Freitag, Oktober 9, 2026
StartInterviewsSchluss mit dem ewigen Suchen: Wie wrappr die Essensentscheidung per Swipe löst

Schluss mit dem ewigen Suchen: Wie wrappr die Essensentscheidung per Swipe löst

wrappr erleichtert die gemeinsame Entscheidung rund ums Essen und hilft Gruppen dabei, passende Restaurants zu finden, ohne lange über verschiedene Vorschläge diskutieren zu müssen.

Dennis, stell dich und dotmonks bitte kurz vor. Wer steckt hinter dem Unternehmen und wie ist wrappr entstanden?

Hi, Ich bin Dennis Jansen, Ingenieur und Produktmanager mit einem Hintergrund in Nanotechnologie und Industrie-4.0-Anwendungen. Ich bin einer von drei Gründern und Geschäftsführern von dotmonks. In meinem anderen Leben beschäftige ich mich mit digitalen Produkten und IoT.

Hinter dotmonks steht ein kleines, technisch geprägtes Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Produktentwicklung, Backend, UI/UX und Business. Uns verbindet vor allem die Freude daran, digitale Produkte selbst aufzubauen und Probleme möglichst pragmatisch zu lösen. Und was uns vereint, ist unser Appetit. Zwar haben wir unterschiedliche Anforderungen -die einen haben Kinder zu ernähren, andere gehen gerne raus, und dann haben wir noch die studentische Küche – aber wir mögen es alle nicht, wenn uns der Appetit durch langes Aussuchen vergeht.

Die Idee für wrappr ist letztlich aus einem sehr alltäglichen Problem entstanden: Mehrere Menschen wollen gemeinsam etwas essen, haben aber unterschiedliche Vorlieben oder Anforderungen. Klassische Plattformen helfen jedem Einzelnen dabei, etwas zu finden – aber nicht unbedingt dabei, gemeinsam zu einer Entscheidung zu kommen. Genau diese Lücke wollten wir schließen.

Die Frage „Was essen wir heute?“ kennt vermutlich fast jeder. Wann habt ihr gemerkt, dass daraus tatsächlich ein Produkt und ein Geschäftsmodell entstehen könnte?

Das Problem liegt nicht darin, dass es zu wenig Auswahl gibt – im Gegenteil. Es gibt heute mehr Restaurants, Rezepte und Werbung als je zuvor. Das eigentliche Problem ist die Entscheidung innerhalb einer Gruppe.

Wenn vier Menschen jeweils zehn Vorschläge haben, entstehen nicht automatisch vierzig Möglichkeiten, sondern häufig erst einmal eine Diskussion – über eine Sache, die sich mit Argumenten kaum besprechen lässt. Wir haben deshalb angefangen, über einen spielerischen Entscheidungsprozess nachzudenken: Jeder äußert seine Präferenzen, ohne dass die Gruppe jede einzelne Option gemeinsam diskutieren muss: das Swipen.

Daraus ist die Grundidee von wrappr entstanden: Nicht nach dem perfekten Vorschlag für eine Person suchen, sondern schnell eine Option finden, mit der die Gruppe gemeinsam zufrieden ist. Ein Match, oder wie wir sagen: Wrap.

Wie funktioniert wrappr konkret und wie kommt eine Gruppe am Ende zu einer gemeinsamen Entscheidung?

Alle, die mitmachen, bekommen Vorschläge und entscheiden individuell, ob etwas für ihn infrage kommt oder nicht. Dabei müssen die anderen nicht sehen, wie die einzelnen Personen abgestimmt haben. wrappr gleicht die Präferenzen anschließend miteinander ab.

Das Entscheidende ist: Man muss nicht gemeinsam durch eine lange Liste scrollen und bei jedem Restaurant darüber diskutieren, ob es allen gefällt. Die App übernimmt diesen Teil der Koordination.

Sobald sich eine ausreichende Übereinstimmung ergibt, gibt es ein Wrap – also eine gemeinsame Entscheidung der Gruppe. Das macht den Prozess eher zu einem kleinen Spiel als zu einer Abstimmung am Konferenztisch.

