Sonntag, Oktober 11, 2026
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Die Höhle der Löwen: Staffel 20 startet mit zwei neuen Investoren

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Welche Gründer sichern sich in Staffel 20 die besten Deals? Bild v.o.l.: Andreas Herb, Johannes Kliesch, Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel. v.u.l.: Janna Ensthaler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams und Frank Thelen. Foto: RTL / Boris Breuer

Zwei neue Löwen. Mehr Konkurrenz. Mehr Deals. Die Höhle feiert Jubiläum!

Es geht wieder aufwärts – mit neuen Ideen, mutigen Gründerinnen und Gründern, harten Verhandlungen und jeder Menge Löwen-Instinkt: Am 7. September startet bei VOX die 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Seit 2014 ist das Erfolgsformat die erste Adresse für Gründergeist, Innovationen und Investments im deutschen Fernsehen. Zum Jubiläum wird das Löwen-Rudel um zwei große Player erweitert: Mit Johannes Kliesch und Andreas W. Herb ziehen zwei der erfolgreichsten Gründerpersönlichkeiten Deutschlands in die Höhle ein. Beide haben aus eigenen Ideen Unternehmensgruppen mit dreistelligen Millionenumsätzen aufgebaut und zählen heute zu den prägenden Unternehmern ihrer Branchen. Gemeinsam mit Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Judith Williams, Ralf Dümmel, Carsten Maschmeyer und Frank Thelen kämpfen künftig acht Löwen um die besten Gründerinnen, Gründer und Deals.

Die beiden Neuzugänge bringen nicht nur neue Perspektiven, sondern auch enorme Investitionskraft, große Unternehmernetzwerke und frischen Wettbewerb in die Höhle.

Beide investieren weit über ihre Kernbranchen hinaus und wollen den etablierten Löwen die besten Deals streitig machen. Damit verschärft sich der Konkurrenzkampf im Rudel spürbar: Härtere Verhandlungen, neue Strategien und intensive Battles um die spannendsten Gründerinnen und Gründer sind dabei vorprogrammiert.

Johannes Kliesch gehört zu den erfolgreichsten deutschen Digitalunternehmern seiner Generation.

Der erst 31-jährige Gründer und Geschäftsführer der SNOCKS Group baute sein Unternehmen mit gerade einmal 4.000 Euro Startkapital aus dem Kinderzimmer heraus zu einer international erfolgreichen Unternehmensgruppe mit mehr als 130 Millionen Euro Jahresumsatz auf. Der Forbes-„30 Under 30“-Unternehmer gilt als einer der profiliertesten Experten für E-Commerce, Markenaufbau und Künstliche Intelligenz. Sein junges Auftreten täuscht: Hinter dem „Babyface“ steckt ein kompromissloser Unternehmer mit klaren Ansagen. Kliesch scheut weder außergewöhnliche Beteiligungsmodelle noch hohe Investments und wird in vielerlei Hinsicht mit bisherigen DHDL-Konventionen brechen. Johannes Kliesch: „Als Founder, der bei null angefangen hat, bringe ich eine ehrliche Perspektive mit, auf Augenhöhe und voller Leidenschaft für Brand Building und E-Commerce. Gründer:innen und Zuschauer:innen können von mir erwarten, konstruktives Feedback mit echter Erfahrung aus der Praxis zu verbinden.“

Andreas W. Herb bringt jahrzehntelange Erfahrung aus der deutschen Getränke- und Markenbranche in die Höhle ein.

Der Gründer der MBG Group machte Marken wie SALITOS, effect® Energy Drink, SCAVI & RAY und 9 MILE Vodka erfolgreich und baute sein Unternehmen zu einer der führenden Unternehmensgruppen der Branche mit rund 240 Millionen Euro Jahresumsatz aus. Der Selfmade-Unternehmer bringt seine direkte Ruhrpott-Schnauze ebenso mit wie jahrzehntelange Erfahrung im Markenaufbau und Vertrieb. Seine Investitionen werden sich längst nicht nur auf Getränke beschränken. Mit seinem Handelsnetzwerk, seinem Gespür für starke Marken und seiner Bereitschaft, auch bei großen Tickets mitzubieten, dürfte er Dümmel, Thelen & Co. Deals vor der Nase wegschnappen. Andreas W. Herb: „Ich liebe Menschen, die den Mut haben, groß zu denken und einfach anzufangen. Bei ‚Die Höhle der Löwen‘ suche ich keine perfekten Gründer, sondern Persönlichkeiten mit Leidenschaft, Ausdauer und einer Idee, die das Potenzial hat, etwas zu verändern. Wenn dieses Feuer da ist, kann daraus etwas richtig Großes entstehen.“

Auch inhaltlich verspricht die Jubiläumsstaffel außergewöhnliche Momente.

Mit Diana zur Löwen wagt eine prominente Gründerin den Gang in die Höhle. Zudem sind Johann Lafer, Micaela Schäfer und Steffen Baumgart als Markenbotschafter mit dabei. Dazu kommen spektakuläre Zukunftstechnologien, ungewöhnliche Erfindungen – darunter eine Fensterputz-Drohne –, emotionale Geschichten, überraschende Wendungen und neue Deal-Mechaniken. Einen Überblick über alle Highlights der 20. Staffel gibt es in der Pressemappe.

Sendezeiten und Produktion

„Die Höhle der Löwen“, 20. Staffel, acht Folgen ab 7. September immer montags um 20:15 Uhr bei VOX. Alle Folgen stehen jeweils sieben Tage vor der TV-Ausstrahlung auf RTL+ zum Abruf bereit.

Produziert wird „Die Höhle der Löwen“ von Endemol Shine Germany im Auftrag von VOX.

Bild v.o.l.: Andreas Herb, Johannes Kliesch, Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel. v.u.l.: Janna Ensthaler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams und Frank Thelen. Foto: RTL / Boris Breuer

Quelle RTL Deutschland GmbH

Sisyphos Mac-App: Wie KI den Rohschnitt beschleunigt

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Sisyphos Mac-App: Wie KI den Rohschnitt beschleunigtChristoph Amort by Christoph Platzer

Der Rohschnitt kostet Filmemacher und Cutter oft unzählige Stunden. Der Gründer der Sisyphos Mac-App erklärt, wie seine Software Rohmaterial anhand gemessener Signale analysiert, Transparenz bei Auswahlentscheidungen schafft und warum das Tool bewusst ohne Abo-Modell auskommt.

Können Sie Sisyphos kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, den Rohschnitt neu zu denken?

Sisyphos ist eine lokale Mac-App für den Schritt vor dem Schnitt. Sie sichtet Stunden Rohmaterial, findet die brauchbaren Momente und baut daraus einen ersten Rohschnitt, den man in DaVinci Resolve, Final Cut oder Premiere weiterbearbeitet. Zu jeder Auswahl steht da, warum, und zu jedem verworfenen Take auch. Die Idee kam aus der eigenen Arbeit. Ich kam von Drehs mit Stunden Material zurück und musste erst alles einmal durchsehen, bevor ich die erste kreative Entscheidung treffen konnte. Das war der längste und der am schlechtesten bezahlte Tag im ganzen Projekt. Genau diesen Tag nimmt Sisyphos ab.

Wer steht hinter Sisyphos, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung der Software geprägt?

Sisyphos entsteht in Wien. Geprägt hat es die Praxis: eigene Drehs, eigene Sichtungstage und die Erfahrung, dass die bestehenden KI-Werkzeuge fast alle über das Transkript arbeiten. Das funktioniert im Interview und versagt bei einer Hochzeit, einem Rennen oder einem Konzert, also genau dort, wo die meiste Sichtungsarbeit anfällt. Daraus wurde die Grundentscheidung, ausschließlich an gemessenen Signalen zu arbeiten: Bewegung, Ton, Takt und Bildausschnitt.

Welche Vision verfolgen Sie mit Sisyphos, und wie möchten Sie die Postproduktion für Kreative langfristig verändern?

Der Rohschnitt soll aufhören, ein verlorener Tag zu sein. Nicht, indem eine Maschine den Film macht, sondern indem sie das Material vorbereitet und ihre Entscheidungen offenlegt. Langfristig soll Sisyphos das Werkzeug sein, das man vor dem eigentlichen Schnitt öffnet: sichten, sortieren, durchsuchen, verstehen. Die Erzählung bleibt beim Menschen. Was verschwindet, ist das stundenlange Durchspulen.

An welche Zielgruppen richtet sich Sisyphos hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für Filmemacher, Content Creator und Cutter?

Vor allem an alle, die deutlich mehr drehen, als sie verwenden: Hochzeitsfilm, Sport und Event, Imagefilm, Reise und Outdoor, Content-Produktion mit hohem Materialaufkommen. Ein Drehtag füllt Karten für einen Film von wenigen Minuten. Das Problem ist nicht der Schnitt, sondern die Sichtung davor. Sisyphos übernimmt diesen Durchgang und liefert einen ersten Rohschnitt mit Begründungen, statt eines fertigen Videos, das man nur annehmen oder verwerfen kann.

Viele KI-Tools erstellen automatisch fertige Videos. Warum verfolgt Sisyphos bewusst den Ansatz, den Editor zu unterstützen statt ihn zu ersetzen?

Weil die Auswahl der Momente der Film ist. Wer sie abgibt, gibt die Autorenschaft ab. Ein Editor, der einen fertigen Schnitt bekommt und nicht nachvollziehen kann, warum dieser Take gewonnen hat und der daneben nicht, kann das Ergebnis nicht verantworten. Sisyphos macht deshalb die Vorauswahl und legt sie offen. Die Entscheidung, was der Film erzählt, bleibt beim Menschen.

Was macht Sisyphos aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen KI-gestützten Schnittlösungen?

Drei Dinge. Erstens arbeitet es an gemessenen Signalen statt am Transkript, funktioniert also auch dort, wo niemand spricht. Zweitens begründet es jede Auswahl und jede Ablehnung in normaler Sprache. Drittens läuft die Analyse lokal auf dem eigenen Rechner. Dazu kommt die Wiederholbarkeit: gleiches Material und gleiche Einstellungen ergeben denselben Schnitt.

Ihre Software begründet jede Auswahl und jede Ablehnung eines Clips. Warum war Ihnen diese Transparenz bei der Entwicklung so wichtig?

Weil ein Werkzeug ohne Begründung nicht überprüfbar ist. Man kann ihm glauben oder es ignorieren, mehr nicht. Sisyphos bewertet jeden Moment auf getrennten Skalen, also was passiert, wie es wirkt, wie es fließt und wie es gefilmt ist, und rechnet diese nie zu einer einzigen Zahl zusammen. Gerade der Widerspruch zwischen den Skalen sagt etwas aus. Und die verworfenen Takes bleiben mit ihrem Grund in der Liste. Auf die Frage, warum ein Moment fehlt, gibt es eine Antwort.

Sisyphos analysiert Rohmaterial lokal auf dem Mac. Welche Bedeutung haben Datenschutz und die Kontrolle über das eigene Material für Ihre Nutzer?

Eine sehr große. Hochzeiten, Firmenmaterial, unveröffentlichte Produktionen: Vieles davon darf schlicht nicht auf einen fremden Server. Die gesamte Analyse läuft deshalb auf dem eigenen Rechner, das Rohmaterial verlässt die Maschine nicht. Ein einziger Schritt nutzt KI und schickt dafür Einzelbilder und Messwerte an die Gemini-API, über den eigenen API-Schlüssel des Nutzers.

Sie setzen auf eine Dauerlizenz statt auf ein Abo. Warum haben Sie sich bewusst für dieses Modell entschieden?

Weil derzeit ein regelrechter Abo-Wahnsinn herrscht. Im Kamerakoffer gehört einem alles, das Gehäuse, die Objektive, das Stativ, und ausgerechnet die Software ist gemietet, Monat für Monat, über alle Werkzeuge hinweg. Diesen Weg gehen wir bewusst nicht mit. Sisyphos läuft auf dem eigenen Rechner, also soll es auch dem Nutzer gehören. Einmal zahlen, zwölf Monate Updates inklusive, und die Version läuft danach weiter. Der Preis liegt bei 129 Euro in den ersten zwei Wochen ab Launch und danach bei 189 Euro. Kein Abo, keine Lizenz, die abläuft.

