Freitag, Oktober 16, 2026
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Sicher im Interview mit der Presse: 6 Tipps für Gründer

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Interview: Tipps für Journalisten und Gründerinnen und Gründer Anna Ferdinand Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Eine Interviewanfrage von einer Wirtschaftszeitung, einem Fachmagazin, Podcast oder TV-Format ist für Gründerinnen und Gründer eine echte Chance: Sie können ihr Business, ihre Expertise und ihre Positionierung vor Menschen sichtbar machen, die sie über die eigenen Marketingkanäle nicht erreichen würden.

Damit aus dem Interview auch ein gelungener Beitrag wird, braucht es etwas Vorbereitung. Denn auch wenn der Journalist die Fragen stellt, kannst du als Gründer beeinflussen, welche Botschaften hängen bleiben. Diese sechs Tipps helfen dabei, klar, souverän und ohne Marketingfloskeln aufzutreten.

Kenne das Medium

Kein Interview ohne Vorbereitung: Informiere dich über das Medium, den Journalisten und die bisherige Berichterstattung zu deinem Themengebiet. Wie ist die Tonalität? Eher fachlich, kritisch oder provokativ? Für welche Zielgruppe berichtet das Medium?

Schau dir auch frühere Interviews des Journalisten an. So bekommst du ein Gefühl dafür, welche Fragen und Perspektiven ihn interessieren. Erst wenn du weißt, mit wem du sprichst und für wen der Beitrag entsteht, kannst du dich zielgerichtet vorbereiten.

Bereite Fakten und Key Messages vor

Vor dem Interview solltest du genau wissen, welche Informationen und Botschaften du vermitteln willst. Dazu gehören die wichtigsten Unternehmensdaten ebenso wie maximal drei Key Messages, die im Gespräch hängen bleiben sollen.

Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Investoren, relevante KPIs oder aktuelle Marktdaten sollten sicher sitzen und belegbar sein. Gleichzeitig brauchst du eine kurze und verständliche Erklärung deines Geschäftsmodells: Welches Problem löst ihr, für wen und wie?

Deine Key Messages sollten darüber hinaus eine klare Haltung oder interessante Perspektive enthalten. Was sollen Leser, Hörer oder Zuschauer nach dem Interview verstanden haben? Gute Botschaften liefern einen Mehrwert für die Zielgruppe und sind für die journalistische Berichterstattung anschlussfähig.

Denn: Die Presse ist nicht dein verlängerter Marketingkanal. Leere Marketingfloskeln interessieren Redaktionen wenig. Gefragt sind belastbare Fakten, klare Aussagen und neue Perspektiven.

Kenne deine Don’ts

Mindestens genauso wichtig wie die Frage „Was möchte ich sagen?“ ist: „Worüber möchte ich nicht sprechen?“

Journalisten stellen gezielt Nachfragen, um neue Informationen zu bekommen. Deshalb solltest du vorher festlegen, wo deine Grenzen liegen. Welche Zahlen sind vertraulich? Welche Gespräche mit Investoren oder Partnern sind noch nicht öffentlich? Über welche Wachstumsziele möchtest du nur grob sprechen?

Du musst nicht jede Frage mit einer konkreten Zahl beantworten. Statt eines exakten Umsatzes kannst du beispielsweise eine Größenordnung nennen. Statt eines detaillierten Forecasts lässt sich eine prozentuale Entwicklung beschreiben. Entscheidend ist, dass du dir diese Grenzen vor dem Interview überlegst und nicht erst unter Druck.

Bereite dich auf kritische Fragen vor

Eine Interviewvorbereitung sollte sich nicht nur mit den angenehmen Fragen beschäftigen. Überlege, was ein kritischer Journalist fragen könnte: Warum ist euer Produkt wirklich besser als bestehende Lösungen? Was spricht gegen euer Geschäftsmodell? Warum schreibt ihr noch Verluste? Wie reagiert ihr auf Kritik an eurer Branche?

Bereite darauf klare Antworten vor. Kritische Fragen wegzulächeln oder auszuweichen, wirkt schnell unsicher.

Wenn du etwas nicht weißt, sag es. Wenn eine Annahme des Journalisten aus deiner Sicht falsch ist, korrigiere sie sachlich. Und wenn du eine Information nicht nennen kannst, erkläre kurz warum.

Klar, verständlich und authentisch antworten

Im Interview selbst gilt: Bleib professionell und du selbst. Wer plötzlich besonders förmlich, glatt oder einstudiert spricht, wirkt schnell weniger glaubwürdig. Authentisch zu antworten heißt aber nicht, einfach draufloszureden.

Antworte bewusst, klar und verständlich. Beantworte zuerst die konkrete Frage und ergänze dann deine wichtigste Botschaft. Statt ausschweifender Sätze wähle konkrete Beispiele und eine einfache Sprache.

Auch Pausen sind erlaubt. Nimm dir einen Moment zum Nachdenken, wenn du ihn brauchst. Das wirkt souveräner als eine vorschnelle Antwort, die du später relativieren musst.

Ziel ist nicht, perfekt zu klingen. Deine Aussagen sollten verständlich, zitierfähig und trotzdem nach dir klingen.

Nutze das Interview auch nach dem Gespräch

Die wenigsten Redaktionen schicken einen Beitrag vor Veröffentlichung komplett zur Freigabe. Du kannst aber vorab fragen, ob dir direkte Zitate zur Autorisierung geschickt werden. Wird eine Autorisierung vereinbart, sollte sie dazu dienen, Aussagen sachlich korrekt wiederzugeben – nicht dazu, das Interview nachträglich in einen Marketingtext umzuschreiben.

Frage außerdem, wann der Beitrag voraussichtlich erscheint. Ist er veröffentlicht, kannst du ihn für deine eigene Kommunikation nutzen: auf Social Media, in der Kundenkommunikation oder im Pressebereich deiner Website.

Der Wert eines guten Interviews endet nicht am Erscheinungstag. Eine Medienplatzierung kann langfristig zeigen, wofür du und dein Business stehen.

Wichtig ist: Gründerinnen und Gründer können nicht kontrollieren, was ein Journalist über sie schreibt. Aber mit einer guten Vorbereitung können sie sehr wohl beeinflussen, was an relevanten Informationen, starken Zitaten und belastbaren Fakten über sie erscheint.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was Gen Z erfahrenen Gründer:innen voraushat — und umgekehrt

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Gen Z: Was Gründer:innen voneinander lernen können Fotografin Marzena Seidel

Was lernen die beiden Seiten in einem gemischten Gründerteam wirklich voneinander, wenn sie sich nicht gegenseitig belehren? In unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder dieselben Lernlinien — und sie sind anders, als die üblichen Klischees vermuten lassen. Vor allem aber: Sie kommen nur zustande, wenn die Hierarchie aus dem Raum geht.

Der gefährlichste Lernmodus: einer lehrt, eine:r hört zu

In vielen gemischten Gründerteams läuft Lernen unausgesprochen so: Die erfahrene Person erklärt, wie es geht. Die jüngere Person nickt. Beide gehen mit dem Gefühl raus, etwas Konstruktives getan zu haben. Beide haben wenig gelernt.

Der Grund ist einfach: Sobald jemand „Lehrer:in“ ist, wird das Gespräch zur Bühne, nicht zum Austausch. Wer erklärt, prüft das eigene Wissen nicht. Wer zuhört, übersetzt nicht in den eigenen Kontext. Lernen passiert weder bei der einen noch beim anderen.

Was wirklich Lernen ermöglicht, ist ein anderer Modus: zwei Menschen, die ehrlich sagen, was sie beim jeweils anderen sehen — und dafür kurz die eigene Expertise zur Seite legen.

Was Gen Z von erfahrenen Gründer:innen tatsächlich mitnimmt

Das offensichtliche Klischee lautet: Junge lernen von Erfahrenen, „wie man eine GmbH gründet“ oder „wie man mit Investoren spricht“. In Wirklichkeit ist das selten der Punkt. Diese Dinge stehen in Tutorials und Foren. Was tatsächlich nur durch erlebte Praxis weitergegeben werden kann, ist subtiler.

Strategische Geduld

Wann reagiere ich auf eine Mail nicht? Wann lasse ich einen Konflikt offen, weil er sich von selbst klärt? Diese Form von „Nicht-Handeln als Strategie“ ist für viele jüngere Gründer:innen kontraintuitiv — und sie ist erlernbar, aber nicht über Bücher.

Eskalations-Choreografie

Wie wird ein Konflikt in mehreren Stufen geführt, ohne ihn zu eskalieren oder zu unterdrücken? Wer 25 Jahre Vertrieb hinter sich hat, hat dafür ein Repertoire, das nicht in einem Workshop entsteht.

Beziehungspflege als langfristiges Asset

Warum lohnt sich eine Investor-Mail, die Jahre später erst Geld bringt? Diese Form von „Investitionen in Beziehungen, die sich erst spät auszahlen“, lernt man am besten daran, wie erfahrene Mitgründer:innen ihren Kalender pflegen — und wem sie wann unaufgefordert schreiben.

Krisensteuerung

Was passiert konkret, wenn der wichtigste Kunde abspringt, ein Pitch-Termin geplatzt ist und die Liquidität knapp wird — und zwar an einem Mittwoch? Erfahrene Gründer:innen haben einen Reflex, jüngere müssen ihn erst entwickeln. Das geht nur, wenn sie zusehen, wie es jemand anders macht.

Was erfahrene Gründer:innen von Gen Z tatsächlich mitnehmen

Hier kippt das Klischee andersherum: Erfahrene lernen angeblich „wie man TikTok bedient“ oder „wie KI funktioniert“. Auch das ist meistens nicht der Punkt. Was wir konsistent sehen:

Direktheit ohne Hintergedanken

Jüngere Gründer:innen sprechen Spannungen oft direkter an, ohne politische Kalkulation. Für erfahrene Mitgründer:innen, die in Strukturen mit Eskalations- und Karrierelogik sozialisiert wurden, ist das anfangs irritierend — und langfristig eine echte Entlastung.

Geschwindigkeit beim Testen

„Lass uns nicht drei Wochen über die Landingpage diskutieren, lass uns sie online stellen und in zwei Tagen wissen, ob die Hypothese stimmt“ — diese Logik durchbricht endlose Konzeptionsrunden. Wer das einmal erlebt hat, denkt anders über Vorbereitungstiefe.

Werte als Teil des Geschäftsmodells

Jüngere Gründer:innen verhandeln Werte selten weg — auch dann nicht, wenn ein Investor das nahelegt. Was wie idealistische Sturheit aussehen kann, ist häufig eine harte ökonomische Beobachtung: Marken mit klarer Haltung performen langfristig anders als beliebige. Diese Beobachtung ist relativ neu — und sie ist erlernbar.

KI als selbstverständliches Werkzeug

Nicht als Hype, nicht als Tool, sondern als Standard-Schicht in jeder Arbeitsstunde. Wer das von Anfang an so denkt, kommt zu anderen Prozessen als jemand, der KI als Add-on versteht.

Drei Formate, mit denen Lernen ohne Hierarchie funktioniert

Lernen zwischen den Generationen passiert selten von allein. Drei Formate haben sich in der Beratungsarbeit als belastbar erwiesen.

Reverse Mentoring mit klarer Themenliste

Klassisches Mentoring kennen alle. Reverse Mentoring funktioniert anders herum: Das jüngere Teammitglied bringt einer erfahreneren Person ein Thema bei, das in der eigenen Lebensphase selbstverständlich ist. Wichtig: nicht „zeig mir mal“, sondern eine konkrete Themenliste über vier bis sechs Wochen, mit klaren Lernzielen.

Entscheidungs-Tandem

Bei jeder größeren Entscheidung entscheidet ein Tandem aus zwei unterschiedlichen Lebensphasen gemeinsam — nicht im Konsens, sondern indem beide ihre Sicht offen darlegen, bevor entschieden wird. Das verlangsamt nichts, weil die Entscheidung sowieso fällt. Es verändert nur, was gehört wird.

Failure Friday

Einmal pro Woche tauschen zwei Personen aus dem Team Geschichten aus, in denen sie gescheitert sind. Eine aus dieser Woche, eine aus früheren Jahren. Wer beides nebeneinander hört, lernt schneller, in welchen Mustern Fehler entstehen — und welche davon zeitunabhängig sind.

