Freitag, Juli 17, 2026
Start Blog Seite 3

Fuchs & Eule im Interview: Energieberatung, Digitalisierung und wirtschaftliche Sanierung

0
Fuchs & Eule: Energie für Gebäude wirtschaftlich und digital planen im Interview Robin Behlau und Dr. Tobias Frese Fuchs und Eule Credits Kathleen Springer Photography

Fuchs & Eule verbindet Energieberatung, Digitalisierung und datenbasierte Analysen, um Eigentümer bei wirtschaftlichen Entscheidungen rund um die energetische Sanierung von Immobilien zu unterstützen. Im Interview sprechen Robin Behlau und Dr. Tobias Frese über ihre Vision, Herausforderungen und die Zukunft der Immobilienbranche.

Können Sie Fuchs & Eule kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Robin Behlau: „Fuchs & Eule hilft Immobilieneigentümern bei einer eigentlich einfachen Frage: Wie saniere ich meine Gebäude so, dass es sich wirklich lohnt? Also nicht blind möglichst viel Geld investieren, sondern die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit machen. Was wir heute machen, war am Anfang noch gar nicht genau so geplant. Wir haben mit Digital Twins angefangen, dann das riesige Potenzial in der Energieberatung gesehen, weitere Gesellschafter mit echter Expertise dazugeholt und zunächst Eigentümer von Einfamilienhäusern beraten.

Heute analysieren wir große Portfolios mit Wohn und Nichtwohngebäuden. Das hat sich Schritt für Schritt entwickelt und genauso arbeiten wir bis heute: Wir testen neue Ideen, schauen, was funktioniert, und entwickeln uns permanent weiter.“

Welche Vision verfolgen Sie mit Fuchs & Eule, und wie möchten Sie die energetische Sanierung von Immobilien langfristig verändern?

Robin Behlau: „Am Ende geht es bei unseren Kunden um ziemlich große Entscheidungen. Wo investiere ich zuerst? Welche Maßnahme bringt wirklich etwas? Und wie verbessere ich die Energieeffizienz meiner Gebäude, ohne blind sehr viel Geld auszugeben? Genau dabei können wir helfen. Wir verbinden die Erfahrung unserer Energie und Immobilienexperten mit den Daten aus inzwischen mehr als 10.000 Analysen. Dadurch können wir sehr gut einschätzen, was bei einem Gebäude sinnvoll ist und was eben nicht. Langfristig wollen wir der Partner sein, den Bestandshalter bei allen Fragen rund um Energie und Sanierung anrufen. Vom ersten Gebäude über ganze Portfolios bis zum An oder Verkauf einer Immobilie.“

An welche Zielgruppen richtet sich Fuchs & Eule hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie mit Ihrer Lösung lösen?

Dr. Tobias Frese: „Unsere Kunden sind vor allem Asset Manager, Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und Kommunen. Bei großen Portfolios wird die Frage schnell komplex: Ich habe Hunderte unterschiedliche Gebäude. Wo fange ich an, wo investiere ich zuerst und was bringt den größten Effekt? Unsere Stärke ist, dass wir diese Fragen auch für sehr große Portfolios schnell und in hoher Qualität beantworten können. Dafür verbinden wir erfahrene Energieexperten mit sehr vielen Daten und digitalen Analysen.“

Viele Eigentümer stehen vor komplexen Anforderungen bei der energetischen Sanierung. Wie unterstützt Fuchs & Eule dabei, wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen?

Robin Behlau: „Vor zehn Jahren hat die Energieeffizienzklasse einer Immobilie noch kaum jemanden interessiert. Heute ist das anders. Eine schlechte Energieeffizienz kann sich auf den Wert, die Finanzierung und den Beleihungswert einer Immobilie auswirken. Das ist inzwischen auch bei den Banken angekommen. Wenn ein Gebäude energetisch schlecht dasteht, wird schnell gefragt: Was ist eigentlich euer Plan für diese Immobilie? Genau da kommen wir ins Spiel. Wir schauen, mit welchen Maßnahmen sich die Energieeffizienz und der Wert der Immobilie am sinnvollsten verbessern lassen. Und das müssen eben nicht immer die teuersten Maßnahmen sein.“

Fuchs & Eule verbindet Energieberatung mit digitalen Analysen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Was macht diesen ganzheitlichen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders?

Dr. Tobias Frese: „Energieberatung allein ist erst einmal nichts Neues. Das Besondere bei uns ist die Kombination: Wir schauen nicht nur, was energetisch möglich ist, sondern auch, was sich für den Eigentümer wirklich lohnt. Unser Kernprodukt ist die energetische Due Diligence. Dabei analysieren wir ein Gebäude sehr genau und zeigen, welche Maßnahmen welchen Effekt haben. Auf die Energieeffizienz, aber eben auch auf die Wirtschaftlichkeit und den Wert der Immobilie. Häufig starten Kunden mit einem Gebäude. Wenn sie sehen, was ihnen die Ergebnisse bringen, geben sie uns danach weitere Gebäude oder ganze Portfolios und holen uns auch bei An und Verkäufen dazu.“

Welche Rolle spielen digitale Gebäudedaten und datenbasierte Analysen bei der Planung nachhaltiger Sanierungsmaßnahmen?

Dr. Tobias Frese: „Ohne gute Daten kann man bei einem großen Portfolio eigentlich keine vernünftigen Entscheidungen treffen. Man muss erst einmal verstehen: Was habe ich da überhaupt? Wo liegen die größten Probleme? Und wo lohnt es sich anzufangen? Digitale Analysen helfen uns, das in einer ganz anderen Geschwindigkeit zu machen. Wir haben zum Beispiel für einen Kunden 800 Gebäude in acht Wochen tief analysiert. Genau das meinen wir mit Quality at Scale: nicht einfach nur schnell viele Gebäude durch ein System schicken, sondern Daten, Technologie und echte Energieexpertise so zusammenbringen, dass am Ende gute Entscheidungen möglich sind.“

Wie gelingt es Ihnen, Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und regulatorische Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen?

Robin Behlau: „Für uns ist das kein Widerspruch. Die Lösung kann ja nicht sein, einfach möglichst viel Geld in jedes Gebäude zu stecken. Es geht darum, die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu machen. Wir schauen deshalb sehr konkret: Was muss gemacht werden? Was bringt den größten Effekt? Welche Förderung gibt es? Und wie können wir Maßnahmen so kombinieren, dass es sich am Ende auch wirtschaftlich rechnet? Das Ergebnis soll kein theoretischer Idealplan sein, sondern ein Weg, den der Eigentümer tatsächlich umsetzen kann.“

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Beratung großer Immobilienportfolios und deren langfristiger Sanierungsplanung?

Dr. Tobias Frese: „Die größte Herausforderung ist, dass kein Gebäude wie das andere ist. In einem Portfolio gibt es unterschiedliche Gebäudetypen, Nutzungen, Baujahre und energetische Ausgangslagen. Gleichzeitig ist das Budget natürlich nicht unendlich. Deshalb ist die entscheidende Frage: Wo bringt der nächste investierte Euro den größten Effekt? Dafür müssen wir sehr viele Informationen schnell vergleichbar machen und priorisieren. Genau dabei helfen uns unsere Daten und digitalen Analysen. Aber immer zusammen mit den Menschen, die wissen, was davon in der Praxis wirklich funktioniert.“

Förderprogramme und gesetzliche Vorgaben verändern sich kontinuierlich. Wie unterstützt Fuchs & Eule seine Kunden dabei, den Überblick zu behalten?

Robin Behlau: „Die Förderlandschaft ist so komplex und verändert sich so oft, dass man das als Eigentümer kaum nebenbei im Blick behalten kann. Genau deshalb haben wir viele erfahrene Energieberater im Team. Die schauen sich jeden Fall individuell an und prüfen, welche Förderungen es gibt, was zu dem Gebäude passt und wie Maßnahmen kombiniert werden können, damit auch die Förderung funktioniert. Unsere Kunden bekommen deshalb nicht einfach eine Liste mit Förderprogrammen, sondern eine konkrete Empfehlung, was sie tun sollten und was sich für sie wirklich rechnet.“

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Fuchs & Eule aktuell im Fokus?

Robin Behlau: „Wir haben gerade eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro abgeschlossen und konzentrieren uns jetzt erst einmal voll auf den deutschen Markt. Hier gibt es noch unglaublich viel zu tun, und wir gewinnen aktuell viele neue Kunden. Häufig starten wir mit unserer energetischen Due Diligence für ein erstes Gebäude. Wenn der Kunde sieht, was ihm die Analyse bringt, gibt er uns danach weitere Gebäude oder ganze Portfolios und holt uns auch bei An und Verkäufen dazu. Für uns geht es jetzt darum, genau das weiter auszubauen: mehr Kunden zu gewinnen, weiter zu wachsen und für unsere Kunden langfristig der Partner für alle wichtigen Entscheidungen rund um Energie und Sanierung zu werden.“

Wie sehen Sie die Zukunft der Immobilienbranche, und welche Rolle werden digitale Technologien bei der Energiewende im Gebäudesektor spielen?

Dr. Tobias Frese: „Das Grundproblem wird nicht verschwinden. Wenn der Gebäudesektor bis 2050 klimaneutral werden soll, müssen noch unglaublich viele Gebäude saniert werden. Ich glaube eher, dass die Größe dieser Aufgabe heute noch unterschätzt wird. Das lässt sich mit klassischer Energieberatung allein gar nicht in der nötigen Geschwindigkeit schaffen. Wir brauchen Daten, Automatisierung und KI, um sehr viele Gebäude analysieren und die richtigen Investitionen priorisieren zu können. Aber Technologie wird die Menschen dabei nicht ersetzen. Wenn jemand 500.000, fünf Millionen oder 50 Millionen Euro investieren soll, will er am Ende auch mit jemandem sprechen, der sagen kann: Wir haben das schon sehr oft gemacht. Das funktioniert. Das lässt sich umsetzen. Und die Förderung bekommst du auch.“

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Lösungen die Transformation einer traditionellen Branche vorantreiben möchten?

Robin Behlau: „Nicht zu lange am ursprünglichen Geschäftsmodell festhalten. Was wir heute machen, war am Anfang so nicht geplant. Wir haben Dinge ausprobiert, viel gelernt und unser Modell immer weiter verändert.

Den Markt und die Kunden wirklich verstehen. Eine gute Technologie allein reicht nicht. Man muss verstehen, welche Entscheidungen die Kunden tatsächlich treffen müssen und wo der echte wirtschaftliche Druck liegt.

Technologie und echte Expertise zusammenbringen. KI und Digitalisierung können sehr viel schneller und skalierbarer machen. Aber gerade bei großen Entscheidungen braucht es trotzdem Menschen, denen man vertraut und die wissen, wovon sie sprechen.

