CCRAFT entwickelt photonische Chips auf Basis von TFLN für ultraschnelle und energieeffiziente Datenübertragung
Wie ist CCRAFT entstanden und wer steht hinter dem Unternehmen?
CCRAFT wurde 2025 als Spin-off des Schweizer Forschungs- und Technologiezentrums CSEM gegründet. Die Entstehung basiert auf sieben Jahren intensiver Forschung und Prozessentwicklung im Bereich Dünnschicht-Lithiumniobat (TFLN), einer der weltweit vielversprechendsten Technologien für photonische Chips. Heute wird CCRAFT vom Gründerteam um Hamed Sattari, Hernan Furci und mir geprägt, während das CSEM weiterhin ein zentraler und wertvoller F&E-Partner bleibt.
Was hat euch dazu bewegt, euch auf photonische Chips und diese spezielle Technologie zu fokussieren?
Uns hat vor allem eine zentrale Beobachtung motiviert: Die heutigen photonischen Chips basieren überwiegend auf Silizium, dem Grundmaterial der Halbleiterindustrie. Für elektronische Schaltungen eignet sich Silizium hervorragend – aber sobald es um Licht geht, stößt das Material an grundlegende Grenzen, insbesondere bei Bandbreite und Energieeffizienz. Diese Limitierungen werden durch den explosionsartigen Anstieg des weltweiten Datenvolumens, getrieben durch Anwendungen wie generative KI, noch deutlich verschärft. Unserem Team war klar, dass TFLN das besser Material für diese Herausforderung ist.
Welche Vision verfolgt CCRAFT im Bereich Datenübertragung und Computing?
Unsere Vision ist es, die nächste Generation der globalen Daten- und Recheninfrastruktur mit ultraschneller, energieeffizienter Photonik zu ermöglichen. CCRAFT möchte eine zentrale Rolle darin spielen, wie Daten künftig übertragen, verarbeitet und vernetzt werden. Schon heute übernimmt Photonik in modernen Rechenzentren einen immer größeren Anteil der Arbeit – weil elektronische Ansätze bei Bandbreite und Energieeffizienz an ihre Grenzen stoßen. Damit große KIRechenzentren effizient skalieren können, braucht es genau jene spezialisierten photonischen Chips, die wir produzieren. Unsere Technologie liefert die Geschwindigkeit und Energieeffizienz, die nötig ist, damit KIInfrastruktur ihr volles Potenzial entfalten kann.
Wie funktioniert euer Ansatz, Chips mit Licht statt mit elektrischen Signalen zu betreiben?
Daten werden schon seit vielen Jahren über optische Signale in Glasfasern übertragen. Damit das funktioniert, müssen elektrische Signale zunächst von so genannten Transceivern, die spezielle optoelektronische Modulatoren verwenden in Licht übersetzt werden. Bislang basierten diese Modulatoren meist auf Siliziumchips – schlicht weil das Material aus der Halbleiterindustrie verfügbar war. Doch für heutige Anforderungen ist diese opto-elektrische Umwandlung zu langsam und verbraucht unverhältnismässig viel Energie. Deshalb setzt sich nun TFLN durch: ein Material, mit dem sich Licht deutlich schneller und wesentlich energieeffizienter modulieren lässt.
Wer gehört zu eurer Zielgruppe und welche Anforderungen haben diese Kunden an eure Technologie?
Unsere Kunden sind Unternehmen, die extreme Datenraten und maximale Energieeffizienz brauchen – allen voran Hersteller von HochgeschwindigkeitsTransceivern sowie Betreiber großer KI und CloudRechenzentren. Diese Firmen stehen heute unter massivem Druck: Die Datenmengen wachsen immer schneller, der klassische SiliziumPhotonik sind aber feste Grenzen gesetzt. Sie benötigen also Komponenten, die schneller, effizienter und skalierbarer sind als alles, was bisher verfügbar war.
Was sind aktuell die größten Herausforderungen bei der Entwicklung und Produktion photonischer Chips?
TFLN ist technologisch führend – aber nicht kompatibel mit der klassischen Halbleiterfertigung. TFLNChips lassen sich nicht einfach in bestehenden Siliziumfabriken produzieren. Zum einen, weil die Anlage dann für Siliziumchips-Produktion unbrauchbar wäre und zum anderen, weil völlig eigenes ProzessKnowhow erforderlich ist. Gleichzeitig sind die heutigen Stückzahlen zu gering für die asiatische Volumenfertigung, die nur bei enormen Produktionsmengen wirtschaftlich arbeitet.
Genau deshalb hat die Branche so lange an der SiliziumPhotonik festgehalten: Man konnte die vorhandene Infrastruktur nutzen und der Umstieg auf andere Materialien wie TFLN erschien nicht attraktiv.
