Freitag, Juli 17, 2026
Start Blog

therefore beauty im Interview: Naturkosmetik-Startup setzt auf radikalen Minimalismus

0
therefore beauty: Naturkosmetik und Nachhaltigkeit neu gedacht therefore beauty Gründerinnen links ist Mar Navajas Garcia, rechts Natalie Richter Credits therefore beauty

Von der Hamburger Gründer-WG auf die griechische Insel Ikaria: Das inhabergeführte Naturkosmetik-Startup therefore beauty verzichtet bewusst auf Investoren, setzt auf handgefertigte Kleinserien und verfolgt eine ungewöhnliche Vision – die eigene Hautpflege durch radikale Reduktion langfristig überflüssig zu machen.

Können Sie therefore beauty kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung entstanden ist?

therefore beauty ist eine Hamburger Naturkosmetikmarke, die auf pflanzenkundlich formulierte Pflege in Kleinserien setzt – handgefertigt, ohne Palmöl, ohne synthetische Zusätze. Die Idee entstand 2018 in einer Gründer-WG im Schanzenviertel. Bei einer Flasche Wein diskutierten Mar und ich mit unseren Mitbewohner:innen über den Zustand unseres gemeinsamen Badezimmers: Plastik, Tuben, Tiegel und zweifelhafte Inhaltsstoffe so weit das Auge reichte. Wir beschlossen, es besser zu machen – und blieben als einzige an der Idee dran.

Welche Vision verfolgen Sie mit therefore beauty?

Wir wollen zeigen, dass Haut sich selbst regulieren kann – wenn man sie lässt. Unser Ziel ist es, uns selbst überflüssig zu machen. Nicht im Sinne des Unternehmens, sondern im Sinne der Pflege: Wer einmal verstanden hat, was seine Haut wirklich braucht, braucht nicht mehr viel. Das ist unsere Vision – und unser Geschäftsmodell.

An welche Zielgruppen richten sich Ihre Produkte?

An alle, die genug ausprobiert haben. Unsere Kundinnen kommen oft mit empfindlicher, reaktiver oder aus dem Gleichgewicht geratener Haut zu uns – und haben meist eines gemeinsam: Sie haben es mit zu viel versucht, bevor sie mit weniger Erfolg hatten. Das können junge Frauen sein, die Clean Beauty entdecken, oder Frauen ab 50, die reife Haut neu verstehen wollen. Auch Männer und Familien mit sensiblen Kindern gehören zu unserer Kundschaft.

Warum verfolgt therefore beauty bewusst einen minimalistischen Ansatz?

Weil weniger biologisch logischer ist. Viele Hautprobleme entstehen durch permanente Überstimulation – zu viele Inhaltsstoffe, zu häufiges Waschen, zu intensive Pflege. Haut ist ein selbstregulierendes Organ. Sie spiegelt nur wider, was nicht gut für uns ist. Wir versuchen nicht, sie zu verbessern. Wir geben ihr einfach mehr Raum.

Was macht therefore beauty besonders im Vergleich zu anderen Naturkosmetikmarken?

Naturkosmetik ist nicht automatisch besser – auch hier gilt: zu viele Inhaltsstoffe können zu viel sein. Wir orientieren uns an altem heilkundlichen Wissen: Eine gute Formulierung rührt nicht zu viele Pflanzenstoffe zusammen. Dazu kommt unsere persönliche Einbindung in die Rohstoffbeschaffung – wir ernten einen Teil unserer Schlüsselrohstoffe selbst, auf der griechischen Insel Ikaria. Und wir sind eigenfinanziert, ohne Investor:innen, ohne Kompromisse bei Rezepturen.

Welche Bedeutung haben kurze Inhaltsstofflisten und handwerkliche Herstellung für Sie?

Sie sind nicht verhandelbar. Kurze INCI-Listen sind für uns kein Marketingversprechen, sondern Konsequenz: Alles, was wir hinzugeben, muss sinnvoll eingebaut oder spurlos abgebaut werden können. Und handwerkliche Kleinserien garantieren, dass die Qualität der Rohstoffe erhalten bleibt – industrielle Massenproduktion ist mit unserem Ansatz schlicht nicht vereinbar.

Wie verbinden Sie Nachhaltigkeit, Wirksamkeit und Reduktion?

Für uns sind das keine konkurrierenden Ziele. Wirksamkeit entsteht bei uns gerade durch Reduktion: wenige, hochwertige Inhaltsstoffe, die die Haut versteht. Nachhaltigkeit folgt daraus fast automatisch – weniger Produkte, kürzere Lieferketten, weniger Verpackung. Was gegen die Natur arbeitet, kann nicht nachhaltig sein.

Welche Herausforderungen gibt es, Verbraucher:innen von weniger Pflege zu überzeugen?

Die größte Herausforderung ist das Vertrauen – in die eigene Haut. Die Industrie hat jahrzehntelang das Gegenteil kommuniziert: dass Haut ein Problem ist, das gelöst werden muss. Dieses Denken umzukehren braucht Zeit. Unsere Garantie – wer nach 28 Tagen keine Verbesserung feststellt, bekommt den Kaufpreis zurück – hilft dabei. Wir nehmen das Risiko weg.

Welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen setzen Sie konkret um?

Keine Plastikverpackungen, kein Palmöl, keine synthetischen Zusätze. Unsere Seifen werden in einer Manufaktur in der Nähe von Hannover hergestellt – einem handwerklichen Prozess, den wir eng begleiten. Lagerung, Labeling, Qualitätskontrolle und Fulfillment liegen in den Händen einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Heide. Unser Deo kommt im Pfandsystem aus Flüssigholz. Und wir wachsen bewusst langsam – denn alles, was zu schnell wächst, wird instabil.

Wie hat sich das Bewusstsein der Verbraucher:innen verändert?

Deutlich. Als wir 2018 starteten, war die Stimmung eine andere – Fridays for Future, Klimaproteste, kollektiver Aufbruch. Nachhaltigkeit war politisch, emotional, dringend. Heute ist das Bewusstsein dafür Mainstream geworden, und die Auswahl damit auch größer und unübersichtlicher. Viele Marken haben den Begriff Nachhaltigkeit besetzt, ohne ihn wirklich zu leben. Was sich aber auch verändert hat: Menschen suchen heute echte Alternativen – nicht aus schlechtem Gewissen, sondern weil sie gemerkt haben, dass es besser funktioniert. Die Sehnsucht nach Einfachheit ist real. Und genau das schafft Raum für Marken, die es wirklich ernst meinen.

Welche nächsten Schritte stehen bei therefore beauty im Fokus?

Im nächsten Schritt planen wir eigene ätherische Öle, die wir auf Ikaria produzieren – als logische Erweiterung unserer Rohstoffarbeit dort. Neue Produkte entstehen nur, wenn sie sich schlüssig in unsere Logik einfügen. Wachstum durch Qualität, nicht durch Quantität.

Drei Ratschläge für Gründer:innen, die etablierte Gewohnheiten verändern wollen?

Erstens: Zuhören, bevor man spricht. Wir haben unsere Marke aus echtem Austausch mit unserer Community entwickelt – nicht aus Marktanalysen.

Zweitens: Langsam wachsen. Alles, was zu schnell wächst, wird instabil.

Drittens: Den eigenen moralischen Ansprüchen gerecht werden. Das ist die härteste Aufgabe – aber auch die einzige, die langfristig trägt.

Bild links ist Mar Navajas Garcia, rechts Natalie Richter Credits therefore beauty

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: therefore beauty

therefore beauty log schwarz weiss

Kontakt:

terrorists of beauty GmbH
Schulterblatt 3
20357 Hamburg

www.therefore-beauty.de
hello@therefore-beauty.de

Ansprechpartner: Natalie Richter

Social Media:
Instagram

Startup Solago im Interview: Günstige Solaranlagen durch E-Commerce

0
Solago im Portrait: Bootstrapping zum Millionen-Umsatz janik Nolden Founder

Vom gescheiterten Erstversuch zum 250-Millionen-Umsatz: Im Interview erklärt Gründer Janik Nolden, wie er das Startup Solago komplett ohne Investoren aufbaute und warum der Online-Direktvertrieb von Solarkomponenten den Kauf einer eigenen Solaranlage revolutioniert

Herr Nolden, können Sie Solago beziehungsweise Solarhandel24 kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstand?

Solago beziehungsweise Solarhandel24 wurde 2022 gegründet und ist auf den Online-Direktvertrieb von Photovoltaik-Komplettsets und einzelnen Solarkomponenten wie Speichern und Wechselrichtern spezialisiert.

Die Idee entstand aus einem einfachen Gedanken: Wir wollten Kundinnen und Kunden den günstigsten und unkompliziertesten Weg zur eigenen Solaranlage ermöglichen. Deshalb haben wir Solago aufgebaut, um Solarkomponenten direkt online anzubieten, sowohl einzeln als auch als konfiguriertes Komplettset. Durch effizientere Strukturen und Vertriebsprozesse können wir im Vergleich zu klassischen Installationsmodellen Kosten einsparen und diese Vorteile direkt an unsere Kunden weitergeben.

Bevor Sie Solago aufgebaut haben, ist Ihr erstes Startup gescheitert. Was haben Sie aus dieser Erfahrung mitgenommen, das Ihnen beim zweiten Anlauf geholfen hat?

Aus unserem ersten Startup haben wir gelernt, wie man lean einen Onlineshop aufbaut und ersten Traffic über Google und Meta generiert. Gleichzeitig haben wir aber auch gelernt, dass wir nicht unfehlbar sind und scheitern können. Diese Erfahrung hat dabei geholfen, auf dem Boden zu bleiben und eine realistische Wahrnehmung zu entwickeln.

Für mich war außerdem wichtig zu erkennen, dass Netzwerken und die Startup-Bubble einen nicht automatisch weiterbringen. Am Ende zählen vor allem die Dinge, die man selbst aktiv umsetzt und manchmal kann es helfen, sich für ein paar Monate bewusst „einzusperren“ und konsequent sein eigenes Ding durchzuziehen.

Sie sind mit 12.500 Euro Startkapital und ohne Investoren gestartet. Warum haben Sie sich bewusst für einen bootstrapped Weg entschieden?

Wir wollten nicht von ständigen Finanzierungsrunden abhängig sein. Das kostet viel Zeit und Nerven, und wir wollten uns auch selbst beweisen, dass wir es aus eigener Kraft schaffen und vorankommen können.

Ich glaube außerdem, dass Finanzierungsrunden Gründer manchmal zu sehr davor schützen, ihr Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen. Wenn ein Modell nicht profitabel ist, kann man mit neuem Geld wieder eine gewisse Zeit überbrücken. Beim Bootstrapping geht das nicht. Man ist gezwungen, unprofitable Bereiche schnell zu erkennen, sie konsequent zu beenden und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich funktioniert. Das kann ein großer Vorteil sein.

Innerhalb weniger Jahre ist aus Solago ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden, 30.000 Quadratmetern Lagerfläche und einem Gesamtumsatz von 250 Millionen Euro geworden. Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

Ein entscheidender Punkt war, dass wir früh die Benefits im Online-Vertrieb erkannt haben und es uns zum Ziel gemacht haben, Solaranlagen und Solarkomponenten zu guten Preisen direkt online anzubieten. Viele Kundinnen und Kunden übernehmen heute einen Teil ihres Solarprojekts selbst und können dadurch mehrere tausend Euro sparen. Das macht die eigene Solaranlage erschwinglicher, rentabler und damit auch attraktiver.

Für uns bedeutet das, dass wir weniger in klassischen aktiven Vertrieb investieren müssen, sondern können uns darauf konzentrieren, unseren Kundinnen und Kunden eine sehr gute Solaranlage zu einem attraktiven Preis anzubieten. Wenn der Nutzen klar ist, braucht es auch weniger „Überzeugungsarbeit“.

Wichtig waren außerdem die Auswahl der richtigen Markenprodukte, verständlich konfigurierte Komplettsets und die Möglichkeit, Ware direkt bei uns vor Ort selbst abzuholen. Diese Kombination aus Preis, Transparenz, Produktauswahl und einfacher Abwicklung hat stark zu unserem Wachstum beigetragen.

Der Solarmarkt gilt als technisch und stark vom Handwerk geprägt. Wie ist es Ihnen gelungen, daraus ein erfolgreiches E-Commerce-Geschäftsmodell zu entwickeln?

Wir merken, dass Kundinnen und Kunden heute deutlich besser informiert sind als noch vor einigen Jahren. Viele beschäftigen sich intensiv mit den Produkten, vergleichen Lösungen und wollen verstehen, was sie kaufen. Dabei helfen natürlich digitale Kanäle.

Wir selbst betreiben mit der „Solar Akademie“ einen YouTube-Kanal mit rund 150.000 Abonnenten, auf dem wir Produkte vorstellen, erklären und praktische Orientierung geben. Auch KI-Modelle wie ChatGPT oder Gemini verändern den Markt, weil sich Kundinnen und Kunden sehr schnell Wissen aneignen können.

