Freitag, Juli 17, 2026
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FIB Frankfurt International Bank AG erhält 5 Mio. Euro Wachstumskapital von BM H

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FIB Frankfurt International Bank AG erhält 5 Mio. Euro von BM H Bild von links nach rechts: Joachim Reinhardt, Stephan Groß, Dr. Steffen Huth, Eckhard Creutzburg und Oliver Lösdau.@ BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH

BM H stellt über Hessen Kapital I 5 Mio. Euro Wachstumskapital für die FIB Frankfurt International Bank AG bereit

Wiesbaden/Frankfurt am Main – Die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH stellt der Global Heart Beteiligungsgesellschaft mbH über den von ihr verwalteten Fonds Hessen Kapital I GmbH eine stille Beteiligung in Höhe von 5 Mio. Euro zur Verfügung. Die Global Heart Beteiligungsgesellschaft mbH hat die Mittel in die FIB Frankfurt International Bank AG eingelegt und stärkt damit die Eigenkapitalbasis der Bank für den weiteren Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit.

FIB Frankfurt International Bank AG spezialisiert sich auf internationale Exportfinanzierungen

Die FIB Frankfurt International Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine spezialisierte deutsche Bank mit Fokus auf internationale Exportfinanzierungen. Im Mittelpunkt stehen insbesondere ECA- beziehungsweise Hermes-gedeckte Bestellerkredite für kleinere und mittlere Exporttransaktionen. Damit adressiert die FIB ein Marktsegment, das für viele exportorientierte mittelständische Unternehmen von hoher Bedeutung ist, von klassischen Banken jedoch häufig nur eingeschränkt bedient wird. Ergänzend bietet die Bank gemeinsam mit Partnern Lösungen im Bereich Sperrkonten für internationale Studierende und Fachkräfte an.

Finanzierung stärkt Eigenkapitalbasis und schafft Wachstumsspielraum

Mit der Finanzierung durch die BM H soll die weitere Entwicklung der FIB unterstützt werden. Die zusätzlichen Mittel dienen insbesondere der Stärkung der regulatorischen Eigenmittelbasis und schaffen Spielraum für den weiteren Ausbau des Geschäftsmodells. Dadurch kann die FIB ihr Angebot im Bereich strukturierter Exportfinanzierungen weiter skalieren und zugleich ihre Rolle als spezialisierter Finanzierungspartner für internationale Geschäfte ausbauen.

Geschäftsführer und Vorstand sehen starke Wachstumschancen

„Die Finanzierung durch die BM H ist für uns ein wichtiger Baustein, um die nächste Wachstumsphase der FIB solide zu unterlegen. Die FIB hat sich auf ein Segment spezialisiert, in dem Finanzierung oft der entscheidende Faktor dafür ist, ob internationale Exportgeschäfte tatsächlich zustande kommen. Mit der gestärkten Eigenkapitalbasis können wir diesen Ansatz weiterverfolgen und ausbauen“, sagt Joachim Reinhardt, Geschäftsführer der Global Heart Beteiligungsgesellschaft mbH.

„In den ersten 18 Monaten unserer operativen Geschäftstätigkeit haben wir mehr als 70.000 Sperrkonten eröffnet und Finanzierungsanfragen im Gesamtvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro bearbeitet. Dies zeigt, dass die erwartete Nachfrage nach unserem Nischenangebot vorhanden ist. Wir identifizieren derzeit weitere Geschäftsfelder, die zu unserer Nischenstrategie passen und mit smarter, digitaler Unterstützung effizient bearbeitet werden können. Hierbei hilft die Stärkung unseres Eigenkapitals, zu der BM H beigetragen hat“, ergänzt Eckhard Creutzburg, Vorstandssprecher der FIB Frankfurt International Bank AG.

BM H sieht Mehrwert für Finanzplatz Frankfurt und Mittelstand

„Mit der Beteiligung unterstützen wir ein Vorhaben, das sehr gut zum Finanzplatz Frankfurt und zum Wirtschaftsstandort Hessen passt. Die FIB verbindet Bankexpertise, digitale Prozesse und einen klaren Fokus auf ein bislang nur unzureichend adressiertes Segment der Exportfinanzierung. Gerade für mittelständische Exporteure können tragfähige Finanzierungslösungen ein wesentlicher Erfolgsfaktor im internationalen Geschäft sein“, sagt Stephan Groß, zuständiger Investmentmanager der BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH.

Hessen Kapital I unterstützt innovative und wachstumsorientierte Unternehmen

Hessen Kapital I unterstützt junge innovative Unternehmen sowie wachstumsorientierte mittelständische Unternehmen in Hessen mit Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Finanzierungsinstrumenten. Die stille Beteiligung an Global Heart ermöglicht eine Stärkung der Kapitalbasis, ohne unmittelbar in die Gesellschafterstruktur einzugreifen.

Bild von links nach rechts: Joachim Reinhardt, Stephan Groß, Dr. Steffen Huth, Eckhard Creutzburg und Oliver Lösdau.@ BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH

Quelle BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH

MALU: Wird anonymer Austausch zur neuen Form digitaler Unterstützung?

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MALU: Plattform für Austausch und anonyme Plattform Bild: Mario Klauderoti, Gründer von MALU Network Bildrechte: privat / Mario Klauderoti

MALU ist eine anonyme Plattform für Austausch und Orientierung, die Menschen einen geschützten Raum bietet, um persönliche Gedanken zu teilen und Unterstützung zu finden

Können Sie MALU kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Plattform entstanden ist?

MALU ist ein Angebot von MALU Network und eine anonyme Online-Plattform für Austausch, Gedanken und Orientierung. Nutzerinnen und Nutzer können sich mit einem anonymen Benutzernamen registrieren, Beiträge schreiben, auf Inhalte reagieren, Kommentare verfassen und Feedback zur Plattform geben.

Die Idee zu MALU ist aus einer persönlichen Erfahrung entstanden. Ich habe selbst erlebt, wie schwer es sein kann, mit Gedanken, Ängsten oder innerer Belastung allein zu sein und keinen passenden Ort dafür zu haben.

Besonders 2019 und später während der Corona-Zeit 2020 wurde mir bewusst, wie viele Menschen mit sich selbst kämpfen, aber nicht wissen, wohin sie sich wenden oder wie sie offen darüber sprechen sollen.

Klassische soziale Netzwerke fühlen sich für solche Themen oft nicht passend an. Dort geht es häufig um Sichtbarkeit, Selbstdarstellung und schnelle Reaktionen.

MALU soll bewusst anders sein: ruhiger, geschützter und anonymer.

Sie haben MALU aus einer sehr persönlichen Erfahrung heraus entwickelt. Wann haben Sie gemerkt, dass aus dieser Erfahrung ein Startup entstehen könnte?

Am Anfang war MALU keine klassische Startup-Idee. Es war eher ein Gedanke aus einer Situation heraus, in der ich selbst gemerkt habe, dass mir so ein Ort gefehlt hätte.

Der Moment, in dem daraus mehr wurde, kam, als ich verstanden habe, dass dieses Problem nicht nur mich betrifft. Viele Menschen haben persönliche Belastungen, Ängste oder Gedanken, über die sie nicht offen sprechen möchten. Nicht, weil sie nichts zu sagen haben, sondern weil sie Angst vor Bewertung, Ablehnung oder Unverständnis haben.

Als ich gesehen habe, dass daraus ein größeres Bedürfnis entstehen kann, wurde aus dem Gedanken langsam ein Konzept. Ich wollte nicht nur über eine Lösung sprechen, sondern etwas bauen, das wirklich getestet und genutzt werden kann. Mit der Beta ist MALU jetzt der erste Schritt von der Idee zur echten Plattform geworden.

Welche Vision verfolgen Sie mit MALU, und wie möchten Sie Menschen langfristig unterstützen?

Meine Vision ist, dass MALU ein geschützter digitaler Ort wird, an dem Menschen mit ihren Gedanken nicht allein bleiben müssen.

Langfristig soll MALU Menschen niedrigschwellig abholen. Nicht erst dann, wenn alles komplett eskaliert, sondern früher: in dem Moment, in dem jemand merkt, dass er etwas loswerden möchte, sich austauschen will oder Orientierung sucht.

MALU soll keine Therapie ersetzen und auch kein Krisendienst sein. Die Plattform soll eher eine Brücke sein. Eine Brücke zwischen dem Gefühl, alleine mit etwas zu sein, und dem nächsten Schritt in Richtung Austausch, Unterstützung oder passender Hilfe.

Langfristig möchte ich Community, geschützten Austausch und Hilfsangebote miteinander verbinden.

An welche Zielgruppen richtet sich MALU hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit der Plattform erfüllen?

MALU richtet sich an Menschen, die Gedanken oder persönliche Themen teilen möchten, ohne direkt mit ihrem echten Namen aufzutreten.