Windows steht bereits auf Ihrer Roadmap. Welche weiteren Funktionen oder Entwicklungen planen Sie für Sisyphos?

Geplant sind eine Transkript-Funktion, mit der man das Material nach Dialog durchsuchen kann, und darüber hinaus eine allgemeine Suche innerhalb des bereits analysierten Materials. Dazu kommen eine native Anbindung an Premiere und Final Cut, aktuell läuft der Weg dorthin über den FCPXML-Export, sowie ein reiner Sortiermodus, der langes Material nur zerlegt und gruppiert, ohne es inhaltlich zu bewerten.

Wo soll Sisyphos in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich KI-gestützter Videoproduktion einnehmen?

Ich will nicht das Werkzeug bauen, das Filme macht. Ich will das Werkzeug bauen, das Editoren die Vorarbeit abnimmt und dabei nachvollziehbar bleibt. Ich will dass man als Editor schneller zum kreativen Teil der Arbeit kommt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine spezialisierte Software mit KI entwickeln und erfolgreich am Markt etablieren möchten?

Erstens: Schreiben Sie den Leuten, für die Sie bauen, bevor das Produkt fertig ist. Meine wertvollsten Rückmeldungen kamen von Absagen, nicht von Zustimmung. Zweitens: KI ist ein Bauteil, kein Verkaufsargument. Was zählt, ist das Problem, das verschwindet. Drittens: Machen Sie die Entscheidungen Ihres Systems überprüfbar. Sobald Nutzer nachfragen können, warum etwas passiert ist, entsteht Vertrauen, und ohne dieses Vertrauen wird ein Werkzeug in einer kreativen Arbeit nicht verwendet.

Bildcredits/ Fotograf: Christoph Platzer

Wir bedanken uns bei Christoph Amort für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wie Longevity moderne Führung verändert

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Wie Longevity moderne Führung verändert Felix Bertram

Die BG hat mir vor 30 Jahren Würde und Autonomie zurückgegeben, als ich u.a. nach einem Motorradunfall in der BG Klinik Hamburg Boberg lag. Ich verbinde nur gute Erfahrungen mit der BG und freue mich, dass sich heute der „Kreis schliesst“ und ich der BG und den vielen tollen Menschen die dort arbeiten, etwas zurück geben kann.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Felix Bertram ein Interview geführt

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Jubiläumsevent von BG prevent über „Leadership & Longevity“ zu sprechen?

Die BG hat mir vor 30 Jahren Würde und Autonomie zurückgegeben, als ich u.a. nach einem Motorradunfall in der BG Klinik Hamburg Boberg lag. Ich verbinde nur gute Erfahrungen mit der BG und freue mich, dass sich heute der „Kreis schliesst“ und ich der BG und den vielen tollen Menschen die dort arbeiten, etwas zurück geben kann.

BG prevent beschäftigt sich intensiv mit Gesundheit, Prävention und nachhaltiger Leistungsfähigkeit. Warum passt das Thema Longevity aus Ihrer Sicht besonders gut zu dieser Veranstaltung?

Longevity ist ja nichts anderes als Prävention. Unser heutiges Gesundheitssystem setzt ja meistens erst dann an, wenn jemand eine Erkrankung hat. Viele Erkrankungen – vor allem die grossen Volkskrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Diabetes – kann man verhindern, wenn man früh seine Risiken kennt und mit der richtigen Prävention dagegen vorgeht.

In Ihrem Vortrag stellen Sie die Frage, ob dauerhafte Spitzenleistung überhaupt möglich ist. Was ist Ihre persönliche Antwort darauf?

Wir verbinden Spitzenleistung heute oft mit Mindset, Disziplin oder mentaler Stärke. Aber das ist alles irrelevant, wenn dein System kollabiert, also dein Körper und deine Gesundheit. Deshalb ist Spitzenleistung – egal ob im Sport oder in Unternehmen – immer mit einem gesunden und fitten Körper und Geist verbunden.

Viele Menschen verbinden Selbstoptimierung mit ständigem Leistungsdruck. Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen gesunder Leistungsfähigkeit und ungesunder Überforderung?

Selbstoptimierung ist so ein Trendbegriff, den ich unbrauchbar finde. Für mich geht es darum die Baseline zu erhöhen, damit ich ausreichend Kapazitäten habe, meine Ziele zu verfolgen. Damit meine ich spezifisch Bewegung, Schlaf, Stressregulation und Ernährung. Und das alles kann und muss sogar Spass machen und es darf auf keinen Fall wie ein zweiter Job werden.

Sie sprechen häufig über Longevity als ganzheitliches Konzept. Welche Rolle spielen dabei mentale Gesundheit, Schlaf und Regeneration?

Longevity fängt damit an, dass wir heute im Hier und Jetzt ein gutes Leben führen, dass es auch wert ist lange gelebt zu werden. Für mich ist das Gesundheit, gute Beziehungen und Sinn.

Schlaf, Regeneration und mentale Gesundheit sind die Basis, um überhaupt etwas vom Genannten aufzubauen.

Welche typischen Fehler machen Führungskräfte und Unternehmer, wenn sie dauerhaft leistungsfähig bleiben wollen?

Sie denken nicht wie Sportler! Sportler reizen Ihre Muskeln und regenerieren dann. Erst dadurch sind im Sport Spitzenleistungen möglich. In der Regenerationsphase passiert eigentlich mehr als während des Trainings. Führungskräfte und High Performer sind auch Sportler. Nicht mit den Muskeln, aber mental und mit dem autonomen Nervensystem. Und beides braucht eben auch Regeneration.

Sie haben selbst erlebt, wie sich hoher beruflicher Druck auf die Gesundheit auswirken kann. Welche Erkenntnisse haben Ihr eigenes Leben am stärksten verändert?

Die Wichtigkeit von Schlaf und Regeneration. Wir machen in unserem Unternehmen bewusst kurze Pausen, essen gemeinsam zu Mittag, versuchen Überstunden zu vermeiden und fördern, dass unsere Mitarbeiter die Freizeit auch zur Regeneration nutzen. Ich selber mache das sehr konsequent, meine Regenerationspausen und Blocker im Kalender haben dieselbe Wichtigkeit wie die Businesstermine und Meetings.

Wie wichtig ist Selbstführung, bevor man andere Menschen erfolgreich führen kann?

Die Frage beantwortet sich ja im Grunde von selbst. Ich kann andere nur führen, wenn ich eine gewisse Selbstreflexionsgabe und Selbstführung habe.

Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell mit Stress, Erschöpfung und steigenden Krankheitsausfällen. Welche Verantwortung tragen Führungskräfte dabei?

Es fängt immer ganz oben an. Diejenigen die das Unternehmen besitzen oder leiten, müssen das von oben in aller Klarheit vorgeben. Es muss dann aber auch im gesamten Unternehmen gelebt werden. Das fängt ja schon bei den Werten an, die meistens nett auf der Webseite stehen und kaum gelebt werden. Werte werden nämlich dann wichtig, wenn es kritisch wird, kriselt und Konfliktsituationen auftreten. Wir müssen wieder Arbeitsstätten schaffen, die Lebenszeit wertvoll gestalten. Das ist heute durchaus herausfordernd, aber es gibt Wege.

Was können Unternehmen konkret tun, um langfristige Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden zu fördern statt kurzfristige Höchstleistungen zu verlangen?

Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie Menschen binden, bevor sie Höchstleistung erwarten. In meinem Unternehmen ist es unser Ziel, dass jeder Mitarbeiter bzw. jede Mitarbeiterin einen platonischen Freund oder eine Freundin am Arbeitsplatz hat. Nichts bindet so sehr wie Menschen, die man gerne täglich sieht, mit denen man sich austauschen kann. Wir bei Skinmed haben ein Top Mitarbeiter Restaurant, was sogar mal 2 Michelin Sterne hatte. Das Essen ist gratis, aber nur wenn man es im Restaurant isst. So kommen mittags fast alle zusammen und das wollen wir ganz bewusst so.

Zusätzlich haben wir das eingeführt: Wenn fünf oder mehr Mitarbeiter sich in der Freizeit treffen, geht die Rechnung auf Skinmed. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter eine echte Community sind. Unsere Fluktuation liegt bei 2,8 Prozent, was weit unter dem Durchschnitt ist.

Welche Rolle spielen Routinen und Gewohnheiten für nachhaltigen Erfolg?

Ganz wichtig. Wir Menschen lieben Routinen und Muster, unser Körper noch viel mehr. Regelmässige Schlafzeiten und Aufwachzeiten, auch beim Essen liebt der Körper Muster. Übrigens gibt es Tricks, gewisse Gewohnheiten zu etablieren. Zum Beispiel etwas an eine bestehende Gewohnheit koppeln. 15 Liegestützen nach dem Zähneputzen. Weil Zähneputzen machen wir täglich.

Oder eine lästige Gewohnheit an etwas Positives koppeln. Ich mag zum Beispiel Krafttraining nicht so gerne. Dann habe ich mir selbst die Regel auferlegt, dass ich meinen Lieblingspodcast nur noch beim Krafttraining hören darf. So freue ich mich jetzt aufs Krafttraining.

Wie verändert sich Leadership aus Ihrer Sicht durch hybride Arbeit, Digitalisierung und künstliche Intelligenz?

Durch Digitalisierung und KI wird Führung fast noch wichtiger. Zum Beispiel, dass eine Führungskraft die Denkleistung in Teams herausfordert und nicht alles via KI erledigen lässt.

Eine Führungskraft muss heute mehr denn je Sinn und Gemeinschaft vorleben. Menschen folgen Menschen, nicht KI.

Von hybridem Arbeiten bin ich persönlich kein Fan und habe es in meinem Unternehmen nie zugelassen. Für mich ist der Arbeitsort etwas, wo Kreativität entsteht, wo Bindungen entstehen, wo sich Menschen weiterentwickeln können. Ich finde es gut, dass das Homeoffice, zumindest weitestgehend, rückabgewickelt wird.

Sie sprechen oft darüber, dass Longevity mehr bedeutet als nur ein langes Leben. Was gehört für Sie zu einem wirklich erfüllten und erfolgreichen Leben dazu?

Wir müssen uns vielleicht fragen, wie unser Leben aussehen soll, damit es auch Spass macht, es lange zu leben. Und dazu gehört eben nicht nur Gesundheit, sondern auch gute Beziehungen und ein Sinn im Leben. Menschen mit guten Beziehungen haben ein 50 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Und Sinn im Leben hängt für viele Menschen eben auch mit dem Beruf zusammen. Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens bei der Arbeit. Also lasst uns Sinn in dem finden, was wir da täglich tun.

Welche Bedeutung haben Beziehungen, Unternehmenskultur und zwischenmenschliche Kommunikation für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit?

Menschen mit guten Beziehungen haben ein 50 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Das lässt sich messen. Gute Beziehungen wirken regulierend, senken Stress und Cortisol, halten Herzfrequenz und Blutdruck niedrig. Und noch etwas: Die schönsten Erlebnisse in unserem Leben teilen wir meistens mit Menschen. Diese Erinnerungen bleiben und sind das, woran wir am Lebensende zurückdenken.

Deshalb sind menschliche Beziehungen und eine Unternehmenskultur, die das fördert, ganz entscheidend für langfristige Leistungsfähigkeit.

Viele Führungskräfte funktionieren jahrelang im „Business Hamsterrad“. Warum erkennen viele Menschen gesundheitliche Warnsignale erst sehr spät?

Weil wir es einerseits nicht merken. Schlafmangel, Stress und ein ungesunder Lebensstil führen meistens nicht zu einem „Knall“, sondern sind ein schleichender Prozess. Wenn wir jeden Tag ein Prozent weniger werden, merken wir das nicht. Stress dämpft zudem den präfrontalen Kortex. Wir denken schlechter, entscheiden schlechter, führen schlechter.