Und nicht zu vergessen: Ab und zu mit dem Team zu Union Berlin gehen. Das hilft wahrscheinlich bei jeder Transformation.“

Bildrechte: Kathleen Springer Photography

Wir bedanken uns bei Robin Behlau und Dr. Tobias Frese für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Lissi GmbH sichert sich 3,5 Millionen Euro: Ventech führt Finanzierungsrunde für EUDI-Wallet-Integration an

0
Lissi Finanzierung: 3,5 Millionen Euro für EUDI Wallet Die Lissi-Gründer, von links nach rechts: Sebastian Bickerle, Helge Michael und Adrian Doerk. Bildquelle: Lissi GmbH

Unabhängigkeit für Europas Finanzsektor: Lissi sichert sich 3,5 Millionen Euro für AMLR-konforme EUDI-Wallet-Integration

Frankfurt am Main, 9. Juli 2026 – Die Lissi GmbH, europäischer Pionier im Bereich EUDI-Wallet-Anbindung und Verifiable Credentials, gibt den erfolgreichen Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde in Höhe von 3,5 Millionen Euro bekannt. Angeführt wird die Runde von der europäischen Venture-Capital-Firma Ventech, der sich die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen zusammen mit den Bestandsinvestoren main incubator (Commerzbank Gruppe) und Ninepointfive Ventures anschließt.

Mit dieser Investition setzt Lissi ein deutliches Zeichen für eine souveräne europäische digitale Identität. Mit Investoren aus drei verschiedenen EU-Ländern (Deutschland, Frankreich und Belgien) sowie einem Partnernetzwerk in der gesamten EU positioniert sich Lissi bewusst als unabhängige paneuropäische Plattform-Alternative.

AMLR erhöht den Handlungsdruck im Finanzsektor

Der Zeitpunkt der Finanzierungsrunde könnte kaum relevanter sein. Am 10. Juli 2027 tritt die EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) in Kraft und beschleunigt die Nachfrage nach vertrauenswürdigen digitalen Identitätslösungen im gesamten Finanzsektor. Während sich Banken und Finanzdienstleister auf den neuen Regulierungsrahmen vorbereiten, gewinnen interoperable eIDAS-konforme Identitätslösungen zunehmend an Bedeutung.

Schon heute stammen 90 Prozent der Lissi-Kunden aus dem Finanzsektor. Dazu gehören Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister, Identitätsprüfungsanbieter und qualifizierte Vertrauensdiensteanbieter – darunter Marktführer wie itsme und die Commerzbank.

Darauf aufbauend nutzt Lissi die neuen Finanzierungsmittel gezielt, um Finanzinstituten eine praxisnahe Lösung zur Erfüllung der AMLR-Anforderungen bereitzustellen und neue Geschäftsmodelle im Bereich Open Finance mit Identity Wallets zu ermöglichen.

„Wir haben 2025 die EUDI Wallet Challenge der Bundesregierung gewonnen. Basierend auf dieser Erfahrung bauen wir unsere EUDI Wallet Connector Suite weiter aus und haben mit der Entwicklung eines eigenen Software Development Kits begonnen. Hiermit können Finanzunternehmen alle Funktionalitäten moderner Identity Wallets direkt in ihre eigenen Apps integrieren“, erklärt Sebastian Bickerle, CTO und Co-Founder von Lissi. „Damit kann in Zukunft jede Banking-App im Handumdrehen zur ID Wallet erweitert werden.“

EUDI Wallet Connector Suite für ganz Europa

Ziel von Lissi ist es, mit seiner EUDI Wallet Connector Suite eine nahtlose Interoperabilität zwischen öffentlichen und privaten EUDI Wallets in der gesamten Europäischen Union zu ermöglichen und die Implementierungen in den Mitgliedstaaten sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor zu unterstützen.

Helge Michael, CEO und Co-Founder von Lissi, betont die strategische Ausrichtung:

„Finanzinstitute benötigen Lösungen, die sich nahtlos in bestehende IT-Landschaften integrieren lassen und ihnen gleichzeitig die volle Kontrolle über ihre Kundendaten ermöglichen. Unsere Plattform wurde exakt für diese Anforderungen entwickelt: eIDAS-konform, flexibel einsetzbar und auf die hohen Sicherheits- und Compliance-Standards des Finanzsektors ausgerichtet. Das Vertrauen zahlreicher Banken und Finanzdienstleister zeigt, dass dieser Ansatz im Markt gut ankommt.“

Investoren setzen auf europäische digitale Souveränität

Stephan Wirries, General Partner bei Ventech, erklärt:

„Wir freuen uns sehr, das Team von Lissi zu unterstützen. Viele seiner Wettbewerbsvorteile beruhen darauf, dass Adrian, Sebastian und Helge nicht nur theoretisch über Compliance im Bankwesen diskutieren, sondern ihr Unternehmen ursprünglich innerhalb der Commerzbank aufgebaut haben. Dadurch verstehen sie die Prioritäten der Bank-IT auf einer Ebene, die für Außenstehende nur schwer zu erreichen ist. Ihr SDK-Ansatz, mit dem bestehende Banking-Apps in Wallets umgewandelt werden, die auf den Märkten aller EU-Mitgliedstaaten funktionieren, wird regulierten Kunden dabei helfen, eIDAS-konforme Abläufe noch besser zu nutzen.“

Stephan Groß, Senior Investment Manager bei BM H, ergänzt:

„Lissi ist ein hervorragendes Beispiel für die Art von Technologieunternehmen, die wir unterstützen möchten: in Hessen verwurzelt, auf fundiertem Fachwissen aufgebaut und auf eine klare Marktchance in Europa ausgerichtet. Das Team hat eine äußerst relevante Infrastrukturlösung für regulierte Branchen entwickelt und bereits das Vertrauen wichtiger Marktteilnehmer gewonnen. Wir freuen uns, gemeinsam mit Ventech und den bestehenden Investoren die nächste Wachstumsphase von Lissi zu unterstützen.“

Lissi baut europäisches EUDI-Wallet-Ökosystem weiter aus

Lissi ist seit 2019 im Bereich der digitalen Identitäten aktiv und hat von Anfang an – zunächst als Teil der Commerzbank Gruppe – zur Entwicklung des europäischen EUDI-Wallet-Ökosystems beigetragen.

Als Lead des Forschungsprojekts IDunion war das Unternehmen an zentralen technischen Komponenten beteiligt, die heute in europäischen digitalen Identitäts-Wallets zum Einsatz kommen. Lissi beteiligte sich außerdem an den europäischen Large Scale Pilots EWC und POTENTIAL und trägt über das laufende Konsortium WE BUILD weiterhin zu neuen Standards, Interoperabilität und technischen Fähigkeiten für EUDI Wallets bei.

„Als aktiver Mitgestalter verschiedener EUDI-Wallet-Initiativen in der EU verbindet Lissi die Nähe zur Standardisierung mit praktischer Implementierungserfahrung. Wir haben bereits Projekte mit mehr als 30 Organisationen aus zehn Mitgliedstaaten realisiert oder arbeiten mit ihnen an der Integration von EUDI Wallets“, so Adrian Doerk, Co-Founder und Chief Marketing Officer von Lissi.

Bild Die Lissi-Gründer, von links nach rechts: Sebastian Bickerle, Helge Michael und Adrian Doerk.
Bildquelle: Lissi GmbH

Quelle BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH

GALVANY: Wohin entwickelt sich die Energiewende im Gebäudebereich?

0
GALVANY: Energiewende mit Wärmepumpen digital gestalten Raik Belka

GALVANY entwickelt digitale Lösungen für die Energiewende und vernetzt Wärmepumpen mit intelligenter Technologie für eine klimafreundliche Energieversorgung

Wie entstand die Idee zu GALVANY, und wer steht heute hinter dem Unternehmen?

Wir haben GALVANY Ende 2022 in Berlin aus der Überzeugung heraus gegründet, dass die Wärmepumpe die derzeit beste verfügbare Technologie für klimafreundliches Heizen ist, jedoch der Weg zu ihr für Hausbesitzer:innen unnötig kompliziert ist. Ich habe vor fast 20 Jahren meine erste Wärmepumpe selbst installiert und seither erlebt, wie wenig sich an dieser Komplexität geändert hat.

Was heute hinter GALVANY steht, ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Wir wollten kein klassisches Handwerksunternehmen gründen, sondern ein Technologieunternehmen, das die Energiewende neu denkt. Unser Team vereint Energieexpertise mit echter Tech-DNA. Viele unserer über 90 Mitarbeitenden kommen aus Teams, die europäische „Unicorns“ aufgebaut haben. Sie wissen, wie man Produkte und Prozesse entwickelt, die wirklich skalieren. Diese Kombination aus tiefem Branchenwissen und digitalem Skalierungs-Know-how ist es, die GALVANY von anderen unterscheidet. Unterstützung erhalten wir dabei von Investoren wie SET Ventures und AENU, die unsere Vision teilen.

GALVANY bezeichnet sich als Betriebssystem der Energiewende. Was bedeutet das konkret für Ihre Kunden?

Für unsere Kund:innen bedeutet das, dass GALVANY alle zentralen Schritte der Energiewende im Gebäude in einem integrierten System bündelt, von der Analyse über Planung und Fördermittel bis zur Umsetzung und digitalen Steuerung. Statt Einzellösungen erhalten Kund:innen eine ganzheitliche, vernetzte Lösung, die Komplexität reduziert und den Weg zu einer klimafreundlichen Energieversorgung deutlich einfacher macht.

Welche Vision verfolgen Sie mit GALVANY für die Zukunft der Energieversorgung im Gebäudesektor?

Unsere Vision ist eine klimafreundliche, dezentrale und intelligent vernetzte Energieversorgung im Gebäudesektor. Mit Wärmepumpen, Speichern, Smart Metern und digitalen Lösungen, die effizient zusammenspielen, möchten wir Gebäude von reinen Energieverbrauchern zu aktiven Bestandteilen der Energiewende machen.

An welche Zielgruppen richten Sie sich hauptsächlich, und welche Herausforderungen dieser Kunden möchten Sie lösen?

Unsere Hauptzielgruppe sind Eigenheimbesitzer:innen in Deutschland, die ihre Gasheizung ersetzen möchten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Sie stehen vor drei konkreten Herausforderungen: Sie verstehen die Technologie nicht, sie kennen die Förderoptionen nicht, und sie haben niemanden, dem sie vertrauen können.

GALVANY löst genau das. Wir beraten individuell, planen technisch sauber, übernehmen das Fördermanagement und begleiten unsere Kund:innen durch den gesamten Installationsprozess. Dabei steht ihnen von der ersten Anfrage bis zur Inbetriebnahme eine persönliche Ansprechperson zur Seite.

Der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme gilt oft als komplex. Wie macht GALVANY diesen Prozess einfacher?

GALVANY vereinfacht den Umstieg, indem wir technische Planung, Produktauswahl, Fördermittelmanagement und Umsetzung zusammenbringen. Kund:innen müssen sich nicht durch unterschiedliche Anbieter, Förderprogramme und technische Detailfragen kämpfen, sondern erhalten einen strukturierten Prozess mit klaren Handlungsempfehlungen und digitaler Unterstützung.