Das können Menschen sein, die psychisch belastet sind, unter Ängsten leiden, sich einsam fühlen, viel mit sich selbst ausmachen oder einfach einen Ort suchen, an dem sie ehrlich schreiben können.

Gleichzeitig richtet sich MALU auch an Menschen, die anderen Mut machen, Erfahrungen teilen oder sich in einer respektvollen Community austauschen möchten.

Das wichtigste Bedürfnis ist aus meiner Sicht Sicherheit. Viele Menschen möchten nicht sofort sichtbar sein. Sie möchten schreiben können, ohne sich erklären zu müssen, bevor sie überhaupt angefangen haben.

Genau diesen Raum soll MALU schaffen.

Viele Menschen sprechen über persönliche Belastungen nur ungern in klassischen sozialen Netzwerken. Welche Lücke möchten Sie mit MALU schließen?

Klassische soziale Netzwerke sind oft laut, schnell und sehr öffentlich. Viele Menschen haben dort das Gefühl, funktionieren oder sich gut darstellen zu müssen.

Für persönliche Belastungen, Ängste oder schwierige Gedanken ist das häufig kein geschützter Rahmen.

MALU soll diese Lücke schließen.

Es geht nicht darum, perfekte Bilder zu posten oder Reichweite aufzubauen. Es geht darum, Gedanken aussprechen zu können, Erfahrungen zu teilen und vielleicht von anderen Menschen eine Reaktion zu bekommen, die Mut macht oder Orientierung gibt.

Ich möchte mit MALU einen Ort schaffen, an dem Menschen nicht das Gefühl haben, sich verstellen zu müssen.

Die anonyme Nutzung ist ein zentraler Bestandteil Ihres Konzepts. Warum ist Anonymität für einen offenen und ehrlichen Austausch so wichtig?

Anonymität senkt die Hemmschwelle.

Viele Menschen würden über bestimmte Themen nicht schreiben, wenn direkt ihr echter Name, ihr Umfeld oder ihre öffentliche Identität daran hängt. Gerade bei sensiblen Themen kann Anonymität helfen, ehrlicher zu sein.

Mir ist dabei wichtig: Anonymität bedeutet bei MALU nicht, dass alles erlaubt ist. Es gibt klare Regeln und keinen Platz für Beleidigungen, Missbrauch oder das Bloßstellen anderer Menschen.

Anonymität soll nicht schützen, um anderen zu schaden. Sie soll Menschen schützen, die sich öffnen möchten.

MALU versteht sich ausdrücklich nicht als Therapie oder Krisendienst. Welche Rolle soll die Plattform stattdessen für ihre Nutzerinnen und Nutzer übernehmen?

MALU soll eine ergänzende Rolle übernehmen.

Die Plattform ersetzt keine Therapie, keine medizinische Beratung und keinen Krisendienst. Das ist mir sehr wichtig, weil solche Grenzen klar kommuniziert werden müssen.

MALU soll ein Ort für Austausch, Orientierung und gegenseitige Unterstützung sein. Man kann sich das wie eine Brücke vorstellen: Manche Menschen sehen, dass sie Hilfe oder Austausch brauchen, wissen aber nicht, wie sie den nächsten Schritt gehen sollen.

MALU soll diesen Weg etwas leichter machen. Es geht darum, niedrigschwellig anzufangen: einen Gedanken schreiben, eine Erfahrung teilen, eine Reaktion bekommen oder später passende Hilfsangebote finden.

Sie planen, künftig ein Verzeichnis mit Hilfsangeboten zu integrieren. Wie soll diese Funktion Menschen dabei helfen, schneller passende Unterstützung zu finden?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig die Suche nach passenden Hilfsangeboten sein kann. Man findet viele Einträge, aber oft ist unklar, ob eine Praxis noch aktiv ist, ob Plätze frei sind oder ob ein Angebot überhaupt passt.

Das geplante Hilfsangebote-Verzeichnis soll hier mehr Orientierung geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen später nach Ort, Umkreis und Art des Angebots suchen können.

Ziel ist, Beratungsstellen, therapeutische Angebote, Kliniken und andere Anlaufstellen leichter auffindbar zu machen.

Wichtig ist: Die Hilfsangebote sollen für Nutzerinnen und Nutzer zugänglich sein, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. MALU soll ihnen helfen, schneller einen Überblick zu bekommen und nicht allein durch unzählige Suchergebnisse gehen zu müssen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Plattform, auf der sensible Themen diskutiert werden und gleichzeitig ein geschützter, respektvoller Umgang gewährleistet sein muss?

Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen Offenheit und Schutz.

MALU soll ein Ort sein, an dem Menschen ehrlich schreiben können. Gleichzeitig braucht es klare Grenzen, Moderation und Regeln, damit daraus kein unsicherer Raum wird.

Gerade bei sensiblen Themen ist es wichtig, Missbrauch, Beleidigungen oder verletzende Inhalte ernst zu nehmen. Deshalb braucht MALU klare Nutzungsbedingungen, Meldefunktionen, Moderation und eine Haltung, die sagt: Austausch ja, aber nicht auf Kosten anderer.

Eine weitere Herausforderung ist Vertrauen. Nutzerinnen und Nutzer müssen verstehen, dass MALU anonym gedacht ist, aber trotzdem verantwortungsvoll geführt wird. Diese Mischung aus Anonymität, Sicherheit und Community ist anspruchsvoll, aber genau darin liegt auch der besondere Wert der Plattform.

MALU befindet sich derzeit in der Beta und wurde ohne großes Team oder Investoren entwickelt. Welche Erkenntnisse haben Sie aus den ersten Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer bereits gewonnen?

Die Beta ist noch sehr frisch, aber die ersten Rückmeldungen zeigen bereits, wie wichtig ein klarer und einfacher Zugang ist.

Viele Nutzerinnen und Nutzer müssen sofort verstehen, was MALU ist, wo sie schreiben können und wie sie Feedback geben können. Deshalb sind Übersichtlichkeit, mobile Nutzung und eine ruhige Gestaltung besonders wichtig.

Ich habe auch gemerkt, dass kleine Details eine große Wirkung haben. Zum Beispiel, ob Profile gut aussehen, ob News und Updates sichtbar sind oder ob Nutzerinnen und Nutzer direkt erkennen, dass es neue Inhalte gibt.

Die wichtigste Erkenntnis bisher ist: MALU darf nicht nur technisch funktionieren. Es muss sich auch sicher, verständlich und menschlich anfühlen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Funktionen stehen für MALU aktuell im Fokus?

Aktuell liegt der Fokus darauf, die Beta stabiler, übersichtlicher und nutzerfreundlicher zu machen.

Zu den nächsten Schritten gehören vor allem: die mobile Darstellung weiter verbessern, Benutzerprofile ausbauen, News und Updates interaktiver machen, Feedback auswerten und die Plattform technisch weiter stabilisieren.

Ein großes Ziel der Beta ist es, die ersten 50 bis 100 registrierten Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen, die MALU testen, Beiträge schreiben und ehrliches Feedback geben.

Danach soll das Hilfsangebote-Verzeichnis weiter vorbereitet werden. Dafür möchte ich perspektivisch auch mit Fachpersonen, Beratungsstellen, therapeutischen Angeboten und Kliniken ins Gespräch kommen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ein Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert aufbauen möchten?

Erstens: Warte nicht darauf, dass alles perfekt ist. Wenn eine Idee aus einer echten Erfahrung kommt, ist sie oft am Anfang noch roh. Wichtig ist, daraus einen ersten funktionierenden Schritt zu machen.

Zweitens: Höre früh auf echtes Feedback. Gerade bei gesellschaftlichen oder sensiblen Themen darf man nicht nur aus der eigenen Perspektive entwickeln. Man muss verstehen, was andere Menschen wirklich brauchen.

Drittens: Bleib ehrlich mit deiner Motivation. Wenn man aus einer persönlichen Erfahrung gründet, steckt viel Herzblut darin. Das kann Kraft geben, aber es kann auch herausfordernd sein. Deshalb ist es wichtig, die eigene Vision ernst zu nehmen, aber trotzdem offen für Kritik, Anpassung und Weiterentwicklung zu bleiben.

Für mich ist MALU genau das: kein fertiges Endprodukt, sondern ein Anfang. Eine Plattform, die mit echtem Feedback wachsen soll.