Gleichzeitig machen wir die Kaufentscheidung so einfach wie möglich. Wir konfigurieren Komplettsets für die technischen Komponenten und auch für die Unterkonstruktion beziehungsweise Halterung vor. Dadurch müssen Kundinnen und Kunden nicht jedes Einzelteil selbst zusammensuchen. Durch die hohen Einsparpotenziale lohnt es sich für viele, sich zu informieren und zumindest einen Teil des Projekts selbst in die Hand zu nehmen.

Welche Herausforderungen mussten Sie in der Wachstumsphase meistern, und wie haben sich diese im Laufe der Zeit verändert?

Durch unser starkes Wachstum gab es von Anfang an operative Herausforderungen. Ein wiederkehrendes Thema war zum Beispiel der Platzbedarf, weil Solarkomponenten viel Lagerfläche benötigen. Außerdem war es immer schwierig, in den Peakzeiten den Kundenservice entsprechend nachzuziehen.

Mit der Zeit haben wir viele Erfahrungswerte gesammelt und die passenden Strukturen aufgebaut. Heute haben wir unter anderem eigene Teams für IT, Disposition, Einkauf, Marketing, Design, Produktmanagement und Buchhaltung. Viele Kernkompetenzen liegen also direkt bei uns im Unternehmen.

Trotzdem bleibt es herausfordernd, die Strukturen immer wieder an das Wachstum anzupassen. Wenn ein Unternehmen sehr schnell größer wird, müssen Prozesse, Teams und Verantwortlichkeiten ständig nachziehen.

Wie wichtig war es für den Erfolg von Solago, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden genau zu verstehen und Prozesse konsequent zu digitalisieren?

Das war ein entscheidender Faktor. Zu Beginn habe ich jedes Kundengespräch am Telefon oder auch als Beratung bei uns im ersten Ladenlokal selbst geführt. Dadurch haben wir sehr schnell verstanden, wie unsere Kundinnen und Kunden denken, welche Fragen sie haben und wo die eigentlichen Probleme liegen.

Diese Nähe zum Kunden hat uns geholfen, genau die Produkte anzubieten, die wirklich nachgefragt wurden. Unser Lager hat sich durch die richtige Produktauswahl teilweise innerhalb von zwei Wochen komplett gedreht. Klassische Ladenhüter gab es bei uns kaum, weil wir uns sehr konsequent darauf konzentriert haben, nur das anzubieten, was unsere Kundinnen und Kunden tatsächlich brauchen.

Viele Gründer stehen nach einem Rückschlag vor der Frage, ob sie noch einmal neu starten sollen. Was hat Ihnen den Mut gegeben, es erneut zu versuchen?

Nach dem Scheitern meines ersten Startups habe ich natürlich auch darüber nachgedacht, ob Gründen wirklich der richtige Weg für mich ist. Als ich dann aber die Chance im Solarmarkt gewittert und verstanden habe, was wir mit Solago aufbauen können, hat es mich sofort wieder gepackt. Für mich war klar, dass ich diesen einen Versuch noch wagen möchte, bevor ich mich vielleicht doch auf einen klassischen Job bewerbe.

Welche Vision verfolgen Sie mit Solago, und welche Rolle soll das Unternehmen künftig im Markt für Solarlösungen einnehmen?

Wir möchten unsere Position als größten Onlinehändler für Solaranlagen verteidigen und ausbauen. Unsere Wachstumsstrategie basiert zum einen auf der Sortimentserweiterung um Klimaanlagen und Wärmepumpen. Zum anderen möchten wir international stärker werden und neue EU-Märkte erschließen. Wir haben natürlich jetzt ein klares Ziel vor Augen: 1 Milliarde Euro Jahresumsatz.

Wie sehen Sie die Zukunft des Solarmarktes, und welche Entwicklungen werden Unternehmen in den kommenden Jahren besonders prägen?

Ich glaube, dass sich der Solarmarkt weiter in Richtung DIY entwickeln wird. Gleichzeitig wird es immer Kundinnen und Kunden geben, die mit der Installation selbst nichts zu tun haben möchten und dafür einen Monteur beauftragen. Das sehen wir auch bei vielen unserer Kunden: Sie kaufen die Komponenten bei uns und lassen sie anschließend von einem regionalen Installateur montieren.

Das funktioniert sehr gut und bringt bereits eine deutliche Kostenersparnis, auch wenn man nicht selbst installiert. Man muss also nicht alles eigenhändig machen, um günstiger zur eigenen Solaranlage zu kommen.

Darüber hinaus werden Haushalte in den kommenden Jahren smarter und stärker auf Eigenverbrauch optimiert. In Mitteleuropa werden nicht nur Wärmepumpen, sondern auch Klimaanlagen einen großen Markt bilden. Gerade hier ist die Kombination mit Photovoltaik natürlich sehr spannend.

Welche nächsten Meilensteine und Wachstumsziele stehen für Solago aktuell im Fokus?

Wir fokussieren uns auf die Erweiterung unseres Sortiments und die Internationalisierung. Zusätzlich möchten wir künftig noch mehr daran arbeiten, Endkunden mit Handwerksbetrieben für die Installation der Komponenten zu vernetzen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen ohne Investoren aufbauen und nachhaltig skalieren möchten?

  1. Versteht eure Kundinnen und Kunden wirklich. Konzentriert euch auf die Dinge, die ihnen einen echten Mehrwert bringen.
  2. Wenn man einem Kunden den Nutzen eines Produkts erst sehr aktiv verkaufen muss, ist das Produkt vielleicht noch nicht klar genug oder nicht das richtige.
  3. Macht euch am Anfang selbst die Hände schmutzig. Gründer sollten jeden Prozess im Unternehmen selbst durchlaufen, vom Kundengespräch bis zur operativen Abwicklung. Das spart nicht nur Geld, sondern hilft auch enorm dabei, Kunden, Abläufe und Aufgaben kennenzulernen, die später von den Mitarbeitenden übernommen werden.

Bildcredits ©Solago

Wir bedanken uns bei Janik Nolden für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Schluss mit Standardgrößen: Wie das Schweizer Startup MYNE mit KI den BH-Markt revolutioniert

0
MYNE: KI für den perfekten BH Linda Durisch

Kein XS, kein 75B: Die Textilingenieurin und MYNE-Gründerin im Interview über KI-gestützte 3D-Körpervermessung, eine Retourenquote von unter einem Prozent und warum das klassische Größensystem ein struktureller Denkfehler ist

Können Sie MYNE kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

MYNE ist ein Schweizer Tech-Start-up, das maßgefertigte BHs auf Basis eines KI-gestützten Smartphone-Scans produziert — on demand, ohne Standardgrößen, für jeden Körper individuell berechnet. Gegründet habe ich MYNE gemeinsam mit meinem Mann Mathias — er als Industriedesigner, ich als Textilingenieurin mit 15 Jahren Erfahrung in der Produktentwicklung für internationale Marken. Seit Anfang 2025 sind wir am Markt. Was mich immer wieder beschäftigt hat: Warum akzeptieren Frauen seit Jahrzehnten, dass ein Kleidungsstück, das sie täglich tragen, drückt, verrutscht oder einschneidet? Das Problem war nie der weibliche Körper. Das Problem war das System dahinter.

Welche Vision verfolgen Sie mit MYNE, und wie möchten Sie die Passform von BHs langfristig neu denken?

Unsere Vision ist eine Welt, in der Kleidung nicht mehr nach Größensystem, sondern nach Körperform gekauft wird. Kein XS, kein 75B — nur der individuelle Körper als Ausgangspunkt. Der BH ist der Anfang. Die Technologie dahinter ist auf andere Kategorien übertragbar — überall dort, wo Passform entscheidend ist.

An welche Zielgruppen richtet sich MYNE hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihren maßgefertigten BHs erfüllen?

MYNE richtet sich an Frauen, die einen BH suchen, der wirklich zu ihrem Körper passt — nicht zu einer Konfektionsgröße. Das ist keine Frage des Alters oder des Lifestyles. Was unsere Kundinnen verbindet: die Erfahrung, dass Unterwäsche bisher immer ein Kompromiss war.

Viele Frauen finden keinen wirklich passenden BH. Warum sehen Sie darin eher ein Problem des klassischen Größensystems als der individuellen Körperformen?

Das BH-Größensystem basiert auf Standardisierung und Durchschnittswerten — entwickelt vor fast hundert Jahren für industrielle Massenproduktion, nicht für individuelle Körper. Zwei Frauen mit derselben BH-Größe können völlig unterschiedliche Körperformen haben, in Symmetrie, Form, Volumen. Trotzdem bekommen sie dasselbe Produkt. Das ist kein Zufall — das ist ein struktureller Denkfehler, der über Jahrzehnte normalisiert wurde.

MYNE kombiniert KI, 3D-Körpervermessung und On-Demand-Produktion. Was macht dieses Zusammenspiel aus Ihrer Sicht besonders?

Was MYNE besonders macht, ist der geschlossene Prozess: Vom Smartphone-Scan über die algorithmische Passformberechnung bis zur automatisierten Fertigung — ohne Medienbruch, ohne manuelle Eingriffe. Das ist der Unterschied zwischen einem guten Ansatz und einem skalierbaren System.

Wie funktioniert der Smartphone-Scan, und welche Vorteile bietet er gegenüber herkömmlichen Methoden der Größenbestimmung?

Die Kundin dreht sich einmal vor der Kamera — Unterwäsche oder enganliegende Kleidung genügen, der Vorgang dauert wenige Sekunden. Das KI-System erfasst dabei hunderte Messpunkte und gleicht sie mit einer Datenbank von hochauflösenden 3D-Körperscans des Hohenstein-Instituts ab. Die Ergebnisse sind präziser als eine manuelle Vermessung mit dem Maßband, weil typische Messfehler durch unterschiedliche Anlegetechniken oder Körperhaltung entfallen. Datenschutz war von Anfang an keine nachgelagerte Frage, sondern eine Grundvoraussetzung. Das Gesicht wird verpixelt und der Hintergrund gelöscht, übermittelt wird ausschließlich ein anonymisierter Zahlensatz — zu keinem Zeitpunkt mit Namen oder Kontaktdaten verknüpft. Die Messdaten dienen einzig der Fertigung des BHs. Wir halten uns streng an die Richtlinien des DSGVO — dem strengsten Datenschutzstandard weltweit.

Welche Rolle spielen individuelle Schnittmuster und maßgefertigte Bügel für Tragekomfort und Passform?

Der klassische Metallbügel ist ein Kompromiss — er wurde für Standardgrößen entwickelt, nicht für individuelle Körper. Bei MYNE ersetzen wir ihn durch einen flexiblen Silikon-Frame, der sich dem Körper anpasst und Halt gibt, ohne einzuschneiden oder Druckpunkte zu erzeugen. Dank CNC-gesteuerter Technik werden die Stoffe millimetergenau zugeschnitten. Es gibt keinen Standardschnitt, keine Annäherung — jeder BH ist einzigartig.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Technologie, die individuelle Maßanfertigung wirtschaftlich skalierbar machen soll?

Die größte Herausforderung war nicht die Technologie selbst, sondern das Zusammenspiel der einzelnen Schritte. Scan, Algorithmus, Fertigung — jeder Teil funktioniert für sich. Sie zu einem geschlossenen, automatisierten Prozess zu verbinden, der auch wirtschaftlich funktioniert, hat Jahre gedauert. Maßanfertigung war bisher Handarbeit und damit nicht skalierbar. Wir haben den Produktionsprozess selbst neu gedacht.

MYNE produziert erst nach der Bestellung. Welche Bedeutung hat dieses On-Demand-Modell für Nachhaltigkeit und den Umgang mit Überproduktion?

On-Demand ist bei MYNE die konsequente Umsetzung unserer individualisierten Fertigung – mit einem entscheidenden Nachhaltigkeitseffekt. Weil wir ausschließlich nach Bestellung produzieren, entstehen weder Überproduktion noch Lagerbestände oder unverkaufte Ware. Gleichzeitig sorgt die passgenaue Fertigung für eine Retourenquote von unter einem Prozent – weit entfernt von den branchenüblichen bis zu 50 Prozent. Ein wirtschaftlich interessantes und nachhaltiges Business Modell.

Wie verändert sich aus Ihrer Sicht das Bewusstsein der Verbraucherinnen für personalisierte Mode und digitale Fertigung?

Frauen sind zunehmend bereit, neue Wege zu gehen — wenn der Nutzen klar ist und das Vertrauen stimmt. Was wir beobachten: Kundinnen, die einmal einen wirklich passenden BH getragen haben, verstehen sofort, was ihnen bisher gefehlt hat. Das verändert die Erwartungshaltung nachhaltig. Die Frage ist nicht mehr, ob personalisierte Mode kommt. Die Frage ist, wer den Prozess dafür intelligent genug gebaut hat.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei MYNE aktuell im Fokus?