Ihr beschränkt euch inzwischen nicht mehr auf Restaurants, sondern integriert auch Rezepte und einen Essensplaner. Welche Vision verfolgt ihr mit wrappr langfristig?

Unsere Vision ist größer als „eine App für Restaurants“. Wir wollen wrappr zu einer Entscheidungsplattform für gemeinsames Essen entwickeln.

Restaurant und Rezept sind dafür zwei Seiten desselben Problems: Was wollen wir gemeinsam essen? Wenn wir zu Hause kochen, brauchen wir andere Inhalte als beim Restaurantbesuch – der Entscheidungsprozess kann aber derselbe sein. Insbesondere wollen wir dort verhindern, dass die Entscheidung an immer derselben Person hängen bleibt – Stichwort Mental Load.

Daraus ergeben sich auch weitere Funktionen. Mehrere Entscheidungen können beispielsweise zu einem Wochenplan zusammengeführt werden, inklusive Einkaufsliste. Perspektivisch lässt sich das System außerdem auf andere gemeinschaftliche Entscheidungen übertragen.

Der Kern bleibt dabei immer gleich: Individuelle Präferenzen werden zusammengeführt und daraus entsteht eine gemeinsame Entscheidung.

Für wen habt ihr wrappr in erster Linie entwickelt und in welchen Situationen wird die App besonders häufig genutzt?

Primär für Menschen, die regelmäßig oder auch zu besonderen Anlässen mit anderen Entscheidungen rund ums Essen treffen müssen: Paare, Freundeskreise, Familien, WGs oder auch Gruppen im Arbeitsumfeld. Urlaub, Ausflug, Geschäftsreise, Weihnachtsfeier. Wenn wir jemanden erreichen, der sich sagt: „Sonst brauche ich es eigentlich nicht, aber bei der Orga des letzten Workshops hätte mir das das Leben erleichtert,“ sind wir zufrieden.

Besonders interessant ist wrappr immer dann, wenn mehrere Menschen beteiligt sind und niemand die Entscheidung allein treffen möchte. Das kann die spontane Frage beim Abendessen sein, die Suche nach einem Restaurant für eine Gruppe oder die Planung der Mahlzeiten für die kommende Woche.

Wir wollen dabei ausdrücklich nicht nur eine bestimmte Alters- oder Nutzergruppe ansprechen. Das zugrunde liegende Problem ist universell.

Gerade bei Consumer-Apps ist es schwierig, Nutzer dauerhaft zu halten. Was tut ihr dafür, dass wrappr nicht nur ausprobiert, sondern regelmäßig genutzt wird?

Für uns ist der wichtigste Punkt, dass wrappr einen wiederkehrenden Anwendungsfall löst und nicht nur ein einmaliges Gimmick ist. Die Mechanik, das Swipen, macht Lust auf Mehr und aufs Widerkommen.

Letztlich geht es aber darum, dass die App einen echten Mehrwert für die Nutzer schafft. Nur dann wird sie dauerhaft genutzt werden. Von diesem Mehrwert sind wir absolut überzeugt und nutzen die App selbst ständig für unsere Entscheidungen. Es ist eine App, die schöne Momente, Zusammenkünfte und Ideen miteinander verbindet, ohne selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen.

Das beginnt bei Restaurants und geht über Rezepte bis hin zur Wochenplanung. Dadurch entstehen mehrere Situationen, in denen die App sinnvoll eingesetzt werden kann. Gleichzeitig versuchen wir, die Nutzung so niedrigschwellig wie möglich zu halten: keine langen Fragebögen, keine komplizierte Einrichtung, sondern möglichst schnell zu einer Entscheidung.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Gruppenmechanismus selbst. Idealerweise bringt nicht nur eine Person wrappr in ihren Freundeskreis, sondern jede Person installiert die App und kann sie anschließend bei der nächsten Gruppe wieder selbst starten. Dadurch kann aus einem einzelnen Nutzer eine ganze Gruppe von Nutzern entstehen.

