Trotz angespannter Lage auf dem Arbeitsmarkt war die herCAREER Expo 2026 ein voller Erfolg: Am 22. und 23. Oktober kamen 6.843 Besucher:innen ins MOC München zu der Messe für die weibliche Karriere. Sie suchten das Gespräch mit Entscheider:innen der insgesamt 243 Aussteller:innen und Partner:innen. Rund 400 Vorträge, Diskussionen und MeetUps beleuchteten die Karrieremöglichkeiten aus unterschiedlichsten Perspektiven. Im Expo-Programm ging es um konkrete Arbeitsbedingungen in Unternehmen, aber auch um technologische, gesellschaftliche und politische Einflussfaktoren auf die Erwerbstätigkeit von Frauen.*
„Die Stimmung war exzellent. Unternehmen meldeten direkt auf der Messe zurück, dass sie sehr gute Gespräche geführt haben“, so Messemacherin Natascha Hoffner. Auch auf Social Media zeigte sich ein überaus positives Stimmungsbild. Das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt angespannt ist und Diversity-Initiativen viel Gegenwind erleben.
Begegnungen stärkten Beziehungen
Die Messe ermöglichte direkte Gespräche mit Entscheider:innen und Expert:innen aus Wirtschaft, Forschung, Politik sowie aus diversen Organisationen und Netzwerken. „Wir müssen als Frauen zusammenhalten, uns kennenlernen und vernetzen. Und das macht die herCAREER“, sagte Speakerin und Mitgründerin der Feminist AI Community Dr. Eva Gengler.
Alev Dogan, stellvertretende Chefredakteurin bei The Pioneer, betonte, es brauche mehr solche Plattformen, „wo Menschen in echt und nicht nur digital zusammenkommen“ und Frauen von Frauen lernen.
Auch die Aussteller:innen ziehen eine positive Bilanz. So lobte etwa Njomza Iberdemaj (DekaBank) die herCAREER als Plattform, auf der Besucher:innen Stellen entdecken, auf die „sie niemals gekommen wären“. Janina Moser (BWI GmbH) nennt „die Begegnungen mit vielen verschiedenen, inspirierenden Frauen“ als das Expo-Highlight.
KI verändert die Arbeit – Frauen sollten mitgestalten
Wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert, war eines der zentralen Themen auf der Expo. Aufsichtsrätin Janina Kugel ordnete ein, was KI heute leisten kann: Sie greife nicht aber auf implizites Wissen zu. Sie beobachtet, dass vielen dies nicht klar sei. Doch wer im Arbeitsmarkt tätig ist, müsse Möglichkeiten und Grenzen von KI kennen.
Dass KI keineswegs neutral ist, machte Dr. Eva Gengler, Mitgründerin der Feminist AI Community, deutlich: „KI-Systeme haben ein Stück weit gelernt, Frauen auszusortieren.“ Das zeige sich etwa bei Gehaltsvorschlägen und Empfehlungen, die KI daraus ableite.
Hinzu komme ein doppelter Nachteil: Eine Studie habe gezeigt, dass menschliche Bewerter:innen die Lebensläufe von Frauen als weniger vertrauenswürdig und kompetent einschätzten, wenn sie wussten, dass KI im Spiel war. „Am Ende werden Frauen dafür benachteiligt, dass sie KI nutzen.“
Auch die Arbeit an der Technologie ist ungleich verteilt: Während Frauen in KI-Ethik und -Forschung stark vertreten sind, dominieren in den großen Tech-Konzernen weiße Männer aus dem globalen Norden. Unbezahlte oder prekäre Datenarbeit, etwa die Datenbereinigung im globalen Süden, leisten dagegen häufig Frauen.
Gengler plädierte dennoch dafür, KI einzusetzen: „Wenn wir KI nicht nutzen, wird sie auch weniger von unseren Bedürfnissen lernen.“
Digitale Gewalt: Wer schützt die Frauen im Netz?
„Die herCAREER steht für berufliche Chancen, für die Vernetzung von Frauen, aber auch für Sichtbarkeit. Dafür braucht es die Freiheit, sich öffentlich äußern zu können, ohne mit digitaler Gewalt rechnen zu müssen“, sagte Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig auf dem Panel „Deepfakes, Hass und Cyberstalking“.
