Freitag, Mai 22, 2026
Start Blog Seite 27

Digitale Souveränität statt Plattform-Abhängigkeit: Warum 2026 eine eigene Infrastruktur zählt

0
Social Media digitale Souveränität Infrastruktur richtig nutzen Bild STRATO Digitale Souveränität

Social Media als einfacher Start mit begrenzter Kontrolle

Viele Startups beginnen mit Social Media – aus gutem Grund: Profile sind schnell erstellt, Inhalte lassen sich sofort veröffentlichen, erste Reaktionen kommen oft direkt. So lässt sich schnell eine Community als interessierten Followern aufbauen und aktivieren. Für den Start ist das praktisch. Sobald es aber um Wachstum geht, wird ein Punkt entscheidend: Plattformen sind nicht dein Besitz. Sichtbarkeit entsteht dort über Mechanismen, die du nur begrenzt beeinflussen kannst. Und Regeln, Formate sowie Reichweitenlogiken können sich ändern. Wer vor allem auf Social Media setzt, baut damit auf eine Infrastruktur, die anderen gehört. Und riskiert, die gerade mühsam aufgebauter Followerschaft im Zweifelsfall über Nacht abgeschnitten zu bekommen.

Digitale Souveränität als strategischer Wendepunkt

Spätestens dann stellt sich die strategische Frage: Wo liegt dein eigener, verlässlicher Steuerungspunkt – unabhängig davon, wie sich Plattformen entwickeln? Darum geht es bei digitaler Souveränität. Sie heißt nicht „weg von Social“, sondern: eine eigene Basis schaffen, auf der du Inhalte, Kontaktwege und Weiterentwicklung selbst steuerst – und das auch noch datengeschützt und rechtssicher. .

Reichweite ist Nutzung – Infrastruktur ist Eigentum

Plattformen können wertvolle Werkzeuge für Aufmerksamkeit, Community und schnellen Austausch sein. Aber sie bleiben „gemietete“ Räume: Layout, Funktionen, Ausspielung und Rahmenbedingungen werden vorgegeben. Das kann effizient sein, solange es um Reichweite und erste Touchpoints geht.
Eine eigene Domain dagegen ist Teil eines unternehmerischen Fundaments. Man entscheidet selbst, wie man sich präsentiert, welche Inhalte auf einer dazu erstellten Webpräsenz wo stehen, wie Nutzerinnen und Nutzer durch Inhalte geführt werden und wie man die Kommunikation aufbaut.

Was digitale Souveränität praktisch bedeutet

Für junge Unternehmen lässt sich digitale Souveränität sehr praktisch abbilden. Eine eigene Website ist die zentrale Anlaufstelle, Informationsraum und Vertrauensbasis. Hier kann man Leistungen und Angebote klar erklären, Orientierung geben, Fragen vorwegnehmen und Kontaktwege so gestalten, dass sie zum eigenen Geschäftsmodell passen. Anders als auf Plattformen ist man nicht an feste Vorgaben gebunden, sondern kann Struktur und Tonalität an der eigenen Marke ausrichten.

Eigene Kommunikation und Infrastruktur stärken

Dazu passt eine E-Mail-Adresse mit eigener Domain. Eine professionelle Absenderadresse wirkt im Geschäftsalltag professioneller als eine generische Freemail-Adresse und stärkt die Wiedererkennung. Gleichzeitig verankert sie Kommunikation in der eigenen Identität, statt sie an ein einzelnes Plattformprofil zu koppeln.
Zur Infrastruktur-Frage gehört außerdem, wo Daten verarbeitet werden und welchem Rechtsraum die eingesetzten Dienste unterliegen. Für Unternehmen ist ein europäischer Serverstandort ein Vorteil, weil sich Datenschutz- und Compliance-Anforderungen leichter einordnen und dokumentieren lassen – vor allem, wenn personenbezogene Daten oder geschäftskritische Kommunikation betroffen sind.

Newsletter und direkte Kanäle als unabhängige Verbindung

Ein Newsletter ergänzt die direkte Kommunikation als direkter Kanal zur Community. Mit E-Mail-Marketing-Tools und vermehrt auch KI-Unterstützung leicht erstellt, landen die gewählten Inhalte im Postfach der Abonnentinnen und Abonnenten – nicht in einem Feed, dessen Sichtbarkeit von externen Faktoren abhängt. So entsteht eine direktere Verbindung, weil Informationen planbar in einer selbstgewählten Frequenz ausgespielt werden und Beziehungen nicht nur über kurzfristige Reichweite entstehen. Auch die Rückmeldungen landen bei einem selbst, nicht auf einer Plattformstruktur, die vielleicht morgen die Zugriffsmöglichkeiten verändert.

Content als langfristiger Wachstumstreiber

Ein Blog oder eigene Inhalte können diese Basis zusätzlich stärken, weil sie über Suchmaschinen langfristig auffindbar sind und nicht der Logik von Klickbait-Beiträgen folgen müssen. Im Gegenteil: Hier ist der Ort, um Spezialwissen detaillierter aufzubereiten und vertrauensbildende Werthaltigkeit von Inhalten abzubilden – was bei KI-Suchen in die Bewertung von Inhalten einfließt. Während Social Media stark von Aktualität lebt, können detaillierte und erklärende Inhalte zudem über Monate oder Jahre hinweg relevant bleiben, Vertrauen aufbauen und wiederkehrend neue Kontakte bringen.

Infrastruktur schafft mehr Planbarkeit

Sobald ein Geschäftsmodell wachsen soll, wird Planbarkeit zur wichtigen Grundlage. Maßnahmen müssen wiederholbar sein, Kanäle vergleichbar, Ergebnisse nachvollziehbar. Eine eigene digitale Infrastruktur unterstützt genau das: Inhalte, Landingpages, Kontaktstrecken und E-Mail-Kommunikation lassen sich systematisch aufbauen, messen und schrittweise verbessern. Statt Reichweite nur zu „haben“, entstehen stabile Prozesse – vom ersten Kontakt bis zur Anfrage oder Anmeldung.

Gerade für junge Teams ist das ein Vorteil, weil Lernen schneller wird: Welche Botschaft funktioniert? Welche Inhalte werden gesucht? Welche Seiten führen zu Kontaktaufnahmen? Eine eigene Website mit klaren Wegen und direkte Kanäle wie E-Mail oder Newsletter schaffen dafür die nötige Struktur. So werden Marketing und Vertrieb weniger vom Zufall abhängig und stärker steuerbar.

Plattformen als Verstärker statt Fundament

Das bedeutet nicht, dass Social Media an Bedeutung verliert. . Der Unterschied liegt in der Rolle, die die entsprechenden Plattformen im eigenen System spielen:Wenn Social Media das Fundament bildet, hängt Wachstum stärker von externen Regeln ab. Wenn Plattformen dagegen als Verstärker genutzt werden, stärken sie eine Basis, die einem selbst gehört. In der Praxis heißt das: Social Posts und smartes Storytelling wecken Interesse und bringen Menschen in Kontakt mit deinem Thema. Die vertiefende Information, das konkrete Angebot und der Aufbau einer nachhaltigen Beziehung finden dann auf der eigenen Website oder über direkte Kanäle statt. So nutzt man Reichweite, ohne von ihr abhängig zu werden. Und du erhältst selbst weitere Daten, die dir bei der Kampagnensteuerung helfen können.

Fazit: Die richtige Balance entscheidet

Digitale Souveränität lässt sich am Ende an einer einfachen Frage prüfen: Was passiert, wenn sich die Spielregeln der Plattform ändern? Wenn die Antwort „kritisch fürs Geschäft“ lautet, gehört der nächste Ausbauschritt nicht in den Feed, sondern in die eigene Infrastruktur. Denn dort liegen die Voraussetzungen, die Wachstum planbar machen: klare Wege zur Kontaktaufnahme, Inhalte, die dauerhaft auffindbar bleiben, und direkte Kanäle, die nicht von einer externen Logik gefiltert werden.

Bild STRATO Digitale Souveränität

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Bühne frei für Innovation

0
Start up BW Elevator Pitch Fibryx GmbH Sieg Bildcopyright/Fotograf: Ann Kristin Fischer, Stadtverwaltung Winnenden

Fibryx GmbH aus Stuttgart Vaihingen gewinnt den Regional Cup START UP GROW REMS MURR des Start up BW Elevator Pitch 2025 26 und sichert sich das Ticket fürs Landesfinale

Mit dem Gründungswettbewerb Start up BW Elevator Pitch sucht das Ministerium für Wirtschaft Arbeit und Tourismus Baden Württemberg in der neuen Wettbewerbsrunde 2025 26 wieder nach den besten Geschäftsideen und engagiertesten Gründerinnen und Gründern im Land. In ganz Baden Württemberg finden dazu Cups statt die von engagierten Partnern vor Ort organisiert werden und als Vorentscheide für das Landesfinale dienen.

Regional Cup in Waiblingen

Der Regional Cup START UP GROW REMS MURR fand am 18.03.2026 in Waiblingen statt. Das Team Fibryx GmbH setzte sich mit seiner Geschäftsidee nachhaltige Naturfaser Verbundwerkstoffe zu entwickeln zu produzieren und deren industrielle Anwendung zu ermöglichen gegen die Konkurrenz durch und sicherte sich damit das Ticket für das Landesfinale.

Stimmen aus der Politik

Dr. Nicole Hoffmeister Kraut Ministerin für Wirtschaft Arbeit und Tourismus erklärt: „Ich freue mich dass die Initiative START UP GROW REMS MURR Gründerinnen und Gründern mit dem Vorentscheid eine Bühne für ihre innovativen Ideen bietet. Formate wie der Start up BW Elevator Pitch zeigen wie viel Kreativität und Unternehmergeist in Baden Württemberg stecken.“

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister Kraut gratuliert dem Siegerteam:
„Herzlichen Glückwunsch an die Fibryx GmbH Ich freue mich dass die Initiative START UP GROW REMS MURR Gründerinnen und Gründern mit dem Vorentscheid die Möglichkeit bietet ihre innovativen Geschäftsideen einem breiten Publikum zu zeigen. Gründerinnen und Gründer prägen mit ihren Ideen die Zukunft unserer Wirtschaft. Mit unserer Landeskampagne Start up BW möchten wir sie dabei bestmöglich unterstützen von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Geschäftsmodell.

Der Start up BW Elevator Pitch schafft dafür eine ideale Plattform Hier können junge Unternehmen ihre Konzepte frühzeitig präsentieren Feedback erhalten und wertvolle Kontakte für ihre weitere Entwicklung knüpfen.“

Wettbewerb mit elf Teams

Beim Regional Cup START UP GROW REMS MURR präsentierten elf Teams ihre Geschäftsideen vor einer Fachjury und dem Publikum.

Zum Start up BW Elevator Pitch

Das Ministerium für Wirtschaft Arbeit und Tourismus Baden Württemberg richtet den Wettbewerb Start up BW Elevator Pitch seit 2013 als Teil der Landeskampagne Start up BW aus. Die Teilnehmenden haben wenige Minuten Zeit Jury und Publikum von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. Die Gewinnerinnen und Gewinner der Regional Cups qualifizieren sich für das Landesfinale das einmal jährlich stattfindet.