Was passiert, wenn Lernen wirklich gegenseitig wird

In den Teams, die diese Lernarbeit ernst nehmen, verschwindet etwas leise im Hintergrund: das „wir gegen die“. Die jüngere Seite hört auf, von „den Alten“ zu sprechen. Die erfahrenere Seite hört auf, „die Jungen“ als Kategorie zu denken. Übrig bleiben Menschen, die unterschiedliche Dinge gut können — und die wissen, was sie beim anderen finden.

Das ist nicht harmonisch im Sinne von konfliktfrei. Die Reibung bleibt. Sie wird nur produktiv.

Im dritten und letzten Teil dieser Serie zeigen wir, wie generationsübergreifende Beratung in der Praxis aussieht — am Beispiel unseres eigenen Mutter-Tochter-Settings.

Mitautorin: Arabella Tornow ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coaching und Host des Podcasts „Masculinity Now“. Sie arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Gespräch, Energiearbeit und innerer Bewusstseinsarbeit. Ihre Themen: Selbstliebe, Selbstvertrauen und Empowerment – jenseits von Perfektionismus und fremden Erwartungen. Sie ist die Tochter von Ortrud Tornow.

Bild Fotografin Marzena Seidel

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

platoniq: Wie eine App für soziale Gesundheit Einsamkeit bekämpft

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platoniq: soziale Gesundheit und Beziehungen stärken Bild von links nach rechts Daniel Stachnik, Lara Sachs und Dr. Silvan Hornstein Fotograf: Leo Seidel

platoniq rückt soziale Gesundheit in den Fokus und unterstützt Menschen dabei, ihre Beziehungen mit wissenschaftlich fundierten digitalen Angeboten zu stärken.

Können Sie platoniq kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, soziale Gesundheit digital zu fördern?

In meiner Promotion in Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin habe ich zu digitalen Interventionen in der psychischen Gesundheitsversorgung geforscht. Dabei ist mir aufgefallen, dass es kaum Angebote gibt, die sich explizit auf soziale Beziehungen konzentrieren. Aus dieser Einsicht ist platoniq entstanden. Hier entwickeln wir evidenzbasierte Angebote, die Menschen dabei unterstützen, starke Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

Wer steht hinter platoniq, und welche Erfahrungen aus Psychologie und Softwareentwicklung fließen in das Unternehmen ein?

Ich habe platoniq gemeinsam mit Lara Sachs und Daniel Stachnik gegründet. Lara ist als ehemalige Strategieberaterin für unternehmerische Themen verantwortlich, Daniel als Softwareentwickler für alles technische. Ich verantworte psychologische und wissenschaftliche Themen, hier arbeiten wir auch eng mit unseren universitären Partnern zusammen.

Welche Vision verfolgen Sie mit platoniq, und warum sollte soziale Gesundheit stärker als Teil der Gesundheitsprävention verstanden werden?

Die WHO definiert Gesundheit als physisch, mental und sozial. Aber gerade die soziale Dimension ist stark unterrepräsentiert. Wir wollen, dass die Pflege sozialer Beziehungen genauso selbstverständlich als Teil der Gesundheit wird wie Ernährung oder Sport. Und auch Teil der Regelversorgung.

Einsamkeit ist für viele ein sehr persönliches Thema. Wie erreichen Sie Betroffene, ohne sie zu stigmatisieren?

Ich finde es wichtig, zunächst einmal festzustellen, dass Einsamkeit eine zutiefst menschliche Emotion ist, die wohl jeder Mensch mal im eigenen Leben erfährt. Zeitgleich hat jeder Mensch soziale Gesundheit und kann von der Stärkung der eigenen Beziehungen profitieren. Genauso wie jeder Mensch von gesunder Ernährung und Sport profitieren kann. Ich finde dieser Gedanke hat etwas sehr destigmatisierendes, und hoffe das wird von unseren Nutzer:innen auch so wahrgenommen.

Ihr sechswöchiges Programm setzt unter anderem bei Denk und Beziehungsmustern an. Wie sieht die Unterstützung für Nutzer konkret aus?

Unsere App beinhaltet kurze Übungen aus der Verhaltenstherapie, die dabei helfen, das eigene soziale Netz zu stärken, neue Beziehungen aufzubauen und bestehende zu vertiefen. Dafür hangeln wir uns an allen relevanten Dimensionen von Beziehungen entlang. Die Übungen lassen sich zeitlich frei und flexibel einteilen. Dazu kommen Verhaltensexperimente, um neue Dinge im Alltag einzubauen, sowie das Tracking der eigenen Beziehungen.

Was unterscheidet platoniq von klassischen Mental Health Apps oder Plattformen, die vor allem neue Kontakte vermitteln?

Metaanalysen zeigen, dass psychologische Angebote bei der Stärkung sozialer Beziehungen tatsächlich besonders hilfreich sind. Auf den zweiten Blick finde ich, das ergibt Sinn. Wieso sollte es sonst überhaupt Einsamkeit in einer Stadt wie Berlin geben, in der ich jeden Tag beliebig viele neue Kontakte knüpfen könnte? Mit unserem Fokus auf soziale Beziehungen sind wir ein spezifisches Angebot, das als Zielgröße die Stärkung des eigenen sozialen Netzes hat.

Die App basiert auch auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Wie stellen Sie sicher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in die Produktentwicklung einfließen?

Als Universitätsausgründung ist die Nähe zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Kern unserer Unternehmens-DNA. Neben der Nutzung neuester Erkenntnisse für die Inhalte ist darum auch die Evaluation ein zentraler Punkt unseres Ansatzes. Wir haben unser Angebot bereits in einer Pilotstudie evaluiert und konnten zeigen, dass 73 % der Teilnehmer:innen nach vier Wochen stärkere Beziehungen berichteten. Eine weitere Studie beginnen wir noch in diesem Jahr.

Ihr Präventionskurs kann von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden. Welche Bedeutung hat dieser Zugang für Ihr Geschäftsmodell?

Tatsächlich sind alle gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, unser Angebot zumindest zu bezuschussen. Bei über 40 Kassen und damit für mehr als 30 Millionen Versicherte ist unser Kurs nach Erstattung komplett kostenlos, der Eigenanteil liegt nie über 25 %. Für uns ist das wichtig, weil wir soziale Gesundheit als Teil der Regelversorgung verstehen. So lassen sich Zugangshürden abbauen.

Digitale Prävention hat klare Grenzen. Wie definieren Sie, wann platoniq unterstützen kann und wann professionelle therapeutische Hilfe notwendig ist?

Als präventives Angebot ist unser Ansatz beim Vorliegen schwerer behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankungen kontraindiziert. Wir setzen bewusst früher an und wollen das Entstehen von Erkrankungen verhindern. Beim Vorliegen akuter therapeutischer Bedarfe verweisen wir selbstverständlich an passende Hilfsangebote weiter.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines Startups in einem sensiblen und regulierten Gesundheitsbereich?

Datenschutz und Sicherheit haben eine hohe Relevanz. Ich finde das gut, tragen wir doch eine erhebliche Verantwortung gegenüber unseren Nutzer:innen. Und auch wenn es manchmal mühsam ist, können wir ihnen heute selbstbewusst zusagen, dass ihre Daten sicher sind.

Wie möchten Sie platoniq in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welche Rolle sollen Krankenkassen dabei spielen?

Wir wollen soziale Gesundheit als feste Größe in der Prävention verankern. Dafür entwickeln wir unser Angebot weiter und erschließen neue Themenbereiche. Soziale Gesundheit als gleichberechtigten Teil von Gesundheit zu verstehen bedeutet auch, dass sie Kassenleistung ist. Dieser Aspekt ist uns deshalb auch für kommende Produkte sehr wichtig. Zeitgleich hoffen wir, unsere Kooperationen mit den Krankenkassen zu vertiefen. Gerade Armut ist ja ein Risikofaktor für Einsamkeitsbelastungen, doch unser Geschäftsmodell mit Vorstreckung der Kosten ist für Betroffene eine strukturelle Hürde.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Digital Health Bereich aufbauen möchten?

Erstens Durchhaltevermögen. Zweitens früh ein tragfähiges Erstattungs- und Geschäftsmodell klären. Und drittens Zielgruppenorientierung: Es ergibt keinen Sinn, zwei Jahre lang ein reguliertes Gesundheitsprodukt zu bauen, das am Ende niemand nutzen möchte.

Bild von links nach rechts Daniel Stachnik, Lara Sachs und Dr. Silvan Hornstein Fotograf: Leo Seidel

Wir bedanken uns bei Silvan Hornstein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: platoniq

platoniq logo

Kontakt:

SHS Social Health Solutions UG (haftungsbeschränkt)
Luisenstraße 53
10117 Berlin
Deutschland

platoniq.health
kontakt@platoniq.health

Ansprechpartner: Silvan Hornstein

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GREENOX: Warum energetische Sanierung mehr als gute Beratung braucht

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Maximilian Seifert CEO

GREENOX verbindet energetische Sanierung und Handwerk und begleitet Eigentümer von der Energieberatung über die Planung bis zur praktischen Umsetzung.

Können Sie GREENOX kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrer Idee ein Unternehmen mit heute rund 200 Mitarbeitenden entstanden ist?

GREENOX ist ein bundesweit aktives Unternehmen für energetische Sanierung. Wir verbinden Energieberatung, Planung und handwerkliche Umsetzung für Wohn- und Nichtwohngebäude. Gegründet haben Simeon Forster und ich das Unternehmen 2023.

Die Idee entstand aus einem konkreten Problem: Eigentümer müssen bei einer Sanierung häufig Energieberater, Planer, Förderstellen und mehrere Handwerksbetriebe selbst koordinieren. Gleichzeitig stehen viele Handwerksbetriebe vor Nachfolgeproblemen oder werden durch administrative Aufgaben ausgebremst. Wir wollten diese Herausforderungen gemeinsam angehen und Sanierungen verlässlicher organisieren.

2024 haben wir unseren ersten Mitarbeiter eingestellt, 2025 waren es bereits 50. Heute arbeiten gruppenweit rund 200 Menschen für GREENOX. In dieser Zeit haben wir neue Standorte eröffnet, eigene handwerkliche Kompetenzen aufgebaut und bestehende Betriebe in die Gruppe integriert.

Ihr Weg führte von der Bank über Drohnen und Immobilienprojekte ins Handwerk. Welche Erfahrungen haben Sie dabei besonders geprägt?

Meine Bankausbildung hat mich gelehrt, Risiken zu bewerten, Zahlen ernst zu nehmen und Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen. Diese Denkweise hilft mir bis heute, gerade bei Investitionen und in Wachstumsphasen.

Während der Coronazeit haben Simeon und ich mit Drohnen Foto- und Videoaufnahmen angeboten, häufig für Bauprojekte. Dadurch kamen wir der Immobilien- und Baubranche näher. Parallel habe ich im Immobilienbereich gearbeitet und gesehen, wie komplex Gebäude und Sanierungen tatsächlich sind.

Im Handwerk habe ich schließlich gelernt, was keine Tabelle vollständig abbilden kann: Eine Planung ist nur dann etwas wert, wenn sie auf der Baustelle funktioniert. Ein Sanierungsprojekt steht und fällt mit den Menschen, die es umsetzen.

2024 kam der erste Mitarbeiter, nur ein Jahr später waren es bereits 50. Was waren die entscheidenden Treiber für dieses schnelle Wachstum?

Der wichtigste Treiber war ein konkreter Bedarf. Viele Eigentümer möchten energetisch sanieren, wissen aber nicht, welche Maßnahmen sinnvoll sind, welche Förderung infrage kommt und wie sie die Beteiligten koordinieren sollen. Gleichzeitig gibt es nur wenige Anbieter, die Beratung, Planung und Umsetzung miteinander verbinden.

Wir wollten deshalb nicht nur einzelne Beratungsleistungen anbieten, sondern Sanierungsprojekte ganzheitlich begleiten. Dafür haben wir früh Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen aufgebaut, von der Energieberatung und Architektur über digitale Prozesse bis zum Handwerk. Mit jedem neuen Bereich wollten wir eine konkrete Lücke im Ablauf schließen.

Wie hat sich Ihre persönliche Rolle verändert, seit Sie nicht mehr alles selbst machen können, sondern eine große Organisation führen?

In der Anfangszeit war ich in fast jedes operative Thema eingebunden. Ich habe Kundengespräche geführt, Projekte begleitet, Mitarbeitende gesucht und viele Entscheidungen selbst getroffen. Bei einer Organisation mit rund 200 Menschen funktioniert das nicht mehr.