Was unterscheidet GALVANY von klassischen Anbietern von Wärmepumpen und Energietechnik?

GALVANY denkt Energietechnik nicht als einzelnes Produkt, sondern als vernetztes System. Während klassische Anbieter häufig einzelne Komponenten wie Wärmepumpen liefern, verbindet GALVANY Wärmepumpen, Batteriespeicher, Smart Meter, Beratung und digitale Steuerung zu einer ganzheitlichen Lösung für die Energiewende im Gebäude.

Welche Rolle spielen digitale Technologien bei der Vernetzung von Wärmepumpen, Batteriespeichern und Smart Metern?

Digitale Technologien sind der Schlüssel, damit moderne Energiesysteme effizient funktionieren. Sie ermöglichen, dass Wärmepumpen, Batteriespeicher und Smart Meter intelligent miteinander kommunizieren, Energieflüsse optimiert werden und Kunden Transparenz über Verbrauch, Kosten und Einsparpotenziale erhalten.

Vor welchen Herausforderungen steht ein ClimateTech-Startup aktuell bei der Umsetzung der Energiewende?

Eine der größten Herausforderungen ist die hohe Komplexität des Marktes. Regulatorische Vorgaben, Förderprogramme, der Fachkräftemangel und lange Entscheidungsprozesse treffen auf einen enormen Transformationsbedarf. ClimateTech-Start-ups müssen innovative Lösungen skalierbar machen und gleichzeitig das Vertrauen von Kunden, Partnern und Investoren gewinnen.

Wie wichtig sind Themen wie Fördermittelmanagement und Beratung für den Erfolg nachhaltiger Energielösungen?

Fördermittelmanagement und Beratung sind entscheidend, weil viele nachhaltige Energielösungen technisch und finanziell erklärungsbedürftig sind. Die richtige Förderung kann Investitionsentscheidungen deutlich erleichtern. Gleichzeitig sorgt gute Beratung dafür, dass Kund:innen die passende Lösung für ihr Gebäude finden und langfristig davon profitieren.

Welche Entwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie für GALVANY in den kommenden Jahren?

Der nächste große Schritt ist die GALVANY Fusion. Unsere Energie-App verbindet Wärmepumpe, Batteriespeicher und Smart Meter zu einem integrierten System. Fusion macht Ersparnisse täglich sichtbar, optimiert den Energieverbrauch automatisch und gibt Kunden erstmals echte Kontrolle über ihre Energiekosten.

Darüber hinaus erweitern wir unser Business-in-a-Box-Modell. Wir öffnen unsere Technologie und Prozesse für den lokalen Installationsmarkt und machen GALVANY so auch über das Direktgeschäft hinaus zur skalierbaren Infrastruktur der Energiewende.

Wo sehen Sie GALVANY in fünf Jahren, und welche Ziele möchten Sie bis dahin erreicht haben?

In fünf Jahren wird GALVANY eine führende Plattform für die Energiewende im Gebäudebereich in Deutschland sein. Dann werden eine Vielzahl an Anlagen im Feld vernetzt sein, ein wachsendes Ökosystem aus Installationspartnern existieren und ein Datenmodell den Energieverbrauch von Gebäuden auf eine neue Ebene heben.

Das konkrete Ziel ist, dass GALVANY jeden Schritt begleitet. Von der ersten Beratung bis zum letzten gesparten Euro des Kunden. GALVANY soll somit zum langfristigen Energiepartner werden.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Versteh dein Problem besser als jeder andere. Nicht theoretisch, sondern weil du es selbst erlebt hast. Das ist der einzige echte Vorteil, den ein Gründer hat.

Zweitens: Hire für Haltung, nicht für den Lebenslauf. Die besten Menschen in unserem Team haben nicht den perfekten CV, aber sie nehmen das Problem genauso persönlich wie ich.

Drittens: Entscheide schnell und korrigiere unterwegs. Wer auf Sicherheit wartet, verliert den Moment.

Bildcredits GALVANY

Wir bedanken uns bei Raik Belka für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Viele halten den Rechtsstaat für selbstverständlich. Aber wie wäre es ohne?

0
Bundesverfassungsgericht: Susanne Baer über das Grundgesetz Dr. Dr. h.c. mult. Susanne Baer, LL.M. Ehemalige Richterin des Bundes­verfassungs­gerichts © Petra Rickert
Die Spielregeln des Grundgesetzes gelten für uns alle. Dass sie eingehalten werden, dafür sorgt „Karlsruhe“, das Bundesverfassungsgericht. Zwölf Jahre war Prof. Dr. Susanne Baer dort Richterin. Heute beobachtet die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbunds, wie diese Regeln systematisch angegriffen werden – durch Shitstorms, Falschbehauptungen und politische Piraterie. Im Gespräch mit herCAREER erklärt sie, was das mit Gleichstellung, Frauenrechten und unserem Alltag zu tun hat

„Das Grundgesetz gehört nicht dem Gericht, sondern uns allen.“

herCAREER: Frau Prof. Dr. Baer, manche empfinden Gerichte als einschüchternd und elitär, aber vermutlich ist gar nicht allen bewusst, dass sich jede:r von uns ans Bundesverfassungsgericht wenden kann. Im September feiert das Gericht seinen 75. Geburtstag. Was ist das Versprechen des Gerichts an uns?

Prof. Dr. Susanne Baer: Das Bundesverfassungsgericht ist der Schiedsrichter – oder die Schiedsrichterin – für die Regeln, die für uns alle gelten, und die stehen im Grundgesetz, unserer Verfassung. Das Grundgesetz gehört aber nicht dem Gericht, sondern uns allen. Das Gericht ist nur dafür da, dass die großen Worte keine leeren Versprechungen sind. In Deutschland kann sich dazu jede Bürgerin, jeder Bürger selbst an das Gericht wenden, und dann wird unabhängig entschieden.

herCAREER: Sie sind dort von 2011 bis 2023 Richterin gewesen. Wie haben Sie Ihre Rolle empfunden?

Prof. Dr. Susanne Baer: Ehrenvoll, anspruchsvoll, ereignisreich – großartig, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Richterin habe ich ja mit zu verantworten gehabt, dass die Spielregeln der Demokratie eingehalten werden, wo hier die roten Linien verlaufen.

herCAREER: So heißt auch Ihr Buch: „Rote Linien: Wie das Bundesverfassungsgericht die Demokratie schützt“. Was ist so eine Linie?

Prof. Dr. Susanne Baer: Nehmen Sie die Meinungsfreiheit. Sie ist ein hohes Gut, aber wie weit reicht sie? In letzter Zeit wird gezielt behauptet, es müsse eine völlig unbegrenzte Freiheit sein – und jede Gegenrede wird als „Zensur“ denunziert. Aber das ist irreführend. Im Streitfall muss das Bundesverfassungsgericht klären: Wer andere scharf kritisiert, wer vielleicht auch nervt oder wessen Meinung einem nicht gefällt, hat natürlich das Recht auf Meinungsfreiheit. Aber wenn es nur darum geht, andere niederzumachen, dann gibt es eine Grenze. Die „Schmähkritik“ ist nicht geschützt, weil es da gar nicht um Meinungen geht.

herCAREER: Das Gericht heißt oft einfach „Karlsruhe“, die wenigsten kennen die Namen der Richter:innen. Vergangenes Jahr wurde unerwartet heftig um eine Kandidatin gestritten, Frauke Brosius-Gersdorf. Wie haben Sie die Debatte beobachtet?

Prof. Dr. Susanne Baer: Das war kein guter Moment für die Politik und sollte sich nicht wiederholen. Normalerweise wird im Vorfeld geklärt, ob jemand über die Parteigrenzen hinweg Zustimmung findet. Das war hier nicht hinreichend gesichert, letztlich grob fahrlässig. Es schadet auch dem Parlament, wenn ein organisierter Shitstorm von rechts in letzter Minute so viel Einfluss hat. Tatsächlich sind die Wahlen zum Gericht ja klug gedacht: Um in Deutschland in dieses höchste juristische Amt zu kommen, müssen zwei Drittel des Bundestags oder Bundesrats zustimmen. Das bedeutet, dass keine Regierung einfach ihre Leute durchsetzen kann. Sie muss immer die Opposition mitnehmen, und im Wechsel schlägt auch diese geeignete Personen vor, denen dann die Mehrheit zustimmen muss. Das sorgt für Vielfalt im Gericht und verhindert Extreme. Aber es muss auch entsprechend organisiert werden. Ich hoffe, dass alle den Schuss gehört haben. Denn was hier eine Rolle spielte, war beunruhigend.

herCAREER: An was denken Sie?

Prof. Dr. Susanne Baer: Hier wurde eine Frau gezielt denunziert, organisiert in den sozialen Medien und durch falsche Plagiatsvorwürfe. Es ist sehr gefährlich, wenn Bots Personalentscheidungen beeinflussen. Dazu kam noch eine Dosis Frauenfeindlichkeit. Und es wurde der absurde Eindruck erweckt, eine einzelne Richterin oder ein Richter könne die Rechtsprechung drehen.

herCAREER: In beiden Senaten des Bundesverfassungsgerichts sitzen jeweils acht Richter:innen, die für zwölf Jahre gewählt werden und nicht auf Lebenszeit wie etwa beim Supreme Court in den USA.

Prof. Dr. Susanne Baer: Die entscheidende Idee ist, dass diese acht Leute so gewählt werden, dass sie möglichst unterschiedlich denken. Für das Gericht ist es fundamental, dass ein Senat die verschiedenen Perspektiven auf ein Problem ernstnimmt, um dann gemeinsam, möglichst im Konsens zu entscheiden, denn der muss schließlich von der gesamten Gesellschaft akzeptiert werden. Weil die Besetzung wechselt, wird auch immer wieder neu gefragt, ob man den alten Linien folgen kann. Die begrenzte Amtszeit hilft also, die Verfassung „in die Zeit zu stellen“.

herCAREER: Das Grundgesetz wird im Licht der Gegenwart ausgelegt. Hat das dazu beigetragen, dass diese Kandidatur so umstritten war? Frauke Brosius-Gersdorf wurde eine zu tolerante Haltung zum Thema Schwangerschaftsabbruch unterstellt?

Prof. Dr. Susanne Baer: Die Unterstellungen waren Teil der Diffamierungskampagne. Es waren umstrittene, aber keine radikalen Positionen. Zwar ist es legitim, wenn zum Beispiel eine konservative Politikerin eine andere Position vertritt und deshalb von einer Kandidatin nicht begeistert ist. Problematisch wird es aber, wenn die Position der Kandidatin als vollkommen intolerabel dargestellt wird, obwohl es eine legitime Rechtsauffassung ist.

herCAREER: Gerichten wird manchmal vorgeworfen, nicht neutral zu entscheiden, sondern politisch.

