Dienstag, Februar 17, 2026
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Warum traditionelle Banken an kleinen Unternehmen scheitern – und was sich jetzt ändert

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Qred Bank – schnelle Finanzierung für Unternehmen. Qred_Moritz Wendt_Jason Francis

Qred ist eine digitale Bank, die kleinen und mittleren Unternehmen schnellen und unkomplizierten Zugang zu Finanzierungen ermöglicht

Wie entstand die Idee zu Qred und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?

Die Idee zu Qred entstand nicht an einem langen Tisch gelangweilter Vorstandsmitglieder, sondern wurde aus purer Frustration über die fundamentale Ungerechtigkeit des Systems geboren. Wir Mitgründer sind selbst Mehrfachgründer. Wir haben die schwerfällige Bürokratie traditioneller Banken am eigenen Leib erfahren: seitenlange Formulare, Termine irgendwann in ferner Zukunft und sogar direkte Ablehnungen – selbst dann, wenn wir nur unser eigenes Kapital einzahlen wollten.

Der Moment der Erkenntnis kam, als mein Mitgründer und CEO Emil Sunvisson realisierte: Die Branche hat ein massives Problem. Traditionelle Banken schenken ausgerechnet den Kleinunternehmen die geringste Aufmerksamkeit und bieten ihnen den schlechtesten Service – und das, obwohl sie 80% der neuen Arbeitsplätze in unserer Gesellschaft schaffen.
Wir haben Qred 2015 auf Basis einer klaren Überzeugung gegründet: Unternehmer verdienen einen Finanzpartner, der genauso schnell ist wie sie selbst – und nicht einen, der im Tempo eines Faxgeräts arbeitet. Die Menschen hinter dem Unternehmen sind heute eine leidenschaftliche Mischung aus erfahrenen Bankexperten und Tech-Innovatoren. Uns alle eint eine zentrale mutige Mission: die Unternehmer*innen Europas zu stärken.

Wie lautet die Vision von Qred, wenn es um den Zugang zu Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen geht?

Unsere Vision ist einfach: Wir wollen die führende Bank für kleine und mittlere Unternehmen in Europa sein. Eine, die Unternehmer wirklich lieben.
Für traditionelle Banken sind Kleinunternehmen oft nur eine Randnotiz – ein Punkt, der schnell abgehakt wird. Wir sehen in ihnen das wirtschaftliche Rückgrat unserer Volkswirtschaft. Wir verlassen uns auf sie jeden Tag: Sie schneiden uns die Haare, fahren uns zum Flughafen, begrüßen uns in ihren Hotels und bauen unsere Häuser. Unsere Vision ist es, sicherzustellen, dass jeder Unternehmer einen fairen, transparenten und direkten Zugang zu den Finanzmitteln erhält, die er braucht, um zu investieren, zu wachsen und zu expandieren. Wir wollen nicht bloß eine Alternative sein; wir wollen die selbstverständliche erste Wahl sein – weil uns ihr Erfolg wirklich am Herzen liegt.

Was war die größte Hürde auf dem Weg von der Gründung bis zur heutigen Banklizenz und wie hat Qred sie überwunden?

Die größte Hürde war tatsächlich keine technologische; es war der kulturelle und regulatorische Spagat zwischen der Dynamik eines Start-ups und der erforderlichen Sorgfalt eines regulierten Finanzinstituts.
Fintechs sind schnell und innovativ, Banken etabliert und genießen Vertrauen. Um diese Kluft zu überbrücken, mussten wir beweisen, dass wir unser Innovationstempo aufrechterhalten und zeitgleich die höchsten Standards einer vollwertigen Bank erfüllen können. Das ist uns gelungen, indem wir unseren Kunden gegenüber sehr transparent und klar aufgetreten sind und gleichzeitig die Themen Regulatorik und Compliance extrem ernst genommen haben.

Wir können beweisen, dass unsere eigenentwickelten, KI-gestützten Systeme nicht nur schnell, sondern auch deutlich gründlicher und verantwortungsbewusster arbeiten als ein Kreditsachbearbeiter, der sich auf veraltete, langsame Prozesse stützt. Das Ergebnis war der Erhalt unserer Banklizenz. Sie ist ein eindrucksvolles Gütesiegel für unser Modell und erlaubt es uns, bessere Konditionen und Services anzubieten – etwas, wovor sich die alten Banken seit Jahrzehnten drücken. Gleichzeitig gilt: Wir sind jederzeit erreichbar und nur einen Anruf entfernt. Wir bieten den menschlichen Kontakt, wenn er zählt – das spiegelt sich ganz klar in unserer 4,8-Sterne Bewertung wider.

Wie gelingt es Qred, Kredite so schnell und unkompliziert zu vergeben, während traditionelle Banken oft Wochen brauchen?

Auf traditionellen Banken lasten überholte, komplizierte Altsysteme, die oft separate Insellösungen für verschiedene Bestandteile eines einzigen Produkts benötigen – zusätzlich zu den manuellen, papierbasierten Prozessen. Wir bei Qred haben unsere firmeneigene Kreditplattform von Grund auf neu entwickelt, angetrieben durch Machine Learning und KI.
Stellt ein Unternehmen einen Antrag, analysiert unser System sofort eine Vielzahl relevanter Datenquellen – weit mehr als nur den reinen Bonitäts-Score. So erhalten wir ein ganzheitliches Echtzeitbild der finanziellen Lage des Unternehmens. Wir ersetzen wochenlange, subjektive Entscheidungen von Menschen durch sekundenschnelle, datengesteuerte und objektive Analysen. Keine leeren Worte, sondern eine klare Finanzierung, die sich nach Ihnen richtet.

An welche Zielgruppe richtet sich Qred in Deutschland und welche besonderen Bedürfnisse weist dieser Markt im Vergleich zu anderen auf?

Unsere Zielgruppe – wie in all unseren Märkten – sind die Unternehmer, die oft durch das Raster der traditionellen Banken fallen. Das sind die Handwerker, die lokalen Einzelhändler, die Dienstleister – der wahre Mittelstand, der die Wirtschaft antreibt.
Gerade in Deutschland ist der Bedarf an Qred akut spürbar aufgrund der starken Fokussierung auf das traditionelle, filialbasierte Bankwesen und einer bisherigen Abneigung gegenüber digitaler Transformation im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Deutsche KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) werden von traditionellen Banken oft sogar noch stärker vernachlässigt als in anderen Märkten, da sie allein wegen der benötigten Kreditsumme in langatmige bürokratische Prozesse gezwungen werden. Die Bedürfnisse deutscher Unternehmer sind somit verstärkt: Sie benötigen einen Partner, der Geschwindigkeit, Transparenz und einen Service mit hohem Vertrauensfaktor bietet, ohne dabei die Gründlichkeit zu vernachlässigen, die für die deutsche Unternehmenskultur unerlässlich ist. ‘Mega schnell’ ist eines der häufigsten Kundenfeedbacks, die wir erhalten!

Wodurch hebt sich das Geschäftsmodell von Qred von traditionellen Banken und anderen Fintech-Wettbewerbern ab?

Unsere Einzigartigkeit ergibt sich aus unserer wettbewerbsfähigen Positionierung als Technologieunternehmen mit Banklizenz, das sich ausschließlich auf KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) fokussiert.
Im Vergleich zu traditionellen Banken: Sie sind langsam, priorisieren Großkunden und nutzen veraltete Technologien. Unser Ansatz ist von Grund auf digital, mit einem kompromisslosen Fokus auf das KMU-Segment. Unsere firmeneigene KI-Technologie sorgt dabei für maximale Geschwindigkeit.

Im Vergleich zu reinen Fintech-Wettbewerbern: Blickt man bei vielen Fintechs hinter die juristische Fassade, entpuppen sie sich oft als reine Kontaktvermittler oder unregulierte Kreditgeber. Teilweise greifen sie dabei auf zweifelhafte Finanzkonstruktionen mit Sitz in Steuerparadiesen zurück – wahrscheinlich, um sich der Regulierung zu entziehen.
Wir hingegen sind eine vollwertige, regulierte Bank und stehen somit unter der Aufsicht der schwedischen Finanzbehörde. Für uns bedeutet das, dass wir wettbewerbsfähige Finanzierungen anbieten, Produkte wie Sparkonten oder Bezahllösungen einführen und eine tiefgehende, langfristige Beziehung zu unseren Kunden aufbauen können. In unseren Augen sollte uns die Rolle als seriöser und engagierter Akteur im deutschen KMU-Finanzierungs- und Bankengeschäft eine nachhaltige Position gegenüber unseren strategischen Partnern und Kunden ermöglichen.

Wie stellt Qred sicher, dass die Kreditvergabe trotz digitaler Prozesse verantwortungsvoll und fair bleibt?

Tatsächlich machen unsere digitalen Prozesse die Kreditvergabe sogar noch verantwortungsvoller und fairer. Ihr Zweck ist es nicht, an der falschen Stelle zu sparen, sondern den Zeitaufwand zu reduzieren und Subjektivität zu eliminieren.
Unser selbst entwickeltes Scoring-System beruht auf einer umfangreichen Datengrundlage aus über zehn Jahren Marktpräsenz mit hochentwickelten Risikomodellen. Dies ermöglicht uns eine tiefgehendere und fundiertere Bonitätsprüfung, als es einer Bank, die sich oft nur auf veraltete Daten stützt, möglich ist. Unser Preismodell mit fester Monatsgebühr sorgt für volle Kostentransparenz – ganz ohne Kleingedrucktes oder versteckte Zusatzkosten. Zudem ist unser hervorragendes und engagiertes deutsches Kundenservice-Team bei Fragen immer schnell erreichbar, sei es per Telefon, Chat oder E-Mail.

Welche technologischen Innovationen spielen bei Qred eine zentrale Rolle, um den Finanzierungsprozess effizienter zu gestalten?

Im Zentrum unserer Innovation steht unsere firmeneigene, auf maschinellem Lernen und KI basierende Plattform. Das sind für uns keine bloßen Marketing-Schlagwörter; es ist der Motor unseres Geschäfts und etwas, das wir bereits entwickelt haben, lange bevor KI in aller Munde war. Unsere Plattform ermöglicht es uns, Anträge schnell zu bearbeiten und ein fundiertes sowie faires Angebot zu unterbreiten. Sobald dieses angenommen wird, erfolgt die Auszahlung des Geldes unverzüglich.

Was ist Qreds langfristige Wachstumsstrategie in Deutschland und Europa?