Meine Aufgabe besteht heute stärker darin, Prioritäten zu setzen, Verantwortung zu übertragen und die richtigen Menschen in die richtigen Rollen zu bringen. Dafür muss ich Ziele und Strukturen schaffen und darauf vertrauen, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo das nötige Fachwissen vorhanden ist. Gleichzeitig ist meine Verantwortung größer geworden, weil sich deutlich mehr Mitarbeitende, Kunden und Partner auf unsere Entscheidungen verlassen.

Welche Vision verfolgen Sie mit GREENOX, und was möchten Sie langfristig im Handwerk und bei der energetischen Sanierung verändern?

Wir möchten energetische Sanierung einfacher, verständlicher und verlässlicher machen. Eigentümer sollen nicht selbst zwischen Beratung, Planung, Förderung und verschiedenen Gewerken vermitteln müssen.

Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetriebe stärken. Viele wirtschaftlich gesunde Unternehmen stehen vor einer ungeklärten Nachfolge oder werden durch Buchhaltung, Personalthemen, Einkauf und andere administrative Aufgaben belastet. Wenn solche Betriebe Teil einer größeren Gruppe werden, können zentrale Funktionen gebündelt werden. Der Betrieb selbst soll jedoch regional verankert bleiben, mit seinem Team, seinem Namen und seinen gewachsenen Kundenbeziehungen.

Digitale Prozesse, KI und perspektivisch auch Robotik können Abläufe vereinfachen und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Der Mensch bleibt aber der entscheidende Faktor.

Energieberatung, Planung und Umsetzung greifen bei GREENOX ineinander. Welchen Vorteil bietet dieser Ansatz Ihren Kunden?

Der größte Vorteil besteht darin, dass Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden. Eine energetisch sinnvolle Maßnahme muss technisch zum Gebäude passen, finanzierbar sein, die Förderbedingungen berücksichtigen und anschließend fachgerecht umgesetzt werden können.

Wir betrachten deshalb zunächst den Zustand des Gebäudes, den Energieverbrauch und die Ziele des Eigentümers. Anschließend vergleichen wir Maßnahmen, Kosten, Nutzen und Fördermöglichkeiten. Bei der Umsetzung binden wir eigene Fachbetriebe und weitere Partner ein. Für den Kunden bedeutet das weniger Schnittstellen, klarere Verantwortlichkeiten und einen Ansprechpartner über mehrere Projektphasen hinweg.

An welche Kundengruppen richten Sie sich besonders, und welche Probleme bei energetischen Sanierungen begegnen Ihnen immer wieder?

Eine wichtige Zielgruppe sind private Eigentümer, die ihre Immobilie langfristig nutzen und eine Sanierung von Anfang bis Ende planen möchten. Dazu gehören Menschen, die gerade ein Haus gekauft haben, ebenso wie Eigentümer, die ihre Immobilie bereits lange besitzen und für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre vorbereiten wollen. Daneben arbeiten wir für gewerbliche Eigentümer, Unternehmen und die Industrie, insbesondere bei größeren Immobilienbeständen und Nichtwohngebäuden.

Viele Kunden wissen nicht, welche Maßnahme zuerst kommen sollte, welche Förderung verfügbar ist und wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen. Hinzu kommen wechselnde politische Vorgaben und die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen. Unsere Aufgabe ist es, den Zustand des Gebäudes sachlich zu bewerten und eine technisch wie wirtschaftlich nachvollziehbare Reihenfolge abzuleiten.

Was unterscheidet GREENOX aus Ihrer Sicht von klassischen Energieberatungen und einzelnen Handwerksbetrieben?

Eine klassische Energieberatung endet häufig mit einem Konzept oder Sanierungsfahrplan. Ein einzelner Handwerksbetrieb betrachtet verständlicherweise vor allem sein eigenes Gewerk. GREENOX deckt dagegen die Strecke zwischen Analyse und fertiger Umsetzung ab.

Wir verbinden Energieberatung, Architektur und Planung mit handwerklichen Kompetenzen. Dadurch können wir nicht nur empfehlen, was getan werden sollte, sondern früh prüfen, wie sich eine Maßnahme praktisch umsetzen lässt. Für Kunden reduziert das die Zahl der Ansprechpartner und den eigenen Koordinationsaufwand.

Schnelles Wachstum bringt neue Strukturen und Verantwortung mit sich. Welche Herausforderungen waren auf dem Weg zu rund 200 Mitarbeitenden besonders groß?

Eine zentrale Herausforderung bestand darin, Strukturen schnell genug aufzubauen, ohne die operative Arbeit auszubremsen. Prozesse, die mit fünf oder zehn Personen funktionieren, reichen bei 50 oder 200 Mitarbeitenden nicht mehr aus. Verantwortlichkeiten müssen klarer werden, Informationen müssen zuverlässig fließen und Entscheidungen dürfen nicht dauerhaft bei den Gründern hängen bleiben.

Gleichzeitig darf Wachstum nicht zulasten der Qualität gehen. In der energetischen Sanierung zeigen sich Fehler nicht nur in einer Kennzahl. Sie zeigen sich in einem Gebäude oder auf einer Baustelle. Deshalb müssen Beratung, Planung und Ausführung auch bei steigender Projektzahl sauber zusammenarbeiten.

Eine weitere Herausforderung ist die Verbindung unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Wenn bestehende Handwerksbetriebe Teil einer Gruppe werden, geht es nicht darum, ihnen von außen ein vollständig neues System überzustülpen. Wir müssen gemeinsame Strukturen schaffen und zugleich das Wissen, die Identität und die regionale Verantwortung der Betriebe erhalten.

Welche Entscheidung aus der Anfangszeit von GREENOX würden Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders treffen?

Ich würde früher klare Verantwortlichkeiten schaffen und operative Fachleute noch stärker in den Aufbau unserer Prozesse einbeziehen. Als Gründer liegt es nahe, vieles selbst zu entscheiden. Im Handwerk merkt man jedoch schnell, dass ein Prozess auf dem Papier logisch wirken und im Arbeitsalltag trotzdem an der Realität vorbeigehen kann.

Heute würde ich deshalb noch früher mit den Menschen sprechen, die täglich beraten, planen oder auf der Baustelle arbeiten. Sie sehen oft sehr schnell, wo ein Ablauf unnötig kompliziert ist und welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse lautet: Man kommt nicht von außen in einen gewachsenen Markt und geht davon aus, dass alle nur auf die eigene Lösung gewartet haben. Erst zuhören, dann Strukturen verändern. Diesen Grundsatz würde ich von Beginn an noch konsequenter anwenden.

Sie bezeichnen GREENOX als Ihr Lebenswerk. Wo soll das Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?

Ich möchte GREENOX langfristig zu einem der führenden Unternehmen für energetische Sanierung entwickeln. Bis 2030 haben wir uns ein Umsatzziel von 100 Millionen Euro gesetzt. Entscheidend ist für mich aber nicht allein die Größe.

Wir wollen unsere Kompetenzen in der Energieberatung, Planung und im Handwerk weiter ausbauen und zusätzliche regionale Strukturen schaffen. Gleichzeitig möchten wir Handwerksbetrieben eine Zukunftsperspektive bieten, wenn eine interne Nachfolge fehlt. Wenn dadurch Arbeitsplätze, Wissen und regionale Kundenbeziehungen erhalten bleiben, schaffen wir zugleich zusätzliche Kapazitäten für die Wärmewende.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem kleinen Team eine größere Organisation aufbauen möchten?

Mein erster Rat: Unterschätzt keinen Markt, nur weil er nicht nach Startup klingt. Schwierige, kleinteilige oder analoge Branchen bieten häufig große unternehmerische Chancen, gerade weil viele Probleme noch nicht gelöst sind.

Zweitens: Hört den Menschen zu, die den Markt bereits kennen. Wer bestehende Strukturen verändern möchte, sollte zuerst verstehen, warum sie entstanden sind und was davon erhalten bleiben muss.

Drittens: Bereitet euch darauf vor, Verantwortung abzugeben. Wachstum funktioniert nicht, wenn jede Entscheidung dauerhaft über die Gründer läuft. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, verlässliche Führungskräfte und die Bereitschaft, anderen zu vertrauen. Die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern muss mit der Organisation mitwachsen.

Bildcredits GREENOX

Wir bedanken uns bei Maximilian Seifert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

PPWR Verordnung: Diese neuen Pflichten gelten jetzt für Startups und Online-Shops

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Gründerin beim Verpacken von Bestellungen für Ihren Onlineshop. PPWR Verordnung: Pflichten für Online-Shops & KMU

Seit dem 12. August 2026 ist es amtlich: Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten – auch in Deutschland, auch für den kleinsten Online-Shop, der Pakete verschickt. Die PPWR Verordnung betrifft damit Unternehmen jeder Größe direkt. Wer bislang dachte, Verpackungsrecht sei ein Thema für Großkonzerne mit eigener Compliance-Abteilung, muss jetzt umdenken. Denn die Verordnung kennt keine pauschale Ausnahme für kleine und mittlere Unternehmen. Was genau sich ändert, welche Fristen wirklich zählen und was Gründerinnen und Gründer jetzt konkret tun sollten, zeigt dieser Überblick.

Was ist die PPWR Verordnung überhaupt?

PPWR steht für „Packaging and Packaging Waste Regulation“ – zu Deutsch: Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Formal handelt es sich um die Verordnung (EU) 2025/40, die das EU-Parlament und der Rat der Europäischen Union im Dezember 2024 verabschiedet haben. Am 22. Januar 2025 wurde sie im Amtsblatt der EU veröffentlicht, am 11. Februar 2025 trat sie in Kraft.

Der entscheidende Unterschied zur bisherigen EU-Verpackungsrichtlinie aus dem Jahr 1994: Eine Verordnung muss nicht erst in nationales Recht überführt werden, sie gilt nach Ablauf der Übergangsfrist direkt und unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Diese Übergangsfrist von 18 Monaten ist nun abgelaufen, seit dem 12. August 2026 ist die PPWR verbindlich anzuwenden und löst die alte Verpackungsrichtlinie 94/62/EG weitgehend ab.

In Deutschland tritt parallel dazu das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG) mit Ablauf des 11. August 2026 außer Kraft. An seine Stelle rückt das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG), das die nationale Ausführung der EU-Vorgaben regelt.

Das erklärte Ziel der Verordnung: weniger Verpackungsabfall, mehr Kreislaufwirtschaft und einheitliche Standards in der gesamten EU – statt 27 verschiedener nationaler Regelwerke.

Diese Fristen der PPWR Verordnung sollten Sie kennen

Nicht alle Pflichten der PPWR greifen gleichzeitig. Die Verordnung staffelt ihre Anforderungen über mehrere Jahre:

  • 11. Februar 2025: Die Verordnung tritt formal in Kraft.
  • 12. August 2026: Die grundlegenden Pflichten werden EU-weit verbindlich – darunter die Konformitätserklärung für Verpackungen sowie erste Stoffbeschränkungen.
  • Bis 2030: Die Mitgliedstaaten müssen den Verpackungsabfall pro Kopf gegenüber dem Vergleichsjahr 2018 um mindestens 5 Prozent senken. Zudem greifen ab diesem Zeitpunkt schärfere Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen und Leerraumbegrenzung bei Verpackungen, außerdem treten bestimmte Verbote für spezielle Einweg-Verpackungsformen in Kraft.
  • Bis 2035: Die Reduktionsquote für Verpackungsabfall pro Kopf steigt auf mindestens 10 Prozent.
  • Bis 2040: Die Quote steigt weiter auf mindestens 15 Prozent, begleitet von einer umfassenden Verschärfung der Recyclingvorgaben.

Wichtig für die Praxis: Vieles, was gerade in Fachartikeln zur PPWR kursiert, etwa strengere Leerraum- oder Mehrwegquoten, betrifft nicht den heutigen Stichtag, sondern erst die Etappe ab 2030. Wer jetzt handelt, sollte also zwischen sofort geltenden und erst später greifenden Pflichten sauber unterscheiden.

Was bedeutet die PPWR Verordnung konkret für Startups und Online-Shops?

Konformitätserklärung und Dokumentationspflicht

Seit dem 12. August 2026 müssen Erzeuger für jede in Verkehr gebrachte Verpackungsart eine sogenannte Konformitätserklärung (Declaration of Conformity) vorhalten. Damit bestätigt ein Unternehmen, dass seine Verpackung den Anforderungen der PPWR entspricht. Wer Produkte selbst verpackt oder unter eigener Marke verpacken lässt, gilt nach der Verordnung als Erzeuger – und ist damit in der Pflicht, egal wie groß das Unternehmen ist. Dazu gehört auch, die technische Dokumentation griffbereit zu haben, falls eine Marktaufsichtsbehörde nachfragt.

