Mittwoch, Juli 1, 2026
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Wird urbane Infrastruktur bisher nicht effizient genug genutzt?

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ENVIOTECH Infrastruktur Straßenbeleuchtung Städte Gründerfoto_Enviotech_ⓒIvgeniaMöbus.jpg

ENVIOTECH ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year 2026!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter ENVIOTECH?

Wir sind ENVIOTECH und entwickeln intelligente Lösungen für eine nachhaltigere und smartere urbane Infrastruktur. Konkret heißt das: Wir machen aus bestehender Straßenbeleuchtung eine vernetzte, steuerbare und datenfähige Infrastruktur, ohne dass Städte dafür ihre gesamte Beleuchtung austauschen müssen.
Gegründet wurde ENVIOTECH aus dem Wunsch heraus, ein reales Problem mit einer praktikablen Lösung zu adressieren. Hinter dem Unternehmen steht ein junges Team mit technischem, unternehmerischem und strategischem Hintergrund, das die Überzeugung teilt, dass Städte nicht nur digitaler, sondern auch effizienter und lebenswerter werden müssen.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Uns hat vor allem motiviert, dass wir ein Problem gesehen haben, das riesig ist, aber oft unterschätzt wird. Straßenbeleuchtung ist in jeder Stadt vorhanden, verbraucht enorme Mengen an Energie und wird vielerorts immer noch sehr starr gesteuert. Gleichzeitig sprechen alle über Smart City, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Für uns war die Frage: Warum wird eine so zentrale Infrastruktur nicht längst intelligenter genutzt?
Genau aus dieser Diskrepanz ist ENVIOTECH entstanden. Der Auslöser war weniger ein einzelner Moment als vielmehr die Erkenntnis, dass man für echten Fortschritt nicht immer alles neu bauen muss. Manchmal liegt die bessere Lösung darin, bestehende Systeme intelligent weiterzudenken.

Welche Vision verfolgt ihr mit ENVIOTECH? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, urbane Infrastruktur neu zu denken und zwar so, dass sie nachhaltiger, intelligenter und wirtschaftlich sinnvoller wird. Wir glauben, dass Straßenbeleuchtung viel mehr sein kann als reine Lichtquelle. Sie kann zum Ausgangspunkt für eine vernetzte Stadt werden.
Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass Städte bestehende Infrastruktur als Plattform begreifen: für Energieeinsparung, bessere Steuerung, datenbasierte Entscheidungen und weitere Smart-City-Anwendungen. Unser Ziel ist es, Modernisierung einfacher, schneller und realistischer zu machen.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war ganz klar, ein Thema anzugehen, das technologisch anspruchsvoll ist und gleichzeitig in einem eher traditionellen Markt stattfindet. Im kommunalen Umfeld reicht es nicht, nur innovativ zu sein. Man muss zeigen, dass die Lösung zuverlässig funktioniert, wirtschaftlich Sinn ergibt und sich in bestehende Strukturen integrieren lässt.
Hinzu kommt, dass der Aufbau eines Infrastrukturunternehmens kapitalintensiv ist. Produktentwicklung, Pilotierung, Hardware, Software und Marktaufbau müssen parallel gedacht werden. Deshalb war es für uns wichtig, nicht nur Kapital aufzunehmen, sondern die richtigen Partner zu finden, die unsere Vision verstehen und langfristig mittragen. Unsere Finanzierung haben wir entsprechend so aufgestellt, dass wir Wachstum und Substanz miteinander verbinden können.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere wichtigste Zielgruppe sind Kommunen, Stadtwerke und Betreiber öffentlicher Infrastruktur. Genau dort ist der Bedarf besonders hoch, Kosten zu senken, Energie effizienter einzusetzen und bestehende Systeme fit für die Zukunft zu machen.
Darüber hinaus sind unsere Lösungen auch für andere Betreiber großer Außenbeleuchtungsnetze relevant, zum Beispiel in Industriearealen, auf Campusflächen oder in größeren gewerblichen Infrastrukturen. Besonders spannend ist unser Ansatz überall dort, wo Modernisierung nötig ist, ein vollständiger Austausch aber wirtschaftlich oder operativ nicht sinnvoll wäre.

Wie funktioniert ENVIOTECH ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

Unser Ansatz basiert auf intelligenter Nachrüstung statt Komplettaustausch.
Bestehende Leuchten werden mit unserer Technologie erweitert und so zu einer vernetzten, steuerbaren und datenfähigen Infrastruktur. Das sorgt für mehr Sicherheit genau dort, wo Licht wirklich gebraucht wird, senkt die Energiekosten um bis zu 80 Prozent und lässt sich dank Plug-and-Play-Retrofit in rund 30 Minuten in bestehende, kompatible Straßenbeleuchtung integrieren. So können Städte ihre Beleuchtung bedarfsgerecht steuern, zentral verwalten und ihre Infrastruktur schneller, wirtschaftlicher und ressourcenschonender modernisieren.
Der große Vorteil liegt darin, dass Städte ihre bestehende Infrastruktur weiter nutzen können. Das macht die Umsetzung deutlich schneller, wirtschaftlicher und ressourcenschonender als klassische Austauschprojekte. Gleichzeitig schaffen wir die Grundlage für deutlich mehr als nur Energieeinsparung: Wir ermöglichen eine Infrastruktur, die sich weiterentwickeln lässt und neue Anwendungen integrieren kann.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Für uns ist das vor allem eine starke Bestätigung, dass das Thema, an dem wir arbeiten, relevant ist und Aufmerksamkeit bekommt. Gerade im Startup-Alltag ist man oft sehr stark im Operativen, deshalb ist es schön zu sehen, wenn die eigene Arbeit auch von außen wahrgenommen wird.
Natürlich freuen wir uns über die Sichtbarkeit und die Anerkennung. Gleichzeitig sehen wir das als Motivation, den nächsten Schritt zu gehen. Für uns zählt jetzt vor allem, daraus konkrete Chancen zu machen: neue Partnerschaften, weitere Pilotprojekte und noch weitere Wachstumschancen.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und ENVIOTECH in fünf Jahren?

In fünf Jahren möchten wir ENVIOTECH als festen Partner für intelligente urbane Infrastruktur etabliert haben, zunächst in Deutschland und dann darüber hinaus. Unser Ziel ist es, dass unsere Technologie in vielen Städten sichtbar im Einsatz ist, dort echten Mehrwert schafft und Kommunen dabei unterstützt, Energie effizienter zu nutzen, Kosten zu senken und ihre Infrastruktur zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus sehen wir uns nicht nur als Anbieter für smarte Beleuchtung, sondern als Enabler für eine neue Art, urbane Infrastruktur zu nutzen. Wenn Städte in Zukunft bestehende Systeme intelligenter einsetzen, Ressourcen sparen und datenbasiert planen können, dann ist das genau die Richtung, in die wir wollen.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Der erste Tipp: Arbeitet an einem Problem, das wirklich relevant ist. Es hilft enorm, wenn hinter der Idee nicht nur Begeisterung, sondern auch echte Dringlichkeit steckt.
Der zweite Tipp: Sprecht früh mit dem Markt. Viele Annahmen wirken im Kopf logisch, halten aber der Realität nicht stand. Je früher man Feedback bekommt, desto besser.
Der dritte Tipp: Habt Ausdauer. Gründen verläuft fast nie so linear, wie es von außen oft wirkt. Hinter jedem Schritt stehen Unsicherheiten, Lernprozesse und viele Anpassungen auf dem Weg. Entscheidend ist, trotzdem weiterzumachen und den eigenen Fokus nicht zu verlieren.

Bild Gründer Linh Pham und Adrian Rhaese ENVIOTECH ⓒIvgenia Möbus

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wird Europa bei Cyberrisiken noch unterschätzt?

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QuoIntelligence Threat Intelligence Intelligence Europa Marco Riccardi QuoIntelligence

QuoIntelligence liefert Threat Intelligence und Intelligence als Service für präventive Cybersecurity in Europa

Wer sind Sie, Marco Riccardi, und wie ist QuoIntelligence entstanden?

Ich bin Italiener und habe den Großteil meines Berufslebens außerhalb Italiens verbracht – insgesamt dreizehn Jahre in Spanien und Deutschland. Ich bin Informatiker – sowohl von meiner Ausbildung als auch von meiner inneren Neigung her. Mit sieben Jahren habe ich angefangen, mit Computern zu arbeiten, mit zwölf – sobald ich ein Modem hatte – mich intensiv mit Hacking beschäftigt.
Nach meinem Bachelor in Informations- und Netzwerksicherheit an der Universität Mailand habe ich einen Master in Cyber Intelligence in den USA absolviert. Mit neunzehn bin ich freiwillig zur italienischen Armee gegangen und im 28. Regiment „Pavia“ gelandet – einer Spezialeinheit für psychologische Operationen. Ein ungewöhnlicher Ausgangspunkt für ein Cybersecurity-Unternehmen, aber genau dort habe ich gelernt, wie aus Informationen konkrete Handlungen entstehen – und genau dieses Problem lösen wir heute.

Die Idee zu QuoIntelligence entstand aus zwei zentralen Beobachtungen. Zum einen aus meiner Zeit bei europäischen Institutionen und Banken wie der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bank. Dort habe ich gesehen, dass selbst die am besten ausgestatteten Organisationen Europas auf amerikanische Anbieter angewiesen waren, weil es keine ausreichend tiefgehende europäische Alternative gab.
Zum anderen aus der Überzeugung, dass der Markt für Threat Intelligence falsch strukturiert war: Die verfügbaren Lösungen waren so konzipiert, dass sie große interne Teams voraussetzen – und damit für viele Unternehmen schlicht nicht zugänglich sind.
Ich habe QuoIntelligence Anfang 2020 in Frankfurt gegründet – nur wenige Wochen vor dem ersten COVID-Lockdown. Unser Ansatz war von Beginn an klar: Wir wollten „Finished Intelligence“ liefern – also bereits analysierte, kontextualisierte und unmittelbar nutzbare Erkenntnisse – und das auch für mittelständische Unternehmen, ohne dass diese eigene Teams aufbauen müssen.
Sechs Jahre später haben wir genau dieses Modell erfolgreich etabliert.

Was hat Sie persönlich dazu motiviert, QuoIntelligence aufzubauen?