Unsere Strategie ist es, mehr Unternehmer in ganz Europa zu stärken. Wir haben bewiesen, dass unser Modell wirklich skaliert und in vielen Märkten funktioniert, da wir bereits in den nordischen Ländern und den Benelux-Staaten tätig sind. Es erfüllt uns mit Stolz und Bescheidenheit, die einzige Bank zu sein, die in all diesen Regionen KMU-Finanzierungen anbietet. Diese Position verschafft uns einen strategischen Vorteil beim Aufbau dynamischer Partnerschaften und beim Einblick in Branchen, die über nationale Grenzen hinaus agieren.
In Deutschland konzentrieren wir uns darauf, schnell zu wachsen und mehr Unternehmen durch ein ausgezeichnetes Bankerlebnis zu helfen. Außerdem planen wir unser Angebot Anfang nächsten Jahres mit der Qred VISA zu erweitern – einer Business-Kreditkarte, die speziell auf Kleinunternehmen zugeschnitten ist. Seid gespannt!

Was motiviert das Team hinter Qred, jeden Tag an Finanzierungslösungen für KMU zu arbeiten?

Wir sprechen jeden Tag mit unseren Kunden. Es ist ein wirklich großes Privileg, so vielen von ihnen bei ihren ganz realen Problemen helfen zu dürfen. Für die meisten Unternehmer gehen Geschäftliches und Privates Hand in Hand; das lässt sich nicht einfach trennen. Wenn wir in kritischen Situationen einspringen und aushelfen können oder das Kapital bereitstellen, das sie für ihre Expansion und die Erfüllung ihres Traums benötigen, gibt uns das all die Motivation, die wir brauchen. Jeder Kredit, den wir genehmigen, jedes neue Produkt, das wir einführen, trägt direkt dazu bei, dass ein Kleinunternehmen eine neue Person einstellt, in neue Ausrüstung investiert oder in einen neuen Markt expandiert. Tatsächlich zeigen unsere Daten, dass Qred-Kunden mit unserer Finanzierung jedes Jahr Tausende von Arbeitsplätzen schaffen.

Und schließlich: Aufgrund unserer eigenen Erfahrung und Werdegangs kennen wir die Herausforderungen, denn wir selbst sind Unternehmer. Dieser tiefe, leidenschaftliche Glaube an den Kleinunternehmer ist es, der uns jeden Morgen aus dem Bett treibt, um eine Bank aufzubauen, die wirklich auf ihrer Seite steht.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründern geben, die ein skalierbares und nachhaltiges Fintech-Unternehmen auf die Beine stellen wollen?

Mein guter Freund und CEO, Emil Sunvisson, würde wahrscheinlich folgenden Rat geben:
Die oberste Regel: Bleibt nah am Kunden und stellt ihn konsequent in den Mittelpunkt. Entwickelt keine App als reines Gimmick, dem der Zweck noch fehlt. Findet stattdessen ein gravierendes, reales Problem, das die etablierten Spieler auf dem Markt ignorieren – etwa Banken, die KMU abweisen, obwohl diese Arbeitsplätze schaffen. Und genau das löst ihr. Wer dieses Problem nicht besser und schneller löst als alle anderen, ist schlichtweg bedeutungslos – nur ein weiteres digitales Störgeräusch.

Profitabilität ist keine Option, sondern ein Muss.

Vergesst das übermäßig genutzte Mantra „Wachstum um jeden Preis“. Baut ein echtes Unternehmen, das von Anfang an profitabel arbeitet. Profitabilität ist nicht nur ein Zeichen für ein funktionierendes Geschäftsmodell; sie ist das Einzige, was eure Unabhängigkeit sichert und euren Kunden ultimative Stabilität und Vertrauen gibt. Fintechs, die massive Verluste machen, könnten morgen schon wieder vom Markt sein. Qred wurde für eine nachhaltige Zukunft gebaut. Unsere Verantwortung gilt unseren Kunden, statt uns nur von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde zu hangeln.

Macht keine halben Sachen; baut es von Anfang an richtig auf. Natürlich muss man Prioritäten setzen und Kompromisse eingehen, aber das ist nicht dasselbe. Wer eine festgefahrene Branche aufmischen will, muss es besser machen als der Rest. Für uns bedeutete das: eine volle Banklizenz. Das garantiert, dass wir alle Vorschriften befolgen, unser Geschäft voll im Griff haben und unseren Kunden ein Höchstmaß an Sicherheit sowie ein erstklassiges Angebot bieten können. Definiert den Goldstandard in eurer Branche – das ist der entscheidende Schritt, der euch gegenüber euren Kunden als ernsthaften, langfristigen Partner auszeichnet.

Bild Moritz Wendt (l.), Country Manager Germany, und Jason Francis, Co-Founder von Qred. Bildrechte Qred

Wir bedanken uns bei Moritz Wendt und Jason Francis für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Kann Reisen die Welt wirklich verändern?

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Village Adventures Tourismus neu gedacht Reisen mit Sinn Isabel Gruß Gründerin Village Adventures

Village Adventures verbindet Reisende mit lokalen Gemeinschaften in Asien und Afrika und schafft authentische, nachhaltige Erlebnisse abseits des Massentourismus

Wie ist die Idee zu Village Adventures entstanden und wer ist der Kopf hinter dem Unternehmen?

Die Idee zu Village Adventures entstand 2023 mitten im Dschungel in einem Dorf ohne Internet und fließendes Wasser auf Sansibar. Dort habe ich verstanden, wie viel Kraft in echten, authentischen Begegnungen steckt – und welchen Einfluss wir als Reisende haben. Ich bin Isabel, 32 Jahre alt, komme aus Köln und bin leidenschaftliche Reisende und Abenteurerin. Auf meinen Reisen durch Asien und Afrika bin ich immer auf der Suche nach besonderen Erlebnissen abseits der typischen Touristenpfade. Ich habe dabei immer wieder gemerkt, wie schwer es ist, lokale, nicht auf Masse ausgelegte Angebote zu finden – deshalb habe ich Village Adventures gegründet: eine Plattform, die Reisende und lokale Anbieter zusammenbringt.

Was hat dich dazu bewegt, eine Plattform für community-basierten Tourismus in Asien und Afrika zu gründen?

Community-basierter Tourismus wird in Zukunft eine immer größere Rolle in der Reisebranche spielen. Aktuell kommt nur ein Bruchteil der Tourismus-Einnahmen – vor allem in ärmeren Regionen in Asien & Afrika – wirklich bei den Menschen vor Ort an. Oft stecken internationale Hotelketten oder Großkonzerne dazwischen. Community-basierter Tourismus ist eine nachhaltige Form, bei der lokale Gemeinschaften aktiv den Tourismus mitgestalten. Mit Village Adventures möchte ich genau denen eine Bühne geben und Reisenden ermöglichen, tief in Kultur und Alltag vor Ort einzutauchen.

Wie würdest du die Mission von Village Adventures in wenigen Worten beschreiben?

Village Adventures verändert, wie wir reisen – weg vom Massentourismus, hin zu echten Begegnungen. Jeder Trip soll nicht nur unvergesslich, sondern auch wirkungsvoll sein. Die Plattform bringt Reisende mit lokalen Anbietern zusammen und schafft inspirierende, nachhaltige Erlebnisse.

Warum ist dir der Fokus auf lokale Gemeinschaften und nachhaltige Reiseerlebnisse so wichtig?

Massentourismus ist allgegenwärtig und oft zerstörerisch – mich ärgert das. Wusstet ihr, dass 80 % der Reisenden nur etwa 10 % der weltweiten touristischen Reiseziele besuchen? Dadurch geraten Kultur, Natur und Lebensräume in den Hintergrund oder werden verdrängt. Nachhaltige Tourismuskonzepte werden immer wichtiger! Die emotionalsten Momente auf Reisen hatte ich immer dann, wenn ich mit Einheimischen unterwegs war – abseits der bekannten Routen. Genau diese Art des Reisens möchte ich anderen ermöglichen – und gleichzeitig die Communities vor Ort stärken.

Welche Art von Reisenden möchtest du mit den Angeboten ansprechen und was unterscheidet sie von klassischen Touristinnen und Touristen?

Village Adventures spricht bewusste, abenteuerlustige und kulturinteressierte Individualreisende an, die Sinn statt Pauschalangebote suchen. Sie möchten eintauchen statt konsumieren, erleben statt nur „sehen“. Sie interessieren sich für Nachhaltigkeit, Begegnungen auf Augenhöhe und authentische Erfahrungen fernab des Mainstreams.

Wie stellst du sicher, dass die Einnahmen wirklich bei den lokalen Communities ankommen und dort positive Wirkung entfalten?

Die Angebote auf der Plattform sind sorgfältig ausgewählt. Ich bin im engen Austausch mit allen Anbietern auf der Plattform und hinterfrage genau, welchen Impact ihr Angebot vor Ort hat. Der Anbieter legt seinen Preis fest und bekommt diesen auch zu 100%. Village Adventures finanziert sich über eine faire Servicegebühr. Zusätzlich zeigt der Impact-Tracker den Reisenden transparent, welchen sozialen, ökologischen und ökonomischen Unterschied ihre Reise macht.

Was waren die größten Herausforderungen beim Aufbau deiner Plattform – insbesondere im internationalen Kontext?

Die größte Herausforderung war der Aufbau verlässlicher Partnerschaften über Ländergrenzen hinweg – besonders dort, wo digitale Infrastruktur fehlt. Vertrauen, kulturelles Verständnis und intensive Kommunikation sind essenziell. Aber genau daraus entstehen die tiefsten Verbindungen und stärksten Kooperationen.

Wodurch hebt sich Village Adventures von anderen Anbietern im Bereich nachhaltiger Reisen ab?

Village Adventures ist die erste Reiseplattform, die sich vollständig auf Community-basierten und ländlichen Tourismus fokussiert – mit allen Bausteinen an einem Ort (von Unterkunft bis Tages- und mehrtägigen Trips). Village Adventures bietet keine pauschalen Rundreisen, sondern authentische kurze Erlebnisse, die jeder in seine Reiseroute integrieren kann. Der Impact Tracker zeigt transparent, was jede Buchung bewirkt. In Zukunft sollen sogenannte Pop-up Events in den Zielregionen ein großes Alleinstellungsmerkmal werden. Reisende haben so die Möglichkeit mit Einheimischen an zeitlich begrenzten kulturellen Events und Festivals teilzunehmen und so noch tiefer in die Kultur eintauchen.

Wie wählst du die Regionen und Partner aus, mit denen du zusammenarbeitet?

Ich suche gezielt Regionen, die touristisch oft übersehen werden, aber große kulturelle und soziale Schätze bergen. Wichtig sind für mich lokale Partner, die einzigartige Erlebnisse anbieten, einen klar erkennbaren Community-Bezug aufweisen und keine Massenangebote an den typischen Hotspots anbieten.

Welche Vision hast du für die nächsten Jahre – wohin soll sich Village Adventures entwickeln?

Meine Vision ist ganz klar: Village Adventures soll die führende Plattform für Community-basierten und ländlichen Tourismus weltweit werden. Ich möchte noch mehr Regionen, Anbieter und Reisende vernetzen – und zeigen, dass nachhaltiger Tourismus skalierbar ist. Dabei bleibt Wirkung immer der Leitstern: Jede Buchung soll messbar Positives bewirken.

