Freitag, Juni 14, 2024
StartGründerTalkEntdecken Sie die Zukunft der Arztpraxis: Ein Durchbruch in der digitalen Patientenkommunikation

Entdecken Sie die Zukunft der Arztpraxis: Ein Durchbruch in der digitalen Patientenkommunikation

Mediform revolutioniert mit seinem KI-basierten Sprachassistenten MediVoice die Kommunikation in Arztpraxen, indem es den telefonischen Kontakt zwischen Patient:innen und medizinischem Personal effizienter gestaltet

Können Sie uns mehr über Ihre Beweggründe erzählen, Mediform zu gründen, und was hat Sie persönlich und Ihren Mitgründer dazu motiviert, sich auf die Automatisierung von Praxisabläufen zu spezialisieren?

Jochen Krause: Wir haben Mediform als Spin-Off von Innoopract gegründet, weil wir durch Projekte im Healthcare-Bereich mit digitaler Anamnese gesehen haben, wie groß der Nachholbedarf an Innovation und Digitalisierung dort ist. Durch unsere Nähe zum Markt und Einblicke in die Prozesse der ambulanten Gesundheitsversorgung wurde schnell klar, dass das „Telefon“ eine riesengroße Herausforderung ist. Trotz der zunehmenden Online-Angebote bei der Terminvergabe bleibt es für den überwiegenden Teil aller Patientinnen und Patienten der bevorzugte Kommunikationskanal.

In der Kombination von Fachkräftemangel, steigenden Personalkosten und starker zeitlicher Ballung von Anfragen, führt dies zu begrenzter telefonischer Erreichbarkeit und unzufriedenen Patient:innen. Unsere Motivation, Mediform zu gründen, war daher, diese unbefriedigende Situation zu verbessern und Praxisabläufe zu automatisieren. Wir sehen darin eine spannende Herausforderung mit großem Nutzen für Arztpraxen und Patient:innen.     

Was ist die Vision von Mediform, und wie setzen Sie diese speziell mit dem Einsatz Ihres KI-basierten Sprachassistenten MediVoice um?

Daniel Kämmerer: Die Vision von Mediform leitet sich direkt aus der Motivation unserer Unternehmensgründung ab. Unser Ziel ist es, einen erstklassigen telefonischen Service für Patient:innen zu bieten, der gleichzeitig den Arbeitsaufwand für das Praxisteam minimiert. Es ist uns dabei wichtig, einen großen Mehrwert sowohl für die Praxen als auch für ihre Klient:innen zu schaffen. MediVoice ist dabei so konzipiert, dass es nach den individuellen Regeln der Praxis ein Gespräch mit den Anrufenden in vertrauter, natürlicher Sprache führt. Dabei bearbeitet MediVoice so viele Anliegen wie möglich autonom, das heißt ohne Nacharbeit des Praxisteams. So können wir unserer Vision gerecht werden und gleichzeitig den Praxen und Patient:innen einen echten Mehrwert bieten.

Wir wissen: „Revolution“ ist ein großes Wort, aber genau dies bekommen wir von unseren Kunden oft zu hören, wenn sie über die Veränderungen in ihrer Praxisorganisation durch MediVoice sprechen. Dieses Feedback zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Vision in Teilen bereits Wirklichkeit wird.     

MediVoice wird als revolutionäres Tool für Praxistelefone beschrieben. Wer ist die Hauptzielgruppe von Mediform, und wie adressieren Sie deren spezifische Bedürfnisse?

Jochen Krause: Die Hauptzielgruppe von MediVoice sind ambulante Gesundheitsdienstleister, darunter Praxen, Praxisnetze sowie Medizinische Versorgungszentren (MVZs). MediVoice wird in Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und MFAs entwickelt, um die spezifischen Bedürfnisse dieser Zielgruppe zu erfüllen. Unser gemeinsames Ziel ist es, Praxisteams von 80 Prozent der Aufgaben für die Terminvergabe und weiteren Anliegen der Patient:innen zu entlasten.

Wir waren etwas überrascht, dass die Praxisteams nicht nur die Zeitersparnis schätzen, sondern die Entlastung vom ständigen Klingeln des Telefons als eine große qualitative Verbesserung des Arbeitsalltags empfinden. Wir arbeiten für jede medizinische Fachrichtung mit einigen wenigen Pilotpraxen sehr eng zusammen, um die fachspezifischen Anforderungen in MediVoice abzubilden.