Die Motivation war sowohl beruflicher als auch persönlicher Natur.
Beruflich habe ich aus nächster Nähe erlebt, wie europäische Institutionen Cyberrisiken zunehmend als strategisches Thema erkannt haben. Die führenden Organisationen konnten darauf reagieren – mit großen Teams und entsprechenden Budgets. Der Großteil des Marktes hingegen blieb zurück, weil die verfügbaren Lösungen nicht für ihre Realität konzipiert waren. Diese strukturelle Ungleichheit hat mich nachhaltig beschäftigt.
Persönlich kam ein weiterer Aspekt hinzu: Ich habe viele Jahre im Ausland gearbeitet und Unternehmen mit aufgebaut – aber irgendwann stellt sich die Frage, ob man weiterhin dazu beitragen möchte, dass ausländische Anbieter den europäischen Markt dominieren, oder ob man selbst etwas schafft, das hier verankert ist.

Für mich war klar: Threat Intelligence ist eine kritische Infrastruktur für die europäische Wirtschaft. Sie sollte nicht ausschließlich von außerhalb Europas kommen. Das ist keine Marketingbotschaft, sondern eine Grundhaltung.
Deshalb habe ich QuoIntelligence bewusst in Frankfurt gegründet und von Anfang an alle Strukturen unter europäischem Recht aufgebaut.
Es geht dabei nicht um Souveränität als Selbstzweck, sondern darum, dass europäische Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – die gleiche Qualität an Intelligence erhalten wie große Konzerne. Und zwar von einem Anbieter, der ihr regulatorisches Umfeld versteht, weil er selbst darin arbeitet.

Welche Vision verfolgen Sie mit QuoIntelligence?

Lange Zeit galt hochwertige Threat Intelligence als etwas, das nur mit großen Teams möglich ist. Wir haben QuoIntelligence gegründet, um genau diese Annahme zu hinterfragen.
Unsere Vision ist „Unified Risk Intelligence“: eine integrierte Betrachtung von Cyberbedrohungen, physischen Risiken und geopolitischen Entwicklungen – nicht als isolierte Warnmeldungen, sondern als Grundlage für konkrete Entscheidungen.
Dabei verfolgen wir ein prädiktives und präventives Modell: Risiken sollen erkannt werden, bevor sie entstehen, und minimiert werden, bevor sie Auswirkungen haben. Und das für jede europäische Organisation – unabhängig von Größe oder Ressourcen.
Der technologische Stack, den wir aufbauen, basiert auf drei zentralen Prinzipien: vollständige Verankerung im europäischen Rechtsraum, die Lieferung von fertiger, handlungsfähiger Intelligence ohne Aufbau interner Teams und die Kombination aus KI-gestützter Plattform (Mercury), agentischer Lösung (Karla) und menschlicher Analyse.
Das ist kein klassischer Datenfeed – sondern Intelligence-as-a-Service. Genau das benötigt der europäische Mittelstand, um regulatorische Anforderungen wie NIS2 und DORA effizient zu erfüllen.

Warum wird digitale Souveränität zunehmend zu einem Investmentthema?

Digitale Souveränität ist längst kein abstraktes Konzept mehr – sie ist zu einer konkreten Anforderung in Beschaffungsprozessen geworden.
Immer häufiger schreiben europäische Regularien vor, dass sensible Daten innerhalb der EU verarbeitet und gespeichert werden müssen. Das verändert den Markt grundlegend und stellt viele etablierte Anbieter außerhalb Europas vor Herausforderungen.
Gleichzeitig erweitern Regulierungen wie NIS2 und DORA den Markt erheblich: Über 160.000 Organisationen in Europa fallen neu in den Geltungsbereich. Dadurch entsteht eine seltene Situation, in der regulatorische Anforderungen, Nachfrage und Marktangebot gleichzeitig wachsen.
Aus Investorensicht ist das eine klare Konstellation: strukturelle Nachfrage, regulatorischer Rückenwind und ein wachsendes Bedürfnis nach europäischen Lösungen.
Für uns ist digitale Souveränität dabei kein Marketinginstrument, sondern ein grundlegendes Prinzip: europäisches Recht, europäische Datenhaltung, europäische Teams. Das lässt sich nicht nachträglich implementieren – es muss von Anfang an Teil der Architektur sein.

Welche Zielgruppen sprechen Sie an und welche Probleme lösen Sie konkret?

Wir richten uns primär an mittelständische Unternehmen in Europa, insbesondere in regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, öffentlicher Sektor, Industrie, Handel oder Transport.
Obwohl unser Fokus auf Organisationen mit schlanken Security-Teams liegt, konnten wir auch große Institutionen wie ENISA – die EU-Agentur für Cybersicherheit – als Kunden gewinnen. Im Februar 2025 wurden wir dort im Rahmen eines vierjährigen Vertrags ausgewählt – im Wettbewerb mit internationalen Anbietern.
Das zugrunde liegende Problem ist bei allen Kunden ähnlich: Regulierungen wie NIS2 und DORA verlangen ein proaktives Sicherheitsmanagement. Unternehmen müssen Bedrohungen frühzeitig erkennen und präventiv handeln – nicht erst reagieren, wenn bereits Schaden entstanden ist.

Die meisten Organisationen verfügen jedoch nicht über die notwendigen internen Ressourcen. Der Aufbau entsprechender Teams ist kostenintensiv und zeitaufwendig. Klassische Marktangebote setzen jedoch genau solche Strukturen voraus.
Unser Ansatz ist ein anderer: Wir liefern fertige Intelligence – analysiert, kontextualisiert und auf die jeweilige Branche und Sprache des Kunden zugeschnitten. Und das innerhalb weniger Stunden nach dem Onboarding, ohne dass ein internes Team erforderlich ist.
Der Unterschied liegt damit klar auf der Hand: weg von Rohdaten, hin zu konkreten, umsetzbaren Erkenntnissen.

Wie gelingt es Ihnen, komplexe Bedrohungsdaten in klare, entscheidungsrelevante Insights zu übersetzen?

Unser Grundprinzip ist einfach: Wir liefern nichts aus, das keinen klaren nächsten Handlungsschritt enthält.
Unsere Plattform Mercury verarbeitet kontinuierlich Informationen aus über 1.000 Quellen, strukturiert diese, validiert relevante Indikatoren und hat bislang mehr als 17.000 qualitätsgesicherte Intelligence-Fälle erzeugt. Diese Skalierung ist nur durch den Einsatz von KI möglich.
Der entscheidende Schritt liegt jedoch in der Kontextualisierung: Unsere Analysten übersetzen diese Daten in konkrete, verständliche und handlungsrelevante Erkenntnisse – zugeschnitten auf die jeweilige Branche und Rolle im Unternehmen.
Darauf aufbauend ermöglicht KARLA, unser KI-gestützter Analyst, einen dialogbasierten Zugang zu dieser Intelligence über alle Organisationsebenen hinweg – vom operativen Security-Team bis zur Geschäftsführung.

Ein praktisches Beispiel: Wenn ein gefälschtes Social-Media-Profil erstellt wird, das sich als Führungskraft eines Kunden ausgibt, erkennen wir dies bereits im Moment der Erstellung. Noch bevor das Profil aktiv Schaden anrichten kann, wird es identifiziert, gemeldet und – wenn möglich – entfernt.
Das ist präventive Intelligence in der Praxis: nicht Reaktion nach dem Schaden, sondern Vermeidung vor dem Impact.
Die Grundlage dafür ist ein klarer Qualitätsanspruch: Jede Erkenntnis muss Kontext liefern, eine Eintrittswahrscheinlichkeit bewerten und einen konkreten nächsten Schritt enthalten. Wenn das nicht gegeben ist, wird sie nicht ausgeliefert.

Was unterscheidet QuoIntelligence von anderen Anbietern im Bereich Threat Intelligence?

Es gibt drei grundlegende Unterschiede – und keiner davon ist bloß ein Marketingversprechen.
Erstens liefern wir keine reinen Datenfeeds, sondern fertige, umsetzbare Intelligence. Viele etablierte Anbieter richten sich an Unternehmen mit eigenen Analystenteams. Unser Modell ist hingegen für Organisationen gedacht, die genau diese Ressourcen nicht haben – und das erfordert ein komplett anderes Betriebsmodell.

Zweitens sind wir durchgehend europäisch aufgestellt. Das Unternehmen ist nach deutschem Recht gegründet, mit Standorten in Spanien und Italien, und sämtliche Daten werden innerhalb der EU verarbeitet und gespeichert – unabhängig vom Standort unserer Kunden. Damit erfüllen wir nicht nur die regulatorischen Anforderungen, sondern bieten gleichzeitig eine Tiefe an Intelligence, die bislang vor allem von US-, russischen oder israelischen Anbietern kam. Dass ENISA sich für uns entschieden hat, bestätigt diesen Anspruch.

Drittens denken wir über klassische Threat Intelligence hinaus. Während viele Anbieter in einer zunehmend engen Kategorie bleiben, bauen wir gezielt eine umfassendere Lösung auf: „Unified Risk Intelligence“. Das bedeutet eine integrierte Sicht auf Cyber-, physische und geopolitische Risiken – immer mit Kontext, Eintrittswahrscheinlichkeit und konkreten Handlungsempfehlungen.
Am Ende kaufen Kunden keine Kategorien, sondern Ergebnisse. Aber die Kategorie, die wir aufbauen, zeigt klar, wohin sich der Markt entwickelt.

Welche Rolle spielt die Kombination aus KI und menschlicher Analyse in Ihrer täglichen Arbeit?

Reine KI erzeugt vor allem Volumen. Reine Analystenarbeit erzeugt Engpässe. Wir haben uns bewusst gegen beide Extreme entschieden.
Unsere Plattform Mercury übernimmt die skalierbaren Aufgaben: Sie analysiert kontinuierlich über 1.000 Quellen, extrahiert relevante Informationen, kategorisiert Inhalte und validiert Indikatoren – rund um die Uhr. Parallel dazu arbeiten unsere Analysten daran, die zugrunde liegenden Modelle kontinuierlich zu verbessern und die Ergebnisse in einen klaren, handlungsrelevanten Kontext zu bringen.
Mit KARLA, unserem konversationellen KI-Analysten, machen wir diese Intelligence für alle Ebenen im Unternehmen zugänglich – vom operativen Security-Team bis hin zur Geschäftsführung.
Das Prinzip dahinter ist einfach: KI sorgt für Skalierbarkeit, Menschen für Qualität und Urteilsvermögen. Unsere Kunden sehen keine Rohdaten, sondern fertige, umsetzbare Erkenntnisse.
Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Für uns ist menschliches Urteilsvermögen kein Kostenfaktor – sondern ein zentraler Bestandteil des Produkts.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie beim Aufbau von QuoIntelligence konfrontiert?