Bild: Mario Klauderoti, Gründer von MALU Network Bildrechte: privat / Mario Klauderoti

Wir bedanken uns bei Mario Klauderoti für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Zelara: KI für personalisierte Kundenkommunikation im CRM

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Zelara: CRM für Kunden mit KI neu gedacht Bild links: Nikolas Schiefer, rechts: Björn Heckel Bildrechte: Zelara

Zelara entwickelt eine KI-Plattform für CRM und unterstützt Unternehmen dabei, Kunden individueller und relevanter anzusprechen

Können Sie Zelara kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Zelara ist eine KI-Plattform für Lifecycle Marketing, die wir in Berlin gegründet haben. Ich bin Björn Heckel und habe mehr als zwei Jahrzehnte damit verbracht, Technologieorganisationen für Kundenbindung, Wachstum und Personalisierung aufzubauen, zuletzt bei Uber, HelloFresh und Salesforce. Mein Mitgründer Nik Schriefer hat zuvor ein AdTech-Unternehmen gegründet und verkauft und danach KI-Initiativen bei HelloFresh geleitet. Wir haben Zelara gegründet, weil uns beiden dasselbe Problem immer wieder begegnet ist: Unternehmen investieren enorm in ihre CRM- und Marketinginfrastruktur und trotzdem bleibt die Kundenkommunikation in der Praxis erstaunlich statisch.

Das wirkt sich weit über das Lifecycle Marketing hinaus aus. Ein großer Teil des Marketingbudgets fließt heute in die bezahlte Kundengewinnung über Plattformen wie Google, Meta und TikTok. Was danach passiert, entscheidet aber darüber, ob sich diese Investition wirklich auszahlt. Genau hier setzen wir an: Indem wir die Kommunikation nach der Akquise drastisch relevanter und individueller machen, steigern wir Engagement und Customer Lifetime Value.

Wie entstand die Idee, Kundenkommunikation mithilfe von Künstlicher Intelligenz neu zu denken?

Ich habe diese Systeme über zwei Jahrzehnte gebaut, und dabei ist mir immer wieder dasselbe Muster aufgefallen: Die Technologie war um Kampagnen, Journeys und Segmente herum gebaut, nicht um den Kunden. Man entwirft eine Kampagne, zeichnet eine Journey, definiert ein Segment und lässt es laufen. Der Kunde ist dabei nur Teil einer Struktur, die um die Botschaft herum gebaut wurde. Irgendwann wurde mir klar: Das ist kein Konfigurationsproblem. Es ist eine Frage der Einheit, um die das ganze System organisiert ist. Wir haben Zelara vom entgegengesetzten Ausgangspunkt aus gebaut: um den einzelnen Kunden herum. Wenn die Einheit der Kunde ist und nicht die Kampagne, hören Segmente und Journeys auf, die Art zu sein, wie Marketing gemacht wird.

Welche Vision verfolgen Sie mit Zelara, und wie möchten Sie die Zukunft des CRM-Marketings gestalten?

Meine Vision ist, dass jede Marke mit jedem Kunden so kommunizieren kann, als würde sie ihn wirklich kennen. Nicht auf Basis von Annahmen über eine Gruppe, sondern auf Basis dessen, was dieser eine Mensch tatsächlich gezeigt hat. CRM-Systeme sind heute sehr gut darin, Entscheidungen auszuführen, die Menschen vorher getroffen haben. Was fehlt, ist die Fähigkeit, aus dem Ergebnis zu lernen und die nächste Entscheidung zu verbessern. Genau das wollen wir zur Grundlage jeder Kundenkommunikation machen.

An welche Zielgruppen richtet sich Zelara hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für diese Unternehmen?

Wir arbeiten mit B2C-Unternehmen, bei denen Lifecycle Marketing direkt auf Aktivierung, Kundenbindung und Customer Lifetime Value einzahlt. Neobanken, E-Commerce-Plattformen, Subscription-Unternehmen. Was diese Unternehmen eint: Sie haben oft einen ausgereiften CRM-Stack im Einsatz und trotzdem kommunizieren sie mit ihren Kunden auf Basis von Segmenten und Regeln, die vor Monaten definiert wurden.

Wir haben aber noch eine zweite Gruppe entdeckt, für die der Wert mindestens genauso groß ist: Unternehmen, die im CRM noch ganz am Anfang stehen und größtenteils aus rein transaktionalen Benachrichtigungen kommen.

Viele Unternehmen sprechen von Personalisierung, arbeiten aber weiterhin mit festen Segmenten. Wo sehen Sie die größten Schwächen klassischer CRM-Ansätze?

Das Kernproblem ist strukturell: Klassische CRM-Systeme wurden gebaut, um Entscheidungen auszuführen, nicht um sie zu treffen. Ein Team definiert Segmente, baut Journeys, setzt Regeln, und das System liefert. Was dabei fehlt, ist die Rückkopplung. Was hat bei welchem Kunden gewirkt? Welches Signal hätte man früher sehen können? Diese Fragen bleiben meistens unbeantwortet, weil die Systeme gar nicht dafür ausgelegt sind, sie zu stellen. Man spricht dann von Personalisierung, meint aber eigentlich: kleinere Segmente. Das ist nicht dasselbe.

Was macht Zelara aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Lösungen für Marketing-Automatisierung und Kundenkommunikation?

Der entscheidende Unterschied ist, dass Zelara den Kreislauf pro Kunde vollständig schließt: Erstellen, Entscheiden, Weiterentwickeln. Die meisten Systeme automatisieren nur einen Schritt und geben den Rest an den Menschen zurück. Eine Decisioning-Engine etwa wählt aus zehn von Menschen geschriebenen E-Mails die passende aus, aber sie kann nur so gut werden wie diese zehn E-Mails. Zelara erzeugt die Inhalte selbst, aus bestehenden Assets, entscheidet für jede einzelne Person, was sie auf welchem Kanal zu welchem Zeitpunkt erhält, und lernt aus jedem Ergebnis. Genau dieser Erstellungsschritt im Kreislauf ist das, was kein anderes System hat. Und das alles, ohne den bestehenden CRM-Stack zu ersetzen. Bei einer führenden europäischen Neobank haben wir damit die Kundenreaktivierung um 66 Prozent gesteigert, ohne ein einziges bestehendes System auszutauschen.

Wie gelingt es Ihrer Plattform, Inhalte, Kanäle und Zeitpunkte der Ansprache individuell auf einzelne Kunden abzustimmen?

Zelara analysiert kontinuierlich, wie einzelne Kunden auf Kommunikation reagieren, über alle Kanäle und Kontaktpunkte hinweg. Auf dieser Basis ermittelt das System, welche Kombination aus Botschaft, Kanal und Zeitpunkt für eine konkrete Person in einem konkreten Moment ihrer Customer Journey am wahrscheinlichsten wirkt. Das Marketingteam gibt die Ziele und Leitplanken vor, die operative Steuerung übernimmt Zelara. Und je mehr Interaktionen Zelara verarbeitet, desto präziser werden diese Entscheidungen.

Welche Rolle spielt generative KI bei der Weiterentwicklung personalisierter Kundenerlebnisse?

Für uns ist generative KI kein Zusatz, sondern ein Kernbestandteil des Kreislaufs. Sie ist der Schritt, der die Decke anhebt: Ein System, das nur unter vorhandenen, von Menschen geschriebenen Botschaften auswählt, kann nur so gut werden wie diese Vorlagen. Ein System, das die Botschaft selbst erstellt, für eine konkrete Person in einem konkreten Moment, hebt diese Grenze auf. Entscheidend ist, dass Erstellung, Kanal und Zeitpunkt dadurch zusammen gedacht werden: Dieselbe Logik, die lernt, was bei einer Person wirkt, erzeugt auch das, was sie als Nächstes erhält. Markensicher und stimmgetreu, innerhalb der Leitplanken, die das Team vorgibt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung eines Systems, das kontinuierlich aus Kundeninteraktionen lernt?

Die größte Herausforderung ist nicht das Lernen selbst, sondern das Vertrauen. Wenn ein System eigenständig entscheidet, was eine Marke an einen Kunden kommuniziert, ist die erste Frage jedes Teams zu Recht: Was, wenn es etwas Falsches tut? Deshalb gibt das Team Ziele und klare Leitplanken vor: von der Markenstimme über Eligibility-Regeln bis hin zu Kanalgrenzen. Innerhalb dieser Grenzen agiert Zelara eigenständig, alle Entscheidungen sind nachvollziehbar dokumentiert und die Ergebnisse werden kontinuierlich überwacht. Die zweite Herausforderung ist die Qualität der Inhalte: Sie müssen markensicher, stimmgetreu und zuverlässig sein. Das ist kein Feature, das man nachträglich ergänzt, sondern muss von Anfang an im Fundament des Systems verankert sein. Gleichzeitig muss ein lernendes System früh messbaren Mehrwert liefern, statt monatelang im Verborgenen zu optimieren.

Wie verändert sich die Erwartungshaltung von Kunden an digitale Kommunikation und personalisierte Angebote?