Der zweite Grund ist noch immer einer Tendenz geschuldet, Stress und Schlafmangel zu heroisieren.

„Schlafen kannst Du, wenn Du tot bist“ habe ich mir als Arzt im Krankenhaus vor einigen Jahren noch anhören müssen.

Wie wichtig ist es, Leistungsfähigkeit neu zu definieren – weg von permanenter Verfügbarkeit hin zu nachhaltiger Energie?

Leistung hat ja nicht immer etwas mit permanentem Arbeiten und permanenter Verfügbarkeit zu tun. Im Gegenteil: Ich schaffe heute in vier Stunden mehr als früher in acht Stunden.

Performance definiere ich heute durch Regulation, Kapazität und Identität.

Regulation ist guter Schlaf und Stressregulation. Kapazität baue ich auf, um Reserven zu haben, durch Bewegung, die das Herz Kreislauf System trainiert, Muskeltraining, das wichtig für unseren Zuckerstoffwechsel, aber auch für Beweglichkeit und Agilität ist, sowie eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die für eine gesunde Metabolik sorgt und chronische Erkrankungen verhindert.

Identität ist die Frage nach Sinn und wie ich mich definiere. Die wenigsten beschäftigen sich damit und rennen dann im Autopilotenmodus durchs Leben.

Welche Faktoren entscheiden Ihrer Meinung nach darüber, ob Teams dauerhaft erfolgreich und gesund zusammenarbeiten?

Gemeinschaft und Autonomie. Man muss Gestaltungsspielraum haben.

Framework – Training – Trust ist mein Motto. Wir als Unternehmen setzen den Rahmen, trainieren unsere Leute und bilden sie aus und vertrauen ihnen dann. Darüber hinaus sorgen wir für eine gute Gemeinschaft, in der Bindungen entstehen und ein Gefühl von Sinn.

Was möchten Sie den Gästen des BG prevent Events nach Ihrem Vortrag vor allem mit auf den Weg geben?

Macht den Arbeitsort wieder zu einem Ort mit Sinn, Gemeinschaft und Entwicklung. Das kann der Arbeitgeber nicht alleine, ihr müsst das mitgestalten.

Wenn Sie einen Wunsch für die zukünftige Arbeitswelt frei hätten: Wie müsste modernes Leadership im Jahr 2035 aussehen?

Menschen einen Raum schaffen, in dem sie sich entwickeln können. Und in dem gemeinsam etwas entwickelt wird. Flache Hierarchien, keine Egos, gemeinsam entwickeln, gemeinsam wachsen, gemeinsam gestalten.

Bildcredits Felix Bertram

Wir bedanken uns bei Felix Bertram für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

SchoolUP: Wie zwei 17-Jährige die KI-Nachhilfe revolutionieren

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SchoolUP: KI für Schulen und modernes Lernen Sven Hübner und Elias Esser

SchoolUP bringt KI direkt an Schulen und unterstützt Schülerinnen und Schüler mit personalisierten Lernhilfen auf Basis ihrer eigenen Unterrichtsmaterialien.

Können Sie SchoolUP kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung Ihrer KI Lernplattform entstanden ist?

SchoolUP ist eine KI gestützte Lernplattform, die Schülerinnen und Schülern dabei hilft, mit den echten Unterrichtsmaterialien ihrer eigenen Schule zu lernen. Über eine Anbindung an Moodle und Logineo NRW greift SchoolUP direkt auf die Inhalte zu, die Lehrkräfte bereitstellen, und arbeitet nach dem sokratischen Prinzip. Das bedeutet, die KI liefert nicht einfach Lösungen, sondern führt die Nutzer mit gezielten Fragen selbst zum Verständnis. So entsteht ein persönlicher digitaler Nachhilfelehrer, der wirklich zum eigenen Unterricht passt.

Die Idee dazu ist über eine längere Zeit gewachsen. Wir haben schon seit unseren jungen Jahren davon geträumt, gemeinsam eine eigene App zu entwickeln, und haben viele Konzepte ausprobiert, bevor wir auf das eigentliche Problem gestoßen sind. Im deutschen Schulsystem gibt es eine riesige Lücke bei der Nachhilfe. Sehr viele Schülerinnen und Schüler suchen aktiv danach, finden aber entweder keine passende Unterstützung oder nur sehr teure Angebote. Uns ist immer wieder aufgefallen, wie oft handgeschriebene „Suche Nachhilfe“ Zettel in Restaurants, an Schulen und in der Nachbarschaft hängen – ein sehr analoges Problem in einer digitalen Zeit. Das war für uns der Moment, in dem klar wurde, dass wir genau hier ansetzen müssen.

Wer steht hinter SchoolUP, und wie haben Sie es geschafft, bereits mit 17 Jahren und einem Budget von nur 1.000 Euro ein EdTech Startup aufzubauen?

Hinter SchoolUP stehen wir, Elias Eßer und Sean Hübner, beide 17 Jahre alt und aktuell in der Abiturphase. Wir sind seit vielen Jahren enge Freunde und haben schon lange das gemeinsame Ziel geteilt, irgendwann etwas Eigenes aufzubauen.

Mit einem Startbudget von rund 1.000 Euro war uns von Anfang an klar, dass wir vor allem mit Einsatz, Disziplin und cleveren Entscheidungen arbeiten müssen und nicht mit viel Kapital. Das bedeutete viele lange Nächte, unzählige Stunden Entwicklungsarbeit und die Bereitschaft, an vielen Stellen zu sparen, ohne bei der Qualität Kompromisse einzugehen. Mit diesem begrenzten Budget haben wir einen vollständig funktionierenden MVP entwickelt, also eine echte, einsatzfähige App und keinen bloßen Prototyp. Mittlerweile haben wir etwas mehr finanzielle Mittel zur Verfügung und suchen weiterhin aktiv nach Investoren und Sponsoren. Das aktuelle Budget erlaubt es uns bereits, eine vollständig funktionsfähige, stabile und datenschutzkonforme App bereitzustellen, mit der wir jetzt in den Pilotbetrieb starten.

Welche Vision verfolgen Sie mit SchoolUP, und wie möchten Sie den Schulalltag durch Künstliche Intelligenz langfristig verändern?

Unsere Vision ist es, dass eines Tages alle Schulen in Deutschland und langfristig auch international SchoolUP nutzen, um Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrer Lebenssituation echte Lernchancen zu ermöglichen. Bildungsgerechtigkeit ist für uns dabei der zentrale Antrieb. Nicht jede Familie kann sich private Nachhilfe leisten, aber jede Schülerin und jeder Schüler sollte Zugang zu guter Unterstützung haben. Gleichzeitig verfolgen wir das Ziel, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Deutschland im Bereich Künstliche Intelligenz stärker vorankommt. Wir wollen mit SchoolUP zeigen, dass KI im Bildungsbereich kein Risiko ist, sondern eine große Chance, wenn man sie verantwortungsvoll, datenschutzkonform und pädagogisch sinnvoll einsetzt. SchoolUP soll ein Beispiel dafür sein, wie KI den Schulalltag nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt.

An welche Zielgruppen richtet sich SchoolUP hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für Schulen, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler?

Unsere Zielgruppe sind vor allem Schülerinnen und Schüler, die außerhalb des Unterrichts Unterstützung brauchen, sei es bei Hausaufgaben, offenen Fragen oder der Vorbereitung auf Klausuren. Für sie lösen wir das Problem, überhaupt passende und verlässliche Hilfe zu finden. Genau dort setzt SchoolUP an, mit einem digitalen Lernbegleiter, der jederzeit verfügbar ist.

Für Lehrkräfte entsteht ein direkter Mehrwert dadurch, dass die von ihnen bereitgestellten Materialien aktiv genutzt werden, um Schülerinnen und Schülern den Stoff richtig und im Sinne ihres eigenen Unterrichts zu vermitteln.

Für Schulen als Institution liegt der Nutzen darin, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern durchgehend eine Lernmöglichkeit anbieten können, unabhängig von Uhrzeit, Wochentag oder Standort, und mit einem klaren, direkten Bezug zum tatsächlichen Unterrichtsinhalt.

Ihre Plattform arbeitet ausschließlich mit den echten Unterrichtsmaterialien einer Schule. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders?

Das ist tatsächlich einer der großen Unterschiede zwischen SchoolUP und bestehenden KI Nachhilfe Apps oder Schul Apps. Die meisten dieser Lösungen greifen ausschließlich auf allgemeine Inhalte und Themen aus dem Internet zurück. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Es fehlt der direkte Bezug zum eigenen Unterricht. In der Praxis führt das häufig dazu, dass falsche, veraltete oder einfach nicht relevante Inhalte gelernt werden, also Dinge, die im eigenen Unterricht so gar nicht behandelt wurden oder nicht der Herangehensweise der eigenen Lehrkraft entsprechen.

SchoolUP verfolgt hier einen ganz anderen Ansatz. Die Plattform arbeitet ausschließlich mit den echten, von der Schule bereitgestellten Unterrichtsmaterialien. Dadurch lernen Schülerinnen und Schüler genau das, was im Unterricht behandelt wurde, mit den richtigen Inhalten, in der richtigen Tiefe und im richtigen Kontext.

Wie wichtig war es Ihnen, dass SchoolUP von Anfang an DSGVO konform entwickelt wird, und welche Herausforderungen mussten Sie dabei bewältigen?

Datenschutz stand für uns von der ersten Minute an ganz oben auf der Prioritätenliste. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir mit Schulen und damit mit Daten von zum Teil minderjährigen Nutzenden arbeiten, die genau deswegen besonders sensibel zu betrachten sind. Das ist ein Bereich, in dem Datenschutz keine Option ist, sondern eine Grundvoraussetzung.

Die Herausforderungen dabei waren groß. Die rechtlichen und technischen Anforderungen sind komplex und vielschichtig, und wir mussten die App immer wieder anpassen, überarbeiten und neu strukturieren, um sie vollständig DSGVO konform zu gestalten. Das betraf sowohl die technische Architektur als auch die rechtliche Dokumentation, zum Beispiel über Auftragsverarbeitungsverträge. Dieser Prozess hat uns viel Zeit gekostet, war aber unverzichtbar, um das Vertrauen von Schulen, Eltern und Datenschutzbeauftragten zu gewinnen.

Sie haben sich bewusst für Hosting in Deutschland entschieden. Welche Kriterien waren bei der Auswahl der passenden Infrastruktur für SchoolUP entscheidend?

Für uns stand von Beginn an fest, dass die gesamte Infrastruktur von SchoolUP höchsten deutschen und europäischen Datenschutzstandards entsprechen muss. Deshalb war die Entscheidung für Hosting in Deutschland für uns keine Option unter mehreren, sondern eine klare Notwendigkeit als Voraussetzung für alles Weitere.

Entscheidend bei der Auswahl waren für uns vor allem drei Dinge. Erstens die vollständige DSGVO Konformität und die Möglichkeit, rechtssichere Auftragsverarbeitungsverträge abzuschließen, wie sie Schulen und Schulträger zwingend voraussetzen. Zweitens die Serverstandorte selbst. Uns war wichtig, dass Schülerdaten ausschließlich innerhalb Deutschlands beziehungsweise der EU verarbeitet und gespeichert werden, ohne Umwege über Drittstaaten. Drittens die technische Zuverlässigkeit und Sicherheit der Infrastruktur, zum Beispiel durch verschlüsselte Verbindungen und ein durchdachtes Rechte und Rollenkonzept. Diese Kombination aus rechtlicher Sicherheit, geografischer Datenhoheit und technischer Robustheit war für uns die Grundlage, um überhaupt ernsthaft mit Schulen ins Gespräch gehen zu können. Mit STRATO haben wir einen erfahrenen Hosting Partner gefunden, der in Deutschland schon lange am Markt ist, diese Anforderungen erfüllt und uns die notwendige Sicherheit für den Betrieb von SchoolUP gewährleisten kann.

Wie ist es Ihnen gelungen, Schulleitungen und Datenschutzbeauftragte von Ihrer Lösung zu überzeugen?