Prof. Dr. Susanne Baer: Es lohnt sich, über Neutralität etwas länger nachzudenken. Derzeit wird der Begriff von rechtsautoritären Kräften instrumentalisiert, denn wir leben in Zeiten der politischen Piraterie: „Neutralität“, „Freiheit“ oder auch „Demokratie“ werden politisch gekapert, um vor allem zivilgesellschaftlichem Engagement das Wasser abzugraben. Dann heißt es: Ein Angebot politischer Bildung sei nicht neutral und dürfe deshalb nicht gefördert werden. Aber das ist grundfalsch, denn Bildung zielt auf Demokratie und Menschenrechte. Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat das im Januar im Bundestag auf den Punkt gebracht: „Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität – sie bedeutet Zustimmung.“

herCAREER: Was heißt das übersetzt fürs Bundesverfassungsgericht?

Prof. Dr. Susanne Baer: Das Gericht muss sich in Politik einmischen, aber es handelt juristisch, mit dem Grundgesetz in der Hand. Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit ernst zu nehmen, und zwar für alle – das ist Neutralität.

herCAREER: Wie kann sich das Gericht dagegen wappnen, dass ein Urteil als politisch motiviert abgewertet wird?

Prof. Dr. Susanne Baer: Indem es juristisch argumentiert. Das Gericht hat ja die Aufgabe, sich in politische Dinge einzumischen, aber es darf nicht politisch gestalten, darf Politik nicht ersetzen. Es zieht eben nur rote Linien. Verfassungsgerichtliche Entscheidungen beenden die politische Auseinandersetzung auch nicht, sondern fordern ein, dass ans Grundgesetz gedacht wird. Die Dinge zu gestalten – dafür liegt die Verantwortung bei der Politik.

herCAREER: Kann Recht Wandel fördern oder folgt es eher dem gesellschaftlichen Wandel?

Prof. Dr. Susanne Baer: Die Frage lässt mich an einen Moment in einem Hörsaal in den USA denken. Catharine MacKinnon, Professorin und weltweit engagierte Anwältin, hielt die Verfassung hoch und sagte: „Das sind nur Worte.“ Aber damit ließen sich Weichen stellen, ob es weiter ungerecht zugeht, oder ob wir diese Worte nutzen, um die darin garantierten gleichen Rechte zu realisieren. Gerade das Grundrecht auf Gleichbehandlung sei „ein Riss in der Mauer der Macht“, denn es könne für Gerechtigkeit sorgen. Recht kann also ein Teil von Ungerechtigkeit sein, wenn es nur Egoismen und der Ausbeutung dient. Es kann aber auch zu einem wichtigen Teil der Lösung werden, wenn man den crack in the wall findet.

herCAREER: Das heißt, Recht bedeutet nicht automatisch Gerechtigkeit, ist aber die Grundlage?

Prof. Dr. Susanne Baer: Recht schafft Verbindlichkeit, und wirklich demokratisches Recht lässt niemanden außen vor. Und Recht setzt nicht auf Gnadenakte, sondern auf berechtigte Ansprüche, eben auf Rechte.

herCAREER: Bei uns wurde 1949 im Grundgesetz Artikel 3 festgeschrieben: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Aber Frauen, Menschen mit Behinderung oder mit nicht-weißer Hautfarbe erleben noch immer, dass sie längst nicht überall gleichberechtigt sind.

Prof. Dr. Susanne Baer: Es kostet Mühe, aus den großen Worten Realität werden zu lassen. Ein Gericht kann nur Fälle entscheiden, die an die Justiz herangetragen werden, also müssen Menschen aktiv werden und Recht in Bewegung setzen. In Deutschland haben wir es den vier Müttern des Grundgesetzes zu verdanken, dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein Grundrecht ist, und den Anwältinnen und Klägerinnen, die damit vor die Gerichte gezogen sind, auch nach Karlsruhe. Heute wird Gleichheit intersektional verstanden, also mit Blick auf alle Diskriminierungen, die sich in der Erfahrung miteinander verschränken können. Das Bundesverfassungsgericht muss dann, wenn es zum Konflikt kommt, klarstellen, dass Gleichheit für alle Menschen gilt, und dass alle vor Nachteilen etwa wegen einer Behinderung oder vor Rassismus geschützt werden müssen. Das gilt überall, vom Strafrecht über das Arbeitsrecht bis zum Mietvertrag.

herCAREER: Unter der Trump-Regierung heißt es jetzt wieder, es gebe nur zwei Geschlechter. Wie sicher sind erkämpfte Gleichheitsrechte bei uns?

Prof. Dr. Susanne Baer: Rechtsautokratische Bewegungen propagieren weltweit patriarchale Vorstellungen, etwa von der traditionellen Familie. Sie aktivieren vor allem rassistische Vorurteile, aber auch sonstige Ressentiments, und das hat für Frauen und für alle sexuellen Minderheiten erhebliche Folgen. So gibt es auch in deutschen Landtagen Anträge, alles abzuschaffen, was mit Gender zu tun hat, mit Gleichstellung, mit Diversität und Vielfalt. Da wird „Gender“ als Triggerwort benutzt, um Abwehr hervorzurufen, und noch dazu als ein Brückenbegriff, mit dem Rechtsradikale in die Mitte wandern wollen. Das ist gefährlich und es geht alle an. Zuerst trifft es Minderheiten, aber am Ende trifft es unser Miteinander.

herCAREER: Anfang Mai hat der Bundestag beschlossen, nach spanischem Vorbild bundesweit die Fußfessel bei häuslicher Gewalt einzuführen. Sie haben in Ihrem Buch die Kontroverse um Sicherheit und Freiheit aufgegriffen und beziehen sich auch auf die Fußfessel. Wie sehen Sie die Entscheidung?

Prof. Dr. Susanne Baer: Auf diese rechtspolitische Frage antworte ich nicht als Bundesverfassungsrichterin a. D., sondern als Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, denn von ihm gibt es dazu eine Stellungnahme: Die Fußfessel allein genügt nicht, um das erschreckend große Problem der Gewalt gegen Frauen, insbesondere der häuslichen Gewalt, zu lösen. Wenn das aber, wie in Spanien, in ein System weiterer Maßnahmen eingebettet wird, ist es ein guter Schritt.

herCAREER: Wird die Lebenswirklichkeit von Frauen im Gerichtssaal realistisch berücksichtigt? Es gibt Mütter, die Gewalt durch den Partner erlebt haben, sogar vor den Augen ihrer Kinder, und beim Thema Sorgerecht wird ihnen dann vorgeworfen, die Kinder zu instrumentalisieren.

Prof. Dr. Susanne Baer: Die Justiz steht da vor großen Herausforderungen. Sexuelle Gewalt ist genauso wie Diskriminierung bisher weder Gegenstand des Studiums noch systematischer Weiterbildungen. Natürlich gibt es kompetente Richterinnen und Richter, aber Gewalt gegen Frauen wird in Verfahren sehr oft fortgesetzt, sodass sogar in Gerichtssälen akute Bedrohungslagen entstehen. Familiengerichte müssen da gestärkt werden und genau hinsehen, auch sie dürfen keinen Stereotypen folgen – weder dem Stereotyp der guten Mutter noch dem des guten Vaters –, sondern, auch wenn sie nicht im Strafrecht arbeiten, für Schutz vor Gewalt sorgen.

herCAREER: Der Journalist Ronen Steinke hat anlässlich des Falls von Collien Fernandes ins Bewusstsein gerückt, dass das Sexualstrafrecht im Jurastudium nicht wirklich vorkommt. Wie patriarchal ist unser Rechtssystem geprägt?

Prof. Dr. Susanne Baer: Da ist er nicht der Erste. Seit Jahrzehnten fordern die Frauenrechtsbewegung und feministische Juristinnen, damit besser umzugehen. Wenn Sexualstrafrecht im Studium auftaucht, wird oft zu wenig reflektiert, inwiefern es aus der Täterperspektive unterrichtet wird – „im Zweifel für den Angeklagten“ ist natürlich ein wichtiger Grundsatz, aber wichtig ist hier die Kompetenz im Umgang mit dem gesamten Fall. Dazu gehört das Risiko der Retraumatisierung von Betroffenen genauso wie die Gefahr, dass sich Männer mit dem Täter, wenn auch unbewusst, identifizieren. Der Deutsche Juristentag in Erfurt diskutiert Ende des Jahres darüber.

herCAREER: In Ihrem Buch zitieren Sie Zahlen, wonach heute in Ostdeutschland nur 60 Prozent, im Westen 77 Prozent der Befragten dem Bundesverfassungsgericht vertrauen, und bei denen, die die AfD wählen, sogar nur 34 Prozent. Ist diese Skepsis eine Folge der Diskussion über ein mögliches AfD-Verbot, oder ist das ein Hinweis, dass die Verfassungstreue der Partei fragwürdig ist?

Prof. Dr. Susanne Baer: Die Ursachen der Skepsis sind nicht bekannt. Wir wissen aber, dass dieses Misstrauen gezielt gesät wird und nicht nur Gerichte trifft, sondern vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien und die Politik. Auch hier ist politische Bildung schon in der Schule gefragt, denn viele wissen nicht genug. Ich erlebe oft Menschen, die sich klare Worte zur Verfassungswidrigkeit von Parteien wünschen, also zu dieser roten Linie unserer Demokratie.

herCAREER: Im Buch schreiben Sie, die AfD reiche immer wieder Klagen ein, die von vornherein als erfolglos einzuschätzen sind, um die Gerichte zu belasten und so zu schwächen, und um das Bundesverfassungsgericht als Teil des Systems vorzuführen.

Prof. Dr. Susanne Baer: Bei rechtsautokratischen Parteien gehört das weltweit zur Strategie. Sie tauschen sich darüber aus und lernen voneinander.

herCAREER: Wie sehen Sie die Diskussion über ein Parteiverbotsverfahren?

Prof. Dr. Susanne Baer: Sie ist wichtig und muss geführt werden. Wenn kein Antrag gestellt wird, um das zu klären, bedeutet das zwar nicht, dass alles in Ordnung ist, was die AfD als Partei tut – das zeigt schon die von Gerichten bestätigte Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Aber das wird so benutzt. Wir sprechen hier auch nicht über die Wähler und Wählerinnen, sondern über Funktionäre, die rechtsextreme Positionen vertreten. Und da läuft eine rote Linie – das darf in Deutschland „nie wieder“ sein.

herCAREER: Was sind die größten Herausforderungen in polarisierten Zeiten?

Prof. Dr. Susanne Baer: Für Verfassungsgerichte ist es, wie für Menschenrechtsgerichte, derzeit hart. Sie sind allerdings immer gefährdet, weil sie ja dafür da sind, sogar gewählte Mehrheiten zu stoppen, wenn die sich nicht demokratisch verhalten oder Grundrechte verletzen. Das ist immer fordernd, aber es wird besonders schwierig, wenn politische Kräfte versuchen, den Respekt vor dem Rechtsstaat zu untergraben, Gerichte zu diffamieren, Richtern und Richterinnen die Legitimation abzusprechen. Das wird auch in Deutschland versucht.

herCAREER: Wie lässt sich das aufhalten?