Kriterien für die Teilnahme am Landesfinale

Mindestalter 18 Jahre am Tag des Vorentscheids

Aktive Arbeit an der Geschäftsidee nicht länger als fünf Jahre

Reale Geschäftsidee keine fiktive Gründung

Standort des Unternehmens in Baden Württemberg

Teilnahme mit einer neuen Idee

Bild: Siegerehrung EP Vorentscheid STARTUP & GROW REMS-MURR 2026 Bildcopyright/Fotograf: Ann Kristin Fischer, Stadtverwaltung Winnenden

Quelle Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg

Zahlen Unternehmen längst für ihre eigene Abhängigkeit?

0
bonster Reisekosten KI Abrechnung Ronald Bankowsky Bildcredits Foto-und Bilderwerk

bonster automatisiert Reisekosten mit KI und vereinfacht die digitale Abrechnung für Unternehmen und Selbstständige

Wie ist bonster entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Startup?

Im Zuge einer Mobilitätsbudget Software Entwicklung haben wir in jedem zweiten Interessenten Gespräch die Nachfrage erhalten: Bietet ihr auch Reisekosten an?

Somit war es naheliegend hier sich den Markt genauer anzuschauen und ein Produkt zu entwickeln, dass Marktpotenzial hat.

Die meisten Business-Software-Anbieter lösen kein Problem mehr. Sie verkaufen Abhängigkeit. Ich habe beschlossen, das anders zu machen.

Ich bin Ronald Bankowsky, Gründer von bonster und Geschäftsführer der fast2work GmbH aus Oldenburg. Unternehmen gründen ist für mich kein Ausnahmezustand, sondern eine Art Grundzustand. Mit mein-dienstrad.de und der Markenagentur Baron Trademarkting Sales GmbH habe ich zwei Unternehmen aufgebaut, die heute ohne mich laufen. Was mich nicht loslässt, ist die Ungeduld. Über Jahre habe ich beobachtet, wie Anbieter im Wettbewerb um Features immer weiter aufrüsten, obwohl das eigentliche Problem längst gelöst ist. Was dabei herauskommt, kennen viele aus eigener Erfahrung: steigende Abokosten, monatelange Implementierungsprojekte, Verträge, aus denen man kaum noch herauskommt. Irgendwann zahlt man nicht mehr für ein Tool, sondern für die Abhängigkeit von ihm. Das ist kein Zufall, das ist Strategie. Irgendwann habe ich aufgehört, das als Naturgesetz zu akzeptieren, und begonnen, darauf selbst eine Antwort zu bauen: einfach, gut und günstig, und wer keinen Vertrag will, nutzt Pay-per-Use.

Was war der konkrete Auslöser, eine KI-gestützte Lösung für die Reisekostenabrechnung zu entwickeln?

SaaS hat ein Versprechen gegeben, das viele Anbieter längst nicht mehr halten: Software, die das Leben einfacher macht. Was daraus geworden ist, kennt jeder, der ein mittelständisches Unternehmen führt: ein Flickenteppich aus Abonnements, Jahresverträgen und Tools, die sich gegenseitig voraussetzen. Ich habe über Jahre beobachtet, wie Anbieter im Wettbewerb um Features immer weiter aufrüsten, obwohl das eigentliche Problem längst gelöst ist. Was dabei herauskommt, kennen viele aus eigener Erfahrung: steigende Abokosten, monatelange Implementierungsprojekte, Verträge, aus denen man kaum noch herauskommt. Irgendwann zahlt man nicht mehr für ein Tool, sondern für die Abhängigkeit von ihm. Das ist kein Zufall, das ist Strategie. Irgendwann habe ich aufgehört, das als Naturgesetz zu akzeptieren, und begonnen, darauf selbst eine Antwort zu bauen.

Welche Vision verfolgt bonster im Hinblick auf die Digitalisierung von Geschäftsreisen und administrativen Prozessen?

Unsere Positionierung ist bewusst schmal: Wir digitalisieren nicht die Geschäftsreise als Ganzes, also keine Buchungsplattform, kein Reisemanagement, kein Concur-Klon. Wir übernehmen den Teil, der für die meisten Unternehmen der größte Zeitfresser ist: die Abrechnung selbst. Vom Foto des Belegs bis zum finanzamtskonformen Export, vollständig automatisiert, ohne manuelle Eingabe.

Was noch kommt: die native Mobile App mit Offline-Funktion für die Erfassung direkt unterwegs, und schrittweise die Integrationen, die unsere Nutzer tatsächlich anfragen. Kein Wunschkatalog, sondern eine Roadmap, die aus echtem Feedback entsteht. Wir folgen dabei dem Discounter-Prinzip: nicht alles anbieten, sondern das Wesentliche so gut machen, dass es keinen Grund gibt, woanders hinzugehen.

An welche Zielgruppe richtet sich bonster primär und welche typischen Probleme dieser Nutzer lösen Sie ganz konkret?

Primär sprechen wir Selbstständige, Freelancer und kleine bis mittelständische Teams an. Ich würde das aber nicht zu eng fassen: Auch in größeren Unternehmen gibt es Abteilungen, die ein schlankes Tool wollen, ohne ein IT-Projekt dafür starten zu müssen. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die Erwartung: Ich will das in fünf Minuten am Laufen haben, ohne Vertrag, ohne Schulung. Das konkrete Problem, das wir lösen: Beleg fotografieren, KI erkennt automatisch Datum, Betrag, Kategorie und Mehrwertsteuer, Kilometerpauschalen werden automatisch berechnet. Bewirtungsbelege werden mit allen Pflichtangaben korrekt erfasst, Belege lassen sich zur Weiterberechnung an Kunden markieren. Am Ende kommt ein finanzamtskonformer PDF-Export raus. Keine manuelle Eingabe, keine Zettelwirtschaft, direkt weiter an den Steuerberater oder die HR.

Viele Selbstständige arbeiten noch mit Excel oder Papierbelegen. Wie überzeugt bonster diese Zielgruppe vom Umstieg?

Gar nicht durch Überreden. Mein Ansatz ist: einfach ausprobieren lassen. Keine Vertragsbindung, keine Mindestnutzerzahl, kein Setup-Gespräch. Wer einmal sieht, dass eine Abrechnung in drei Minuten fertig ist statt in einer halben Stunde, braucht keine weiteren Argumente. Und wer es nicht mag, geht wieder, ohne Konsequenzen. Das klingt wie ein Risiko für uns. Es ist aber unser stärkstes Argument: Wir können uns keinen Lock-in leisten, also müssen wir einfach gut sein.

Was unterscheidet bonster von klassischen Reisekosten-Tools oder Buchhaltungslösungen am Markt?

Fokus und Freiheit. Fokus bedeutet: Wir lassen konsequent weg, was die meisten Nutzer nie brauchen werden. Freiheit bedeutet: kein Jahresvertrag, keine Mindestnutzerzahl, und ein Pay-per-Use-Modell, das es in dieser Form im deutschen Markt nicht gibt. Wer nur gelegentlich abrechnet, zahlt nur dann. Das ist ein grundlegend anderes Prinzip als das, was die meisten Wettbewerber verfolgen. Die bauen auf Abhängigkeit: tiefe Verankerung, teurer Ausstieg. Wir bauen auf Überzeugung: Wer bleibt, bleibt weil es funktioniert.

bonster screenshot smartphone app

Welche technologischen Herausforderungen bringt die automatisierte Belegerkennung mit sich?

Der schwierigste Beleg ist nicht das strukturierte Restaurant-PDF, sondern der zerknitterte Kassenzettel mit Thermopapier, der nach drei Tagen in der Jackentasche kaum noch lesbar ist. Dafür braucht man kein OCR, das Text erkennt, sondern KI, die Kontext versteht.

Die eigentliche Herausforderung liegt aber woanders: wann fragt man den Nutzer, wann korrigiert man stillschweigend. Zu viele Rückfragen kosten den Zeitvorteil, der das Produkt rechtfertigt. Zu wenige erzeugen Fehler, die spätestens beim Steuerberater auffallen. Diese Balance ist keine einmalige Entwicklungsleistung, sondern eine, die sich mit jedem neuen Belegtyp weiterentwickeln muss.

Wie stellen Sie sicher, dass bonster DSGVO- und GoBD-konform bleibt?

DSGVO-Konformität ist für uns als deutsches Unternehmen keine Kür. Wir haben unsere KI-Infrastruktur bewusst auf Server in Deutschland umgestellt, damit Nutzerdaten gar nicht erst das Land verlassen. GoBD bedeutet konkret: Alle steuerlich relevanten Pflichtangaben werden automatisch erfasst und revisionssicher dokumentiert. Der Nutzer muss gar nicht wissen, was GoBD bedeutet. Er muss nur wissen, dass er damit beim Finanzamt sicher ist.

Welche Rolle spielen Automatisierung und KI in der langfristigen Produktstrategie?

Das Ziel ist der vollständig digitale Ablauf: kein Mensch, der irgendwo eine Zahl einträgt, zwischen dem Moment, in dem ein Beleg entsteht, und dem Moment, in dem die Abrechnung fertig aufbereitet in der Buchhaltung oder bei der HR landet. KI ist das Werkzeug, das diese Lücke schließt. Langfristig denken wir das konsequent weiter: digitale Zahlung, automatische Auswertung, direkte Weiterberechnung an Buchhaltungssysteme wie DATEV. Nicht als Beiwerk, sondern weil es in den Kern einzahlt: den manuellen Eingriff vollständig eliminieren. Das Prinzip bleibt dabei immer dasselbe: Komplexität im Hintergrund, Einfachheit für den Nutzer.

Wie soll sich bonster in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Der nächste konkrete Schritt ist die native App für iOS und Android, mit Offline-Funktion für die Belegerfassung direkt unterwegs, also genau dort, wo Belege entstehen. Danach entwickeln wir schrittweise weiter, aber immer auf Basis dessen, was unsere Nutzer tatsächlich anfragen. Dafür haben wir den Club 500, unser Pilotprogramm für die ersten 500 Nutzer mit Lifetime-Rabatt und direktem Einfluss auf die Roadmap. Das ist kein Marketing-Gag, sondern unser Produktentwicklungsprozess.

Was haben Sie als Gründer bisher über den Aufbau eines Software-Startups gelernt?

Ich habe mit mein-dienstrad.de und Baron Trademarkting Sales GmbH beides erlebt: Märkte, in denen das Produkt fast von selbst läuft, und Märkte, in denen man jeden Schritt erkämpfen muss. Die wichtigste Erkenntnis daraus: Ein gutes Produkt reicht nicht, und harte Arbeit allein auch nicht. Was zählt, ist ob man die richtigen Menschen dazu bringt, die ersten drei Minuten zu investieren. Distribution ist mindestens so wichtig wie das Produkt. Bei bonster bauen wir beides von Anfang an parallel.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Erstens: Entscheidet früh, was ihr bewusst nicht baut. Die Versuchung, jeden Nutzerwunsch umzusetzen, ist groß und gefährlich. Ein fokussiertes Produkt ist stärker als ein vollständiges. Das mussten wir bei der Fast2work mit dem Mobilitätsbudget selber erleben.

Zweitens: Macht den Einstieg so einfach, dass eine Ablehnung egal ist. Wer nichts riskiert, probiert euch aus. Wer sich erst committen muss, tut es meistens gar nicht.

Drittens: Geht immer „All-in“ mit den ganzen Ressourcen, die ihr habt: Zeit, Geld & verwertbare Assets wie „Haus & Hof“, etc. Es gibt keine Teilzeitgründungen und ihr könnt auch nicht Gründungen delegieren- habe ich selbst versucht und bin daran gescheitert.

Geht voran und zieht Interessenten & Mitarbeitende auf euren Weg, bietet Unterstützung bei steilen oder holprigen Wegen an. Was auch notwendig ist: Eine Portion Glück & gutes Timing für eure Gründung.