Die aktuelle Kollektion geht bis 90D — wir arbeiten daran, das Größenspektrum zu erweitern. Langfristig geht es um mehr: eine Welt, in der Kleidung nicht nach Größensystem, sondern nach Körperform gekauft wird. Die Technologie dafür existiert bereits — MYNE wird die Plattform sein, die diesen Wandel anführt. Der BH ist der Anfang. Dafür suchen wir strategische Partner und Wachstumskapital, die diese Vision teilen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Technologien etablierte Branchen verändern möchten?

Erstens: Die Branche von innen kennen. Wer ein System wirklich verändern will, muss verstehen, warum es so geworden ist, wie es ist.

Zweitens: Früher loslassen. Perfektion vor dem Start ist eine Illusion — die wichtigsten Erkenntnisse kommen aus echten Situationen, aus Gesprächen mit Kundinnen, aus Fehlern.

Drittens: Timing ist alles. Eine gute Idee zur falschen Zeit verändert nichts.

Bildcredits MYNE

Wir bedanken uns bei Linda Durisch für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: MYNE

Kontakt:

MYNE
Plazza Staziun 11
7013 Domat/Ems
Schweiz

www.its-myne.com
hello@its-myne.com

Ansprechpartner: Linda Durisch & Mathias Durisch

Social Media:
LinkedIn
Facebook
Instagram
TikTok

KI-Plattform mint: Das neue Betriebssystem für die Filmproduktion

0
mint Filmproduktion Video mit KI neu gedacht creamAI: KI für moderne Filmproduktion

Vom Briefing zum fertigen Video in wenigen Stunden: Mit der neuen Plattform mint lanciert das Münchner KI-Unternehmen creamAI ein digitales All-in-One-Filmstudio, das komplexe KI-Modelle in einem einzigen professionellen Workflow bündelt und Nutzer selbst Regie führen lässt.

Welche Idee steckt hinter mint.creamai.de und wie ist das Unternehmen entstanden?

Die kurze Version lautet: Briefing rein, Film raus. Die längere hat viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun.

Ich komme aus der Film- und Motion-Design-Welt und arbeite seit über 15 Jahren an der Schnittstelle von Kreation und Marke und nun auch KI, unter anderem für Kunden wie SIXT, BMW, Samsung, IKEA oder Roland Berger, und habe in Keynotes und Workshops tausende Kreative zu KI ausgebildet. In dieser Zeit habe ich immer wieder dasselbe Muster gesehen: Der Bedarf an Bewegtbild explodiert, aber klassische Produktionen sind oft zu langsam, zu teuer und zu schwer skalierbar. Gleichzeitig sind mit KI enorm starke Modelle für Text, Bild, Voice und Video entstanden. Nur bleiben es meist einzelne Werkzeuge, die noch keinen professionellen Produktionsprozess ergeben.

Genau hier setzt mint an. Wir bauen mit mint ein Movie Production Betriebssystem für Unternehmen und Kreative. In mint läuft der gesamte Filmproduktionsprozess in einer Plattform ab: von der ersten Idee über Briefing, Skript, Charakterentwicklung, Storyboard, Bildgenerierung und VoiceOver bis hin zu Videogenerierung, Timeline, Schnitt und Video Export oder für die Weiterverarbeitung in Premiere Pro oder Final Cut.

Ein zentraler Begriff für uns ist die Netto-Produktionszeit – also die Zeit, in der ein Mensch wirklich aktiv an einem Film arbeitet. mint lässt sich vollständig manuell steuern, einzelne Schritte oder größere Teile der Produktion können aber an den Production Agent übergeben werden. Im Idealfall heißt das: Ein gutes Briefing rein, mint erstellt eine erste belastbare Filmversion, und der Mensch konzentriert sich danach auf Regie, Feedback und Feinschliff. Ein Erklärfilm, der früher 2–4 Wochen gedauert hat, entsteht so in wenigen Stunden Netto-Produktionszeit.

Unser Ziel ist deshalb nicht einfach, Filme schneller zu produzieren. Wir wollen Unternehmen ermöglichen, hochwertige Filme planbarer, günstiger und mit deutlich weniger Reibungsverlusten zu erstellen.

Wie würden Sie mint jemandem erklären, der sich bisher noch nicht intensiv mit KI beschäftigt hat?

Am einfachsten so: mint.creamai.de ist ein digitales Produktionsstudio für Filme. Eine klassische Filmproduktion besteht aus vielen Gewerken und Abstimmungsschleifen – von der Idee über Skript und Storyboard bis zu Schnitt und Export. Selbst kurze Erklärfilme dauern dadurch oft mehrere Wochen.

mint bringt diese Arbeitsschritte in eine gemeinsame Produktionsumgebung. Der Nutzer gibt eine Idee, ein Briefing oder ein Skript ein. Daraus kann mint eine Produktionsgrundlage entwickeln, Szenen planen, Bilder und Referenzen erzeugen, ein VoiceOver vorbereiten, Video-Takes erstellen und alles in einer Timeline zusammenführen.

Der entscheidende Punkt: mint ist kein reiner Videogenerator. Videogenerierung ist nur ein Teil des Systems. Der eigentliche Wert liegt darin, dass der gesamte Produktionskontext zusammenbleibt. Der Mensch entscheidet weiterhin über Tonalität, Stil, Freigaben und Details – die KI übernimmt vor allem die aufwendigen Zwischenschritte und macht den Prozess dadurch schneller und kontrollierbarer.

Welche Vision verfolgen Sie mit mint und welche Rolle soll das Unternehmen künftig im KI-Markt einnehmen?

Unsere Vision ist, dass hochwertige Filmproduktionen nicht mehr an große Budgets, lange Vorlaufzeiten und viel Spezialwissen gebunden sind. Unternehmen sollen Videocontent intern, planbar und skalierbar produzieren können, ohne die Kontrolle über Qualität, Marke und Botschaft zu verlieren.

Wir zielen dabei bewusst nicht auf einen Millionen-Nutzer-Markt für gelegentliche Experimente. mint ist für Unternehmen im DACH-Raum und in Europa gedacht, die regelmäßig Filme produzieren oder diesen Bereich künftig stärker intern aufbauen wollen: Marketingfilme, Produktvideos, Schulungsinhalte, Social Ads, Employer Branding, Erklärfilme und serielle Kurzformate.

Im KI-Markt möchten wir für eine neue Generation spezialisierter Produkte stehen. Die erste Welle war stark von einzelnen Tools und allgemeinen Chatbots geprägt. Die nächste Welle wird aus unserer Sicht von Lösungen bestimmt, die konkrete Geschäftsprozesse wirklich verstehen. Genau das ist unser Anspruch – und hier zahlt sich aus, dass wir Filmproduktion nicht als Außenstehende automatisieren, sondern das Handwerk seit Jahren aus der Praxis kennen. mint macht nicht nur ein Modell zugänglich, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess neu.

Viele Unternehmen stehen vor einer kaum überschaubaren Zahl an KI-Tools. Wie begegnet mint dieser Herausforderung?

Mit Fokus und Integration statt mit noch einem weiteren Tool. Viele Unternehmen haben inzwischen Zugriff auf zahlreiche KI-Werkzeuge – und genau dadurch entsteht ein neues Problem: Inhalte, Prompts, Dateien und Entscheidungen liegen über viele Systeme verstreut. Man spart an einer Stelle Zeit und verliert sie an anderer Stelle durch Abstimmung, Kontextverlust und Nacharbeit wieder.

mint ist bewusst nicht als weiteres allgemeines KI-Tool gedacht. Dafür gibt es mit creamAI bereits ein breiteres Multi-Gen-AI-Produkt. mint ist spitzer: Es konzentriert sich auf KI-gestützte Filmproduktion, also Prompt-to-Movie in einem professionellen Workflow.

Das bedeutet: Der Nutzer muss nicht für jeden Schritt ein neues Tool öffnen oder entscheiden, welches Modell gerade am besten passt. mint hält den Projektkontext zusammen und orchestriert Text-, Bild-, Voice- und Videomodelle im Hintergrund. So wird aus vielen einzelnen KI-Möglichkeiten ein klarer Produktionsprozess mit einem konkreten Ziel: ein fertiger, bearbeitbarer Film.

An welche Zielgruppen richtet sich mint besonders und welche Anforderungen stehen dort im Mittelpunkt?

mint richtet sich vor allem an Teams, die regelmäßig Videocontent brauchen – Marketing- und Brand-Teams, Kommunikationsabteilungen, Agenturen sowie HR- und Learning-Teams.

Die Anforderungen dort sind klar. Erstens Geschwindigkeit: Viele Teams müssen heute mehr Bewegtbild in kürzerer Zeit produzieren. Zweitens Wirtschaftlichkeit: Nicht jedes wiederkehrende Video kann eine große externe Produktion sein. Drittens Kontrolle: Stil, Marke, Produkte, Tonalität und Botschaften müssen konsistent bleiben.

Besonders stark ist mint deshalb bei wiederkehrenden Formaten wie Produktvideos, Kampagnenfilmen, Social Ads, Schulungsvideos, interner Kommunikation, Employer Branding oder Erklärfilmen. Unser Ziel ist, dass Unternehmen diese Formate als interne Produktionsfähigkeit aufbauen können, statt jedes Projekt komplett neu aufzusetzen.

Was unterscheidet mint von anderen Plattformen für KI-Anwendungen und Automatisierung?

Unser Prinzip bringt es auf den Punkt: Der Agent produziert den Film. Du führst Regie.

Viele KI- und Automatisierungsplattformen versuchen, möglichst viel gleichzeitig abzudecken. Das kann hilfreich sein, führt bei komplexeren Prozessen aber zu hoher Komplexität. Wir haben uns bewusst anders entschieden und konzentrieren uns auf einen einzigen, sehr relevanten Bereich: professionelle Filmproduktion.

Der Unterschied liegt darin, dass mint den Produktionszusammenhang versteht. Ein Bild ist in mint nicht einfach ein generiertes Bild – es gehört zu einer Szene, einem Stil, zu Referenzen, zu einem späteren Video-Take und am Ende zu einer Timeline. Ein VoiceOver ist nicht nur eine Audiodatei, sondern beeinflusst Timing, Szenenlänge und Schnitt.

Diese Verbindung der Schritte ist der eigentliche Wert. mint automatisiert nicht blind alles, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess so, dass Mensch und Agent sinnvoll zusammenarbeiten. Der Agent übernimmt Aufgaben, der Mensch behält Regie, Kontrolle und Freigabe.

Datenschutz und Datensicherheit sind bei KI ein großes Thema. Wie positioniert sich mint in diesem Bereich?

Datenschutz und Datensicherheit sind für uns zentral, weil mint mit Briefings, Skripten, Markenmaterialien, Referenzen und teilweise sensiblen Unternehmensinhalten arbeitet. Wir haben schon mit creamAI konsequent auf eine europäische Ausrichtung gesetzt und führen das mit mint weiter.

Unsere Infrastruktur ist auf deutsche und europäische Anforderungen ausgerichtet. Unsere Server stehen in Deutschland, und für textbasierte KI-Prozesse setzen wir auf Sprachmodelle mit europäischen Serverstandorten, etwa über große Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon. Dazu kommen vertragliche und technische Schutzmaßnahmen wie Auftragsverarbeitungsverträge, Zero-Data-Retention-Optionen und eine klare serverseitige Verwaltung von Zugangsdaten.

Wichtig ist mir dabei die ehrliche Einordnung: Der sensible Kern – Briefings, Skripte, Markenmaterial – bleibt in der europäischen Umgebung. Bei der reinen Videogenerierung gibt es im europäischen Markt aktuell noch keine Konkurrenz zu den stärksten internationalen Modellen. Wer heute hochwertige KI-Videos produzieren will, kommt an bestimmten amerikanischen oder asiatischen Modellen wie Seedance und Kling leider kaum vorbei.

Und schließlich unsere eigene Produktentwicklung: Unser Produkt- und Entwicklungsteam sitzt in München. Bei der Kernentwicklung arbeiten wir nicht mit Near- oder Offshoring-Strukturen. Das gibt uns mehr Kontrolle über Code, Architektur und Sicherheitsprozesse.

mint ist Teil des Hub Potsdam. Welche Impulse erhalten Sie dort für die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Der MediaTech Hub Potsdam bietet genau das Netzwerk, das wir als junges Unternehmen in dieser Phase brauchen. Relevante Kontakte, ehrliches Feedback, Zugang zu Unternehmen und einen starken Austausch mit Menschen, die Medien, Technologie und Unternehmertum verstehen.

In den letzten Wochen und Monaten sind über den Hub viele spannende Gespräche entstanden. Manche Kontakte haben uns durch Feedback weitergebracht, andere haben konkrete Projektideen oder Pilotmöglichkeiten eröffnet. Gerade bei einem Produkt wie mint ist es wichtig, die Idee immer wieder mit dem Markt zu spiegeln und nicht nur im eigenen Team weiterzuentwickeln.