Schadstoffgrenzwerte bei Lebensmittelkontakt

Wer Lebensmittel oder lebensmittelnahe Produkte verpackt, muss seit dem 12. August 2026 strenge Grenzwerte für PFAS („Ewigkeitschemikalien“) einhalten: maximal 25 Mikrogramm pro Kilogramm je Einzelsubstanz und höchstens 250 Mikrogramm pro Kilogramm in der Summe. Zusätzlich gilt ein Schwellenwert von 50 Milligramm pro Kilogramm für den Gesamtfluorgehalt einschließlich polymerer PFAS – wird dieser überschritten, muss die Herkunft des Fluors nachgewiesen werden. Für die Schwermetalle Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom gilt ein gemeinsamer Höchstwert von 100 Milligramm pro Kilogramm.

Erweiterte Herstellerverantwortung und Marktplätze

Die PPWR baut auf dem Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) auf: Wer Verpackungen in Verkehr bringt, trägt auch Verantwortung für deren spätere Entsorgung und Verwertung. In Deutschland läuft diese Verantwortung weiterhin über die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und deren öffentliches Register LUCID, in dem sich jedes Unternehmen eintragen muss, das verpackte Ware erstmals gewerbsmäßig in Deutschland bereitstellt, unabhängig von der Unternehmensgröße. Das VerpackDG schafft LUCID nicht ab, sondern führt es fort und weitet seine Reichweite aus.

Für Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay gilt schon seit einiger Zeit: Ein Verkauf ist nur mit nachgewiesener LUCID-Registrierung möglich, Plattformen sind zur EPR-Compliance-Prüfung verpflichtet und sperren Händler ohne gültigen Nachweis konsequent. Für Shopbetreiber heißt das in der Praxis: Ohne saubere Registrierung im jeweiligen Vertriebsland drohen nicht nur Bußgelder, sondern im schlimmsten Fall auch das Delisting vom Marktplatz, oft deutlich bevor überhaupt eine Behörde aktiv wird.

Verpackungsminimierung und Design for Recycling – der Blick nach 2030

Die viel zitierte Begrenzung des Leerraums in Versandkartons sowie die verbindliche vollständige Recyclingfähigkeit von Verpackungen sind zentrale Ziele der PPWR, treten aber erst mit der nächsten großen Etappe ab 2030 verbindlich in Kraft. Wer jetzt neue Verpackungslinien entwickelt oder Lieferanten auswählt, ist gut beraten, diese Anforderungen von Anfang an mitzudenken, denn Verpackungsdesign lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen.

Gibt es bei der PPWR Verordnung Erleichterungen für Kleinunternehmen?

Eine pauschale Ausnahme für Startups oder KMU sieht die PPWR nicht vor. Was es gibt, ist eine eng gefasste Erleichterung für Kleinstunternehmen. Wer als Eigenmarken-Anbieter mit einem einzigen Lieferanten im selben Mitgliedstaat zusammenarbeitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Dokumentationslast auf den Lieferanten verschieben. Solche Vereinbarungen sollten schriftlich fixiert werden, statt sie stillschweigend vorauszusetzen.

Zur Durchsetzung ist außerdem bekannt, dass Behörden bei Verstößen zunächst mit einer Verwarnung reagieren, bevor weitere Schritte folgen. Das verschafft etwas Luft, ersetzt aber keine Vorbereitung.

Was Startups und kleine Online-Shops jetzt tun sollten

  1. Verpackungsarten inventarisieren: Welche Verpackungen setzen Sie aktuell ein, und woraus bestehen sie?
  2. Konformitätserklärung vorbereiten: Für jede Verpackungsart sollte eine Erklärung samt technischer Unterlagen vorliegen.
  3. Lieferanten einbinden: Fragen Sie aktiv nach PFAS- und Schwermetallwerten sowie nach Recyclingfähigkeit Ihrer Verpackungsmaterialien.
  4. Registrierungen prüfen: Kontrollieren Sie, ob Sie in jedem Land, in das Sie versenden, korrekt als Verpackungshersteller registriert sind. In Deutschland läuft das weiterhin über das LUCID-Register der ZSVR, in anderen EU-Ländern über die jeweiligen nationalen Verpackungsregister.
  5. Vorausschauend planen: Auch wenn Leerraum- und Recyclingvorgaben erst ab 2030 greifen, lohnt sich ein früher Umstieg auf recyclingfähige und platzsparende Verpackungen.

Häufig gestellte Fragen zur PPWR Verordnung

Ab wann gilt die PPWR Verordnung?

Die PPWR ist bereits am 11. Februar 2025 in Kraft getreten. Verbindlich anzuwenden sind die grundlegenden Pflichten seit dem 12. August 2026 in allen EU-Mitgliedstaaten.

Muss ich als kleiner Online-Shop die PPWR beachten?

Ja. Die PPWR sieht keine generelle Ausnahme für Startups oder KMU vor. Lediglich für bestimmte Kleinstunternehmen mit Eigenmarke und einem einzigen inländischen Lieferanten existiert eine begrenzte Erleichterung bei der Dokumentation.

Was ist eine Konformitätserklärung nach PPWR?

Es handelt sich um ein Dokument, mit dem ein Unternehmen für jede von ihm in Verkehr gebrachte Verpackungsart bestätigt, dass diese den Anforderungen der PPWR entspricht. Diese Pflicht gilt seit dem 12. August 2026.

Wo muss ich mich als Verpackungshersteller registrieren?

In Deutschland läuft die Registrierung weiterhin über das LUCID-Register der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR). Die PPWR schafft dieses System nicht ab, sondern verpflichtet jeden EU-Mitgliedstaat, ein vergleichbares nationales Register zu betreiben.

Gelten die neuen Leerraum- und Recyclingvorgaben schon jetzt?

Nein. Die strengeren Vorgaben zur Leerraumbegrenzung, zu Rezyklatanteilen und zur vollständigen Recyclingfähigkeit von Verpackungen treten erst ab 2030 verbindlich in Kraft. Ab August 2026 gelten zunächst vor allem die Konformitätserklärung sowie erste Schadstoffgrenzwerte.

Was passiert bei Verstößen gegen die PPWR?

Nach bisherigem Kenntnisstand beginnt die Durchsetzung in der Regel mit einer Verwarnung. Anhaltende Verstöße können jedoch weitergehende Konsequenzen nach sich ziehen, bis hin zur Sperrung durch Online-Marktplätze ohne gültigen Registrierungsnachweis.

Fazit

Die PPWR Verordnung ist kein fernes Zukunftsthema mehr, sondern seit dem 12. August 2026 geltendes Recht. Für Startups, Selbstständige und kleine Online-Shops bedeutet das vor allem eines: jetzt die eigenen Verpackungen dokumentieren, Lieferantendaten einholen und Registrierungen prüfen. Wer sich zusätzlich schon heute mit den Anforderungen für 2030 auseinandersetzt, spart sich in ein paar Jahren teuren Zeitdruck – und positioniert sich als Unternehmen, das Nachhaltigkeit nicht nur im Marketing, sondern im eigenen Versandkarton ernst nimmt.

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Wirtschaftliche Unabhängigkeit als gelebter Feminismus

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Frauen: OnlineBusiness macht Feminismus wirtschaftlich Julia Bock BusinessQueen Foto-Credits: Diana Eismann (https://www.instagram.com/blickfang_fotografie_Diana) (Unternehmen)

Wie das Onlinebusiness die traditionellen Spielregeln für Frauen bricht

„Als Mutter sind Frauen nicht leistungsfähig…“ war der Satz, den mir ein Geschäftsführer 2016 als Unternehmensberaterin und Mutter von 3 kleinen Kindern vor die Nase geworfen hat. Ich muss leider gestehen, dass ich weder empört aufgestanden und gegangen bin noch den Satz argumentativ auseinander gepflückt habe.

Ich war perfekt konditioniert und mein Fokus lag darauf den Auftrag zu bekommen, immerhin hatte ich ja 3 Kids. Leider muss ich auch zugeben, dass ich jahrelang versucht habe mich innerhalb dieses, von und für Männer etablierten Systems, zu integrieren und zu beweisen.

Höher, schneller, weiter und dann noch ein bisschen mehr. Um mir eben nicht vorwerfen lassen zu müssen, dass ich als kleine blonde Frau und Mutter, ja ich bediene fast alle Klischees, nicht „leistungsfähig“ bin.

Es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich vorher noch nie angeeckt bin…. Das hat mich überhaupt erst in die Selbständigkeit getrieben. Aber auch da musste ich mich gegenüber Männern für meine Kompetenz und Mutterrolle rechtfertigen.

Aber es war genau dieser Termin 2016, der den Knoten bei mir platzen ließ. Was ist denn Leistungsfähigkeit bitte und wer bestimmt, wie viel die gelieferte Leistung wert ist?

Wirtschaftliche Freiheit ist eine feministische Frage

Finanzielle Unabhängigkeit ist für Frauen wichtiger denn je, aber es geht um mehr als Geld. Denn Geld erweitert den Raum, in dem Selbstbestimmung überhaupt möglich ist.

Für mich beginnt gelebter Feminismus deshalb nicht bei der Frage, ob Frauen alles genauso machen können wie Männer. Er beginnt eher bei der Frage, ob Frauen tatsächlich die wirtschaftliche Freiheit besitzen, ihr Leben selbst zu gestalten.

Frauen verdienten in Deutschland 2025 im Schnitt pro Stunde 16% weniger als Männer. Selbst wenn wir all die Totschlagargumente mit Teilzeit, Qualifizierung und Co bereinigen, reden wir immer noch über einen Gender Pay Gap von 6%.

Und wenn wir einen Schritt weiter schauen auf die Rente, dann ist die Lücke die kumulierte Abhängigkeit eines ganzen Lebens… Elternzeit mit 32, Teilzeit mit 25 und keine Führungsposition mit 40, heißt nichts anderes als ein niedriges Gehalt über Jahrzehnte.

Selbst wenn es im Augenblick nicht dramatisch aussieht. Mit 70 steht die Summe deiner Entscheidungen auf dem Kontoauszug.

Aber das Problem ist, es sind eben nicht nur ausschließlich „deine“ Entscheidungen, denn sie entstehen ja nicht im luftleeren Raum. Wer reduziert seine Arbeitszeit, wenn die Kinder betreut werden müssen? Wer übernimmt die unbezahlte Care- Arbeit, einfach weil es immer schon so war? Oder wer verzichtet eher auf die nächste Karrierestufe?

Individuelle Entscheidungen entstehen innerhalb gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Genau deshalb ist wirtschaftliche Unabhängigkeit auch eine feministische Frage.

Weniger Gatekeeper, mehr Selbstbestimmung

Das digitale Unternehmertum ist eines der niedrigschwelligsten wirtschaftlichen Hebelinstrumente, das Frauen heute zur Verfügung steht. Der Grund ist simpel, es gibt weniger (männliche) Gatekeeper.

In jedem klassischen Unternehmen entscheidet jemand über die Beförderung, das Gehalt und die Arbeitsaufgaben. Im klassischen Startup bist du abhängig vom vorhandenen Kapital oder von Investoren, genauso wie im lokalen Business.

Im OnlineBusiness kann frau mit einem überschaubaren Kapital Wissen in ein Angebot verwandeln, Kunden direkt erreichen und Preise selbst bestimmen.

Mit anderen Worten, ein Onlinebusiness reduziert die Zahl der Menschen, deren Zustimmung eine Frau benötigt, um Einkommen zu erzielen.

Homeoffice ist keine Revolution

Gerade für Mütter liegt die Revolution nicht im Homeoffice, sondern in der Entkopplung von Zeit und Einkommen.

Denn wenn ich meinen Arbeitsplatz lediglich vom Büro an den Küchentisch verlege, aber weiterhin jede einzelne Stunde gegen Geld tausche, hat sich wirtschaftlich wenig verändert.

Digitale Produkte, Gruppenprogramme, Memberships oder automatisierte Verkaufsprozesse ermöglichen dagegen Geschäftsmodelle, bei denen Wissen und Expertise mehrfach verkauft werden können. Deine verfügbare Arbeitszeit setzt damit nicht mehr automatisch die Grenze für dein Einkommen.

