Mittwoch, Oktober 21, 2026
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Stadtspaziergang als Spiel: Das Startup CuriFox im Interview

Die App CuriFox verwandelt einen Spaziergang durch die Stadt in eine kostenlose Entdeckungstour mit individuellen Routen, spannenden Geschichten und Rätseln, die direkt vor Ort gelöst werden können.

Roman, kannst du dich und CuriFox kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, klassische Stadtspaziergänge mit Geschichten und Rätseln zu verbinden?

Ich bin Roman, Softwareentwickler aus Frankfurt. CuriFox ist eine kostenlose App für iOS und Android, die aus einem Spaziergang durch die Stadt ein Spiel macht. Man wählt Start und Ziel oder einen Rundweg, die App baut daraus eine Route zu Fuß, und an jeder Station gibt es eine kurze Geschichte und ein Rätsel zu dem, was man gerade vor sich sieht. Die Idee kam beim Spazierengehen. Ich gehe oft durch Viertel, die ich eigentlich kenne, und merke, dass ich über die Häuser und Plätze fast nichts weiß. Eine geführte Tour passt dann selten: fester Termin, feste Gruppe, feste Strecke. Wir wollten eine Stadtführung, die man jederzeit starten kann und bei der man nicht nur zuhört, sondern selbst etwas herausfindet.

Wer steckt hinter CuriFox und welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringt ihr als Gründerteam in die Entwicklung der App ein?

Wir sind ein sehr kleines Team aus Frankfurt. Ich komme aus der Softwareentwicklung und habe den größten Teil der App, des Backends und der Datenverarbeitung selbst gebaut. Dazu kommt Unterstützung bei Produktfragen, bei den Texten und beim Testen auf der Straße. Wir haben vorher an anderen Software-Produkten gearbeitet, aber noch nie an einem Spiel, das draußen stattfindet. Das war neu für uns und hat viele Annahmen über den Haufen geworfen.

Mit CuriFox können Nutzer ihre Stadt auf spielerische Weise entdecken. Welches Problem möchtet ihr damit lösen und welche Zielgruppen sprecht ihr besonders an?

Das Problem ist einfach: Die meisten Menschen laufen jeden Tag an interessanten Orten vorbei und wissen nichts darüber. Klassische Stadtführungen decken die Innenstadt ab und brauchen einen Termin. Wir wollen, dass man an jedem Ort und zu jeder Zeit losgehen kann. Zielgruppen sind erstens Leute, die ihre eigene Stadt neu entdecken wollen, zum Beispiel nach einem Umzug. Zweitens Besucher, die eine Stadt auf eigene Faust erkunden wollen. Und drittens Gruppen, die eine Stadtrallye oder Schnitzeljagd suchen, etwa Freunde, ein Junggesellenabschied, ein Team oder eine Schulklasse. Für Gruppen ist der Vorteil, dass nichts gebucht werden muss und es nichts kostet.

Nutzer wählen einen Start- und Zielpunkt und erhalten eine individuelle Route mit Geschichten und Rätseln. Wie funktioniert die Zusammenstellung der Routen und nach welchen Kriterien werden die Stationen ausgewählt?

Die App kennt für jede Stadt viele tausend Orte mit einer Geschichte: Gebäude, Denkmäler, Plätze, Brücken, Parks. Wenn jemand Start und Ziel wählt, sucht die App Orte in einem Korridor zwischen den beiden Punkten und ordnet sie so, dass eine sinnvolle Strecke zu Fuß entsteht, ohne Umwege und ohne dass man zweimal am selben Ort vorbeiläuft. Dafür gibt es ein Kilometer-Budget, man wählt 1 bis 2 km, 3 bis 6 km oder mehr. Bei der Auswahl zählt, ob ein Ort wirklich etwas zu erzählen hat und ob man ihn vom Weg aus sieht, denn das Rätsel bezieht sich auf das, was man vor sich hat. Rundwege funktionieren genauso, nur mit demselben Start- und Zielpunkt.

Für eure Inhalte nutzt ihr offene Datenquellen wie OpenStreetMap und Wikipedia. Wie verarbeitet ihr diese Informationen und wie stellt ihr sicher, dass die Geschichten und Rätsel korrekt, interessant und verständlich sind?

Die Orte kommen aus OpenStreetMap, die Hintergründe aus Wikipedia und Wikimedia. Eine Pipeline holt für jeden Ort die Quelltexte, prüft, ob genug Substanz da ist, und erstellt daraus mit Sprachmodellen eine kurze Geschichte und ein Rätsel. Wichtig ist, dass die Texte aus den Quellen entstehen und nichts dazu erfunden wird. Wenn über einen Ort zu wenig bekannt ist, fliegt er raus, dann lieber eine Station weniger. Die Inhalte werden danach in sieben Sprachen übersetzt. Bevor eine Stadt freigeschaltet wird, prüfen wir Stichproben und laufen Routen selbst ab. Fehler kommen trotzdem vor, und wir sind froh über jede Rückmeldung in der App.

CuriFox ist bereits in 17 Städten verfügbar. Nach welchen Kriterien habt ihr diese Städte ausgewählt und welche Herausforderungen bringt es mit sich, das Angebot auf weitere Standorte auszuweiten?

Wir haben mit den Städten angefangen, die wir selbst kennen, Frankfurt, Wiesbaden, Koblenz, und dann die großen deutschen Städte dazugenommen, Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart. Später kamen kleinere Orte wie Baden-Baden und Rüdesheim und zwei Testorte im Ausland dazu. Die größte Herausforderung ist die Datendichte: In Berlin gibt es zu fast jedem Haus etwas, in einer kleinen Stadt müssen wir genauer hinschauen, damit die Routen nicht dünn werden. Jede neue Stadt läuft durch dieselbe Pipeline, aber wir schauen uns das Ergebnis jedes Mal an, bevor es live geht. Technisch ist das Hinzufügen inzwischen eine Frage von Tagen, nicht Wochen.