Für uns hilft der Hub, schneller zu lernen, klarer zu kommunizieren und die richtigen nächsten Schritte zu priorisieren.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell beim Wachstum von mint?

Wir befinden uns im Übergang von einer geschlossenen Beta hin zu einer offeneren Beta-Phase mit ersten Pilotkunden. Wir führen aktuell rund fünf Gespräche pro Woche. Nachfrage und Feedback sind sehr positiv – gleichzeitig müssen Produktentwicklung, Sales, Onboarding und Kundenfeedback sauber zusammenlaufen.

Eine der größten Herausforderungen ist Fokus. Wenn man mit vielen potenziellen Kunden spricht, entstehen schnell viele gute Ideen und Wünsche. Als Gründer muss man genau zuhören, aber gleichzeitig entscheiden, welche Themen wirklich zum Kernprodukt gehören und welche später kommen.

Für die nächsten Monate ist mir deshalb besonders wichtig, viele Kunden persönlich zu onboarden. Ich will genau verstehen, wo die tatsächlichen Pain Points liegen, welche Workflows im Alltag entstehen und an welchen Stellen mint den größten Hebel hat. Dieses direkte Feedback ersetzt keine Produktstrategie, aber es macht sie deutlich besser.

Welche Bedeutung hat der Austausch mit anderen Startups und Technologieunternehmen im Hub Potsdam für Ihr Unternehmen?

Der Austausch ist sehr wichtig, weil viele Gründer vor ähnlichen Fragen stehen – auch wenn die Produkte unterschiedlich sind. Go-to-Market, Finanzierung, Teamaufbau, Produktfokus, Vertrieb, Pilotkunden, Partnerschaften: Bei all dem helfen konkrete Erfahrungen anderer Unternehmen enorm.

Besonders wertvoll ist die Praxisnähe. Man hört nicht nur theoretische Ratschläge, sondern echte Erfahrungen: Was hat funktioniert, was hat Zeit gekostet, welche Fehler würde jemand nicht noch einmal machen. Solche Gespräche beschleunigen den eigenen Lernprozess spürbar.

Auch die Coaches und das Umfeld des Hubs geben uns einen positiven Push. Sie helfen, Annahmen zu hinterfragen, die eigene Positionierung zu schärfen und schneller in Richtung Markt zu denken.

Welche Entwicklungen und Funktionen stehen bei mint in den kommenden Monaten auf der Roadmap?

Ein wichtiger Bereich ist Dubbing. Wir möchten es ermöglichen, produzierte Filme deutlich einfacher in andere Sprachen zu übertragen – idealerweise mit konsistenter Stimme und minimalem manuellem Aufwand. Für Unternehmen, die Inhalte international ausspielen, ist das ein großer Hebel.

Außerdem optimieren wir die Produktionsworkflows weiter. Schon heute entstehen kurze Erklärfilme mit sehr geringer Netto-Produktionszeit – also der Zeit, die ein Kollege wirklich aktiv an der Produktion mitwirkt. Spannend wird es vor allem bei Formaten, die in größerer Stückzahl entstehen – etwa Microdramas, Schulungsinhalte, Produktvideos oder Social-Formate. Hier geht es nicht um einen einzelnen Film, sondern um skalierbare Produktionslogik.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der bereits vorhandenen umfassenden agentischen Fähigkeiten. Nutzer können unserem Agenten erklären, was sie erreichen möchten. mint leitet daraus die passenden Produktionsschritte ab und zeigt trotzdem transparent, was passiert.

Zusätzlich arbeiten wir an speziellen Workflows für HR, Learning und interne Wissensvermittlung. Ein Beispiel: einfache Screencasts oder Rohaufnahmen von Mitarbeitenden, die automatisch strukturiert, gestalterisch verbessert und in hochwertige Trainings- oder Erklärvideos überführt werden. Viele Unternehmen haben intern enorm viel Wissen, aber zu wenig Zeit, daraus gute Inhalte zu machen. Genau hier kann mint einen großen Unterschied machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein Startup im KI-Bereich aufbauen möchten?

Baut nicht nur eine dünne Funktion um ein Large Language Model herum. Die Entwicklungsgeschwindigkeit im KI-Bereich ist enorm. Was heute wie ein Produkt wirkt, kann morgen eine Standardfunktion in einem größeren Modell sein. Prüft deshalb kritisch, ob ihr wirklich ein relevantes Problem löst oder nur eine kurzfristige technische Lücke nutzt.

Sucht euch einen Use Case mit echter Tiefe. Je stärker ein Produkt in reale Prozesse, Workflows, Daten, Nutzergewohnheiten und Fachlogik eingebettet ist, desto schwieriger ist es zu kopieren.

Bleibt extrem nah am Kunden. Gerade im KI-Bereich ändern sich Technologie, Erwartungen und Möglichkeiten sehr schnell. Man muss schnell bauen – aber noch schneller lernen. Kundenfeedback ist Gold wert, solange man nicht blind jedem Wunsch hinterherläuft. Idealerweise erkennt man Muster, nutzt diese für eine konsequente Weiterentwicklung des Produkts und verliert dabei die eigene Vision nicht aus den Augen.

Bild: AI generated by creamlabs AI GmbH

Wir bedanken uns bei Jacques Alomo für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Halleluja Sauna im Interview: Vom Schreinerbetrieb zur Millionen-Wellnessmarke

0
Halleluja Sauna: Longevity, Regeneration und Sauna Simon Bauer

Nach einem schweren Schicksalsschlag erfanden drei Brüder den traditionellen Familienbetrieb völlig neu: Mit Halleluja Sauna revolutioniert das junge Unternehmen den klassischen Saunabau und etabliert ein patentiertes Longevity-System, das Regeneration und High-Tech-Therapie direkt in den Alltag bringt.

Können Sie Halleluja Sauna kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem traditionsreichen Schreinerbetrieb ein Unternehmen für Longevity und Regeneration entstanden ist?

Halleluja Sauna ist aus einer klassischen Schreinerei entstanden. Allerdings nicht aus einer Geschäftsidee von drei Brüdern, sondern aus einem persönlichen Schicksalsschlag, den wir als Kinder erlebten. Nach dem schweren Unfall unseres Vaters hat sich unser Fokus komplett verändert. Plötzlich ging es nicht mehr darum, schöne Designermöbel zu bauen, sondern um eine viel grundlegendere Frage: Was braucht ein Mensch, um wieder mehr Lebensenergie, Regeneration und Lebensfreude zu gewinnen?

Mit dieser Frage haben wir uns über Jahre intensiv beschäftigt. Was heute unter dem Begriff Longevity bekannt ist, war für uns damals ein sehr persönlicher Antrieb. Aus dieser Suche ist schließlich die Halleluja Sauna entstanden.

Sie haben den Familienbetrieb übernommen und daraus ein Unternehmen mit Millionenumsatz aufgebaut. Welche Entscheidungen waren auf diesem Weg besonders entscheidend?

Für mich waren drei Dinge entscheidend. Erstens: ein Produkt zu entwickeln, das einen so klaren Nutzen bietet, dass Kunden nicht lange überlegen müssen. Wenn der Mehrwert offensichtlich ist, dann wird auch die Kaufentscheidung deutlich einfacher.

Zweitens: das richtige Team. Wir haben Menschen zusammengebracht, die nicht nur fachlich stark sind – von Produktentwicklung über deutsches Präzisionshandwerk bis hin zu Marketing und Vertrieb –, sondern die alle dieselbe Leidenschaft teilen. Wir wollen alle etwas Außergewöhnliches schaffen.

Und drittens hatten wir von Anfang an ein klares Ziel: Wir wollten nicht einfach eine gute Sauna bauen, sondern die beste Sauna der Welt. Dieses Ziel prägt bis heute jede unserer Entscheidungen im Unternehmen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Halleluja Sauna, und warum sind Sie überzeugt, dass Longevity alltagstauglich werden muss?

Unser Alltag ist heute schneller und intensiver als je zuvor. Stress ist nicht das Problem, aber Dauerstress ist es. Deshalb brauchen wir Orte und Routinen, an denen sich Körper und Nervensystem wirklich erholen können.

Genau das verstehen wir unter Longevity: kein Luxus-Wellness für wenige, sondern Regeneration als festen Bestandteil des Alltags. Wer dauerhaft leistungsfähig sein möchte, muss seinem Körper auch regelmäßig die Möglichkeit geben, sich zu erholen. Für uns ist das niemals ein Wellness-Trend gewesen, sondern ein Grundbedürfnis.

Mit Halleluja Sauna haben Sie nach eigener Aussage die weltweit erste konsequent auf Longevity ausgerichtete Sauna entwickelt. Was macht Ihr Konzept so besonders?

Die positiven Effekte des Saunierens werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Aus unserer Sicht liegt das eigentliche Problem aber nicht in der Sauna selbst, sondern darin, dass viele Menschen sie kaum nutzen. Jeder kennt jemanden, dessen Sauna daheim irgendwann zum Abstellraum geworden ist.

Deshalb haben wir nicht einfach eine weitere Sauna gebaut. Unser Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das sich leicht in den Alltag integrieren lässt und dadurch regelmäßig genutzt wird. Denn nur was regelmäßig genutzt wird, kann langfristig Teil einer Longevity-Routine werden. Genau darin sehen wir den entscheidenden Unterschied unseres Konzepts.

Ihre Sauna vereint sieben Therapieformen in einem patentierten System. Welche Vorteile bietet diese Kombination für die tägliche Anwendung?

Wir sprechen intern bewusst von sieben aufeinander abgestimmten Regenerationsmodulen und nicht von Therapieformen. Der entscheidende Unterschied liegt für uns nicht in der Anzahl der Funktionen, sondern darin, wie sie zusammenspielen und einen klaren Rückzugsort für Körper und Geist schaffen.

Der größte Vorteil im Alltag ist die Einfachheit. Statt verschiedene Geräte oder Anwendungen zu kombinieren, startet der Nutzer mit wenigen Handgriffen seine persönliche Regenerationsroutine. Dadurch wird die Hürde, die Sauna regelmäßig zu nutzen, deutlich kleiner.

Genau diese Regelmäßigkeit ist für uns entscheidend. Ein System ist nur dann wirklich wertvoll, wenn es sich dauerhaft und unkompliziert in den Alltag integrieren lässt. Deshalb entwickeln wir unsere Regenerationsmodule auch kontinuierlich weiter.

An welche Zielgruppen richtet sich Halleluja Sauna hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Produkt erfüllen?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die verstanden haben: Für das eigene Wohlbefinden und die eigene Regeneration muss man selbst Verantwortung übernehmen.

Dazu gehören Menschen, die einen Ausgleich zu einem anspruchsvollen Alltag suchen, genauso wie Profisportler, Unternehmer und Führungskräfte, die Regeneration fest in ihre Routine integrieren. Gleichzeitig arbeiten wir mit Ärzten, Osteopathen, Physiotherapeuten, Gesundheitskliniken und Premium-Wellnesshotels zusammen. Und wir erleben, dass auch viele Familien – insbesondere Mütter – sich einen Ort wünschen, an dem sie im hektischen Alltag bewusst abschalten und neue Energie tanken können.

Am Ende verbindet all diese Menschen ein gemeinsames Bedürfnis: Sie wollen Regeneration einfach und regelmäßig in ihren Alltag integrieren. Genau dafür haben wir die Halleluja Sauna entwickelt.

Während viele Longevity-Anbieter auf Kliniken, Diagnostik oder Abonnements setzen, verfolgt Halleluja Sauna einen anderen Ansatz. Warum haben Sie sich bewusst für ein physisches Produkt entschieden?

Wir glauben an einfache Lösungen. Die beste Longevity-Strategie bringt nichts, wenn sie im Alltag nicht umgesetzt wird.

Deshalb haben wir ein Produkt entwickelt, das Regeneration unkompliziert zu Hause möglich macht. Gute Gewohnheiten entstehen leichter, wenn die Hürde möglichst gering ist. Das ist für uns der entscheidende Hebel.

Unsere Sauna ist kein Ersatz für Diagnostik oder medizinische Betreuung, sondern eine sinnvolle Ergänzung für den Alltag. Genau deshalb nutzen sie auch viele Ärzte selbst privat – weil sie so Regeneration regelmäßig und ohne großen Aufwand in ihr Leben integrieren können.

Sie entwickeln und fertigen Ihre Produkte selbst und setzen gleichzeitig auf KI-gestützte Prozesse. Welche Rolle spielen Innovation und eigene Produktion für den Erfolg von Halleluja Sauna?

Innovation gepaart mit hoher Geschwindigkeit spielt eine sehr große Rolle. Sauna wurde 150 Jahre lang nicht weitergedacht. Genau wie das Telefonieren mit Nokia – bis Apple kam. Genau so ist es bei uns. Wir wollen nicht starr sein und Recht behalten, was wir tun – wir hinterfragen uns täglich, was anders und besser sein muss.