Wie bei vielen Startups ging es vor allem um zwei Dinge: Skalierung und Fokus.
Eine zentrale Herausforderung war der Übergang von einem stark gründergetriebenen Wachstum hin zu einem skalierbaren Vertriebsmodell. Anfangs basierte vieles auf persönlichen Netzwerken – das funktioniert gut, ist aber nicht nachhaltig skalierbar. Deshalb haben wir unseren Go-to-Market-Ansatz neu aufgesetzt, erfahrene Führungskräfte eingebunden und eine strukturierte, datengetriebene Vertriebsorganisation aufgebaut.
Parallel dazu haben wir bewusst in die Substanz unseres Produkts investiert. Statt auf bestehende Datenlösungen zurückzugreifen, haben wir eine eigene Infrastruktur entwickelt, um verlässlichere und direkt nutzbare Intelligence liefern zu können. Das war aufwendiger, hat uns aber langfristig klar differenziert.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die klare Fokussierung auf den Mittelstand. Anfangs haben wir bewusst breiter gearbeitet, um Vertrauen aufzubauen. Heute sind Produkt, Kommunikation und Vertrieb klar auf ein Segment ausgerichtet, in dem wir das größte Potenzial sehen.
Diese Entscheidungen haben uns geholfen, sowohl unser Produkt als auch unsere Marktstrategie deutlich zu schärfen.

Welche Auswirkungen haben regulatorische Entwicklungen auf Ihr Geschäftsmodell?

Regulierungen wie NIS2 und DORA haben den Markt grundlegend verändert. Was früher ein Wettbewerbsvorteil war, ist heute eine Pflichtanforderung.
Allein NIS2 bringt in Deutschland über 30.000 Unternehmen in den Geltungsbereich und führt zudem eine persönliche Haftung für das Management ein. DORA setzt ähnliche Standards für den Finanzsektor in der EU, insbesondere im Umgang mit Drittanbietern und Lieferketten.
Das hat direkte Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell: Unternehmen, die Threat Intelligence früher als optional betrachtet haben, müssen jetzt investieren – und zwar nachweisbar und auditierbar. Gleichzeitig fehlt vielen die Zeit und das Budget, entsprechende Kompetenzen intern aufzubauen.
Genau hier setzt unser Modell an: prädiktive und präventive Intelligence als Service.
Unsere Wachstumsstrategie orientiert sich konsequent an dieser Nachfrage. Wir setzen auf Partnerschaften mit Systemintegratoren und Serviceanbietern und expandieren von Deutschland aus in weitere europäische Märkte. Die Series-A-Finanzierung unterstützt genau diesen Ausbau.

Welche Chancen ergeben sich durch neue Regulierungen für Startups?

Die Regulierung hat den Markt gleich in mehreren Dimensionen verändert.
Erstens ist Cybersecurity für viele Unternehmen keine Option mehr, sondern eine Verpflichtung. Das erweitert den adressierbaren Markt erheblich.
Zweitens gewinnt der Standort Europa an Bedeutung. Anforderungen an Datenhoheit führen dazu, dass europäische Anbieter strukturelle Vorteile haben – vorausgesetzt, sie erfüllen diese Anforderungen tatsächlich und nicht nur kommunikativ.
Drittens entsteht durch den Fachkräftemangel eine große Chance. Viele Unternehmen können die geforderten Kompetenzen nicht intern aufbauen. Lösungen, die Fähigkeiten als Service bereitstellen – etwa fertige Intelligence oder virtuelle Analysten – werden daher zunehmend wichtiger.
Gleichzeitig steigt aber auch die Messlatte: Kunden prüfen sehr genau, ob Anbieter ihre Versprechen tatsächlich erfüllen. Modelle ohne echte operative Substanz werden sich schwer tun.

Wie möchten Sie QuoIntelligence strategisch weiterentwickeln?

Unsere Series-A-Finanzierung konzentriert sich auf drei zentrale Themen.
Erstens wollen wir unsere Position in unseren Kernmärkten – DACH, Italien und Spanien – weiter ausbauen. Dazu gehören stärkere Partnerschaften, branchenspezifische Lösungen und eine klare Fokussierung auf den regulierten Mittelstand.
Zweitens entwickeln wir unsere Plattform gezielt weiter. Mit Mercury und Karla bauen wir in Richtung „Unified Risk Intelligence“ – also einer integrierten Betrachtung von Cyber-, physischen und geopolitischen Risiken. Genau diese ganzheitliche Perspektive fehlt vielen Unternehmen heute.
Drittens geht es darum, diese neue Kategorie aktiv mitzugestalten. Analysten wie Gartner beschäftigen sich zunehmend mit diesem Ansatz, und wir sehen uns in einer starken Position, hier eine führende Rolle in Europa einzunehmen.
Unser Ziel ist klar: In den kommenden Jahren wollen wir zur ersten Adresse für Unified Risk Intelligence im europäischen Mittelstand werden.

Welche drei Ratschläge geben Sie anderen Gründerinnen und Gründern?

Wenn ich es auf drei Punkte reduzieren müsste:
Erstens: Skaliert nicht zu früh. Frühphase-Erfolge können trügerisch sein – vor allem, wenn sie auf persönlichen Kontakten basieren. Entscheidend ist ein wirklich wiederholbares Vertriebsmodell.
Zweitens: Trefft bewusste Produktentscheidungen. Wir haben uns für eine tiefgehende technologische Infrastruktur entschieden statt für schnelle, oberflächliche Lösungen. Das braucht Geduld, zahlt sich aber langfristig aus.
Drittens: Fokussiert euch klar auf eure Zielgruppe. Gerade am Anfang ist es verlockend, jede Chance mitzunehmen. Nachhaltiges Wachstum entsteht aber durch ein tiefes Verständnis eines klar definierten Segments.
Viele dieser Erkenntnisse wirken im Nachhinein selbstverständlich – in der Praxis entstehen sie aber meist erst durch eigene Erfahrung.

Bild Bildcredits @ Quointelligence

Wir bedanken uns bei Marco Riccardi für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Gehen zu viele Patientinnen und Patienten unvorbereitet in große Operationen?

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Prep4Surg Prähabilitation Operationen Patienten Bild: Gründerfoto ©Capreolos GmbH

Prep4Surg ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year 2026! Interview – Capreolos GmbH / Prep4Surg

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Prep4Surg?

Hinter Prep4Surg steht die Capreolos GmbH aus Frankfurt am Main – ein Digital-Health-Startup, das 2021 als Spin-off der Goethe-Universität von drei aktiven Klinikärztinnen und -ärzten gegründet wurde. Unser Gründerteam besteht aus Prof. Andreas Schnitzbauer, Dr. Charlotte Detemble, Dr. Dora Zmuc und Mark Siller. Wir sind Mediziner mit chirurgischem Hintergrund und haben das Problem, das wir lösen wollen, tagtäglich am OP-Tisch erlebt.
Heute arbeiten bei Capreolos neben den Gründern unter anderem Qualitätsmanager, Softwareentwickler und ein klinisches Studienteam von 16 Ärztinnen und Ärzten zusammen.
Prep4Surg ist unsere App-basierte Plattform, die Patientinnen und Patienten mit einem individuellen, datenbasierten Trainingsprogramm optimal auf große Operationen vorbereitet – digitale Prähabilitation.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Als Chirurginnen und Chirurgen haben wir immer wieder gesehen, wie unterschiedlich Patienten auf große Eingriffe vorbereitet sind – und wie stark das den Heilungsverlauf beeinflusst. Weltweit werden jährlich über 310 Millionen große Operationen durchgeführt, rund 25 % der Patienten entwickeln Komplikationen, und bei Hochrisikopatienten liegt die Rate schwerer Komplikationen bei über 25 %. Gleichzeitig wussten wir aus der Forschung, dass gezielte Prähabilitation die Morbidität um bis zu 50 % senken und Kosten um bis zu 30 % reduzieren kann.
Das Problem war: Es gab keine skalierbare, evidenzbasierte digitale Lösung dafür. Die Idee, dieses Wissen in eine App zu übersetzen, die Patienten zu Hause nutzen können und die trotzdem ärztlich überwacht wird – das war der Auslöser. Bereits im September 2021 wurden wir dafür mit dem E-Health-Award des Landes Hessen ausgezeichnet.

Welche Vision verfolgt ihr mit Prep4Surg? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, Prep4Surg zum Standard der chirurgischen Vorbereitung zu machen. Wir wollen, dass kein Patient mehr unvorbereitet in eine große Operation geht.
Langfristig entwickeln wir Prep4Surg zu einem KI-gesteuerten Gesundheitsprodukt weiter, das auf einer stetig wachsenden Patientendatenbasis personalisierte Prävention und Risikoanpassung ermöglicht. Dazu gehören erweiterte Anwendungsbereiche über die Chirurgie hinaus – etwa in der Onkologie oder bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes. Auch die Entwicklung von Algorithmen für den Einsatz in Consumer-Produkten großer Technologieunternehmen ist ein Ziel.
Letztlich wollen wir die Patientenautonomie stärken: Menschen sollen aktiv an ihrem Genesungsprozess teilhaben können.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Als Medizinprodukt unterliegen wir strengen regulatorischen Anforderungen. Wir haben in den letzten vier Jahren die App komplett entwickelt, ein DIN-ISO-13485-konformes Qualitätsmanagement aufgebaut, die C5-Zertifizierung für sicheres Cloud-Arbeiten erlangt und die Kompatibilität zu allen gängigen FHIR-Schnittstellen hergestellt – das alles als kleines, kosteneffizientes Team.
Die größte Herausforderung war, diese regulatorische Komplexität mit den begrenzten Ressourcen eines Startups in Einklang zu bringen.
Finanziert haben wir uns bisher über Fördermittel, Kooperationsprojekte mit akademischen Partnern und Gesellschafterbeiträge. Mit der neuen Finanzierungsrunde wollen wir den Weg bis zum Cash-Break-even absichern.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere Lösung richtet sich an drei Zielgruppen gleichzeitig: Patientinnen und Patienten, die sich auf große Operationen vorbereiten; Ärztinnen und Ärzte, die bessere OP-Ergebnisse und weniger Komplikationen erreichen wollen; und Krankenhäuser, die Kosten senken, Liegedauern verkürzen und ihre Versorgungsqualität verbessern möchten.
Unser Vertriebsmodell ist B2B: Krankenhäuser erwerben Lizenzen – eine Lizenz pro Patient. Im erweiterten Ökosystem sind auch Versicherungen und Klinikketten wichtige Partner.