Prof. Dr. Susanne Baer: Aufmerksam sein – und es nicht einfach tolerieren. Viele halten den Rechtsstaat eher für selbstverständlich oder aber für etwas, das nervt, weil es zu bürokratisch ist, zu umständlich. Aber wie wäre es ohne? Es gibt gute Gründe, den Rechtsstaat sehr zu schätzen, so wie unsere Demokratie, und beide nicht von politischen Piraten kapern lassen. Es geht um das Zusammenleben in einer lebendigen Gesellschaft, in der wir nicht aufeinander herumtrampeln, sondern friedlich unterschiedlich sind. Darauf müssen wir uns wieder besinnen, und das bedeutet auch, dafür aufzustehen und es zu verteidigen.

herCAREER: Was gibt Ihnen trotz der Herausforderungen Hoffnung für die Demokratie?

Prof. Dr. Susanne Baer: Die Menschen, die sich dafür engagieren. Dazu kommt eine Erfahrung aus dem Gericht. Vorher hätte ich wohl nicht geglaubt, dass sich acht so unterschiedliche Leute immer wieder einigen können. Es hilft, sich gut vorzubereiten, eigene Irrtümer einzugestehen, sich zusammenzusetzen und in die Augen zu blicken, und sich auf die großen Worte zu beziehen, die für uns alle gelten: auf das Grundgesetz.

herCAREER: Wenn Sie jeder jungen Frau einen Satz aus dem Grundgesetz mitgeben könnten, welcher wäre das?

Prof. Dr. Susanne Baer: Ich finde da so vieles schön! Einer jungen Frau würde ich sagen: Gleichberechtigung ist kein Nice-to-have, sondern dein Grundrecht. Nimm das Grundgesetz in die Hand und hab es als Spirit dabei.

Das Interview führte die freie herCAREER-Redakteurin Silvia Feist.

Prof. Dr. Susanne Baer wird am 23. Oktober 2026 beim Authors-MeetUp live über ihr Buch „Rote Linien: Wie das Bundesverfassungsgericht die Demokratie schützt“ sprechen und Publikumsfragen beantworten.

Bild Dr. Dr. h.c. mult. Susanne Baer, LL.M. Ehemalige Richterin des Bundes­verfassungs­gerichts © Petra Rickert

Quelle messe.rocks GmbH

Eight Sleep Pod 5: Die nächste Generation intelligenter Schlafsysteme im Überblick

0
Eight Sleep Pod 5: Temperaturregelung und Schlaftracking

Mit dem Eight Sleep Pod 5 stellt das US-amerikanische Sleep-Tech-Startup Eight Sleep die bislang umfangreichste Version seines intelligenten Schlafsystems vor. Neben einer weiterentwickelten Temperaturregelung und verbessertem Schlaftracking erweitert das Unternehmen sein Produkt um neue Gesundheitsfunktionen und setzt gleichzeitig konsequent auf künstliche Intelligenz sowie ein abonnementbasiertes Geschäftsmodell. Damit entwickelt sich Eight Sleep zunehmend von einem Hardware-Anbieter zu einer digitalen Plattform für Schlaf und Regeneration.

Der Eight Sleep Pod 5 ist mehr als eine neue Produktgeneration

Seit der Gründung verfolgt Eight Sleep das Ziel, den Schlaf mithilfe moderner Technologien messbar und individuell optimierbar zu machen. Bereits früh setzte das Startup auf die Kombination aus Sensorik, Software und künstlicher Intelligenz. Mit jeder neuen Generation wurde das Schlafsystem weiterentwickelt und um zusätzliche Funktionen ergänzt.

Der Eight Sleep Pod 5 markiert dabei einen weiteren Entwicklungsschritt. Statt lediglich den Schlaf zu überwachen, soll das System die Schlafumgebung aktiv beeinflussen und automatisch an die Bedürfnisse seiner Nutzer anpassen. Damit unterstreicht das Startup seinen Anspruch, Schlaftechnologie nicht nur als Komfortfunktion, sondern als Bestandteil digitaler Gesundheitslösungen zu etablieren.

Was ist beim Eight Sleep Pod 5 neu?

Im Vergleich zu den Vorgängermodellen bringt der Eight Sleep Pod 5 mehrere Neuerungen mit. Im Mittelpunkt stehen eine nochmals präzisere Temperaturregelung, eine erweiterte Sensorik sowie zusätzliche Gesundheitsfunktionen.

Neu ist unter anderem die Hydro Blanket, eine temperaturregulierende Decke, die das bestehende Kühlsystem ergänzt und für ein gleichmäßigeres Schlafklima sorgen soll. Darüber hinaus verfügt das System über einen Health Check, der verschiedene Vitalwerte überwacht und Veränderungen dokumentiert.

Je nach Ausstattung gehören außerdem integrierte Lautsprecher für entspannende Klänge sowie eine verstellbare Basis mit Zero-Gravity-Position zum System. Ziel dieser Funktionen ist es, den Schlafkomfort weiter zu erhöhen und die Regeneration während der Nacht zu unterstützen.

Die Temperaturregelung passt sich automatisch an

Eine der wichtigsten Funktionen des Eight Sleep Pod 5 bleibt die intelligente Temperaturregelung. Das System kann jede Bettseite unabhängig voneinander kühlen oder erwärmen und passt die Temperatur während der Nacht automatisch an.

Dabei berücksichtigt das Schlafsystem sowohl den Verlauf der Schlafphasen als auch Veränderungen der Körpertemperatur. Statt eine feste Temperatur einzustellen, reagiert der Eight Sleep Pod 5 kontinuierlich auf die jeweiligen Bedingungen.

Vor allem Paare profitieren davon, dass beide Bettseiten separat geregelt werden können. Unterschiedliche Temperaturvorlieben lassen sich dadurch unabhängig voneinander berücksichtigen.

Eight Sleep Pod 5: Temperaturregelung und Schlaftracking

Das Schlaftracking liefert umfangreiche Gesundheitsdaten

Neben der Temperaturregelung gehört das integrierte Schlaftracking zu den zentralen Funktionen des Eight Sleep Pod 5. Sensoren erfassen während der Nacht unter anderem Herzfrequenz, Atemfrequenz, Bewegungen sowie die einzelnen Schlafphasen.

Die Daten werden automatisch ausgewertet und in der Eight-Sleep-App übersichtlich dargestellt. Ergänzend erstellt das System tägliche Gesundheitsberichte und dokumentiert langfristige Veränderungen der Vitalwerte.

Ein Vorteil dabei: Das Schlaftracking erfolgt kontaktlos. Zusätzliche Wearables oder Smartwatches sind nicht erforderlich, da sämtliche Sensoren direkt in das Schlafsystem integriert sind.

Künstliche Intelligenz verbindet Temperaturregelung und Schlaftracking

Die künstliche Intelligenz bildet das Herzstück des Eight Sleep Pod 5. Sie verarbeitet die Daten aus dem Schlaftracking und nutzt diese Informationen, um die Temperaturregelung automatisch anzupassen.

Je länger das System genutzt wird, desto besser erkennt die Software individuelle Schlafgewohnheiten. Auf dieser Grundlage kann der Eight Sleep Pod 5 beispielsweise bereits vor dem Schlafengehen die bevorzugte Temperatur vorbereiten oder während der Nacht automatisch verändern.

Dadurch entwickelt sich das Schlafsystem kontinuierlich weiter und passt sich den persönlichen Bedürfnissen seiner Nutzer an.

Eight Sleep setzt auf Hardware und ein abonnementbasiertes Geschäftsmodell

Mit dem Eight Sleep Pod 5 verfolgt das Startup nicht nur technologische Innovationen, sondern auch eine klare Geschäftsstrategie. Neben dem Verkauf des Schlafsystems bietet Eight Sleep mit der Mitgliedschaft 8+ ein abonnementbasiertes Modell an.

Über die Mitgliedschaft erhalten Nutzer unter anderem Zugriff auf zusätzliche Funktionen, Gesundheitsanalysen, Software-Updates und neue KI-Features. Damit setzt das Unternehmen auf wiederkehrende Umsätze – ein Geschäftsmodell, das sich in der Technologiebranche längst etabliert hat und kontinuierliche Weiterentwicklungen der Plattform ermöglicht.

Für Investoren gilt dieser Ansatz als interessant, da Hardware und digitale Dienste miteinander kombiniert werden und Kunden langfristig an das Produkt gebunden werden können.

Der Markt für intelligente Schlafsysteme wächst

Sleep Tech zählt zu den dynamischsten Bereichen der digitalen Gesundheitswirtschaft. Immer mehr Unternehmen entwickeln Lösungen, die Sensorik, Datenanalyse und künstliche Intelligenz miteinander verbinden.

Mit dem Eight Sleep Pod 5 positioniert sich Eight Sleep in einem Markt, der von steigender Nachfrage nach personalisierten Gesundheitslösungen profitiert. Während Fitness-Tracker und Smartwatches längst zum Alltag vieler Menschen gehören, rücken intelligente Schlafsysteme zunehmend in den Fokus.

Für das Startup eröffnet diese Entwicklung neue Wachstumsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigt sie, dass Schlaf heute nicht mehr ausschließlich als Erholungsphase betrachtet wird, sondern zunehmend Teil eines datenbasierten Gesundheitsmanagements ist.

Eight Sleep Pod 5: Temperaturregelung und Schlaftracking

Für wen eignet sich der Eight Sleep Pod 5?

Der Eight Sleep Pod 5 richtet sich an Menschen, die ihre Schlafqualität mithilfe moderner Technologien analysieren und verbessern möchten. Besonders interessant ist das System für Technikbegeisterte, Sportler, Vielreisende sowie Nutzer, die besonderen Wert auf eine individuell anpassbare Temperaturregelung legen.

Auch Menschen, die ihre nächtlichen Gesundheitsdaten ohne zusätzliche Wearables erfassen möchten, finden im integrierten Schlaftracking eine komfortable Lösung. Das System verbindet verschiedene Technologien in einem Produkt und bietet damit einen umfassenden Einblick in die persönliche Regeneration.

Startup-Fact-Box

Unternehmen: Eight Sleep

Gründung: 2014

Gründer: Matteo Franceschetti, Alexandra Zatarain, Andrea Ballarini und Massimo Andreasi Bassi

Hauptsitz: New York City, USA

Branche: Sleep Tech

Produkt: Eight Sleep Pod 5

Technologien: Temperaturregelung, Schlaftracking, künstliche Intelligenz und Sensorik

Geschäftsmodell: Verkauf intelligenter Schlafsysteme kombiniert mit der abonnementbasierten Mitgliedschaft 8+

Der Eight Sleep Pod 5 zeigt die nächste Entwicklungsstufe von Eight Sleep

Mit dem Eight Sleep Pod 5 baut Eight Sleep seine Plattform konsequent weiter aus. Die Kombination aus intelligenter Temperaturregelung, erweitertem Schlaftracking, künstlicher Intelligenz und digitalen Gesundheitsfunktionen zeigt, dass das Unternehmen längst mehr als ein Hersteller smarter Schlafsysteme sein möchte.