Kunden merken heute sehr schnell, ob eine Marke sie wirklich kennt oder nur so tut, als ob. Die Toleranz für generische Kommunikation sinkt, während die Erwartung steigt, zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Angebot angesprochen zu werden. Was vor ein paar Jahren noch als gute Personalisierung galt, reicht heute kaum noch aus. Gleichzeitig verschieben sich die strukturellen Rahmenbedingungen: KI-Agenten beeinflussen zunehmend, wie Verbraucher Marken überhaupt entdecken. Unternehmen, die ihre eigenen Kundendaten wirklich aktivieren können, haben damit einen wachsenden Vorteil.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Zelara aktuell im Fokus?

Kurzfristig haben wir mit der Pre-Seed-Finanzierung zwei klare Schwerpunkte. Auf der Produktseite machen wir die Entscheidungen auf Kundenebene noch präziser und decken weitere Kontaktpunkte ab. Auf der Wachstumsseite bauen wir die Zusammenarbeit mit führenden B2C-Unternehmen aus und erweitern das Team.

Das ist aber nur der Anfang. Unsere Vision reicht weiter als die Kommunikation, die wir heute lösen. Weil Zelara um den einzelnen Kunden herum gebaut ist und nicht um die Kampagne, entsteht daraus ein Fundament, auf dem sich weit mehr aufbauen lässt als das, was wir heute bespielen, über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Gleichzeitig verändert KI bereits heute, wie Menschen Marken entdecken und mit ihnen interagieren. Unternehmen, die ihre eigenen Kundendaten intelligent nutzen, werden dadurch einen wachsenden Wettbewerbsvorteil haben. Deshalb bauen wir Zelara für eine Zukunft, in der Menschlichkeit und KI zusammenspielen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit KI-Technologien etablierte Geschäftsprozesse neu gestalten möchten?

Erstens: Hinterfrage die Grundannahmen eines Systems, nicht nur seine Funktionen. Der größte Hebel liegt oft nicht in neuen Features, sondern darin, das System anders zu denken. Bei uns war das der Wechsel von der Kampagne zum einzelnen Kunden.

Zweitens: Lass KI echte Arbeit übernehmen, nicht nur beeindrucken. Frag dich, welcher Prozessschritt heute noch zwingend einen Menschen braucht und ob das wirklich so sein muss.

Drittens: Beweise den Wert früh und an einem konkreten Anwendungsfall. Gerade bei KI entsteht Vertrauen nicht durch Visionen, sondern durch messbare Ergebnisse.

Bild links: Nikolas Schiefer, rechts: Björn Heckel Bildrechte: Zelara

Wir bedanken uns bei Björn Heckel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Tentris: Wird vertrauenswürdige KI zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil?

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Tentris: Unternehmensdaten mit Wissensgraphen effizient nutzen Tentris founders team

Tentris entwickelt Technologien für Unternehmensdaten und Wissensgraphen, um Unternehmen eine leistungsfähige Grundlage für Analysen und KI-Anwendungen zu bieten

Können Sie Tentris kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Tentris ist ein DeepTech-Startup, das eine neue Generation von Graphdatenbanken für Unternehmen entwickelt. Unsere Technologie hilft Organisationen dabei, große, komplexe und stark vernetzte Datenmengen schneller, effizienter und zuverlässiger auszuwerten. Im Kern geht es darum, Unternehmensdaten nicht nur zu speichern, sondern ihre Beziehungen, Bedeutungen und Zusammenhänge nutzbar zu machen, welches als Grundlage für bessere Analysen und vertrauenswürdige KI-Anwendungen gilt.

Gegründet wurde Tentris von Alexander Bigerl, Nikolaos Karalis, Tobias Rebert und Prof. Dr. Axel-Cyrille Ngonga Ngomo. Das Team verbindet tiefgehende wissenschaftliche Expertise in Wissensgraphen, Datenbanken und KI mit operativer und unternehmerischer Erfahrung. Die technologische Basis entstand aus mehrjähriger Forschung an der Universität Leipzig und später an der Universität Paderborn.

Wie entstand die Idee, mit Tentris eine neue Generation von Graphdatenbanken und KI-Lösungen für Unternehmen zu entwickeln?

Die Idee entstand aus der Forschung rund um Wissensgraphen und skalierbare Datenbanksysteme. Der Ursprung liegt in der Masterarbeit von Alexander Bigerl an der Universität Leipzig, betreut von Prof. Dr. Axel-Cyrille Ngonga Ngomo. Schon damals stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich Wissensgraphen deutlich effizienter auswerten lassen, als es mit bestehenden Systemen möglich war.

In der Praxis zeigte sich immer wieder: Unternehmen verfügen über enorme Mengen vernetzter Daten, können diese aber oft nicht in der Geschwindigkeit, Qualität und Tiefe nutzen, die moderne datengetriebene Anwendungen erfordern. Klassische Datenbanken stoßen bei komplexen Beziehungen schnell an Grenzen, während viele Graphdatenbanken bei großen Datenmengen zu langsam oder zu ressourcenintensiv werden. Genau diese Lücke wollten wir schließen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Tentris, und wie möchten Sie den Umgang mit Unternehmensdaten langfristig verändern?

Unsere Vision ist es, die zentrale Infrastruktur für die datengesteuerte Welt von morgen zu schaffen. Langfristig soll Tentris Unternehmen dabei helfen, ihre Daten nicht länger als isolierte Tabellen, Dokumente oder Systeme zu betrachten, sondern als zusammenhängendes, semantisch verständliches Wissensnetz.

Wir möchten eine Dateninfrastruktur ermöglichen, in der Unternehmenswissen sofort nutzbar, verknüpft, erklärbar und für KI-Systeme zuverlässig zugänglich ist. Das Ziel ist eine Art semantische Schicht über bestehenden Datenplattformen: Daten werden automatisch verständlicher, Beziehungen werden sichtbar, und Analysen starten mit Kontext statt mit aufwendiger manueller Datenvorbereitung.

An welche Zielgruppen richtet sich Tentris hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie für diese Unternehmen lösen?

Tentris richtet sich vor allem an mittelgroße und große Unternehmen, die mit großen, heterogenen und stark vernetzten Datenmengen arbeiten. Besonders relevant ist unsere Technologie für Branchen wie Life Sciences, Finanzdienstleistungen, Maschinenbau, Industrie 4.0, Forschung, Software und Telekommunikation.

Diese Unternehmen stehen häufig vor ähnlichen Herausforderungen: Daten liegen verteilt in verschiedenen Systemen, Abfragen über komplexe Zusammenhänge dauern zu lange, bestehende Systeme skalieren nicht wirtschaftlich, und Data-Science-Teams verbringen zu viel Zeit mit Datenintegration statt mit Erkenntnisgewinn. Tentris soll genau hier ansetzen: weniger manuelle Datenaufbereitung, geringere Infrastrukturkosten und schnellere, präzisere Einblicke in komplexe Zusammenhänge.

Viele Unternehmen kämpfen mit Datensilos und verstreuten Informationen. Warum ist dieses Problem gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz so entscheidend?

KI ist nur so gut wie der Kontext, auf den sie zugreifen kann. Wenn Unternehmensdaten in Silos liegen, fehlen KI-Systemen wichtige Zusammenhänge: Welche Kunden, Produkte, Prozesse, Dokumente oder Ereignisse miteinander verbunden sind, bleibt oft unsichtbar. Das führt zu unvollständigen Analysen, schlechteren Entscheidungen und bei generativer KI auch zu unzuverlässigen oder schwer nachvollziehbaren Antworten.

Gerade Enterprise-AI-Anwendungen brauchen eine vertrauenswürdige Datengrundlage. Wissensgraphen können hier als semantische „Ground Truth Layer“ dienen: Sie verbinden Fakten, Metadaten, Dokumente und Beziehungen zu einer erklärbaren Wissensbasis. Dadurch wird KI nicht nur leistungsfähiger, sondern auch nachvollziehbarer und auditierbarer. Gleichzeitig können Halluzinationen reduziert oder vermieden werden, weil KI-Systeme ihre Antworten auf verifizierbare, aktuelle und kontextreiche Unternehmensdaten stützen, statt ausschließlich auf probabilistische Sprachmodelle angewiesen zu sein.

Tentris verbindet Graphdatenbanken mit KI. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Datenbanken oder RAG-Systemen?

Klassische Datenbanken sind sehr stark darin, strukturierte Daten zu speichern und bekannte Abfragen effizient zu beantworten. Sie tun sich aber schwer, wenn Daten sehr heterogen sind, sich häufig verändern und komplexe Beziehungen im Mittelpunkt stehen. RAG-Systeme wiederum helfen dabei, Sprachmodelle mit externen Informationen zu versorgen, basieren aber häufig vor allem auf Ähnlichkeitssuche. Das reicht nicht immer aus, wenn Unternehmen präzise, überprüfbare und mehrstufige Schlussfolgerungen benötigen.