OnlineBusiness kann feministisch sein, aber Selbständigkeit macht eine Frau nicht automatisch emanzipiert. Ganz im Gegenteil, wer 60 Stunden arbeitet, zu wenig verlangt und keinerlei finanzielle Rücklagen aufbaut, betreibt keine wirtschaftliche Befreiung, sondern Selbstausbeutung mit Gewerbeschein.

Frauen können sich aber gerade mit einem OnlineBusiness eigene wirtschaftliche Strukturen schaffen, statt ausschließlich darauf zu hoffen, innerhalb bestehender Strukturen besser bezahlt, befördert oder überhaupt ernst genommen zu werden.

Erfolg braucht neue Spielregeln

Und vielleicht müssen wir deshalb auch unsere Vorstellung von erfolgreichem Unternehmertum verändern. Erfolg muss nicht zwingend das millionenfinanzierte Startup, das große Team oder Wachstum um jeden Preis sein.

Ein profitables digitales Unternehmen, das einer Frau Vermögensaufbau, zeitliche Freiheit und echte Entscheidungsfähigkeit ermöglicht, kann mindestens genauso revolutionär sein.

Denn für mich bedeutet Feminismus nicht, dass jede Frau Unternehmerin werden muss.

Feminismus bedeutet, dass Frauen echte Wahlmöglichkeiten haben sollten und wirtschaftlich stark genug sind, diese auch nutzen zu können.

2016 wollte ich diesem Geschäftsführer noch beweisen, dass ich trotz drei kleiner Kinder leistungsfähig bin.

Heute würde ich mit dieser Situation anders umgehen, denn warum sollte ausgerechnet er darüber entscheiden dürfen, was ich kann und was meine Leistung wert ist?

Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist vielleicht nicht die am meisten wahrgenommene Form von Feminismus, aber sie ist eine extrem wirksame.

Bild Foto-Credits: Diana Eismann (https://www.instagram.com/blickfang_fotografie_Diana) (Unternehmen)

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

1 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621

Was ist Knuddels? Die deutsche Chat-Community im Faktencheck

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Knuddels: Community und Chat-Community im Faktencheck Bildcredits knuddels

Chat-Communitys gehören zu den ältesten sozialen Formaten des Internets – und erstaunlicherweise zu den widerstandsfähigsten. Während Messenger, soziale Netzwerke und Dating-Apps den Markt mehrfach umgekrempelt haben, sind viele Anbieter aus der Frühzeit längst verschwunden. Mit Omegle ist inzwischen auch einer der bekanntesten internationalen Zufallschats offline. Eine Plattform aus Karlsruhe hat all diese Umbrüche dagegen überlebt – und unterhält weiterhin eine aktive Community. Wer vor einer Anmeldung recherchiert, findet zu ihr viele Meinungen, aber erstaunlich wenig geprüfte Fakten. Genau hier setzt dieser Artikel an.

Knuddels ist eine Online-Plattform zum Chatten, Spielen und Flirten für Nutzer ab 18 Jahren. Betrieben wird sie von der Knuddels GmbH & Co. KG mit Sitz in Karlsruhe; gegründet wurde die Community 1999 als deutscher Chat. Was die Plattform in einem Markt voller internationaler Zufallschats am Leben hält, ist weniger Technik als Struktur.

Dieser Faktencheck prüft, wem die Community gehört, wie sie moderiert wird, was sie kostet und wie es um Datenschutz und Sicherheit steht. Und er zeigt, was Gründer von einem Betriebsmodell lernen können, das seit mehr als 25 Jahren trägt.

Was ist Knuddels?

Knuddels ist eine Online-Plattform zum Chatten, Spielen und Flirten für Nutzer ab 18 Jahren. Die deutschsprachige Chat-Community existiert seit 1999, ist im Grundzugang kostenlos nutzbar und setzt auf thematische Chaträume sowie über 100 Spiele.

Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, kann sich bei Knuddels mit wenigen Angaben registrieren: Ein selbst gewählter Nickname, das Alter und das Geschlecht genügen für den Start. Mehr muss niemand preisgeben, der erst einmal hineinschnuppern will.

Wie die Plattform funktioniert: thematische Chaträume statt Feed

Statt auf einen algorithmisch sortierten Feed setzt die Plattform auf thematische Chaträume. Die Räume bündeln Interessen – von Hobbys über Musik bis zu regionalen Kanälen für einzelne Städte und Regionen. Kontakte entstehen aus laufenden Gesprächen, nicht durch Swipen oder Matching-Algorithmen. Gechattet wird unter einem Nickname statt unter dem Klarnamen; persönliche Daten bleiben so geschützt, solange man sie nicht selbst preisgibt. Diese bewusst einfache Architektur ist Teil des Erfolgs: niedrige Hürden für den Einstieg, klare Strukturen für das Miteinander.

Welche Funktionen es gibt: Spiele, Fotomeet, private Nachrichten, lokale Channels

Zum Angebot gehören mehr als 100 Online-Spiele, die in eigenen Spielräumen laufen, dazu private Nachrichten für Direktkontakte und lokale Channels für die Umgebung. Das Spiel Fotomeet bringt Mitglieder spielerisch zusammen: Wer sich gegenseitig sympathisch findet, kann direkt ins Gespräch wechseln. Knuddels läuft als vollwertige Web-Version im Browser und als App für iOS und Android – die Community ist damit am Desktop genauso erreichbar wie unterwegs.

Wem gehört Knuddels und wo sitzt das Unternehmen?

Knuddels gehört der Knuddels GmbH & Co. KG, die ihren Sitz in Karlsruhe hat. Das Unternehmen ist inhabergeführt und unabhängig; nach Unternehmensangaben beschäftigt es rund 50 Mitarbeitende. Betreiber und Plattform sitzen damit am selben Ort – Entwicklung, Moderation und Unternehmensführung bleiben in einer Hand.

Die Gründungsgeschichte der Community

Knuddels wurde 1999 als deutscher Chat gegründet und gehört damit zu den Pionieren der deutschsprachigen Online-Communities. Die Plattform entstand in einer Zeit, in der das Chatten im Web gerade populär wurde, und hat seitdem alle großen Marktumbrüche überstanden – von Messenger-Diensten bis zu sozialen Netzwerken und Dating-Apps. Das Unternehmen ist bis heute inhabergeführt und unabhängig geblieben, statt im Portfolio eines internationalen Konzerns zu landen. Diese Kontinuität prägt das Produkt: Die Community wächst organisch, viele Mitglieder sind seit Jahren dabei.

Warum ein deutscher Firmensitz mehr ist als eine Adresse

Ein Firmensitz in Deutschland bedeutet: Als deutsches Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe unterliegt Knuddels der DSGVO und deutschem Recht. Der Betreiber der Plattform ist damit juristisch im Inland greifbar – bei Angeboten, deren Verantwortliche im Ausland sitzen, ist das nicht selbstverständlich. Für eine Chat-Community, in der täglich persönliche Gespräche stattfinden, ist das ein gewichtiges Argument.

Ist Knuddels seriös?

Ja. Knuddels ist ein deutsches Unternehmen und an die DSGVO gebunden. Die Plattform setzt auf den breiten Einsatz von künstlicher Intelligenz, eine große Basis ehrenamtlicher Moderatoren und arbeitet mit Behörden wie dem Bundeskriminalamt zusammen, um die Sicherheit auf der Plattform zu gewährleisten. Seriosität ist hier kein Werbeversprechen, sondern ein mehrstufiges Sicherheitssystem aus Technik, Menschen und institutioneller Zusammenarbeit – und als solches überprüfbar.

Wie das Moderationsmodell aufgebaut ist

Knuddels setzt auf KI-Filter und ehrenamtliche Moderation. Die automatisierten Filter sollen Spam, Bots und toxisches Verhalten erkennen. Parallel kümmern sich die Moderatoren um die einzelnen Räume: Sie kommen aus der Community, sind dort meist seit Jahren aktiv und kennen die Gepflogenheiten ihrer Bereiche genau. Sie können einschreiten, Nutzer verwarnen oder Verstöße an das interne Team weitergeben. Die Räume werden also nicht nur technisch überwacht, sondern aktiv von Menschen moderiert.

Was die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt konkret bedeutet

Knuddels arbeitet mit dem Bundeskriminalamt zusammen. Diese Kooperation ist fester Bestandteil des Sicherheitskonzepts: Sie ersetzt keine Polizeiarbeit und ist keine Garantie gegen jeden Verstoß. Sie zeigt aber, dass die Plattform ihre Sicherheitsarbeit nicht isoliert betreibt, sondern mit Ermittlungsbehörden abstimmt – ein Unterschied, den Nutzer im Alltag kaum sehen, der aber zählt, wenn es ernst wird.

Jugendschutz-Team und Jugendschutzbeauftragter

Ergänzend unterhält das Unternehmen ein eigenes Jugendschutz-Team und einen benannten Jugendschutzbeauftragten. Die Community ist auf Nutzer ab 18 Jahren ausgerichtet: Die Altersgrenze wird bereits bei der Registrierung abgefragt, und Verstöße dagegen können zum Ausschluss des Kontos führen. Jugendschutz ist damit keine nachträgliche Ergänzung, sondern fester Bestandteil der Plattformorganisation.

Was kostet Knuddels?

Der Grundzugang von Knuddels ist kostenlos; eine Registrierung mit Nickname, Alter und Geschlecht genügt. Chatten, die thematischen Räume und die Spiele stehen im Grundumfang ohne Gebühr offen. Einzelne Zusatzfunktionen können kostenpflichtig sein – bezahlt wird also nicht für den Zugang zur Community, sondern allenfalls für Komfort-Extras am Rand.

Für wen ist Knuddels?

Knuddels ist eine Online-Plattform zum Chatten, Spielen und Flirten für Nutzer ab 18 Jahren und richtet sich besonders an Menschen, die keine Lust mehr auf klassische Dating-Apps haben und ohne Druck neue Leute kennenlernen wollen – ob für etwas Ernstes oder für Freundschaften. Die meisten Nutzer sind zwischen 25 und 35 Jahren alt. Knuddels versteht sich dabei ausdrücklich als Chat-Community, nicht als Singlebörse oder Partnervermittlung: Nähe entsteht durch Gespräche, nicht durch Profile. Auch wer einfach nur plaudern oder gemeinsam spielen möchte, findet thematisch passende Räume.

Bild von https://kaboompics.com/ auf Pexels

Wie sind die Erfahrungen mit Knuddels?

Die Erfahrungen beschreiben eine sichere Community, in der man echte Menschen trifft und über alles plaudern kann. Es gibt sogar reale Chattertreffen, bei denen sich Mitglieder persönlich begegnen. Gerade diese Treffen sind der stärkste Authentizitätsbeleg: Hinter den Nicknames stehen reale Personen, viele sind seit Jahren dabei. Regionale Kanäle und Stammtische verbinden Online- und Offline-Welt, und viele Mitglieder berichten von Freundschaften, die über den Chat hinaus Bestand haben.

Wie schlägt sich Knuddels im Vergleich zu anderen Chat-Plattformen?

Wer sich im Markt umsieht, stößt auf Namen wie Chatroom2000, Chat4Free oder OmeTV – und auf eine Leerstelle: Der international bekannte Zufallschat Omegle hat seinen Betrieb eingestellt, ein Beleg dafür, wie schnell sich dieser Markt dreht. Für einen belastbaren Faktenvergleich mit den Wettbewerbern liegen dieser Redaktion keine einheitlich erhobenen, prüfbaren Daten vor; entsprechend verzichtet dieser Check auf eine Punktewertung. Belegbar sind dagegen die Eckdaten von Knuddels:

Für Nutzer, die eine deutschsprachige Chat-Community suchen, kann Knuddels damit eine Alternative zu früheren Zufallschat-Angeboten sein – mit festen Räumen statt wechselnder Zufallsbekanntschaften und mit einer Moderation, die aus der Community selbst kommt. Verfügbar ist die Plattform als Web-Version sowie als Knuddels App für Android bei Google Play und für iOS.