Bildcredits : Foto-und Bilderwerk

Wir bedanken uns bei Ronald Bankowsky für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: bonster

bonster logo

Kontakt:

fast2work GmbH
Wickenweg 52
26125 Oldenburg

bonster.app
info@fast2work.de

Ansprechpartner: Ronald Bankowsky

Social Media:
LinkedIn
Instagram

Geht Stockbrot auch ganz ohne Lagerfeuer?

0
Brot-Stöcki Stockbrot Backofen einfache Zubereitung Beim Battle präsentiert Christian Nowak mit „Brot Stöcki“ Stockbrot ohne Feuer. Bildcredits/Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

Brot-Stöcki ermöglicht Stockbrot im Backofen und wird am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen pitchen

Wie ist Brot-Stöcki entstanden und welche Personen stehen dahinter?

Das noch zu gründende Startup ist in der Entstehung, weil mich meine Familie und sehr gute Freunde dazu ermutigt haben, an mich und meine Idee zu glauben. Alle, denen ich die Brot-Stöcki vorgestellt habe, waren davon überzeugt. Als ich nach langer Recherche kein vergleichbares Produkt gefunden habe bzw. keines, welches mein Problem hätte lösen können, war die Entscheidung gefallen. Wenn mein näheres Umfeld und sogar ich als perfektionistischer Mensch es gut findet, ist es gut und es lohnt sich, die Reise mit all den Hindernissen auf sich zu nehmen, auch wenn ich bis zum heutigen Tage alles allein bewältige. Natürlich schaut meine Frau nochmal drüber.

Welche Idee oder welches Problem stand am Anfang der Gründung von Brot-Stöcki? Gab es eine Marktlücke oder eine besondere Inspiration?

Das Problem bestand darin, dass ich meiner großen Tochter ein Versprechen gegeben habe, nämlich samstags abends Stockbrot zu machen. Dieses konnte ich aber unter den gegebenen Bedingungen nicht einhalten, da meine Frau kurzfristig auswärts war. Mir war das Risiko zu groß, meine Tochter allein an einem Feuer sitzen zu lassen, falls die kleine Schwester aufwacht und ich sie wieder in den Schlaf bringen muss. Ein weiteres Problem liegt in der Zubereitung. Die meisten denken bei der Herstellung von Stockbrot an ein Lagerfeuer. Dieses ist auch ein schöner Gedanke, aber nicht ganz richtig. Das Feuer an sich ist nicht gut geeignet, um ein Brot zu backen. Im Grunde sollte es eine extra Glutstelle geben, damit das Brot durch indirekte Hitze gart und nicht über dem Feuer.

Denn durch die zu hohe Hitze des Feuers wird das Stockbrot von außen schwarz und innen bleibt es oft noch roh. Also heißt es, Feuer anzünden und warten bis genügend Glut vorhanden ist. Anschließend muss die Glut separiert werden, damit darüber das Stockbrot gart und man trotzdem noch ein Feuer genießen kann. Ein sehr großer Aufwand! Demensprechend hatte ich freitags eine schlaflose Nacht und überlegte, wie ich mein Versprechen einhalten konnte, um meine Tochter glücklich zu machen. Schlussendlich ist in dieser Nacht in meinem Kopf der Prototyp der Brot-Stöcki entstanden. Nachdem ich Samstagvormittag alle Materialien zusammen hatte, fertigte ich gemeinsam mit meiner Tochter den ersten Prototyp. Das Ergebnis war ein sehr glückliches Kind, das abends einen Film schauen durfte und nicht nach Rauch riechend, glücklich mit einem mit Bockwurst bestücktem Stockbrot auf der Couch gesessen hat.

Was macht das Konzept oder die Technologie von Brot-Stöcki besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?

Das besondere an der “Technologie“ ist, dass es kein ähnliches Produkt gibt, welches ein aufrechtes Backen eines Teigrohlings ermöglicht. Aus diesem Grund besitze ich ein eingetragenes Gebrauchsmuster und die Patentanmeldung für Deutschland sowie die PCT-Anmeldung sind eingereicht und befinden sich derzeit in Prüfung. Durch die Möglichkeit des aufrechten Backens ist es problemlos möglich, min. 18 große bzw. 24 kleine Stockbrote gleichzeitig im Backofen herzustellen. Da die Stöckis aus Holz gefertigt sind, wird die Wärme des Ofens in so einem Maß aufgenommen, dass der Teig im Inneren (der um den Stock gewickelt ist) gart und dabei schön locker bleibt. Wenn man ein gut leitendes Material, wie z.B. Metall benutzen würde, würde der Teig von innen zu schnell hohe Hitze abbekommen, sodass er nahezu die gleiche Krossheit der äußeren Struktur aufweisen würde. Ein von innen krosses Brot, das keine Soßen aufnehmen kann, möchte ich nicht haben.

Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt von Brot-Stöcki den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?

Konkret gibt es für mich mehrere große Vorteile.
Der erste Vorteil bezieht sich auf die Menschen, die keine Möglichkeit haben, ein Stockbrot zubereiten zu können. Oftmals ist es nicht erlaubt, ein Feuer zu machen oder man lebt in einer Umgebung ohne eigenem Garten (in der Stadt). Wenn dies der Fall ist, hat man nur eine schöne Erinnerung aus seiner Jugend, wenn man Glück hat. Ich habe aber in letzter Zeit auch viele Menschen kennengelernt, die mit dem Begriff Stockbrot nichts anfangen konnten und erst mit Mitte 40 ihr erstes Stockbrot durch mich genießen konnten.

Weitere Vorteile bestehen darin, dass man durch das Garen im Backofen immer ein nahezu perfektes Ergebnis erzielen kann. Auch kann man zu jeder Jahreszeit und jedem Wetter sein eigens kreiertes Brot genießen ohne großen Aufwand oder Küchenmaschinen. Egal, ob naturell oder beispielweise verfeinert mit Röstzwiebeln, getrockneten Tomaten oder als süße Leckerei mit einer Kruste aus braunem Zucker bzw. einer Füllung mit einer Nuss-Nougat-Creme. Ferner ist es möglich, die Grundplatten so zu kennzeichnen, dass man genau weiß, wem welches Brot gehört und man dadurch keine Bedenken haben muss. Stichwort Allergien, Unverträglichkeiten oder einfach nur die Gewissheit, dass man selbst nur sein eigens hergestelltes Produkt verzehrt.

Ein weiterer Vorteil bei der Art der Herstellung des Stockbrotes ist meiner Meinung nach die kindliche Förderung. Meine Kinder haben durch die Brot-Stöcki erstmals live und bewusst gesehen, wie ein Brotteig entsteht. Im Anschluss wird die Motorik gefördert, da die Kinder versuchen, den Teig schön und gleichmäßig auf den Stab zu wickeln. Das Schöne hierbei ist, dass selbst kleine Kinder mit geringer Unterstützung vom Anfang bis zum Ende den gesamten Ablauf fast selbstständig bewältigen können.
Durch die Einfachheit des Produktes ist der Einsatz nicht nur in privaten Haushalten vorstellbar. Mögliche Einsatzorte könnten aus den genannten Gründen auch Kitas, Berufs-/Schulen oder Seniorenresidenzen sein.

Wie wurde das Produkt von Brot-Stöcki entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?

Der Prototyp der Brot-Stöcki wurde von mir, mit tatkräftiger Unterstützung meiner großen Tochter, (durch Bohren und Sägen) in Kleinarbeit auf unserer Terrasse und Garage entwickelt. Den Feinschliff hat das Produkt schlussendlich durch viel Probieren, Recherche und schlaflose Nächte bekommen. Nachdem der erste, für mich gute, Prototyp fertiggestellt war, habe ich diesen meiner Familie, Freunden und Bekannten gezeigt und vorgeführt. Es gab durchweg nur sehr gutes Feedback. Keiner hatte bis zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet, dass es möglich ist, das eine Person in so kurzer Zeit so viele Stockbrote herstellen kann (ca. 60 Stück in einer Stunde). Aus diesem Grund bin ich in die Details gegangen und konnte ein fertiges Produkt präsentieren.

Welche Vision verfolgt Brot-Stöcki? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?

Meine Vision ist es, dass jeder jederzeit sein eigenes und individuell gestaltetes Stockbrot genießen kann, ohne auf einen Garten, ein offenes Feuer oder das Wetter angewiesen zu sein.

Warum fiel die Entscheidung, sich bei Höhle der Löwen zu präsentieren? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund?

Zu dieser Frage fällt mir ein das Sprichwort ein. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Aus diesem Grund suche ich einen Investor/ Mentor, der mich und mein Produkt begleitet und mir die passenden Schuhe anfertigt, damit ich auf langfristige Sicht erfolgreich und sicher als Unternehmer bestehen kann.

Welche Form der Unterstützung wird durch die Teilnahme an Höhle der Löwen angestrebt? Wie soll eine mögliche Investition oder Zusammenarbeit genutzt werden?

Wie in der vorherigen Frage beschrieben, wünsche ich mir einen Mentor der Erfahrung, Wissen, Kontakte und Working Capital beisteuert. Dadurch würde mein Produkt einen Push bekommt, den ich alleine niemals erreichen könnte. Eine zündende Idee zu haben ist wertvoll, aber die Umsetzung muss auch stimmen.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?

Dranbleiben! Dranbleiben! Und dranbleiben!
Auch, wenn man eine sehr schwierige Zeit erlebt, niemals aufgeben und weiter an seinen Traum glauben. Niemand sollte sich jemals für andere verbiegen, auch dann nicht, wenn man durch seine offene und ehrliche Art von Firmen keine Angebote bekommt oder sogar den Räumlichkeiten verwiesen wird, weil man nicht der „typische Unternehmer“ ist. Es ist wichtig, sich Feedback von Familie, Freunden und neutralen Personen einzuholen, um sich z.B. nicht mit Fragen zu quälen, die ggf. nicht relevant sind. Sehr wertvoll ist es, vor allem in stressigen Zeiten, achtsam mit sich umzugehen und Pausen einzulegen und diese nicht als Schwäche anzusehen. Denn unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut!

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Lasst euch nicht von eurer Vision abbringen. Glaubt an euch und geht achtsam mit euch um.

Sehen Sie Brot Stöcki am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen

Bild: Beim Battle präsentiert Christian Nowak mit „Brot Stöcki“ Stockbrot ohne Feuer. Bildcredits/Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Christian Nowak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Kann Kaffee auch ganz ohne Bohnen überzeugen?

0
Rootery Kaffeekapseln Nachhaltigkeit Alternative Angelina Widmann präsentiert mit „Rootery Coffee“ Kaffeekapseln aus Wurzelgranulat. Sie erhofft sich ein Investment von 85.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile. Bildcredits/Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

Rootery entwickelt nachhaltige Kaffeekapseln und wird am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen pitchen

Wie ist Rootery entstanden und welche Personen stehen dahinter?

Die Idee für Rootery Coffee entstand, als ich mit etwa 15 Jahren von den sozialen und ökologischen Missständen in der Kaffeekapsel- und Kaffeeindustrie schockiert war und mir dachte: Wenn es Fleisch ohne Tier gibt, warum dann nicht Kaffeekapseln ohne Bohne? Ich habe nach Alternativen gesucht, keine gefunden und dann beschlossen, das selbst umzusetzen, weil mich das Start-Up Milieu immer schon interessiert hat und ich das Problem und die Lösung klar vor mir hatte. Bei der Recherche bin ich auf Zichorienwurzel gestoßen, eine Pflanze, die beim Rösten kaffeeähnliche Aromen entwickelt, und habe daraus Schritt für Schritt ein kapseltaugliches Produkt entwickelt.