KI unterstützt uns dabei, schnell und kosteneffizient unsere Produkte und unser Unternehmen weiter zu entwickeln. Schließlich geht es um den Nutzen für unsere Kunden. Das steht im Mittelpunkt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Premium-Marke in einem internationalen Wachstumsmarkt, der von bekannten Unternehmen aus den USA geprägt wird?

Die größte Herausforderung ist nicht die Konkurrenz aus den USA. Es ist die eigene Geschwindigkeit. Wachstum gelingt nur, wenn man die richtigen Menschen für sein Team gewinnt. Diese Menschen müssen fachlich stark sein, aber vor allem zur Unternehmenskultur passen und die eigenen Werte teilen.

Genauso wichtig ist es, innovativ zu bleiben. Wer eine Premium-Marke aufbauen will, darf sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Man muss sich ständig weiterentwickeln und jeden Tag ein Stück besser werden. Genau das treibt uns an.

Halleluja Sauna hat bereits Kunden aus Wirtschaft, Sport und Unterhaltung gewonnen. Wie wichtig sind solche Referenzen für die weitere Entwicklung Ihres Unternehmens?

Solche Referenzen sind für uns kein Name-Dropping, sie bestätigen uns in unserem Tun. Wenn sich Menschen, die aus vielen Angeboten wählen können, ganz bewusst für uns entscheiden, zeigt das, dass sie von unserer Qualität überzeugt sind.

Trotzdem bauen wir nicht für prominente Namen, sondern für Menschen mit hohen Ansprüchen. Die Referenzen sind deshalb einfach das Ergebnis guter Arbeit.

Welche nächsten Produktentwicklungen und Wachstumsziele stehen bei Halleluja Sauna aktuell im Fokus?

Die neueste Entwicklung ist erst wenige Tage alt und heißt Halleluja Genesis. Mit der Genesis haben wir eine Longevity Sauna gebaut, die finnische Saunakultur und modernste Infrarot-Technologie vereint.

Außerdem haben wir unsere sieben Regenerationsmodule um ein weiteres ergänzt. So findet sich jetzt ein Ionisator in der Halleluja Genesis. Über eine Million Ionen pro cm³ sorgen für ein Gefühl von frischer Luft, wie man es beispielsweise vor einem Wasserfall kennt.

Ein völlig neuer Ansatz, der gerade auch vom Fraunhofer-Institut erforscht wird. Dort wird Raumluft-Ionisation zur Bekämpfung von Viren getestet und die Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

Uns ist die Kombination aus traditioneller Handwerkskunst in unserer Manufaktur und modernster Forschung und Innovation, die in unsere Produkte einfließt, ein großes Anliegen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Familienunternehmen übernehmen und mit einer innovativen Idee erfolgreich neu ausrichten möchten?

  1. Bewahre den Kern, aber hinterfrage alles. Respektiere das Lebenswerk der Generation vor dir, aber verstecke dich nicht dahinter. Die Werte dürfen bleiben, die Art, wie ihr sie lebt, muss sich weiterentwickeln.
  2. Denk groß und habe den Mut, sichtbar zu sein. Die meisten setzen sich zu kleine Ziele oder geben beim ersten Gegenwind auf. Wenn du von deiner Idee überzeugt bist, steh dafür ein, auch wenn nicht jeder in deinem Umfeld sie sofort versteht.
  3. Professionalisiere dein Unternehmen, aber verliere nie deine Seele. Nutze Daten, Prozesse und KI, wo sie sinnvoll sind. Investiere in die richtigen Menschen und lerne zu verkaufen. Denn am Ende kaufen Menschen nicht nur ein Produkt, sie kaufen Vertrauen. Und das entsteht durch Persönlichkeit, Qualität und echte Leidenschaft.

Bildcredits Halleluja Sauna

Wir bedanken uns bei Simon Bauer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

329 Täter überführt: Wie echte Chaterfahrungen die Kinderschutz-App ChildSaver prägten

0
ChildSaver: Kinderschutz vor Grooming Gründer Frederic Dluzinski

Ein digitaler Frühwarner für das Smartphone, der anschlägt, bevor es zu spät ist: Der Gründer von ChildSaver im Interview über den schmalen Grat zwischen Kinderschutz und Privatsphäre und warum klassische Überwachungs-Apps oft scheitern

Können Sie ChildSaver kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

ChildSaver ist eine Kinderschutz-App für Android. Sie läuft offen auf dem Handy des Kindes, mit dessen Wissen, und warnt Eltern früh, wenn im Chat etwas Gefährliches passiert: Anzeichen von Grooming, Mobbing, Hassrede oder Selbstgefährdung. Entstanden ist die Idee aus meiner Arbeit als Streamer BodenlosTV. Seit November 2024 gebe ich mich in sozialen Netzwerken als Kind aus, um Erwachsene zu erkennen, die an Kindern sexuelle Straftaten begehen wie bspw. Grooming und übergebe die Fälle der Polizei. So habe ich bis heute 329 Täter überführt und der Polizei übergeben. Teilweise haben die Medien auch darüber berichtet, wie im Januar diesen Jahres. In hunderten dieser Chats lief immer das gleiche Muster ab. Ich habe gesehen, wie ein Täter Vertrauen aufbaut, wie er Grenzen langsam verschiebt, welche Sätze kurz vor der Gefahr fallen. Dieses Wissen steckt heute in ChildSaver, damit Eltern solche Muster erkennen können, bevor es zu spät ist.

Welche Vision verfolgen Sie mit ChildSaver, und wie möchten Sie Familien im digitalen Alltag langfristig unterstützen?

Meine Vision ist ein Kinderschutz, der warnt, ohne zu bespitzeln. Eltern sollen nicht heimlich mitlesen. Sie sollen rechtzeitig einen Hinweis bekommen, wenn wirklich etwas Ernstes passiert, und dann mit ihrem Kind reden können. Langfristig soll ChildSaver mit den Gefahren mitwachsen, also mit neuen Plattformen, neuen Maschen und neuen Formen von Druck auf Kinder. Wir wollen der ruhige Frühwarner im Hintergrund sein, der Familien Sicherheit gibt, ohne das Vertrauen zwischen Eltern und Kind zu zerstören.

An welche Zielgruppen richtet sich ChildSaver hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie mit Ihrer Lösung lösen?

ChildSaver richtet sich an Eltern von Kindern und Jugendlichen, die ein eigenes Smartphone haben. Das Problem dahinter: Kein Elternteil kann jeden Chat mitlesen, und die meisten wollen das auch gar nicht. Trotzdem passieren Grooming, Mobbing und Übergriffe genau dort, wo Eltern nicht hinschauen. Diese Lücke schließen wir. Die App meldet die Gefahr, nicht den harmlosen Alltag des Kindes.

Viele Eltern wünschen sich mehr Sicherheit für ihre Kinder, möchten sie aber nicht permanent überwachen. Wie gelingt ChildSaver dieser Spagat?

Zwei Dinge machen das möglich: Offenheit und Datensparsamkeit. Das Kind weiß, dass die App läuft, es gibt keine versteckte Spionage. Und Eltern sehen nicht den ganzen Chatverlauf. Die App schlägt nur an, wenn sie ein echtes Risiko erkennt, alles andere bleibt privat. So haben Eltern im Ernstfall ein Auge darauf, ohne ihr Kind rund um die Uhr zu kontrollieren.

Was macht ChildSaver aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Kinderschutz- oder Monitoring-Apps?

Klassische Monitoring-Apps arbeiten oft heimlich und zeigen Eltern möglichst viel, vom Standort über alle Nachrichten bis zu Screenshots. Das ist Überwachung. Wir wollten das Gegenteil. ChildSaver ist offen, speichert keine Bilder und zeigt nicht alles, sondern nur den einen Moment, auf den es ankommt: eine erkannte Gefahr. Und unsere Erkennung stammt nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis, aus tausenden echten Chats mit Tätern.

Ihre Lösung erkennt Risiken wie Cybergrooming, Cybermobbing oder Hate Speech. Welche Rolle spielt dabei die lokale Analyse direkt auf dem Gerät?

Die erste Erkennung passiert direkt auf dem Gerät des Kindes. Das hat zwei Gründe. Der eine ist Datenschutz: Bild- und Videoinhalte verlassen das Gerät nicht, sie werden dort eingeordnet, und Eltern bekommen nur einen Texthinweis, niemals das Bild selbst. Der andere ist Tempo, die App kann sofort reagieren. Schwierigere Fälle laufen zusätzlich über eine abgeschottete Prüfung. Wichtig ist mir dabei: Die App macht auf Anzeichen aufmerksam, gerade bei einem sensiblen Thema wie Selbstgefährdung, damit Eltern das Gespräch suchen oder fachliche Hilfe holen können. Sie behandelt nichts und ersetzt keine Fachstelle.

Datenschutz und Privatsphäre sind gerade bei Kindern besonders wichtig. Wie stellt ChildSaver sicher, dass Schutz und Privatsphäre im Gleichgewicht bleiben?

Datenschutz bauen wir von Anfang an ein, nicht nachträglich. Standortdaten und die auf dem Kindergerät erkannten Risiko-Hinweise, also Auslöser und Kontext, sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Lesbar werden sie erst im Browser der Eltern, mit einem Schlüssel, der das Gerät der Eltern nie verlässt. Bilder speichern wir grundsätzlich nicht. Für die Texterkennung werden Sprachnachrichten kurz verarbeitet, das sagen wir offen dazu. Überhaupt ist mir wichtig, klar zu benennen, was verschlüsselt ist und was nicht, statt pauschal alles als sicher zu verkaufen. Gerade bei Kindern ist das Pflicht.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Technologie, die sowohl technisch zuverlässig als auch gesellschaftlich akzeptiert sein soll?

Technisch ist das Schwerste, echte Gefahr von harmlosem Alltag zu trennen. Ein Fehlalarm zu viel, und Eltern verlieren das Vertrauen. Ein übersehener Fall, und der Schutz greift genau dann nicht, wenn er zählt. Gesellschaftlich ist die größte Hürde die Angst vor Überwachung, die viele zu Recht haben. Meine Antwort darauf ist immer die gleiche: offen arbeiten, wenig Daten sammeln, und klarmachen, dass die App warnt und nicht ausspioniert.

Digitale Gefahren verändern sich ständig. Wie entwickelt ChildSaver seine Plattform weiter, um auf neue Risiken reagieren zu können?

Digitale Gefahren ändern sich ständig, also lernt unsere Erkennung ständig mit. Durch meine tägliche Arbeit an der Front sehe ich sehr früh, welche neuen Maschen Täter fahren, auf welche Plattformen sie ausweichen und wie sich ihre Sprache verändert. Das fließt direkt in die App zurück. Dadurch bleibt ChildSaver nah an dem, was wirklich passiert, statt einem starren Regelwerk zu folgen, das schnell veraltet.

Welche nächsten Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei ChildSaver aktuell im Fokus?

Gerade machen wir die Erkennung über noch mehr Apps und Situationen hinweg zuverlässiger und erklären Eltern die Meldungen so verständlich wie möglich. Parallel bauen wir den Schutz davor aus, dass die App unbemerkt abgeschaltet wird. Und wir arbeiten an der offiziellen Verfügbarkeit über den Google Play Store, damit Einrichtung und Updates für Eltern einfacher werden.

Wie sehen Sie die Zukunft des digitalen Kinderschutzes, und welche Rolle soll ChildSaver dabei langfristig übernehmen?

Ich glaube, digitaler Kinderschutz bewegt sich weg von der Rundum-Überwachung, hin zur gezielten Warnung im Ernstfall. Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre, Eltern ein Recht auf Sicherheit. Bei richtig gebauter Technik ist beides möglich. ChildSaver soll das Werkzeug sein, das diesen Mittelweg gangbar macht: im Alltag zurückhaltend, im Ernstfall unterstützend, und immer als Ergänzung zu Polizei und Fachstellen, nicht als Ersatz.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit ihrer Technologie einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen möchten?

Erstens: Bau aus echter Erfahrung, nicht aus Annahmen. ChildSaver ist praxisnah, weil die App aus tausenden realen Fällen entstanden ist und nicht aus einer Idee am Schreibtisch.

Zweitens: Sei ehrlich, gerade bei sensiblen Themen. Versprich nichts, was du nicht halten kannst, und sag offen, wo deine Lösung an Grenzen stößt.

Drittens: Halte durch. Gesellschaftlich wichtige Probleme sind selten schnell gelöst, und der Gegenwind ist größer als bei einer reinen Geschäftsidee. Aber die Fälle, die man dadurch verhindert, sind jede Mühe wert.

Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Frederic Dluzinski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

ver.di und Google vergeben 500 kostenlose KI-Stipendien zur Google Summer Academy 2026

0
Eine junge Angestellte arbeitet fokussiert am Laptop in einem hellen Büro an einer KI-Weiterbildung der Google Summer Academy 2026.
Eine junge Angestellte arbeitet fokussiert am Laptop in einem hellen Büro an einer KI-Weiterbildung der Google Summer Academy 2026.