Sie verwies auf BKA-Zahlen: Jede fünfte Frau habe in den vergangenen fünf Jahren digitale Gewalt erlebt. Häufige Folge sei Rückzug – aus sozialen Medien oder aus der Politik, vor allem aus der Kommunalpolitik. „Der Diskurs wird ärmer, wenn 50 Prozent der Bevölkerung verstummen. Das ist ein klares Problem für unsere Demokratie.“
Gemeinsam mit Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid, machte sie unter der Moderation von Andrea Rexer deutlich: Digitale Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Angriff auf Grundrechte und demokratische Teilhabe.
Der vom Kabinett beschlossene Gesetzentwurf des Justizministeriums soll straf- und zivilrechtliche Lücken schließen. „Das muss auch in die Tat umgesetzt werden“, so Hubig. Daneben plädierte sie für konsequente Durchsetzung gegenüber Plattformen, geschulte Strafverfolgungsbehörden und einen gesellschaftlichen Haltungswandel.
Rechtsstaat und Frauen
Die Diskussion „Was muss unsere Demokratie leisten?“ drehte sich um die Folgen rechtsextremer Wahlerfolge in Ostdeutschland.
Tagesspiegel-Reporter Julius Geiler schilderte, wie die AfD früh in kleinsten Gemeinden Präsenz zeigte, wo traditionelle Parteien kaum noch vertreten sind. Unter Frauen und marginalisierten Gruppen sei „immer wieder eine recht große Angst zu spüren“ – manche überlegten sogar, wegzuziehen.
Die frühere Verfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer warnte vor „politischer Piraterie“: Strategien, die Institutionen von innen lahmlegen und Vereine, Frauenverbände und Beratungsstellen verunsichern.
Fällt der Rechtsstaat, verlieren Frauen als historisch benachteiligte Gruppe zuerst ihre Schutzrechte. „Ein Gericht wird da wichtig, wo einzelne das Gefühl haben, sie kommen unter die Räder“, so Baer. Beeindruckt habe sie, wie viele Frauen sich auf der Messe für Demokratie und Rechtsstaat interessierten.
Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik
„Familienpolitik ist kein Gedöns. Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik“, erklärte Autorin Natascha Sagorski in einem weiteren Diskussionsformat.
Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb (SPD) betonte, viele Frauen wollten mehr arbeiten, als sie können – wegen fehlender Kinderbetreuung und ungleich verteilter Sorgearbeit.
Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, forderte, Anliegen von Familie, Kinder und Frauen als „Querschnittsaufgabe“ politischer Arbeit zu sehen.
Sonja Schmutzer von den Stadtwerken München ergänzte die Unternehmensperspektive: Wer Mitarbeitenden ermögliche, sich auf ihren Job zu konzentrieren, betreibe Wirtschaftspolitik.
„Wir können es uns weder als Gesellschaft noch als Wirtschaftsstandort leisten, dass wir auf Fähigkeiten oder Potenziale von Menschen verzichten, nur weil sie die Pflege oder die Betreuung von Kindern übernehmen“, befand auch Dr. Nina Mielke, Director Culture and Change bei der Messe München. Dort sind zwei Drittel der Beschäftigten Frauen.
Positive Bilanz
„Ob Wechseljahre, KI, digitale Gewalt oder Vereinbarkeit – die herCAREER zeigt, dass Karriere nie losgelöst von Gesellschaft und Politik ist“, so Messemacherin Natascha Hoffner.