Gibt es bereits Pläne, das Angebot über Asien und Afrika hinaus zu erweitern?

Ja, definitiv. Ich bin in ausgewählten Ländern in Asien und Afrika gestartet, da ich hier durch persönlichen Bezug verlässliche Partnerschaften gefunden habe. In den nächsten Jahren soll das Angebot aber auch auf Regionen in Mittel- und Südamerika ausgeweitet werden – etwa nach Peru, Costa Rica und weitere Länder mit reichem kulturellen Erbe und vielen lokalen Initiativen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit ihrem Startup einen positiven gesellschaftlichen Einfluss erzielen möchten?

Sei authentisch, transparent und erzähle gute Geschichten. Das ist das, was Menschen berührt – besonders bei sozialen, gesellschaftlichen Themen.
Denke Wirkung von Anfang an mit – als Teil des Geschäftsmodells, nicht als Add-on. Aber vergiss dabei nie die Skalierbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Hab Ausdauer. Es ist ein Marathon – und du wirst gegen große kommerziellere Player kämpfen. Bleib dran, auch wenn Aufmerksamkeit und Reichweite am Anfang noch fehlen.

Bild Isabel Gruß Fotocredit Maria Berezhnaya

Wir bedanken uns bei Isabel Gruß für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Village Adventures

Kontakt:

VA Village Adventures UG
Düsseldorfer Str. 75
D-51063 Köln

https://village-adventures.com/
isabel@village-adventures.com

Ansprechpartner
: Isabel Gruß

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Gründerkommunikation 3.0: Wie Storytelling zum Erfolgsfaktor wird

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Storytelling Startup: Wie Gründerkommunikation wirkt Image by Gerd Altmann from Pixabay

Zahlen überzeugen, Geschichten bleiben im Kopf. Erfolgreiche Gründerkommunikation lebt von Emotion, Haltung und Identität. Wer im Storytelling Startup-Prinzip denkt, baut Vertrauen auf, schafft Sichtbarkeit und stärkt sein Startup Branding nachhaltig.

Warum gute Geschichten heute über Erfolg entscheiden

In einer Welt voller Daten und digitaler Reize fällt es schwer, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Menschen werden täglich mit Informationen überflutet, aber nur wenige Botschaften bleiben wirklich hängen. Was im Gedächtnis bleibt, sind Geschichten.

Für Startups ist das von unschätzbarem Wert. Gute Kommunikation entscheidet heute genauso über Erfolg wie Produktqualität oder Finanzierung. Wer es schafft, seine Vision in eine mitreißende Geschichte zu verpacken, gewinnt Vertrauen – bei Investorinnen, Kundinnen und Mitarbeitenden.

Studien zeigen, dass Unternehmen mit klarer Markenbotschaft bis zu 30 Prozent schneller wachsen als solche ohne erkennbare Story. Es geht nicht um Manipulation, sondern um Authentizität. Geschichten zu erzählen ist kein romantischer Luxus, sondern ein professionelles Führungsinstrument.

Storytelling Startup – die Kraft der Authentizität

Storytelling im Startup bedeutet, echte Geschichten zu erzählen, nicht perfekte. Gründerinnen und Gründer, die offen über Herausforderungen, Wendepunkte und Lernerfahrungen sprechen, wirken glaubwürdig und nahbar. Diese Authentizität ist der stärkste Differenzierungsfaktor in einem überfüllten Markt.

Ein Beispiel: Ein junges Food-Tech-Unternehmen teilt in seinen Kommunikationskanälen offen, wie viele Versuche scheiterten, bevor das finale Produkt marktreif war. Diese Ehrlichkeit erzeugt Sympathie und Vertrauen – nicht trotz, sondern wegen der Rückschläge.

Gute Geschichten folgen oft dem Prinzip der Heldenreise. Die Gründerin oder der Gründer wird zur Hauptfigur, die mit Leidenschaft und Rückhalt ein Problem löst. Dabei stehen Werte und Haltung im Mittelpunkt, nicht Selbstdarstellung.

Gründerkommunikation als strategisches Werkzeug

Gründerkommunikation ist weit mehr als Pressearbeit. Sie ist die Grundlage für Identität und Markenführung. Eine klare Kommunikation sorgt dafür, dass Vision, Mission und Werte nach außen wie nach innen verstanden werden.

Dabei kommt es auf Konsistenz an. Ob Website, Social Media, Newsletter oder Pitch-Deck – überall sollte dieselbe Geschichte erkennbar sein. Sprache, Tonalität und visuelle Elemente müssen ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Startups, die ihre Geschichte kohärent erzählen, schaffen Wiedererkennungswert und emotionale Bindung. Das gilt nicht nur für Kundinnen und Investoren, sondern auch für das eigene Team.

Viele junge Unternehmen verwechseln Marke mit Design. Doch Startup Branding ist mehr als ein Logo oder eine Farbpalette. Es geht um Haltung, um die emotionale Ebene einer Marke.

Marken entstehen im Kopf – durch Gefühle, Erlebnisse und Vertrauen. Ein starkes Branding erzählt eine Geschichte, die inspiriert. Das kann die Leidenschaft für Technologie, der Wunsch nach Nachhaltigkeit oder der Antrieb sein, eine Branche zu verändern.

Beispielhaft sind Marken wie everdrop, Einhorn oder Little Lunch, die ihre Identität über Werte aufgebaut haben. Ihr Erfolg basiert nicht nur auf Produktqualität, sondern auf glaubwürdiger Kommunikation.

Die Heldenreise – Erfolgsstorys, die Menschen bewegen

Eine gute Startup-Story braucht Emotion, Konflikt und Lösung. Das klassische Storytelling-Modell der Heldenreise hilft dabei, Struktur zu schaffen.

  1. Ausgangspunkt: Das Problem oder die Motivation zur Gründung
  2. Konflikt: Herausforderungen, Rückschläge oder Zweifel
  3. Wendepunkt: Der Moment, in dem sich alles verändert
  4. Lösung: Erfolg, Innovation oder neue Erkenntnis

Diese Dramaturgie erzeugt Spannung und Nähe. Gründerinnen und Gründer, die ihre persönliche Reise teilen, schaffen Verbundenheit und werden als glaubwürdig wahrgenommen. Menschen investieren in Menschen – nicht in anonyme Marken.

Kommunikation nach innen und außen

Authentische Kommunikation beginnt im Inneren. Wer intern nicht klar und ehrlich kommuniziert, kann extern keine Glaubwürdigkeit aufbauen. Mitarbeitende sind die ersten Markenbotschafter.

Eine offene Gründerkommunikation stärkt das Teamgefühl und sorgt für Orientierung. Regelmäßige Updates, Feedbackrunden und transparente Entscheidungen schaffen Vertrauen. Dieses Vertrauen überträgt sich automatisch auf die Außenwahrnehmung.

Auch der Umgang mit Fehlern gehört dazu. Wenn Startups öffentlich zeigen, dass sie aus Rückschlägen lernen, gewinnen sie an Glaubwürdigkeit und Sympathie.

Fazit – Story first, Zahlen second

Erfolgreiche Startups sind nicht die lautesten, sondern die mit der klarsten Geschichte. Storytelling im Startup bedeutet, Menschen emotional zu erreichen und gleichzeitig eine Vision zu vermitteln.

Gründerkommunikation ist der rote Faden, der alles verbindet – von der Produktidee bis zur Unternehmenskultur. Wer sie bewusst gestaltet, schafft Identität, Vertrauen und Reichweite.

Und Startup Branding ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck dieser Geschichte. Es geht darum, sichtbar zu machen, was ein Unternehmen im Innersten antreibt.

Zahlen zeigen den Erfolg, aber Geschichten schaffen Bedeutung. Und genau das ist es, was bleibt.

Bild: Image by Gerd Altmann from Pixabay

Wird künstliche Intelligenz bald zur verlässlichen Kollegin im Arbeitsalltag?

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Octonomy AI – KI für Support, Service und Automatisierung octonomy AI Gründer Teambild Sushel Bijganath und Oliver Trabert

Octonomy AI automatisiert komplexe Support- und Serviceprozesse mit intelligenter KI-Technologie

Wie würdest du octonomy AI in wenigen Worten vorstellen und was war der Impuls, das Unternehmen zu gründen?

octonomy AI entwickelt eine Plattform, die Support-Tätigkeiten hochqualifizierter Fachkräfte automatisiert – vom technischen Support über die Produktberatung bis hin zum Field-Service-Support.
Der Impuls kam aus einem wiederkehrenden Muster: In fast jedem Unternehmen bleiben die komplexesten Aufgaben bei Menschen hängen, weil herkömmliche KI-Systeme dort den Kontext verlieren. Wir wollten eine Lösung schaffen, die genau diese Lücke schließt – mit verlässlicher, messbarer Qualität.

Wer steckt hinter octonomy AI – wie habt ihr euch als Team gefunden und welche Erfahrungen prägen eure Arbeit heute?

Hinter octonomy steht ein Team aus Technologie- und KI-Experten, die alle schon zuvor komplexe Systeme gebaut und skaliert haben – bei Unternehmen wie Meta, Amazon, Aleph Alpha oder Unicorns wie Personio, Staffbase und SoSafe.
Uns verbindet die Überzeugung, dass KI nicht bloß Text generieren, sondern echte Wissensarbeit übernehmen muss. Diese Kombination aus technischer Tiefe und unternehmerischer Erfahrung prägt, wie wir Produkte entwickeln: schnell, sicher und mit messbarem Impact.

Euer Ansatz setzt auf Multi-Agenten statt klassischer Chatbots. Was war die Idee dahinter und welchen Unterschied bemerken eure Kunden im Alltag?

Chatbots reagieren. Unsere Agenten verstehen. Wir automatisieren keine FAQ-Listen, sondern echte Wissensarbeit. Standardlösungen greifen meist auf vorgefertigte Fragen-Antwort-Sets zurück – das funktioniert bei einfachen Kundenanfragen, aber nicht, wenn es um technische Dokumentationen, Produkthandbücher oder komplexe Entscheidungslogiken geht.
Der Unterschied liegt im Aufbau: Wir kombinieren spezialisierte Agenten, die jeweils auf bestimmte Aufgaben trainiert sind – von Dokumentenverständnis bis Prozessausführung. Das sorgt für Stabilität in Szenarien, in denen Standardmodelle mit rund 50 % Genauigkeit scheitern. Unsere Kunden bemerken das sofort: Statt Halluzinationen und Nacharbeit erhalten sie verlässliche, nachvollziehbare Antworten – getestet wie Software, mit einer Genauigkeit von über 95 %.

Welche Art von Unternehmen profitiert am meisten von eurer Technologie und wie reagiert eure Zielgruppe auf das Thema KI-gestützte Automatisierung?