Wie funktioniert Prep4Surg ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

Prep4Surg besteht aus zwei Komponenten: einer Arzt-App und einer Patienten-App. Beim Erstbesuch erfasst der Arzt über die Arzt-App die individuellen Risikodaten des Patienten mit wissenschaftlich fundierten Instrumenten. Daraus wird automatisch ein personalisiertes aerobes Intervalltraining berechnet.
Die Patienten-App setzt dann über drei bis sechs Wochen ein Trainingsprogramm um – mit einer bereitgestellten Smartwatch, Ernährungsunterstützung und Erfassung des mentalen Befindens. Die Patienten trainieren zu Hause, bleiben aber über die Plattform mit ihrem Behandlungsteam verbunden und erhalten Echtzeit-Feedback zur Einhaltung ihrer Therapieziele.
Im Vergleich zu bestehenden Lösungen ist Prep4Surg die erste digitale All-in-One-Lösung für individualisierte, datenbasierte Prähabilitation, die als Medizinprodukt nach MDR zugelassen wird. Anders als analoge Physiotherapie ist unser Ansatz skalierbar; anders als Fitness-Apps ist er evidenzbasiert und individualisiert; und anders als klinikeigene Insellösungen ist er standardisiert und übertragbar.
Wir bieten Echtzeit-Datentracking, präinterventionelle Risikobewertung und decken diverse Krankheitsbilder und OP-Typen ab – das kann keiner unserer Wettbewerber in dieser Kombination.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Die Nominierung ist eine große Bestätigung für unser Team und unsere Arbeit. Als Spin-Off der Goethe-Universität sind wir tief mit dem Standort Frankfurt verwurzelt, und die Anerkennung durch Frankfurt Forward zeigt, dass unser Ansatz auch über die Medizin hinaus wahrgenommen wird.
Jetzt stehen entscheidende Meilensteine an: Wir schließen gerade unsere LUMOS-Zulassungsstudie ab, die an sieben deutschen Zentren rekrutiert. Die CE-Zertifizierung nach MDR planen wir für Q4 2026. Parallel bauen wir mit unser erstes klinisches Ökosystem auf und beginnen die Markterschließung.
Ab 2027 wollen wir mit einem wachsenden Team von bis zu 19 Mitarbeitern den Vertrieb an Krankenhäuser skalieren.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und Prep4Surg in fünf Jahren?

In fünf Jahren soll Prep4Surg als digitaler Standard in der chirurgischen Vorbereitung etabliert sein – zunächst in Deutschland, dann europaweit.
Wir planen, von aktuell 16 Zentren auf ein breites Kundennetzwerk zu wachsen und dabei von unseren Studienzentren und dem Knappschaft-Piloten aus zu skalieren. Bis 2029 wollen wir 30.000 Lizenzen pro Jahr verkaufen.
Inhaltlich werden wir die Plattform um weitere chirurgische Fachrichtungen und chronische Erkrankungen erweitern und KI-basierte Funktionen wie prädiktive Risikoanpassung und automatisierte Trainingsoptimierung einsetzen. Auch eine internationale Expansion mit Anpassung an unterschiedliche Gesundheitssysteme steht auf der Agenda.
Langfristig streben wir einen strategischen Partnering- oder Exit-Prozess an.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Gründet aus echtem Domänenwissen heraus. Wir haben Prep4Surg nicht am Schreibtisch erfunden, sondern aus jahrelanger klinischer Erfahrung entwickelt. Wer sein Problem wirklich versteht, baut die bessere Lösung.
Zweitens: Unterschätzt die Regulatorik nicht – aber lasst euch auch nicht von ihr lähmen. Gerade im Digital-Health-Bereich sind Zertifizierungen wie ISO 13485, C5 oder die MDR-Zulassung kein Hindernis, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn man sie früh und konsequent angeht.
Drittens: Baut euer Netzwerk auf, bevor ihr es braucht. Unser hoher Vernetzungsgrad im komplexen Gesundheitsmarkt – von Universitätskliniken über Versicherungen bis zur Deutschen Gesellschaft für Chirurgie – ist ein Standalone-Vorteil, der sich nicht über Nacht aufbauen lässt.

Bild: Gründerfoto ©Capreolos GmbH

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Geht in Unternehmen wertvolles Wissen im Alltag verloren?

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Genow Wissen Unternehmen Wissensagenten Bild Genow-Gründerfoto ⓒGenow

Genow ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year 2026!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Genow?

In vielen Unternehmen ist Wissen über zahlreiche Systeme verteilt, oft unstrukturiert und im Arbeitsalltag nur schwer zugänglich. Genau dieses Problem lösen wir mit Genow: Wir bereiten interne Daten KI-basiert auf, reichern sie mit Kontext an und machen sie über spezialisierte Wissensagenten hochpräzise nutzbar.
So können Mitarbeitende in Bereichen wie Service, Vertrieb, Engineering, HR oder Compliance jederzeit auf verlässliche Informationen zugreifen – unabhängig davon, wo diese ursprünglich gespeichert sind.
Das Darmstädter DeepTech-Startup Genow wurde 2023 von Dr. Timo Koppe, Adrian Glauben, Dr. Sara Jourdan und Prof. Peter Buxmann als Spin-off aus der TU Darmstadt heraus gegründet.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Motiviert hat uns vor allem der konkrete Bedarf, den wir in Unternehmen im Rahmen von Forschungsprojekten gesehen haben. In der Zusammenarbeit mit Praxispartnern wurde uns schnell klar, dass enormes Wissen vorhanden ist – dieses im Alltag aber kaum effizient genutzt werden kann, weil es über viele Systeme verteilt, unstrukturiert und schwer zugänglich ist oder nur in den Köpfen der Mitarbeitenden gespeichert liegt.
Gleichzeitig haben wir gesehen, dass bestehende Lösungen genau an dieser Stelle an ihre Grenzen stoßen und den fachlichen Kontext in Unternehmen oft nicht ausreichend berücksichtigen.
Der Auslöser für die Gründung war dann die Erkenntnis, dass große Sprachmodelle erstmals in der Lage sind, dieses Problem wirklich zu lösen. Für uns war klar: Das ist nicht nur ein spannendes Forschungsthema, sondern eine echte Chance, ein zentrales Problem vieler Unternehmen nachhaltig zu verbessern und damit für uns genau der richtige Zeitpunkt auszugründen.

Welche Vision verfolgt ihr mit Genow? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, den Zugang zu internem Unternehmenswissen grundlegend zu verändern. Wissen soll nicht länger in einzelnen Systemen oder Köpfen verborgen sein, sondern jederzeit präzise, kontextbasiert und für alle relevanten Mitarbeitenden verfügbar werden.
Langfristig wollen wir erreichen, dass Unternehmen Wissen nicht nur verwalten, sondern aktiv nutzen – für bessere Entscheidungen, effizientere Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI.
Genow soll dabei zum zentralen Zugangspunkt für Unternehmenswissen werden: eine Plattform, über die Organisationen ihre individuellen Wissensagenten betreiben und skalieren, anstatt auf isolierte Einzellösungen angewiesen zu sein.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Als Startup erlebt man jede Woche neue Herausforderungen. Rückblickend war für uns eine der größten Herausforderungen die Übergangsphase vom Bootstrapping hin zur ersten Finanzierungsrunde gewesen.
In den ersten eineinhalb Jahren haben wir Genow vollständig über Kundenprojekte aufgebaut und finanziert und dabei bereits ein Team von rund 17 Personen aufgebaut. Gleichzeitig haben wir früh mit großen Enterprise-Kunden gearbeitet, die sehr hohe Anforderungen an Qualität, Skalierbarkeit und Funktionalität gestellt haben.
Diese Phase war besonders anspruchsvoll, weil wir parallel mehrere Dinge stemmen mussten: anspruchsvolle Kundenprojekte umsetzen, das Produkt skalierbar weiterentwickeln, den Vertrieb aufbauen und gleichzeitig Investoren ansprechen – oft mit noch hoher Unsicherheit in vielen strategischen Entscheidungen.

2025 haben wir dann erfolgreich unsere Seed-Finanzierungsrunde unter Führung des High-Tech Gründerfonds abgeschlossen. Das gibt uns heute die Möglichkeit, deutlich strategischer zu investieren und unsere Weiterentwicklung gezielter voranzutreiben.
Was uns dabei dauerhaft begleitet, ist die Herausforderung, sehr nah am Markt und an unseren Kunden zu arbeiten und gleichzeitig aus einer Vielzahl an Anforderungen die richtigen Prioritäten für unsere Produkt-Roadmap abzuleiten.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Zu Beginn haben wir uns vor allem auf große Unternehmen konzentriert, die besonders hohe Anforderungen an Datensicherheit haben und mit sehr heterogenen, komplexen Informationslandschaften arbeiten. Gerade dort entsteht ein enormer Mehrwert, wenn Wissen systemübergreifend nutzbar gemacht wird.
Mittlerweile sehen wir jedoch, dass unser Produkt gerade im Mittelstand ein besonders großes Potenzial entfaltet. Wir arbeiten branchenübergreifend, aber insbesondere im produzierenden Mittelstand lassen sich viele wertstiftende Anwendungsfälle realisieren.
Das sind häufig Unternehmen mit komplexen Produkten oder Spezialanlagen, bei denen Prozesse in Vertrieb und Service sehr informationsintensiv sind – etwa bei der Angebotserstellung oder bei Rückfragen zu individuellen, oft jahrelang laufenden Kundenprojekten.
Genau hier kann Genow seine Stärken ausspielen: Wir machen historisches, projektspezifisches und verteiltes Wissen jederzeit zugänglich und ermöglichen es, auch für sehr spezifische Anfragen schnell präzise Antworten zu liefern.

Wie funktioniert Genow ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

Genow verbindet sich flexibel mit den bestehenden Systemen eines Unternehmens, von Standardlösungen wie SharePoint, ServiceNow oder SAP bis hin zu individuellen oder auch älteren Legacy-Systemen, in denen oft besonders wertvolles Wissen liegt.
Darauf aufbauend kommt unsere proprietäre Context Engine zum Einsatz: Sie bereitet diese häufig unstrukturierten Daten auf, reichert sie mit Metadaten an und sorgt dafür, dass unsere Wissensagenten die Inhalte im jeweiligen fachlichen Kontext wirklich verstehen und interpretieren können.
Ein entscheidender Vorteil unseres Ansatzes ist, dass wir nicht nur Daten strukturieren, sondern auch die Nutzeranfragen intelligent verarbeiten. Unsere Wissensagenten zerlegen komplexe Fragen automatisch, ergänzen Kontext und liefern präzise Antworten, ohne dass Mitarbeitende selbst „Prompt Engineering“ betreiben müssen.