Vielmehr verfolgt Eight Sleep das Ziel, Hardware, Software und datenbasierte Services zu einer ganzheitlichen Plattform für Schlaf und Regeneration zu verbinden. Damit unterstreicht das Startup, wie sich der Sleep-Tech-Markt entwickelt – weg von klassischen Produkten und hin zu intelligenten, vernetzten Gesundheitslösungen.

Tipp: StartupValley hat bereits mit CO Founder Alexandra Zatarain über die Vision von Eight Sleep und die Zukunft der Schlaftechnologie gesprochen. Hier findet Ihr das Interview mit Alexandra Zatarain

Infobip: Wohin entwickelt sich die Kundenkommunikation mit KI?

0
Infobip: KI und Infobip AgentOS für moderne Kundenkommunikation Mirza hadzic

Infobip entwickelt KI-gestützte Kommunikationsplattformen und zeigt mit KI und Infobip AgentOS, wie Unternehmen ihre Kundenkommunikation kanalübergreifend steuern können.

Wie ist Infobip entstanden und welche Rolle spielen die Menschen hinter dem Unternehmen für die heutige Ausrichtung?

Infobip wurde 2006 von CEO Silvio Kutić und CTO Izabel Jelenić gegründet. Sie haben das Unternehmen aus eigener Kraft und mit ihrer Leidenschaft für Innovation aufgebaut. Im Jahr 2020 erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 1 Mrd. Euro und wurde zum ersten Unicorn Kroatiens. Heute beschäftigt Infobip mehr als 3.400 Mitarbeitende in über 75 Niederlassungen auf sechs Kontinenten und erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 2,3 Mrd. US-Dollar. Die Gründungs-DNA von Infobip besteht aus bescheidenen Ingenieuren, dem Prinzip „Learning by Doing“ und einer flachen Unternehmenskultur. Diese Grundsätze bestimmen nach wie vor die Ausrichtung des Unternehmens.

Welche Vision verfolgt Infobip im Bereich der digitalen Kundenkommunikation und wie soll diese erreicht werden?

Die Vision von Infobip ist, die globale Kommunikation und digitale Interaktionen zu demokratisieren und es jedem Unternehmen zu ermöglichen, dialogorientierte, personalisierte Kundenerlebnisse zu bieten. Dies erreichen wir durch eine einheitliche, nativ entwickelte Plattform, die Omnichannel-Engagement, Identitätsmanagement, Authentifizierung und Contact-Center-Lösungen bereitstellt.

Dabei ist KI die treibende Kraft. Unsere Infobip AgentOS-Plattform vereint Marketing, Vertrieb und Support in einem KI-gestützten Ökosystem. Unsere Plattform verarbeitet jährlich 530 Milliarden Interaktionen und erreicht über sieben Milliarden Mobilgeräte in mehr als 200 Ländern.

Welche Zielgruppen adressiert Infobip besonders und welche konkreten Probleme löst ihr für diese Unternehmen?

Wir adressieren weltweit vier Kernzielgruppen. Dazu zählen Digital-First-Unternehmen, die Echtzeitkommunikation in ihre Apps integrieren. Des Weiteren bieten wir unsere Omnichannel-Plattform aus einer Hand für Enterprise-Unternehmen an. Außerdem arbeiten wir mit Plattformen, die Kommunikation in ihre Ökosysteme integrieren, sowie mit Telekommunikationspartnern, die durch Zusatzdienste neue Einnahmequellen erschließen möchten.

Wie unterstützt Infobip Unternehmen dabei, Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg konsistent zu steuern?

Über unsere zentrale Full-Stack-Plattform können Unternehmen die Kundeninteraktionen via SMS, Rich Communication Services (RCS), WhatsApp, E-Mail, Voice sowie relevante Messaging-Apps über eine einzige Schnittstelle und Datenebene koordinieren. Unsere Infobip AgentOS-Plattform führt Kundendaten aus allen Kontaktpunkten zusammen, sodass eine auf WhatsApp begonnene Unterhaltung beispielsweise am Telefon fortgesetzt werden kann, ohne dass der Kontext und Informationen verloren gehen.

So konnte etwa die Deutsche Telekom nach der Implementierung der Infobip-Lösungen eine um 26 % höhere Öffnungsrate, eine um 66 % höhere Interaktionsrate und um 120 % höhere Konversionsraten erzielen.

Was macht Infobip im stark umkämpften Markt für Kommunikationsplattformen einzigartig?

Full-Stack-Kontrolle: Wir steuern den gesamten Technologie-Stack von über 800 direkten Anbieter-Verbindungen bis hin zu unserer KI-nativen SaaS-Ebene. Damit gewährleisten wir erstklassige Übertragungsraten und Zuverlässigkeit.

Skalierbarkeit: Wir wickeln jährlich 530 Mrd. Interaktionen ab und verarbeiten während der Cyber Week 12,2 Mrd. Interaktionen.

KI-natives Design: Im Gegensatz zu Wettbewerbern, die KI auf bestehende Plattformen aufsetzen, hat Infobip seine Plattform von Grund auf neu entwickelt und KI dabei in den Kern integriert. Zu den Auszeichnungen von Analysten zählen die Einstufung als „CPaaS-Marktführer“ im Gartner Magic Quadrant in vier aufeinanderfolgenden Jahren sowie die Aufnahme in die Liste der 75 innovativsten Unternehmen Europas von Fortune.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Verbindung von Marketing, Vertrieb und Kundensupport in einer Plattform?

Eine grundlegende Herausforderung besteht darin, dass die meisten Unternehmen in diesen Bereichen separate Technologie-Stacks mit isolierten Daten nutzen. Bei jedem Austausch geht der bisherige Bezug zum Kunden verloren. Mit Infobip AgentOS lösen wir dieses Problem durch eine einheitliche KI-Orchestrierung, die alle drei Bereiche miteinander verbindet. Die zentrale Problematik liegt außerdem in der Organisation. Unternehmen müssen nicht nur ihre Technologie, sondern auch ihre Prozesse neu denken. Gartner bestätigt, dass sich der Markt von getrennten CCaaS-, CRM- und CPaaS-Lösungen hin zu einer einheitlichen CXaaS (Customer Experience as a Service) bewegt. Genau dort positionieren wir uns mit Infobip AgentOS.

Wie wird sich das Kundenerlebnis laut Infobip durch die fortlaufende Integration von KI verändern und bedeutet das tatsächlich das Ende klassischer Chatbots?

Herkömmliche, regelbasierte Chatbots werden durch KI-Agenten ersetzt, die Anliegen verstehen, den Kontext im Blick behalten und selbstständig handeln. Es geht dabei allerdings nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern um eine intelligente Koordination.

KI-Agenten bearbeiten Anfragen in großen Mengen, während komplexe Fälle nahtlos an menschliche Mitarbeitende weitergeleitet werden. Zum Beispiel haben unsere Lösungen 69 % der häufig gestellten Kundenanfragen bei Edenred gelöst und die Wartezeit um 96 % verkürzt.

Wie schafft es Infobip, komplexe Nutzerinteraktionen übersichtlich und effizient abzubilden?

Die Lösungen von Infobip bieten eine einheitliche Koordinierungsebene für alle Kundeninteraktionen. So klärt etwa der KI-Assistent von LAQO 90 % der Versicherungsanfragen in weniger als fünf Nachrichten. Floward hat am Valentinstag 54.000 WhatsApp-Gespräche abgewickelt. iBancar leitet 60 % der Kreditanfragen ohne den Einsatz eines menschlichen Mitarbeitenden zur Genehmigung weiter.

Welche technologischen oder regulatorischen Herausforderungen beeinflussen euer Wachstum aktuell am stärksten?

Für ein Unternehmen unserer Größe steht nicht die Frage im Vordergrund, ob wir die Technologie entwickeln oder einsetzen können. Vielmehr ist entscheidend, wie wir sie über möglichst viele Märkte hinweg konsistent, sicher und gesetzeskonform gestalten. In verschiedenen Ländern gelten unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich Datenschutz, Sicherheit und Regulierung. Daher konzipieren wir unsere Plattform nach dem Prinzip „Privacy by Design“, setzen auf strenge Sicherheitskontrollen und die Flexibilität, sie an lokale Bedürfnisse anzupassen.

In welche Richtung entwickelt sich Infobip in den kommenden Jahren und welche Innovationen plant ihr konkret?

Im April 2026 haben wir Infobip AgentOS veröffentlicht. Unsere KI-native Orchestrierungsplattform ermöglicht die Skalierung von KI-Agenten in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Support.

Außerdem stehen Netzwerk-APIs im Fokus. Wir wollen unsere CAMARA-konformen Portfolios durch Partnerschaften und strategische Allianzen weiter ausbauen.

Einen weiteren wichtigen Wachstumsfaktor bilden Rich Communication Services, nachdem wir auf unserer Plattform die Marke von 10 Milliarden RCS-Nachrichten überschritten haben und am Black Friday 2025 ein RCS-Wachstum von über 277 % verzeichneten. Außerdem bauen wir unser Engagement im Rahmen des IPCEI-CIS-Programms mit einer EU-Kofinanzierung in Höhe von fast 35 Mio. Euro aus.

Welche drei Ratschläge würde Infobip anderen Gründern geben, die im Bereich Kommunikationstechnologie ein Unternehmen aufbauen möchten?

Richtet euer Unternehmen von Tag eins an auf Skalierbarkeit aus, ohne lediglich auf die Architektur zu setzen. Infobip hat sich aus eigener Kraft eine Bewertung von einer Milliarde Dollar erarbeitet, weil wir eine skalierbare Architektur mit finanzieller Disziplin, einem starken Vorstand und der passenden Investorenpartnerschaft zum richtigen Zeitpunkt kombiniert haben. Mehrere Faktoren müssen zusammenkommen: Produkt, Mitarbeitende, Unternehmensführung und Timing.

Kontrolliert eure Infrastruktur. Direkte Beziehungen zu Netzbetreibern und die Kontrolle über den Technologie-Stack sind der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Bei CPaaS hängen Margen und Zuverlässigkeit davon ab, wer die Verbindung steuert.

Setzt auf KI, aber konzentriert euch auf das Problem. KI ist der Wegbereiter, nicht das Produkt. Zunächst müssen die tatsächlichen Probleme in der Kommunikation identifiziert werden. Anschließend hilft KI bei der Lösung.

Bildcredits Infobip

Wir bedanken uns bei Mirza Hadžić für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

DishDrop: Wird die Suche nach dem besten Gericht neu gedacht?

0
DishDrop: Gerichte und Community für neue Restauranttipps Gründerporträt (Paris) Bildrechte: Privat Bertin Kabanda

DishDrop ist eine Plattform für kulinarische Empfehlungen und verbindet Gerichte mit einer aktiven Community, um die Suche nach besonderen Geschmackserlebnissen zu erleichtern

Können Sie DishDrop kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung der App entstanden ist?