Der Schlüssel war für uns, von Anfang an mit voller Transparenz und guter Vorbereitung aufzutreten. Statt allgemeine Versprechen zu machen, sind wir mit konkreten Unterlagen in die Gespräche gegangen, mit unserer Datenschutzdokumentation, einer klaren Erklärung unserer technischen Architektur und einem Auftragsverarbeitungsvertrag, der genau auf die Anforderungen von Schulen zugeschnitten ist. Zusätzlich hat es sehr geholfen, dass wir nicht als reine App Idee, sondern mit einem funktionierenden Produkt und einer klaren pädagogischen Logik aufgetreten sind, nämlich dem direkten Bezug zu den tatsächlichen Unterrichtsmaterialien der jeweiligen Schule.

SchoolUP startet aktuell an den ersten Schulen in den Pilotbetrieb. Welche Erkenntnisse und Rückmeldungen sind für die Weiterentwicklung Ihrer Plattform besonders wichtig?

In der Pilotphase ist für uns vor allem entscheidend, direktes Feedback aus der echten Anwendung zu sammeln, sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Lehrkräften. Uns interessiert besonders, wie die Nutzung im Schulalltag tatsächlich funktioniert, wie gut SchoolUP die hochgeladenen Materialien versteht und verarbeitet und an welchen Stellen noch Reibungspunkte entstehen. Außerdem liegt auch ein großer Fokus darauf, neue Features zu entwickeln und daher sind Ideen und Vorschläge aus dem Lernalltag sehr wichtig für uns.

Welche Funktionen oder Entwicklungen stehen bei SchoolUP als Nächstes auf Ihrer Roadmap?

Ganz oben steht aktuell die Entwicklung einer Funktion, mit der auf Basis der Lehrermaterialien vollständige Probeklausuren erstellt werden können. Wir bieten bereits Testformate an, doch eine Probeklausur, die genau auf den jeweiligen Unterricht und die spezifischen Anforderungen der Schule zugeschnitten ist, wird für Schülerinnen und Schüler ein enormer zusätzlicher Mehrwert sein, gerade in der direkten Prüfungsvorbereitung. Parallel dazu bleibt die Gewinnung neuer Schulen für uns weiterhin oberste Priorität. Jede neue Partnerschule erweitert nicht nur unsere Reichweite, sondern liefert uns auch wertvolle zusätzliche Erkenntnisse, mit denen wir die Plattform stetig weiterentwickeln können.

Wo soll SchoolUP in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich KI gestütztes Lernen einnehmen?

In den kommenden Jahren wollen wir SchoolUP an einer Vielzahl von Schulen in Deutschland etabliert haben, als Tool, das täglich und selbstverständlich genutzt wird. Unser Ziel ist es, uns als vertrauenswürdigen Namen im deutschen Bildungsbereich zu etablieren und jeder Schülerin und jedem Schüler die Möglichkeit zu geben, im eigenen Tempo und mit echtem Unterrichtsbezug zu lernen.

Langfristig sehen wir SchoolUP als festen Bestandteil der digitalen Grundausstattung von Schulen, als ein Tool, das jede Schule ihren Schülerinnen und Schülern selbstverständlich zur Verfügung stellt, so wie heute schon Lernplattformen wie Moodle.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen jungen Gründerinnen und Gründern geben, die bereits während ihrer Schulzeit ein Startup aufbauen möchten?

Der erste Ratschlag ist, niemals aufzugeben. Wir haben selbst verschiedenste Ideen ausprobiert und es hat lange gedauert, bis wir die richtige gefunden haben. Trotz vieler Höhen und Tiefen haben wir immer weitergemacht, und genau diese Phasen haben uns unglaublich viel beigebracht, was am Ende entscheidend für die Entstehung von SchoolUP war.

Der zweite Ratschlag ist, hart zu arbeiten. Es gibt keinen Weg um konsequenten und stetigen Einsatz herum. Wir investieren so viel Zeit und Energie wie möglich in SchoolUP.

Der dritte Ratschlag ist, sich klare Ziele zu setzen. Man sollte groß träumen, aber zu jedem großen Ziel gehört auch ein konkreter Plan, der Schritt für Schritt dorthin führt. Es hilft, sich immer wieder neue Ziele zu setzen, Prioritäten zu setzen und sich voll auf diese zu fokussieren.

Bild Sean Hübner und Elias Esser SchoolUP

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Mit dem Startup gescheitert. Und jetzt?

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Scheitern, Erfahrung, Gründung: Wege aus der Krise Mirjam Berle Fotocredit: Claudia Simchen

Julia ist 34 und Gründerin eines Health-Tech-Startups. Zwei Jahre lang hat sie an ihrer Vision gearbeitet. Dafür gab sie ihren gut bezahlten Job als Unternehmensberaterin auf, baute ein Team auf und überzeugte Familie und Freunde, in das Unternehmen zu investieren.

Dann platzt die erhoffte Finanzierungsrunde. Das Geld ist aufgebraucht. Julia muss ihr Unternehmen schließen und fünf Mitarbeitenden kündigen. Für sie bricht damit weit mehr als ein berufliches Projekt zusammen. Sie fühlt sich wie eine totale Versagerin. Weil Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld Geld investiert haben, erlebt sie das Scheitern sogar als Verrat.

Sie kann kaum aus dem Haus gehen oder soziale Medien öffnen, ohne das Gefühl zu haben, andere würden über sie und ihr gescheitertes Unternehmen sprechen.

5 Schritte aus der Krise:

1. Das Scheitern von der eigenen Person trennen

Im ersten Schritt versucht Julia, die Fakten nüchtern zu betrachten. Das Produkt war technisch solide. Der Markt war jedoch noch nicht bereit. Die Coronapandemie verschlechterte das Timing zusätzlich. Auch konkurrierende Startups mit deutlich mehr Kapital mussten aufgeben.

Diese Betrachtung verändert ihre Perspektive. Sie erkennt, dass der Ausgang ihres Unternehmens viele Ursachen hatte. Eigene Entscheidungen spielten dabei ebenso eine Rolle wie äußere Bedingungen, auf die sie kaum Einfluss nehmen konnte.

Hinzu kommt: Ein sehr großer Teil aller Startups scheitert. Viele Gründerinnen und Gründer brauchen mehrere Anläufe, bis eine Idee wirtschaftlich trägt. Dieses Wissen lindert Julias Enttäuschung zunächst kaum. Es hilft ihr jedoch, den Misserfolg weniger persönlich zu nehmen.

Das Startup ist gescheitert. Ihre Fähigkeiten, ihre Erfahrungen und ihr beruflicher Wert bleiben bestehen.

2. Lernen statt sich zu verstecken

Julia trifft eine Entscheidung: Sie will sich durch den Rückschlag nicht dauerhaft zurückziehen oder in depressive Stimmung geraten. Stattdessen möchte sie aus den vergangenen zwei Jahren lernen, ohne sich dabei selbst zu zerstören.

Dazu gehört auch, die Beziehungen zu Familie und Freunden zu reparieren. Julia weiß, dass deren Geld verloren und viel Vertrauen angeschlagen ist. Sie kann den finanziellen Verlust nicht rückgängig machen. Sie kann jedoch offen über die Gründe sprechen, Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen und zeigen, was sie aus der Erfahrung gelernt hat.

Gleichzeitig hält sie an ihrem Wunsch fest, wieder unternehmerisch tätig zu werden. Das nächste Unternehmen muss nicht sofort entstehen. Zunächst geht es darum, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen und die vorhandenen Möglichkeiten realistisch zu betrachten.

3. Erfahrung als berufliches Kapital wahrnehmen

Julia besitzt nach der Schließung ihres Startups mehr Ressourcen, als sie anfangs wahrnimmt. Sie hat zwei Jahre intensive Startup-Erfahrung gesammelt und verfügt über tiefe Branchenkenntnisse. Sie hat sich ein Netzwerk in der Gründerszene aufgebaut und bewiesen, dass sie ein Team führen kann.

Auch finanziell hat sie Handlungsspielraum. Sie verfügt über Rücklagen und kann wieder als Beraterin arbeiten. Diese Möglichkeiten geben ihr Sicherheit und Zeit für die nächsten Schritte.

Vor allem weiß Julia nun, welche Entscheidungen sie bei einer weiteren Gründung anders treffen würde. Sie kennt die Risiken besser, kann Erwartungen realistischer einschätzen und Warnzeichen früher erkennen. Auch diese Erkenntnisse sind eine wichtige Ressource, auf die sie in Zukunft zurückgreifen kann. Scheitern bedeutet schließlich auch, Erfahrungen zu sammeln, die sich beim nächsten Versuch nutzen lassen.

4. Vom Scheitern erzählen

Julia beginnt, offen über das Ende ihres Startups zu sprechen. Zunächst erzählt sie engen Vertrauten davon. Später teilt sie ihre Erfahrungen auch in der Gründerszene.

Sie schreibt über das Scheitern und berichtet darüber, was sie aus den vergangenen zwei Jahren mitnimmt. Ihre Offenheit stößt auf Interesse. Julia wird zu Startup-Veranstaltungen eingeladen und spricht dort über ihre Erfahrungen.

Ein Investor sagt zu ihr: „Julia, du hast mehr Startup-Erfahrung als 90 Prozent derer, die zu mir kommen.“

Dieser Satz wird für sie zum Wendepunkt. Er stärkt ihr Selbstvertrauen und bestätigt eine Vermutung, die sich langsam entwickelt hat: Auch Scheitern muss man lernen. Entscheidend ist der Umgang damit.

5. Der nächste Anlauf

Julia schließt sich einer Beratung an. Dort kann sie ihre Erfahrungen aus der Gründung einbringen. Gleichzeitig sucht sie weiter aktiv nach Möglichkeiten, erneut ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Der Rückschlag war hart, hält sie aber nicht von ihren unternehmerischen Plänen ab.

18 Monate nach der Schließung arbeitet Julia als Startup-Beraterin und plant bereits ihr nächstes Unternehmen. Diesmal geht sie mit realistischeren Erwartungen an die Sache heran. Außerdem möchte sie ihre Risiken besser verteilen.

Was bleibt, ist eine schmerzhafte Erfahrung. Zugleich bleiben Fähigkeiten, Wissen und Kontakte, die Julia während der Gründung aufgebaut hat. Offen über den Misserfolg zu sprechen, eröffnet ihr neue Möglichkeiten und sorgt für Anerkennung.

Wer ein Unternehmen oder ein wichtiges Projekt aufgeben musste, kann deshalb vier Fragen prüfen: Welche konkreten Lehren lassen sich aus dem Scheitern ziehen? Welche Ursachen lagen im eigenen Einflussbereich und welche in äußeren Umständen? Wer könnte die gesammelte Erfahrung schätzen? Und welche Fähigkeiten sind durch das Projekt gewachsen?

Ein Rückschlag beendet ein Unternehmen. Die dabei gewonnene Erfahrung kann zum Ausgangspunkt für den nächsten Schritt werden.


Fotocredit: Claudia Simchen

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Wer soll da in dich investieren wollen?

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Menschen, Unternehmen und Gründer: LIFE-first Michaela Schächner Fotograf Vesna Boccadamo

Bei einem Start-up-Workshop stellte ich im Rahmen der Finanzplanung eine Frage, die für mich an den Anfang jeder Gründung gehört:

Welches Leben soll das Unternehmen ermöglichen – und wie muss es gestaltet sein, damit es den Menschen dient, die es aufbauen?

Ein anderer Mentor hielt sinngemäß dagegen: Eine solche Haltung sollte man gegenüber Investoren besser nicht zu offen vertreten.

Uff. Das hat gesessen.

Doch schon im nächsten Moment waren wir mitten in einer konstruktiven Diskussion. Es ging um ein Bild, das in der Start-up-Welt noch immer stark ist: Wer Kapital sucht, muss maximal verfügbar, grenzenlos belastbar und bereit sein, das Unternehmen über alles andere zu stellen.

Wer dagegen davon spricht, dass ein Unternehmen auch den Menschen dienen soll, die es aufbauen und tragen, wirkt schnell zu weich. Zu wenig hungrig. Vielleicht sogar ungeeignet, ein skalierbares Business aufzubauen, das durch die Decke geht.