Begonnen hat das in meinem Kinderzimmer, was ziemlich viele Gerätschaften wie eine Röstmaschine und Mühle erforderte und Chaos gestiftet hat. an einem Punkt wo klar war: „Das funktioniert“ habe ich dann Partner für die Produktion gesucht und gefunden. Meine Mutter war sehr erleichtert, dass das Experimentieren in der Wohnung ein Ende hatte. Als schockiertes Kind von damals bin ich mittlerweile 19 Jahre alt, studiere Jura und Bio und spiele American-und Flag Football. Rootery wird zur Zeit noch von mir alleine geführt.

In welcher Branche ist Rootery tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell aus?

Rootery ist in der Food-/Getränkebranche tätig, konkret im Bereich Kaffee/Convenience (Kapseln) – mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit und Social Impact. Das Geschäftsmodell basiert auf dem Verkauf der Kapseln im B2C (v. a. über den eigenen Onlineshop, perspektivisch auch mehr Handel) und zusätzlich auf B2B-Absatz an Unternehmen wie Hotels oder Gastronomie. Ein zentrales Merkmal ist außerdem das 1:1-Impact-Prinzip: Pro verkaufter Packung wird eine Mahlzeit für ein Kind in Not finanziert.

Was macht das Konzept oder die Technologie von Rootery besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?

Innovativ ist vor allem die technische Umsetzung als kapseltaugliche Mischung, weil frühere Ansätze oft an verstopften Kapseln gescheitert sind.

Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das ganz konkret: unkomplizierter Kaffeegenuss auf Knopfdruck, aber ohne Bohnen, ohne Koffein und mit einem deutlich nachhaltigeren Gesamtpaket. Rootery ist gut verträglich und „good for the gut“, weil Zichorie traditionell auch als Heilpflanze bekannt ist und natürliche Inhaltsstoffe wie Inulin enthält. Im Alltag hebt es sich ab, weil man keine Kompromisse zwischen Convenience, Gesundheit/Verträglichkeit und Impact machen muss.

Wie wurde das Produkt entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?

Die Produktentwicklung lief über viele Tests und Iterationen, vom Rohstoff über Röstung und Mischung bis zur Frage, ob die Kapsel zuverlässig durchläuft. Ein großer Meilenstein war der Moment, als es nach sehr vielen Versuchen (gefühlt 100+) endlich kapselgeeignet funktioniert hat, nachdem lange Zweifel da waren. Besonders prägend war auch das Feedback aus den ersten echten Verkäufen: Dass fremde Menschen (nicht aus dem eigenen Umfeld) kaufen und zufrieden sind, war ein starker „Proof“, dass es nicht nur eine Idee ist.

Welche Vision verfolgt das Unternehmen? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?

Die Vision ist, Kapselkaffee neu zu definieren: kompromisslos, nachhaltig, sozial wirksam und trotzdem massentauglich. In den nächsten Jahren soll Rootery im DACH-Raum und danach in weiteren europäischen Märkten im Handel verfügbar sein und als ernsthafte Alternative neben den etablierten Kapselmarken stehen. Parallel sollen durch Wachstum immer mehr Mahlzeiten finanziert werden und die Produktpalette (z. B. weitere Sorten und perspektivisch auch Varianten mit Koffein bzw. weitere Kaffee-Formate) erweitert werden. Außerdem ist es mir wichtig, als junge Gründerin zu zeigen, was möglich ist, und andere zu motivieren, ihre Ideen ernst zu nehmen.

Warum fiel die Entscheidung, sich bei Höhle der Löwen zu präsentieren? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund?

Ich war und bin der Meinung, dass die Message von Rootery in die Welt hinaus muss und wollte auch unbedingt das ungeschönte Feedback der Löwen und im Idealfall ein Investment. Zwar nicht um jeden Preis, denn es war mir schon wichtig, ein Statement zu setzen, dass bezüglich Nachhaltigkeit und sozialem Impact keine Kompromisse gemacht werden. Auch war mir bewusst, dass ich mit einem Pitch in der Höhle Teenager und junge Menschen inspirieren kann, einen ähnlichen Weg zu gehen, auch wenn sie vielleicht nicht dem Klischeebild eines jungen Gründers/einer jungen Gründerin entsprechen.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?

Ich habe versucht, aus allen Hobbys und Lebensbereichen etwas in Rootery einzuarbeiten, von der Konsequenz aus dem American Football zur Produktfotografie aus meinen Foto-Nebenjobs. Sehr wertvoll war es auch, von Website über Verpackung alles selber zu designen, um Geld zu sparen. Anders hätte ich mir in dem Alter auch nichts aufbauen können.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Der wichtigste Rat an andere Gründer:innen ist: Wenn du eine Lücke siehst und sie dich nicht loslässt, fang an, aber rechne damit, dass es länger dauert, als du denkst, und dass du zig Versionen brauchst. An junge Gründer:innen: Jetzt ist das Alter, in dem man noch Fehler machen darf, die nach Studium und Co. eher nicht so leicht verziehen werden. Go for it. Der Erfahrungsschatz ist unglaublich wertvoll und die ungewohnte Perspektive ist eher eine Bereicherung als eine Schwäche. Und zögere nicht, erfahrene Personen zu kontaktieren, sei es über LinkedIn, auf Events oder sonstige Wege. Wenn die Erfahrung noch nicht da ist, ist Feedback das Wichtigste.

Sehen Sie Rootery Coffee am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen

Bild: Angelina Widmann präsentiert mit „Rootery Coffee“ Kaffeekapseln aus Wurzelgranulat. Sie erhofft sich ein Investment von 85.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile.
Bildcredits/Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Angelina Widmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Was passiert, wenn Medikamente einfach vergessen werden?

0
ANABOX Medikamenteneinnahme Angehörige MedTech Lösung Bild: Pitch "Anabox smart" V.l.: Robert Gühne, Chris Walter, Daniel Böber und Jürgen Burkert präsentieren den digitalen Medikamente Spender „Anabox smart“. Sie erhoffen sich ein Investment von 180.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Seniorin Jutta unterstützt sie bei dem Pitch und repräsentiert die Zielgruppe. Bildcredits/ Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

ANABOX unterstützt Medikamenteneinnahme für Angehörige und wird am 23. März 2026 in Die Höhle der Löwen pitchen

Wie ist ANABOX entstanden und welche Personen stehen dahinter?

Die ANABOX smart ist aus einem sehr persönlichen Ausgangspunkt entstanden. Ich habe mich im Rahmen eines Uni-Projekts zum ersten Mal intensiver mit dem Thema Medikamenteneinnahme beschäftigt, weil ich aus der eigenen Familie gesehen habe, wie schwer das im Alltag werden kann.
Meine Oma hatte Parkinson und musste viele Medikamente einnehmen. Sie hat aber noch selbstständig gelebt.
Für uns als Angehörige war es oft nicht nachvollziehbar, ob sie ihre Medikamente zur richtigen Zeit eingenommen hat. Hinter dem Unternehmen stehen wir Gründer Robert Gühne, Chris Walter und Daniel Böber. Wir bringen Softwareentwicklung, Design, Maschinenbau, Elektronik und Produktentwicklung zusammen. Gemeinsam mit unserem Partner anmed konnten wir daraus Schritt für Schritt ein marktfähiges Medizinprodukt machen.

In welcher Branche ist ANABOX tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell aus?

Wir sind im Bereich Digital Health beziehungsweise MedTech tätig. Unser Geschäftsmodell verbindet Hardware, Software und Service: also die smarte Medikamentenbox selbst, die dazugehörige App und die digitale Begleitung rund um Einrichtung, Medikationspläne und Benachrichtigungen. Uns war von Anfang an wichtig, kein technisches Gimmick zu bauen, sondern eine alltagstaugliche Lösung für Familien, pflegende Angehörige und perspektivisch auch professionelle Versorgungspartner.

Welche Idee oder welches Problem stand am Anfang der Gründung von ANABOX? Gab es eine Marktlücke oder eine besondere Inspiration?

Am Anfang stand das Problem der regelmäßigen Medikamenteneinnahme. Wer mehrere Medikamente am Tag nehmen muss, weiß, wie schnell im Alltag etwas durcheinandergeraten kann. Für viele Angehörige ist das eine ständige Sorge. Genau da haben wir eine große Lücke gesehen: Es gab entweder klassische, analoge Lösungen oder komplizierte Technik, aber wenig, was bezahlbar und für ältere Menschen geeignet ist.

Was macht das Konzept oder die Technologie besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?

Besonders ist für mich, dass wir einen vertrauten Medikamentendosierer mit moderner Technologie verbinden, ohne ihn unnötig kompliziert zu machen. Die ANABOX smart funktioniert direkt nach dem Auspacken, ohne dass vor Ort ein WLAN benötigt wird (sie hat eine SIM-Karte). Sensoren erkennen die Entnahme, die App dokumentiert die Vorgänge in Echtzeit und Angehörige werden informiert, wenn Unterstützung nötig ist. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Technik im Alltag ruhig und verständlich bleibt, also eher unterstützt als überfordert.

Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?

Der größte Vorteil ist aus meiner Sicht die Selbstständigkeit der Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu erhalten. Die Box erinnert optisch und akustisch an die Einnahme, der Becher leuchtet auf, und Angehörige sehen in Echtzeit, ob alles geklappt hat. Das nimmt auf beiden Seiten enorm viel Druck raus. Dazu kommt: Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten, der Patient selbst soll von der digitalen Technik selbst möglichst wenig mitbekommen und die Becher sind groß und einfach greifbar.

Wie wurde das Produkt entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?

Am Anfang war es nur ein Uniprojekt, inzwischen hat sich aber einiges verändert.
Besonders wertvoll war das Feedback von Seniorinnen und Angehörigen. Da ging es oft um scheinbar kleine Dinge wie Lichtsignale, Haptik oder die Frage, wie verständlich die App wirklich ist. Für uns war das hilfreich, weil wir das Produkt dadurch viel näher an den Alltag der Menschen bringen konnten.

Welche Vision verfolgt das Unternehmen? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?

Unser Ziel ist, dass Menschen trotz komplexer Medikation möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Dafür wollen wir die ANABOX smart weiter verbreiten, die Zusammenarbeit mit Apotheken, Pflege und anderen Versorgungspartnern ausbauen und unsere Technologie konsequent weiterentwickeln. Neben Forschungsprojekten, die auch die Einnahme selbst erkennen sollten, ist vor allem ziemlich viel Bürokratie mit der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen zu erledigen.

Warum fiel die Entscheidung, sich bei Höhle der Löwen zu präsentieren? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund?

Die Höhle der Löwen ist für uns die Chance, auf ein Problem aufmerksam zu machen, das sehr viele Familien betrifft und über das trotzdem oft zu wenig gesprochen wird. Wir möchten zeigen, dass Medizintechnik nicht kompliziert oder abschreckend sein muss, sondern ganz konkret im Alltag helfen kann. Im Vordergrund stehen für uns Reichweite, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, mit starken Partnerinnen und Partnern den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, da uns vor allem als kleines Team die Erfahrung im Vertrieb fehlt.

Welche Form der Unterstützung wird durch die Teilnahme an Höhle der Löwen angestrebt? Wie soll eine mögliche Investition oder Zusammenarbeit genutzt werden?