Gleichzeitig lernen unsere Systeme kontinuierlich mit: Bei jeder Anfrage entstehen wertvolle Insights darüber, wie Wissen genutzt wird, wo Lücken bestehen oder welche Themen besonders relevant sind. So können Unternehmen beispielsweise erkennen, welche Kundenanfragen häufig auftreten, wo Upsell-Potenziale liegen oder an welchen Stellen ihre Wissensbasis gezielt verbessert werden sollte.
So können wir auch auf sehr großen, komplexen Datenmengen skalieren und gleichzeitig schnelle, verlässliche Ergebnisse liefern, etwa für Servicetechniker im Feld oder im Vertrieb bei der Angebotserstellung.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Wir fühlen uns sehr geehrt, als Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“ ausgewählt worden zu sein und freuen uns sehr auf die Veranstaltung im Herbst.
Für uns ist diese Auszeichnung vor allem eine große Wertschätzung für die Arbeit unseres Teams, das jeden Tag mit viel Einsatz an unserer Technologie und der erfolgreichen Umsetzung bei unseren Kunden arbeitet.
Gleichzeitig richten wir unseren Blick klar nach vorne: Unser Fokus liegt darauf, unsere Marktpräsenz weiter auszubauen, noch mehr konkrete Anwendungsfälle mit hohem Mehrwert für unsere Kunden zu entwickeln.
Besonders möchten wir dabei unseren Fokus auf den Mittelstand weiter intensivieren, wo wir aktuell großes Potenzial sehen. Das Feedback aus dem Wettbewerb und von der Jury war für uns dabei sehr wertvoll.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und Genow in fünf Jahren?

In fünf Jahren soll Genow der zentrale Zugangspunkt für internes Unternehmenswissen in Europa sein – und darüber hinaus zunehmend auch international. Unser Ziel ist, dass sich Mitarbeitende nicht mehr fragen müssen, wo Wissen liegt oder wer es hat, sondern jederzeit direkt darauf zugreifen können.
Wir sehen dabei eine starke Entwicklung hin zu deutlich autonomeren Wissensagenten, die auf einem Expertenniveau arbeiten und Unternehmen dabei unterstützen, ihr Wissen nicht nur zugänglich zu machen, sondern aktiv weiterzuentwickeln.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, historisch gewachsenes Expertenwissen im Unternehmen zu halten. Genow soll genau das ermöglichen – als zentrale Plattform, über die Wissen langfristig erhalten, genutzt und weiterentwickelt wird.

Darüber hinaus wollen wir, dass unsere Kunden durch den Einsatz von Genow ihr eigenes Geschäftsmodell weiterentwickeln. Die Plattform soll es immer mehr Kunden ermöglichen, eigene KI-Services aufzubauen – etwa als Ergänzung zu bestehenden Dienstleistungen oder physischen Produkten – und sich so im Wettbewerb klar zu differenzieren.
Unser Anspruch ist es, dass Genow in fünf Jahren nicht nur Prozesse effizienter macht, sondern aktiv dazu beiträgt, wie Unternehmen Wertschöpfung generieren und neue digitale Services entwickeln.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Wenn sich Team und Idee richtig anfühlen, sollte man den Schritt wagen, auch wenn man sich noch nicht vollständig bereit fühlt. Wir haben selbst erlebt, dass man vieles erst auf dem Weg lernt.
Zweitens: Resilienz ist entscheidend. Gerade bei uns haben sich Höhen und Tiefen oft sehr schnell abgewechselt. In solchen Momenten ist es wichtig, dranzubleiben, handlungsfähig zu bleiben und den Blick nach vorne nicht zu verlieren.
Drittens: Die Reise bewusst genießen. Trotz aller Herausforderungen ist Gründen eine besondere Erfahrung. Wir haben gelernt, diese Dynamik, die besonderen Momente mit dem Team und die vielen Möglichkeiten, die sich ergeben, sehr wertzuschätzen.

Bild Genow-Gründerfoto ⓒGenow

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

„Found fast, fail fast“ – der EU-Entwurf zum 28. Regime und seine blinden Flecken im Insolvenzrecht

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Entwurf zum 28 Regime: Insolvenz und Gründer Jakob Krischer Bildcredits Kanzlei VOIGT SALUS

Am 18. März 2026 hat die Europäische Kommission ihren Entwurf für das sogenannte 28. Regime vorgelegt. Das Gesetzesvorhaben ist ambitioniert: Ein freiwilliger, vollständig digitaler europäischer Rechtsrahmen soll Unternehmensgründungen vereinfachen, grenzüberschreitende Tätigkeit erleichtern und die Skalierung innerhalb der EU beschleunigen. Herzstück ist die geplante „EU Inc.“ als einheitliche europäische Gesellschaftsform. Doch was taugt der Entwurf aus Sicht der Insolvenzpraxis?

Dass die Kommission mit ihrem 28. Regime auch das Insolvenzrecht adressiert hat, ist zu begrüßen. Denn die Attraktivität eines Standorts bemisst sich für Gründer nicht nur daran, wie einfach es ist ein Unternehmen zu starten, sondern auch daran, was im Fall des Scheiterns passiert. 

Gründersicht: Schnelles Scheitern ist möglich – aber die Rettung ist schwer

Der Entwurf setzt im Krisenfall auf ein vereinfachtes Abwicklungsverfahren, nicht auf Sanierung. Das ist problematisch, weil der Entwurf sich gezielt an „innovative Start-ups und Scale-ups“ richtet – also junge und schnell wachsende Unternehmen, deren Wert oft in Software, Daten, Technologie oder Know-how liegt. Genau diese Werte lassen sich häufig retten.

Dass dafür aber keine neuen Regelungen vorgesehen sind, sendet ein falsches Signal: Scheitern bedeutet vor allem Abwicklung. Für Gründer heißt das im Zweifel: Wer sein Unternehmen noch retten oder Teile davon erhalten will, muss weiterhin auf nationale Verfahren setzten, obwohl eigentlich ein einheitlicher EU-Rahmen geschaffen werden soll.

Kurze Verfahren mit Verlängerungsoption

Positiv ist hingegen die geplante kurze Verfahrensdauer. Unternehmer haben Interesse daran, das „Kapitel Insolvenz“ möglichst schnell zu beenden. Innerhalb von sechs Monaten soll das Verfahren abgeschlossen sein. Die Option, um sechs Monate zu verlängern, besteht aber ebenfalls. Dennoch bleibt nach dem Entwurf auch das Risiko, dass Verfahren deutlich länger dauern und in ein unbefristetes Verfahren übergehen.

Ein zentraler Punkt bleibt ebenfalls ungelöst: Die Haftung. Der Entwurf enthält keine Erleichterungen für Geschäftsführer. Für Gründer bedeutet das weiterhin ein ernsthaftes persönliches Risiko, insbesondere bei verspäteter Insolvenzantragsstellung. Eine Haftungserleichterung (außer bei Vorsatz) hätte sicherlich positive Auswirkungen auf die Bereitschaft gehabt, unternehmerisch Verantwortung zu übernehmen.

Investorensicht: Mehr Tempo, aber weniger Kontrolle

Für Investoren zählt im Insolvenzfall vor allem, ob ihre Rechte verlässlich durchgesetzt werden. Hier wird es kritisch: Der Entwurf sieht vor, unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Insolvenzverwalter zu verzichten. In diesem Fall verwertet das Start-up/Scale-up sein Vermögen selbst. Das mag effizient wirken, ist aber riskant, gerade bei der Verwertung immaterieller Werte wie spezieller Software, Daten oder des Know-Hows.

Konkret heißt das: Es gibt weniger unabhängige Kontrolle. Gleichzeitig sind Interessenkonflikte vorprogrammiert, wenn Gründer über die Verwertung eigener Assets entscheiden. Für Investoren wäre es damit auch schwerer einschätzbar, ob im Insolvenzfall ihre Sicherheiten tatsächlich zum bestmöglichen Wert realisiert werden. 

Verlässliche und vergleichbare Regeln sind aber entscheidend, um Risiken zu bewerten und Kapital effizient einzusetzen. Entsprechend fordert auch der Bundesverband deutscher Banken europaweit konsistente Standards.

Fazit zum 28. Regime: Guter Ansatz – aber noch nicht gründerfreundlich

Alles in allem geht der Verordnungs-Entwurf in die richtige Richtung. Gründen und Abwickeln sollen damit schneller und einfacher werden.

Aber aus Perspektive der Insolvenzpraxis bleiben einige blinde Flecken:

  • Abwicklung wird beschleunigt, an Rettung aber kaum gedacht 
  • Haftungsrisiken bleiben hoch
  • Investoren haben nicht genug Sicherheit

Für Gründer und Investoren heißt das: Die insolvenzrechtlichen Regelungen verfolgen, wie der gesamte Entwurf das richtige Ziel. Gründen muss einfacher und effektiver werden. Gleiches gilt für die Abwicklung im Fall des Scheiterns. Es fehlen allerdings Vorschriften, welche die Interessen der Gründer und Investoren wirklich stärken. Wenn Europa mehr Start-ups will, braucht es also nicht nur ein „Fail fast“, sondern auch ein „Recover smart“.

Autor Jakob Krischer

Jakob Krischer ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei VOIGT SALUS. Sein Schwerpunkt liegt in der Insolvenzverwaltung. Zudem berät er in Sanierungs- und Restrukturierungsfällen. 