Tentris setzt genau zwischen diesen Welten an. Unsere Graphdatenbank macht Beziehungen explizit, standardisiert und effizient abfragbar. Dadurch entsteht eine strukturierte, erklärbare Wissensbasis, die KI-Systeme mit verlässlichem Kontext versorgt. Statt nur ähnliche Textpassagen zu finden, kann eine KI mit Tentris auf konkrete Fakten, Beziehungen und Zusammenhänge zugreifen.

Welche Vorteile bieten Wissensgraphen, wenn Unternehmen ihre Daten effizienter nutzen und KI-Anwendungen präziser machen möchten?

Wissensgraphen bilden Daten nicht isoliert ab, sondern zeigen ihre Beziehungen und Bedeutungen. Das ist besonders wertvoll, wenn Unternehmen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen müssen, etwa aus ERP-Systemen, CRM-Plattformen, Sensordaten, Dokumenten oder Forschungsdaten.

Für KI-Anwendungen bieten Wissensgraphen drei zentrale Vorteile: Erstens liefern sie Kontext, der für präzisere Antworten entscheidend ist. Zweitens machen sie Zusammenhänge erklärbar, weil Beziehungen explizit modelliert sind. Drittens ermöglichen sie flexible Datenintegration, da neue Datenquellen und neue Beziehungen ergänzt werden können, ohne das gesamte System neu zu entwerfen. So wird aus verstreutem Unternehmenswissen eine nutzbare, maschinenlesbare Wissensbasis.

Wie wichtig sind Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und erklärbare KI bei der Entwicklung Ihrer Technologien?

Diese drei Aspekte sind für uns zentral. Geschwindigkeit ist entscheidend, weil Unternehmen nicht Stunden oder Tage auf Antworten warten können, wenn sie Entscheidungen treffen oder KI-Anwendungen produktiv einsetzen möchten. Skalierbarkeit ist genauso wichtig, weil Datenmengen und Datenbeziehungen in Unternehmen stark wachsen.

Erklärbarkeit ist im Enterprise-Kontext besonders relevant. Unternehmen müssen nachvollziehen können, auf welcher Grundlage eine Analyse oder KI-Antwort zustande kommt. Tentris kombiniert deshalb eine leistungsfähige Graphdatenbank mit einer Architektur, die komplexe Beziehungen effizient auswertet und gleichzeitig eine nachvollziehbare semantische Grundlage schafft. Unsere Technologie nutzt unter anderem Worst-Case Optimal Joins und den Hypertrie-Index, um komplexe Graphabfragen deutlich schneller und ressourcenschonender auszuführen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung von Lösungen für komplexe Unternehmensdaten und anspruchsvolle KI-Anwendungen?

Eine der größten Herausforderungen ist die Balance zwischen Performance, Skalierbarkeit, Speicherverbrauch und Benutzerfreundlichkeit. Unternehmen arbeiten mit sehr unterschiedlichen Datenquellen, Formaten und Systemlandschaften. Eine Lösung muss daher nicht nur technisch leistungsfähig sein, sondern sich auch gut in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen.

Hinzu kommt, dass Enterprise-AI-Anwendungen besonders hohe Anforderungen an Zuverlässigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit stellen. Es reicht nicht, Daten einfach nur schnell bereitzustellen. Sie müssen korrekt, kontextreich und auditierbar sein. Genau deshalb investieren wir stark in robuste Datenbanktechnologie, Standards wie RDF und SPARQL sowie in effiziente Abfrage- und Speicherstrukturen.

Tentris ist aus einer Universität hervorgegangen. Welche Rolle spielt die wissenschaftliche Forschung für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens?

Wissenschaftliche Forschung ist ein zentraler Bestandteil unserer DNA. Tentris ist aus akademischer Forschung entstanden und basiert auf mehreren Jahren Arbeit an Wissensgraphen, Graphdatenbanken und KI-relevanter Dateninfrastruktur. Diese Nähe zur Forschung ermöglicht es uns, nicht nur bestehende Systeme zu verbessern, sondern grundlegende technologische Ansätze neu zu denken.

Gleichzeitig ist uns wichtig, Forschung in ein praxistaugliches Produkt zu überführen. Tentris ist kein reines Forschungsprojekt, sondern ein industriell einsetzbares Backend-Produkt. Die Förderung im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt uns dabei, diesen Schritt von exzellenter Forschung in den industriellen Einsatz zu gehen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Tentris aktuell im Fokus?

Aktuell liegt unser Fokus darauf, TentrisDB weiter zur Marktreife zu bringen, die Community Edition auszurollen und anschließend Enterprise-Kunden mit einer On-Prem-Version zu unterstützen. Langfristig planen wir außerdem eine vollständig gemanagte Cloud-Version, die Unternehmen eine skalierbare semantische Infrastruktur ohne operativen Mehraufwand bietet.

Parallel dazu arbeiten wir daran, Tentris als semantische Schicht für Enterprise AI weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, Wissensgraphen im großen Maßstab für Unternehmen einfacher nutzbar zu machen: von schneller Graph-Analytics über KI-Kontextanreicherung bis hin zu einem langfristigen Semantic-Data-Lakehouse-Ansatz.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus wissenschaftlicher Forschung ein erfolgreiches DeepTech-Unternehmen aufbauen möchten?

Erstens: Verliebt euch nicht nur in die Technologie, sondern versteht sehr genau, welches reale Problem ihr löst. DeepTech ist nur dann erfolgreich, wenn aus wissenschaftlicher Exzellenz ein klarer Nutzen für Kunden entsteht.

Zweitens: Übersetzt Forschung früh in ein Produkt. Wissenschaftliche Tiefe ist ein großer Vorteil, aber Unternehmen kaufen keine Paper, sondern Lösungen, die zuverlässig funktionieren, integrierbar sind und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.

Drittens: Baut ein Team, das Forschung, Technologie und Business gleichermaßen versteht. Gerade bei DeepTech braucht es Menschen, die komplexe Ideen erklären, produktisieren und in den Markt bringen können. Der Weg von der Universität zum Unternehmen ist anspruchsvoll, aber genau dort entstehen oft die spannendsten Innovationen.

Bildcredits Tentris

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Tentris erhält 2 Millionen Euro für KI-Infrastruktur und Graphdatenbanken

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Graphdatenbanken: Tentris erhält 2 Millionen Euro FounderTeamBild

Tentris, ein DeepTech-Startup, das auf mehr als acht Jahren Forschung an der Universität Paderborn basiert, entwickelt die nächste Generation von Graphdatenbanken für Enterprise AI und den Mittelstand. Das Unternehmen gibt heute eine Gesamtfinanzierung in Höhe von 2 Millionen Euro bekannt. Diese umfasst eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 925.000 Euro unter der Führung von Bloomhaus Ventures mit Beteiligung von Vanagon Ventures, āltitude, 10x Value Partners und Business Angel Pascal Wichmann sowie rund 1 Million Euro öffentlicher Innovationsförderung im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Finanzierung für die nächste Generation von Enterprise AI

Mit der zunehmenden Verbreitung von KI in Unternehmen wird eine grundlegende Herausforderung immer deutlicher: KI-Systeme sind nur so leistungsfähig wie die Infrastruktur, die ihnen Zugang zu vernetzten, kontextualisierten und vertrauenswürdigen Daten ermöglicht. Tentris entwickelt die technologische Grundlage, um genau dieses Problem zu lösen.

Wissensgraphen werden zur Grundlage moderner KI-Anwendungen

Wissensgraphen entwickeln sich zunehmend zu einer kritischen Komponente moderner KI-Systeme. Sie bilden die Basis für Anwendungen wie Retrieval-Augmented Generation (RAG), KI-Agenten, semantische Suche und unternehmensweites Wissensmanagement. Da Unternehmen ihre KI-Systeme präziser, nachvollziehbarer und zuverlässiger gestalten möchten, gewinnt die effiziente Verwaltung und Analyse hochgradig vernetzter Daten immer mehr an Bedeutung.

Neue Graphdatenbank-Architektur für komplexe Unternehmensdaten

Hierfür hat Tentris eine grundlegend neue Graphdatenbank-Architektur entwickelt, die Echtzeit-Analysen auf stark vernetzten Unternehmensdaten ermöglicht. Nach Angaben des Unternehmens erreicht die Technologie bis zu 150-mal schnellere Abfragen bei gleichzeitig bis zu 1.000-mal geringerem Arbeitsspeicherbedarf im Vergleich zu herkömmlichen Graphdatenbankansätzen. Dadurch werden komplexe Graphanalysen möglich, die bislang zu langsam, zu teuer oder rechnerisch nicht realisierbar waren. Die Technologie wird bereits von Fortune-500-Technologieunternehmen getestet, die mit den Skalierungsgrenzen bestehender Graphdatenbanken an ihre Grenzen stoßen.