Und genau da begann die eigentliche Diskussion.

LIFE-first ist kein Schonprogramm

LIFE-first bedeutet nicht Beine hochlegen. Es bedeutet auch nicht 9-to-5, Freizeitmaximierung oder den Verzicht auf ambitionierte Ziele.

Natürlich muss ein Unternehmen profitabel sein. Es braucht Umsatz, Liquidität, belastbare Margen. Wer externes Kapital aufnimmt, übernimmt zusätzliche Verantwortung, auch die Ziele der Investoren zu erreichen.

Ein Start-up kann eine Zeit lang davon profitieren, dass Gründer durchgehend arbeiten, private Rücklagen aufbrauchen und das Business, ihr Leben bestimmt – aber nicht als Dauerzustand.

Bereitschaft für permanente Überlastung ist kein Beweis für Commitment und besonderer Leistungsfähigkeit.

Menschen sind kein weicher Faktor

Gründer und Mitarbeitende werden im Rahmen einer Beteiligung oft als jederzeit unbegrenzt verfügbare Kapazitäten vorausgesetzt. Menschen funktionieren jedoch nicht wie Serverleistung, die sich beliebig hochfahren lässt.

Erschöpfung verschlechtert Entscheidungen. Dauerhafter Druck erhöht Konflikte und Fluktuation. Wissen geht verloren. Innovation wird schwieriger. Fehler werden gemacht und teurer.

Wer die Menschen im Unternehmen mitdenkt, stellt Profit nicht infrage. Er schützt eine seiner wichtigsten Voraussetzungen.

LIFE-first fragt deshalb nicht: Wie können wir eine ruhige Kugel schieben?

LIFE-first fragt: Was brauchen die Menschen? Wie muss dieses Unternehmen geplant, finanziert und geführt werden, damit sie darin langfristig leistungsfähig bleiben und wirtschaftlicher Erfolg wächst?

Der Investor-Fit gehört auf den Prüfstand

Am Ende der Diskussion waren wir uns in einem Punkt einig: Ja, LIFE-first kann einzelne Investoren abschrecken.

Aber ist das automatisch schlecht?

Gründer prüfen ihren Product-Market-Fit. Sie analysieren Zielgruppen, Geschäftsmodelle und Wachstumspotenziale. Bei Kapitalgebern dominiert dagegen häufig die Frage: Bekommen wir genug Geld raus?

Mindestens ebenso wichtig wäre die Gegenfrage: Wollen wir das Geld und das Netzwerk von genau diesen Menschen? Und welchen Preis zahlen wir im Gegenzug tatsächlich?

Nicht jede Verbindung passt

Bevor sich Gründer an Mitgründer oder Investoren binden, sollten sie klären, welche Welten dort aufeinandertreffen.

Warum wollen beide Seiten gemeinsam ein Stück des Weges gehen? Wo liegt die echte Schnittmenge? Wo liegen Gegensätze? Welchen Preis ist jeder bereit zu zahlen?

Es reicht nicht, sich als zwei perfekte Puzzleteile zu betrachten und daraus abzuleiten, nun gemeinsam zum Erfolg verdammt zu sein.

Auch bei einem gemeinsamen Ziel wird es Reibung geben. Das ist normal. Unterschiedliche Perspektiven können Entscheidungen verbessern und blinde Flecken sichtbar machen.

Entscheidend ist, welche Art von Reibung entsteht.

Geht es um unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel? Dann lassen sich oft Lösungen finden, die wieder auf dieses Ziel einzahlen.

Oder zeigt die Reibung, dass grundlegende Vorstellungen nicht zusammenpassen? Etwa beim Wachstumstempo, bei Kontrolle, Führung, Exit oder beim Umgang mit den Menschen im Unternehmen?

Dann ist der Konflikt möglicherweise kein Problem, das gelöst werden muss. Er ist ein Stoppschild.

Augenhöhe statt Bittstellerrolle

Gründer sollten sich in solchen Gesprächen nicht als Bittsteller verstehen. Kapital, Erfahrung und Kontakte sind wertvoll. Die Idee, das Unternehmen, die operative Arbeit und das persönliche Risiko sind es ebenfalls.

Investor-Fit bedeutet deshalb auch, sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Investoren dürfen und müssen kritisch prüfen, ob Gründer ausreichend ambitioniert sind. Gründer dürfen ebenso kritisch prüfen, welches Menschenbild hinter den Renditeerwartungen steht.

Wer bei LIFE-first sofort an Leistungsverweigerung denkt, übersieht, dass Menschen eher bereit sind, die Extrameile zu gehen, wenn ihr Wunschleben dabei nicht aus dem Kalkül fällt. Menschenorientiertes Unternehmertum kann ihnen die Flügel verleihen, die sie für diesen Ritt brauchen. Denn wie viel Leistung geht verloren, wenn ein Unternehmen den Menschen aus dem Blick verliert, der sie erbringen soll?

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

Wer soll da in dich investieren wollen?

Sondern auch:

Mit wem willst du dein Unternehmen aufbauen?

Willst du Investoren, für die Wachstum und Exit im Mittelpunkt stehen und die dabei die Menschen hinter diesem Erfolg aus dem Blick verlieren? Oder willst du eine langfristige und tragfähige Beziehung aufbauen, in der Ziele, Erwartungen und Grenzen offen verhandelt werden?

Profit und Menschen sind keine Gegensätze. Nachhaltig erfolgreiche Unternehmen brauchen beides. Ambition ohne wirtschaftliche Substanz funktioniert nicht. Wachstum ohne Menschen, die es langfristig tragen können, ebenfalls nicht.

Bildcredits/Fotograf: Vesna Boccadamo

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

hey circle: Wie das Start-up Mehrweg im Versand etablieren will

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Mehrweg: hey circle revolutioniert Verpackung doris diebold und fabian eckert mit hey circle und einer recup mehrwegprodukten

hey circle setzt auf Mehrweg, um jede Verpackung im Versand mehrfach zu nutzen und so Abfall sowie CO₂ nachhaltig zu reduzieren.

Können Sie hey circle kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

hey circle steht für Kreislauflogistik im Versand – unser Leitmotiv ist „choose reuse“. Wir ersetzen den klassischen Einwegkarton durch robuste Mehrweg Boxen und Versandtaschen, die im Schnitt für rund 50 Umläufe genutzt werden können, bevor sie recycelt werden. Die Idee entstand aus einem sehr persönlichen Widerspruch: 2019 wollte ich mit meiner Arbeit unbedingt einen positiven Impact schaffen. Als zweifache Mutter habe ich viel online bestellt und mich jedes Mal geärgert, dass eine eigentlich wertige Verpackung nach einem einzigen Transportweg im Müll landet – eine nachhaltige Versandlösung gab es schlicht nicht. Statt das hinzunehmen, habe ich meinen Konzernjob verlassen und hey circle gegründet, mitten in der Anfangszeit der Pandemie.

Wer steht hinter hey circle, und welche Erfahrungen haben Sie dazu motiviert, Mehrweg Versandverpackungen zu entwickeln?

Als Founder und CEO verantworte ich hey circle, dahinter steht ein engagiertes Team. Motiviert haben mich der wachsende E Commerce und die Abfallberge, die er produziert: Milliarden Einwegkartons pro Jahr, die nach einem Weg entsorgt werden. Aus meiner Zeit in einem großen Unternehmen wusste ich, wie stark am Ende die Wirtschaftlichkeit über solche Entscheidungen bestimmt. Mir war deshalb wichtig, keine Öko Nische zu bauen, sondern zu zeigen, dass Mehrweg im Versand betriebswirtschaftlich funktioniert. Auf diesem Weg begleiten uns Menschen, die Mehrweg im Massenmarkt kennen: etwa Fabian Eckert, Gründer von RECUP, als Strategic Advisor sowie Impact orientierte Investoren.

Welche Vision verfolgen Sie mit hey circle, und wie möchten Sie den Versandhandel langfristig nachhaltiger gestalten?

Unsere Vision ist, dass Mehrweg im Versand zum Normalfall wird. Heute ist Wegwerfen der Standard, und genau diese Logik wollen wir auflösen. Jede Verpackung soll dutzende Male im Kreislauf laufen, digital erfasst und damit messbar. Langfristig soll es selbstverständlich werden, Waren in einer Verpackung zu verschicken, die zurückkommt und wieder eingesetzt wird – über Branchen und Unternehmen hinweg.

An welche Zielgruppen richtet sich hey circle hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für den E Commerce und den B2B Versand?

Wir richten uns aktuell primär an Unternehmen mit B2B Warenströmen in Deutschland und Österreich. Besonders stark sind wir überall dort, wo Versandkreisläufe ohnehin geschlossen sind: Austausch und Reparatur, Muster und Auswahlsendungen, Verleih, Filialbelieferung, Rücksendungen und die Belieferung durch Zulieferer. Zuhause sind wir dabei unter anderem im Gesundheitshandwerk, im IT und Elektronik Refurbishment, bei Konsumgütermarken und bei industriellen Zulieferern. Wir lösen dort drei Probleme auf einmal: Wir vermeiden bis zu 94 Prozent Abfall und bis zu 76 Prozent CO2, senken die Kosten für Verpackungskauf deutlich und machen unsere Kunden gleichzeitig fit für die kommenden Mehrwegpflichten der EU Verpackungsverordnung (PPWR).

Mit Ihren Mehrwegboxen und Versandtaschen ersetzen Sie den klassischen Einwegkarton. Was macht Ihr Konzept aus Ihrer Sicht besonders?

Das Besondere ist die Kombination aus Robustheit und Alltagstauglichkeit. Unsere Verpackungen sind auf viele Umläufe ausgelegt und ihre Stabilität wurde deshalb intensiv mit Stapeldruck, Fall und Dauertests auf Transportbändern geprüft. Trotzdem können sie für Retoure und Lagerung flach zusammengefaltet werden. Entscheidend ist ein Detail, das man erst in der Praxis sieht: Unsere Boxen sind von allen Paketdiensten getestet und freigegeben und laufen ohne Sperrgut Zuschlag über die normalen Sortierbänder der Paketzentren. Hartschalen Alternativen werden dagegen als Sperrgut mit Aufpreis eingestuft. Dazu kommt die digitale Erfassung über den GS1 GRAI (Global Returnable Asset Identifier) und die Möglichkeit, Produkte ab 1.000 Stück individuell anzupassen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, Mehrwegverpackungen in bestehende Logistik und Versandprozesse zu integrieren?

Die größte Hürde ist, dass die gesamte Logistik über Jahrzehnte auf Einweg optimiert wurde. Am Anfang steht immer ein Umdenken: Die Verpackung ist plötzlich ein Wertgegenstand, der zurückkommen soll, kein Wegwerfartikel. Praktisch heißt das vor allem, die Rückführung sauber und wirtschaftlich zu organisieren, denn für einen leeren Rückversand erheben die Paketdienstleister das normale Porto – eine Sonderregel für Mehrwegbehälter gibt es (noch) nicht. Deshalb lohnt sich Mehrweg besonders, wenn die Verpackung mit Ware zurückgeschickt wird oder leere Verpackungen gebündelt kosteneffizient zurückgeführt werden.

Wie wichtig ist die Kombination aus wiederverwendbarer Verpackung und digitaler Verwaltung für den Erfolg Ihres Systems?

Sobald eine Verpackung mehrfach läuft, muss man wissen, wo sie ist, wie oft sie schon im Einsatz war und was sie eingespart hat. Genau das leistet unser IT System über die GRAI Identifikationsnummer: Es erfasst die Umläufe und die eingesparten Ressourcen. Das macht den Impact für unsere Kunden überhaupt erst messbar und liefert die Nachweise, die sie künftig für die Mehrwegquoten der EU Verpackungsverordnung brauchen. Mehrweg ohne Daten skaliert nicht – die digitale Verwaltung ist das Rückgrat des ganzen Kreislaufs.

Welche Rolle spielt die Akzeptanz der Verbraucher und Unternehmen für den weiteren Ausbau von Mehrweg Versandslösungen?