Für uns ist Unterstützung mehr als Kapital. Natürlich würde uns eine Investition helfen, Produktion, Marktausbau und Weiterentwicklung zu beschleunigen. Mindestens genauso wichtig sind für uns aber Erfahrung, strategische Unterstützung und der Zugang zu relevanten Netzwerken im Gesundheits- und Pflegemarkt. Wenn wir dadurch schneller mehr Menschen erreichen und besser versorgen können, wäre das für uns ein riesiger Hebel.

Welche nächsten Schritte sind nach Höhle der Löwen geplant? Gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Wir wollen die Bekanntheit der ANABOX smart weiter steigern, unsere Vertriebswege ausbauen und das Produkt kontinuierlich verbessern. Parallel arbeiten wir an zusätzlichen Funktionen und an neuen Entwicklungen rund um sichere und einfache Medikamenteneinnahme. Unser Ziel ist es, Schritt für Schritt eine Lösung aufzubauen, die Nutzerinnen und Nutzer, Angehörige und professionelle Versorgung besser miteinander verbindet.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?

Hardware-Entwicklung ist ein ganzes Stück komplexer als Software, gerade im Gesundheitsbereich. Außerdem haben wir gelernt, wie wertvoll frühes Nutzerfeedback ist und wie entscheidend starke Partner in Entwicklung, Produktion und Marktzugang sein können.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Mein wichtigster Rat wäre: Sprecht so früh wie möglich mit euren späteren Nutzerinnen und Nutzern und entwickelt nicht an ihren Bedürfnissen vorbei. Sucht euch Partner, die euch wirklich ergänzen, und habt keine Angst vor komplexen Themen wie Regulierung, Fertigung oder Marktzugang. Und vielleicht am wichtigsten: Gründet nicht nur, weil ein Markt spannend klingt, sondern weil euch das Problem wirklich berührt. Diese innere Motivation merkt man später in jeder Entscheidung. Ach ja, und achtet auf die Produktionskosten.

Sehen Sie ANABOX am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen

Bild: Pitch „Anabox smart“
V.l.: Robert Gühne, Chris Walter, Daniel Böber und Jürgen Burkert präsentieren den digitalen Medikamente Spender „Anabox smart“. Sie erhoffen sich ein Investment von 180.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Seniorin Jutta unterstützt sie bei dem Pitch und repräsentiert die Zielgruppe.
Bildcredits/ Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Chris Walter, Robert Gühne, Daniel Böber und Jürgen Burkert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Wie weit kann moderne Hautpflege wirklich gehen?

0
After Inject Anti Aging Hautpflege Routine Effekt Laura Valentin präsentiert mit „After Inject“ Hautpflege mit naürlichem Botox-Effekt. Sie erhofft sich ein Investment von 200.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Bildcredits/ Fotograf: RTL / Stefan Gregorowius

After Inject entwickelt natürliche Botox-Alternative für Anti-Aging und wird am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen pitchen

Wie ist After Inject entstanden und welche Personen stehen dahinter?

Hinter dem Start Up stehe ich – Laura Valentin – die Gründerin.
Die Idee eine Hautpflege als Alternative zu Botox zu entwickeln, stammt aus einer eigenen Negativerfahrung mit Botox.
Ich habe 2021 parallel zu meinem Polizeibeamtenjob begonnen, „After Inject“ aufzubauen – mit der Idee einer natürlichen Alternative zu Botox. Dafür habe ich privat einen 50.000 Euro Kredit aufgenommen und investiert, weil ich so von meiner Idee überzeugt war.
2022 habe ich meinen Beamtenstatus aufgegeben, um unternehmerisch unabhängiger zu sein und mich stärker auf den Aufbau der Marke zu konzentrieren.
Heute ist daraus eine profitable 7-figure-Brand geworden, die ich als Single Founderin mit Freelancern und Agenturen führe.

In welcher Branche ist After Inject tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell aus?

Bei After Inject handelt es sich um ein Start Up im Bereich „Medical Skincare“.
After Inject ist klar und spitz positioniert: Wir sind DIE natürliche Botox-Alternative in Form von Hautpflege.
Wir fokussieren uns ausschließlich auf Anti-Aging-Technologien mit botox-ähnlichem Effekt. Keine Akne-Produkte, kein Haircare, keine Trend-Experimente – unser gesamtes Geschäftsmodell dreht sich um sichtbare Glättung, Straffung und langfristige Hautverbesserung. Diese Spezialisierung macht uns deutlich klarer als viele andere Beauty-Brands, die sehr breit aufgestellt sind.

Gleichzeitig positionieren wir uns nicht als „One-Product-Brand“, sondern als Routine-Marke mit additiven Produktportfolio – man kann alle unsere Produkte parallel anwenden und muss nicht zwischen tausend Cremes die richtig für sich auswählen.
Von Anfang an haben wir unserer Community vermittelt, dass Ergebnisse durch konsequente Anwendung entstehen – ähnlich wie beim Sport. Unsere Produkte sind kein Einmalkauf, sondern Teil einer strukturierten Anti-Aging-Routine. Deshalb haben wir früh Abo-Modelle eingeführt, um Kontinuität sicherzustellen und Kunden zu Liebhabern zu machen und langfristig zu begleiten. Ich wollte von Anfang an meinen Kunden einen einfachen Auswahlprozess bieten und ausschließlich Produkte die halten was sie versprechen.

Welche Idee oder welches Problem stand am Anfang der Gründung von After Inject? Gab es eine Marktlücke oder eine besondere Inspiration?

Ich hatte mit Mitte 20 selbst meine erste Botox-Behandlung, was für mich eine absolute Negativerfahrung war. Im Anschluss habe ich im Hautpflegebereich nach einer natürlichen Alternative mit ähnlichen Anti-Aging-Ergebnissen gesucht, die es aber zu diesem Zeitpunkt nicht gab. Ich habe viel mit Frauen in meinem Bekannten- und Freundeskreis gesprochen und eine Lücke im Markt wahrgenommen. Ich hatte damals dann einige Wochen recherchiert und konnte für mich auch eine tatsächliche skalierbare Nachfrage für Hautpflege als “Natürliche Botox-Alternative” feststellen und zu diesem Zeitpunkt keine Brand im europäischen Raum die diese Nachfrage in der Art und Weise wie ich es mir vorstellte bediente.

Was macht das Konzept oder die Technologie von After Inject besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?

Technologie:
Die höhere Wirksamkeit unseres Produktes im Vergleich zum Wettbewerb ist neben unserer Spezialisierung auf den Anti-Aging-Produktbereich, auf unseren geschützten Botulin-Komplex zurückzuführen. Ein Wirkstoffkomplex aus 3 Power-Peptiden die eine ähnliche Wirkweise wie Botox besitzen. Diese 3 Wirkstoffe sind mikroverkapselt in kleinen Kapseln sog. „Liposome“ die aus hautidentischem Material bestehen und so von den Hautbarriere nicht abgestoßen werden, und dadurch tiefer ins Gewebe eindringen können und über mehrere Stunden eine Wirkung erzielen können.

Konzept:
Während viele Skincare-Brands ständig neue Kategorien öffnen (Akne, Haircare, Supplements etc.), bleiben wir radikal beim Thema „botox-ähnlicher Effekt ohne Eingriff“. Dadurch adressieren wir ein zeitloses, globales Problem – Hautalterung ist kein kurzfristiger Hype der wieder abebbt, sondern ein dauerhaftes Bedürfnis.
Das schafft Klarheit in der Positionierung und höhere Wiedererkennbarkeit der Marke.
Wir trimmen unsere Kunden auf Routinen, Disziplin und Kontinuität. Dadurch entsteht planbarer Wiederkauf und eine hohe Retentionrate über Abo-Modelle und Bestandskunden.
Wir sind profitabel und arbeiten mit sehr effizienten Prozessen. Keine aufgeblähte Organisation, keine unnötigen Ausgaben. Das ermöglicht profitables Wachstum, ohne dass Cashflow-Probleme entstehen.
Außerdem setzen wir auf einen Multichannel-Ansatz nicht nur aus Paid Social sondern auch historisch stabilen Kanälen wir Teleshopping die andere Zielgruppen erschließen.

Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt von After Inject den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?

Wir sind extrem spezialisiert und professionalisiert auf den Bereich Anti-Aging-Technologien im Hautpflegebereich.
Im Vergleich zu anderen Brands entwickeln wir nicht noch zusätzlich Produkte für Teenager gegen Akne oder gegen dünnes Haar oder Ähnliches, sondern unser Geschäft ist wirklich ausschließlich Hautpflege mit botox-ähnlichem Effekt.
Außerdem haben wir uns schon von Anfang bemüht unserer Community Routinen näher zu bringen, das schafft nicht nur Vertrauen wenn wir neue Produkte launchen sondern lässt die Leute auch verstehen dass After Inject keine Marke für einen Einmalkauf ist, sondern ein Routine-Thema wie eine Sportart oder Ähnliches.
Deswegen haben wir auch ganz früh angefangen Abo-Modelle für unsere Produkte einzuführen, sodass die Kunden immer versorgt sind.

Wie wurde das Produkt von After Inject entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?

Die Produkte werden von mir und dem Team meines Herstellers in Goch (Familienunternehmen mit über 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Hautpflege) hergestellt.
Getestet wurden die Produkte vom renommierten Institut Dermatest. Wir haben extra eine Wirksamkeitsstudie durchführen lassen im Zuge dieser eine Faltenreduktion von 45,1% innerhalb von 4 Wochen festgestellt werden konnte.

Welche Vision verfolgt After Inject? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?

Anfänglich wollte ich einfach meine Vision von wirklich exzellenten Anti-Aging-Produkten umsetzen, die wirklich die Vorher-Nachher-Ergebnisse erzielen die man sich als Kundin wünscht. Als das dann Früchte getragen hat war meine zweite Motivation ein stabiles profitables Unternehmen aufzubauen das mit sehr schlanken Prozessen, sehr nah am Kunden operiert und in dem es keinen unnötigen Ballast in jedweder Form gibt.
Also etwas im Unterschied zu vielen anderen Brands die mit mir gemeinsam gestartet bin wollte ich nicht auf Biegen und Brechen skalieren und irgendwelche Umsatzzahlen knacken, sondern ich war von Anfang an sehr gewinnorientiert unterwegs weil wir ja auch bootstrapped sind und einfach profitabel sein mussten um weiter zu bestehen.

Meilensteine der nächsten 12 Monate:
Google Ads weiterausbauen (Internationalisierung, mehr Werbevolumen und -budget)
META und Native Ads als zusätzliche Werbekanäle stabil aufbauen
Zu größerem Teleshoppingsender wechseln
Produktportfolio erweitern da bisher alle Launches und neuen Produkte von Kunden hervorragend angenommen wurden.

Warum fiel die Entscheidung, sich mit After Inject bei Höhle der Löwen zu präsentieren? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund?

Vor Allem natürlich um einen passenden Investor oder Investorin im Bereich Kosmetik/Hautpflege zu finden und mit diesem gemeinsam zu wachsen und die Marke zu verbessern, aber auch um den Trust und den PR-Boost durch die Show zu nutzen, um die Marke voranzubringen.

Welche Form der Unterstützung wird durch die Teilnahme an Höhle der Löwen für After Inject angestrebt? Wie soll eine mögliche Investition oder Zusammenarbeit genutzt werden?

