Donnerstag, Februar 2, 2023
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Reduziert blinde Flecken

Autarq Solardachziegel verwandeln jedes Dach in ein attraktives Solarkraftwerk

Stellen Sie sich und das Startup Autarq doch kurz unseren Lesern vor!

Young at heart, scherze ich ganz gerne. Denn das Durchschnittsalter der Führungsmannschaft ist jenseits der 50. Autarq ist Deutschlands führender Anbieter für Solardachziegel. Was uns auszeichnet ist unsere unvoreingenommene Aufnahme diverser Perspektiven und die damit verbundene Agilität. Die braucht es täglich um ein junges Technologieunternehmen in einer solch krassen Wachstumsphase sicher zu navigieren. 

Autarq vereint mehr als 65 Menschen von der Produktion unseres Gründungsstandortes Prenzlau über die Verwaltungszentrale in Frankfurt bis hin zu den Team-Standorten in Berlin und Hamburg. Grundsätzlich arbeiten alle Kolleg:innen außerhalb der Produktion jedoch flexibel und hybrid verteilt über Deutschland oder gar Europa. Wir sind radikal in der Innovation der gebäudeintegrierten Photovoltaik die wir treiben und stellen unter Beweis das führende Klimatechnologie in Europa produziert werden kann.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen/einzusteigen?

Ich mag die Geschwindigkeit und Aufgabenkomplexität junger Organisationen. An jeder Ecke gibt es etwas anzupacken und tägliche Verbesserung ist kein Image Slogan. Mich energetisiert die umfassende Verantwortung und das hochfrequente treffen von Entscheidungen. Als langjährig erfahrener Generalist macht es einfach Spaß in der vollen Breite der gewachsenen Expertise gefordert zu sein.

Welche Vision steckt hinter Autarq?

Natürlich geht es darum mit einem hochinnovativen Klimatechnologieprodukt Geld zu verdienen, aber es steckt noch viel mehr dahinter. Was uns antreibt ist das „und es geht doch“ – Next Level Roofs! Ja, Teilhabe der „Vielen“ im Energiesektor ist möglich! Teilhabe über den privaten Kapitalmarkt ist möglich! Deutsche Klimatechnologie kann konkurieren! Europäische Solarwirtschaft ist leistungsfähig! Und ja, es macht Spaß, hat einen direkten Nutzen und nimmt so viele auf diesem Weg mit wie möglich. Wir setzen einen Veränderungsimpuls ohne die Angst vor Verlust, Verzicht oder Einschränkung. Die Chance Orientierung dominiert unser Handeln und in Frage stellen des Status quo.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung ist das „Verlernen“. Auch wir haben mit einer Idee begonnen wie es klappen muss gebäudeintegrierte Photovoltaik für jeden einfachst und sicher anwendbar zu machen und dabei auch noch „geil“ auszusehen. Der Weg bis zur heutigen massenmarktfähigen Produktgeneration 4 ist dabei gepflastert mit dem sprichwörtlichen „hinfallen, Krone richten, weitermachen“. Cornelius Paul, unser Gründer, sagt gerne, er habe bei der durch ihn selbst begleiteten Umsetzung von gut 150 Solardächern den kleinen Dachdeckergesellen gemacht.

Sicher ein Schlüssel um praktisch zu erfahren was das Produkt in seiner Anwendung leisten können muss. Stellt niemals das Produkt und dessen abstrakte Funktionalität in den Mittelpunkt. Kern der Ausrichtung sollte der Anwendernutzen sein und bleiben. Das verliert sich vielleicht machmal. Finanziert sind wir maßgeblich von der econnext AG die in einer, ich sage ganz gern, sequentiellen Seed-Runde knapp EUR 15 Millionen investiert hat.

Wer ist die Zielgruppe von Autarq?

Energiewender! Und davon gibt es erfreulich viele und an Stellen, wo man sie nicht immer vermutet. Klar wird unsere Solardachziegel-Technologie letztendlich von Hauseigentümern gekauft und aufs Dach gebracht. Auf dem Weg dahin bedarf es jedoch einer ganzen Reihe an wichtigen Stakeholdern in der Wertschöpfungskette. Angefangen vom traditionellen Ziegelhersteller mit Fähigkeit und Wunsch zur Produktinnovation und endend beim Dachhandwerk, das sich dem unbekannten öffnet und die Chance ergreift aktiver Teil in der Gesellschaftsaufgabe Energiewende zu sein. Verkaufen tun wir unsere Solardachziegel Systemtechnologie an unsere Partner in der Ziegelindustrie, die sie über den Bauhandel an das Dachhandwerk verkauft, die sie dann den Hauseigentümern anbietet. 

Wie funktioniert Autarq? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Zentraler Unterschied zu allen aktuell erhältlichen Solardachlösungen ist die kompromisslose Konsequenz mit der wir den Anwender:innen Nutzen in den Mittelpunkt der Produktentwicklung stellen. Denn das führt dazu, das nur das Autarq Solardachziegel System in Kleinspannung, parallel geschaltet ein echtes Plug&Play ermöglicht. Das Autarq System hat keinerlei Leistungselektronik wie Mikrowechselrichter oder Optimiser auf dem Dach nötig, es ist bei Installation, Betrieb und Instandhaltung aufgrund der geringen Betriebsspannung von 80VDC absolut ungefährlich und Anwender:innen brauchen daher keine zusätzliche Befähigung zur Elektroinstallation auf dem Dach.

Grundlage für diese Systemeigenschaften ist im Wesentlichen die Miniaturisierung des eingesetzten, selbst designten und in Europa hergestellten Solarmoduls auf den Dachziegeln, gepaart mit unserem hauseigenen Kabelbaum. Durch diese maximale vertikale Integration machen wir uns Fit for Future und noch unabhängiger von spezifischen Lieferketten. Wir können unproblematisch Technologiesprünge der Standard Solarindustrie mitgehen und bleiben dadurch stets auf höchstem Level was Leistung und Effizienz angeht.

Autarq, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Momentan begrenzt alleinig der Zugang zu Kapital unser noch agressiveres Wachstum. 2023 produzieren und verkaufen wir 1,5 Millionen Solardachziegel und skalieren dann bis 2027 auf 12 Millionen Solardachziegel pro Jahr. Das entspricht in etwa 12.000 gebäudeintegrierten Solardächern. In den kommenden drei Jahren werden wir die Kategorie „Solardachziegel“ als Leader besetzen und europaweit etablieren. Gleichzeitig weiten wir unser Engagement auf dem privaten Kapitalmarkt aus und werden neben der bereits voll zurückgezahlten Schwarmfinanzierungsrunde aus 2018 und der aktuellen Kampagne mit econeers Investor:innen mit zukünftigen Crowd-Fundings noch intensiver auch finanziell an der Energiewende partizipieren lassen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Nehmt euch nicht zu ernst. Manchmal sind Wände dazu da umlaufen zu werden.

Reduziert blinde Flecken und holt euch frühzeitig starke Mitstreiter:innen ins Team.

Macht es nicht nur fürs Geld!

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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