In diesen engen Kooperationen stellen die Praxen auch sicher, dass Patient:innen ebenfalls profitieren: einerseits von der verbesserten Erreichbarkeit der Praxis, da sie die Praxis rund um die Uhr telefonisch erreichen können. Andererseits ist es aber auch wichtig, die KI gezielt für die Anliegen der Patientinnen und Patienten zu verbessern — dies funktioniert nur in Zusammenarbeit mit den Praxen, welche letztendlich die fachliche Kompetenz einbringen.

Welche Herausforderungen mussten Sie überwinden, um KI in den sensiblen Bereich der medizinischen Praxisabläufe zu integrieren, und wie haben Sie diese gemeistert?

Daniel Kämmerer: Dabei sind zum einen die Themen Sicherheit und Datenschutz zu nennen, die aus rechtlicher Sicht und auch für die Akzeptanz unabdingbar sind. Dabei setzen wir auf die vollständige Anonymisierung von personenbezogenen Daten und verstärkt auch auf den Einsatz von uns selbst trainierter und bereitgestellter KI-Modelle.

Zum anderen ist die KI-basierte Kommunikation natürlich auch nicht mit statisch vorgegeben Workflows zu vergleichen. KI-Modelle bieten viel mehr Flexibilität und können somit viel mehr Komplexität bei den Anliegen abfangen. Allerdings kommt es auch in seltenen Fällen zu Missverständnissen oder auch Halluzinationen. Wir arbeiten daran, diese bereits während des Gesprächs zu erkennen und dann entweder das Gespräch wieder in die richtige Bahn zu lenken oder den Anrufenden zu bitten, noch einmal anzurufen. 

Insgesamt erleben wir eine sehr hohe Akzeptanz des KI-basierten Systems, da es sehr schnell Entlastung schafft und auch der Handlungsdruck durch die fehlenden Fachkräfte immens ist.

MediVoice ermöglicht es, Anliegen der Patient:innen autonom zu bearbeiten. Was macht diesen Ansatz einzigartig im Vergleich zu anderen Lösungen auf dem Markt?

Daniel Kämmerer: MediVoice erledigt Arbeit und türmt sie nicht nur an anderer Stelle wieder auf. Dadurch sticht unsere KI-basierte Sprachassistenz deutlich von jenen Telefonassistenten hervor, die oft nur vorprogrammierte Antworten liefern können oder im Wesentlichen ein smarter Anrufbeantworter sind. Auch von anderen KI-gestützten Systemen unterscheiden wir uns: Wir sind komplett auf den medizinischen Markt fokussiert.

Mit MediVoice wird fachgebietsspezifische Logik direkt mitgeliefert – nur noch die wirklich praxisspezifischen Themen müssen konfiguriert werden. Dabei setzen wir in großen Teilen auf Konfiguration in natürlicher Sprache, was die Pflege des Systems um Größenordnungen erleichtert.

Entscheidend ist jedoch der hohe Anteil der von MediVoice wirklich autonom erledigter Aufgaben: In natürlicher Sprache einen Dialog führen und komplexe Anfragen von Anfang bis Ende zu erledigen. Sprich: ohne die Notwendigkeit der manuellen Nachbearbeitung. Ein Beispiel dafür ist die Terminbuchung: Die Patient:innen sprechen in gewohnter Sprache mit MediVoice und buchen einen Termin – dieser erscheint dann direkt im Kalender der Ärztin bzw. des Arztes. Dabei berücksichtigt MediVoice die individuellen Regeln und Präferenzen der Praxen. Durch die Autonomie wird messbar Zeit eingespart und das Praxisteam spürbar entlastet.

Welche weiteren Entwicklungen und Innovationen plant Mediform in der kommenden Zeit einzuführen?

Daniel Kämmerer: Primär arbeiten wir daran, den Autonomiegrad des Telefonassistenten weiter zu erhöhen, da dies den Praxen am meisten weiterhilft. Dabei sind wir aber nicht ganz unabhängig von den Herstellern von Praxisverwaltungssystemen (PVS). Auch hier ein Beispiel: Für viele Fachrichtungen, insbesondere im Bereich der Allgemeinmedizin, ist die Rezepterstellung ein großer Aufwandstreiber. Um diesen Prozess weiter zu automatisieren, benötigen wir eine effiziente Schnittstelle zum PVS.

