kujau.AI entwickelt Software für bislang wenig digitalisierte Branchen und setzt KI gezielt dort ein, wo sie im Arbeitsalltag einen echten Mehrwert schafft.
Können Sie kujau.AI kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Gründung des Unternehmens steht?
Die kujau.AI GmbH ist ein Softwareunternehmen aus München. Wir bauen Branchensoftware für Bereiche, um die sich sonst niemand kümmert: Tierschutz, Reitställe, Tanzschulen. Dazu entwickeln wir individuelle Software und Automatisierungen für Unternehmen. Die Idee dahinter ist einfach: Es gibt sehr viele Betriebe und Organisationen, die ihre tägliche Arbeit immer noch mit Excel, Zetteln und WhatsApp organisieren, weil es für sie nie eine passende Software gab. Für solche Nischen Software zu bauen, ist hochinteressant.
Wer steht hinter kujau.AI, und welche Erfahrungen haben Ihren Blick auf Softwareentwicklung und betriebliche Prozesse besonders geprägt?
Ich bin Lisa Kujau, Gründerin und Geschäftsführerin. Ich komme nicht aus der Softwareentwicklung, sondern aus dem Vertrieb. Das prägt, wie wir Software bauen: Ich habe Jahre damit verbracht, Kunden zuzuhören und zu verstehen, woran ihr Alltag hakt, und genau das machen wir heute, bevor wir einfach loslegen. Was mich zur Software gebracht hat, war Neugier. Ich habe gesehen, was mit KI plötzlich möglich ist, und wollte wissen, wie weit das geht. Dazu kommt bei PawManager+ etwas Persönliches: Ich bin mit Tierschutzhunden aufgewachsen, und meine Hündin Sunny kommt selbst aus dem Tierschutz. Ich kenne die Arbeit in den Vereinen aus nächster Nähe.
Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit Excel, Papier und verschiedenen Insellösungen. Wo sehen Sie den größten Bedarf für eine grundlegende Digitalisierung?
Überall dort, wo wenige Menschen viele Pflichten tragen. Ein Tierschutzverein mit drei Ehrenamtlichen muss Tierakten nach Tierschutzgesetz führen, Fundtiere der Kommune melden, Spendenquittungen fürs Finanzamt ausstellen und den Datenschutz für Adoptanten einhalten, und das alles nach Feierabend. Dasselbe Muster sehe ich in Reitställen und Tanzschulen: kleine Teams, viel Verantwortung, und die Werkzeuge stammen aus einer Zeit, in der es noch keine besseren gab. Der größte Bedarf liegt nicht bei den Konzernen, die haben ihre Systeme. Er liegt bei den Kleinen, für die sich bisher niemand interessiert hat.
Sie entwickeln Software bewusst entlang realer Arbeitsabläufe. Warum scheitern digitale Lösungen Ihrer Erfahrung nach häufig daran, dass sie diese Prozesse nicht ausreichend berücksichtigen?
Weil sie am Schreibtisch entstehen und nicht im Zwinger. Wenn eine Pflegestelle abends das Gewicht eines Welpen eintragen will, macht sie das mit dem Handy in der Hand und dem Hund auf dem Arm. Wenn die Software dann einen Laptop und fünf Klicks braucht, wird sie nicht benutzt, und die Information landet wieder in der WhatsApp-Gruppe. Software scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass der Moment, in dem jemand sie bedienen soll, nicht mitgedacht wurde. Deshalb fragen wir bei allem zuerst: Wer macht das, wann, wo und mit welcher Hand frei?
Mit Tierschutz und Tanzschulen konzentrieren Sie sich auch auf Branchen, die von großen Softwareanbietern wenig beachtet werden. Welche Chancen sehen Sie gerade in solchen Nischen?
Für große Anbieter sind diese Märkte zu klein und zu speziell. Für Generalisten sind sie zu regulierungslastig, ein Tierheim hat andere Pflichten als ein Sportverein. Genau das ist die Chance: In einer Nische kann man ein Produkt bauen, das die Arbeit wirklich versteht, statt eines, das für alle ein bisschen passt. Und wer in so einer Nische das erste gute Produkt hat, wird weiterempfohlen. In der Tierschutz-Szene läuft fast alles über Empfehlung von Verein zu Verein.
PawManager+ wird für Tierheime und Tierschutzorganisationen dauerhaft kostenlos angeboten. Welche Überlegungen stehen hinter dieser Entscheidung?
Ich wollte dem Tierschutz etwas zurückgeben, und irgendwann war klar, dass eine Software für diese Vereine mehr wert ist als eine Spende. Eine Spende ist irgendwann ausgegeben. Eine Software, die jeden Tag Zeit spart, wirkt dauerhaft. Und jeder Euro, den ein Verein für Software ausgeben müsste, fehlt bei den Tieren. Das ist aber keine Wohltätigkeit, das sage ich offen. Wir haben auch etwas davon: Jeder Verein, der mit PawManager+ arbeitet, ist für uns eine Referenz und ein Beweis, dass unsere Software in einer echten Nische funktioniert. Das belebt unser übriges Geschäft.