Vor Allem benötigte ich Expertise im Bereich Onlinemarketing und Retailerfahrung, da ich vor Allem eine gute Marketingstrategie und -umsetzung für essenziell für den Erfolg einer Marke halte. Außerdem freue ich mich auch über Unterstützung bezüglich der Themen Teamaufbau und Hiring.

Welche nächsten Schritte sind für After Inject nach Höhle der Löwen geplant? Gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Mein Plan ist es die bestehenden Umsatzkanäle wie Meta und Google Ads weiter auszubauen und auch neue Kanäle wie z.B. Teleshopping zu erschließen und profitabel zu skalieren. Außerdem möchte wir natürlich die Produktpalette sinnvoll erweitern, um unseren Kunden ein besseres Pflegeerlebnis bieten zu können.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich bei After Inject auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?

Profitabilität
Eine zentrale Erkenntnis war die Priorisierung von Profitabilität gegenüber reinem Umsatzwachstum um jeden Preis. Gerade im E-Commerce zeigt sich schnell, dass Wachstum ohne tragfähige Unit Economics langfristig zu strukturellen Problemen führt. Früh ein klares Verständnis für Deckungsbeiträge, Customer Acquisition Costs und Wiederkaufsraten zu entwickeln und diese engmaschig zu monitoren, war daher entscheidend.

Routineansatz und Lovebrandaufbau
Darüber hinaus war mir ein systematischer, routinenbasierter Ansatz im Markenaufbau besonders wichtig. Marken wachsen in Zeiten von wachsenden Kosten für Neukundenakquise über eine hohe Retentionrate und echt Communities.
Der Aufbau einer Lovebrand ist kein kreativer Zufallsprozess, sondern das Ergebnis konsistenter Botschaften, wiederholter Touchpoints und klarer Positionierung über einen längeren Zeitraum.

Durchhaltevermögen und Fokus
Ein weiterer zentraler Faktor war Durchhaltevermögen in Kombination mit konsequentem Fokus. Viele strategische Maßnahmen entfalten ihre Wirkung erst zeitverzögert und eCommerce ist durch die teilweise Saisonabhängigkeit und die Volatilität der Branche ein konsequentes Up and Down wofür man meiner Meinung nach starke Nerven benötigt.
Die Fähigkeit, trotz kurzfristiger Unsicherheit an getroffenen Entscheidungen festzuhalten und sich nicht ablenken zu lassen sehe ich als zentral für den Erfolg einer eComm-Brand.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen bei After Inject ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Ein wesentlicher Ratschlag ist, früh ein belastbares Verständnis der eigenen Unit Economics aufzubauen und unternehmerische Entscheidungen konsequent daran auszurichten. Profitabilität sollte nicht als spätere Optimierungsphase betrachtet werden, sondern als integraler Bestandteil der Strategie.
Zudem empfiehlt es sich, Markenaufbau als langfristigen, strukturierten Prozess zu verstehen und nicht als „Nice to Have irgendwannmal“. Ich finde es wichtig eine klare und spitze Markenpositionierung mit Wiedererkennungswert zu definieren und diese konsistent über alle Kanäle hinweg zu kommunizieren. Außerdem lege ich extremen Wert auf die Optimierung des Kundenerlebnisses nach dem Kauf – Kundenumfragen, Tipps und Tricks um die Produkte in den Alltag zu integrieren und ein exzellenter Kundenservice waren mir von Anfang an wichtig.
Schließlich finde ich es auch entscheidend, strategischen Fokus zu behalten. Viele tolle Brands scheitern nicht an fehlender Kompetenz, sondern an mangelndem Fokus in der Umsetzung. Die Fähigkeit, Prioritäten klar zu setzen und über längere Zeiträume beizubehalten halte ich für wesentlich.

Sehen Sie After Inject am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen

Bild: Laura Valentin präsentiert mit „After Inject“ Hautpflege mit naürlichem Botox-Effekt. Sie erhofft sich ein Investment von 200.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile.
Bildcredits/ Fotograf: RTL / Stefan Gregorowius

Wir bedanken uns bei Laura Valentin für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum verlieren Fachkräfte täglich Stunden mit Aufgaben, die längst automatisiert sein könnten

0
Reiner AI Ingenieure Dokumentation KI im Bauwesen

Reiner AI unterstützt Ingenieure bei Dokumentation durch eine spezialisierte KI Plattform

Wie ist Reiner AI entstanden, und welche Erfahrungen bringen die Gründer Sven Gasper und Philipp Mackeprang in das Unternehmen ein?

Die Idee zu Reiner AI entstand aus dem engen Austausch mit einem Ingenieurbüro, in dem mein Vater seit über 40 Jahren tätig ist. Nachdem Philipp und ich unser vorheriges Unternehmen Studydrive an Stepstone verkauft hatten, begann ich mich mit dem Geschäftsführer des Büros über digitale Lösungen für die Branche auszutauschen. Dort wurde bereits an einer möglichen Ausgründung und an digitalen Ansätzen gearbeitet. Im Rahmen dieser Gespräche und durch die Mitarbeit in laufenden Projekten gewann ich direkte Einblicke in die Arbeitsabläufe und Herausforderungen des Ingenieuralltags.

Dabei stieß ich auf ein strukturelles Problem der Branche: Ingenieure verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Dokumentationspflichten und ineffizienten Prozessen. In hochregulierten Branchen wie dem Bauwesen verlieren sie täglich wertvolle Zeit mit der Erstellung von Protokollen, Erläuterungsberichten und Ausschreibungen, anstatt sich auf Planung, Qualität und Projektsteuerung zu konzentrieren. Aus dieser Perspektive heraus entstand die Idee, eine KI-Lösung zu entwickeln, die dort ansetzt und Ingenieure sowie Planer im Arbeitsalltag entlastet.

Philipp und ich bringen fundierte Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung von Start-ups und digitalen Produkten mit. Gemeinsam haben wir Studydrive entwickelt und von der ersten Idee bis zu einer Plattform mit Millionen von Nutzern geführt. Wir wissen daher sehr gut, wie man komplexe Produkte entwickelt und erfolgreich in den Markt einführt.

Welche konkrete Problemstellung in der Bau- und Planungsbranche wollte Reiner AI von Anfang an lösen?

Mit Reiner AI adressieren wir mehrere strukturelle Herausforderungen der Bau- und Planungsbranche gleichzeitig: Der Dokumentationsaufwand für Ingenieure und Planer steigt kontinuierlich, Projekte werden zunehmend komplexer und der Regulierungsdruck auf Planungs- und Ingenieurbüros nimmt spürbar zu.
Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Situation. Mit dem Ausscheiden der Babyboomer drohen wichtiges Branchen-Know-how und wertvolles Projektwissen verloren zu gehen. Genau an dieser Schnittstelle setzt Reiner AI an.

Was ist die langfristige Vision von Reiner AI für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bauwesen?

Deutschland hat einen massiven Investitionsstau in der Infrastruktur, etwa bei Brücken, Schulen oder Energienetzen. Der Bedarf ist also klar, doch die Umsetzung dauert häufig sehr lange, vor allem wegen der vielen komplexen Prozesse.
Unsere Vision ist ein Bauwesen, das Komplexität meistert, statt sich von ihr ausbremsen zu lassen. KI kann viele zeitintensive Aufgaben wie Recherche, Dokumentation oder die Analyse von Ausschreibungen übernehmen. Dadurch gewinnen Ingenieure und Planer wieder mehr Zeit für das, was eigentlich ihre Kernaufgabe ist: gestalten, entscheiden und bauen.

Wie gelingt es Reiner AI, branchenspezifisches Fachwissen in eine KI-Plattform zu integrieren, sodass sie Planer und Ingenieure wirklich im Alltag unterstützt?

Reiner AI ist eine domänenspezifische KI-Plattform, die gezielt für die Bau- und Ingenieurbranche entwickelt wurde und auf führenden KI-Modellen basiert. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand gibt es am deutschen Markt keine vergleichbare KI-Lösung, die so stark auf die Anforderungen dieser Branche zugeschnitten ist.
Unser Produkt liefert Antworten auf Basis projekt- und bauspezifischer Dokumente, relevanter Normen und kann mit unternehmenseigenen Fachwissen und -daten angereichert werden. So gibt Reiner AI fachlich präzise und kontextbezogene Antworten. Ergänzt wird die Plattform durch spezialisierte KI-Agenten, die dokumentations- und wissensintensive Aufgaben übernehmen, etwa die Prüfung von Ausschreibungen, Baustellenberichten oder Nachträgen.

An welche Zielgruppe richtet sich Reiner AI konkret, und wie stellen Sie sicher, dass die Lösung den realen Anforderungen von Architekten, Ingenieuren und Projektverantwortlichen gerecht wird?

Reiner AI richtet sich vor allem an Ingenieur-, Planungs- und Architekturbüros. Um die Praxistauglichkeit unserer KI-Plattform sicherzustellen, haben wir über ein Jahr hinweg den Arbeitsalltag von Ingenieuren und Planern als „Schatten“ begleitet. Statt die Software im stillen Kämmerlein zu entwickeln, konnten wir so die realen Herausforderungen des Arbeitsalltags aus nächster Nähe analysieren. Dabei sind uns insbesondere die hohe Dokumentationslast sowie die Komplexität von Projekten aufgefallen.
Heute implementieren wir Reiner AI bereits aktiv in Ingenieurbüros und entwickeln die Plattform in engen Feedback-Zyklen gemeinsam mit unseren Kunden kontinuierlich weiter.

Viele Unternehmen sprechen von KI Automatisierung. Was unterscheidet die KI-Agenten von Reiner AI von generischen Tools?

Im Bau- und Ingenieurwesen zählt Präzision mehr als statistische Wahrscheinlichkeit. Generative KI basiert jedoch häufig auf Wahrscheinlichkeiten und kann dadurch zu sogenannten Halluzinationen neigen – ein Risiko, das in dieser Branche nicht tolerierbar ist.
Reiner AI berücksichtigt dieses Bedürfnis und versteht als domänenspezifische KI Baustandards, Normen und Planungsprozesse. Dabei bleiben Unternehmensdaten stets innerhalb der jeweiligen Organisation geschützt. Unsere KI-Plattform verfolgt zudem konsequent einen „AI made in Germany“-Ansatz und ist vollständig DSGVO-konform aufgebaut.

Welche Rolle spielen Datenschutz und Datensouveränität bei Reiner AI, insbesondere im Hinblick auf sensible Projekt- und Unternehmensdaten?

Insbesondere im Umfeld kritischer Infrastruktur gelten hohe Anforderungen an Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Informationssicherheit. Diese werden durch eine Datenresidenz in Deutschland (AWS Frankfurt) sichergestellt. Kundendaten werden nicht zum Training von KI-Modellen genutzt, und die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform innerhalb der EU. Eine ISO-Zertifizierung im Bereich Informationssicherheit ist zudem in Vorbereitung.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert, wenn es darum geht, eine traditionell geprägte Branche für neue KI-Technologien zu gewinnen?

Das Paradoxe ist, dass Unternehmen, die KI am dringendsten bräuchten, oft am wenigsten Zeit haben, sich damit zu beschäftigen. Volle Projektpipelines, Kostendruck und operativer Stress lassen wenig Raum für strategische Transformation. Daher sehen wir es als unsere Aufgabe, den Einstieg so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten, sodass Unternehmen schnell einen spürbaren Nutzen erleben – ohne lange Implementierungsprojekte oder aufwendige Schulungen.

Wie verändert die Integration von Unternehmenswissen in Ihrer Plattform die Arbeitsweise von Planungsteams konkret?