Was andere Plattformen von diesem Modell lernen können

Community-Selbstverwaltung als Betriebsmodell

Für Gründer digitaler Plattformen ist der Karlsruher Fall ein Lehrstück: Vertrauen lässt sich skalieren, wenn die Community es selbst trägt. Statt Moderation komplett extern einzukaufen, rekrutiert Knuddels seine Helfer aus den aktivsten Mitgliedern. Das senkt Kosten, erhöht aber vor allem die Akzeptanz von Entscheidungen – wer von eigenen Leuten moderiert wird, erlebt Regeln als Community-Konsens statt als Konzernvorgabe. Gleichzeitig entsteht ein Wissensvorsprung: Ehrenamtliche erkennen Stimmungen und Konflikte in ihren Räumen früher als jede Zentrale. Und sie moderieren nicht gegen ihre Community, sondern als Teil von ihr – ein Unterschied, der sich im Ton der Räume zeigt.

Warum ehrenamtliche Moderation nur mit langfristiger Bindung funktioniert

Ehrenamt lässt sich nicht nachträglich aufsetzen. Das Modell funktioniert, weil Mitglieder über Jahre bleiben, Reputation aufbauen und Verantwortung schrittweise übernehmen. Plattformen, die auf schnelles Wachstum statt auf Bindung setzen, können ein solches Netzwerk kaum kopieren. Die unbequeme Lektion für Gründer: Community-Kultur ist eine Investition mit langem Atem – und kein Feature, das sich per Update nachliefern lässt. Wer sie früh pflegt, baut ein Gut auf, das sich in keiner Bilanz abbildet, aber jedes Sicherheitskonzept trägt. Genau diese Geduld erklärt, warum Knuddels Marktphasen überdauert hat, an denen kürzer getaktete Angebote gescheitert sind.

Häufige Fragen

Was ist Knuddels?

Eine deutschsprachige Chat-Community zum Chatten, Spielen und Flirten für Nutzer ab 18 Jahren – aktiv seit 1999 und im Grundzugang kostenlos.

Ist Knuddels seriös?

Ja. Deutsches Unternehmen mit DSGVO-Bindung, KI-Filter plus ehrenamtliche Moderation und Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt.

Ist Knuddels kostenlos?

Der Grundzugang kostet nichts; eine Registrierung mit Nickname, Alter und Geschlecht genügt für den Einstieg.

Wie wird bei Knuddels moderiert?

Hybrid: KI-Filter sollen Spam, Bots und toxisches Verhalten erkennen, ehrenamtliche Moderatoren aus der Community betreuen die Räume.

Wie sicher sind meine Daten bei Knuddels?

Als deutsches Unternehmen unterliegt Knuddels der DSGVO. Gechattet wird unter einem selbst gewählten Nickname statt unter dem Klarnamen.

Gibt es Knuddels als App?

Ja, für iOS und Android – ergänzt durch eine vollwertige Web-Version für den Browser.

Fazit

Der Faktencheck fällt klar aus: Knuddels ist eine deutsche Chat-Plattform für Nutzer ab 18, betrieben von einem Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe. DSGVO-Bindung, das Moderationsmodell aus KI-Filtern und ehrenamtlichen Helfern sowie die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt machen die Community zu einem klar strukturierten Angebot auf dem deutschen Markt. Der Grundzugang lässt sich kostenlos nutzen, die Hürden für einen eigenen Eindruck sind niedrig. Wer in Deutschland eine moderierte Chat-Community sucht, kommt an Knuddels kaum vorbei.

Titelbild Screenshot: knuddels.de

Autor Simon Peters

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Knipping: Wie kleine Unternehmen digitale Sichtbarkeit planbar machen

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knipping.org: SEO und KI für digitale Sichtbarkeit Alexander Knipping Gründer

knipping.org verbindet langjährige Erfahrung in SEO und KI mit einem klaren Fokus auf digitale Sichtbarkeit und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen für Unternehmen

Können Sie knipping.org kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihren eigenen Erfahrungen beim Aufbau eines Online-Shops die heutige Beratung entstanden ist?

knipping.org ist keine Agentur, die Ihnen ein Leistungspaket verkauft. Es ist die Unterstützung, die ich mir selbst früher gewünscht hätte, als ich meinen eigenen Online-Shop aufgebaut habe. Ich kenne den Moment, in dem alle Zahlen nach oben zeigen, mehr Traffic, mehr Rankings, und der Kontostand trotzdem stehen bleibt. Genau dort entsteht die falsche Frage. Die meisten optimieren, was messbar ist, statt was verkauft. Ich habe das mit eigenem Geld durchgemacht: falsche Reihenfolge, zu viele Baustellen gleichzeitig, teure Maßnahmen ohne Wirkung. Aus diesen Fehlern ist meine Beratung geworden.

Und weil ich nicht nur darüber reden will, teste ich es gerade öffentlich an mir selbst mit dem Projekt SEO Baden-Baden auf Knipping.org. Für einen lokal hart umkämpften Begriff arbeite ich mich Schritt für Schritt in die Top 10. Ich bin spät gestartet, Anfang August 2026 lag ich noch jenseits der Top 100, und ich dokumentiere jeden Fortschritt transparent, alle 14 Tage ein ehrlicher Zwischenstand. Das soll eines zeigen: Sichtbarkeit ist auch heute planbar, selbst wenn man spät dran ist.

Wer steht hinter knipping.org, und welche Stationen aus Online-Marketing, SEO und E-Commerce prägen Ihre Arbeit heute?

Hinter knipping.org stehe ich, Alexander Knipping, SEO- und Online-Marketing-Berater aus Baden-Baden. Seit 2010 beschäftige ich mich mit Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing und digitalen Geschäftsmodellen. In dieser Zeit habe ich SEO aus vier Blickwinkeln kennengelernt: in mehr als 100 eigenen Webprojekten, in Kundenprojekten, aus der Agentur heraus und als Betreiber eines eigenen Online-Shops. Gerade diese letzte Perspektive fehlt den meisten Beratern. Wer nie selbst am Monatsende auf die Marge geschaut hat, empfiehlt anders. Ich bewerte jede Maßnahme danach, ob sie sich für das Unternehmen rechnet, nicht danach, ob sie in einem Reporting gut aussieht.

Welche Vision verfolgen Sie mit knipping.org, und warum möchten Sie besonders kleinere Unternehmen unterstützen?

Kleinen Unternehmen wird Komplexität verkauft, die sie nicht benötigen. Meine Vision ist einfach: Eine gute digitale Entscheidung sollte nicht vom Budget abhängen. Große Unternehmen leisten sich eine Marketingabteilung, die Vorschläge einordnet. Kleine bekommen dieselben Vorschläge, nur ohne jemanden, der ehrlich sagt, was davon Unsinn ist. Genau diese Lücke fülle ich. Ich möchte, dass ein Handwerksbetrieb, eine Praxis oder ein kleiner Shop nicht zehn halbe Maßnahmen bezahlt, sondern die zwei richtigen kennt. Kleine Unternehmen reizen mich, weil der Hebel hier am größten ist. Eine einzige korrigierte Priorität verändert dort oft schon sehr viel.

Viele kleine Unternehmen haben keine eigene Marketingabteilung. Welche Fragen und Probleme begegnen Ihnen deshalb besonders häufig?

Der häufigste Satz ist: „Wir machen doch SEO, aber es passiert nichts.“ Dahinter steckt fast immer dasselbe Muster. Man arbeitet an Sichtbarkeit für Begriffe, die niemand kauft. Man schreibt Blogartikel, während die Shop- oder Leistungsseiten technisch und strukturell brachliegen. Und man kauft Tools und Dienstleistungen, deren Nutzen man nicht bewerten kann, und traut sich nicht zu fragen, ob sie überhaupt wirken. Ohne eigene Marketingabteilung fehlt die Instanz, die „Nein“ sagt. Deshalb landen kleine Unternehmen bei Maßnahmenlisten mit zwanzig Punkten, arbeiten alle gleichzeitig halbherzig ab und sehen kein Ergebnis. Die eigentliche Frage ist nie „Was können wir noch tun?“, sondern „Was davon dürfen wir getrost lassen?“

Sie verstehen sich als Sparringspartner auf Augenhöhe. Was bedeutet das konkret in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden?

Augenhöhe heißt: keine Fachbegriff-Wand, hinter der man sich versteckt. Ich erkläre nicht nur, was zu tun ist, sondern auch warum, und zwar so, dass Sie es ohne mich weiter beurteilen können. Die Entscheidung bleibt bei Ihnen, ich liefere die Grundlage, nicht den Zwang. Konkret bedeutet das auch, dass ich gegen mein eigenes Interesse berate, wenn es richtig ist. Wenn die ehrliche Antwort lautet „Das erledigt Ihr Team in zwei Stunden selbst“, dann sage ich das, auch wenn ich daran nichts verdiene. Ein Sparringspartner macht Sie stärker, er macht Sie nicht abhängig. Genau daran messe ich eine gute Zusammenarbeit: Am Ende verstehen Sie Ihr eigenes Marketing besser, nicht schlechter.

Was unterscheidet knipping.org aus Ihrer Sicht von klassischen Agenturen oder großen Beratungen?

Der Unterschied liegt im Anreiz. Bei klassischen Agenturmodellen entsteht häufig ein natürlicher Anreiz, über Umfang, Stunden oder Retainer zu wachsen. Mein Modell setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt: Ich verdiene an Klarheit und Priorisierung, nicht an möglichst vielen Maßnahmen. Zweitens habe ich selbst operativ Geld verdient und verloren, nicht nur beraten. Diese Unternehmerperspektive verändert jede Empfehlung. Drittens bin ich unabhängig genug, um eine ehrliche Zweitmeinung zu geben, auch zu bestehenden Agenturen. Ich prüfe, was sinnvoll ist, was fehlt und was Sie gerade bezahlen, ohne es zu benötigen. Und Sie sprechen direkt mit mir, nicht mit einem Account-Manager, der die Frage weiterreicht. Klein und direkt ist hier kein Nachteil, sondern der Kern des Angebots.

Sie setzen bewusst auf klare Prioritäten statt möglichst viele Maßnahmen. Wie erkennen Sie, welche Hebel für ein Unternehmen wirklich relevant sind?

Ich folge dem Geld, nicht der Checkliste. Zuerst schaue ich, welche Seiten und welche Suchanfragen tatsächlich Umsatz bringen oder bringen könnten, und ignoriere den Rest bewusst. Dann trenne ich zwei Dinge, die ständig verwechselt werden: Was ist kaputt, und was ist nur nicht perfekt? Kaputte Grundlagen schlagen jede inhaltliche Feinarbeit. Damit meine ich langsame Ladezeiten, Seiten, die gar nicht indexiert werden, eine unklare Marke oder Seiten, die sich gegenseitig blockieren. Erst wenn das Fundament trägt, lohnt sich Content. In den allermeisten Fällen liegen achtzig Prozent der Wirkung in zwei oder drei Baustellen. Meine Aufgabe ist, diese zu finden und alles andere ehrlich als „später oder nie“ zu markieren.

Welche Rolle spielen SEO und organische Sichtbarkeit heute noch in einer Zeit, in der KI-Suche zunehmend an Bedeutung gewinnt?

SEO stirbt nicht, es erweitert sich. Googles KI-Funktionen bauen direkt auf den Systemen und dem Index der klassischen Suche auf, und auch andere KI-Suchsysteme greifen für aktuelle Antworten auf Inhalte aus dem Web und Suchsysteme zurück. Eine technisch saubere, auffindbare Website, klare Themenzuordnung und eine eindeutig erkennbare Marke bleiben deshalb das Fundament. Wer online kaum auffindbare, eindeutige und zitierfähige Informationen über seine Marke bereitstellt, hat es auch in KI-Antworten deutlich schwerer. Neu ist nur die zweite Bühne: Sie müssen zusätzlich messen, ob KI-Systeme Ihre Marke überhaupt kennen und korrekt beschreiben. Der eigentliche Wandel ist strategisch. Klicks allein werden als Erfolgskennzahl weniger aussagekräftig, weil KI-Systeme Antworten zunehmend direkt liefern. Markenpräsenz gewinnt dadurch an Bedeutung. Für kleine Unternehmen kann das sogar eine gute Nachricht sein, denn eine klare und konsistente Marke kann hier wichtiger sein als das größte Budget.

Beim Thema E-Commerce greifen Sie auch auf eigene Shopify-Erfahrung zurück. Welche typischen Fehler beobachten Sie bei kleineren Online-Shops?