Dieser Markt ist aktuell leider sehr fragmentiert. Allerdings gibt es viele Anzeichen dafür, dass sich der Markt sehr bald signifikant konsolidieren wird. Neue Player steigen in den Markt ein und setzen dabei auf Cloud, moderne Schnittstellen sowie die Erkenntnis, dass sie nicht alles selbst entwickeln müssen – und damit wiederum auf Kooperation. Hier sehen wir uns auf einem guten Weg.

Wie sammelt und nutzt Mediform Feedback von den beteiligten Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren, um MediVoice kontinuierlich zu verbessern?

Jochen Krause: Das Feedback unserer Kunden und Systemhauspartner:innen ist für uns von entscheidender Bedeutung. Wir schon am Anfang gesagt, haben wir das System seit der Idee mit Ärztinnen und Ärzten entwickelt. 

Unsere Kunden können uns gesprächsbezogenes Feedback direkt in der MediVoice Anwendung geben. Bei der Bewertung ist es uns immer wichtig, dass wir den größten Nutzen für unsere gesamte Community erzielen. Das ist die wesentliche Leitlinie bei der Priorisierung des Feedbacks. Darüber hinaus sind wir auch immer offen für das persönliche Gespräch und dafür nehmen wir uns auch die Zeit.

Wie finanziert sich Mediform, und gibt es Pläne, das Geschäftsmodell in Zukunft zu erweitern oder zu ändern?

Jochen Krause: Wir haben die Seed- und die Early-Stage-Phase komplett selbst finanziert. Durch die hohe Nachfrage werden wir allerdings schnell skalieren müssen und dafür setzen wir nach den aktuellen Plänen auf eine Serie A Funding.     

Bezüglich der adressierbaren Märkte wollen wir weiter primär auf den ambulanten Bereich setzen. Wir konnten aber bereits zeigen, dass sich weitere europäische Sprachen sehr gut mit MediVoice abdecken lassen, hier sehen wir ein sehr großes Potential.

Wie hat der Standort Karlsruhe und dessen Technologie-Ökosystem die Entwicklung von Mediform beeinflusst?

Jochen Krause: Für uns ist das Karlsruher Institut für Technologie von entscheidender Bedeutung. Viele unserer Entwickler:innen kommen von dort und sind bereits hervorragend ausgebildet. Ich habe meine Wurzeln ebenfalls im KIT – somit schätzen wir den hiesigen Fokus auf Innovation und tiefgreifendes Technikverständnis, welches in der Region aktiv gefördert wird. Genau aus diesem Grund haben wir ein so starkes und kompetentes Team aufgebaut, welches in der Lage ist, innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Welche zwei Ratschläge würden Sie anderen Gründer:innen im Bereich HealthTech geben, basierend auf Ihrer Erfahrung mit der Entwicklung von MediVoice?

Jochen Krause: Bringt einen langen Atem mit und sucht so früh wie möglich nach Kooperationen und Partner:innen. 

Daniel Kämmerer: Setzt auf ein Problem, dessen Lösung einen wirklichen Mehrwert bringt und versucht das in einem großen Maßstab zu validieren. Überprüft so früh wie möglich die Willingness-To-Pay für Eure Lösung.

Wie misst Mediform den Erfolg von MediVoice und welches Feedback haben Sie aus der Pilotphase im OCU PRO Augenärzte MVZ in Bad Kreuznach erhalten?

Jochen Krause: Neben den hohen technischen Standards, die wir selbst an MediVoice stellen, gibt es natürlich einen zentralen KPI: Die Zufriedenheit unserer Kunden sowie deren Begeisterung, die zu Weiterempfehlung und Word-of-Mouth in der Fachkolleg:innenschaft führen. Grundsätzlich lassen wir uns am Autonomiegrad der Software messen.

Dieser Anspruch spiegelt sich nun auch im Feedback des OCU PRO Augenärzte MVZ in Bad Kreuznach wider. Dr. Thomas Tyrtania, Augenarzt und Geschäftsführer, berichtete uns: „Bis vor Kurzem klingelte in unserer Praxis pausenlos das Telefon. Inzwischen hebt dieses hier niemand mehr ab, das übernimmt die KI-basierte Sprachassistenz. Für die Praxis ist das ein Gamechanger, da die KI genau das tut, wofür sie gedacht ist: Uns Arbeit abnehmen, für die ich nur schwer qualifiziertes Personal finde“.
Ein tolles Feedback und vor allem weiterer Ansporn für uns, an den Zielen und Visionen hinsichtlich der Revolution des Praxismanagements festzuhalten und kontinuierlich weiterzuarbeiten. 

Wir bedanken uns bei Jochen Krause für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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