Was unterscheidet wrappr von klassischen Restaurantplattformen, Rezept-Apps oder anderen Angeboten zur Essensplanung?

Der wesentliche Unterschied ist der Ausgangspunkt.

Klassische Restaurantplattformen sind in erster Linie Such- und Buchungsplattformen. Rezept-Apps helfen dabei, Rezepte zu entdecken oder nachzukochen. Essensplaner organisieren Mahlzeiten.

wrappr setzt davor an und fragt: Was davon wollen wir eigentlich gemeinsam?

Wir versuchen also nicht, die größtmögliche Auswahl anzubieten, sondern die relevante Auswahl für eine konkrete Gruppe zu finden. Das ist ein anderer Use Case. Restaurant, Rezept und Essensplanung sind für uns unterschiedliche Inhalte, die auf demselben Entscheidungsprinzip aufbauen.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus und welche Möglichkeiten zur Monetarisierung sind für die Zukunft geplant?

Wir verfolgen ein mehrseitiges Geschäftsmodell. Auf der Nutzerseite soll wrappr möglichst niedrigschwellig und kostenlos nutzbar sein. Monetarisierung kann insbesondere über allgemeine als auch zielgerichtete Werbeflächen und perspektivisch über zusätzliche beziehungsweise transaktionsbezogene Services erfolgen.

Auf der B2B-Seite sehen wir Potenzial bei Restaurants und anderen Anbietern. Restaurants können beispielsweise für zusätzliche Sichtbarkeit innerhalb von wrappr bezahlen. Dafür haben wir unterschiedliche Präsenz- und Werbemöglichkeiten entwickelt.

Langfristig sind außerdem Kooperationen und Affiliate-Modelle interessant, etwa bei Reservierungen, Lieferdiensten oder beim Einkauf von Zutaten für Rezepte. Entscheidend ist für uns, dass Monetarisierung möglichst dort entsteht, wo wrappr tatsächlich einen Mehrwert vermittelt – und nicht durch eine künstliche Bezahlschranke auf der eigentlichen Kernfunktion.

Welche Rolle spielen Restaurants, Marken oder andere Partner in eurem Geschäftsmodell und plant ihr hier weitere Kooperationen?

Restaurants sind für uns natürlich besonders wichtig, weil sie direkt von zusätzlichen Gästen profitieren können. wrappr kann dabei eine Art zusätzliche Entscheidungsschicht zwischen Nutzer und Restaurant darstellen: Nicht „Welches Restaurant hat die beste Sichtbarkeit?“, sondern „Welches Restaurant passt zu dieser konkreten Gruppe?“

Daneben sehen wir perspektivisch interessante Partner entlang der gesamten Food-Kette. Bei Rezepten sind beispielsweise Anbieter von Einkaufs- und Lieferlösungen relevant, bei Restaurants Buchungsplattformen und die gängigen Lieferdienste.

Wir wollen dabei nicht möglichst viele Partnerschaften um ihrer selbst willen schließen. Entscheidend ist, dass eine Kooperation sinnvoll in den Nutzerprozess passt.

Ihr befindet euch aktuell in der Skalierungsphase. Was bedeutet das konkret und welche Märkte oder Nutzergruppen wollt ihr als Nächstes erreichen?

Wir haben wrappr bereits als App für iOS und Android veröffentlicht und arbeiten jetzt daran, die Grundlage für skalierbares Wachstum zu schaffen.

Der nächste Schritt ist deshalb vor allem Wachstum: mehr Nutzer, mehr Gruppen und mehr wiederkehrende Nutzung. Wir wollen aus dem Nutzungsverhalten lernen, wie wir wrappr noch besser in den Alltag integrieren und parallel anhand von Feedback das Produkt stets weiter verfeinern können. Geografisch konzentrieren wir uns zwar marketingseitig auf D-A-CH, unterstützen aber auch schon Spanisch und Englisch. Wir wollen im Bereich Restaurants insbesondere urbane Regionen erschließen, in denen es eine hohe Restaurantdichte und eine entsprechend große Zahl potenzieller Nutzer gibt.