Reiner AI macht Wissen systematisch zugänglich: Projekte, Gutachten, Pläne und Dokumentationen werden durchsuchbar und direkt nutzbar, ohne langes Suchen oder Abhängigkeit von einzelnen Personen. Das verändert den Arbeitsalltag spürbar: Ingenieure finden relevante Vorprojekte in Sekunden statt Stunden, neue Mitarbeitende können sich schneller einarbeiten, und Wissen bleibt im Unternehmen erhalten, auch wenn erfahrene Kolleginnen oder Kollegen ausscheiden. Gleichzeitig bleiben alle Daten sicher im Unternehmen.

Was war bisher ein entscheidender Meilenstein für Reiner AI, der gezeigt hat, dass Ihr Ansatz im Markt funktioniert?

Definitiv die Integration des Produkts in den ersten Ingenieurbüros, etwa beim Ingenieurbüro Berthold Becker GmbH, das seit über 50 Jahren im Tiefbau tätig ist. Für viele Mitarbeitende ist Reiner AI inzwischen wie ein erfahrener Kollege geworden, der sie im Arbeitsalltag begleitet.
Besonders deutlich wird der Mehrwert beim Agenten für Baustellenprotokolle: Bei unseren Kunden reduziert er den Dokumentationsaufwand um mehr als 70 Prozent pro Monat. Erläuterungsberichte, für die Teams früher ganze Tage eingeplant haben, entstehen heute innerhalb weniger Stunden.
Mittlerweile nutzen zahlreiche Planer, Ingenieure und Bauleiter Reiner AI täglich. Dass wir mit Lösungen wie unserem Ausschreibungsmonitor und unseren Agenten für Projektbewerbungen inzwischen auch auf Top-Management-Ebene eingesetzt werden, zeigt, dass unser Ansatz skaliert.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen plant Reiner AI in den kommenden Jahren?

Unser Ziel ist klar: Reiner AI soll zum Operating System für Bau und Planung werden – eine intelligente KI-Plattform, die Wissen, Prozesse und Automatisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenführt.
Der Weg dorthin führt über drei Achsen: mehr Agenten, tiefes Branchenwissen und komplexere Anwendungsfälle. Während heute beispielsweise Baustellenprotokolle und Erläuterungsberichte automatisiert werden, arbeiten wir künftig an Variantenplanung, CAD-Integration und Entscheidungsvorlagen für die Projektleitungsebene.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer spezialisierten KI-Lösung in einen etablierten Markt gehen möchten?

Erstens: Verliebt euch in das Problem, nicht in die Technologie. Wer in einen etablierten Markt geht, muss den Arbeitsalltag seiner Zielgruppe besser verstehen als sie selbst. Bei uns bedeutete das monatelange Feldarbeit: viel Zeit auf Baustellen und in Planungsbüros, endlose Gespräche. Erst danach wussten wir, wo KI wirklich helfen kann.

Zweitens: Schnell in die Praxis, nicht perfekt ins Produkt. Etablierte Branchen überzeugt man nicht mit Demos, sondern mit spürbarem Nutzen im echten Betrieb. Der erste Kunde, der sieht, dass sein Team täglich zwei Stunden zurückgewinnt, ist überzeugender als jede Präsentation.

Drittens: Vertrauen ist das eigentliche Produkt. In konservativen Märkten kauft niemand einfach Software – man kauft Verlässlichkeit. Datensicherheit, Transparenz und persönliche Erreichbarkeit sind keine Nice-to-haves, sondern Grundvoraussetzungen.

Bild: Reiner AI Sven Gasper (li) und Philipp Mackeprang (re)

Wir bedanken uns bei Sven Gasper für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum kämpfen so viele Unternehmen mit genau diesem Problem und wie lässt es sich endlich lösen

0
Copla Compliance Cybersecurity Plattform für Fintechs Copla-Founding-Team-Copyright-Judita-Grigelyte

Copla automatisiert Compliance und Cybersecurity für Finanzinstitute und hilft Unternehmen effizient audit ready zu bleiben

Wie ist Copla entstanden und wer sind die Gründerinnen und Gründer hinter dem Unternehmen?

Copla wurde 2023 gegründet. Andrius Minkevičius, unser CTO, und ich haben zuvor gemeinsam Paysolut mitgegründet und aufgebaut, eine Core-Banking-Plattform, die wir an SumUp verkauft haben. Nojus, unser Mitgründer und CLO, vervollständigt unser Team mit umfassender rechtlicher Expertise in den Bereichen Compliance und Cybersicherheit. Gemeinsam verfügen wir über jahrelange operative Erfahrung im Fintech-Bereich mit Compliance-Know-how. Unser Team ist inzwischen auf über 50 Personen angewachsen und über ganz Europa verteilt.

Welche persönliche Motivation hat Sie dazu bewegt, eine Plattform für Compliance und Cybersecurity aufzubauen?

Paysolut war ein kritischer Anbieter für Banken und Finanzinstitute. Entsprechend standen Cybersicherheit und regulatorische Compliance stets im Mittelpunkt, denn unsere Kunden mussten sich auf uns verlassen können. In der Zusammenarbeit habe ich hautnah miterlebt, unter welchem Druck unsere Kunden standen, Risiken zu bewerten und zu managen, was die Grundlage eines jeden Compliance-Frameworks ist. Ihnen fehlten aber die richtigen Werkzeuge dazu. Sie versanken in Tabellenkalkulationen und manueller Dateneingabe. Gleichzeitig mussten eine dynamische Cybersecurity-Bedrohungslandschaft und neue regulatorische Rahmenbedingungen bewältigt werden.

Nach dem Paysolut-Exit hat mich dieses Problem nicht losgelassen. Da ich gerade praktische Erfahrungen beim Aufbau eines Unternehmens gesammelt hatte, entschied ich mich, Copla mitzugründen, um die Probleme tatsächlich zu lösen.

In Europa wird Regulierung oft als Grund dafür angeführt, dass innovative Unternehmen Schwierigkeiten haben zu skalieren. Wir haben Copla mit der Überzeugung gegründet, dass starke Regulierung und starke Innovation sich gegenseitig nicht ausschließen.

Copla verspricht, einen Großteil von Compliance-Aufgaben zu automatisieren. Wie funktioniert dieser Ansatz in der Praxis?

Wir nehmen komplexe Regulierungen wie den Digital Operational Resilience Act (DORA) oder die NIS-2-Richtlinie für die Sicherung von Netz- und Informationssystemen, seit Ende 2025 als NIS2-Umsetzungsgesetz in Kraft, und schlüsseln sie in konkrete, umsetzbare Aufgaben auf. Die Copla-Plattform führt die Verantwortlichen Schritt für Schritt durch alles, was zu tun ist. Basierend auf den vom Unternehmen bereitgestellten Informationen füllt unsere KI-Engine regulatorische Vorlagen aus, die benötigt werden, um das Unternehmen compliant zu machen. Während das Team arbeitet, verfolgt Copla die Ausführung in Echtzeit und speichert Nachweise automatisch ab. Wenn also ein Audit ansteht, muss nicht alles hektisch zusammengesucht werden, da alle notwendigen Nachweise bereits vorhanden und bereit zur Einsicht sind. Die Idee dahinter ist, Compliance zu einem Nebeneffekt des täglichen Geschäftsbetriebs zu machen und nicht zu einer zusätzlichen Belastung.

Welche Zielgruppen sprechen Sie konkret an. Und welche typischen Probleme lösen Sie für diese Unternehmen?

Wir arbeiten mit lizenzierten Finanzinstituten wie Fintechs, Banken und Zahlungsdienstleistern zusammen. Diese operieren innerhalb mehrerer, sich überschneidender regulatorischer Rahmenwerke und das oft mit nur einer Handvoll Mitarbeiter. Copla beseitigt Compliance als Hürde und verwandelt sie in eine fest verankerte operative Fähigkeit.

Wie unterstützt Copla Unternehmen dabei, dauerhaft audit-ready zu bleiben statt nur punktuell für einzelne Prüfungen?

Traditionelle Compliance ist reaktiv. Wenn ein Audit naht, herrscht hektische Betriebsamkeit. Danach kehrt wieder Ruhe ein. Mit Copla läuft Compliance kontinuierlich im Hintergrund. Die Register bleiben stets aktuell, Nachweise werden im laufenden Betrieb erfasst und Maßnahmen in Echtzeit überwacht. Wenn das Audit kommt, ist das Unternehmen bereit, weil die Arbeit längst getan ist. Compliance ist dadurch kein nervenaufreibender Kraftakt, sondern ein fester Bestandteil des Tagesgeschäfts.

Was unterscheidet Ihr Modell aus Softwareplattform und CISO-Expertise von klassischen Beratungsunternehmen?

Berater leisten manuelle Arbeit, liefern Berichte und gehen. Im nächsten Quartal stehen die Unternehmen dann wieder am Anfang. Reine Softwarelösungen automatisieren Aufgaben, lassen einen aber meist im Stich, sobald die Komplexität zunimmt.

Wir kombinieren beides und nennen es ‘Guided Compliance’. Die Plattform automatisiert, was automatisiert werden kann, und zusätzliche CISO-Expertise kommt bei Ermessensentscheidungen, Risikoabwägungen und regulatorischen Interaktionen zum Einsatz. Unsere Kunden erhalten einen kontinuierlichen Betrieb, ohne ein internes Compliance-Team aufbauen zu müssen.

Regulatorische Anforderungen wie ISO 27001, SOC 2, DORA oder NIS2 sind komplex. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Ihre Kunden?

Die größte Herausforderung im Moment ist, dass mehrere Rahmenwerke gleichzeitig in Kraft treten. DORA ist offiziell seit einem Jahr in Kraft, die Pflichten des EU AI Act werden diesen Sommer verbindlich und der Cyber Resilience Act kommt 2027. Dahinter verbergen sich keine einfachen Checklisten. Anforderungen wie das DORA Register of Information sind anspruchsvolle Unterfangen. Unternehmen wissen oft nicht, wo sie anfangen oder wie sie das alles managen sollen, ohne ganze Teams dafür abzustellen. Genau dabei helfen wir.

Wie geht Copla selbst mit dem Spannungsfeld aus wachsender Regulierung und technologischer Weiterentwicklung um?

KI-gesteuerte Cyber-Bedrohungen werden durch einen beispiellosen technologischen Wandel beschleunigt. Neue Systeme, Anbieter und Workflows werden schneller eingeführt, als traditionelle Compliance-Modelle sich anpassen können. Gleichzeitig erhöhen KI-gestützte Angriffsmethoden wie automatisierter Betrug, Voice Cloning und ausgefeiltes Social Engineering die Anforderungen daran, was operative Resilienz tatsächlich bedeutet. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten zu verstehen, wie Compliance und Sicherheit in diesem Kontext überhaupt aussehen sollen. Genau dafür haben wir Copla entwickelt. Wir übersetzen regulatorische Änderungen in umsetzbare Aufgaben – in dem Moment, in dem sie entstehen – und bieten CISO-Expertise dort, wo Automatisierung an ihre Grenzen stößt. So können Unternehmen resilient bleiben, während Regulierung und Technologie gleichermaßen an Fahrt aufnehmen.

Welche Rolle spielt Effizienz im Geschäftsmodell von Copla. Und wie stark profitieren Unternehmen tatsächlich von Zeit- und Ressourceneinsparungen?