Bildcredits Kanzlei VOIGT SALUS

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

eleQtron Series A Finanzierung über 57 Mio Euro

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eleQtron Series A Finanzierung 57 Mio Euro Bild: eleQtron Jan Henrik Leisse Michael Johanning ©sichtplan

Die eleQtron Series A Finanzierung markiert einen wichtigen Meilenstein für die europäische Quantencomputing-Industrie. Mit 57 Millionen Euro stärkt das Unternehmen seine Position im globalen Wettbewerb und treibt die Kommerzialisierung der Technologie voran.

eleQtron Series A Finanzierung im Überblick

Quantencomputing-Scale-up eleQtron schließt eine der weltweit größten Series-A-Finanzierungen über 57 Mio. Euro ab

● Eine der weltweit größten Series-A-Finanzierungen im Quantencomputing
● Unternehmen der Schwarz Gruppe führen die Runde als Lead-Investor an
● Weitere Beteiligungen neuer und bestehender Investoren, darunter Earlybird
● Mehr als 54 Mio. Euro Auftragsvolumen unterstreichen die kommerzielle Nachfrage

Siegen/Hamburg,5. Mai 2026 – Das Deep-Tech-Unternehmen eleQtron, führender Entwickler von Quantencomputern auf Ionenfallenbasis in Europa, hat eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 57 Mio. Euro abgeschlossen. Die Finanzierungsrunde markiert einen wichtigen Schritt für die industrielle Skalierung der Technologie von eleQtron und unterstreicht die wachsende Dynamik im globalen Wettbewerb um die Kommerzialisierung von Quantencomputing. Sie gehört zu den größten Series-A-Finanzierungen im Quantencomputing weltweit und positioniert eleQtron klar als einen der ambitioniertesten europäischen Anbieter im internationalen Wettbewerb.

eleQtron Series A Finanzierung treibt Skalierung

Lead-Investor ist Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, einer international führenden Unternehmensgruppe im Einzelhandel. Zu den zentralen Investoren und Geldgebern zählt zudem der EIC Fund des European Innovation Council.

Neben neuen Investoren beteiligen sich auch bestehende Investoren wie Earlybird an der Finanzierungsrunde. Zu den neuen Investoren der Finanzierungsrunde zählen die VC-Firma Ankaa Ventures aus Frankreich, der Laser-Ausrüstungs-Spezialist Precitec sowie die Förderbanken NRW.Bank aus Düsseldorf und IFB Hamburg. In den Finanzierungsmitteln ist außerdem eine Individualförderung enthalten.

eleQtron verfügt bereits über ein Auftragsvolumen von über 54 Mio. Euro. Das unterstreicht die wachsende kommerzielle Nachfrage und macht eleQtron zu einem der wenigen Quantencomputing-Unternehmen mit substanziellem Auftragsbestand.

Das frische Kapital fließt nun in den Aufbau skalierbarer Produktionskapazitäten, den Ausbau eines Cloud-basierten Zugangs zu den Systemen sowie in die Weiterentwicklung der Hardwareplattform.

eleQtron Series A Finanzierung stärkt Technologie

Darüber hinaus investiert eleQtron in die Weiterentwicklung seiner proprietären MAGIC-Technologie (Magnetic Gradient Induced Coupling). Sie ermöglicht die hochpräzise Steuerung gefangener Ionen mittels miniaturisierter Mikrowellentechnik und eröffnet damit einen klaren Weg zu skalierbaren Quantencomputern.

“Quantencomputing entwickelt sich derzeit von einer Forschungstechnologie zu einer industriell nutzbaren Infrastruktur. Mit dieser Finanzierung beschleunigen wir diesen Übergang und bauen Systeme, die konkrete Probleme für Industriekunden lösen werden.”, sagt Jan Henrik Leisse, CEO und Mitgründer von eleQtron.

TechnologischeSkalierung für industrielle Anwendung

eleQtron wurde 2020 gegründet und verbindet forschungsbasierte Technologieentwicklung mit einem klaren Fokus auf industrielle Skalierung und Kommerzialisierung. Quantencomputing wird zunehmend als Teil kritischer digitaler Infrastruktur verstanden–vergleichbar mit Rechenzentren, Netzen oder KI-Plattformen. Die Investitionsrunde stärkt die Position von eleQtron als Anbieter skalierbarer Quantencomputing-Systeme für industrielle Anwendungen. Mit dem Kapital des Konsortiums rund um die Unternehmen der Schwarz Gruppe als Lead Investor, wird die Kommerzialisierung des Produkts nun maßgeblich beschleunigt.

„Für uns und unsere Partner steht die digitale Souveränität an oberster Stelle. Nach unseren strategischen Weichenstellungen in den Bereichen Cloud und Künstliche Intelligenz ist die Beteiligung an eleQtron ein konsequenter Baustein. Wir wollen sicherstellen, dass wir bei Schlüsseltechnologien unabhängig bleiben und zukunftsweisende, sichere IT-Infrastrukturen direkt hier in Deutschland aktiv mitgestalten“, sagt Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits.

„eleQtron verbindet eine klar differenzierte Technologie mit einem überzeugenden Ansatz zur Skalierung und Kommerzialisierung von Quantencomputing. Besonders die Kombination aus eigener Technologie und Cloud-basiertem Zugang zeigt, wie aus Forschung konkrete Anwendungen entstehen können. Wir freuen uns, die nächste Wachstumsphase als Investor weiter zu begleiten”, sagte Dr. Hendrik Brandis, Co-Founder & Partner von Earlybird.

„Quantencomputing tritt in eine entscheidende Phase der Industrialisierung ein. Unternehmen wie eleQtron, die wissenschaftliche Exzellenz mit einem klaren Fokus auf skalierbare Systeme verbinden, sind entscheidend, um Europas Stärken in global wettbewerbsfähige Technologien zu übersetzen“, unterstreichtSvetoslava Georgieva, Vorsitzende des Verwaltungsrats des EIC-Fonds.

Bild: eleQtron Jan Henrik Leisse Michael Johanning ©sichtplan

Quelle The Trailblazers

Telefoniert hier schon die nächste Generation im Hintergrund?

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malma.ai Telefonie KI automatisierte Kommunikation Marco Jülke, Leonhard Pöppel und Anton Kirchner Bildcredits malmachen GbR @malmachen GbR

malma.ai entwickelt KI für Telefonie und automatisiert Kundenkommunikation mit skalierbaren Lösungen

Wie ist malma.ai entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?

Wir sind ein Team aus drei Gründern und beschäftigen uns seit 2021 intensiv mit dem Thema Telefon-KI. Angefangen haben wir damals ganz klassisch im Dienstleistungsgeschäft. Über die Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben wir sehr schnell gemerkt, wo die echten Herausforderungen in der Praxis liegen – und genau daraus sind nach und nach konkrete Use Cases entstanden. Diese Lösungen haben wir nicht nur theoretisch gedacht, sondern direkt im Markt umgesetzt, getestet und weiterentwickelt. Parallel dazu ist Schritt für Schritt eine umfassende Plattform entstanden, in der wir all diese Erfahrungen bündeln. So ist schließlich im Jahr 2025 malma.ai entstanden – als Ergebnis aus mehreren Jahren echter Marktarbeit und validierten Anwendungen.

Was war der entscheidende Moment, der euch gezeigt hat, dass KI-gestützte Telefonagenten ein relevantes Problem lösen?

Am Anfang stand für uns die zentrale Frage: Wie lässt sich künstliche Intelligenz überhaupt sinnvoll mit Telefonie verbinden? Gerade 2021 war das technisch alles andere als trivial, weil es schlichtweg noch keine ausgereiften Lösungen am Markt gab. Viele der Technologien, die heute selbstverständlich erscheinen, steckten damals noch in den Kinderschuhen. Genau da haben wir angesetzt. Wir haben früh erkannt, welches Potenzial darin steckt, und haben angefangen, eigene Ansätze zu entwickeln und zu testen. Rückblickend kann man sagen: Wir haben in diesem Bereich von Anfang an echte Pionierarbeit geleistet.

Welche Vision verfolgt malma.ai im Bereich automatisierter Telefonie und Kundenkommunikation?

Unsere Vision ist es, die Prozesse und Use Cases, die wir über die letzten Jahre gemeinsam mit unseren Kunden entwickelt und optimiert haben, für eine breite Masse zugänglich zu machen. Wir haben in einem halben Jahrzehnt extrem viel Erfahrung gesammelt – in Vertrieb, HR, Kundenservice und vielen weiteren Bereichen. Dieses Wissen soll nicht nur einzelnen Unternehmen vorbehalten bleiben, sondern für jeden nutzbar sein. Das bedeutet konkret: Wir wollen Unternehmen dabei helfen, ihre vertrieblichen und operativen Herausforderungen effizient zu lösen; unabhängig davon, ob es sich um ein kleines Unternehmen oder eine große Organisation handelt.

Wie stellt ihr sicher, dass eure KI-Telefonagenten natürlich wirken und von Nutzern akzeptiert werden?

Unsere Systeme entstehen nicht im Labor, sondern direkt im echten Einsatz. Alles, was wir bauen, basiert auf realen Gesprächen, echten Kundenanforderungen und kontinuierlichem Feedback aus dem Markt. Dadurch entwickeln sich unsere Lösungen iterativ weiter und werden Schritt für Schritt natürlicher und besser. Genau dieser praxisnahe Ansatz sorgt dafür, dass unsere KI nicht wie ein theoretisches Produkt wirkt, sondern wie eine echte Unterstützung im Alltag.

Welche Zielgruppen sprecht ihr konkret an und welche Herausforderungen dieser Unternehmen löst malma.ai besonders gut?

Unsere Zielgruppe ist im Grunde jedes Unternehmen, das telefonische Prozesse hat – egal ob Einzelunternehmer, Mittelständler oder Großkonzern. Wir lösen vor allem Herausforderungen wie schlechte oder eingeschränkte Erreichbarkeit, langsame oder ineffiziente Leadbearbeitung sowie fehlende Zeit für wichtige, aber oft liegenbleibende Prozesse (beispielsweise beim Nachtelefonieren von Angeboten oder Bestandskundenpflege). Sowohl im Vertrieb als auch im operativen Alltag sorgen wir dafür, dass genau diese Prozesse zuverlässig und schnell abgedeckt werden.

Was unterscheidet malma.ai von klassischen Callcenter-Lösungen oder anderen KI-Tools im Markt?

Der größte Unterschied ist unser Ursprung. Unsere Plattform ist nicht aus einer reinen Idee oder einem Funding heraus entstanden, sondern aus echten Kundenprojekten. Alles, was wir heute anbieten, wurde vorher im Markt getestet und validiert. Zusätzlich kombinieren wir zwei Welten: Zum einen bieten wir eine skalierbare SaaS-Lösung, die jeder eigenständig nutzen kann. Zum anderen begleiten wir weiterhin ausgewählte Kunden aktiv im Rahmen unserer Dienstleistung und bauen individuelle Systeme. Im Vergleich zu klassischen Callcentern bietet unsere KI klare Vorteile:
• konstant hohe Gesprächsqualität
• jederzeit verfügbar (auch abends oder am Wochenende)
• extrem schnelle Reaktionszeiten
• hohe Skalierbarkeit ohne Engpässe

Welche technologischen oder operativen Hürden begegnen euch aktuell und wie geht ihr damit um?