Mit der rasanten KIEntwicklung bricht dieses Paradigma auf. Die Industrie braucht dringend eine neue Generation von photonischen Chips, und hier haben wir in Europa einen echten Vorteil: Photonik benötigt heute noch nicht die gigantischen Volumen, welche die klassische Halbleiterproduktion praktisch nur noch in Asien möglich machen.
Wir schreiben hier ein neues Kapitel: In der Photonik jenseits von Silizium zählt heute vor allem Prozessbeherrschung, Know-How und der Aufbau neuer, spezialisierter Produktionsanlagen inklusive der entsprechenden Lieferketten. Hier hat sich Europa bereits eine starke Position erarbeitet. Das verschafft uns eine reale Chance, eine Schlüsseltechnologie der nächsten Computergeneration aus Europa heraus zu prägen.
Was unterscheidet CCRAFT von anderen Chip-Herstellern oder Foundries im Markt?
Es gibt heute weltweit keine Foundry, die TFLNChips mit hoher Ausbeute und in ausreichenden Volumen produzieren kann – die meisten wurden bisher in Forschungsinstituten gefertigt. Der Übergang in die industrielle Fertigung läuft jetzt unter Hochdruck, weil der Markt durch KI plötzlich massiv Bedarf hat.
Hier liegt der einzigartige Vorsprung von CCRAFT: Wir haben vor Jahren am CSEM damit begonnen, die kompletten TFLNProzesse auf industriellen Anlagen zu entwickeln und zu stabilisieren – lange bevor andere überhaupt mit dem Technologiewechsel begonnen haben. Das macht uns heute zur weltweit ersten produktionsreifen TFLNFoundry – und zu dem Anbieter, der liefern kann, während andere noch aufholen.
Welche Rolle spielt eure Technologie für Bereiche wie KI, Rechenzentren oder Telekommunikation?
Heute sind unsere Chips vor allem für die effiziente und extrem schnelle Datenübertragung innerhalb und zwischen Rechenzentren unverzichtbar. Das ist genau dort entscheidend, wo KIModelle und CloudServices enorme Datenmengen bewegen müssen. In Zukunft werden unsere TFLNChips aber nicht nur Daten transportieren, sondern auch zunehmend Rechenprozesse übernehmen:
insbesondere bei KIAlgorithmen, sowie in der Quanteninformatik, wo TFLN aufgrund seiner nichtlinearen Eigenschaften ideal geeignet ist.
Wie gelingt es euch, von der Entwicklung bis zur Serienproduktion skalierbar zu arbeiten?
Wir haben in den vergangenen Jahren ganz bewusst die Industrialisierung unserer Fertigungsprozesse priorisiert. Der nächste Schritt – und darauf liegt heute unser Fokus – ist die Skalierung: Wir übertragen unsere qualifizierten Prozesse systematisch auf immer mehr Anlagen, bauen die Kapazitäten aus und stellen sicher, dass Qualität und Ausbeute auf hohem Niveau noch weiter steigen. Das ist die Grundlage für den Übergang von der Entwicklung zur echten Serienproduktion – wiederholbar, stabil und in industriell relevanten Volumina.
Woran arbeitet CCRAFT derzeit konkret und welche nächsten Schritte stehen an?
Aktuell bauen wir vor allem das Team aus, glücklicherweise finden wir genügend hochqualifizierte Leute, auch weil der Standort Schweiz mit der hohen Lebensqualität und politischen Stabilität für viele attraktiv ist.
Wie schätzt ihr die zukünftige Entwicklung von photonischen Chips im Vergleich zu klassischen Halbleitern ein?
Photonische Chips werden immer mehr Aufgaben übernehmen und gleichzeitig werden neu Aufgabenfelder entstehen. Es wird aber sicherlich noch weiterhin Halbleiter- und andere photonische Chips brauchen. Auch weil es nicht nur eine Klasse von photonischen Chips gibt, sondern verschieden. Wir werden wohl verschiedenste, hybride Vermischungen der Technoligen sehen.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern im Deep-Tech-Bereich geben?
Im Deep-Tech Bereich muss man sich möglichst schnell sich von der staatlichen Förderung unabhängig machen und private Geldgeber suchen. Denn ohne viel Geld, geht es Im Deep-Tech Bereich in der Regel nicht. Das ist zwar in Europa noch immer schwieriger als in den USA, aber schon deutlich einfacher als noch vor einigen Jahren. Ich bin überzeugt, dass gute technologische Innovation auch in Europa finanzierbar ist.
Wenn sich Investoren nicht von einer Technologie überzeugen lassen, dann ist diese wahrscheinlich auch nicht reif für den Markt.
Genau zuhören, insbesondere dem eigenen Team und vor allem den Kunden.
Bildrechte: © CCRAFT
Wir bedanken uns bei Andreas Voelker für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Premium Start-up: CCRAFT

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