Unsere Kunden sind Industrie- und Serviceunternehmen, die täglich komplexe Supportanfragen bearbeiten – also Organisationen, in denen Wissen die wichtigste Ressource ist. Ob technischer Kundendienst, Field Service oder Compliance-Prüfung: Überall dort, wo Fachkräfte knapp sind, verschafft unsere Technologie messbare Entlastung.
Die Reaktion? Erst Skepsis, dann Begeisterung. Sobald Kunden erleben, dass KI hier wirklich funktioniert – ohne Halluzinationen, mit klaren Qualitätsmetriken – kippt die Stimmung von „interessant“ zu „endlich!“.

Octonomy AI will Support- und Serviceprozesse ohne lange Implementierung digitalisieren. Wie gelingt es euch, diese Komplexität einfach nutzbar zu machen?

Wir haben von Beginn an auf eine API-first-Architektur gesetzt, die sich in bestehende Systeme – CRM, ERP, Ticketing – nahtlos integrieren lässt.
Unsere KI nutzt vorhandenes Wissen im Unternehmen, statt alles neu zu trainieren. Dadurch erreichen wir Implementierungszeiten von unter 20 Tagen – ein entscheidender Faktor für Enterprise-Kunden, die keine monatelangen Pilotprojekte wollen, sondern Ergebnisse ab Woche eins.

Was war die bisher größte Herausforderung auf eurem Weg und wie habt ihr sie gemeistert?

Unsere größte Herausforderung war es, eine Plattform zu entwickeln, die auf komplexes Wissen mit über 95 % Genauigkeit verlässlich bessere Antworten liefert als der Mensch.
Das klingt einfach, ist es aber nicht – weil technisches Wissen selten eindeutig strukturiert ist. Wir mussten also eine Architektur schaffen, die Kontext versteht, Fehlerquellen minimiert und Ergebnisse testbar macht.
Gemeistert haben wir das durch viel Teamarbeit, lange Nächte, den direkten Zugang zu echtem Expertenwissen – und ein außergewöhnliches Team, das fachlich wie menschlich einfach funktioniert.

Inwiefern spielt Datensicherheit und DSGVO-Konformität für euch eine Rolle – gerade im Hinblick auf KI-Lösungen aus Deutschland?

Eine zentrale Rolle. Unsere Kunden arbeiten mit sensiblen, oft sicherheitskritischen Informationen. Wir hosten ausschließlich in Deutschland, erfüllen SOC2-Standards und sind vollständig DSGVO- und EU-AI-Act-konform. Gerade im Enterprise-Umfeld wird Vertrauen zum entscheidenden Kaufargument – und genau das liefern wir: KI made in Germany, die höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards vereint.

Wie definiert ihr Erfolg bei octonomy AI. Geht es für euch eher um technologische Exzellenz oder um die spürbare Entlastung eurer Kunden?

Beides. Technologische Exzellenz ist nur dann relevant, wenn sie in der Realität ankommt. Wir definieren Erfolg nicht über Releases oder Features, sondern über Produktivität: Wie viele Tickets oder Supportanfragen unsere Systeme eigenständig und fehlerfrei bearbeiten, wie viel Zeit dadurch im Team frei wird, und ob die Zufriedenheit der Endkunden steigt. Wenn KI echte Arbeit übernimmt – das ist Erfolg.

Was unterscheidet octonomy AI am stärksten von anderen Anbietern, die ebenfalls auf KI im Kundenservice setzen?

Wir automatisieren keine Chats, sondern Fachwissen. Während viele Anbieter sich auf Kommunikation konzentrieren, arbeiten unsere Agenten tief im Prozess – sie lesen technische Handbücher, prüfen SOPs, greifen auf ERP-Daten zu und handeln kontextbasiert. Das ist der fundamentale Unterschied: Wir ersetzen nicht menschliche Freundlichkeit, sondern menschliche Fachlichkeit – mit getesteter Qualität.

Wenn ihr in die Zukunft blickt. Welche Entwicklungen oder neuen Funktionen stehen bei euch als Nächstes an?

Sehr vieles. Unser Ziel ist, dass die Plattform künftig noch stärker im Self-Service funktioniert – also so intuitiv, dass sie auch von Business-Analyst:innen ohne technische Vorkenntnisse konfiguriert werden kann. Parallel arbeiten wir daran, die Antwortgenauigkeit weiter zu steigern, insbesondere bei noch komplexerem Wissen. Dafür entwickeln wir unsere Multi-Agenten-Architektur kontinuierlich weiter, um dauerhaft die beste Lösung in diesem Segment zu bleiben.
Kurz gesagt: Wir bauen keine Features um der Features willen, sondern schärfen alles auf Präzision, Einfachheit und Stabilität.

Wie siehst du die Rolle von KI in der Arbeitswelt 2026. Wird sie eher unterstützen oder verändern, wie Teams arbeiten?

Beides. KI wird nicht nur unterstützen, sie wird Arbeit neu strukturieren – vor allem dort, wo Fachkräfte fehlen. In vielen Branchen wächst der Druck: zu viele Aufgaben, zu wenig Personal, zu viel Wissen, das in Köpfen steckt. KI kann diese Lücke schließen, indem sie Routine- und Wissensarbeit übernimmt, ohne an Qualität zu verlieren.
Das bedeutet nicht, dass Menschen ersetzt werden. Im Gegenteil: Sie gewinnen Zeit für das, was Empathie, Erfahrung und Urteilsvermögen erfordert – also genau die Fähigkeiten, die kein System nachbilden kann. KI ist kein Risiko für den Arbeitsmarkt, sondern eine Antwort auf den Fachkräftemangel – sie verschiebt die Grenzen dessen, was Teams leisten können.

Welche drei Ratschläge würdest du Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer KI-Idee starten möchten?

Defensibility: Frag dich ehrlich, ob du eine echte Technologie baust oder nur ein Feature. Wenn dein Produkt auf bestehende Modelle oder Wrapper aufsetzt, kann es morgen verschwinden, sobald ein großer Anbieter dieselbe Funktion nativ anbietet. Nur wenn du originäre IP aufbaust – also Technologie, die dir gehört und die schwer zu kopieren ist – hast du langfristig eine Chance.

Access to capital: Plane früh, wie du Kapital effizient beschaffen kannst. KI ist aktuell einer der kapitalintensivsten Märkte überhaupt. Geschwindigkeit und Ressourcen entscheiden darüber, ob du in 18 Monaten noch relevant bist.

Access to talent: Bau so früh wie möglich ein exzellentes Team auf. In KI zählt Umsetzungsgeschwindigkeit – und die bekommst du nur, wenn du Leute hast, die gleichzeitig tief verstehen und schnell handeln können.
Und ganz ehrlich: Am Ende hilft alles Strategische nichts, wenn du es nicht einfach machst. Viele Ideen scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass sie nie wirklich begonnen werden.

Bild Sushel Bijganath und Oliver Trabert @ octonomy AI GmbH

Wir bedanken uns bei Sushel Bijganath und Oliver Trabert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie kann Technologie helfen, Einsamkeit im Alter wirklich zu überwinden?

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Zenaris – Digitale Teilhabe in der Pflege neu gedacht Teamfoto Tim Jefferys und Hakan Evcek @ Zensaris

Zenaris ermöglicht älteren und pflegebedürftigen Menschen durch eine innovative Fernsehlösung den einfachen Zugang zur digitalen Welt und stärkt so soziale Teilhabe und Lebensfreude.

Wie ist die Idee zu Zenaris entstanden und welches Problem wollten Sie damit ursprünglich lösen?

Unser Co-Founder Haken hatte während der Corona-Zeit erlebt, wie stark seine Schwieger-Oma unter sozialer Isolation und Einsamkeit litt – was letztlich auch zu kognitiven Einbußen geführt hat. Dieses Problem wollte er lösen. Erste Versuche mit bestehenden Technologien funktionierten nicht wie gewünscht. Als sich Hakan und Tim an der TU Darmstadt in einem Seminar kennenlernten, beschlossen sie, das Problem gemeinsam anzugehen. Daraus entstand schließlich Zenaris.

Was hat Sie motiviert, aus der Forschung heraus ein Unternehmen zu gründen, das sich auf digitale Teilhabe spezialisiert?

Wir haben beide Entrepreneurship und Innovation Management an der TU Darmstadt studiert. Das Thema digitale Teilhabe für ältere Menschen war für uns sehr greifbar, weil viele aus unserem Umfeld ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Das Seminar an der Universität gab uns die Möglichkeit, eine echte Lösung zu entwickeln – und wir hatten Freude daran, das Thema aus der Theorie in die Praxis zu bringen.

Wie funktioniert das System von Zenaris genau und wie wird der Fernseher dabei zum Tor in die digitale Welt?

Unser System basiert auf einer sehr einfach zu bedienenden Fernbedienung mit zwölf physischen Bildtasten. Jede Taste hat ein eigenes kleines Display, auf dem die jeweilige Funktion angezeigt wird. Das Prinzip ist: Ein Knopfdruck – eine Aktion am Fernseher. So können Nutzer nicht nur klassische Fernsehsender aufrufen, sondern auch Videotelefonate führen, On-Demand-Inhalte nutzen oder mit der ambulanten Pflege interagieren.

Für welche Menschen ist Ihre Lösung besonders gedacht und welche Rückmeldungen bekommen Sie aus der Zielgruppe?

Unser Fokus liegt auf pflegebedürftigen Menschen, insbesondere in der ambulanten Pflege. In aktuellen Pilotprojekten testen wir Zenaris in unterschiedlichen Umgebungen. Das Feedback ist sehr positiv – sowohl von den Nutzerinnen und Nutzern, die die einfache Bedienung schätzen, als auch von Pflegefachkräften, die eine Entlastung in ihrer täglichen Arbeit erleben.

Warum ist gerade der Fernseher als vertrautes Medium so entscheidend für den Erfolg Ihrer Technologie?

Der Fernseher ist das größte und vertrauteste Display im Haushalt – und nahezu alle Menschen in der ambulanten Pflege besitzen einen. Er ist ein vertrauter Bestandteil des Alltags und dadurch der ideale Zugangspunkt in die digitale Welt.

Welche Herausforderungen treten auf, wenn man Technologie speziell für ältere Menschen entwickelt, und wie gehen Sie damit um?

Am Anfang haben wir einige Annahmen getroffen und erste Prototypen gebaut, zum Beispiel mit Touchscreens – die wurden aber nicht gut angenommen. Wir haben schnell gelernt, dass wir eng mit der Zielgruppe zusammenarbeiten müssen. Seitdem testen wir jede Entwicklung gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern und beziehen ihr Feedback kontinuierlich ein.

Was unterscheidet Zenaris von anderen Ansätzen, die digitale Kommunikation für Senioren vereinfachen wollen?