Die größte Herausforderung lag im Anfang: Es gab keine bestehenden Standards oder Lösungen, auf die man aufbauen konnte. Deshalb haben wir vieles selbst entwickelt, getestet und iterativ verbessert. Genau dieser Prozess hat uns aber auch den entscheidenden Vorteil gegeben, heute wirklich zu verstehen, was funktioniert und was nicht.

Wie integriert sich eure Lösung in bestehende Systeme wie CRM oder Vertriebstools?

Unsere Lösung lässt sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren. Viele wichtige Anbindungen – insbesondere für Vertriebs- und Leadprozesse – sind bereits vorbereitet. Gleichzeitig bieten wir genug Flexibilität für Unternehmen oder Entwickler, die eigene Automationen und Workflows aufbauen möchten. Damit passt sich unsere Plattform an bestehende Prozesse an – und nicht umgekehrt.

Welche Rolle spielt Vertrauen, gerade wenn KI eigenständig mit Kunden telefoniert?

Vertrauen entsteht bei uns nicht durch Versprechen, sondern durch Ergebnisse. Unsere Kunden sehen sehr schnell, welchen Mehrwert die Systeme liefern, sei es durch Zeitersparnis, bessere Erreichbarkeit oder effizientere Prozesse. Genau diese Ergebnisse sorgen dafür, dass Unternehmen bereit sind, KI auch in der direkten Kommunikation mit ihren Kunden einzusetzen.

Wohin entwickelt sich malma.ai in den nächsten Jahren und welche neuen Funktionen oder Märkte sind geplant?

Wir werden unsere Plattform kontinuierlich weiterentwickeln und immer die bestmöglichen Technologien integrieren, die am Markt verfügbar sind. Gleichzeitig liegt ein großer Fokus darauf, die Lösung noch einfacher zugänglich zu machen und Unternehmen stärker dabei zu unterstützen, die richtigen Use Cases umzusetzen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Aufbau eines Partner- und White-Label-Netzwerks. Damit ermöglichen wir es Agenturen und Partnern, unsere Technologie für ihre eigenen Kunden zu nutzen und eigenständig weiterzuführen.

Welche Learnings aus eurer bisherigen Reise würdet ihr anderen Gründern mitgeben?

Unsere wichtigste Erkenntnis: Echte Erfahrung schlägt jede Theorie. Viele Lösungen klingen auf dem Papier gut, funktionieren aber in der Praxis nicht. Deshalb ist es entscheidend, früh in den Markt zu gehen, zu testen und aus echten Anwendungen zu lernen. Außerdem gilt für uns ganz klar: Qualität schlägt Quantität. Ein funktionierender Use Case ist mehr wert als zehn halbfertige Ideen.

Wenn ihr heute drei konkrete Ratschläge an angehende Gründer geben würdet, welche wären das?

  1. Baut echte Lösungen und keine Präsentationen.
  2. Testet eure Ideen so früh wie möglich im Markt.
  3. Arbeitet eng mit echten Kunden zusammen und entwickelt eure Produkte aus deren Anforderungen heraus.

Bild:Marco Jülke, Leonhard Pöppel und Anton Kirchner Bildcredits malmachen GbR

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

David gegen Goliath: Wie junge Unternehmen ohne Markenmacht in KI-Systeme kommen 

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KI Systeme Sichtbarkeit Start ups Inhalte nutzen Magdalena Mues Bildcredits/Fotografin: Melanie Hauke

Im klassischen SEO gewinnen fast immer die Großen. Starke Domains, jahrelange Autorität, riesige Content-Teams – wer als junges Unternehmen gegen etablierte Konzerne antreten will, braucht viel Geduld und noch mehr Budget. Doch in KI-gestützten Suchsystemen wie ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Modus gelten andere Regeln. Und genau jetzt entsteht ein Zeitfenster, das Start-ups nutzen können.

Warum die alten Regeln nicht mehr gelten

Google bewertet, wie „stark“ eine Domain insgesamt ist – und zwar gemessen an Backlinks (wie viele andere Websites auf dich verlinken), Domain-Alter und technischer Qualität. Ein Konzern mit 20 Jahren Online-Präsenz und Tausenden Backlinks hat hier einen enormen Vorsprung. Wer als Newcomer mitspielen will, kämpft gegen einen fast uneinholbaren Vorsprung.

KI-Systeme funktionieren fundamental anders. Sie bewerten Inhalte nicht primär über Domainautorität, sondern über semantische Relevanz – also: Beantwortet dieser Inhalt die Frage präzise, verständlich und faktenbasiert? Gleichzeitig fließen externe Signale ein, die nichts mit klassischen Links zu tun haben. Wird eine Marke in Fachmedien erwähnt? Ist die Tonalität positiv? Sind die Botschaften über verschiedene Quellen hinweg konsistent? All das beeinflusst, ob eine KI ein Unternehmen als vertrauenswürdige Quelle einstuft – unabhängig von dessen Größe.

Das Zeitfenster ist jetzt

Die meisten Konzerne haben das Thema Generative Engine Optimization (GEO) noch nicht strategisch auf dem Radar. Ihre Marketing-Teams optimieren weiterhin für klassische Rankings, während KI-Systeme längst eigene Antworten generieren – mit eigenen Quellen, eigenen Auswahlmechanismen und eigenen Relevanzkriterien.

Für Start-ups bedeutet das: Wer heute versteht, wie KI-Systeme Inhalte auswählen und zitieren, kann sich mit vergleichsweise geringem Aufwand in den Antworten dieser Systeme positionieren. Ähnlich wie bei den frühen Tagen der Suchmaschinenoptimierung, als agile Unternehmen wie Zalando die Trägheit etablierter Händler nutzten, um überproportional zu wachsen.

Was Start-ups strukturell anders machen können

Junge Unternehmen haben in mehrfacher Hinsicht strukturelle Vorteile, wenn es um Sichtbarkeit in KI-Systemen geht:

Echte Expertise statt generischer Content

Anders als Menschen im Konzern stecken Gründer:innen selbst tief in ihrem Thema. Sie kennen die Probleme ihrer Zielgruppe aus erster Hand und haben eigene Erfahrungen, Meinungen sowie Daten. Das erzeugt Inhalte, die KI-Systeme als zitierwürdig einstufen. Denn sie sind einzigartig, erfahrungsbasiert und konkret.

Geschwindigkeit und Frequenz

Ein Großunternehmen braucht für einen Blogartikel oft: Briefing → Agentur → Entwurf → Abstimmungsschleifen → Freigabe. Das dauert Tage oder sogar Wochen.

Ein:e Start-up-Gründer:in setzt sich dagegen hin und schreibt, nimmt ein Video auf oder postet auf LinkedIn. Und zwar innerhalb weniger Stunden. Diese Geschwindigkeit ist wichtig, weil KI-Systeme aktuelle Inhalte bevorzugen. Wer regelmäßig und schnell publiziert, ist deshalb im Vorteil.

Fokus statt Breite

Ein Start-up besetzt häufig nur ein Thema oder eine klare Nische. Alle Inhalte kreisen darum. Genau dieser Fokus erzeugt das, was KI-Systeme suchen: thematische Tiefe und Konsistenz über verschiedene Quellen hinweg.

Persönlichkeit statt Corporate-Sprache

KI-Systeme können mittlerweile gut unterscheiden zwischen generischem „Wir sind der führende Anbieter für…“-Content und Inhalten mit einer echten menschlichen Stimme. Gründer:innen, die offen über Fehler, Learnings und Überzeugungen sprechen, produzieren schwer replizierbare Inhalte. Genau diese Art von Content kann ein Konzern nur selten liefern.

Sichtbarkeit entsteht nicht nur auf der eigenen Website

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass KI-Sichtbarkeit ausschließlich über die eigene Website funktioniert. Tatsächlich spielen externe Signale eine mindestens ebenso große Rolle. Dazu zählen Erwähnungen in Fachmedien, Beiträge auf Branchenplattformen, fundierte Gastbeiträge, Community-Engagement in Foren oder konsistente Thought-Leadership-Aktivitäten auf LinkedIn.

KI-Systeme aggregieren all diese Quellen, um sich ein Bild von einer Marke zu machen. Wer an vielen relevanten Stellen mit einer konsistenten Botschaft auftaucht, wird unabhängig von der Unternehmensgröße von der KI als vertrauenswürdige Quelle eingestuft.

Der Einstieg muss nicht kompliziert sein

Start-ups, die heute mit GEO beginnen wollen, brauchen keine riesigen Budgets. Drei Schritte reichen für den Anfang:

Den eigenen Status quo checken

Öffne ChatGPT, Perplexity und den Google KI-Modus. Gib Fragen ein, die deine potenziellen Kund:innen stellen würden, zum Beispiel: „Welche Anbieter gibt es für [dein Thema]?“. Taucht dein Name auf? Wenn ja, in welchem Kontext? Wenn nein – wer wird stattdessen genannt? Das dauert nur rund 30 Minuten und gibt dir ein klares Bild davon, wo du aktuell stehst.

Einen einzigen Inhalt richtig gut machen

Nicht zehn Blogartikel auf einmal, sondern ein einziger, wirklich guter Beitrag zu der einen Frage, für die du Expert:in bist. Konkret bedeutet das: klare Überschriften, ein Gedanke pro Absatz sowie eigene Erfahrungswerte statt allgemeiner Ratschläge. Außerdem helfen aktuelle Zahlen oder Beispiele. Denk beim Schreiben daran: Würde ich diese Antwort einer Kollegin genauso erklären?

Außerhalb der eigenen Website sichtbar werden

Ein LinkedIn-Post mit einem konkreten Learning aus deinem Fachgebiet kann bereits helfen. Gleiches gilt für einen Gastbeitrag in einem Fachmedium oder einen Kommentar in einem Branchenforum, der echten Mehrwert liefert. KI-Systeme bewerten nicht nur deine Website, sondern alles, was im Netz über dich zu finden ist. Je öfter dein Name im richtigen Kontext fällt und je konsistenter deine Botschaft ist, desto eher stuft die KI dich als relevante Quelle ein.

Wer früh versteht gewinnt

Die Spielregeln der digitalen Sichtbarkeit werden gerade neu geschrieben. Zum ersten Mal seit langer Zeit haben junge Unternehmen die Chance, neben den Großen genannt zu werden – nicht trotz ihrer Größe, sondern wegen ihrer Agilität, Fokussierung und Authentizität. Das Zeitfenster ist offen. Aber es wird sich schließen, sobald auch die Konzerne aufwachen.