DishDrop ist eine Plattform, auf der nicht Restaurants, sondern einzelne Gerichte bewertet werden. Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Viele Menschen schauen sich vor einem Restaurantbesuch Bewertungen an, wissen danach aber trotzdem nicht, welches Gericht sich dort wirklich lohnt. Ein Restaurant kann gute Bewertungen haben, aber nicht jedes Gericht überzeugt. Genau dieses Problem wollte ich lösen. Mit DishDrop können Nutzer Fotos, Bewertungen und Empfehlungen zu einzelnen Gerichten teilen und anderen dabei helfen, schneller die besten Gerichte zu entdecken.

Sie haben DishDrop als Einzelgründer entwickelt und dabei moderne KI-Tools eingesetzt. Welche Rolle hat Künstliche Intelligenz bei der Umsetzung Ihres Projekts gespielt?

Ich habe DishDrop als Einzelgründer entwickelt und moderne KI-Tools gezielt genutzt, um viele Entwicklungsprozesse effizienter zu gestalten. KI hat mich unter anderem beim Programmieren, beim Lösen technischer Probleme, beim Brainstorming und bei der Optimierung von Texten unterstützt. Sie hat die eigentliche Arbeit nicht ersetzt, aber sie hat es mir ermöglicht, deutlich schneller voranzukommen und Ideen umzusetzen, für die früher oft ein ganzes Team notwendig gewesen wäre.

Welche Vision verfolgen Sie mit DishDrop, und wie möchten Sie die Art und Weise verändern, wie Menschen Restaurants und Gerichte entdecken?

Meine Vision ist, dass Menschen nicht mehr nur nach Restaurants suchen, sondern gezielt nach den Gerichten, die sich wirklich lohnen. Ich möchte eine Plattform schaffen, auf der authentische Empfehlungen aus der Community im Mittelpunkt stehen. Langfristig soll DishDrop dabei helfen, besondere Gerichte sichtbar zu machen und Menschen neue kulinarische Entdeckungen zu ermöglichen.

An welche Zielgruppen richtet sich DishDrop hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer App erfüllen?

DishDrop richtet sich an alle, die gerne essen gehen und neue Gerichte entdecken möchten – von Food-Liebhabern über Studierende bis hin zu Reisenden und Familien. Nutzer möchten vor ihrem Restaurantbesuch wissen, welches Gericht besonders empfehlenswert ist. Genau diese Information liefert DishDrop durch echte Bewertungen und Fotos der Community.

Während viele Plattformen Restaurants bewerten, stellt DishDrop einzelne Gerichte in den Mittelpunkt. Warum haben Sie sich bewusst für diesen Ansatz entschieden?

Die meisten Menschen erinnern sich nach einem Restaurantbesuch vor allem an das Essen – nicht an die Gesamtbewertung des Restaurants. Oft gibt es in einem Restaurant ein oder zwei Gerichte, für die sich ein Besuch wirklich lohnt. Genau diese Besonderheiten möchte DishDrop sichtbar machen. Dadurch erhalten Nutzer deutlich konkretere Empfehlungen als bei klassischen Restaurantbewertungen.

Was macht DishDrop aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Bewertungsplattformen?

Der größte Unterschied ist der Fokus auf das einzelne Gericht. Nutzer sehen nicht nur Sternebewertungen, sondern auch Fotos und persönliche Erfahrungen anderer Gäste. Dadurch entsteht eine deutlich konkretere Orientierung. DishDrop beantwortet nicht nur die Frage „Wo soll ich essen?“, sondern vor allem „Was sollte ich dort unbedingt bestellen?“.

Wie wichtig sind authentische Bewertungen, Bilder und Empfehlungen der Community für den Erfolg Ihrer App?

Sie sind der wichtigste Bestandteil von DishDrop. Authentische Fotos und ehrliche Erfahrungen schaffen Vertrauen und helfen anderen Nutzern bei ihrer Entscheidung. Je mehr Menschen ihre Lieblingsgerichte teilen, desto wertvoller wird die Plattform für alle.

Sie sind mit DishDrop bereits im Apple App Store vertreten. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen jetzt beim Aufbau einer aktiven Community und der Gewinnung erster Nutzer?

Die größte Herausforderung ist der Aufbau einer aktiven Community. Eine Plattform lebt von ihren Nutzern und ihren Beiträgen. Deshalb investiere ich aktuell viel Zeit in den Austausch mit Food-Creatorn, Restaurants und den ersten Nutzern. Mein Ziel ist es, möglichst viele hochwertige Bewertungen und Fotos zu sammeln, damit neue Nutzer sofort einen Mehrwert erkennen.

Als 22-jähriger Einzelgründer haben Sie ein digitales Produkt entwickelt. Welche Herausforderungen mussten Sie auf diesem Weg besonders meistern?

Als Einzelgründer übernimmt man praktisch jede Aufgabe selbst – von der Produktentwicklung über Design und Marketing bis hin zum Austausch mit Nutzern und Partnern. Das war eine große Herausforderung, gleichzeitig aber auch eine wertvolle Erfahrung. Besonders wichtig waren Ausdauer, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, Probleme Schritt für Schritt selbst zu lösen.

Welche nächsten Funktionen und Entwicklungsschritte stehen für DishDrop aktuell im Fokus?

Aktuell liegt der Schwerpunkt auf dem Ausbau der Community und der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Plattform. Geplant sind unter anderem neue Funktionen rund um personalisierte Empfehlungen, eine noch bessere Nutzererfahrung sowie weitere Möglichkeiten, interessante Gerichte schneller zu entdecken. Außerdem soll DishDrop künftig auf noch mehr Plattformen verfügbar sein.

Wo sehen Sie DishDrop in den kommenden Jahren, und welche Ziele verfolgen Sie mit der Plattform langfristig?

Ich möchte DishDrop zu einer der ersten Anlaufstellen für Menschen machen, die neue Gerichte entdecken möchten. Langfristig soll die Plattform in vielen Städten genutzt werden und Menschen dabei helfen, schneller die besten kulinarischen Empfehlungen zu finden. Gleichzeitig möchte ich Restaurants unterstützen, ihre besonderen Gerichte sichtbarer zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit Unterstützung von KI ein digitales Produkt entwickeln und erfolgreich am Markt etablieren möchten?

Erstens: Löst ein echtes Problem. Eine gute Idee entsteht dort, wo Menschen im Alltag tatsächlich eine Herausforderung haben.

Zweitens: Nutzt KI als Werkzeug, aber verlasst euch nicht blind darauf. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn eigene Ideen und KI sinnvoll kombiniert werden.

Drittens: Wartet nicht auf Perfektion. Veröffentlicht euer Produkt früh, sammelt Feedback und entwickelt es gemeinsam mit euren Nutzern kontinuierlich weiter.

Bild Gründerporträt (Paris) Bildrechte: Privat

Wir bedanken uns bei Bertin Kabanda für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Firmengründung in der Versicherungs- und Finanzberatung

0
Bildquelle ProFina Deutschland GmbH Sejdin Sejdini

Transparenz, Digitalisierung und Motivation als Erfolgsfaktoren

Die Versicherungs- und Finanzberatungsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während der Bedarf an individueller Absicherung, Altersvorsorge und Vermögensplanung weiterhin hoch ist, verändern sich die Erwartungen der Kunden spürbar. Durch die zunehmende Verfügbarkeit von Informationen im Internet wünschen sich viele einen vertrauenswürdigen Begleiter und strategischen Ansprechpartner – und nicht mehr nur einen Verkäufer mit Fachwissen. Wer heute ein Unternehmen in der Versicherungs- und Finanzberatung gründet, trifft auf einen stark umkämpften Markt, in dem Transparenz, digitale Informationsbereitstellung und moderne Beratungsprozesse zunehmend zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren werden.

Anspruchsvoller Markt mit hohen Kundenerwartungen

In der Versicherungs- und Finanzberatung ist die Zahl der Marktteilnehmer immer größer geworden. Neben klassischen Vermittlern und Maklern konkurrieren mittlerweile auch digitale Plattformen, Vergleichsportale sowie spezialisierte FinTech- und InsurTech-Unternehmen um die Aufmerksamkeit der Kunden. Gleichzeitig haben sich die Informationsmöglichkeiten der Verbraucher grundlegend verändert. Viele informieren sich bereits vor einem Beratungsgespräch online über Produkte, Leistungen und Kosten. Sie erwarten nicht nur kompetente Antworten auf ihre Fragen, sondern auch nachvollziehbare Empfehlungen und eine offene Kommunikation über Chancen, Risiken und mögliche Alternativen. Langfristig hängt der Erfolg also weniger vom reinen Produktverkauf ab als vielmehr von der Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen und nachhaltige Kundenbeziehungen zu schaffen.

Transparenz schafft Vertrauen in der Beratung

Vertrauen zwischen Maklern und Kunden spielt deshalb eine zentrale Rolle. Kunden treffen Entscheidungen, die oft erhebliche Auswirkungen auf ihre finanzielle Zukunft haben. Umso wichtiger ist eine Beratung, die transparent, verständlich und nachvollziehbar gestaltet wird. Am Anfang sollte deshalb eine Analyse der Kundensituation stehen. Kunden möchten verstehen, warum bestimmte Lösungen empfohlen werden und welche Faktoren bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. Eine offene Kommunikation über Leistungen, Kosten, Vertragsbedingungen und mögliche Risiken schafft die Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit. Darüber hinaus gewinnt die verständliche Aufbereitung komplexer Themen an Bedeutung, denn Versicherungs- und Finanzprodukte sind häufig erklärungsbedürftig. Erfolgreiche Berater zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch komplizierte Zusammenhänge klar und nachvollziehbar vermitteln.

Digitale Kompetenz wird zum Wettbewerbsvorteil

Dabei schätzen viele Kunden weiterhin den direkten Austausch mit einem Berater, möchten gleichzeitig jedoch flexibel bleiben. Digitale Beratungen, Online-Portale, elektronische Dokumentenverwaltung, Online-Terminvereinbarungen oder digitale Vertragsübersichten werden heutzutage in der Regel erwartet. Der digitale Zugang zu relevanten Informationen – unabhängig von Ort und Zeit – ermöglicht eine höhere Servicequalität und schafft gleichzeitig mehr Transparenz über bestehende Verträge und finanzielle Entscheidungen. Über Videos, Webinare, digitale Ratgeber oder interaktive Informationsangebote können Kunden dabei in ihrem individuellen Tempo Informationen abrufen und verstehen. Unternehmen, die Wissen leicht zugänglich machen, positionieren sich nicht nur als Dienstleister, sondern als kompetente Ansprechpartner und Begleiter in finanziellen Fragen.