Eine ganz zentrale. Auf der Verbraucherseite entscheidet, wie leicht die Rückgabe ist – je einfacher, desto höher die Rücklaufquote. Auf Unternehmensseite müssen die Wirtschaftlichkeit und der Nachweis stimmen. Beides bewegt sich gerade spürbar: Die EU Verpackungsverordnung schafft Druck und Planungssicherheit, und unsere ersten Referenzen zeigen, dass das System im Alltag trägt – etwa Prinoa Dental, die Österreichische Post mit Post Loop, pricon in der Augenoptik oder Interzero im Geräteversand. Solche Beispiele nehmen die Skepsis, weil sie belegen, dass Mehrweg kein Idealismus ist, sondern funktioniert. Es sind die kleinen Schritte, die am Ende die große Hebelwirkung haben.

Welche neuen Entwicklungen oder Pläne stehen bei hey circle aktuell im Fokus?

Der größte Treiber ist die EU Verpackungsverordnung (PPWR), deren Pflichten ab dem 12. August 2026 greifen und die ab 2030 verbindliche Mehrwegquoten für Transportverpackungen bringt. Das ist enormer Rückenwind für uns. Produktseitig führen wir noch einfachere Verschlusslösungen ein und verbessern die Bündelbarkeit. Dazu bieten wir noch mehr Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. Und wir rollen unsere Lösung gezielt in weiteren Branchen aus, vom Gesundheitshandwerk bis zur industriellen Zulieferung. Insgesamt liegt der Fokus klar auf Wachstum und Skalierung.

Sie sind Teil des GS1 Germany Accelerators butterfly & elephant. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Programm, und wie unterstützt es die Weiterentwicklung von hey circle?

butterfly & elephant setzt auf „Smart Capital & Smart Connections“, also auf die Kombination aus Kapital und einem sehr konkreten Netzwerk, das genau zu uns passt. GS1 ist die globale Organisation hinter Standards wie GTIN oder GRAI. Letzteren nutzen wir bereits für die Identifikation und digitale Rückverfolgbarkeit unserer Verpackungen. Interoperable Standards sind die Voraussetzung dafür, dass Mehrwegkreisläufe hersteller und unternehmensübergreifend funktionieren. Deshalb ist GS1 für uns ein natürlicher Partner. Ich erwarte mir vom Programm vor allem den Zugang zum GS1 Germany Netzwerk mit über 97.000 Unternehmen in Deutschland, das Know how rund um Standardisierung sowie ein Sparring auf Augenhöhe, das unsere Vision stärkt.

Welche Impulse oder wertvollen Kontakte konnten Sie durch butterfly & elephant bereits gewinnen, und welchen Einfluss haben diese auf Ihr Unternehmen?

Der wichtigste Effekt ist für uns der Zugang zu einem Netzwerk, das genau unsere Zielgruppen abdeckt – etablierte Player aus Handel und Konsumgüterindustrie, an die man als junges Unternehmen sonst nur schwer herankommt. Sehr wertvoll ist außerdem der fachliche Austausch mit den GS1 Experten zu Standards für Mehrwegobjekte, also etwa wie sich eine Verpackung als „digitaler Zwilling“ über die GRAI Identifikationsnummer eindeutig und branchenübergreifend abbilden lässt – ein Thema, das mit den kommenden Nachweispflichten der PPWR stark an Bedeutung gewinnt. Dazu kommen das Sparring mit dem Accelerator Team und der Blick anderer Gründerinnen und Gründer auf unsere Themen. Insgesamt hilft uns das Programm, unser System anschlussfähig für die großen Warenströme zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit nachhaltigen Lösungen etablierte Märkte verändern möchten?

Erstens: Löst ein echtes wirtschaftliches Problem, nicht nur ein moralisches. Nachhaltigkeit setzt sich im Markt über Kosten, Nutzen und Regulatorik durch, nicht über das gute Gewissen – die ökologische Wirkung ist dann das starke Zusatzargument.

Zweitens: Baut für die reale Prozesswelt und holt euch früh ehrliches Feedback. Redet mit Logistik, Handel und den Menschen, die eure Lösung täglich nutzen sollen. Als Gründerin muss man nicht in allem Expertin sein – viel wichtiger ist, die richtigen Fragen zu stellen und Leuten zuzuhören, die den Markt wirklich kennen.

Drittens: Bringt Geduld und Beharrlichkeit mit. Etablierte Märkte ändern sich langsam, und man verändert sie nicht mit einem großen Wurf, sondern mit vielen kleinen Schritten, verlässlichen Partnern und der Ausdauer, dranzubleiben, bis Regulatorik und Markt kippen. Es sind die kleinen Schritte, die den großen Impact haben.

Bildcredits  hey circle

Wir bedanken uns bei Doris Diebold für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Hinter jeder Medaille steht ein Team: Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

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Denise Schindler auf dem BG prevent: Erfolg als Teamleistung Fotograf Sven Erberich

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Denise Schindler ein Interview geführt

Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen aus dem Spitzensport und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

BG prevent beschäftigt sich intensiv mit Gesundheit, Prävention und Zusammenarbeit.

Ihr Vortrag trägt den Titel „Gemeinsam zum Erfolg“. Warum ist Erfolg aus Ihrer Sicht immer eine Teamleistung?

Bei Einzelsportlern trügt oft der erste Eindruck. Wenn wir eine Medaille sehen oder einen Athleten auf dem Siegerpodest, denken viele: Das hat diese Person allein geschafft. Tatsächlich steht hinter jeder Spitzenleistung ein starkes Team.

Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Obwohl ich allein auf dem Rad sitze, sind an meinem Erfolg viele Menschen beteiligt. Mein Orthopädietechniker hat gemeinsam mit mir eine Radsportprothese entwickelt, die mein Training überhaupt erst ermöglicht. Mein Trainer, meine Teamärztin, mein Osteopath und mein Radmechaniker sorgen dafür, dass ich meine Leistung abrufen kann. Und ohne Sponsoren wären viele Dinge im Spitzensport gar nicht möglich.

Genau deshalb sehe ich viele Parallelen zur Wirtschaft. Moderne Unternehmen stehen vor immer komplexeren Herausforderungen. Selbst kleinere Unternehmen müssen heute international denken und in einem dynamischen Umfeld bestehen. Auch dort entsteht Erfolg nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Perspektiven und Erfahrungen.

Deshalb ist Erfolg aus meiner Sicht immer eine Teamleistung. Natürlich muss ich als Athletin im entscheidenden Moment selbst in die Pedale treten. Aber hinter jeder Medaille steht ein Team. Und genauso steht hinter jedem erfolgreichen Unternehmen ein Team, das gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Genau darum geht es auch in meinem Vortrag „Gemeinsam zum Erfolg“.

Welche Rolle spielen Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, wenn Teams große Herausforderungen meistern müssen?

Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Teamleistung. Solange alles gut läuft, ist Zusammenarbeit relativ einfach. Die wahre Stärke eines Teams zeigt sich erst dann, wenn Herausforderungen, Rückschläge oder Unsicherheiten auftreten.

In meiner sportlichen Karriere habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig Vertrauen ist. Ich muss mich darauf verlassen können, dass mein Trainer, mein Orthopädietechniker oder mein medizinisches Team die richtigen Entscheidungen treffen und mich bestmöglich unterstützen. Vertrauen entsteht dabei nicht durch große Worte, sondern dadurch, dass Menschen über längere Zeit hinweg das tun, was sie versprechen – wenn Worte und Handlungen übereinstimmen.

Vertrauen bedeutet für mich auch, Verantwortung abzugeben und die Expertise anderer anzuerkennen. Niemand kann alles allein schaffen. Erst wenn Menschen ihre Stärken einbringen können und sich gegenseitig unterstützen, entsteht echte Spitzenleistung.

Das gilt im Sport genauso wie in Unternehmen. Je größer die Herausforderung, desto wichtiger werden Vertrauen, Offenheit und der Zusammenhalt im Team. Oft sind genau diese Faktoren am Ende entscheidend für den Erfolg.

Wie wichtig ist mentale Stärke, wenn man mit Niederlagen oder unerwarteten Veränderungen umgehen muss?

Mentale Stärke spielt für mich eine entscheidende Rolle. Dabei geht es nicht darum, nie zu scheitern oder immer stark zu sein. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen, Niederlagen und unerwarteten Veränderungen umzugehen.

Einer meiner Leitsätze lautet: Es ist nicht die Frage, ob Rückschläge kommen. Die Frage ist, wie wir persönlich und auch als Team damit umgehen. Genau das entscheidet langfristig darüber, ob wir erfolgreich durchs Leben gehen.

Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass Erfolg niemals geradlinig verläuft. Oft sehen wir nur das Ergebnis – die Medaille, den Titel oder das erfolgreiche Unternehmen. Was wir nicht sehen, sind die Fehler, Niederlagen und Zweifel auf dem Weg dorthin. Rückschläge sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein unvermeidbarer Teil von Entwicklung und Erfolg.

Entscheidend ist deshalb der Umgang damit. Bin ich bereit, die Ursachen ehrlich anzuschauen? Bin ich bereit zu lernen und Verantwortung zu übernehmen? Und schaffe ich es, die Erkenntnisse auch wirklich umzusetzen?

Fehler zu machen ist menschlich. Die gleichen Fehler immer wieder zu machen, ist dagegen eine Entscheidung. Wer aus Erfahrungen nicht lernt, dreht sich im Kreis und macht seinen Weg unnötig schwer, lang und im Unternehmenskontext oft auch unwirtschaftlich.

Mentale Stärke bedeutet für mich deshalb nicht, niemals zu fallen. Mentale Stärke bedeutet, nach jedem Rückschlag aufzustehen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und den nächsten Schritt zu gehen.

Viele Unternehmen stehen aktuell unter hohem Druck. Was können Teams aus dem Leistungssport über Resilienz und Zusammenhalt lernen?

Eine Erkenntnis aus dem Leistungssport ist für mich: Druck ist ein Privileg. Denn Druck entsteht meist dann, wenn uns jemand etwas zutraut – eine Verantwortung, eine Aufgabe oder eine Leistung, die wir erbringen sollen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir Druck vermeiden, sondern wie wir mit ihm umgehen. Im Sport lernen wir, Druck zu akzeptieren und den Fokus auf die Dinge zu richten, die wir beeinflussen können.

Resilienz und Zusammenhalt entstehen dabei nicht in den guten Zeiten, sondern in den schwierigen. Wenn Ergebnisse ausbleiben, Pläne nicht aufgehen oder unerwartete Veränderungen eintreten, zeigt sich, wie stark ein Team wirklich ist.

Welche Eigenschaften zeichnen aus Ihrer Sicht wirklich erfolgreiche Teams aus?

Wirklich erfolgreiche Teams zeichnen sich für mich vor allem durch zwei Dinge aus: Vielfalt und Vertrauen.

Vielfalt deshalb, weil komplexe Herausforderungen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen erfordern. Wenn alle gleich denken, entstehen selten die besten Lösungen. Die Qualität eines Teams entsteht oft gerade aus den unterschiedlichen Blickwinkeln seiner Mitglieder.

Mindestens genauso wichtig ist aber das, was man heute als psychologische Sicherheit bezeichnet. Menschen müssen sich trauen, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern oder neue Ideen einzubringen – auch dann, wenn sie noch nicht wissen, ob diese Idee am Ende funktioniert.

Die besten Teams, die ich erlebt habe, waren nicht die Teams ohne Fehler. Es waren die Teams, in denen Menschen offen miteinander sprechen konnten, voneinander gelernt haben und gemeinsam besser geworden sind.

Denn Fortschritt entsteht selten aus Gewissheit. Fortschritt entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, ihre Gedanken einzubringen und gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen.

Wie gelingt es Teams, auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig zu bleiben?

Ich glaube, dass Teams auch in schwierigen Phasen motiviert und handlungsfähig bleiben können, wenn sie drei Dinge haben: eine klare Vision, Vertrauen in die Führung und das Gefühl, Teil der Lösung zu sein.

Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen Menschen Orientierung. Sie müssen verstehen, warum sie etwas tun und wofür es sich lohnt, weiterzumachen. Gleichzeitig braucht es Führungspersönlichkeiten, die Zuversicht vermitteln. Nicht indem sie Probleme schönreden, sondern indem sie ehrlich, transparent und verlässlich kommunizieren. Worte und Handlungen müssen dabei übereinstimmen – denn Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch gelebtes Verhalten.

Mindestens genauso wichtig ist die Einbindung des Teams. Menschen bleiben motiviert, wenn sie gehört werden, Verantwortung übernehmen können und das Gefühl haben, einen Beitrag zu leisten.

Und schließlich ist es immer auch eine Frage der Haltung. Wir können viel Energie darauf verwenden, warum etwas nicht funktioniert, oder wir können unsere Energie darauf richten, was der nächste mögliche Schritt ist. Erfolgreiche Teams entscheiden sich gerade in schwierigen Phasen für Handlungsfähigkeit statt Opferrolle. Sie richten ihren Blick nicht auf das Problem, sondern auf die Möglichkeiten, die ihnen trotz der Situation noch zur Verfügung stehen.

Bildcredits Sven Erberich

Wir bedanken uns bei Denise Schindler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

NebenkostenPro: Wie eine KI-Plattform Nebenkostenabrechnungen vereinfacht

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NebenkostenPro: KI für die Nebenkostenabrechnung Julian Falk

NebenkostenPro zeigt, wie KI die Nebenkostenabrechnung für Mieter und Vermieter schneller, transparenter und einfacher macht.

Können Sie NebenkostenPro kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Entwicklung Ihrer Plattform entstanden ist?

NebenkostenPro ist eine KI-Plattform, mit der Mieter ihre Nebenkostenabrechnung prüfen und Vermieter ihre Nebenkostenabrechnung erstellen können. Nutzer laden ihre Dokumente hoch, eine Pipeline aus mehreren spezialisierten KI-Modellen liest alle Positionen aus, strukturiert sie und analysiert sie auf Auffälligkeiten. Nach wenigen Minuten steht der fertige Report. Die Idee entstand denkbar unspektakulär: Ich habe selbst als Mieter eine Abrechnung bekommen, bei der die Zahlen nicht plausibel wirkten. Beim Einlesen bin ich direkt im Paragraphendschungel der Betriebskostenverordnung gelandet und dachte mir: Wenn ich als technikaffiner Mensch das kaum durchdringe, wie soll das jemand ohne Vorkenntnisse schaffen? Gleichzeitig fiel mir auf, dass die Verordnung im Kern aus klaren Wenn-Dann-Strukturen besteht. Das schreit förmlich nach Automatisierung. Aus einem Wochenendprojekt wurde eine Plattform.

Wer steht hinter NebenkostenPro, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer KI-Lösung geprägt?

Hinter NebenkostenPro stehe ich als Solo-Gründer aus dem Raum Nürnberg. Ich komme aus der Softwareentwicklung und habe viele Jahre KI-gestützte Automatisierungssysteme für Geschäftskunden gebaut, immer mit Fokus auf Prozesse, die in Deutschland besonders viel Reibung erzeugen. Diese Erfahrung hat zwei Überzeugungen geprägt: Erstens funktionieren KI-Systeme dann zuverlässig, wenn man ihnen eng abgegrenzte Aufgaben gibt, statt sie frei formulieren zu lassen. Zweitens verändern die heutigen Werkzeuge fundamental, wie Softwareunternehmen entstehen. Ein einzelner Gründer kann heute so produktiv sein wie früher ein ganzes Team, wenn er die Rolle des Architekten einnimmt, die Richtung vorgibt und Ergebnisse konsequent validiert.

Welche Vision verfolgen Sie mit NebenkostenPro, und wie möchten Sie die Erstellung und Prüfung von Nebenkostenabrechnungen langfristig vereinfachen?

Meine Vision ist, dass die Nebenkostenabrechnung aufhört, ein jährliches Ärgernis zu sein. Mieter sollen in wenigen Minuten verstehen, was ihnen berechnet wurde und ob die Werte plausibel sind, ohne juristisches Vorwissen und ohne teure Dienstleister. Vermieter sollen ihre Abrechnung ohne Excel-Bastelei erstellen können, mit transparenten Rechenwegen und nachvollziehbaren Verteilungen statt Bauchgefühl. Langfristig soll NebenkostenPro die Standardplattform für beide Seiten werden, gestützt auf eine offene Datenbasis, die Nebenkosten in Deutschland insgesamt transparenter macht.

An welche Zielgruppen richtet sich NebenkostenPro, und welche Herausforderungen lösen Sie für Mieter und private Vermieter?

Wir bedienen beide Seiten des Marktes: rund 19 Millionen Mieterhaushalte und 3,9 Millionen private Kleinvermieter. Für Mieter lösen wir das Problem, dass eine Abrechnung ohne Fachwissen kaum zu durchdringen ist und eine Prüfung bisher teuer oder aufwendig war. Für Vermieter, oft Privatpersonen mit einer oder zwei Wohnungen, lösen wir die jährliche Excel-Qual: ständig neue Vorgaben, unübersichtliche Verteilerschlüssel und die Sorge, etwas falsch zu machen. Interessanterweise wächst die Vermieterseite bei uns schneller als die Mieterseite. Viele sind schlicht dankbar, wenn ihnen das jemand abnimmt.

Laut Deutschem Mieterbund enthält jede zweite Nebenkostenabrechnung Fehler. Warum wird dieses Problem Ihrer Meinung nach dennoch so selten überprüft?

Weil die Hürde bisher höher war als der erwartete Nutzen. Eine Abrechnung ist in Behördendeutsch verfasst, die Verteilerschlüssel sind erklärungsbedürftig, und ohne juristische Kenntnisse weiß man nicht einmal, wonach man suchen soll. Die klassischen Wege, also Anwalt, Mietervereinsmitgliedschaft oder manuelle Prüfdienste, kosten Geld, Zeit oder beides. Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Einzelne Positionen wirken klein, also winkt man ab, obwohl sich die Beträge über Jahre summieren. Genau diese Hürde wollten wir auf wenige Minuten und ein paar Klicks reduzieren.

Was macht NebenkostenPro aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Prüfdiensten oder anderen digitalen Lösungen?

Drei Dinge. Erstens die Geschwindigkeit: Die Analyse läuft vollautomatisch in wenigen Minuten statt manuell in Tagen. Zweitens die Nachvollziehbarkeit: Jede Auffälligkeit im Report lässt sich auf konkrete extrahierte Werte und Vergleichsdaten zurückführen, es ist keine Blackbox. Drittens der duale Ansatz: NebenkostenPro ist das einzige Tool in Deutschland, das Nebenkostenabrechnungen nicht nur analysiert, sondern für Vermieter auch erstellt. Dazu kommt unsere frei zugängliche Datenbank mit kommunalen Nebenkostendaten, die es in dieser Form sonst nirgends gibt.

Sie unterstützen sowohl Mieter als auch Vermieter. Warum war es Ihnen wichtig, beide Seiten des Marktes mit einer Plattform abzudecken?

Weil es fachlich dasselbe Problem aus zwei Perspektiven ist. Wer versteht, wie eine korrekte Abrechnung entsteht, kann besser analysieren, und wer tausende Abrechnungen analysiert hat, weiß genau, wo beim Erstellen die typischen Fehler passieren. Beide Seiten profitieren also voneinander. Dazu kommt ein wirtschaftlicher Grund: Das Mietergeschäft ist stark saisonal, die wiederkehrenden Abrechnungen der Vermieter sorgen für Stabilität. Diese Balance macht das Unternehmen unabhängig und trägt es aus eigener Kraft.

Wie gelingt es Ihrer KI, Dokumente automatisch auszulesen, Auffälligkeiten zu erkennen und in wenigen Minuten einen verständlichen Report zu erstellen?

Der Schlüssel ist die Architektur. Statt einer einzelnen KI, die frei formuliert, arbeitet eine Pipeline aus mehreren spezialisierten Modellen, jedes mit einer klar abgegrenzten Aufgabe: Dokumente erkennen, Positionen extrahieren, Strukturen zuordnen, Werte analysieren. Die eigentliche Auswertung basiert dann nicht auf Freitext-Antworten eines Sprachmodells, sondern auf einem präzisen Abgleich der extrahierten Werte mit lokalen Vergleichsdaten und öffentlich verfügbaren Referenzwerten. Sprachmodelle kommen dort zum Einsatz, wo sie stark sind, beim Auslesen und Verständlichmachen, nicht beim Rechnen. So bleibt jedes Ergebnis nachvollziehbar.

Sie haben zusätzlich eine offene Datenbank mit kommunalen Nebenkostendaten für rund 400 deutsche Städte aufgebaut. Welche Idee steckt hinter diesem Projekt, und welchen Mehrwert bietet es den Nutzern?

Ehrlich gesagt entstand sie aus der Not: Als Solo-Gründer ohne Marketingbudget kann ich keine teuren Klickpreise gegen etablierte Anbieter bezahlen. Also habe ich stattdessen etwas gebaut, das echten Mehrwert bietet: sauber strukturierte Daten von Grundsteuer-Hebesätzen bis zu Wasserpreisen für rund 400 deutsche Städte, frei zugänglich für alle. Nutzer können damit ihre eigenen Kosten einordnen, und dieselben Daten speisen als Vergleichswerte unsere Analyse. Inzwischen zitieren Google und KI-Systeme wie ChatGPT die Datenbank regelmäßig als Referenzquelle, der organische Traffic vervielfacht sich von Monat zu Monat. Für mich der Beweis, dass nützliche Daten das bessere Marketing sind.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer KI-Lösung, die rechtliche Vorgaben und komplexe Abrechnungen zuverlässig verarbeiten muss?

Die größte technische Herausforderung ist Zuverlässigkeit: Bei Finanzdokumenten darf nichts halluzinieren. Deshalb die spezialisierte Pipeline mit eng definierten Aufgaben statt freier Textgenerierung. Dazu kommt die enorme Vielfalt realer Abrechnungen, praktisch jede sieht anders aus, und das System muss mit allen zurechtkommen. Auf der rechtlichen Seite ziehen wir bewusst klare Grenzen: NebenkostenPro liefert Informationen, Datenanalysen und Hinweise, aber keine Rechtsberatung, und bei komplexen Sonderfällen empfehlen wir ausdrücklich die fachliche Beratung. Und der Markt ist stark reguliert und in Bewegung. Neue Vorgaben wie die CO2-Kostenaufteilung müssen schnell und vollständig in der Software abgebildet werden. Genau da hilft mir die schlanke Struktur.

Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei NebenkostenPro aktuell im Fokus?

Drei Schwerpunkte. Erstens eine noch intelligentere Dokumentenerkennung. Das System soll Sonderfälle wie WEG-Einzelabrechnungen automatisch erkennen und den Nutzer aktiv durch den passenden Ablauf führen. Zweitens bauen wir die Hinweise im Editor aus. Kritische Positionen sollen künftig noch deutlicher markiert werden, damit Nutzer fundierte Entscheidungen treffen können. Drittens die Objektverwaltung für Vermieter: Objekte und Mieterdaten einmal hinterlegen und in den Folgejahren mit wenigen Klicks abrechnen. Und die offene Datenbank wächst kontinuierlich weiter.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer KI gestützten Plattform einen etablierten Markt nachhaltig verändern möchten?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst hattet und das nachweislich Millionen andere teilen. Das eigene Erleben ist der beste Kompass fürs Produkt.

Zweitens: Nutzt KI konsequent als Produktivitätshebel. Die heutigen Werkzeuge machen einen einzelnen Gründer so schlagkräftig wie früher ein Team, aber behandelt den Output wie den eines Kollegen: hinterfragen statt blind vertrauen.

Drittens: Sucht euren Vorsprung nicht in der KI Technologie selbst, die kann jeder einkaufen. Der echte Burggraben ist Domänenwissen plus Geschwindigkeit: jeden Tag nah am Nutzer bauen und schneller iterieren als die Etablierten. Und wenn das Werbebudget fehlt: Baut etwas, das so nützlich ist, dass es von selbst gefunden wird.