Neue Bildungsallianz gegen den Fachkräftemangel: ver.di und Google starten exklusive KI-Qualifizierung

Berlin, 13. Juli 2026 – Pünktlich zum Start der diesjährigen „Google Summer Academy 2026“ am 27. Juli baut die Google Zukunftswerkstatt ihre strategische Partnerschaft mit dem ver.di Mitgliederservice grundlegend aus. Im Zuge dieser erneuerten Allianz vergeben die Partner im ersten Schritt 500 vollfinanzierte Stipendien exklusiv an Gewerkschaftsmitglieder. Das Programm ermöglicht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne technologische Vorkenntnisse einen barrierefreien Zugang zu international anerkannten Zertifikaten, um die rasante Disruption durch generative Künstliche Intelligenz im eigenen Arbeitsalltag aktiv mitzugestalten.

Key Takeaways

  • Google und ver.di erweitern ihre Partnerschaft mit 500 Stipendien für Gewerkschaftsmitglieder zur Google Summer Academy 2026.
  • Das Programm fördert lebenslanges Lernen mit Kursen zu KI, Datenanalyse und agilen Methoden.
  • Die Summer Academy 2026 bietet vom 27. Juli bis 14. August 2026 kostenlose Webinare für alle Interessierten an.
  • Zielgruppen sind KMU, Gründer, Privatpersonen und ver.di-Mitglieder, mit Fokus auf praxisnahe Weiterbildung.
  • Anmeldungen sind über die Website goo.gle/SummerAcademy26 möglich.

Der technologische Wandel in deutschen Büros und Betrieben hat sich durch generative KI dramatisch beschleunigt. Doch während Großkonzerne eigene Schulungsprogramme aufsetzen, stehen Arbeitnehmer im Mittelstand und im Dienstleistungssektor oft vor einer unüberwindbaren Hürde: dem Mangel an barrierefreien, praxisnahen Weiterbildungsangeboten. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Kooperation zwischen Google und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) an. Sie wollen KI-Kompetenz aus der Elitennische direkt in die Breite der Belegschaften tragen.

Google Summer Academy Lebenslanges Lernen als Schutz vor digitaler Deklassierung

Im Gegensatz zu akademischen Langzeitfortbildungen setzt das Programm auf das Modell der „Career Certificates“ auf Coursera. Kernstück ist das neu konzipierte AI Professional Certificate, das Kernkompetenzen im Bereich Prompt-Engineering, Datenanalyse und agile Arbeitsmethoden vermittelt. Dass Gewerkschaften hierbei eine tragende Rolle einnehmen, ist kein Zufall. Die Transformation der Arbeitswelt gelingt nur, wenn Arbeitnehmer nicht nur passiv zuschauen, sondern technologische Werkzeuge eigenständig beherrschen.

„Künstliche Intelligenz ist Chance und Herausforderung für die Wirtschaft zugleich – und zwar für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen. Mit diesem Angebot geben wir unseren Mitgliedern das passende Werkzeug an die Hand, um sich frühzeitig Schlüsselkompetenzen anzueignen und ihre Rolle im Betrieb aktiv zu sichern.“ — Holger Kloft, Geschäftsführer des ver.di Mitgliederservice

Drei Wochen Digitaloffensive für die breite Öffentlichkeit

Parallel zur exklusiven Gewerkschaftskooperation öffnet Google vom 27. Juli bis zum 14. August 2026 das virtuelle Klassenzimmer der Summer Academy 2026 für alle Interessierten. Über 20 kostenlose Live-Webinare richten sich gezielt an Freiberufler, KMU-Inhaber und Privatpersonen. Das Kursportfolio reicht von technologischen Schwerpunkten wie „SEO-Optimierung mittels KI“ und dem kollaborativen Arbeiten mit „Google NotebookLM“ bis hin zu praxisorientierten Business-Kursen für Gründer.

„Die digitale Transformation schreitet rasant voran. KI-Kompetenzen sind heute kein optionales Extra mehr, sondern der zentrale Schlüssel für beruflichen Erfolg. Wir müssen den Zugang zu diesem Wissen demokratisieren, um die Zukunft der Arbeit gemeinsam und zukunftssicher zu gestalten.“ — Philipp Justus, VP Zentraleuropa bei Google

Kompakt: Google Summer Academy 2026

  • Zeitraum: 27. Juli bis 14. August 2026 (Online-Live-Webinare)
  • Zielgruppe: KMU, Gründer, Privatpersonen, ver.di-Mitglieder
  • Highlights: KI-Prompting, NotebookLM, KI-gestütztes SEO, LinkedIn-Branding
  • Anmeldung: Webinare über goo.gle/SummerAcademy26
  • Stipendium: Bewerbung für ver.di-Mitglieder auf dem ver.di-Mitgliederserviceportal
Wer kann an der Google Summer Academy 2026 teilnehmen?

Die Webinare der Google Summer Academy stehen vom 27. Juli bis zum 14. August 2026 allen interessierten Privatpersonen, KMU und Gründern komplett kostenlos offen. Eine Anmeldung ist unkompliziert über den offiziellen Google-Shortlink möglich.

Wie erhalten ver.di-Mitglieder eines der 500 kostenlosen Google-Stipendien?

Mitglieder der Gewerkschaft ver.di können sich direkt über das Portal des ver.di Mitgliederservice für eines der 500 Stipendien bewerben. Diese ermöglichen einen flexiblen, kostenfreien Zugang zu berufsqualifizierenden Google Career Certificates auf Coursera.

Foto/Quelle: GamePixel

LegalTech-Startup Justima: Osborne Clarke gründet KI-Agenten-Plattform aus

0
Justima: KI für Unternehmen im Monitoring Bild Christian Braun, Alexander Lilienbeck, Gereon Abendroth v.l.n.r Credit: Justima

Um die Flut an europäischen Gesetzesänderungen für Unternehmen beherrschbar zu machen, geht die renommierte Kanzlei Osborne Clarke neue Wege: Das KI-native Spin-off Justima automatisiert das regulatorische Monitoring mithilfe von intelligenten KI-Agenten und setzt schon zum Start auf namhafte Kunden wie Condor und Autodoc

Können Sie Justima kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Ausgründung aus Osborne Clarke entstanden ist?

Alexander Lilienbeck: Wir automatisieren mit KI-Agenten das laufende Monitoring europäischer Regulierung für Rechts- und Compliance-Abteilungen. Unsere Systeme durchsuchen täglich hunderte Rechts- und Regulierungsquellen und filtern für jedes Unternehmen genau die Änderungen heraus, die für das jeweilige Geschäftsmodell relevant sind und erläutern die individuellen Anknüpfungspunkte.

Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Wir haben immer wieder erlebt, wie viel Zeit Mandanten, und auch wir selbst, damit verbringen, europäische Gesetzesänderungen lückenlos zu verfolgen, und wie teuer es wird, wenn eine relevante Änderung übersehen wird. Gleichzeitig gibt es nur selten Prozesse in den Unternehmen, wie das strukturiert abläuft. Meist informiert sich jeder selbst über Linkedin und Newsletter. Irgendwann stand für uns fest: Dieses Problem lässt sich mit KI deutlich besser lösen als mit noch mehr manueller Recherche. Daher haben wir entschieden, Justima zu gründen. Osborne Clarke ist als Kanzlei seit Jahren bekannt für die Beratung zu regulatorischen Themen und hoch aktueller Gesetzgebung. Außerdem ist die Kanzlei seit jeher neuen Technologien super aufgeschlossen.

Osborne Clarke blickt auf eine über 250-jährige Geschichte zurück. Warum hat sich die Kanzlei entschieden, mit Justima bewusst das eigene Geschäftsmodell anzugreifen?

Gereon Abendroth: Weil wir den Wandel lieber aktiv gestalten, als ihn passiv über uns ergehen zu lassen. Osborne Clarke ist sowohl im Regulatory-Bereich als auch im KI-Engineering schon länger stark aufgestellt, mit Justima bringen wir beides zusammen. Für unsere Mandanten heißt das: Überall dort, wo sich ein Problem mit KI lösen lässt, lösen wir es mit KI. Unsere Anwältinnen und Anwälte können sich so noch stärker fokussieren und kommen dort ins Spiel, wo es um Bewertung, Erfahrung und Einordnung geht, also genau dort, wo menschliches Urteilsvermögen zählt.

Zudem ist das auch eine Reaktion auf die berechtigten Erwartungen der Mandanten: Der Aufwand für regulatorisches Monitoring wächst branchenübergreifend, und Unternehmen erwarten zu Recht, dass KI ihnen einen wachsenden Teil dieser Basisarbeit abnimmt.

Welche Vision verfolgen Sie mit Justima, und wie möchten Sie das regulatorische Monitoring für Unternehmen langfristig verändern?

Alexander Lilienbeck: Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, vertikale KI zu bauen, also Systeme, die Fachexpertise fest in den Produkt-Workflow einbauen, statt sie bei jeder Anfrage neu in ein generalistisches Modell hineinzuformulieren. Der Anspruch für uns ist klar: Mandanten sollen nicht zu Anwaltsstundensätzen für Tätigkeiten zahlen, die Software zuverlässig erledigen kann. Mit Justima lässt sich der ganze Prozess zudem audit-sicher gestalten.

Langfristig wollen wir auch international wachsen: Unternehmen außerhalb Deutschlands, die europäische Regulierung im Blick behalten müssen, sollen dafür künftig Justima nutzen können, statt jeweils kleine Teams in den Märkten aufzubauen, in denen sie operieren.

Welche Herausforderungen lösen Sie für Ihre Kunden, und warum gewinnt automatisiertes regulatorisches Monitoring gerade jetzt an Bedeutung?

Alexander Lilienbeck: Rechtsmonitoring ist für viele Unternehmen ein Pain Point. Gleichzeitig wächst die Zahl relevanter Vorgaben kontinuierlich. Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass der Umfang der Regulierung in den letzten knapp 15 Jahren über 30 Prozent zugenommen hat. Die Einstellung neuer Anwälte in Rechtsabteilungen ist hingegen nicht gewachsen. Wird eine Regulierungslücke jedoch erst spät im Unternehmen erkannt, entstehen daraus schnell operative und finanzielle Belastungen. Die vorschnelle Änderung von Produktfeatures oder Verzögerungen in der Entwicklung sind Kosten von versäumtem Compliance-Monitoring. Unser Versprechen ist, dass keine geschäftskritische Änderung übersehen wird.

Gleichzeitig verbringen Compliance-Teams enorm viel Zeit mit manueller Recherche, die nicht ihrer eigentlichen juristischen und strategischen Expertise entspricht. Genau diese Zeit wollen wir ihnen zurückgeben. Der eigentliche Engpass ist heute nicht mehr der Zugang zu Informationen, sondern die Frage, was davon für das eigene Unternehmen wirklich relevant ist und genau diese Vorsortierung lösen wir.

Justima setzt konsequent auf KI-Agenten und verzichtet auf ein klassisches CRM-System. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?

Christian Braun: Ein klassisches CRM ist auf manuelle Dateneingabe und starre Vertriebsprozesse ausgelegt. Das passt nicht zu unserem Selbstverständnis als KI-natives Unternehmen. Unsere Agenten erfassen und pflegen Kundeninformationen automatisiert im Kontext des jeweiligen Workflows. Wenn wir über neue Features brainstormen oder technische Lösungen durchdenken, lassen wir die KI bei Vertrieb und Preisgestaltung mithören oder über besondere Kundenwünsche sowie gutes und schlechtes Feedback debattieren. Das wird natürlich alles kondensiert, aber steht dann als Kontext zur Verfügung und liefert erschreckend passgenaue Ergebnisse. Zahlen und Metriken haben wir ebenfalls angeschlossen. Der Aufbau war für uns nicht wesentlich aufwendiger als ein CRM auf unsere Bedürfnisse anzupassen. Es wächst aber kontinuierlich mit und es fühlt sich an, als hätten wir da etwas aus einem Guss. Auf lange Sicht spart das nicht nur Geld und Zeit, sondern hält die Daten auch aktueller und konsistenter.

Justima ist bewusst als schlankes Team konzipiert, KI-Agenten übernehmen wie gesagt den großen Teil der operativen Workflows, damit sich das Team auf das konzentrieren kann, wo menschliches Urteilsvermögen unersetzlich ist: grundsätzliche Architektur Entscheidungen im Engineering oder Datenstruktur darf die KI nie treffen, ebenso regulatorische Expertise und der direkte Kundenkontakt. Nach unserem Verständnis werden so 2026 Unternehmen gegründet.

Wie verändert Künstliche Intelligenz aus Ihrer Sicht den Gründungsprozess im Jahr 2026 im Vergleich zu noch vor zwei Jahren?