Wir verzichten komplett auf Menüstrukturen und Touchscreens. Unser System läuft über den Fernseher, den die Zielgruppe bereits kennt. Zudem arbeiten wir eng mit Pflegeeinrichtungen zusammen – unser Ziel ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch echte Unterstützung für Pflegekräfte. Wir sind die einzigen, die bisher von ambulanten Pflegediensten empfohlen werden, da unser System auch die Arbeit für Pflegekräfte vereinfacht.

Wie wichtig ist für Sie die Verbindung von Hardware, Software und einfacher Bedienbarkeit im Gesamtkonzept?

Diese Verbindung ist das Herzstück von Zenaris. Unser Anspruch ist, dass die Technologie funktioniert, ohne zu überfordern. Nur wenn Hardware, Software und Nutzererlebnis perfekt zusammenspielen, entsteht echte Akzeptanz.

Welche Rolle spielen Angehörige und Pflegekräfte in Ihrem System und wie unterstützen Sie diese Zielgruppe?

Neben der Fernsehlösung gibt es die Zenaris Family App. Angehörige oder Pflegekräfte können darüber die Funktionen der Fernbedienung individuell anpassen – zum Beispiel Fotoalben hochladen oder Videocalls starten, egal wo sie gerade sind. So werden sie aktiv in die Kommunikation und Verwaltung eingebunden.

Wo sehen Sie die größten Chancen für Zenaris in den nächsten Jahren und welche Weiterentwicklungen planen Sie?

Der Bedarf wächst stark: Immer mehr Menschen sind pflegebedürftig, während die verfügbaren Ressourcen und Fachkräfte abnehmen. Wir sehen großes Potenzial darin, die Pflege digital zu unterstützen und gleichzeitig Lebensqualität zu schaffen. Hier wollen wir weiter wachsen und unser System stetig verbessern.

Wie möchten Sie Ihr Produkt langfristig am Markt etablieren und gleichzeitig sozial wirksam bleiben?

Für uns gehören wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Mehrwert zusammen. Wir wollen Lebensfreude und digitale Teilhabe ermöglichen – und gleichzeitig Pflegekräfte entlasten. Je besser uns das gelingt, desto größer ist auch der gesellschaftliche Nutzen. Wir messen aktiv unseren Impact & entwickeln Features gezielt mit dem Hintergrund die soziale Isolation von Pflegebedürftigen zu bekämpfen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer sozialen Innovation starten möchten?

Erstens: Eng mit der Zielgruppe zusammenarbeiten – testen, zuhören, verstehen.
Zweitens: Dranbleiben, auch wenn es mal länger dauert oder Rückschläge gibt.
Und drittens: Freude an der Arbeit mit Menschen behalten. Soziale Innovation lebt von echten Beziehungen.

Bild Tim Jefferys und Hakan Evcek @ Zensaris

Wir bedanken uns bei Tim Jefferys für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie hilft KI, den passenden Job wirklich zu finden?

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Nejo: KI verändert die Jobsuche und zeigt neue Chancen nejo team bild

Nejo ist eine KI-basierte Suchmaschine, die den gesamten Arbeitsmarkt durchsucht und Menschen dabei hilft, Jobs zu finden, die wirklich zu ihren Fähigkeiten, Wünschen und Lebensumständen passen.

Was war der Impuls zur Gründung von Nejo und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?

Gegründet von Simona Hübl, Nikolas Wageneder, Agry Zarza und Aloisious Caraet aus der Erkenntnis heraus, dass der Arbeitsmarkt sich stark verändert hat – die Jobsuche aber nicht. Klassische Jobbörsen bilden nur einen begrenzten Teil des Marktes ab, weil Arbeitgeber für die Listung dort bezahlen müssen. Gleichzeitig basieren dort Suchalgorithmen primär auf Jobtiteln. In einer sich schnell verändernden Arbeitswelt, in der Rollen verschwinden und völlig neue entstehen, kommt es aber vor allem auf Skills und individuelle Präferenzen an. Genau deshalb haben wir eine neue Art der Jobsuche gebaut – eine KI-Suchmaschine für Jobs.

Welche Vision verfolgt Nejo im Hinblick auf die digitale Transformation des Arbeitsmarkts?

Nejo soll mindestens 10x besser funktionieren als klassische Wege der Jobsuche. Das ist unsere Mission, an der wir jeden Tag arbeiten. Wir wollen den Arbeitsmarkt transparenter machen, Chancen aufzeigen und Jobs vorschlagen, die unsere Nutzer:innen sonst vielleicht nie gefunden hätten.

Wie genau funktioniert die KI-basierte Jobsuche bei Nejo und worin unterscheidet sie sich von klassischen Jobbörsen?

Während klassische Plattformen mit dem Abgleich von Jobtiteln arbeiten, versteht die Nejo KI die semantische Bedeutung jeder Suche. Sie berücksichtigt Fähigkeiten, Stärken und Präferenzen und gleicht das in Echtzeit mit den Anforderungen der Stellenanzeigen ab. Suchen kann man über drei Wege: mit intelligenter Suchleiste, KI-Chat oder Lebenslauf-Upload. So finden Nutzer:innen Optionen, die weit über die klassischen Filter „Ort + Jobtitel“ hinausgehen.

Für welche Zielgruppen wurde Nejo entwickelt und wie geht ihr auf deren spezifische Bedürfnisse ein?

Nejo ist aktuell im deutschsprachigen Markt verfügbar. Egal ob berufserfahrene Fachkräfte, Quereinsteiger:innen oder Young Professionals – Nejo berücksichtigt individuelle Fähigkeiten und Wünsche und holt jede Person genau dort ab, wo sie gerade steht.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der täglichen Datenaggregation von Stellenanzeigen?

Der Arbeitsmarkt ist extrem dynamisch: Täglich entstehen und verschwinden tausende Jobs. Die Rohdaten der Stellenanzeigen müssen in nahezu Echtzeit analysiert, normalisiert und klassifiziert werden. Das erfordert robuste Technologie.

Was macht die Technologie hinter Nejo so besonders. Wo liegt euer konkreter Innovationsvorsprung?

Nejo ist keine klassische Jobbörse, sondern eine Suchmaschine für den gesamten Arbeitsmarkt. Dank unserer eigenen Crawler-Infrastruktur erfassen wir täglich Millionen Datenpunkte und machen bereits über 30 % aller Jobs in Deutschland durchsuchbar – Tendenz stark steigend.
Unsere mehrstufige KI-Pipeline setzt dort an, wo Keyword-Matching endet: Wir nutzen semantische Embeddings, um Fähigkeiten, Anforderungen und Präferenzen zu verstehen – selbst wenn Begriffe unterschiedlich formuliert sind. Dazu kommen Deduplication-Modelle, ein Skill-Graph, sowie AI-basierte Qualitätsfilter, die irrelevante Anzeigen aussortieren.

nejo beispiel neuer job auf smartphone screenshot

Wie sorgt ihr dafür, dass eure Matching-Algorithmen fair und transparent bleiben?

Wir entwickeln Nejo nach den Vorgaben des EU AI Act sowie vollständig DSGVO-konform. Persönliche Merkmale wie Geschlecht, Herkunft oder Alter fließen nicht in das Matchmaking ein. Unsere Algorithmen sind erklärbar und unterliegen strenger menschlicher Aufsicht.

Wie sieht der typische Weg eines Users aus – vom Lebenslauf-Upload bis zum ersten Bewerbungsgespräch?

Wir haben schnell gemerkt: jede Person sucht anders. Wir holen Nutzer:innen genau dort ab, wo sie stehen: Manche starten mit dem CV-Upload und erhalten automatisch passende Empfehlungen auf Basis ihrer Skills. Andere teilen im KI-Chat ihre aktuelle Situation und Wünsche mit – von Karrierelevel bis hin zu Benefits wie Dienstwagen oder Kinderbetreuung. Wer fündig wird, bewirbt sich aktuell über die Originalausschreibung der Arbeitgeber. Perspektivisch möchten wir auch diesen Schritt direkt auf Nejo ermöglichen.

Gab es bei der Entwicklung von Nejo einen Moment, der euch besonders geprägt hat?

Besonders geprägt hat uns der Moment, als uns eine Nutzerin zum ersten Mal erzählt hat, dass sie dank Nejo gerade einen tollen neuen Job gestartet hat. Mittlerweile erreichen uns diese Geschichten immer häufiger, und wir freuen uns über jede einzelne.

Welche Rolle spielt Nutzerfeedback bei der Weiterentwicklung der Plattform?

Wir entscheiden und priorisieren ausschließlich datenbasiert: Nutzungsanalysen und Feedback bestimmen, welche Funktionen Priorität haben. Damit stellen wir sicher, dass Nejo Woche für Woche spürbar besser wird. Wenn du Nejo also ausprobierst, lass uns bitte unbedingt wissen, was du denkst!

Was dürfen wir in Zukunft von Nejo noch erwarten?

Noch mehr Personalisierung und Guidance, Karrierepfade und Live-Insights zum Arbeitsmarkt. Außerdem arbeiten wir an One-Click-Apply direkt auf Nejo und daran, über 50 % des deutschsprachigen Arbeitsmarkts sichtbar zu machen.

Welche drei Tipps würdet ihr Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Mit echten Nutzer:innen entwickeln. Nicht im stillen Kämmerlein planen, sondern so gut es geht von Anfang an echte User einbinden. Als wir Nejo offiziell gelauncht haben, hatten bereits über 250.000 Menschen Nejo in der Beta-Phase verwendet. Das war für uns entscheidend.
KI zu meistern heißt auch, die Grenzen von KI zu verstehen. Die Technologie kann ein mächtiger Hebel sein, aber nicht jede Herausforderung ist ein Problem für KI.
Gründen heißt, sich regelmäßig unwohl zu fühlen. Wer lernt, dieses Gefühl zu akzeptieren, tut sich einen großen Gefallen.

Bild Simona Hübl Fotocredit Nejo

Wir bedanken uns bei Simona Hübl für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Nejo

nejo logo schwarz weiss

Kontakt:

Nejo FlexCo
Meldemannstraße 18
1200 Wien
Österreich

hi@mynejo.com
https://mynejo.com

Ansprechpartner: Simona Hübl (Co-Founder & CEO)

Social Media:
LinkedIn

Was passiert, wenn KI Gesichter völlig neu denkt?

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PiktID: KI verändert Bilder und schafft neue Möglichkeiten Jernej Dvoršak Gründer Fotograf Darren Osborne

PiktID entwickelt KI-Technologien, die reale Gesichter auf Bildern anonymisieren und gleichzeitig realistisch neu generieren – für sicheren Datenschutz und kreative Freiheit in der Bildbearbeitung

Jernej, was hat Dich persönlich dazu bewegt, PiktID mitzugründen und wie haben Deine früheren Stationen, etwa bei der BABEG oder in der Außenhandelsberatung, Dein Denken und Deine heutige Rolle als Gründer geprägt?