Motivation und Effizienz bleiben entscheidende Erfolgsfaktoren

Trotz aller technologischen Entwicklungen bleiben die klassischen Erfolgsfaktoren unverändert wichtig. Der Aufbau eines Beratungsunternehmens erfordert ein hohes Maß an Motivation, Ausdauer und unternehmerischem Denken. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss bereit sein, viel Zeit in die Akquise zu investieren, sich kontinuierlich weiterzubilden und auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Erfolgreiche Akquise kombiniert heute intelligente Personalisierung, fundierte Recherche und eine sinnvolle Kombination verschiedener Kanäle. Gezielte digitale Lead-Generierung mit modernem Cross-Selling im eigenen Bestand ist beispielsweise vielversprechend. Auch Empfehlungen durch zufriedene Kunden bleiben ein wichtiger Akquisefaktor. Insgesamt spielt zudem Effizienz eine entscheidende Rolle. Digitale Prozesse helfen dabei, administrative Aufgaben zu reduzieren und mehr Zeit für die Neukundengewinnung sowie die Beratungsleistung zu schaffen.

Digitale Tools, Fachwissen und persönliche Beratung erfolgreich verbinden

Die Gründung eines Unternehmens in der Versicherungs- und Finanzberatung bietet weiterhin Chancen, verlangt jedoch eine klare Ausrichtung auf die Anforderungen eines modernen Marktes. Neben fachlicher Kompetenz gewinnen insbesondere Transparenz und digitale Informationsbereitstellung an Bedeutung. Gleichzeitig bleibt der persönliche Vertrauensaufbau ein zentraler Erfolgsfaktor. Wer Motivation, Effizienz und interdisziplinäres Fachwissen mit transparenten Beratungsprozessen und modernen digitalen Lösungen verbindet, schafft die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg in einer zunehmend vernetzten und anspruchsvollen Beratungswelt.

Bildquelle ProFina Deutschland GmbH GeschäftsführerSejdin Sejdini

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Die 7 häufigsten rechtlichen Stolperfallen für Solopreneure – und wie man sie vermeidet

0
Website: Abmahnung durch Datenschutzerklärung vermeiden Georgia Geka-Rampota Bildcredits Fabian Mepic Fotografie

Der Brief, der Lenas Montag ruinierte

Es ist 7:40 Uhr, der Kaffee dampft noch, da liegt dieser Umschlag auf dem Tisch. Kanzlei-Logo, Aktenzeichen, 1.200 Euro. Lena ist Coachin, seit zwei Jahren selbstständig, und sie hatte sich für ziemlich gut organisiert gehalten. Jetzt liest sie das Wort „Abmahnung“ und spürt, wie ihr der Boden wegsackt.

Lena ist erfunden. Die Fehler, über die sie stolpert, passieren jedoch in der Praxis täglich.

Das Impressum als häufige Abmahnfalle

Der Stein des Anstoßes ist ihre Website. Im Impressum stehen der Firmenname und eine E-Mail, sonst nichts. Keine ladungsfähige Adresse, kein vollständiger Name, die Rechtsform falsch. Lena hatte gedacht, das reicht schon, sie verkauft ja nur über Instagram und ein bisschen über die Seite. Nein, das reicht nicht. Wer geschäftlich auftritt, muss ladungsfähig und somit für die Justiz greifbar sein – im Klartext: mit Name und Adresse, nicht mit einem Firmennamen und einem Postfach. Es ist die unscheinbarste Stelle der Website und gleichzeitig die, an der die meisten zuerst auflaufen.

Veraltete Datenschutzerklärung trotz neuer Tools

Während sie scrollt, fällt ihr Blick auf die Datenschutzerklärung. 2021, kopiert aus einem Gratis-Generator. Seitdem sind ein Newsletter-Tool, ein Buchungskalender und ein Analyse-Skript dazugekommen. In dem Text taucht keines davon auf.

Lena war davon ausgegangen, dass mit der extern erstellten Website auch rechtlich alles passt. Tatsächlich liegt die Verantwortung für Datenschutz und rechtliche Inhalte jedoch immer beim Unternehmer selbst – ein Punkt, der häufig unterschätzt wird.

Denn jedes dieser Tools sammelt Daten und müsste in der Datenschutzerklärung aufgeführt sein. Solche Texte veralten oft unbemerkt und hinken den eingesetzten Tools hinterher. Bis es auffällt – und dann nicht selten mit Konsequenzen verbunden ist.

Lenas Banner ist freundlich und schlicht: ein grüner „OK“-Button, fertig. Genau das ist das Problem. Ablehnen kann man nicht, jedenfalls nicht so einfach wie zustimmen. Und ihr Analyse-Tool lädt schon, bevor überhaupt jemand geklickt hat. Sie hatte das nie hinterfragt, der Banner sah ja aus wie überall. Dass „sieht aus wie überall“ kein rechtlicher Maßstab ist, zeigt sich an diesem Morgen.

Newsletter ohne Einwilligung können teuer werden

Dann erinnert sie sich an ihre letzte Kampagne. Nach einem Netzwerkabend hatte sie einen Stapel Visitenkarten abgetippt und allen ihren Newsletter geschickt. Gut gemeint, neue Kontakte, warum nicht. Nur: Niemand hatte zugestimmt. Werbung per E-Mail braucht ein echtes Ja, am besten doppelt bestätigt über einen Link. Mit so einer Bestätigung ließe sich heute schwarz auf weiß nachweisen, wer den Newsletter wollte. Stattdessen bleibt Lena nur ein mulmiges Gefühl.

Unpassende AGB und neue Pflichten beim Widerruf

Lenas AGB stammen von einer fremden Coaching-Seite. Schließlich macht die Mitbewerberin das Gleiche. Einmal kopiert, nie angepasst. Sie passen dennoch nicht zu ihren Online-Kursen, und eine Klausel benachteiligt ihre Kunden so deutlich, dass sie schlicht unwirksam ist.

Beim Verkauf an Verbraucher kommt das Widerrufsrecht dazu – mit der amtlichen Belehrung und einem Formular. Und ausgerechnet jetzt liest sie, dass seit dem 19. Juni 2026 ein Widerrufsbutton Pflicht ist, über den Kunden online direkt kündigen können. Ihre Seite ist davon meilenweit entfernt. Sie fragt sich, ob der Webdesigner sie darauf hätte hinweisen müssen.

Urheberrechte gelten auch für vermeintlich kostenlose Bilder

Brief Nummer zwei kommt zwei Wochen später. Diesmal geht es um das Headerbild auf ihrer Startseite, gefunden über die Bildersuche und für kostenlos gehalten. War es nie. Fotos, Texte, Schriften und die Musik unter ihren Reels – alles gehört irgendwem. Lena hatte nie notiert, woher ihre Bilder kamen, und kann nun nichts belegen. Ein einziges Foto wird teurer als ihr halbes Marketingbudget.

Scheinselbstständigkeit als unterschätztes Risiko

Beim Sortieren ihrer Zahlen zeigt sich das letzte Risiko. Im vergangenen Jahr kam ihr Geld fast nur von einem einzigen Auftraggeber, in dessen Kalender und Tools sie fest eingebunden war. Das riecht nach Scheinselbstständigkeit, und am Ende stehen womöglich Nachzahlungen an die Sozialversicherung an. Mehrere Kunden, eigene Arbeitsmittel und ein klarer Abstand hätten sie besser geschützt. Auch bei der Kleinunternehmerregelung war sie sich nie ganz sicher, wo ihre Grenze eigentlich liegt.

Warum regelmäßige Prüfungen viel Ärger ersparen

Lena unterschreibt eine Unterlassungserklärung, zahlt, ärgert sich und räumt dann auf. Innerhalb eines Monats steht ihre Website auf festem Grund. Das eigentlich Tröstliche an ihrer Geschichte: Kein einziger dieser Punkte ist kompliziert. Sie fallen nur dann auf einmal über einen her, wenn man sie zu lange liegen lässt. Ein halber Tag im Quartal, an dem man Texte, Tools und Verträge überprüft, reicht meist schon aus. Dann bleibt der Montagmorgen das, was er sein sollte – ein Kaffee, eine To-do-Liste und kein Brief von der Kanzlei.

Bildcredits Fabian Mepic Fotografie

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Nazan Eckes wird das Gesicht von pure.lyte

0
Nazan Eckes unterstützt pure.lyte und Elektrolyt-Getränke

Nazan Eckes unterstützt erstmals ein Startup

Nazan Eckes sagt nach über 27 Jahren vor der Kamera erstmals Ja zu einem Startup. Die bekannte Moderatorin, die als Werbegesicht für Marken wie Lancôme, Nivea, Volkswagen R und Schwarzkopf steht, unterstützt ab sofort das Berliner Unternehmen pure.lyte, das Elektrolyt-Getränke herstellt.

Warum Elektrolyte immer wichtiger werden

Doch was sind Elektrolyte eigentlich? Elektrolyte sind Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Natrium, die der Körper braucht, damit Muskeln, Nerven und der Flüssigkeitshaushalt funktionieren. Ob nach dem Sport, einer langen Nacht, an heißen Tagen oder im stressigen Alltag: Wer schwitzt, verliert Elektrolyte. Genau diese füllt pure.lyte wieder auf. Deshalb gewinnt die Kategorie auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

Gründerin Vanessa Klawitter entwickelte pure.lyte aus eigener Erfahrung

Hinter pure.lyte steht Gründerin Vanessa Klawitter. Die 33-jährige Berlinerin war selbst auf der Suche nach einem hochwertigen und leckeren Elektrolyt-Getränk ohne Zuckerzusatz. Als sie 2021 in Supermärkten nicht fündig wurde, kündigte sie ihren Job in der Baubranche und brachte im Januar 2024 pure.lyte zunächst mit zwei Sorten auf den Markt. Heute umfasst das Sortiment drei Geschmacksrichtungen.

Unternehmerin und Mutter überzeugen Nazan Eckes

Nazan Eckes überzeugte nicht nur der Geschmack der Getränke, die sie inzwischen täglich trinkt, sondern vor allem die Gründerin selbst. Vanessa Klawitter möchte mit voller Überzeugung ein ehrliches Produkt auf den Markt bringen. Als zweifache Mutter kennt Nazan Eckes die Herausforderungen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, und möchte die Gründerin deshalb auf ihrem Weg unterstützen.

Nazan Eckes: „Bei pure.lyte war es zum ersten Mal anders“

„In über 27 Jahren vor der Kamera habe ich zu vielen Anfragen Nein gesagt. Bei pure.lyte war es zum ersten Mal anders. Ich trinke die Drinks selbst jeden Tag, weil ich mich danach einfach gut fühle. Aber überzeugt hat mich vor allem Vanessa. Ich weiß als Mutter, wie hart es ist, Familie und Beruf zusammenzubringen. Wenn dann jemand trotzdem so eine Marke aufbaut, möchte ich das gerne unterstützen“, sagt Nazan Eckes.

Vanessa Klawitter sieht die Zusammenarbeit als Bestätigung

Vanessa Klawitter ergänzt: „Als ich gekündigt habe, um pure.lyte zu starten, haben viele in meinem engsten Umfeld den Kopf geschüttelt. Heute steht Nazan Eckes hinter der Marke. Das zeigt mir, dass ehrliche Produkte und harte Arbeit am Ende gesehen werden.“

Bild Nazan Eckes@ pure.lyte GmbH

Quelle pure.lyte GmbH

Neueste Beiträge