Alexander Lilienbeck: Vor zwei Jahren hätte man für ein Produkt wie Justima ein deutlich größeres Team gebraucht, allein um die Plattform aufrecht zu erhalten und zu entwickeln, regelmäßige Test Protokolle, dazu noch Buchhaltung, Kundensupport, Sales-Gespräche und vieles mehr. Heute starten wir mit einem Kernteam von fünf Leuten, weil KI-Agenten große Teile vom Testing, Engineering, Wissensaufbereitung, Vorbereitung der Demo-Termine und wiederkehrende Anfragen beantworten. Das verschiebt komplett, wie viel Kapital und wie viele Menschen man braucht, um ein B2B-Produkt auf den Markt zu bringen.

Bereits sechs Wochen nach dem Marktstart zählen Unternehmen wie Condor, Karlsberg Brauerei und Autodoc zu Ihren Kunden. Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für diesen schnellen Markteintritt?

Gereon Abendroth: Drei Dinge kamen zusammen. Erstens hatten wir bereits eine strukturierte Validierungsphase hinter uns. Rund 30 Unternehmen haben die Plattform vor dem offiziellen Launch mehrere Monate lang produktiv getestet, sodass wir die Relevanzlogik gemeinsam mit unserer Regulatory-Praxis verfeinern konnten. Zweitens gab es bereits einen spürbaren Nachfrage-Puffer: rund 60 Unternehmen aus dem Compliance-Bereich hatten sich schon vor dem Launch für den Early Access registriert. Und drittens profitieren wir vom Netzwerk von Osborne Clarke, die meisten unserer aktuellen Kunden kommen aus diesem Umfeld, ohne dass eine Mandatierung der Kanzlei Voraussetzung wäre oder Daten geteilt werden.

Welche Rolle spielen KI-Agenten heute bereits im operativen Alltag von Justima, und wo sehen Sie künftig weiteres Automatisierungspotenzial?

Christian Braun: Unsere Agenten durchsuchen täglich hunderte europäische und internationale Rechts- und Regulierungsquellen. Hier fließt schon eine ganze Menge Know-how in die Aufbereitung der Wissenspunkte und deren Strukturierung. Das Herzstück von Justima ist dann die Einwertung, die Filterung nach Relevanz für den jeweiligen Kunden. Daneben setzen wir KI auch intern ein, etwa in der Softwareentwicklung mit Claude Code und für automatisierte Abläufe im Vertrieb, etwa beim Aufsetzen von Kundendemos.

Der nächste Schritt ist, Justima individueller an die konkrete Unternehmensstruktur unserer Kunden anzupassen, etwa durch eine tiefere Verzahnung mit den internen Compliance-Systemen, mit denen sie ohnehin schon arbeiten.

Der Markt für KI-gestützte LegalTech-Lösungen entwickelt sich rasant. Wie positioniert sich Justima gegenüber internationalen Anbietern?

Christian Braun: Generische Modelle neigen zu Halluzinationen, das ist technisch sogar notwendig, damit sie überhaupt funktionieren. Justima bauen wir deshalb konsequent als vertikales Produkt für einen einzigen Anwendungsfall: regulatorisches Monitoring für Compliance-Teams in Unternehmen. Was auch immer die großen Modellbetreiber entwickeln, ihre Modelle werden in den kommenden Jahren zweifellos noch besser. Und davon wird Justima partizipieren, statt verdrängt zu werden. Denn wir sind nicht das Modell selbst, sondern die Ebene darüber. Was uns generell differenziert, sind die Prozesse und Strukturen, die wir aufgebaut haben, und unser Wissen um die Regulatorik in den Märkten weltweit. Und genau hier hat uns die Expertise von Osborne Clarke einen echten Vorsprung verschafft.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau eines KI-Startups in einem stark regulierten Umfeld?

Alexander Lilienbeck: Rechtsabteilungen beziehungsweise Juristen allgemein sind für Startups vermutlich besonders herausfordernd. Schließlich ist man im Jurastudium und der späteren Ausbildung jahrelang darauf trainiert worden, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden. Da hilft es, gut vorbereitet zu sein und möglichst alles schnell parat zu haben, was typischerweise an Rückfragen kommt.

Außerdem: Wer Compliance-Teams als Kunden gewinnen will, muss selbst höchste Standards erfüllen. Wir betreiben Justima ausschließlich in der EU, DSGVO-konform und nach ISO 27001 sowie SOC 2 zertifiziert. Den Zertifizierungsprozess haben wir sehr früh schon angestoßen. Das war zunächst eine ordentliche finanzielle und zeitliche Investition für uns. Die sich aber gelohnt hat: Zum einen konnten wir von Anfang an in die Prozesse hineinwachsen, zum anderen legen viele Unternehmen Wert darauf, dass die Partner, mit denen sie zusammenarbeiten, genauso diligent sind wie sie selbst.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Justima aktuell im Fokus?

Alexander Lilienbeck: Wir werden die Zahl der Länder erweitern, in denen wir das Monitoring anbieten. Die Auswahl der juristischen Quellen erfolgt bei uns generell manuell und handverlesen, denn uns ist besonders wichtig zu kontrollieren, was in unser System einfließt. Das bedeutet aber auch, dass wir manche Kundenwünsche zurückstellen mussten – etwa nach einer Datenschutz-Regulierung in Simbabwe, die erfahrungsgemäß nur selten nachgefragt wird.

Der nächste Schritt ist dann die internationale Vermarktung von Justima. Einige Anfragen haben wir bereits erhalten, doch außerhalb Deutschlands sind wir bislang kaum sichtbar präsent. Finanziert haben wir uns bisher ohne Venture Capital, das bleibt vorerst auch unser Weg, auch wenn wir das für die Zukunft nicht kategorisch ausschließen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein KI-Unternehmen aufbauen und dabei etablierte Geschäftsmodelle neu denken möchten?

Alexander Lilienbeck:

1.) Lasst Euch weder von denen entmutigen, noch von denen Zeit stehlen, die Euch erklären, dass dieser Geschäftsbereich viel zu komplex sei, um ihn neu zu denken.

2.) Nutzt den Vorteil, dass Ihr keine Legacy-Systeme mit Euch herumschleppt, so könnt Ihr die eigenen Prozesse von Grund auf neu denken.

3.) Der Klassiker: früh mit den Kunden sprechen. Wie wichtig die vielen Kollaborations-Features in unserem Produkt sein würden, hatten wir zum Beispiel völlig unterschätzt.

Bild Christian Braun, Alexander Lilienbeck, Gereon Abendroth v.l.n.r Credit: Justima

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Femtech-Startup AEYA: Neue Wege in der Perimenopause-Versorgung

0
AEYA: Perimenopause und Frauengesundheit neu gedacht Aeya Gründerrinnen Fotocredits: Sebastian Donath

Mit einer KI-gestützten Plattform statt einer reinen Tracking-App will das deutsche Femtech-Startup AEYA die oft vernachlässigte Phase der Perimenopause enttabuisieren und die digitale Infrastruktur für eine neue, selbstbestimmte Generation der Frauengesundheit schaffen

Können Sie AEYA kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Fast jede Frau wird die Perimenopause erleben. Trotzdem beginnt für viele eine jahrelange Suche nach Antworten. Wir haben AEYA gegründet, weil wir das selbst erlebt haben. Nicht als theoretisches Problem, sondern als persönliche Erfahrung. Plötzlich verändert sich der eigene Körper – Schlaf, Stimmung, Konzentration, Energie – und statt Antworten hört man oft: „Dafür sind Sie noch viel zu jung.“

Dabei beginnt die Perimenopause bei vielen Frauen bereits mit Anfang oder Mitte 40 – teilweise sogar früher. Irgendwann wurde uns klar: Das ist kein individuelles Problem. Es ist ein strukturelles Versorgungsproblem. Wir haben AEYA deshalb nicht gegründet, weil die Welt noch eine weitere Gesundheits-App braucht. Wir haben AEYA gegründet, weil wir nicht länger akzeptieren möchten, dass Millionen Frauen jahrelang nach Antworten suchen müssen. Und wir bauen keine weitere Tracking-App. Wir bauen die Infrastruktur für eine neue Generation der Frauengesundheit.

Welche Vision verfolgen Sie mit AEYA, und wie möchten Sie die Versorgung von Frauen in der Perimenopause langfristig verbessern?

Wir glauben, dass die klassische Gesundheitsversorgung diese Herausforderung allein nicht lösen kann.

Ärztinnen und Ärzte leisten jeden Tag Enormes. Gleichzeitig entsteht Gesundheit nicht in einem 15-minütigen Arzttermin, sondern in den übrigen über 525.000 Minuten eines Jahres.

Genau dort setzt AEYA an.

Unser Ziel ist eine intelligente tägliche Gesundheitsbegleiterin, die Veränderungen früh erkennt, Zusammenhänge sichtbar macht und Frauen dabei unterstützt, informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.

Wir verändern das System bewusst von der Patientinnenseite aus. Denn informierte Patientinnen stellen andere Fragen, treffen bessere Entscheidungen und verändern langfristig auch die medizinische Versorgung.

Unsere Vision endet deshalb nicht bei der Perimenopause. Wir möchten die digitale Infrastruktur für eine neue Generation der Frauengesundheit schaffen – personalisiert, präventiv, wissenschaftlich fundiert und KI-gestützt.

An welche Zielgruppen richtet sich AEYA hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer App erfüllen?

Unsere Hauptzielgruppe sind Frauen zwischen Mitte 30 und Mitte 50 – also genau die Jahre, in denen die ersten hormonellen Veränderungen häufig beginnen.

Viele Frauen glauben, sie seien noch zu jung für die Perimenopause. Tatsächlich startet sie oft zehn Jahre vor der Menopause.

Genau deshalb setzen wir bewusst früh an.

Wir möchten Frauen nicht erst begleiten, wenn Beschwerden den Alltag bestimmen. Wir möchten Veränderungen sichtbar machen, bevor sie zum Problem werden.

Frauen brauchen nicht noch mehr Informationen.

Sie brauchen Orientierung.

AEYA hilft dabei, individuelle Muster zu erkennen, den eigenen Körper besser zu verstehen und dadurch mehr Sicherheit für die richtigen Entscheidungen zu gewinnen.

Die Perimenopause wird häufig unterschätzt oder erst spät erkannt. Warum ist es Ihnen wichtig, diesem Lebensabschnitt mehr Aufmerksamkeit zu schenken?

Weil die Perimenopause keine Nische ist.

Sie betrifft jede Frau – und trotzdem behandeln wir sie gesellschaftlich und medizinisch noch immer wie ein Randthema.

Dabei erleben Frauen innerhalb weniger Jahre einen der größten hormonellen Umbrüche ihres Lebens. Ein vergleichbarer natürlicher Hormonabfall würde sich bei Männern – vereinfacht betrachtet – über rund 180 Jahre erstrecken. Trotzdem erwarten wir von Frauen häufig, dass sie diese Phase einfach neben Beruf, Familie und Alltag bewältigen.

Gleichzeitig sprechen wir in Deutschland ständig über Fachkräftemangel und investieren enorme Ressourcen in die Gewinnung neuer Talente. Gleichzeitig verlieren Unternehmen hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte mitten im Berufsleben, weil die Auswirkungen der Perimenopause noch immer unterschätzt werden.

Das ist längst nicht nur ein Gesundheitsthema.

Es ist auch ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema.

Was macht AEYA aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Gesundheits- oder Zyklus-Apps?

Wir glauben nicht, dass Frauen noch eine weitere Tracking-App brauchen.

Daten allein lösen kein Problem.

Der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn daraus Zusammenhänge, Orientierung und konkrete Handlungsmöglichkeiten werden.

Hinzu kommt: Die Perimenopause ist hochkomplex und hochindividuell. Keine Frau erlebt sie gleich. Gleichzeitig beobachten Wissenschaft und Medizin immer mehr Zusammenhänge zwischen Hormonschwankungen und Symptomen, die bislang häufig gar nicht damit in Verbindung gebracht wurden.

Genau deshalb reicht ein statischer Ratgeber nicht mehr aus.

Mit jeder Nutzerin lernen wir mehr darüber, welche Muster tatsächlich auftreten. Dieses Wissen fließt – wissenschaftlich begleitet – kontinuierlich zurück in unsere Plattform und hilft langfristig allen Frauen.

KI ist für uns dabei kein Buzzword. Sie hilft uns, aus Millionen einzelner Datenpunkte personalisierte Orientierung zu schaffen.

Ihre App kombiniert Symptom-Tracking, personalisierte Auswertungen und wissenschaftlich fundierte Inhalte. Welche Vorteile bietet dieser ganzheitliche Ansatz für die Nutzerinnen?

Unser Ziel ist nicht die intelligenteste KI.

Unser Ziel ist die verständlichste Gesundheitsbegleiterin.

Heute unterstützt AEYA Frauen dabei, Zusammenhänge zwischen Schlaf, Symptomen, Zyklus, Bewegung oder Stimmung zu erkennen.

Langfristig sehen wir AEYA als tägliche Gesundheitsbegleiterin, die den gesamten Lebenskontext berücksichtigt – Stress, Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit, Alltag, persönliche Ziele und die individuelle Lebensphase.

