließt in frauenspezifische Erkrankungen, Krebs nicht mitgerechnet. Das sieht man auch bei Supplements.

Kreatin ist das beste Beispiel. Es ist eines der am besten erforschten Supplements, wurde aber fast nur Männern im Gym verkauft. Dabei haben Frauen im Schnitt deutlich geringere Kreatinspeicher, und ihr Körper verändert sich mit Zyklus, Schwangerschaft und Menopause ständig. Die Nachfrage ist da: Die Google-Suchen nach „Kreatin Frauen“ haben sich in Deutschland seit 2024 fast verzwanzigfacht. Viele Frauen sind trotzdem unsicher, weil ihnen das nie ehrlich erklärt wurde.

Da setzen wir an. Und Kreatin ist erst der Anfang.

Nach eurem Produktlaunch im Februar beschäftigt ihr euch verstärkt mit der Perimenopause. Warum habt ihr euch entschieden, diese Lebensphase besonders in den Fokus zu nehmen?

Weil unsere Community danach gefragt hat. Viele unserer Kundinnen sind zwischen 30 und 50 und stecken mitten in der Perimenopause oder kommen gerade in diese Phase. Sie wollen wissen, was in ihrem Körper passiert und wie sie stark bleiben. Gleichzeitig spricht kaum jemand offen darüber. Das wollen wir ändern: mit Wissen, Webinaren mit Dorothea und Events, bei denen Frauen ehrlich darüber reden können. Und mit dem richtigen Supplement, das sie in dieser wichtigen Phase unterstützt.

Euer Kreatinprodukt wurde von Aenders Daily in Creatine+ umbenannt. Was steckt hinter dieser Entscheidung und wie hat sich eure Markenstrategie entwickelt?

Wir sind mit „Aenders Daily“ gestartet, um zu signalisieren, wie wichtig bei Kreatin die tägliche Einnahme ist. Kreatinspeicher füllen sich nicht über Nacht, die meisten Vitamine wirken nicht über Nacht, man muss eine Weile dranbleiben. Dann haben wir gemerkt: Die meisten haben unsere Sticks als reines Kreatinprodukt gesehen, dabei ist es so viel mehr. Neben Kreatin sind Zink und für Frauen essentielle Vitamine wie Folsäure, Biotin und B12 drin, die wir meist nicht ausreichend über die Ernährung zu uns nehmen. Deswegen haben wir den Produktnamen zu “Aenders Creatine+” geändert. Am Anfang wollten wir breit „Female Health“ abdecken. Heute konzentrieren wir uns auf Kreatin für Frauen und verbinden es mit Aufklärung und Community.

Welche Rolle kann Kreatin aus wissenschaftlicher Sicht für Frauen in der Perimenopause und Menopause spielen und wo sind die Grenzen der bisherigen Forschung?

Ab 30 nimmt unsere Muskelmasse jedes Jahr ab. Ab der Lebensmitte wird es nochmal wichtiger, Muskeln und Kraft zu erhalten. Kreatin unterstützt die körperliche Leistung bei kurzen, intensiven Belastungen wie Krafttraining. Bei Erwachsenen über 55 kann die tägliche Aufnahme die Wirkung von Krafttraining auf die Muskelkraft verstärken. Studien zeigen außerdem sehr vielversprechende Effekte auf Gehirn, Knochen, Regeneration und den weiblichen Zyklus. Gleichzeitig berichten Studien bei einer täglichen Dosis von 3g Kreatin, wie sie in unseren Aenders Kreatin-Sticks für Frauen enthalten sind, so gut wie keine Nebenwirkungen.

Da ist allerdings noch viel Forschung nötig, um eindeutige Aussagen treffen zu können. Die Gender Data Gap ist gerade beim Thema Frauengesundheit ein ernstzunehmendes Problem und wir sind sehr froh, einen kleinen Teil dazu beitragen können.

Gemeinsam mit Dr. Dorothea Portius beleuchtet ihr Ernährung und Krafttraining rund um die Menopause. Welche Erkenntnisse sind dabei besonders relevant?

Erstens: Kein Supplement ersetzt die Basics. Krafttraining, genug Eiweiß und guter Schlaf sind das Fundament, Kreatin, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen können das ergänzen. Und nicht zu vergessen: Die psychische und soziale Gesundheit. Genug Pausen und ausreichend Sozialkontakte senken das Cortisollevel.

Zweitens: Viele Sorgen sind unbegründet. Kreatin macht Frauen nicht „massig“, 3 Gramm pro Tag führen laut aktuellen Studien nicht zu spürbaren Wassereinlagerungen und es schwemmt nicht auf.

Drittens: Es ist einfach. Drei Gramm täglich reichen, ohne Ladephase. Das ist die Menge, die in unseren Kreatin-Sticks von Aenders enthalten sind. Regelmäßigkeit ist wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme.