Bevor mich die Liebe aus Ljubljana nach Österreich brachte, hatte ich die Ehre, für den slowenischen Premierminister zu arbeiten und ihn in Wirtschaftsfragen zu unterstützen. Danach half ich bei der Kärntner Betriebsansiedlungsgesellschaft ausländischen InvestorInnen, sich in Kärnten anzusiedeln. Dabei bekam ich ein gutes Gefühl dafür, wie man ein Unternehmen schnell am Markt etablieren kann. Als ich hörte, dass ein Startup im Bereich KI-gestützter Automatisierung der Bildbearbeitung einen Mitgründer suchte, war für mich klar, dass ich Teil davon sein will.

Wie würdest Du Deine Führungsphilosophie beschreiben? Welches Verhältnis hast Du zu Innovation, Teamführung und Fehlerkultur im Alltag eines Tech-Startups?

Ich versuche, pragmatisch und schnell zu handeln. Wenn etwas nicht funktioniert, frage ich mich, warum, und suche mit dem Team nach der besten Lösung. Wichtig ist, offen zu kommunizieren, KundInnen aktiv zuzuhören und Ideen nicht zu zerreden, sondern auszuprobieren und daraus zu lernen.

PiktID generiert synthetische Identitäten, um Bilder zu anonymisieren und gleichzeitig ästhetisch ansprechend zu halten. Wie stellst Du sicher, dass dabei keine Rückschlüsse auf reale Personen gezogen werden können, also der Datenschutz vollständig gewahrt bleibt?

Unsere Technologie anonymisiert nicht nur Gesichter, sondern ersetzt die gesamte sichtbare Identität einer Person, während Kleidungsstück, Pose und Licht unverändert bleiben. Alle biometrischen Merkmale wie Gesichtsstruktur, Hauttextur, Tattoos oder Schmuck werden vollständig neu generiert und können nicht auf reale Personen zurückgeführt werden. Der Prozess ist vollständig automatisiert und DSGVO-konform. NutzerInnen müssen lediglich hochladen und herunterladen, die KI übernimmt den Rest, ohne persönliche Daten zu speichern oder wiederzuverwenden. Die Verantwortung liegt jedoch bei den NutzerInnen, zu prüfen, ob der Grad der Anonymisierung den jeweiligen Datenschutzanforderungen entspricht.

Eure Plattform bietet heute Funktionen wie Gesichts-Tausch, Ausdrucksänderung und Upscaling. Welche dieser Features siehst Du als Eure Kerntechnologie und an welchen Weiterentwicklungen arbeitet Ihr aktuell noch?

Die Anonymisierung von Personen in Bildern bleibt unser Fundament, weil sie die kommerzielle Nutzung von Fotos ohne rechtliche Hürden ermöglicht. Besonders spannend ist aktuell der Modebereich. Marken sparen bis zu 40 Prozent bei der Bildproduktion, da sie nur noch mit einem Fit Model shooten müssen. Dieses wird anschließend automatisch durch verschiedene, realistisch generierte Models ersetzt. Dabei entfallen Casting, Make-up und Lizenzverträge, während Kleidung und Markenstil erhalten bleiben.

PiktID output_German

Du hast in einem Interview erwähnt, dass Video-Bearbeitung ein Ziel von PiktID ist. Wie weit seid Ihr in der Umsetzung und welche besonderen Herausforderungen ergeben sich dabei im Vergleich zur Bearbeitung einzelner Bilder?

Ein Video ist im Grunde eine Abfolge von Bildern. Wir arbeiten derzeit daran, unsere Technologie auch auf Videos auszuweiten, und haben bereits erste interne Tests gestartet. Da Videoinhalte in allen Branchen zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist das für uns der nächste logische Schritt, und wir erwarten in Kürze vielversprechende Ergebnisse.

Wer sind aktuell Eure wichtigsten Kundengruppen, sowohl hinsichtlich Branchen als auch Regionen, und welche Use Cases haben sich bisher als besonders erfolgreich erwiesen?

Unsere HauptkundInnen kommen aus der Fashion- und Marketingbranche, darunter Marken wie Zalando. In der Fashion-Branche konzentrieren sich die erfolgreichsten Use Cases auf zwei Bereiche: Zum einen auf die Anonymisierung von Models, um Model-Release-Kosten zu vermeiden und bestehende Inhalte weiterhin rechtssicher nutzen zu können. Zum anderen auf die einfache Variierung von Models ausgehend von nur einem Fit Model, um mit minimalem Produktionsaufwand mehr Diversity und lokale Relevanz in Kampagnenbildern zu schaffen.

Besonders in Marketing und Werbung scheint PiktID großes Potenzial zu haben. Inwiefern nutzen Agenturen Eure Technologie, um etwa Models oder Gesichter für unterschiedliche Zielmärkte anzupassen?

Agenturen nutzen PiktID, um Kampagnen gezielter und effizienter zu gestalten. Zwei Use Cases stehen im Fokus: die Lokalisierung von Models für verschiedene Märkte und die Anpassung von Gesichtsausdrücken oder Blickrichtungen für A/B-Tests. So können Marken die Relevanz steigern und gleichzeitig die Performance ihrer Kampagnen messbar verbessern.

Du hast in früheren Interviews betont, dass PiktID derzeit kaum direkte Konkurrenz hat. Wie schätzt Du die Marktsituation heute ein, behaltet Ihr Euren technologischen Vorsprung oder rechnest Du mit neuen Mitbewerbern?

Es gibt Tools wie Nano Banana, die einfache Aufgaben gut lösen. Doch sobald es um größere Bildmengen geht, braucht man eine spezialisierte, vollautomatisierte Lösung ohne manuelles Eingreifen. Da wir unsere Technologie komplett intern entwickeln und alle Daten in unserer eigenen EU-Cloud verarbeiten, bleiben sie sicher.

PiktID hat kürzlich ein sechsstelliges Investment erhalten. Wie wollt Ihr diese Mittel konkret einsetzen und welche Meilensteine stehen auf Eurer Roadmap für die kommenden Monate?

Wir haben unser Team vergrößert, um unsere Technologien schneller zu skalieren und NutzerInnen über Web-App und API noch besseren Zugang zu bieten. Eine große Herausforderung war die Konsistenz der generierten Models bei mehreren Bildern derselben Person, was wir erfolgreich gelöst haben. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, Modeunternehmen und HändlerInnen zu helfen, ihre Bildproduktion effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

Bislang wart Ihr weitgehend bootstrapped und wurdet durch Förderprogramme unterstützt. Wie verändern die neuen Investorenmittel die Dynamik im Unternehmen, etwa beim Wachstumstempo, bei Entscheidungsprozessen oder Strukturen?

Durch das Investment können wir unsere in Kärnten ansässige Firma langfristiger ausrichten und uns stärker auf Produktentwicklung und Skalierung konzentrieren. Entscheidungen treffen wir nun schneller und datenbasierter, was dem gesamten Team mehr Klarheit und Fokus gibt.

Euer Geschäftsmodell basiert aktuell auf einem Credit- bzw. Pay-per-Use-System. Gibt es Überlegungen zu Abomodellen, Lizenzlösungen oder Enterprise-Verträgen, um größere KundInnen langfristig zu binden?

Ja, das tun wir bereits. Jede Kundin und jeder Kunde hat unterschiedliche Anforderungen in Bezug auf Volumen, Geschwindigkeit oder Integration. Da wir alles intern entwickeln, können wir maßgeschneiderte Enterprise-Angebote gestalten, die genau zu den jeweiligen Bedürfnissen passen.

Generative KI im Bereich Gesichtsbearbeitung wirft ethische Fragen auf, von Deepfakes über Identitätsmissbrauch bis hin zu Algorithmic Bias. Wie geht Ihr bei PiktID mit diesen Risiken um und welche Mechanismen zur Missbrauchsprävention habt Ihr implementiert?

Genau das war von Beginn an unser Ansatz. Wir sind mit dem Ziel gestartet, das Gegenteil von Deepfakes zu entwickeln. Unsere Technologie anonymisiert Personen in Fotos und schützt so deren Identitäten. Auch wenn wir inzwischen weitere Anwendungen anbieten, etwa Face Swap für Personalisierungs- oder Kreativprojekte, bleiben wir unserer Verantwortung treu und sensibilisieren unsere NutzerInnen für den bewussten und verantwortungsvollen Einsatz von KI.
Auch beim Thema Bias sind wir sehr aufmerksam. Unser Person Generator wurde so entwickelt, dass er Vielfalt und Realismus fördert. Er zeigt Gesichter mit natürlichen Merkmalen wie Falten oder Muttermalen und steht damit für echte Individualität statt künstlicher Perfektion.

Angesichts der strengen Datenschutzgesetze, etwa der DSGVO, stellt sich die Frage nach der Rechtskonformität. Wie stellt Ihr sicher, dass PiktID diese Vorgaben erfüllt und wie würdest Du reagieren, falls sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter verschärfen?

Alle Bilder werden ausschließlich auf Servern innerhalb der EU verarbeitet, nicht mit Drittanbietern geteilt und nach spätestens 24 Stunden gelöscht. Wir erfüllen damit die DSGVO-Vorgaben vollständig und bleiben flexibel, um auf mögliche Gesetzesänderungen sofort reagieren zu können.

Welche Pläne verfolgt Ihr in den nächsten 12 bis 18 Monaten in Bezug auf Teamaufbau und Standorterweiterung, etwa neue Rollen, Senioritätsstrukturen, Rechenzentren oder internationale Büros?

Unser Fokus liegt auf der Modebranche, wo wir uns weiter festigen möchten. Parallel rollen wir unser Video Feature aus und bauen das Team aus, um neue Märkte zu erschließen. Besonders spannend sind Kooperationen mit internationalen Partnern und der Ausbau technischer Ressourcen innerhalb der EU.

Rückblickend: Wenn Du jungen GründerInnen drei Lektionen aus Deiner bisherigen Zeit mit PiktID mitgeben könntest, welche wären das? Besonders interessiert uns Deine Sicht auf Produktvalidierung, Markteintritt und Teamdynamik.

Just do it. Hör auf den Markt, geh zu Events, rede mit potenziellen KundInnen und Partnern. Nur so bekommt man echtes Feedback. Und vor allem: Bleib flexibel, auch wenn sich der Plan ständig ändert.

Bild Jernej Dvoršak Fotograf Darren Osborne

Wir bedanken uns bei Jernej Dvoršak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Future Skills für Gründer – welche Kompetenzen morgen zählen

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Future Skills Gründer: Digitale Kompetenzen und Leadership der Zukunft. Image by Gerd Altmann from Pixabay

Die Arbeitswelt verändert sich rasant, und Gründerinnen und Gründer stehen vor der Herausforderung, nicht nur neue Technologien zu verstehen, sondern auch sich selbst ständig weiterzuentwickeln. Future Skills Gründer, digitale Kompetenzen und Leadership der Zukunft entscheiden heute über Erfolg oder Stillstand im Startup-Ökosystem.