TentrisDB bildet das Herzstück der Plattform

Im Zentrum der Plattform steht TentrisDB – eine hochperformante, festplattenbasierte RDF-Graphdatenbank, die auf einem komprimierten Hypertrie-Index sowie Worst-Case-Optimal Multi-Way Joins basiert. Im Gegensatz zu traditionellen Graphdatenbanken, die häufig an analytischen Workloads, Speichergrenzen und hohen Infrastrukturkosten scheitern, wurde Tentris speziell dafür entwickelt, skalierbare Graphanalysen zu einem Bruchteil der bisherigen Rechenkosten bereitzustellen.

„Unsere Mission ist es, die vertrauenswürdige Graphdatenbank für die nächste Generation von Enterprise AI zu entwickeln“, sagt Alexander Bigerl, CEO von Tentris. „Wissensgraphen bilden die Grundlage kontextbasierter KI. Doch bestehende Graphdatenbanken können mit dem Wachstum moderner Wissensgraphen kaum Schritt halten. Tentris überwindet diese Leistungs- und Speichergrenzen und ermöglicht skalierbare Graphanalysen in Echtzeit.“

Kapital fließt in Produktentwicklung und Markteinführung

Das neu eingeworbene Kapital wird genutzt, um TentrisDB weiterzuentwickeln, die Engineering- und Commercial-Teams auszubauen und die Markteinführung zu beschleunigen. Bereits heute arbeitet das Unternehmen mit ersten Unternehmenskunden zusammen und verfügt über eine wachsende Pipeline mittelständischer und großer Unternehmen, die die Technologie evaluieren.

Investoren sehen großes Potenzial für Enterprise AI

„Tentris vereint eine bahnbrechende Graphdatenbank-Technologie mit einem Markt, der durch die zunehmende Verbreitung von Enterprise AI und den wachsenden Bedarf an strukturierter und erklärbarer Dateninfrastruktur vor einem exponentiellen Wachstum steht“, sagt Tim Schwichtenberg, Senior Investment Manager bei Bloomhaus Ventures. „Basierend auf jahrelanger Spitzenforschung und geschützt durch einen tiefen technologischen Vorsprung hat Tentris bereits deutliche Performancevorteile sowie eine starke Nachfrage aus dem Unternehmensumfeld nachgewiesen. Damit besitzt das Unternehmen das Potenzial, zu einer grundlegenden Infrastrukturkomponente für Enterprise-AI-Anwendungen zu werden.“

„Wissensgraphen entwickeln sich zu einer kritischen Infrastruktur für Europas Unternehmen, während diese ihre Daten für KI nutzbar machen und in einen sinnvollen Kontext setzen“, sagt Videesha Boeckle, General Partner bei āltitude. „Die entscheidende Frage lautet, ob Europa diese Infrastruktur selbst aufbaut oder importiert. Tentris liefert die Antwort: eine auf jahrelanger Forschung basierende Architektur, die Echtzeit-Graphanalysen erstmals wirtschaftlich sinnvoll macht.“

Internationale Auszeichnung bestätigt den technologischen Ansatz

Mit der neuartigen Datenarchitektur und der wachsenden Nutzung im Unternehmenseinsatz definiert Tentris neu, was Unternehmen von Graphdatenbanken im Zeitalter der KI erwarten können. Auch die Branche nimmt diese Entwicklung wahr: Tentris gewann kürzlich den ersten Platz auf der internationalen Knowledge Graph Conference in New York, wo die Technologie von führenden Experten der Branche ausgezeichnet wurde.

Bildcredits Tentris

Quelle Tentris GmbH

ARC Intelligence erhält 4 Millionen Euro für KI im Finanzwesen

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ERP: ARC Intelligence baut AI-native Finance OS aus founders

ARC Intelligence sichert sich €4 Millionen Seed-Finanzierung und bringt das CFO Office ins KI-Zeitalter

Berlin, 7. Juli 2026 – Das Berliner Softwareunternehmen ARC Intelligence gibt den erfolgreichen Abschluss seiner Seed-Finanzierungsrunde über 4 Millionen Euro bekannt. Die Runde wird von 42CAP angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich die bestehenden Investoren 468 Capital und IBB Ventures, die mit der erneuten Unterstützung ihr Vertrauen in Team und Produkt unterstreichen. Mit dem frischen Kapital will ARC die Entwicklung seines AI-native Finance OS weiter beschleunigen, die internationale Expansion vorantreiben und seine Position als Softwareplattform für ERP-intensive Unternehmen ausbauen.

4 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des AI-native Finance OS

Unternehmen haben in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden in ERP-Systeme investiert. Dennoch werden viele Finanzentscheidungen bis heute auf Basis fragmentierter Daten, Excel-Tabellen und manueller Reports getroffen. Gerade für Gruppen mit mehreren Gesellschaften, internationalen Standorten und komplexen Reporting-Anforderungen bedeutet das einen erheblichen operativen Aufwand.

KI verbindet ERP-, CRM- und Unternehmensdaten

ARC entwickelt ein AI-native Finance OS, das bestehende ERP-, CRM- und weitere Unternehmenssysteme auf einer intelligenten Ebene zusammenführt. Statt isolierter Daten und statischer Reports erhalten CFOs erstmals eine Echtzeitansicht ihres Unternehmens, basierend auf Finanzdaten und den operativen Treibern dahinter. So können sie deutlich schneller Entscheidungen treffen, statt auf Buchungen oder Monatsabschlüsse zu warten.

Über die Plattform wurden bis heute über 200.000 unternehmenskritische Entscheidungen unterstützt. CFOs verbringen im Durchschnitt 20 Minuten pro Tag in ARC, um ihr Unternehmen auf Basis aktueller Finanz- und Betriebsdaten zu steuern. Innerhalb von sechs Monaten konnten über 100.000 Stunden manueller Arbeit eingespart werden. Den idealen Einstieg wählt ARC bewusst im CFO Office, von wo aus die Plattform schrittweise zu einem AI-native Operating System für ERP-intensive Unternehmen weiterentwickelt wird.

Plattform soll zentrale Steuerungsebene für Unternehmen werden

„Die Zukunft von Unternehmenssoftware entsteht nicht dadurch, dass man bestehende ERP-Systeme ersetzt. Sie entsteht dadurch, dass man Daten, Prozesse und Entscheidungen systemübergreifend intelligent verbindet. Genau dafür bauen wir ARC: ein AI-native Finance OS, das Unternehmen eine zentrale Steuerungsebene über ihre bestehenden Systeme gibt und sich zum Betriebssystem für ERP-intensive Unternehmen entwickelt“, sagt Clemens Wessendorff, CEO & Co-Founder bei ARC Intelligence.

Starkes Wachstum seit der Pre-Seed-Finanzierung

Seit der Pre-Seed-Finanzierung vor rund einem Jahr hat ARC seine Geschäftsentwicklung deutlich beschleunigt und den Umsatz verzehnfacht. Zu den Kunden zählen unter anderem Burmester, Pfanner Schutzbekleidung, Ferrotec, die OCONO Gruppe sowie Robert Bürkle.

Darüber hinaus arbeitet ARC mit führenden Private-Equity-Investoren wie Auctus Capital und GENUI zusammen, die die Skalierung der Plattform in Portfoliounternehmen ermöglichen und das Vertrauen anspruchsvoller Enterprise-Investoren in den operativen Mehrwert der Lösung unterstreichen.

42CAP investiert in die Zukunft von KI-gestützter Finanzsoftware

„Hin und wieder stößt man auf ein Unternehmen, das eine ganze Branche neu definiert. Besonders beeindruckt hat uns die außergewöhnliche Kundenbegeisterung bei einem so jungen Unternehmen. Wir sind überzeugt, dass die nächste Generation von Finanzsoftware KI-nativ sein wird, mit einem Finance OS, das fragmentierte Einzellösungen ablöst. ARC bringt sowohl die Vision als auch die Umsetzungsstärke mit, um diese Zukunft zu gestalten. Wir freuen uns, das Team auf diesem Weg zu begleiten“, sagt Moritz Zimmermann, General Partner bei 42CAP.

Mit 42CAP gewinnt ARC einen der profiliertesten europäischen Investoren für B2B-Software. Der Fonds wurde unter anderem von Moritz Zimmermann gegründet, Mitgründer von Hybris. Das Enterprise-Softwareunternehmen wurde 2013 für rund 1,5 Milliarden US-Dollar an SAP verkauft und zählt bis heute zu den bedeutendsten europäischen Software-Exits.

Internationale Expansion und Ausbau der Plattform geplant

Mit der Seed-Finanzierung wird ARC seine Produktentwicklung weiter ausbauen, zusätzliche ERP-Integrationen entwickeln, sein Engineering-Team verstärken und seine Expansion in internationale Märkte beschleunigen. Langfristig verfolgt das Unternehmen die Vision, das KI-native Operating System für ERP-intensive Unternehmen zu werden und die Steuerung komplexer Unternehmensgruppen grundlegend zu vereinfachen.