Der teuerste Fehler ist die falsche Reihenfolge. Man startet mit Blogartikeln und Backlinks, während die Kategorieseiten, also die Seiten, die tatsächlich verkaufen, leer und uninteressant bleiben. Bei transaktionalen Suchanfragen sind gut aufgebaute Kategorie- und Produktseiten häufig die entscheidenden Landingpages. Ratgeber können unterstützen, ersetzen dieses Fundament aber nicht. Zweiter Klassiker: austauschbare Produkttexte, oft aus dem Großhandel oder Dropshipping übernommen, die sich gegenseitig blockieren. Dritter Punkt: Produktdaten und der Merchant-Feed werden stiefmütterlich behandelt, obwohl genau diese Daten für Google und KI-Systeme die Wahrheit über Ihr Produkt sind. Dazu kommt technischer Ballast, also zu viele Apps, langsame Themes, lange Ladezeiten. Und über allem schwebt die Vanity-Falle. Man feiert steigende Besucherzahlen, während die Marge nicht mitwächst. Ich habe diese Fehler selbst gemacht, deshalb erkenne ich sie schnell.

KI und Automatisierung versprechen viel Effizienz. Wie entscheiden Sie, welche Anwendungen tatsächlich wirtschaftlichen Nutzen bringen?

Ich stelle nur eine Frage: Verschwindet damit eine echte, wiederkehrende Kostenstelle, oder wird ein Umsatz möglich, der vorher blockiert war? „Wir nutzen jetzt KI“ ist kein Nutzen, sondern ein Aufkleber. Die meisten KI-Funktionen sind Lösungen auf der Suche nach einem Problem. Deshalb fange ich nie beim Tool an, sondern beim Engpass: Wo geht real Zeit oder Geld verloren? Für diesen einen Engpass suche ich eine Anwendung, setze sie klein auf und messe vorher und nachher. Bringt sie nichts Messbares, fliegt sie wieder raus, ohne Sentimentalität. Automatisierung lohnt sich dort, wo etwas oft, gleichförmig und fehleranfällig passiert. Sie lohnt sich nicht als Selbstzweck, nur weil gerade alle darüber reden.

Welche Themen und Angebote möchten Sie bei knipping.org in den kommenden Jahren weiter ausbauen?

Zwei Richtungen. Erstens die Sichtbarkeit in KI-Systemen als messbare Leistung, nicht als Buzzword, sondern konkret: Kennt und empfiehlt ChatGPT Ihre Marke, und wenn nein, woran liegt es? Dieses Feld ist neu, unübersichtlich und voller Versprechen, deren Wirkung sich oft nur schwer überprüfen lässt. Genau dort will ich die ehrliche, überprüfbare Instanz sein. Zweitens die strukturelle E-Commerce-Arbeit für kleinere Shops, weil hier der größte ungenutzte Hebel liegt. Was ich bewusst nicht ausbauen will, ist Größe um der Größe willen. Der Wert von knipping.org steckt in der Unabhängigkeit und der direkten Zusammenarbeit. Sobald eine Zweitmeinung durch drei Zwischenebenen läuft, ist sie keine mehr.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen ihre digitale Sichtbarkeit und ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln möchten?

Erstens: Weniger, dafür richtig. Zwei konsequent umgesetzte Prioritäten schlagen zwanzig halbe Maßnahmen, jedes Mal. Zweitens: Werden Sie eine klare Marke. Beschreiben Sie überall, auf der Website, in Verzeichnissen, in Profilen, identisch, wer Sie sind und für wen. Konsistenz hilft Suchmaschinen und KI-Systemen dabei, Ihre Marke eindeutig einzuordnen, und sie kostet kein Budget, nur Disziplin. Drittens: Bauen Sie auf dem, was Ihnen gehört. Ihre Website ist Eigentum, Reichweite auf fremden Plattformen ist gemietet. Und messen Sie das, was zählt, also Umsatz und Anfragen, nicht Rankings und Besucherzahlen. Der häufigste Gründungsfehler ist nicht zu wenig Aktivität, sondern Aktivität an der falschen Stelle. Wer früh lernt, ehrlich zu priorisieren, spart sich Jahre teurer Umwege.

Alexander Knipping ist SEO- und Online-Marketing-Berater aus Baden-Baden. Seit 2010 beschäftigt er sich mit Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing und digitalen Geschäftsmodellen. In dieser Zeit hat er SEO aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt: mit mehr als 100 eigenen Webprojekten, in Kundenprojekten, in einer Agentur und als Betreiber eines eigenen Online-Shops.

Bildcredits Privat/Knipping

Wir bedanken uns bei Alexander Knipping für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


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KAZIMI: Wie deterministischer Bot-Schutz fehlerhafte App-Daten stoppt

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KAZIMI: Daten verifizieren und Bots erkennen KAZIMI Team Bild stehend

KAZIMI verifiziert Daten in mobilen Apps und erkennt Bots eindeutig, um Unternehmen eine verlässliche Grundlage für Marketing- und Optimierungsentscheidungen zu geben.

Wie würdet ihr KAZIMI vorstellen und welches konkrete Problem löst ihr für Unternehmen mit Mobile Apps?

KAZIMI ist ein Verifizierungstool für mobile App-Daten. Wir erkennen Bots deterministisch — nicht über Wahrscheinlichkeits-Scores, sondern über eindeutige Signale. Das Ergebnis sind 100% verifizierte menschliche Daten als Grundlage für jede Optimierungsentscheidung, einschliesslich dem App Marketing.

Wer sind die Gründer hinter KAZIMI und welche Erfahrungen bringt ihr in den Bereichen Mobile Security und Mobile Marketing mit?

Das Kazimi-Team hat vor der 1 Milliarde Dollar schweren Übernahme durch Applovin die Security-Lösung bei Adjust gebaut. Insgesamt hat das Team über 40 Jahre Erfahrung im Bereich mobiler Sicherheit und Werbebetrugsbekämpfung. Kazimi bietet eine neue Lösung an, die die Bot-Krise des Mobile Marketing erstmals wirksam bekämpfen kann – mit einem neuartigen technologischen Ansatz.

Welche Vision verfolgt ihr mit KAZIMI und welche Rolle spielt dabei eure Proof of Humanness Technologie?

Verifizierte Menschlichkeit soll ein Grundstein des mobilen Öko- und Werbesystems werden. Nicht ein Feature im Anti-Fraud-Werkzeugkasten, sondern die Voraussetzung dafür, dass Daten in mobilen Apps gesammelt werden, überhaupt noch sinnvoll verarbeitet werden können.

Heute ist Werbebetrug mehr als ein Kostenproblem. Man verliert einerseits Budget in Werbekamapgnen, die stark mit Daten nicht menschlicher Herkunft manipuliert werden, und andererseits optimiert auf Datensätze, in denen Menschen und Maschinen gleichwertig behandelt werden. Wenn dies unbemerkt geschieht können Firmen Ihre mobile Strategie gegen Ihr eigentliches Interesse aufstellen und sich langfristig finanziell schädigen.

Automatisierter Traffic – also Daten, die nicht auf menschliches Verhalten erhoben werden – wird nicht weniger, sondern mehr und schwerer durch traditionelle Datenanalysen zu ermitteln. Je überzeugender Bots menschliches Verhalten imitieren, desto weniger trägt der probabilistische Ansatz Früchte — man kann nicht segmentieren, was man nicht klar unterscheiden kann. Verhaltensbasierte Erkennungssysteme laufen einem Ziel hinterher, das sich schneller bewegt als sie selbst.

Die Frage verschiebt sich von „Wie wahrscheinlich ist das ein Bot?“ zu „Ist bewiesen, dass das ein Mensch ist?“ Das ist keine graduelle Verbesserung, sondern eine Umkehrung der Beweislast.

Bots und manipulierter Traffic können wichtige Kennzahlen verfälschen. Wie groß ist dieses Problem für App Unternehmen?

Wir schätzen, dass verfälschte Traffic einen beachtlichen Anteil des globalen Volumina ausmacht. Deshalb haben wir eine Firma gegründet, die dieses Probelm an den Grund geht.

An welche Unternehmen richtet sich eure Lösung besonders und welche Anforderungen haben diese Kunden?

Mobile-App-Unternehmen mit signifikantem Paid-UA (User Acquisition) Budget, die auf Basis von Kohortendaten skalieren. In erster Linie Mobile Gaming, da sie sehr spezialisierte und hoch-performante UA-Organisationen sind, meistens mit einer In-App-Ökonomie als zusätzlicher Angriffsfläche.

Ansonsten Retail-Apps, Subscription-Apps, Utility; überall dort, wo entweder Installationen oder sogenannte Post-Install-Events die Auszahlungslogik fur die Kampagnen bestimmen. Aber auch Apps die mit automatisierten Angriffen auf User-Accounts oder bezahlten Content kämpfen.

Wie erkennt KAZIMI, ob hinter einer App Nutzung tatsächlich ein Mensch und kein Bot oder manipuliertes Gerät steckt?

Durch angewandte Kryptographie und proprietäre Technologien und Methoden, die wir selbst entwickelt haben. Dabei liegt unser Fokus auf Privatsphäre und Datensicherheit. Entgegen aller anderen Lösungen am Markt sammeln wir weder Geräte- noch Benutzerdaten und erstellen auch keine Blocklists. Jede einzelne Transaktion wird in Echtzeit geprüft und verifiziert. So erhalten unsere Kunden ein extrem starkes Multifunktionswerkzeug, ohne sich der Gefahr von Datenlecks und Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen auszusetzen.

Was unterscheidet euren Ansatz von bestehenden Lösungen zur Erkennung von Fraud und manipuliertem Mobile Traffic?

Sehe erste Antwort: Wir erkennen Bots deterministisch — nicht über Wahrscheinlichkeits-Scores, sondern über eindeutige Signale auf der Ebene des einzelnen Geräts. Das Ergebnis sind 100 % verifizierte menschliche Daten und Einsichten in die verwendeten Manipulationstechniken der nicht menschlichen Daten als Grundlage für jede Optimierungsentscheidung. Somit decken wir den Betrugs- und Manipulationserkennungswunsch des Marketings unserer Kunden ab, aber auch die Belange der Sicherheitsverantwortlichen wie CISOs und CTOs.

KAZIMI benötigt nach eigenen Angaben keine personenbezogenen Daten für die Verifikation. Warum ist dieser Ansatz für euch wichtig?

Die meisten Adtech-Zentristischen-Lösungen verwenden personenbezogenen Daten, was höhere Anforderungen bzgl. DSGVO benötigt. Außerdem wollen wir sicherstellen, dass unsere Kunden die volle Kontrolle über Ihre Kunden- und Verkehrsdaten behalten. Wir bieten so auch eine transparente Preisstruktur, da wir unseren Umsatz nicht mit dem Verkauf von Daten subventionieren müssen.

Wenn verifizierte Menschlichkeit eine Grundschicht des Netzes werden soll, kann sie nicht auf Identifizierung beruhen. Eine Infrastruktur, die für jede Interaktion weiß, wer dahinter steht, ist Überwachungsinfrastruktur — und wäre als allgemeine Schicht weder durchsetzbar noch wünschenswert. Der Nachweis muss die Frage „Mensch?“ beantworten, ohne die Frage „Welcher Mensch?“ zu beantworten. Genau diese Trennung macht den Ansatz überhaupt erst verallgemeinerbar.

Welche Herausforderungen entstehen bei der Entwicklung einer Sicherheitslösung, die direkt in bestehende Apps und Analytics Systeme integriert werden soll?

Stabilität, Kompatibilität, Performanz und Verfügbarkeit sind die vier Hygienefaktoren, die wir immer priorisieren müssen. Selbst die beste und sicherste Erkennung wird am Markt nicht bestehen, wenn sie zu langsam ist, nicht auf allen Geräten funktioniert oder regelmäßig ausfällt. Im Gegensatz zu diesen Pflichtaufgaben ist das Forschen an den zukünftigen Manipulationsmethoden eher die Kür, mit der wir begeistern können, die aber keine Punkte macht, ohne dass die Pflicht gemeistert wurde.

Wie können verlässlichere First Party Daten Unternehmen dabei helfen, ihre Marketingbudgets und Kampagnen besser zu steuern?

Nicht jede Manipulation in einer Werbekampagne ist gleich schwerwiegend, es gibt durchaus Fälle, in denen die Unternehmen ein gewisses Maß an Manipulation billigen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die beiden grössten Gefahren für die Werbetreibenden sind aus unserer Erfahrung zum einen die blinden Flecken, also einfach die Unkenntnis über kritische Manipulationen und die daraus wenigstens zum Teil entstehende Entschlossenheit falsche Entscheidungen mit großer Überzeugung and erheblicher Tragweite zu treffen.