Mit Tanzschule+ entwickeln Sie ein weiteres branchenspezifisches SaaS-Produkt. Welche Probleme im Alltag von Tanzschulen möchten Sie damit lösen?
Eine Tanzschule lebt von Kursen, Anmeldungen und Beiträgen, und die meisten verwalten das mit einer Mischung aus Kalender, Excel und Papierlisten. Wer ist in welchem Kurs, wer hat bezahlt, wer hat drei Mal gefehlt, wann ist die Aufführung und wer bringt welches Kostüm. Tanzschule+ bringt das an einen Ort: Kurse und Stundenpläne, Anmeldungen, Beiträge, Kommunikation mit Schülern und Eltern. Der Anspruch ist derselbe wie bei PawManager+: Die Software muss so funktionieren, wie der Tag in einer Tanzschule tatsächlich läuft, nicht umgekehrt.

KI kann Dokumente auswerten, Anfragen bearbeiten oder interne Wissensbestände zugänglich machen. Wie entscheiden Sie, wann KI tatsächlich einen Mehrwert schafft und wann klassische Automatisierung sinnvoller ist?
Meine Faustregel: Wenn die Aufgabe jedes Mal gleich ist, gehört sie automatisiert, nicht mit KI gelöst. Ein SEPA-Mandat anlegen, eine Fundtiermeldung erzeugen, eine Erinnerung an die Impfung schicken, das ist klassische Automatisierung und muss hundertprozentig zuverlässig sein. KI setzen wir dort ein, wo Menschen mit unstrukturierten Dingen kämpfen: einen Tierarztbrief auswerten, in tausend Akten etwas finden, eine Anfrage vorsortieren. Also überall, wo es um Verstehen geht und nicht um Ausführen. Und wir fragen immer, was passiert, wenn die KI falsch liegt. Wenn die Antwort ist, dass ein Tier keine Medikamente bekommt, dann bleibt der Schritt beim Menschen.
Neben eigenen SaaS-Produkten realisiert kujau.AI auch individuelle Software- und Automatisierungslösungen. Wie lassen sich Produktentwicklung und kundenspezifische Projekte unter einem Dach verbinden?
Sie matchen perfekt miteinander. In den Kundenprojekten sehen wir, wie Betriebe wirklich arbeiten und wo es im Alltag hakt, das fließt in die Produkte. Und aus den Produkten kommen Bausteine, die wir in Projekten wiederverwenden, statt jedes Mal bei null anzufangen. Wichtig ist nur, ehrlich zu unterscheiden: Ein Produkt muss für hunderte Organisationen passen, ein Projekt für eine. Wer das vermischt, baut am Ende beides schlecht.
Der Markt für KI-Software wächst rasant und viele Anbieter versprechen umfassende Automatisierung. Wodurch möchte sich kujau.AI langfristig differenzieren?
Dadurch, dass wir keine KI verkaufen, sondern Lösungen für konkrete Arbeit. Niemand in einem Tierheim will KI. Die Leute wollen, dass die Tierakte stimmt, das Veterinäramt zufrieden ist und die Pflegestelle Bescheid weiß. Wir bauen für Branchen, die wir verstehen, und wir verschwinden nicht nach dem Verkauf. Bei PawManager+ heißt das: Ich begleite im Tierheim die Inbetriebnahme unseres SaaS, richte es mit den betreffenden Personen ein und schaue zu, wie die Leute damit arbeiten. Das machen die Großen nicht, und das ist unser Vorteil.
Welche Vision verfolgen Sie mit kujau.AI, und welche Rolle sollen die eigenen SaaS-Produkte künftig im Unternehmen spielen?
Ich möchte, dass kujau.AI das Unternehmen ist, an das man denkt, wenn eine kleine Branche endlich richtige Software braucht. Die eigenen Produkte sind dafür das Fundament: Jedes zeigt, dass wir eine Nische ernst nehmen und liefern können. PawManager+ soll die Software werden, mit der Tierschutz in Deutschland organisiert wird, und zwar ohne dass ein Verein dafür zahlen muss. Wenn in ein paar Jahren ein Vorstand in einem Tierheim sagt, dass er sich nicht mehr vorstellen kann, wie es vorher ging, dann ist das die Vision.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Softwareunternehmen für bislang wenig digitalisierte Branchen aufbauen möchten?
Erstens: Geh hin. Nicht anrufen, nicht Umfragen schicken, hinfahren und einen Tag zuschauen. Die wichtigsten Anforderungen sagt dir niemand, die siehst du. Zweitens: Baue das Ganze, nicht ein Stück. Wer nur die Tierakte digitalisiert und die Spenden in Excel lässt, hat dem Verein ein zweites System geschenkt, kein besseres. Drittens: Rechne damit, dass Vertrauen länger dauert als Technik. In einer Branche, die zwanzig Jahre lang von Software enttäuscht wurde, gewinnt nicht das beste Produkt, sondern das, dem man glaubt. Also sei erreichbar, sei ehrlich über das, was noch fehlt, und bleib.
Fotocredits: privat
Wir bedanken uns bei Lisa Kujau für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up:kujau.AI

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kujau.AI GmbH
Karlsplatz 3 (am Stachus)
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Ansprechpartnerin: Lisa Kujau
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