Bildcredits ARC

Quelle COHORT GmbH

Tremi: Was steckt hinter der Milchalternative aus Biertreber?

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Tremi: Circular grain bringt Milchalternative aus Biertreber Gründerinnen Bild v.l.n.r.: Nathalie Stellwag, Denise Ilogu, Marina Hijano Moreno

Münchner Startup bringt mit Amazons Unterstützung nährstoffreiche Milchalternative aus Biertreber auf den Markt

München, 03. Juli 2026 – Das von drei Absolventinnen der Technischen Universität München (TUM) gegründete Startup Circular grain plant mithilfe des Amazon Sustainability Accelerators für Ende des Sommers die Markteinführung seiner Milchalternative Tremi. Das Produkt wird aus Biertreber hergestellt, einem Nebenstrom der Bierproduktion. Zum Start sollen die Varianten Tremi Original und Tremi Barista zunächst im Großraum München über ausgewählte Cafés, den Einzelhandel und Verkostungsaktionen verfügbar sein.

Tremi nutzt Biertreber als Grundlage für eine neue Milchalternative

Tremi basiert auf den Getreiderohstoffen, die beim Brauprozess eingesetzt werden und nach dem Brauen als Biertreber zurückbleiben. Das Produkt enthält laut den Gründerinnen dreimal so viel Protein und sechsmal weniger Zucker als herkömmliche Hafermilch. Durch die Nutzung eines bereits vorhandenen Rohstoffstroms verfolgt Circular grain einen kreislauforientierten Ansatz in der Lebensmittelproduktion. Tremi kommt ohne neue Anbauflächen und Importe von Rohstoffen aus, wodurch es einen potenziell geringeren CO₂-Fußabdruck hat.

Von der Universitätsidee bis zur Marktreife

Die Grundlage für Circular grain entstand in einem Studierendenprojekt an der TUM. Mit der Idee, die wertvollen Nährstoffe im Biertreber für die menschliche Ernährung nutzbar zu machen, entwickelten Nathalie Stellwag, Marina Hijano Moreno und Denise Ilogu ein Geschäftskonzept. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete das Team daran, Tremi durch Verkostungen mit 1.500 Teilnehmenden und über 250 Iterationen zur Marktreife zu führen. Auf dem Weg konnte Circular grain über 500.000 Euro Finanzierung durch Fördermittel und Angel-Investments sichern.

„Es wird viel über Klimawandel und Nachhaltigkeit gesprochen, aber vergleichsweise wenig getan. Für mich war Circular grain die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in eine konkrete Lösung zu übersetzen und damit einen messbaren Beitrag zu leisten“, sagt Marina Hijano Moreno, CTO und Mitgründerin von Circular grain. „Wir nutzen Ressourcen, die bereits vorhanden sind. Mit Tremi machen wir aus Biertreber – der bisher nur wenig für menschliche Nahrungsmittel genutzt wird – eine sehr nährstoffhaltige Milchalternative. Damit möchten wir auch einen Beitrag zu einem kreislauforientierten Lebensmittelsystem leisten. Wir sind sehr stolz, unser Produkt jetzt nach vielen Mühen und Tests auf den Markt zu bringen.“

Amazon Sustainability Accelerator unterstützt Markteinführung

Circular grain ist eines von neun europäischen Startups, die 2026 am Amazon Sustainability Accelerator teilnehmen. Das Förderprogramm unterstützt junge Unternehmen dabei, nachhaltigere Produkte erfolgreich am Markt zu etablieren. Die Teilnahme ist kostenlos und Amazon erhält keine Unternehmensanteile. Das Programm bietet ein maßgeschneidertes Bootcamp, individuell abgestimmte Inhalte sowie Mentoring durch Amazon-Expert:innen. Die Startups erhalten außerdem Cloud-Gutschriften und technische Unterstützung beim Aufbau und bei der Skalierung ihrer Unternehmen, um Millionen von Kund:innen zu erreichen.

Fokus auf Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Innovationen

Die Unternehmen der diesjährigen Kohorte konzentrieren sich darauf, Nebenprodukte oder Abfälle als Ressourcen für neue Alltagsprodukte zu verwenden. Seit dem Start im Jahr 2022 hat Amazon über 70 Startups und Scale-ups in Europa begleitet.

„Egal ob Brot, Kaffeesatz oder Getreide: Jedes dieser Unternehmen schafft aus Abfallmaterialien ein neues Produkt. Abfall wird hier nicht als Problem, sondern als Ressource gesehen. Dieser Perspektivwechsel begeistert uns“, sagt Xavier Flamand, verantwortlich für Amazons Verkaufspartner in Europa.

Bild v.l.n.r.: Nathalie Stellwag, Denise Ilogu, Marina Hijano Moreno

Quelle Amazon Deutschland Services GmbH

Lemonaid: Wird Unternehmensbeteiligung für Communities zum Zukunftsmodell?

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Unternehmensbeteiligung: Lemonaid öffnet Aktien für die Community Paul Bethke

Lemonaid eröffnet mit einer Unternehmensbeteiligung über Aktien der Community die Möglichkeit, Teil eines nachhaltigen Unternehmens zu werden

Lemonaid ermöglicht der eigenen Community erstmals eine Unternehmensbeteiligung. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Weg zu wählen, anstatt auf klassische Investoren oder einen Börsengang zu setzen?

Wir sind ein Unternehmen, dass sich gegründet hat, um positiven Impact voranzutreiben. Und dies geht am besten mit „Gleichgesinnten“. An einer Börse können ungewollte Großinvestoren einsteigen, die unsere Mission verwässern könnten. Dem wollten wir unter keinen Umständen Raum geben. Die Plattformtechnologie zu nutzen, um Aktien direkt an die Community zu verkaufen, ist völlig neu. Damit sind wir die ersten. Und das Schöne: Jeder Investierende wird von uns vor Zulassung geprüft.

Sie sprechen bewusst von „Fairholder Value“ statt „Shareholder Value“. Was bedeutet dieses Konzept konkret, und wie soll es sich in der Praxis von klassischen Beteiligungsmodellen unterscheiden?

Es unterscheidet sich dadurch, dass wir bei uns immer die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet haben. Vom Kleinbauern einer Kooperative bis zum Club oder Bioladen. Für alle sollen Lemonaid und ChariTea etwas Positives bewirken. Dies öffnen wir nun für unsere Community. Über die direkte Beteiligung via Aktien.

Allerdings eben nicht an einem Konzern, sondern an einem Projekt, dass sich die Nachhaltigkeit und den sozialen Impact in die DNA geschrieben hat. So wird jede TeilhaberIn MitbesitzerIn unserer Reise. Es geht nicht um Profitmaximierung für Einzelne. Es geht um die Kreation eines Wertes für alle.

Lemonaid verbindet wirtschaftlichen Erfolg seit Jahren mit sozialem Engagement. Wie stellen Sie sicher, dass dieses Gleichgewicht auch mit einer wachsenden Zahl an Anteilseignerinnen und Anteilseignern erhalten bleibt?

Zum einen wird auch nach Öffnung die Mehrheit in Gründerhand bleiben. Ich selbst werde natürlich die bisherigen Interessen auch in meiner operativen Rolle weiter forcieren. Weiterhin ist Aileen Puhlmann, Vorständin des gemeinnützigen Lemonaid & ChariTea e.V. im Aufsichtsrat. Natürlich hat sie ein besonderes Auge auf die Geschehnisse. Auch die anderen Mitglieder wie Professor Markus Beckmann, der neben seiner Rolle bei uns zu Social Entrepreneurship forscht und lehrt, ist sicher ein guter Garant für unverwässerte Inhalte. Christoph Korritke und Jackson Irvine runden das Bild ab. Zusammengefasst ist der Grund somit mehrschichtig. Wir haben die Sinnhaftigkeit immer in den Vordergrund gestellt – und dies auch bei der neuen Struktur bis ins Detail berücksichtigt.

Mit der Aktienemission können Kundinnen und Kunden zu Miteigentümerinnen und Miteigentümern werden. Welche Chancen eröffnet dieses Modell für die Zukunft von Lemonaid?

Die Öffnung bringt uns in die Lage, mehr Optionen zu haben als bisher. Wir sind bisher zu 100 % in Gründerhand gewesen. Ohne einen einzigen Investor. Das ist super, weil wir so immer Kurs halten konnten. Natürlich beschränkt es gleichzeitig die finanziellen Möglichkeiten. Jeder ausgegebene Euro muss im selben Jahr wieder reinkommen. Durch die Öffnung haben wir nun leichteren Zugang zu finanziellen Mitteln. Und das hilft sehr. Es wird uns mutiger und noch progressiver im Handeln werden lassen.