Warum Future Skills Gründerinnen und Gründer heute neu denken müssen

Die Digitalisierung hat die Spielregeln des Unternehmertums grundlegend verändert. Technologische Entwicklungen, künstliche Intelligenz und flexible Arbeitsmodelle führen dazu, dass Gründerinnen und Gründer nicht mehr nur Unternehmer, sondern auch Zukunftsgestalter sind.

Doch was bedeutet das konkret? Es geht längst nicht mehr nur um Fachwissen oder Geschäftssinn. Die Future Skills für Gründer sind Fähigkeiten, die Kreativität, emotionale Intelligenz und Technologieverständnis verbinden. Sie ermöglichen, in einem Umfeld zu bestehen, das sich ständig wandelt.

Studien von Zukunftsinstituten zeigen, dass fast 60 Prozent der Berufe in den nächsten zehn Jahren neue Kompetenzanforderungen mit sich bringen werden. Für Gründer:innen heißt das: Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss lernen, sich selbst und sein Unternehmen immer wieder neu zu erfinden.

Digitale Kompetenzen als Fundament unternehmerischer Zukunft

Digitale Kompetenzen sind längst nicht mehr optional, sondern die Basis jeder modernen Unternehmensführung. Sie umfassen weit mehr als technisches Know-how. Es geht darum, digitale Werkzeuge strategisch einzusetzen, Daten richtig zu interpretieren und digitale Kommunikation souverän zu gestalten.

Gründer:innen, die verstehen, wie Automatisierung, KI oder Cloud-Lösungen Geschäftsprozesse verbessern, verschaffen sich einen klaren Vorsprung. Digitale Kompetenz bedeutet nicht, alles selbst programmieren zu können, sondern zu wissen, wie Technologie den Unternehmenswert steigert.

Auch Soft Skills wie digitales Mindset, Anpassungsfähigkeit und Offenheit gegenüber neuen Tools werden immer wichtiger. Startups, die digitale Technologien nutzen, um echte Probleme zu lösen, werden zur treibenden Kraft der Wirtschaft.

Ein Beispiel: Ein junges Berliner Healthtech-Startup nutzt KI, um psychologische Beratung digital zugänglich zu machen. Gründerin und Team verfügen über stark ausgeprägte digitale Kompetenzen – aber noch wichtiger: Sie wissen, wie man Technologie menschlich einsetzt.

Leadership der Zukunft – Führen mit Empathie und Vision

In Zeiten permanenter Veränderung braucht es eine neue Art der Führung. Leadership der Zukunft bedeutet nicht Kontrolle, sondern Orientierung. Gründerinnen und Gründer werden zunehmend zu Coaches, die Teams befähigen, selbstständig zu handeln, kreativ zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

Die Fähigkeit, Vertrauen zu schaffen und Menschen zu inspirieren, ist heute genauso wichtig wie strategische Planung. Führung wird weniger hierarchisch und mehr kollaborativ. In agilen Teams zählt nicht der Titel, sondern die Fähigkeit, den richtigen Rahmen für Innovation zu schaffen.

Empathie, Kommunikation und Reflexionsfähigkeit sind Kernkompetenzen, die in Zukunft über die Qualität von Führung entscheiden. Das zeigt sich besonders in der Startup-Welt, wo flache Strukturen und hohe Geschwindigkeit den Alltag prägen.

Ein Gründer, der seine Vision klar vermittelt, aber gleichzeitig zuhört, schafft Motivation und Zugehörigkeit. Das ist das Fundament von Leadership der Zukunft – menschlich, flexibel und lernorientiert.

Lernen als Dauerzustand – der wichtigste Future Skill überhaupt

Die wohl wichtigste Fähigkeit für Gründer:innen von morgen ist die Bereitschaft, ständig zu lernen. In einer Welt, in der Wissen schnell veraltet, zählt nicht mehr, was man weiß, sondern wie man lernt.

Lernfähigkeit ist der Schlüssel, um neue Technologien zu verstehen, Trends früh zu erkennen und Entscheidungen auf Basis aktueller Erkenntnisse zu treffen. Future Skills Gründer entwickeln sich nicht nur fachlich weiter, sondern auch persönlich. Sie investieren bewusst in Weiterbildung, Mentoring und Selbstreflexion.

Dazu gehört auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lernen Teil der Unternehmenskultur ist. Wenn Mitarbeitende experimentieren, Fehler machen und daraus lernen dürfen, entsteht ein dauerhaft innovatives Klima.

Kreativität und Resilienz als Erfolgsfaktoren

Neben Technik und Wissen zählen in Zukunft vor allem menschliche Fähigkeiten. Kreativität, Empathie und Resilienz werden zu entscheidenden Faktoren im Gründeralltag. Sie ermöglichen, mit Unsicherheit und Komplexität umzugehen – zwei ständige Begleiter moderner Unternehmenskultur.

Digitale Kompetenzen helfen, Tools zu verstehen, aber kreative Intelligenz sorgt dafür, dass sie sinnvoll eingesetzt werden. Gründer:innen, die analytisch denken und gleichzeitig empathisch handeln, können besser auf Marktveränderungen reagieren.

Resilienz, also die Fähigkeit, Rückschläge zu verarbeiten und daraus zu lernen, wird zum langfristigen Erfolgsfaktor. Sie ist die mentale Grundlage, um in einem dynamischen Umfeld standzuhalten.

Zukunftskompetenzen aktiv gestalten

Future Skills für Gründer entstehen nicht von allein. Sie müssen gezielt entwickelt werden – durch Austausch, Weiterbildung und Selbstreflexion. Gründer:innen sollten sich regelmäßig fragen: Welche Fähigkeiten brauche ich, um mein Unternehmen in fünf Jahren noch erfolgreich zu führen?

Programme, Netzwerke und Lernplattformen helfen, neue Kompetenzen systematisch aufzubauen. Viele Accelerator-Programme setzen heute auf Skill Development statt nur auf Finanzierung – ein klarer Hinweis auf den Wandel der Gründerszene.

Am Ende geht es um Haltung. Wer neugierig bleibt, sich selbst hinterfragt und bereit ist, Neues zu lernen, bleibt zukunftsfähig – unabhängig von der Branche.

Fazit

Die Gründer:innen von morgen sind Lernende, Gestalter:innen und Brückenbauer:innen zwischen Mensch und Technologie. Future Skills Gründer denken digital, handeln empathisch und führen mit Weitblick.

Digitale Kompetenzen sind dabei das Fundament, Leadership der Zukunft der Kompass. Erfolg entsteht, wenn beide zusammenkommen – Technologie und Menschlichkeit.

Bild Image by Gerd Altmann from Pixabay

Wie schön kann das Miteinander von Mensch und Tier sein?

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Katzentempel: Katzen und Nachhaltigkeit im Einklang erleben Kathrin und Thomas

Katzentempel verbindet vegane Küche mit Tierwohl und schafft Orte, an denen Menschen und Katzen achtsam und harmonisch zusammenkommen.

Wie ist die Idee zu Katzentempel entstanden und wer steht hinter dem Unternehmen?

Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, einen Ort zu schaffen, an dem Mensch und Tier auf Augenhöhe zusammenkommen, fernab von Hektik, Stress und Konsumdruck. Unsere Gründer Thomas Leidner und Dr. Kathrin Karl wollten einen Raum gestalten, der Entschleunigung und Mitgefühl verbindet – mit leckerer veganer Küche und der Möglichkeit, Katzen in einem sicheren, liebevollen Umfeld zu begegnen. Aus dieser Vision entstand 2013 der erste Katzentempel in München, das erste vegane Restaurants mit Katzen in Deutschland. Heute führen wir die Katzentempel GmbH als wachsendes Franchiseunternehmen mit über 17 Standorten in Deutschland und Österreich.

Welche Vision verfolgt Katzentempel – geht es nur um Gastronomie oder auch um ein neues Bewusstsein im Umgang mit Tieren?

Katzentempel ist viel mehr als ein Restaurantkonzept. Wir möchten ein neues Bewusstsein im Umgang mit Tieren schaffen und zeigen, dass Genuss, Empathie und Nachhaltigkeit zusammengehören. Wir glauben, dass Veränderung da beginnt, wo Menschen Emotionen spüren. Wenn jemand bei uns eine Katze streichelt, vegan isst und spürt, wie harmonisch dieses Miteinander sein kann, dann entsteht etwas, das bleibt.

Wie gelingt es euch, vegane Küche und Tierwohl in einem Ort zu vereinen, ohne dass eines von beiden zu kurz kommt?

Unsere Küche ist vollständig vegan, frisch, kreativ und voller Liebe. Gleichzeitig achten wir darauf, dass das Wohl der Katzen immer an erster Stelle steht. Unsere Räume sind katzengerecht gestaltet, mit Rückzugsorten, viel Platz und professioneller Betreuung. Wir verstehen uns als Wohnzimmer der Katzen, in dem Menschen zu Gast sind. Beides gehört für uns zusammen: gutes Essen und echtes Mitgefühl.

Was unterscheidet Katzentempel von anderen Konzepten, die Café und Tierkontakt verbinden?

Bei uns steht der Tierschutz im Mittelpunkt, nicht die Unterhaltung. Die Katzen leben fest im Katzentempel, stammen alle aus dem Tierschutz und werden von uns als Familienmitglieder behandelt. Unsere Gäste kommen, um zu entschleunigen, nicht um mit Tieren zu spielen. Dieses respektvolle Miteinander macht den Unterschied und sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre.

Wie findet ihr die Katzen, die bei euch leben, und welche Rolle spielen Tierschutzorganisationen dabei?

Wir arbeiten ausschließlich mit seriösen Tierschutzorganisationen zusammen. Die Katzen, die bei uns leben, kommen meist aus schwierigen Lebenssituationen, viele waren Straßenkatzen oder stammen aus überfüllten Tierheimen. Gemeinsam mit unseren Partnern prüfen wir genau, welche Tiere sich für das Leben im Katzentempel eignen: sozial, menschenbezogen und gleichzeitig selbstbestimmt. Kein Tier wird ausgewählt, um Gästen zu gefallen – die Bedürfnisse der Katzen stehen immer an erster Stelle.

Welche Menschen gehören zu eurer Hauptzielgruppe und warum fühlen sie sich besonders von Katzentempel angezogen?

Unsere Gäste sind Menschen, die Achtsamkeit, Tierliebe und Nachhaltigkeit schätzen. Viele leben vegan oder vegetarisch, andere sind einfach neugierig auf einen neuen, entspannten Ort. Besonders beliebt sind wir bei jungen Familien, Studierenden und Berufstätigen, die im Katzentempel eine kleine Auszeit finden.

Was war bisher die größte Herausforderung beim Aufbau eurer Standorte und wie seid ihr damit umgegangen?