Das Feedback von Speaker:innen wie Aussteller:innen bestätigte: Echte Begegnungen machen Frauen stark. „Gerade in unsicheren Zeiten ist dieser Zusammenhalt wertvoller denn je.“
Weitere Stimmen von Speaker:innen und Aussteller:innen
Prof. Dr. Susanne Baer, ehemalige Richterin des Bundesverfassungsgerichts, Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin (Speakerin)
„Ich durfte auf der herCAREER über unsere Demokratie sprechen, über den Rechtsstaat und wie er funktioniert. Das war beeindruckend, weil so viele tolle Frauen da waren, die sich offensichtlich dafür interessierten. Aber das gilt, glaube ich, für die herCAREER insgesamt: Hier gibt es ganz, ganz viel Interessantes zu entdecken. Ich habe viele spannende Gespräche geführt. Für mich war es ein toller Tag.“
Dr. med. Alicia Baier, Ärztin in der Gynäkologie, Gründungsvorsitzende von Doctors for Choice Germany e.V. (Speakerin)
„Ich habe heute über reproduktive Selbstbestimmung gesprochen und finde es super, dass sich Menschen auf Messen wie der herCAREER zu unterschiedlichen feministischen Themen weiterbilden können. Wir brauchen dringend Vernetzung, gerade auch zum Thema Schwangerschaftsabbruch.“
Alev Doğan, Stellvertretende Chefredakteurin, The Pioneer (Speakerin)
„Ich war heute hier, um über mein Buch „Verbunden“ zu sprechen und freue mich, hier gewesen zu sein. Denn ich glaube, wir brauchen viel mehr solcher Zusammenkünfte, wo Menschen in echt und nicht nur digital zusammenkommen, sich austauschen und vor allen Dingen Frauen von Frauen lernen, sich gegenseitig stützen und größer machen. Es gibt einen besonderen Ort in der Hölle für Frauen, die anderen Frauen nicht helfen. Und deswegen sollten wir alle an unserem eigenen Paradies arbeiten und uns gegenseitig stärken.“
Prof. Dr. med. Sandra Eifert, Herzchirurgin und Gendermedizinerin, Herzzentrum Leipzig (Speakerin)
„Ich war heute mit dem Thema weibliche Longevity hier und habe mich ihm aus medizinischer Sicht genähert. Es ist total wichtig, dass es Messen wie die herCAREER gibt, um Frauen die Möglichkeit zu geben, sich umfassend zu informieren: Sie können sich beruflich informieren, sie können sich gesundheitlich informieren, sie können sich auch politisch informieren und interessieren. Es ist eine sehr breit aufgestellte Messe und es ist gut, dass es das gibt.“
Dr. Eva Gengler, Wirtschaftsinformatikerin, Co-Founderin der Feminist AI Community und von enableYou (Speakerin)
„Mir geht es darum, welche Machtstrukturen hinter heutigen KI-Systemen liegen und wie wir das als Frauen verändern und feministisch nutzen können. Genau deshalb brauchen wir Netzwerke und Events wie die herCAREER, weil sie Impulse setzt, Vernetzung bereitstellt und die Möglichkeit schafft, dass wir etwas verändern können. Ich treffe mich morgen mit ein paar Frauen, die ich vor zwei Jahren auf der herCAREER kennengelernt habe. Diese Netzwerke sind so entscheidend. Wir müssen als Frauen zusammenhalten, uns kennenlernen, uns vernetzen und ein Statement setzen. Und das macht die herCAREER.“
Sven Hirsch, ADAC (Aussteller)
„Wir haben auf der herCAREER zwei wunderschöne Tage mit interessanten Gesprächen und interessanten Gesprächspartner:innen in einer offenen Atmosphäre erlebt. Mit unserem neuen Standkonzept waren wir überaus zufrieden – und vor allem mit dem Technikteam im Hintergrund. Das hat uns in mehr als einer Situation den Tag gerettet.“
Wiebke Hönicke, Pionieroffizier, Host des Podcasts „Buschfunk“ (Speakerin)
„In meinem Talk ging es darum, wie Frauen sich in die Sicherheitsarchitektur in Deutschland einbringen und ein aktiv gestaltender Teil davon werden können. Es ist wichtig, dass wir auf der herCAREER auch darüber sprechen – nicht nur über Berufe, sondern auch über die Frage, wie es in einem männerdominierten Umfeld so ist. Und über die Frage: Wie können wir uns als Frauen einbringen, ohne uns von historisch gewachsenen, noch immer bestehenden strukturellen Nachteilen einschüchtern oder ausbremsen zu lassen – und dabei selbstbewusst unsere Perspektiven einbringen und uns durchsetzen?“
Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (Speakerin)
„Ich war heute auf der herCAREER, um darüber zu diskutieren, wie wir besser gegen digitale Gewalt vorgehen können. Wir haben jetzt ein digitales Gewaltschutzgesetz vorgelegt. Das muss auch in die Tat umgesetzt werden. Diese Messe ist eine super Gelegenheit, sich zu vernetzen und viele kluge, engagierte Frauen kennenzulernen. Es ist eine tolle Energie hier.“
Njomza Iberdemaj, DekaBank (Ausstellerin)
„Es war wirklich schön, ein voller Erfolg. Die herCAREER hat eine Plattform geschaffen, auf der sich Menschen echt inspirieren lassen können und auch herausfinden können, welche Stellen zu ihnen passen, auf die sie niemals gekommen wären. Es gibt so viele Jobtitel, da kann man ja nicht immer direkt erkennen: Passt das zu mir? Die herCAREER ist wirklich die richtige Veranstaltung, um Unternehmen kennenzulernen, die man vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat.“
Janina Kugel, Aufsichtsrätin, Senior Advisor und Autorin, ehemalige Arbeitsdirektorin und Vorstandsmitglied der Siemens AG (Speakerin)
„In meinem Gespräch ging es darum, was künstliche Intelligenz heute kann und was nicht. Mein großes Plädoyer: Der Mensch bleibt auch im KI-Zeitalter wichtig. Das Wichtige bei der herCAREER ist, so ein buntes Sammelsurium von unterschiedlichen Unternehmen, Menschen und Vorträgen zusammenzubringen. Alle, die im Arbeitsmarkt tätig sind, sollte wissen: Was können wir mit KI tun, wo sind noch die Grenzen – aber vor allem, was bedeutet das für mich persönlich? Was muss ich Neues und wie muss ich anderes lernen? Und wo bekomme ich die Inspiration dafür?“
Anissa Loucif, Ärztin, Comedian und Autorin (Speakerin)
„Ich habe heute über mein Leben als Mutter, Comedian und Ärztin gesprochen. Ich finde Veranstaltungen wie die herCAREER wichtig und wertvoll, weil wir Frauen dort noch mehr darauf eingehen können, uns gegenseitig zu supporten, uns stark zu machen, zusammenzuhalten und intersektionalen Feminismus mehr zu zelebrieren und zu fördern. Die Messe ist toll zum Socializen und Vernetzen, wenn wir unsere Karrieren gegenseitig antreiben wollen.“
Janina Moser, BWI GmbH (Ausstellerin)
„Unsere Highlights auf der herCAREER waren auf jeden Fall die Begegnungen mit den vielen verschiedenen, inspirierenden Frauen – und die vielen Gespräche, die wir vor allem an unserem Stand geführt haben. Dort konnten wir nicht nur unsere offenen Stellen präsentieren, sondern uns auch persönlich austauschen, zum Beispiel über unsere Arbeitskultur.“
Dr. med. Katrin Schaudig, Frauenärztin, Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft e.V. (Speakerin)
„Wir haben über die Wechseljahre gesprochen und darüber, wie wichtig es ist, dass Frauen in dieser komplexen Lebensphase ernst genommen werden. Das hat viel mit der herCAREER zu tun: Die Wechseljahre können sich bei manchen Frauen negativ auf die Karriere auswirken, weil sie in dieser Phase weniger leistungsfähig sind und Karriereentscheidungen infrage stellen. Eine von zehn Frauen geht durch die Wechseljahre der Arbeitswelt verloren. Eine Messe wie die herCAREER ist deshalb extrem wichtig, damit Frauen solche Informationen bekommen.“
Anne Wehnhardt, Octopus Energy Germany GmbH (Ausstellerin)
„Uns hat die herCAREER richtig gut gefallen. Wir hatten coole weibliche Talente am Stand, die auch für künftige Positionen extrem spannend sind. Und vor allem der Austausch zwischen den Kandidatinnen und uns bei Octopus war mega.“
Bild Speakerin & Partnerin mit Natascha Hoffner Von links nach rechts: Andrea Rexer (Moderatorin), Natascha Hoffner (Veranstalterin), Dr. Stefanie Hubig (Bundesministerin), Johanna Röh (Vorsitzende, Mutterschutz für Alle! e.V.), Natascha Sagorski (Autorin, Geschäftsführerin von Familie sind Alle gGmbH) © Franz Pfluegl
Quelle messe.rocks GmbH