Dazu gehören für uns unter anderem größere Städte und Ballungsräume. Entscheidend ist aber weniger die einzelne Stadt als die Frage, ob wir dort einen funktionierenden lokalen Nutzerkreislauf aufbauen können.

Was waren bisher die größten Herausforderungen beim Aufbau von wrappr und was habt ihr daraus gelernt?

Eine der größten Herausforderungen ist wahrscheinlich gleichzeitig die spannendste: Eine Consumer-App muss nicht nur funktionieren, sondern Menschen dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern.

Technisch kann man in Zeiten von Gen-AI und Vibe-Coding relativ schnell eine funktionierende App bauen. Wichtiger ist es jedoch herauszufinden, welche Funktionen tatsächlich regelmäßig genutzt werden und wie man Nutzer überhaupt dazu bringt, die erste Session zu starten.

Wir haben deshalb gelernt, dass Produktentwicklung und Marktentwicklung nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Man kann nicht monatelang im stillen Kämmerchen das vermeintlich perfekte Produkt bauen und anschließend erwarten, dass der Markt darauf wartet.

Unser Ansatz ist heute deutlich stärker daten- und nutzerorientiert: veröffentlichen, messen, Feedback sammeln, verbessern – und dabei auch bereit sein, eigene Annahmen zu verwerfen.

Wo soll wrappr in drei bis fünf Jahren stehen und welche nächsten Meilensteine habt ihr euch vorgenommen?

Kurzfristig geht es aber erst einmal um die Grundlagen: Nutzerwachstum, wiederkehrende Nutzung, lokale Netzwerkeffekte und die Validierung unseres Geschäftsmodells. Wenn diese Dinge funktionieren, können wir die Plattform Schritt für Schritt erweitern.

In drei bis fünf Jahren soll wrappr eine etablierte Plattform für gemeinsame Entscheidungen rund ums Essen sein – mit einer relevanten Nutzerbasis und einem funktionierenden Geschäftsmodell.

Dabei möchten wir nicht nur eine größere Restaurantdatenbank sein. Unser Ziel ist ein System, das verschiedene Situationen rund ums Essen miteinander verbindet: spontan ein Restaurant auswählen, gemeinsam ein Rezept finden, mehrere Mahlzeiten planen und daraus beispielsweise direkt eine Einkaufsliste erzeugen.

Aus dem Nähkästchen: Ich habe versprochen, meinen Kollegen ein paar Drinks zu spendieren, wenn „wrappen“ Jugendwort für „gemeinsam eine Entscheidung treffen“ wird. Vielleicht wird etwas daraus.

Welche drei Tipps würdest du anderen Gründern geben, die mit einer Consumer-App einen umkämpften Markt erobern wollen?

Erstens: Baut nicht für euch selbst, sondern für ein echtes Problem.
Eine Idee kann sich großartig anfühlen und trotzdem niemandem wichtig genug sein. Entscheidend ist, ob Menschen das Problem tatsächlich haben und bereit sind, ihr Verhalten dafür zu verändern.

Zweitens: Geht so früh wie möglich raus.
Eine unfertige App mit echten Nutzern ist für die Produktentwicklung wertvoller als ein perfektes Produkt ohne Nutzer. Erst im echten Einsatz erkennt man, welche Annahmen stimmen und welche nicht.

Drittens: Unterschätzt Distribution nicht.
Ein gutes Produkt allein erzeugt noch kein Wachstum. Gerade bei Consumer-Apps muss man sich früh Gedanken darüber machen, wie Nutzer auf das Produkt aufmerksam werden und warum sie andere Menschen mitbringen. Bei wrappr ist genau dieser Gruppenmechanismus deshalb ein zentraler Bestandteil des Produkts – Wachstum und Produkt sind hier unmittelbar miteinander verbunden.

Bildrechte dotmonks

Wir bedanken uns bei Dennis Jansen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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