Unsere größte Herausforderung ist die Balance zwischen Herz und Wirtschaftlichkeit. Ein Konzept mit Tieren, viel Platzbedarf und hohen ethischen Ansprüchen lässt sich nicht einfach skalieren. Doch genau darin liegt unsere Stärke: Wir wachsen bewusst, mit Menschen, die unsere Werte teilen. Wir setzen auf partnerschaftliche Franchisenehmerinnen und Franchisenehmer, die mit Leidenschaft dabei sind, nicht nur mit Kapital.

Euer Konzept setzt stark auf Nachhaltigkeit. Wie lebt Katzentempel diesen Anspruch im Alltag?

Nachhaltigkeit zieht sich bei uns durch alles, sie ist kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Unser Angebot ist zu 100 Prozent pflanzlich, und wir verwenden ausschließlich plastikfreie Verpackungen. Wir arbeiten bevorzugt mit regionalen Lieferanten, vermeiden aktiv Lebensmittelverschwendung und unterstützen kleine, faire Produzenten. Selbst in Details achten wir auf umweltbewusstes Handeln: So haben wir die Avocado wegen ihres hohen Wasserverbrauchs von der Karte gestrichen und durch eine Erbsenalternative ersetzt. Und als während Corona unsere Brunchboxen entstanden, haben wir Mandarinenschalen kurzerhand zu Dipschälchen umfunktioniert – weniger Müll, mehr Kreativität. Wir wissen, dass wir nicht perfekt sind, aber wir entwickeln uns stetig weiter, immer mit dem Ziel, nachhaltiger und bewusster zu werden.

Wie sieht die Zukunft von Katzentempel aus? Plant ihr neue Standorte oder weitere Angebote?

Ja, wir wachsen weiter. Unser Ziel ist, in den nächsten Jahren fünf bis zehn neue Standorte pro Jahr zu eröffnen und Katzentempel auch digital erlebbar zu machen. Mit unserer App, Community Formaten und Online Angeboten wie „Katzentempel für Zuhause“ möchten wir unsere Vision über die Restaurantgrenzen hinaus tragen. Langfristig wollen wir die größte vegane Love Brand Europas werden – mit Herz, Haltung und einer starken Community.

Welche Werte sind euch im Umgang mit eurem Team und euren Gästen besonders wichtig?

Respekt, Authentizität und Miteinander. Wir sehen uns als Familie, nicht als System. Offenheit, Wertschätzung und echtes Interesse an Mensch und Tier prägen unsere Kultur – egal ob in der Küche, im Service oder in der Zentrale. Und natürlich Humor, denn mit einem Lächeln funktioniert alles besser, auch in der Gastronomie.

Was habt ihr aus eurer Gründungsgeschichte gelernt, das ihr anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben möchtet?

Folge deiner Überzeugung, auch wenn der Weg nicht der einfachste ist. Wir haben gelernt, dass Sinn ein stärkerer Antrieb ist als Profit. Wenn du ein klares Warum hast, findest du Menschen, die dich unterstützen. Es braucht Mut, Durchhaltevermögen und eine Portion Idealismus – aber es lohnt sich.

Welchen Rat würdet ihr jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geben, die mit einem nachhaltigen Konzept starten wollen?

Mach es echt. Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern Verantwortung. Wenn du sie ehrlich lebst, spüren das die Menschen. Vernetze dich, lerne von anderen und bleib flexibel – aber verliere nie deine Werte aus den Augen. Erfolg kommt nicht über Nacht, aber Authentizität wirkt langfristig stärker als jeder Hype.

Bild Kathrin Karl und Thomas Leidner @ Katzentempel

Wir bedanken uns bei Kathrin Karl und Thomas Leidner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: Katzentempel

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Kontakt:

Katzentempel GmbH
Eichenweg 4a
D-Unterföhring 85774

www.katzentempel.de
thomas.leidner@katzentempel.de

Ansprechpartner: Sonja Egger/Thomas Leidner

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Sustainable Scaling: Wie nachhaltiges Wachstum wirklich funktioniert

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Nachhaltiges Wachstum: So skalieren Green Startups richtig. Image by Gerd Altmann from Pixabay

Immer mehr Gründerinnen und Gründer denken Wachstum neu. Nachhaltiges Wachstum, das ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Wirkung vereint, ist der neue Maßstab für Erfolg im Green Startup-Zeitalter.

Wachstum neu gedacht – von kurzfristiger Skalierung zu langfristiger Stabilität

In der Startup-Welt galt lange die Devise: Wachsen um jeden Preis. Wer die größte Finanzierungsrunde meldete oder am schnellsten skalierte, galt als Vorbild. Doch dieser Wachstumsbegriff verändert sich. Immer mehr Gründerinnen und Gründer stellen fest, dass ungebremstes Wachstum oft instabil und krisenanfällig ist.

Nachhaltiges Wachstum bedeutet, Wirtschaftlichkeit mit Verantwortung zu verbinden. Es geht darum, Ressourcen bewusst einzusetzen, stabile Strukturen aufzubauen und langfristige Werte zu schaffen. Ein Startup, das nachhaltig wächst, denkt nicht in Quartalen, sondern in Generationen.

Der Unterschied zwischen „Scale fast“ und „Grow smart“ ist entscheidend. Während schnelles Wachstum kurzfristig beeindruckt, sorgt bewusstes Wachstum für Bestand – ökonomisch, ökologisch und menschlich.

Nachhaltiges Wachstum – die neue Währung im Startup-Ökosystem

Investoren und Kundinnen achten zunehmend darauf, wie Unternehmen wirtschaften. Nachhaltiges Wachstum wird zum zentralen Entscheidungskriterium. Startups, die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) erfüllen, sind nicht nur attraktiver für Investorinnen und Investoren, sondern auch widerstandsfähiger in Krisenzeiten.

In der Praxis bedeutet das, ökologische und soziale Aspekte in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Energieeffizienz, faire Lieferketten, Kreislaufprozesse und Transparenz werden zu Wettbewerbsfaktoren. Wer früh Verantwortung übernimmt, schafft Vertrauen – und das ist heute mehr wert als kurzfristige Gewinne.

Eine Studie von Deloitte zeigt, dass nachhaltig geführte Startups ein höheres Kundenvertrauen genießen und langfristig rentabler wirtschaften. Nachhaltigkeit wird damit zur strategischen Ressource.

Green Startup – Wirtschaft mit Verantwortung

Green Startups haben sich dem Ziel verschrieben, wirtschaftlichen Erfolg und ökologische Wirkung zu verbinden. Sie entwickeln Produkte und Dienstleistungen, die nicht nur Gewinn bringen, sondern auch einen Beitrag zur Umwelt leisten.

Von klimaneutralen Verpackungslösungen über digitale Recyclingplattformen bis zu Energieeffizienzsystemen – grüne Startups verändern Branchen und schaffen neue Standards. Dabei sind sie häufig Pioniere, die alte Strukturen hinterfragen und Innovation aus Verantwortung denken.

Ein Beispiel ist ein junges Unternehmen aus Berlin, das gebrauchte Elektronik wiederaufbereitet und damit Elektroschrott vermeidet. Mit jedem verkauften Gerät wird CO₂ eingespart und gleichzeitig ein sozialer Beitrag geleistet, da die Geräte auch an Bildungseinrichtungen gespendet werden.

Green Startups beweisen, dass Wachstum und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig verstärken.

Circular Economy – Ressourcen im Kreislauf halten

Ein zentrales Konzept für nachhaltiges Wachstum ist die Circular Economy, also die Kreislaufwirtschaft. Statt Rohstoffe linear zu verbrauchen, setzt dieses Modell auf Wiederverwendung, Reparatur und Recycling.

Das Ziel ist es, Materialien so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf zu halten und Abfall zu vermeiden. In der Praxis bedeutet das, Produkte so zu gestalten, dass sie leicht zerlegt und recycelt werden können.

Für Startups bietet das enorme Chancen. Unternehmen, die nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft arbeiten, schaffen nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile. Sie reduzieren Abhängigkeiten von Rohstoffen, senken Kosten und gewinnen Kunden, die Wert auf nachhaltigen Konsum legen.

Circular Economy ist mehr als ein Trend. Sie ist das Fundament einer neuen Wirtschaftslogik – einer, die Verantwortung als Wachstumstreiber begreift.

Nachhaltige Skalierung in der Praxis – worauf Gründer achten sollten

Wer nachhaltiges Wachstum anstrebt, muss die eigene Skalierungsstrategie überdenken. Statt aggressiv neue Märkte zu erobern, geht es darum, stabile Systeme aufzubauen. Das beginnt bei der Lieferkette, setzt sich über den Energieverbrauch fort und endet bei der Unternehmenskultur.

Tools wie CO₂-Rechner, Impact-Reporting-Plattformen oder Nachhaltigkeitszertifizierungen helfen, Fortschritte messbar zu machen. Auch Kooperationen mit Umweltinitiativen oder Forschungsprojekten können den nachhaltigen Impact stärken.

Transparenz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Kundinnen und Investoren erwarten heute, dass Startups offenlegen, wie sie wachsen und welchen Einfluss sie auf Umwelt und Gesellschaft haben. Wer ehrlich kommuniziert, gewinnt Vertrauen – und das ist das wertvollste Kapital in einem zunehmend wertebewussten Markt.

Wandel durch Haltung – Nachhaltigkeit als Unternehmenskultur

Nachhaltigkeit ist kein Marketinginstrument, sondern eine Haltung. Sie beginnt im Alltag: in Entscheidungen über Partner, Materialien, Arbeitsweisen und Kommunikation. Eine nachhaltige Unternehmenskultur fördert Eigenverantwortung, Gemeinschaft und langfristiges Denken.

Mitarbeitende, die sich mit den Werten ihres Unternehmens identifizieren, bleiben motivierter und loyaler. Gleichzeitig stärkt ein klarer Nachhaltigkeitsfokus die Arbeitgebermarke – besonders in einer Generation, die Sinn und Wirkung über reine Bezahlung stellt.

Führung bedeutet hier, Werte vorzuleben. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, lebt sie – in jeder Entscheidung, in jedem Prozess und in jeder Kommunikation.

Fazit – nachhaltig wachsen, um Zukunft zu sichern

Nachhaltiges Wachstum ist kein Verzicht, sondern bewusster Fortschritt. Startups, die Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft in Einklang bringen, schaffen echte Zukunftsfähigkeit.

Green Startups, die nach den Prinzipien der Circular Economy handeln, zeigen, dass Verantwortung und Erfolg zusammengehören. Sie wachsen nicht um jeden Preis, sondern mit Haltung – und genau das macht den Unterschied in einer Wirtschaft, die immer stärker auf Sinn, Transparenz und Wirkung setzt.

Nachhaltigkeit ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein Weg, den man geht. Und wer ihn früh beginnt, hat die Zukunft schon jetzt auf seiner Seite.

Bild Image by Gerd Altmann from Pixabay

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