Gesundheit entsteht nie isoliert.

Warum sollte künstliche Intelligenz sie isoliert betrachten?

Je besser AEYA eine Frau versteht, desto individueller und persönlicher können Empfehlungen werden. Genau darin sehen wir die Zukunft digitaler Gesundheit.

Wie unterstützt AEYA Frauen dabei, ihre Beschwerden besser zu verstehen und informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen?

Wir möchten Frauen nicht sagen, was sie tun sollen.

Wir möchten ihnen helfen zu verstehen, was in ihrem Körper passiert.

Denn Wissen schafft Selbstbestimmung.

Wer Veränderungen dokumentiert, Muster erkennt und Beschwerden besser einordnen kann, geht mit einer ganz anderen Sicherheit in Arztgespräche, kann gezieltere Fragen stellen und informiertere Entscheidungen treffen.

Gesundheitsversorgung verändert sich nicht nur in Arztpraxen.

Sie verändert sich auch dann, wenn Patientinnen beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Digital-Health-Lösung für ein Thema, über das noch immer zu wenig gesprochen wird?

Die größte Herausforderung ist heute nicht die Technologie.

Sie ist die Finanzierung.

All-Female-Founding-Teams erhalten in Deutschland bis heute weniger als zwei Prozent des Venture-Capital-Fundings. Gleichzeitig entstehen genau hier Lösungen für Märkte, die jahrzehntelang übersehen oder unterschätzt wurden.

Wir sehen unsere Perspektive dabei als besondere Stärke.

Wir entwickeln keine Lösung für eine Zielgruppe, die wir beobachten.

Sondern wir entwickeln sie gemeinsam mit Frauen, die wir selbst sind.

Gleichzeitig entsteht AEYA nicht nur aus persönlicher Erfahrung. Gemeinsam mit unserem interdisziplinären Medical- und Advisory Board und unserer Community verbinden wir wissenschaftliche Evidenz, medizinische Expertise und die Lebensrealität unserer Nutzerinnen.

Genau diese Kombination macht aus unserer Sicht die besten Gesundheitslösungen möglich.

Wie wichtig sind Datenschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten für die Entwicklung von AEYA?

Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt.

Vertrauen ist deshalb die Grundlage jeder digitalen Gesundheitslösung.

Datenschutz ist für uns kein nachgelagerter Prozess, sondern Teil der Produktentwicklung.

Gleichzeitig gilt: Technologie allein reicht im Gesundheitsbereich nicht aus.

Jede Weiterentwicklung unserer Plattform basiert auf wissenschaftlicher Evidenz und wird gemeinsam mit unserem Medical- und Advisory Board eingeordnet.

KI kann Muster erkennen.

Medizinische Expertise sorgt dafür, dass diese Erkenntnisse verantwortungsvoll genutzt werden.

Welche nächsten Funktionen und Entwicklungsschritte stehen bei AEYA aktuell im Fokus?

Aktuell entwickeln wir unsere KI konsequent weiter.

Heute erkennt AEYA bereits individuelle Muster.

Langfristig soll daraus eine tägliche Gesundheitsbegleiterin entstehen, die den gesamten Kontext einer Frau versteht und personalisierte Empfehlungen gibt – nicht nur auf Basis einzelner Symptome, sondern unter Berücksichtigung ihres gesamten Lebens.

Parallel bauen wir unsere wissenschaftlichen Inhalte, unsere Community und unsere Kooperationen mit Expertinnen und Experten kontinuierlich aus.

Denn wir glauben, dass die besten Gesundheitsprodukte nicht hinter verschlossenen Türen entstehen, sondern gemeinsam mit Wissenschaft und den Frauen, für die wir sie entwickeln.

Wie sehen Sie die Zukunft der digitalen Frauengesundheit, und welche Rolle soll AEYA dabei langfristig übernehmen?

Über Jahrzehnte wurde Frauengesundheit in Forschung und Versorgung systematisch unterrepräsentiert.

Jetzt erleben wir erstmals, wie digitale Technologien und künstliche Intelligenz helfen können, individuelle Gesundheitsverläufe besser zu verstehen und Frauen kontinuierlich zu begleiten.

Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.

Unser Ziel ist nicht, die größte Perimenopause-App zu werden.

Unser Ziel ist es, die digitale Infrastruktur für die nächste Generation der Frauengesundheit aufzubauen.

Perimenopause ist dabei nicht das Ziel.

Sie ist der Anfang.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einem Digital-Health-Startup ein gesellschaftlich relevantes Problem lösen möchten?

Erstens: Verlieben Sie sich nicht in Ihre Lösung, sondern in das Problem. Wirklich relevante Unternehmen entstehen dort, wo echte Probleme gelöst werden.

Zweitens: Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihren Nutzerinnen und Nutzern. Kein Pitchdeck ersetzt ehrliches Feedback aus dem Alltag.

Und drittens: Denken Sie größer als Ihr erstes Produkt. Die erfolgreichsten Unternehmen bauen keine App – sie verändern einen Markt.

Fotocredits: Sebastian Donath

Wir bedanken uns bei den Gründerinnen Camilla Rando, Doreen Schwanck und Dr. Julia Binder für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

NextGO Epi: 2 Millionen Euro für Europas einzigen Galliumoxid-Hersteller

0
Galliumoxid: NextGO Epi erhält 2 Millionen Euro für Halbleiter gruppen foto

Europas einziger Hersteller von Galliumoxid-Halbleitern sichert sich 2 Millionen Euro

NextGO Epi erhält 2 Millionen Euro Pre-Seed-Finanzierung

Berlin, 14. Juli 2026 – NextGO Epi, ein Berliner Deeptech-Startup und Spin-off des Leibniz-Instituts für Kristallzüchtung (IKZ), hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen produziert Galliumoxid-Epitaxiewafer für die Leistungselektronik der nächsten Generation. Sein Verfahren erzeugt ein bahnbrechendes Halbleitermaterial, das die Ladezeit von Elektroautos von 60 auf nur 10 Minuten verkürzen und zugleich die Herstellungskosten von Leistungshalbleitern um bis zu 75 Prozent senken könnte.

NextGO Epi ist das einzige europäische Unternehmen, das Galliumoxid-Epitaxiewafer in Industriequalität mit bis zu vier Zoll Durchmesser fertigt. Das Material bildet die elektrisch aktive Schicht der nächsten Generation von Leistungshalbleitern: Bauelemente auf Galliumoxid-Basis halten höheren Spannungen stand und arbeiten effizienter als das heute gängige Siliziumkarbid oder Galliumnitrid. Die Technologie steckt im Kern jeder Stromübertragung, von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge über Wechselrichter für erneuerbare Energien bis hin zu KI-Rechenzentren und Systemen zur Raketenortung.

Angeführt wurde die Pre-Seed-Runde von Vireo Ventures, unter Beteiligung von Ultratech Capital Partners, IBB Ventures sowie Business Angel Boris Habets. Nur eine Woche nachdem die Europäische Kommission mit dem Chips Act 2.0 ihren bislang ambitioniertesten Vorstoß für Europas Halbleitersouveränität vorgestellt hat, markiert die Runde das erste institutionelle Investment in Europas einzigen Hersteller von Galliumoxid-Epiwafern. Das frische Kapital fließt in die Beschleunigung der Produktentwicklung, den Ausbau des Teams und die Stärkung der kommerziellen Präsenz in Europa und auf den globalen Märkten.

Investoren setzen auf Europas Halbleiterzukunft

„Ta-Shun und sein Team bei NextGO Epi haben eine großartige Zukunft vor sich. Sie verbinden tiefes technisches Know-how mit modernsten Fertigungskapazitäten, um Galliumoxid-Halbleiter zu produzieren, die die Elektronik der nächsten Generation revolutionieren werden. Wir freuen uns sehr, sie am Beginn ihres Weges zum führenden Anbieter dieser zunehmend strategischen Schlüsseltechnologie zu begleiten“, sagt Damian Perl, Gründer und General Partner von Ultratech Capital Partners.

Das Gründungsteam vereint mehr als zehn Jahre Erfahrung in Galliumoxid-Forschung und Epitaxie, untermauert durch zwei internationale Patente und über 30 wissenschaftliche Publikationen. Unterstützt wird das Unternehmen zudem von Dr. Jochen Linck, ehemaliger COO von Aixtron, der als Operating Partner das Wachstum und die kommerzielle Skalierung von NextGO Epi begleitet.

„Galliumoxid ist für die Leistungselektronik, was Silizium für die Computertechnik war – und Europa sollte diese Wertschöpfungskette besitzen“, sagt Dr. Ta-Shun Chou, CEO und Mitgründer von NextGO Epi. „Wir bauen die Materialbasis, die die nächste Energierevolution möglich macht. Und wir bauen sie in Europa.“

Stephan Schulze, Investment Director bei IBB Ventures, ergänzt: „NextGO Epi kommerzialisiert eine Technologie, die auf dem Kontinent einzigartig ist. Entwickelt in Berlin, verwurzelt im starken Forschungsökosystem der Stadt und ihrer jahrzehntelangen Halbleiterexpertise, ist das Unternehmen bestens positioniert, um zu einem zentralen europäischen Lieferanten von Galliumoxid-Epiwafern zu werden.“

Chips Act 2.0 stärkt Europas Halbleiterindustrie

Der im Juni vorgestellte Chips Act 2.0 der Europäischen Kommission zielt ausdrücklich darauf ab, Europas Abhängigkeit von asiatischen und US-amerikanischen Lieferanten bei jenen Halbleitermaterialien zu verringern, die Elektrofahrzeuge, KI-Server und das Stromnetz der Energiewende antreiben. NextGO Epi ist genau die Art von Unternehmen, die diese Politik hervorbringen soll: Es baut die grundlegende Lieferkette auf, die Europa braucht, um die nächste Welle der Energie- und Mobilitätswende anzuführen.

Galliumoxid bietet gegenüber dem heute verbreiteten Siliziumkarbid einen erheblichen Effizienzsprung: Das Material ist zehnmal energieeffizienter, verkraftet eine bis zu sechsmal höhere Spannungsdichte und lässt sich um bis zu 75 Prozent günstiger herstellen. Das dreiköpfige, durchgängig promovierte Gründerteam – Dr. Ta-Shun Chou, Dr. Andreas Popp und Dr. Andreas Fiedler – hat über ein Jahrzehnt daran gearbeitet, defektfreies Galliumoxid in Industriequalität zu entwickeln, mit starker Unterstützung des IKZ.

„Das Wissenschafts- und Technologieprogramm des IKZ hat sich der Entwicklung und Bereitstellung von Kristallen höchster Qualität für Elektronik und Photonik verschrieben. Im Fall unserer Ausgründung NextGO Epi freue ich mich, sagen zu können: Höchste Qualität gilt hier nicht nur für das Galliumoxid-Produkt, sondern gleichermaßen für das Gründerteam“, erklärt IKZ-Direktor Prof. Dr. Thomas Schroeder.

Vom Forschungslabor zum internationalen Lieferanten

Das Unternehmen produziert bereits, erzielt Umsätze und beliefert Kunden auf drei Kontinenten. Kern des Produkts ist das Aufwachsen einer epitaktischen Galliumoxid-Schicht – der sogenannten Epi-Schicht – auf ein Wafersubstrat. Sie bildet den elektrisch aktiven Teil eines Hochleistungs-Halbleiterbauelements. NextGO Epi ist das einzige europäische Unternehmen, das diese Schicht aus Galliumoxid in der von Industriekunden geforderten Qualität herstellt.

Galliumoxid beschleunigt Elektromobilität und Energiewende

Die naheliegendste Anwendung ist das Laden von Elektrofahrzeugen: Eine Ladesäule mit Bauelementen auf Basis des NextGO-Epi-Materials könnte ein Fahrzeug in 10 statt heute 60 Minuten vollständig laden – und das zuverlässig auch im Winter, wenn Lithium-Batterien typischerweise am schwächsten sind. Darüber hinaus steigert dasselbe Material die Effizienz von Wechselrichtern für erneuerbare Energien, Stromversorgungen in KI-Rechenzentren, Netztransformatoren und Verteidigungssystemen.

„Halbleiter mit ultrabreiter Bandlücke entwickeln sich zur entscheidenden Schlüsseltechnologie für die Hochvolt-Leistungselektronik der nächsten Generation – und Galliumoxid führt dieses Feld an. Kein anderes Material erreicht dieses Leistungsspektrum“, sagt Mischa Wetzel, Mitgründer und Managing Partner von Vireo Ventures. „Was NextGO Epi auszeichnet: Das ist kein Forschungsprojekt. Das Team produziert bereits, liefert bereits an Kunden – und weltweit kann praktisch niemand, was sie können. Diese Position, aufgebaut auf Jahren erstklassiger Forschung am IKZ, macht sie zu einem einzigartig starken Kandidaten für die Rolle als Schlüssellieferant dieser Industrie.“

Bildcredits NextGO Epi 

Quelle Elevate2Impact

Neueste Beiträge