Und, abseits von Krafttraining: Kreatin spielt nicht nur in den Muskel-, sondern auch in den Gehirnzellen eine Rolle. Welchen Effekt es auf Brain Fog, Fokus, Konzentration und gegebenenfalls sogar Stimmung haben kann, wird gerade untersucht.

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist stark umkämpft. Was unterscheidet Aenders und Creatine+ von anderen Angeboten?

Wir sind lauter. Wir haben es satt, dass Frauen sich kleiner machen. Wir wollen, dass sie Raum einnehmen und sich trauen, sichtbar zu sein. Das ist unsere Haltung, und die spürt man bei uns überall.

Dazu kommen Wissenschaft und Community. Wir haben Creatine+ mit Dorothea für Frauen entwickelt, als praktische Sticks für den Alltag. Und wir haben eine Community von über 2.500 Frauen und mehr als 20 Ambassadors aufgebaut, die sich bei unseren Events und Webinaren austauschen und gegenseitig stärken.

Welche Frauen möchtet ihr mit Aenders erreichen und wie findet ihr heraus, welche Bedürfnisse in den unterschiedlichen Lebensphasen tatsächlich bestehen?

Frauen zwischen 30 und 50, die sich stark fühlen wollen, körperlich und mental, und die lieber Fakten als Hype wollen. Was sie brauchen, finden wir heraus, indem wir sie fragen. Als Psychologinnen liegt uns das. Wir haben vor dem Launch mit Hunderten Frauen gesprochen und tun das heute bei jedem Event, in jedem Webinar und in vielen direkten Nachrichten. So ist auch das Thema Kreatin in der Perimenopause in den Fokus gerückt.

Gerade bei Produkten rund um Frauengesundheit sind wissenschaftliche Grundlagen und Vertrauen entscheidend. Wie stellt ihr sicher, dass eure Kommunikation fundiert bleibt und keine unrealistischen Erwartungen weckt?

Ehrlichkeit und Authentizität ist unsere DNA. Wir trennen klar: Was ist belegt, was ist ein erster Hinweis, was ist offen? Dorothea prüft unsere Inhalte, und wir zitieren Studien und zeigen ehrlich, wo es noch weitere Forschung braucht. Wir versprechen keine Wunder. Oder wie Dorothea sagt: Es geht nicht darum, Kreatin zu verkaufen, sondern es richtig einzuordnen.

Welche Herausforderungen habt ihr seit dem Produktlaunch erlebt und welche Erfahrungen haben eure unternehmerischen Entscheidungen besonders geprägt?

Unser Produkt kam rund zweieinhalb Monate zu spät, und damit haben wir die wichtigsten Monate verpasst: Dezember bis Februar, die Zeit der Neujahrsvorsätze, wenn alle sich plötzlich mit Ernährung und Fitness beschäftigen.

Als nahezu gebootstrapptes Start-up mussten wir mit wenig Geld kreativ werden. Man steckt ständig im Dilemma: Kosten sparen, um nichts zu riskieren, und gleichzeitig investieren, um zu wachsen.

Gelernt haben wir vor allem, dass eine starke Community unser stärkstes Asset ist. Während des Sommerlochs haben wir gesehen, welche Relevanz sie nicht nur Branding-seitig, sondern auch in Hinblick auf unsere Umsätze gemacht. Die Teilnehmerinnen an unseren Events konvertieren oft direkt, mit deutlich höherem AOV als bei einigen Meta Ads.

Wie möchtet ihr Aenders langfristig weiterentwickeln und welche nächsten Produkte oder Themen stehen auf eurer Agenda?

Zuerst wollen wir Kreatin für Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz fest etablieren. Unser erstes Flavor haben wir bereits gelaunched: Unsere Aenders Kreatin-Sticks mit Pfirsichgeschmack sind im Sommer auf den Markt gekommen. Das Thema Frauengesundheit hört für uns aber nicht bei Kreatin auf. Gemeinsam mit Dr. Dorothea Portius und ihrem Team entwickeln wir bereits die nächsten Supplements für Frauen. Mittelfristig wollen wir nach Europa.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen geben, die mit einer eigenen Marke im Gesundheits- und Wellnessbereich Fuß fassen möchten?

Erstens: Wählt eure Mitgründerin mit Bedacht. Das Team ist alles, und wir sind unglaublich dankbar, diese Reise gemeinsam zu machen. Redet über alles. Es wird Momente geben, in denen ihr euch nicht einig seid. Aber wenn ihr ein starkes Team seid, lässt sich alles klären.

Zweitens: Baut eure Community auf, bevor ihr verkauft. Eure Kundinnen sagen euch, was sie brauchen.

Drittens: Hört auf Feedback, aber bleibt euch treu. Ihr seid die Gründerinnen und wisst, warum ihr tut, was ihr tut. Wenn ihr nicht an eure Idee glaubt, wer dann? Be bold. Be aenders.

Bild Links: Kathrin Ridder rechts: Caroline Thiel Fotografin: Laura Niggeschmidt  Bildrechte Aanders

Wir bedanken uns bei Kathrin Ridder und Caroline Thiel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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