Effizienz ist zentral. Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel nennen: Die NIS-2-Richtlinie erfordert typischerweise etwa sechs Monate Arbeit, kostet zehntausende Euro und birgt potenzielle Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro, wenn sie fehlerhaft umgesetzt wird. Und das ist nur ein Rahmenwerk. Unsere Plattform übernimmt diese Arbeit: Sie verfolgt Aufgaben, sammelt gleichzeitig Nachweise und hält Protokolle auf dem neuesten Stand. Kunden haben uns berichtet, dass sie durch den Einsatz unserer Plattform – anstatt alles manuell zu erledigen – zehntausende Euro und hunderte von Stunden eingespart haben. Gut ein Jahr nach unserer Seed-Runde haben wir bereits über 100 Kunden in ganz Europa erreicht. Dieses Wachstum ist unser Beweis dafür, dass das Problem real ist und die Effizienzgewinne erheblich sind.

Wohin soll sich Copla in den kommenden Jahren entwickeln. Planen Sie neue Standards, Märkte oder Produktfeatures?

In den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten wollen wir international über die EU hinaus expandieren und größere Finanzinstitute auf Enterprise-Ebene adressieren. Außerdem investieren wir stark in unser Team, um unsere Präsenz und Marktreichweite zu stärken.

Auf der Produktseite launchen wir bald Copla Bridge. Das ist eine Lösung, die es Partnern und Organisationen mit mehreren Entitäten ermöglicht, die Compliance von einer zentralen Ansicht aus zu verwalten. Wir bauen unsere Risikomanagement-Funktionalität aus, um Assets, Risiken und Maßnahmen in einem lebenden System miteinander zu verknüpfen, damit Teams verstehen, was wirklich zählt und wie sich das Restrisiko im Laufe der Zeit verändert. Wir setzen KI ein, um manuelle Compliance-Arbeit weiter zu reduzieren und Unternehmen zu helfen, effizienter zu operieren. Das Ziel bleibt dasselbe: echte Risiken reduzieren, nicht nur Checkboxen abhaken.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich Compliance oder Cybersecurity ein Unternehmen aufbauen möchten?

Erstens: Lösen Sie ein Problem, das Sie selbst erlebt haben. Wer den Schmerz nicht am eigenen Leib erfahren hat, wird nie verstehen, was wirklich behoben werden muss.

Zweitens: Bleiben Sie besessen vom Problem, nicht von der eigenen Lösung. Denn klar ist, dass die erste Version nicht alles lösen und Fehler haben wird. Deshalb ist es wichtig, das Produkt konsequent auf Basis von Feedback anzupassen.

Drittens: Timing ist genauso wichtig wie die Umsetzung. Orientieren Sie sich an Megatrends, die fast, aber noch nicht ganz im Mainstream angekommen sind. Sprich: Früh genug, um den Bereich mitzugestalten, aber nicht so früh, dass Sie Jahre darauf warten, dass der Markt aufholt.

Bildcredits/Fotograf: Judita Gigelyté (Verslo žinios)

Wir bedanken uns bei Aurimas Bakas für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Warum scheitert moderne Gesundheitsversorgung oft an den einfachsten Stellen?

0
Versorgung Diagnostik System Trends im Gesundheitsmarkt Christoph Neumeier

Versorgung und Diagnostik rücken immer stärker in den Fokus, während der Druck auf die bestehenden Strukturen spürbar wächst und Veränderungen notwendig werden. Im Interview erklärt Christoph Neumeier, CEO CKM, warum vor allem funktionierende Übergänge entscheidend dafür sind, wie gut Patientinnen und Patienten begleitet werden.

Herr Neumeier, viele Debatten zur digitalen Gesundheitsversorgung drehen sich um Technologie. Wo sehen Sie aktuell tatsächlich die größten Engpässe?

Das System redet über Tools, während es an Übergaben scheitert. Zwischen Arzt und Apotheke. Zwischen Diagnose und Behandlung. Zwischen digital und analog. Nicht weil die Technologie fehlt, sondern weil niemand konsequent die Patienten Journey zu Ende denkt. Wir haben Hightech-Medizin und Lowtech-Zugang. Das ist kein Ressourcenproblem. Es ist eine Prioritätsfrage.

2025 hat gezeigt, dass hybride Versorgungsmodelle schneller entstehen als lange erwartet. Ist das aus Ihrer Sicht Fortschritt oder eher eine Reaktion auf strukturelle Überlastung?

Ehrlich gesagt: hauptsächlich Reaktion. Hybride Modelle entstehen nicht, weil das System vorausgedacht hat. Sie entstehen, weil das System seine eigene Nachfrage nicht mehr bedient. Märkte füllen, was Strukturen lassen. Das ist kein Zufall und kein Verdienst der Politik. Wer das als Fortschritt verkauft, verwechselt Symptombehandlung mit Strategie.

Sie beobachten seit Jahren die Schnittstelle zwischen Prävention, Diagnostik und Versorgung. Was hat sich seit 2025 erstmals messbar verändert?

Die Nutzung hat die Theorie eingeholt. Sechsstellige Patientenzahlen in der Telemedizin sind kein Pilotprojekt mehr, das ist Realität. Was sich wirklich verändert hat: Wir wissen jetzt genau, wo es kippt. Nicht beim Einstieg in die digitale Versorgung, sondern bei der Übergabe. Wo Rezepte und Befunde nahtlos weiterlaufen, bleibt die Journey stabil. Wo die Schnittstelle fehlt, fällt man zurück ins alte System.

In mehreren Präventionspfaden wird inzwischen eine höhere Nachfrage verzeichnet als in klassischen stationären Angeboten. Was sagt das über das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in bestehende Versorgungsstrukturen aus?

Es sagt, dass Menschen mit den Füßen abstimmen. Und das System sollte aufhören, das als Konkurrenz zu lesen, und anfangen, es als Signal zu verstehen. Das ist kein Misstrauen gegenüber Medizin. Es ist Misstrauen gegenüber dem Weg dorthin. Wer krank ist, will keine Warteschleife. Sobald jemand eine Alternative anbietet, die funktioniert, wird sie genutzt. Das ist kein Trend. Das ist Verhalten, das sich nicht mehr umkehren lässt.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die vorgelagerte Diagnostik für den Erfolg digitaler und hybrider Versorgungsmodelle?

Sie ist die Voraussetzung, keine Ergänzung. Ohne frühe Diagnostik ist hybrid nur ein schnellerer Weg zur gleichen Lücke. Was viele unterschätzen: Frühdiagnostik ist nicht nur ein medizinisches Argument, es ist ein systemisches. Abwasseranalytik zeigt Resistenzentwicklungen, bevor sie klinisch eskalieren. Das System hätte die Instrumente, früher zu reagieren. Es entscheidet sich nur zu selten dafür.

Home Testing und dezentrale Diagnostik werden oft als Komfortlösung beschrieben. Welche strukturelle Bedeutung haben solche Angebote tatsächlich für das Gesundheitssystem?

Komfort ist das falsche Framing. Es geht um Triage im großen Maßstab. Heimtests für Darm- oder Gebärmutterhalskrebs, die heute bereits über Krankenkassen verfügbar sind, sind kein Nice-to-have. Sie sind ein Frühwarnsystem. Wer früh testet, kommt früher in die richtige Versorgung. Wer wartet, bis Symptome zwingen, kommt teurer an. Für den Menschen und für das System. Dezentrale Diagnostik ist keine Serviceleistung. Sie ist Infrastruktur.

Sie sprechen von einer Anpassung der Versorgung an die real verfügbare Infrastruktur. Wie verändert dieser Pragmatismus die bisherigen Idealvorstellungen von Versorgung?

Die Idealvorstellung war immer: einheitliche Struktur, optimale Versorgung für alle. Das ist ein schöner Gedanke. Aber er hat dazu geführt, dass das System rund um seine eigenen Prozesse gebaut wurde, nicht rund um den Menschen, der es braucht. Pragmatismus heißt nicht, Ansprüche aufzugeben. Es heißt, die Patient Journey ernst zu nehmen und aufzuhören, Versorgung dort enden zu lassen, wo die Zuständigkeit endet. Versorgung endet, wenn der Mensch weiß, was er tun muss. Nicht früher.

Welche Signale senden die Krankenkassen mit ihrer wachsenden Beteiligung an präventiven und diagnostischen Versorgungsmodellen?

Sie haben gerechnet. Prävention kostet weniger als Spätbehandlung. Das ist keine Überraschung, das ist Mathematik. Was interessant ist: Wenn Kassen anfangen, diese Rechnung aktiv umzusetzen, verschiebt sich der Anreiz im gesamten System. Weg vom Akutfall, hin zur Verhinderung. Das ist strukturell bedeutsamer als jede Digitalstrategie, die je beschlossen wurde. Die Frage ist, ob die Versorgungslandschaft das Tempo mithält.

Wenn Sie auf die Nutzungszahlen und die Präventionsbereitschaft blicken, was lernen wir daraus über das Verhalten der Patientinnen und Patienten?

Dass sie nie passiv waren. Sie hatten nur kein gutes Angebot. Sobald Hürden sinken, steigt Nachfrage. Was wir wirklich lernen: Menschen wollen verstehen, was mit ihnen passiert. Verständlichkeit ist heute eine medizinische Leistung. Wer das als selbstverständlich behandelt, unterschätzt, wie lange das System das Gegenteil als Normal verkauft hat.

Wird digitale Gesundheitsversorgung Ihrer Einschätzung nach künftig weniger über Innovationen definiert sein als über verlässliche Zugangsmodelle?

Ja. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht, auch wenn es für viele unbequem klingt. Die spannendste Technologie ist wertlos, wenn niemand sie im richtigen Moment erreicht. Was jetzt zählt, ist nicht das nächste Feature. Es ist die Frage, ob Versorgung dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Zuverlässig, ohne Brüche, ohne Formular dazwischen.

Welche Annahmen über digitale Versorgung haben sich 2025 aus Ihrer Sicht als nicht tragfähig erwiesen?

Zwei vor allem. Erstens: dass digital allein reicht. Eine Videosprechstunde ersetzt kein System. Sie funktioniert nur, wenn die gesamte Kette dahinter steht. Wer digital startet und analog steckenbleibt, hat dem Patienten keinen Gefallen getan. Er hat nur das Wartezimmer verschoben. Zweitens: dass Geschwindigkeit und Qualität sich ausschließen. Das stimmt nicht. Es braucht Struktur, die beides trägt. Wer nur Momentum erzeugt, baut keine Infrastruktur.

Mit Blick auf 2026: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, wenn Diagnostik zur zentralen Infrastrukturfrage der Versorgung wird?

Standards. Wer definiert Qualität, wenn Diagnostik dezentral wird? Wer vergütet was, unter welchen Bedingungen? Das sind keine technischen Fragen. Das sind politische. Und genau da liegt das eigentliche Tempo-Problem. Nicht bei den Anbietern. 2025 hat bewiesen, dass hybride Versorgung funktioniert. 2026 zeigt bereits jetzt, ob das System bereit ist, das als Realität anzuerkennen oder ob es hybrid weiter als Ausnahme behandelt. Hybrid darf kein Dauerpilot bleiben. Es muss Standard werden.

Bildcredits CKM Group

Wir bedanken uns bei Christoph Neumeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Neueste Beiträge

Energie Startup Pokal zeigt Zukunftsideen Bild @ fokus.energie e.V.

Energie Startup Pokal bringt Ideen für die Zukunft

0
Beim Energie Startup Pokal in Berlin präsentieren 16 Startups neue Lösungen für die Energiebranche. Im Fokus stehen Innovationen für Energie, Wärme und Mobilität.