Bildcredits/Fotografin: Melanie Hauke

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

ENVIOTECH Straßenbeleuchtung sichert sich über 1 Mio Euro

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ENVIOTECH Straßenbeleuchtung erhält Finanzierung founders LInh pham und adrian pham Bildcrdits Ivegnia Möbus

ENVIOTECH Straßenbeleuchtung steht im Zentrum einer neuen Finanzierungsrunde für intelligente urbane Infrastruktur. Das Frankfurter Startup entwickelt Lösungen, die bestehende Straßenlaternen effizient nachrüsten und Städte digital transformieren.

ENVIOTECH Straßenbeleuchtung und der Ursprung der Idee

Straßenlaternen statt Bankkarriere: Warum diese Gründer alles auf eine Karte setzten

ENVIOTECH sichert sich über 1 Mio. Euro Finanzierung für intelligente Straßenbeleuchtung

FRANKFURT AM MAIN – Als der beste Freund von Adrian Rhaese nach einem Fahrradunfall verletzt wurde, weil in einer deutschen Stadt aufgrund gestiegener Stromkosten Straßenlaternen abgeschaltet worden waren, ließ ihn ein Gedanke nicht mehr los: „Wie kann es sein, dass eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt noch immer auf veraltete öffentliche Infrastruktur angewiesen ist? Und warum zählt ausgerechnet Sicherheit zu den ersten Bereichen, an denen gespart wird, sobald der Kostendruck steigt?“

Was als persönlicher Wendepunkt begann, wurde zum Fundament von ENVIOTECH, einem Frankfurter Smart-City-Startup, das intelligente Nachrüstlösungen für Straßenbeleuchtung entwickelt.

Heute gibt ENVIOTECH den Abschluss einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von über 1 Mio. Euro bekannt. Angeführt wird die Runde von Jürgen Fitschen, ehemaliger Co-CEO der Deutschen Bank. Darüber hinaus beteiligen sich Joachim Drees, ehemaliger CEO von MAN, Alexander Eyhorn, Gründer von Bidirex, sowie Danilo Jovicic-Albrecht, Mitgründer von Vialytics.

ENVIOTECH Straßenbeleuchtung als Lösung für Städte

Für Adrian blieb es nicht bei der Frage nach dem Warum. Er entschied sich bewusst, den sicheren und angesehenen Karriereweg bei der Deutschen Bank hinter sich zu lassen, um ENVIOTECH aufzubauen. Auch Linh Pham entschied sich früh für das Unternehmertum: Bereits mit 15 gründete sie ihr erstes Unternehmen. Nach einer Station bei der Deutschen Bank kehrte sie bewusst in die Startup-Welt zurück und baut mit ENVIOTECH nun ihr zweites Unternehmen auf. Gemeinsam stehen sie für eine neue Generation von Gründerinnen und Gründern, die sich nicht von Komfort oder Konvention leiten lässt, sondern von dem Anspruch, reale Probleme mit spürbaren gesellschaftlichen Folgen zu lösen.

„Wir haben ENVIOTECH nicht gegründet, weil Smart City nach einem spannenden Trend klang“, sagt Adrian Rhaese. „Wir haben gegründet, weil wir aus nächster Nähe erlebt haben, was geschieht, wenn kritische Infrastruktur nicht intelligent genug gesteuert wird. Wenn Straßen dunkel werden, sind die Folgen unmittelbar spürbar – für Sicherheit, Lebensqualität und das Vertrauen in öffentliche Systeme. Genau dieses Problem lösen wir.“

ENVIOTECH ermöglicht es Städten, bestehende Straßenbeleuchtung intelligent nachzurüsten, anstatt sie kostenintensiv vollständig ersetzen zu müssen. Das Retrofit-System lässt sich in unter 15 Minuten in bestehende Infrastruktur integrieren und versetzt Kommunen in die Lage, Straßenleuchten bedarfsgerecht zu dimmen, zentral zu steuern und in Echtzeit zu überwachen. So können Energieverbräuche um bis zu 80 Prozent gesenkt, Kosten reduziert und gleichzeitig die öffentliche Sicherheit verbessert werden.

ENVIOTECH Straßenbeleuchtung treibt Wachstum voran

Eine frühe externe Bestätigung erhielt das Unternehmen zudem durch die Aufnahme in das EWOR Fellowship, das selektivste Founder Fellowship weltweit.

„Als Adrian mir erzählte, dass er die Deutsche Bank verlassen hat, um Straßenbeleuchtung zu verbessern, wusste ich sofort, mit welcher Art von Gründer ich es zu tun habe. Die besten Gründerinnen und Gründer, in die wir investieren, jagen keinen Trends hinterher. Sie verfolgen Probleme, die sonst niemand lösen will. Adrian und Linh sind genau solche Gründerpersönlichkeiten“, sagt Daniel Dippold, Gründer und CEO von EWOR.

Mit dem frischen Kapital will ENVIOTECH die Pilotprojekte und Rollouts mit Kommunen und Infrastrukturpartnern ausbauen, das eigene Produkt- und Technologieportfolio weiterentwickeln und die Grundlage für die nächste Wachstumsphase schaffen. Die Ambition ist klar: bestehende urbane Infrastruktur intelligenter, effizienter und einfacher steuerbar zu machen – beginnend mit der Straßenbeleuchtung.

Bild: Gründer Linh Pham und Adrian Rhaese Bildcredits  Ivegnia Möbus

Quelle ENVIOTECH GmbH

odacova Plattform Betriebskantinen erhält Investment von capacura

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odacova Plattform Betriebskantinen erhält Investment Bild: odacova Founder Team (Robin Wiebusch, li., Timo Sievernich, re.)

Die odacova Plattform Betriebskantinen steht im Fokus eines neuen Investments durch den Impact-Investor capacura. Das HealthTech-Startup will mit einer datenbasierten Lösung die Ernährung im Arbeitsalltag nachhaltig verbessern und digitalisieren.

odacova Plattform Betriebskantinen im Überblick

capacura investiert in das HealthTech-Startup odacova
Datenbasierte Plattform soll Ernährung in Betriebskantinen revolutionieren

Der Kölner Impact-Investor capacura GmbH beteiligt sich am HealthTech-Startup odacova. Das junge Unternehmen entwickelt eine datengestützte Plattform, die Mitarbeitende, betriebliches Gesundheitsmanagement und Catering-Anbieter datenbasiert miteinander vernetzt und so gesündere Ernährungsentscheidungen im Arbeitsalltag erleichtern soll. Mit dem Investment baut capacura sein Portfolio im Bereich innovativer digitaler Gesundheitslösungen weiter aus.

odacova Plattform Betriebskantinen löst Alltagsprobleme

Großer Hebel für Gesundheit im Arbeitsalltag

Allein in Deutschland essen an Werktagen mehrere Millionen Menschen in Kantinen, Betriebsrestaurants und Großküchen. Mit rund 8.000 Standorten und bis zu 17 Millionen ausgegebenen Mahlzeiten täglich stellt die betriebliche Gemeinschaftsverpflegung einen bedeutenden – bislang jedoch wenig digitalisierten – Einflussfaktor auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Mitarbeitenden dar.

Genau hier setzt odacova an: Die Plattform analysiert das Kantinenangebot und stellt Mitarbeitenden für jedes Gericht eine individuelle, wissenschaftlich fundierte Einordnung bereit. Grundlage ist ein personalisierter Gesundheits-Score, der Nährwerte, individuelle Präferenzen sowie mögliche Unverträglichkeiten berücksichtigt. Ziel ist es, gesündere Optionen sichtbar zu machen und so bessere Entscheidungen im Moment der Essenswahl zu ermöglichen.

Gesunde Ernährung scheitert im Arbeitsalltag häufig nicht am Wissen, sondern an der Umsetzung. Viele Mitarbeitende treffen ihre Essensentscheidungen unter Zeitdruck und ohne klare Orientierung. Gleichzeitig verursachen Krankheitstage für Unternehmen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Ernährungsbedingte Faktoren können dabei eine wesentliche Rolle spielen.

odacova Plattform Betriebskantinen ermöglicht Skalierung

Digitale Lösung für die Betriebsgastronomie

odacova greift direkt im Moment der Essensauswahl ein. Statt abstrakter Ernährungsempfehlungen erhalten Mitarbeitende konkrete, personalisierte Informationen zu den angebotenen Gerichten. Die Plattform analysiert zudem kontinuierlich reale Auswahl- und Nutzungsdaten aus Kantinen und ermöglicht so eine datenbasierte Weiterentwicklung des Angebots.Das Geschäftsmodell basiert auf einer skalierbaren B2B SaaS-Lösung, darüber Catering-Partner in bestehende Kantinenstrukturen integriert wird. Unternehmen können die Plattform als Teil ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements einsetzen. Einnahmen generiert odacova über Lizenzmodelle pro Mitarbeiterrestaurant.

Frühe Partnerschaften ermöglichen schnelle Skalierung

Bereits in einer frühen Phase kooperiert das Startup mit Aramark, einem der weltweit führenden Catering-Dienstleister. Dadurch erhält odacova Zugang zu einer Vielzahl von Mitarbeiterrestaurants und kann seine Lösung in realen Betriebsgastronomie-Umgebungen einsetzen.

Der Markteintritt erfolgt in einem Umfeld mit starkem strukturellem Rückenwind: Der Markt für digitale Lösungen im Contract Catering wächst dynamisch, während gleichzeitig Themen wie personalisierte Ernährung, Corporate Health und datengetriebene Anwendungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Gründerteam mit technologischer und unternehmerischer Erfahrung

Gegründet wurde odacova von Timo Sievernich (CEO) und Robin Wiebusch (CTO). Beide verfügen über einen technischen Hintergrund mit Abschlüssen in Elektro- und Informationstechnik an der TU Dortmund und bringen Erfahrung im Aufbau datenbasierter Systeme mit.

Timo Sievernich beschäftigte sich bereits früh intensiv mit personalisierter Ernährung und war unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Personalisierte Ernährung“ an der DHBW Heilbronn.

Robin Wiebusch verantwortet als CTO die technische Entwicklung von odacova und bringt umfassende Erfahrung in Fullstack-Entwicklung, Machine Learning und dem Aufbau skalierbarer Softwaresysteme mit.

Bereits vor odacova entwickelten sie mit FoodBrain eine B2C-Lösung im Bereich Ernährung und Gesundheit und sammelten dort wertvolle unternehmerische Erfahrungen in Produktentwicklung, Nutzerbedürfnisse und Go-to-Market, die sie für den Aufbau von odacova nutzen konnten.

Bild: odacova Founder Team (Robin Wiebusch, li., Timo Sievernich, re.)

Quelle capacura GmbH

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