Von der Entwicklung bis zur Veröffentlichung in den App Stores habt ihr rund acht Monate benötigt. Welche technischen und organisatorischen Herausforderungen musstet ihr in dieser Zeit bewältigen?

Technisch war das Schwierigste die Route selbst: Eine Strecke zu Fuß zu bauen, die sinnvoll ist, die richtigen Orte in der richtigen Reihenfolge enthält und auf dem Handy schnell geladen ist. Dazu kamen eigene Karten, damit die App nicht von teuren Kartendiensten abhängt, und die Inhaltspipeline, die für tausende Orte stabil laufen muss. Organisatorisch war es die Entscheidung, wann etwas gut genug ist, um es Leuten in die Hand zu geben. Wir haben lange nur selbst getestet. Rückblickend hätten wir früher mit fremden Leuten rausgehen sollen, da lernt man in einer Stunde mehr als in einer Woche am Schreibtisch.

Der Markt für Stadtführungen, Erlebnis-Apps und digitale Freizeitangebote ist vielfältig. Was unterscheidet CuriFox von klassischen Stadtführungen, Schnitzeljagd-Apps und anderen digitalen Stadterlebnissen?

Die meisten Angebote sind von Hand gemachte Touren: Jemand hat eine Strecke gebaut, und genau diese Strecke kann man laufen, oft gegen Geld pro Gruppe. Bei uns gibt es keine festen Touren. Man wählt irgendeinen Start und irgendein Ziel in der Stadt, und die Route entsteht in dem Moment. Das funktioniert auch in Wohnvierteln, in denen nie jemand eine Tour angelegt hat. Dazu kommt die Spielmechanik: Münzen für gelöste Rätsel, mit denen man neue Routen freischaltet, und die eigenen Schritte, mit denen man neue Städte freischaltet. Und es kostet nichts und muss nicht gebucht werden.

Die App ist kostenlos verfügbar und finanziert sich über optionale In-App-Käufe statt über ein Abonnement. Warum habt ihr euch für dieses Geschäftsmodell entschieden und wie soll es langfristig wirtschaftlich funktionieren?

Ein Abo passt nicht zu einem Produkt, das man vielleicht an drei Wochenenden im Monat nutzt und dann wieder zwei Wochen nicht. Wir wollten, dass jeder die App ohne Risiko ausprobieren kann. Routen bauen, laufen und Geschichten lesen kostet deshalb nichts. Wer schneller vorankommen will, kann sich Spielwährung kaufen, statt sie zu erlaufen. Langfristig sollen bezahlte Extras dazukommen, zum Beispiel das eigene Viertel auf Wunsch freischalten oder besondere Routen mit Partnern vor Ort. Ob das wirtschaftlich trägt, müssen wir noch beweisen. Im Moment geht es uns darum, dass Leute die App finden und ihre erste Route laufen.

Seit September 2026 ist CuriFox für iOS und Android erhältlich. Welche ersten Rückmeldungen habt ihr von euren Nutzern erhalten und welche Erkenntnisse fließen bereits in die Weiterentwicklung ein?

In den ersten Tagen nach dem Start hatten wir rund hundert neue Nutzer, die meisten aus unserem eigenen Umfeld. Die wichtigste Erkenntnis war unangenehm: Viele haben sich registriert, aber nur etwa jeder Vierte hat tatsächlich eine Route gebaut, und noch weniger haben das erste Rätsel erreicht. Der Weg von der Installation bis zur ersten Station war zu lang. Daran arbeiten wir gerade: weniger Schritte am Anfang, schneller raus auf die Straße. Inhaltlich kam das Feedback, dass die Rätsel genau dann gut sind, wenn sie sich auf etwas Sichtbares beziehen, und schwach, wenn man die Antwort auch vom Sofa aus googeln könnte. Das ist jetzt eine Regel für die Inhalte. Gerade testen außerdem Geocacher aus mehreren Städten die App und sagen uns ehrlich, was fehlt.

Welche nächsten Funktionen und Erweiterungen plant ihr für CuriFox und wo möchtet ihr mit eurer App in den kommenden drei bis fünf Jahren stehen?

Als Nächstes kommt das Freischalten des eigenen Viertels auf Wunsch, so dass man direkt vor der Haustür loslegen kann, mit einer Variante für Kinder, bei der Spielplätze auf der Strecke liegen. Dazu ein Tagesplan, der jeden Tag eine andere kleine Route im eigenen Viertel vorschlägt. Danach mehr Städte in Europa. In drei bis fünf Jahren soll CuriFox das sein, was man öffnet, wenn man irgendwo in Europa eine Stunde Zeit hat und die Gegend zu Fuß kennenlernen will, egal ob Großstadt oder Kleinstadt.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einem kleinen Team eine eigene App entwickeln und erfolgreich auf den Markt bringen möchten?

Erstens: Früh mit fremden Leuten testen, nicht mit Freunden. Freunde sind nett, Fremde zeigen einem, wo man sie verliert. Zweitens: Den Kern klein halten. Wir hatten lange Listen mit Funktionen, am Ende zählt nur, ob jemand die erste Route zu Ende läuft. Drittens: Von Tag eins messen, wo die Leute aussteigen. Ohne diese Zahlen diskutiert man über Meinungen statt über Fakten.

Bildcredits privat/Roman Krivtsov

Wir bedanken uns bei Roman Krivtsov für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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