Bildrechte: NebenkostenPro, Julian Falk

Wir bedanken uns bei Julian Falk für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Herausforderungen meistern: Lektionen vom Mount Everest für moderne Unternehmen

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BG prevent Event: Herausforderungen meistern & Resilienz stärken Helga Hengge Copyright Niko schmid burgk

Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Helga Hengge ein Interview geführt

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Jubiläumsevent von BG prevent über das Thema „Herausforderungen meistern“ zu sprechen?

Ich freue mich sehr über die Einladung. Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

BG prevent beschäftigt sich mit Gesundheit, Prävention und resilienten Arbeitswelten. Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen als Extrembergsteigerin und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

Auf den ersten Blick scheinen die Welten weit voneinander entfernt zu sein. Doch die grundlegenden Fragen sind ganz ähnlich: Wie gehe ich mit Unsicherheit um? Wie treffe ich Entscheidungen unter Druck? Wie bleibe ich leistungsfähig, ohne meine Gesundheit zu gefährden? Auf einer Expedition wird sehr schnell deutlich, dass Erfolg nicht allein von Leistung abhängt. Entscheidend ist vielmehr, wie gut man mit seinen Ressourcen umgeht – körperlich, mental und als Team. Das gilt ebenso für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden, frühzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben können.

Sie waren die erste deutsche Frau auf dem Mount Everest. Was war auf diesem Weg die größte mentale Herausforderung für Sie?

Die größte Herausforderung war nicht der Gipfeltag selbst, sondern der lange Weg dorthin. In den zwei Monaten am Berg gab es auch Zweifel, Rückschläge und Situationen, in denen das Ziel unerreichbar schien. Mental stark zu bleiben bedeutet für mich nicht, keine Angst zu haben oder nie zu zweifeln. Es bedeutet, die schwierigen Zeiten als Herausforderung anzunehmen mit der Bereitschaft dazuzulernen und Schritt für Schritt über mich selbst hinaus zuwachsen – mit einem starken Team an meiner Seite.

In Extremsituationen entscheiden oft Teamgeist und Vertrauen über Erfolg oder Scheitern. Welche Parallelen sehen Sie dabei zur heutigen Arbeitswelt?

Vertrauen ist die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit im Team. Auf einer Expedition bin ich darauf angewiesen, dass andere ihren Teil zum großen Ganzen beitragen – genauso wie sie sich auf mich verlassen müssen. Das gilt sicher auch in Unternehmen. Gerade, wenn es darum geht große Herausforderungen zu meistern, kann niemand allein erfolgreich sein. Berge und Gipfelziele werden erreicht, wenn Menschen offen kommunizieren, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen.

Welche Eigenschaften braucht ein starkes Team, um auch unter Druck gemeinsam erfolgreich zu bleiben?

Ich finde ein starkes Team braucht vor allem Diversität, unterschiedliche Stärken, Talente und Erfahrungen, die zusammenwirken. Unser Expeditionsleiter hatte ein sehr klares Credo für das Gelingen unseres Aufstiegs: sorgfältige Vorbereitung, strategische Planung, inspirierende Führung, starkes Bekenntnis zu Teamarbeit und lots of bloody hard work on the mountain ☺

Wie wichtig sind Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen in Situationen, in denen Menschen an ihre Grenzen stoßen?

Sie sind entscheidend. Wenn die Belastung steigt, wird Kommunikation oft schwieriger und gleichzeitig wichtiger. Missverständnisse können gravierende Folgen haben. Vertrauen ermöglicht es, Probleme offen anzusprechen, Hilfe anzunehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gerade in Grenzsituationen ist niemand stark, weil er alles allein schafft.

Was können Führungskräfte aus Expeditionen in extremen Höhenlagen über Verantwortung und Entscheidungsfindung lernen?

Eine der wichtigsten Lektionen lautet: Nicht jede Entscheidung wird unter idealen Bedingungen getroffen. Oft fehlen Informationen, die Zeit ist knapp und die Konsequenzen weitreichend. Gute Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Risiken realistisch einzuschätzen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Manchmal besteht die größte Führungsstärke darin, ein Ziel aufzugeben, das Ego gehen zu lassen, um das Team oder auch das Unternehmen zu schützen.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Klarheit über das gemeinsame Ziel, Konzentration auf die nächste machbare Etappe und die Bereitschaft, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Am Berg und auch im „richtigen“ Leben hilft es nicht, sich von der Größe einer Herausforderung überwältigen zu lassen. Der Aufstieg besteht aus vielen kleinen Schritten. Ich glaube die Bereitschaft stetig dazuzulernen und sich zu verändern ist vielleicht das Wichtigste.

Wie geht man mit Rückschlägen oder Momenten um, in denen das Ziel plötzlich unerreichbar erscheint?

Rückschläge gehören zu jeder Herausforderung. Entscheidend ist, sie nicht als persönliches Scheitern zu betrachten. Oft geben sie wertvolle Hinweise darauf, was angepasst oder neu gedacht werden muss. Und dann braucht man Mut, einen neuen Plan zu schmieden und weiter aufzustiegen.

Welche Rolle spielt mentale Stärke bei der Bewältigung großer Herausforderungen?

Mentale Stärke ist die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Sie entsteht nicht durch Härte, sondern durch Selbstvertrauen, Erfahrung und die Bereitschaft, mit Unsicherheit umzugehen. Wer akzeptiert, dass nicht alles kontrollierbar ist, gewinnt mehr innere Stabilität.

Sie haben weltweit extreme Expeditionen erlebt. Gab es einen Moment, der Ihre Sicht auf Teamarbeit nachhaltig verändert hat?

Ja. Besonders beeindruckt hat mich immer wieder die Erfahrung, wie eng individuelles und gemeinsames Gelingen miteinander verbunden sind. In den Bergen wird sehr deutlich, dass persönlicher Erfolg oft nur möglich ist, weil viele Menschen ihren Beitrag leisten. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Zusammenarbeit nachhaltig geprägt.

Wie wichtig ist es, im Team unterschiedliche Stärken und Persönlichkeiten gezielt einzubinden?

Das ist ein großer Erfolgsfaktor. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen und Sichtweisen mit. Wenn diese Vielfalt wertgeschätzt wird, entstehen bessere Entscheidungen und kreativere Lösungen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig, wenn Teams unter hoher Belastung arbeiten?

Oft wird Kommunikation reduziert, weil alle glauben, dafür keine Zeit zu haben. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Missverständnissen, Warnsignale werden nicht mehr geteilt und vielleicht auch ignoriert, Probleme zu spät angesprochen. Unter Druck ist Transparenz und offene Kommunikation noch viel wichtiger.

In Ihren Vorträgen sprechen Sie über Mut, Ausdauer und Resilienz. Warum sind diese Eigenschaften heute wichtiger denn je?

Unsere Welt verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Niemand kann alle Entwicklungen vorhersehen oder kontrollieren. Deshalb brauchen wir die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Veränderungen umzugehen, aus Rückschlägen zu lernen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn der Weg nicht klar erkennbar ist. Genau dabei helfen Mut, Ausdauer und Resilienz.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz entsteht nicht allein durch individuelles Training. Sie wird auch durch die Kultur eines Teams bzw. einer Organisation geprägt. Unternehmen können viel bewirken, indem sie Vertrauen fördern, gesunde Rahmenbedingungen schaffen, Eigenverantwortung stärken und eine offene Fehlerkultur ermöglichen.

Welche Bedeutung haben Vertrauen und psychologische Sicherheit für leistungsfähige Teams?

Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können. Wer keine Angst haben muss, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen oder eine andere Meinung zu vertreten, trägt aktiver zum gemeinsamen Erfolg bei. Psychologische Sicherheit fördert Lernen, Innovation und Zusammenarbeit.

Wie verändert sich Zusammenarbeit, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel wirklich verinnerlichen?

Es entsteht gemeinsame Energie und Orientierung. Unterschiedliche Interessen treten stärker in den Hintergrund, Entscheidungen können leichter getroffen werden. Ein gemeinsamer Berg, ein gemeinsames Ziel schafft Sinn und verbindet die Menschen über ihre individuellen Rollen im Team hinaus.

Gab es auf Ihren Expeditionen Situationen, in denen Sie Entscheidungen treffen mussten, die alles verändert haben?

Die Entscheidung umzudrehen, den Gipfel aufzugeben ist wahrscheinlich die schwierigste am Berg, weil es eine Entscheidung ist, die alles verändert. Wir wissen, dass dieser Zeitpunkt jederzeit kommen kann, bei jeder Expedition, denn wir sind den äußeren Einflüssen und Gefahren am Berg stärker ausgeliefert als in einem kontrollierten Umfeld. Aber Erfolg am Berg besteht nicht darin, einen Gipfel zu erreichen, sondern so hoch wie möglich aufzusteigen und alle gesund nach Hause zu bringen. Ich glaube je besser man das vor einer Expedition verinnerlicht, desto leichter ist es am Berg mit der Veränderung umzugehen.

Was können Menschen aus dem Extremsport über den Umgang mit Angst und Unsicherheit lernen?

Angst ist kein Gegner, sondern ein wichtiges Barometer. Sie macht auf Risiken aufmerksam und hilft uns, achtsam zu bleiben. Es geht nicht darum, Angst zu vermeiden, sondern frühzeitig zu erkennen, wie sie entsteht und konstruktiv mit ihr umzugehen. Mut bedeutet nicht Angstlosigkeit, sondern Handeln trotz Unsicherheit. Je größer die Angst, desto größer muss die Achtsamkeit sein.

Welche Botschaft möchten Sie den Gästen des BG prevent Events mit Ihrem Vortrag besonders mitgeben?

Wir stehen alle vor großen Herausforderungen im Leben – Bergen, Gipfelzielen, die einem 8000 Meter hohen Berg ganz ähnlich sind und oft auf den ersten Blick auch unerreichbar scheinen. Dass das BG prevent Team immer den Mut findet aus der Landkarte noch weiter hinauszuwandern, aber vor allem, dass sie immer Menschen um sich haben, die in den schwierigen Zeiten an ihrer Seite kämpfen und mit denen sie noch viele Gipfelerfolge feiern können, das wünsche ich dem ganzen Team.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Am Berg habe ich gelernt, dass Unsicherheit kein Ausnahmezustand ist, sondern die Normalität. Wer darauf wartet, dass alle Bedingungen perfekt sind, wird nie aufbrechen. Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht: Erstens braucht es ein klares Zielbild. Menschen können mit Unsicherheit umgehen, wenn sie wissen, wohin die Reise geht. Zweitens braucht es die Bereitschaft, Entscheidungen auch mit unvollständigen Informationen zu treffen. Drittens braucht es eine Kultur, in der Lernen wichtiger ist als Schuldzuweisungen. Auf Expeditionen ändern sich die Bedingungen ständig. Erfolgreich ist nicht das Team mit dem perfekten Plan, sondern das Team, das sich am schnellsten an neue Realitäten anpassen kann.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen Vertrauen erleben, Handlungsspielräume haben und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. Der wichtigste Ort auf großen Expeditionen ist immer das Basecamp – unser Kraftplatz – an dem wir uns von Rückschlägen erholen und neue Pläne schmieden können, ein Ort auch, wo wir uns sicher fühlen und Schwierigkeiten offen ansprechen können. Unternehmen können viel dazu beitragen, Mitarbeitende widerstandsfähiger zu machen, indem sie eine Kultur schaffen, in der Gesundheit, Lernen und gegenseitige Unterstützung möglich sind. Dazu gehören offene Kommunikation, Wertschätzung und die Möglichkeit, auch in anspruchsvollen Phasen ausreichend zu regenerieren. Menschen sind erstaunlich belastbar. Aber ihre Widerstandskraft wächst besonders dort, wo sie sich sicher fühlen, Verantwortung übernehmen können und wissen, dass sie Herausforderungen nicht allein bewältigen müssen.

Bildcredits Niko Schmid-Burgk

Wir bedanken uns bei Helga Hengge für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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