Ein Kanal mit 30 % Fake-Installs kann bei reiner Betrachtung der Volumen erfolgreich und kosteneffektiv aussehen: viele Installs, vergleichsweise niedriger CPI (Kosten pro Installation). Ein sauberer Kanal sieht im Vergleich dazu meist teurer aus. Das Team läuft also Gefahr, systematisch in die falsche Richtung zu skalieren und zu optimieren — und die Verzerrung ist selbstverstärkend, weil mehr Budget in den betrügerischen Kanal mehr Betrug anzieht.

Mit verlässlichen Daten kehrt sich das Ranking um. Der eigentliche Gewinn ist nicht das eingesparte Budget, sondern das umgeschichtete Budget: Dasselbe Geld in echten Kanälen bringt echte Nutzer; es wird also Verschwendung von Marketingbudgets verhindert.

Welche nächsten Entwicklungen und Ziele stehen für KAZIMI auf dem Weg zu weiterem Wachstum im Mittelpunkt?

Das größte Wachstumshindernis für ein junges Startup ist nicht Skepsis am Konzept, sondern fehlende Fallstudien, die relevant für die Interessenten sind. Insofern fokussieren wir uns auf die Gewinnung von neuen Kunden, die in den meisten Fällen auch gerne über die positiven Effekte unserer Lösung sprechen.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ein technologiegetriebenes Startup aufbauen?

  1. Bleib am Ball, wenn du weißt, dass du auf dem richtigen Weg bist – auch wenn die große Akzeptanz in deinem Umfeld ausbleibt. Lass Deine Ideen von echten Spezialisten für Dich validieren.
  2. Mache keine Versprechen im Verkaufsgespräch, die deine Software und Infrastruktur hinterher nicht einhalten können.
  3. Konzentriere Dich auf den Vorteil den Du deinen Kunden für ihr Geschäft bieten kannst, nicht den Vorteil den Du dir vom Kunden für Dich erhoffst.

Bildcredits – Iraj Larik

Wir bedanken uns bei Andreas Naumann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

REAL.: Wie die Social-Media-Agentur Praxiserfahrung in Wachstum verwandelt

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REAL.: Social Media trifft Performance Marketing Emre Tuncer

REAL. verbindet Social Media und Performance Marketing, um Unternehmen mit kreativem Content und datenbasierten Strategien zu mehr Reichweite und Wachstum zu verhelfen.

Können Sie REAL. kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für das Unternehmen entstanden ist?

REAL. ist eine Social-Media-Agentur aus der Region Stuttgart. Wir betreuen Unternehmen bei organischem Content und bezahlter Werbung, damit daraus mehr Kunden und mehr Umsatz entstehen. Angefangen hat das eher zufällig. Während meines dualen Studiums habe ich meiner Mutter vorgeschlagen, Backvideos zu drehen. Sie hatte nach der Corona-Zeit erst mal nicht mehr gearbeitet und entsprechend Zeit. Wir haben zusammen losgelegt, und nach wenigen Wochen gingen die ersten Videos viral. In den besten Phasen kamen über 10.000 neue Follower pro Tag dazu. Heute steht der Kanal bei rund 3 Millionen Followern und über 2 Milliarden Aufrufen. Als die Südwestpresse darüber berichtet hat, kamen die ersten Unternehmen auf uns zu und wollten wissen, ob wir ihr Online-Marketing genauso aufbauen können. Daraus ist REAL. in seiner heutigen Form entstanden.

Wer steht hinter REAL., und welche Erfahrungen bringt das Team in Social Media und Performance Marketing ein?

Hinter REAL. steht ein Team mit eigenen Bereichen für Organic Social, Paid Social, Social Recruiting und Suchmaschinenoptimierung. Zusammen bringen wir über zehn Jahre Erfahrung in Performance Marketing und Social Media mit. Über die von uns betreuten Kanäle wurden mehr als 3 Millionen Follower aufgebaut und über 2 Milliarden Aufrufe erzielt. Wichtiger als die Jahreszahl ist uns aber etwas anderes: Jeder bei uns hat die Formate, über die wir reden, selbst produziert.

Welche Vision verfolgen Sie mit REAL., und wie möchten Sie sich langfristig im Agenturmarkt positionieren?

Wir wollen die Anlaufstelle für Unternehmen sein, die Budget in die Hand nehmen und damit ein klares Ziel verfolgen: mehr Kunden oder mehr Reichweite. Bei uns soll niemand einfach nur eine Leistung einkaufen, sondern eine ehrliche Einschätzung bekommen, was in seiner Situation überhaupt Sinn ergibt. Manchmal gehört dazu auch die Ansage, dass ein Kanal für dieses Unternehmen gerade der falsche ist. Dass REAL. bei Google für „Social Media Agentur“ bundesweit auf Platz 1 steht, ist für uns eher Zwischenstand als Ziel. Langfristig wollen wir zu den führenden Agenturen in diesem Bereich gehören.

An welche Unternehmen richtet sich Ihr Angebot besonders, und welche Herausforderungen möchten diese im Social Media Marketing lösen?

Wir arbeiten mit Unternehmen, die schon eine gewisse Umsatzgröße erreicht haben und von dort aus skalieren wollen. Das geht vom Mittelstand über Dienstleister bis zu E-Commerce-Marken. Das Problem ist fast immer dasselbe: Es fehlt nicht an Ideen, sondern an einem System, das verlässlich Reichweite erzeugt und diese Reichweite in Anfragen oder Umsatz übersetzt. Viele posten regelmäßig und wissen trotzdem nicht, welcher Beitrag am Ende zu einem Kunden geführt hat.

Sie verbinden kreativen Content mit datengetriebenem Performance Marketing. Warum ist gerade diese Kombination entscheidend?

Weil beides zusammen deutlich mehr bringt als jedes für sich. Auf Instagram, TikTok und Facebook wird vor allem das ausgespielt, was inhaltlich heraussticht. Wer austauschbaren Content produziert, hat es dort schwerer, egal wie sauber die Kampagne aufgesetzt ist. Umgekehrt bleibt Kreativität ohne Daten viel Bauchgefühl. Wir schauen deshalb bei jedem Projekt zuerst in die vorhandenen Daten und leiten daraus ab, welche Formate funktionieren und welche nicht. So arbeiten wir nicht in einer Blackbox. Aus der Kombination entstehen Ergebnisse, die sich wiederholen lassen.

Was unterscheidet REAL. aus Ihrer Sicht von klassischen Social Media und Performance Marketing Agenturen?

Wir wenden alles, was wir für Kunden machen, zuerst bei uns selbst an. Mit Food with Style betreiben wir eine eigene Marke, die wir von null aufgebaut und bis zur E-Commerce-Marke entwickelt haben. Das gilt auch für die Sichtbarkeit bei Google: Für „Social Media Agentur“ stehen wir deutschlandweit auf Platz 1, dazu kommen vordere Plätze in praktisch allen großen Städten. Das ist kein Zufall, sondern genau die Arbeit, die wir auch für Kunden machen. Viele Agenturen kennen die Theorie. Wir kennen auch die Wochen, in denen ein Format nicht läuft und man nachjustieren muss.

Mit Food with Style haben Sie selbst eine große Social Media Community aufgebaut. Welche Erfahrungen daraus übertragen Sie auf Ihre Kundenprojekte?

Vor allem die Erfahrung, wie ein Kanal von null auf wächst und wie sich Reichweite in Umsatz übersetzen lässt. Unsere Videos machen dort in den meisten Fällen 500.000 bis eine Million Aufrufe. Aus dieser Reichweite ist eine eigene E-Commerce-Marke entstanden, wir haben den kompletten Weg also einmal selbst durchlaufen. Dazu kommt das praktische Wissen: wie ein Account gesund wächst statt sprunghaft, wie man eine Community pflegt, und woran man merkt, dass der Algorithmus ein Format nicht mehr ausspielt. Das lernst du in keinem Kurs, sondern nur, wenn du selbst über Jahre veröffentlichst.

Social Media Plattformen und Algorithmen verändern sich ständig. Wie gehen Sie mit dieser Dynamik im täglichen Geschäft um?

Wir verfolgen die offiziellen Änderungsmeldungen der Plattformen, etwa die Changelogs von Meta, und testen Neuerungen zuerst auf unseren eigenen Kanälen. Erst wenn wir wissen, wie sich eine Änderung auswirkt, setzen wir sie bei Kunden ein. Das ist der Vorteil einer eigenen Marke: Wir können ausprobieren, ohne dass ein Kundenkanal das Risiko trägt.

Reichweite allein bedeutet noch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Wie wird aus Aufmerksamkeit auf Social Media messbares Wachstum für Unternehmen?

Indem du Content nicht nur auf Reichweite oder nur auf Information auslegst, sondern die Schnittmenge suchst. Reiner Unterhaltungs-Content erreicht viele Menschen, aber selten die richtigen. Rein informativer Content erreicht die richtigen Menschen, aber zu wenige. Wir suchen deshalb die Formate, die beides schaffen: Reichweite erzeugen und gleichzeitig bei denen Interesse wecken, die wirklich anfragen könnten. Der zweite Schritt ist die Verbindung mit bezahlter Werbung, entweder für Leads oder für Umsatz bei E-Commerce-Marken. Erst dann wird aus Aufmerksamkeit ein messbarer Beitrag zum Geschäft.

Creator und Influencer Marketing gehören ebenfalls zu Ihrem Angebot. Welche Rolle spielen authentische Kooperationen beim Aufbau einer Marke?

Menschen kaufen von Menschen. Gerade Marken, die noch kein Gesicht haben, profitieren enorm davon, mit echten Personen verbunden zu werden. Vertrauen entsteht darüber schneller als über jede Werbebotschaft. Entscheidend ist die Passung: Eine Kooperation wirkt nur, wenn der Creator die Marke auch selbst benutzen würde. Sobald das Publikum merkt, dass da jemand etwas empfiehlt, das nicht zu ihm passt, schadet die Zusammenarbeit mehr, als sie bringt.

Welche Entwicklungen werden Social Media und Performance Marketing in den kommenden Jahren besonders prägen, und wie stellt sich REAL. darauf ein?

KI wird die Produktion verändern, aber anders, als viele erwarten. Bei statischen Grafiken und in der Recherche ist der Gewinn schon heute riesig: Du kommst mit demselben Aufwand zu deutlich mehr Output. Bei KI-generierten Creatorn sehen wir dagegen ein gemischtes Bild. Bei älteren Zielgruppen haben solche Anzeigen zeitweise gut funktioniert, bei jüngeren wurden sie sehr schnell durchschaut, und die Kommentare fielen entsprechend aus. Seit die Plattformen KI-Inhalte automatisch kennzeichnen, ist das noch deutlicher geworden. Ein zweiter Punkt wird aus unserer Sicht unterschätzt: Immer mehr Leute suchen nicht mehr bei Google, sondern fragen direkt ein KI-System. Für Unternehmen heißt das, dass Sichtbarkeit künftig auch bedeutet, in diesen Antworten vorzukommen. Wir denken unsere Prozesse deshalb konsequent KI-gestützt, aber nicht mit dem Ziel, Menschen zu ersetzen. Bei uns ist es umgekehrt: Je besser die Prozesse, desto mehr Leute können wir sinnvoll einsetzen und desto größer wird der Output insgesamt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die Social Media als Wachstumskanal für ihr Unternehmen nutzen möchten?

Erstens: Frag dich ehrlich, wovon du mehr hast, Zeit oder Geld. Wenn du mehr Zeit hast, fang mit organischem Content an und bau dir erst mal ein Grundrauschen auf: erste Zuschauer, eine kleine Community, vielleicht die ersten Anfragen.

Zweitens: Starte mit bezahlter Werbung erst, wenn du weißt, was bei deiner Zielgruppe ankommt. Wenn der Kanal warmgelaufen ist und erste Daten da sind, wird jeder eingesetzte Euro deutlich effizienter.

Drittens: Entscheide bewusst, ab wann du Unterstützung brauchst. Am Anfang kannst du dir vieles über frei verfügbare Inhalte selbst beibringen. Ab einer gewissen Größe wird das Thema aber komplex genug, dass sich entweder eigene Leute im Haus oder ein externer Dienstleister rechnen. Was selten funktioniert: das Ganze nebenher mitlaufen lassen und trotzdem professionelle Ergebnisse erwarten.

Bildcredits REAL. / Emre Tuncer

Wir bedanken uns bei Emre Tuncer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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