Seit der Gründung ist Lemonaid international stark gewachsen und unterstützt gleichzeitig soziale Projekte in den Anbauländern. Welche nächsten Ziele verfolgen Sie mit dem frischen Kapital?

Die erste Million geht zunächst im Sinne unserer Mission direkt an den gemeinnützigen Lemonaid & ChariTea e.V.

Das ist für einige sicher verrückt, aber im Sinne unserer Idee. Danach fließen weitere Gelder in eine vorgezogene Kapitalerhöhung bzw. deren Rückzahlung. So haben wir operativ 6 Millionen Euro mehr liquide Mittel. Alles Weitere hängt natürlich dann auch stark davon ab, wie die gesamte Zeichnung laufen wird. Das weiß ja niemand. Obwohl: Das Interesse ist extrem hoch. Aufgrund der extrem hohen Nachfrage nach den Lemonaid Aktien ist die gesamte Webseite der GLS Crowd (initiiert von der GLS Bank) erstmalig seit Gründung des Zeichnungsportals schon Minuten nach Start zusammengebrochen. Jetzt funktioniert zum Glück wieder alles. Sicher zeigt es aber eine Tendenz der Aktion. Über die genannte Verwendung hinaus ist im BaFin-Prospekt alles aufgeführt. Am Ende fließen die Mittel dann in die freie Kapitalrücklage der Anbieterin und können flexibel eingesetzt werden.

Welche Botschaft möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ebenfalls zeigen möchten, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Wirkung kein Widerspruch sein müssen?

Ich unterstreiche immer wieder, dass eine gewisse Naivität nichts Schlechtes ist. Sie öffnet den Blick für Neues und macht den Versuch möglich, etwas zu erreichen, das zuvor noch nicht angegangen wurde. Ich komme immer wieder an den Punkt, dass Experten mir sagen: „Das geht nicht.“ Weil sie es so gelernt haben. Wenn jemand aus sich heraus einen Need für das zu gründende Produkt sieht – im Idealfall aus Eigeninteresse – und es dieses Produkt nicht gibt, wird oft eine Marktnische entdeckt. Und dann heißt es: Mut haben und machen.

Weitere Infos zur Aktie finden Sie hier

Bild Gründer Paul Bethke. Fotocredits: Lemonaid 

Wir bedanken uns bei Paul Bethke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Über 40 Startups pitchen beim Größten Pitch in Köln

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Größter Pitch: HofSync gewinnt vor über 40 Startups Die Organisatoren Beatrix und Benny Schmidt, bei der Anmoderation auf der Bühne in der Lanxess arena Bildcredits © Be a star Productions

Zweieinhalb Minuten große Bühne, um bis zu 900.000 Euro Invest zu gewinnen: Über 40 Startups beim „Größten Pitch“ in Köln

Mit 1.000 Gästen, über 40 ausgewählten Startups und einem Investmentvolumen von bis zu 900.000 Euro fand am 3. Juli 2026 die Premiere des Größten Pitch in der LANXESS arena Köln statt. Das von der FAIME GmbH (FAIME) in nur sechs Wochen realisierte Live-Format war restlos ausverkauft und machte aus Startup-Pitches ein Arena-Erlebnis mit Jury-Feedback, Speaker-Impulsen, Überraschungsgästen und Networking.

Nach über 20 Naked Pitches ohne Präsentationen oder andere Hilfsmittel konnte sich im Finale HofSync durchsetzen. Im Nachgang des Events wird zudem noch ein gesonderter Publikumspreis vergeben, das Voting wird in Kürze gestartet. Für 2027 ist bereits eine Neuauflage von Der Größte Pitch geplant, dann soll die Veranstaltung deutlich ausgebaut werden.

Köln, 03. Juli 2026 – Wo sonst internationale Musik- und Sportstars vor bis zu 20.000 Menschen auftreten, standen diesmal Gründerinnen und Gründer im Mittelpunkt: Beim Größten Pitch wurde der Innenraum der LANXESS arena Köln zur Bühne für über 40 Startups aus ganz Deutschland.

In jeweils zweieinhalb Minuten mussten 20 von ihnen ihre Idee vor Publikum und einer Jury aus erfahrenen Unternehmern und Investoren auf den Punkt bringen. Insgesamt ging es um ein Investmentvolumen von fast einer Million Euro sowie ein attraktives Mediabudget des Partners CITTADINO im Wert von zweimal 100.000 Euro.

Impulse rund um Unternehmertum, Wachstum und KI

Der Abend startete mit einem Show-Opening und Impulsen zu zentralen Gründerthemen – von Unternehmertum, Wachstum, Marke und Sichtbarkeit über mentale Leistungsfähigkeit bis hin zum produktiven Einsatz von KI.

Auf der Bühne standen Dominik Bojakowski, Experte für mentale Stärke, Stressmanagement und persönliche Entwicklung, Remo Fyda, unter anderem CEO und Mitgründer von ProvenExpert.com, Axel Jockwer, Mitgründer des Makler-Marketing-Unternehmens BOTTIMMO AG, Jonas Mehrhoff, Gründer und Geschäftsführer des Mittelstands-KI-Beratungsunternehmens KIsult, sowie Thomas Tornatzky, Experte für Corporate-, Employer- und Personal Branding.

Zweieinhalb Minuten als Bewährungsprobe

Anschließend begann der Pitch-Wettbewerb, für den sich 135 Startups beworben hatten. Aus 40 Startups vor Ort wurden 20 Gründerteams in zwei Gruppen mit jeweils zehn Startups aufgeteilt und zu Naked Pitches auf die Bühne gebeten.

Das bedeutete: keine Präsentation, kein Video – nur die Gründerin oder der Gründer, die zweieinhalb Minuten Zeit hatten, ihre Idee vorzustellen. Ein Lichtkegel zeigte dabei an, welches Startup sich präsentieren durfte – echter Nervenkitzel für Gründer und Publikum zugleich.

Den Zuschauern wurde eine große Bandbreite an Themen geboten. Von frühen Konzepten bis zu bereits finanzierten Unternehmen war alles vertreten – alle erhielten die gleiche Chance.

Umso wichtiger waren die Pitches. Sie entschieden darüber, welche Ideen im Gedächtnis blieben, welche Geschäftsmodelle als tragfähig wahrgenommen wurden und welche Teams Jury und Publikum überzeugen konnten. Auf der Bühne zählten nicht nur Visionen, sondern auch klare Botschaften, ein belastbares Geschäftsmodell und ein überzeugender Auftritt.

Jury wählt Finalisten und HofSync gewinnt

Als Juroren hatten Claus Decker, Marcus Diekmann, Martin Matheo Doeller, Torsten Greif, Mario Künzel, Mathias Muther, Thomas Schatton, Gero Tober sowie Thomas Tornatzky die anspruchsvolle Aufgabe, ihre Favoriten auszuwählen.

Besonders überzeugen konnten CUBESystems, Femi-ON und HofSync, die sich für das Finale qualifizierten. Am Ende setzte sich HofSync durch und sicherte sich ein Mediabudget von CITTADINO im Wert von 100.000 Euro. Das Startup bietet kleinen und mittelständischen Landwirten ein leistungsfähiges Datenmanagement mit KI.

Zusätzlich wird im Nachgang ein Publikumspreis vergeben. Das Online-Voting startet in Kürze über die Veranstaltungsseite. Auch der Gewinner des Publikumspreises erhält ein Mediabudget im Wert von 100.000 Euro.

Außerdem begleiten die Jurymitglieder die auf der Bühne präsentierten Startups in den kommenden Monaten und investieren dabei bis zu 900.000 Euro.

Networking und prominente Überraschungsgäste

Neben dem Wettbewerb legten die Veranstalter von FAIME um Benny Schmidt großen Wert auf den Show- und Netzwerkcharakter der Veranstaltung.

Nach den Pitches verlagerte sich der Schwerpunkt auf das Networking. Bei Drinks und Musik kamen Startups, Investoren, Jury und Gäste miteinander ins Gespräch.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgten Überraschungsgäste, darunter Ex-Fußballprofi Stefan Kießling. Im Rahmen der Special Challenge presented by Football Network 11 trat er im Elfmeterschießen gegen Teilnehmende der Startups und Besucher an.

Erfolgreiche Premiere und Pläne für 2027

Das neue Live-Format Der Größte Pitch wurde von FAIME innerhalb von nur sechs Wochen realisiert. Die 1.000 Tickets für den Innenraum der LANXESS arena waren bereits im Vorfeld ausverkauft, ebenso alle Pitch-Slots.

Für das Kölner Unternehmen ist die erfolgreiche Premiere zugleich der Auftakt für die nächste Ausgabe. Diese findet am 2. Juli 2027 statt. Weitere Informationen zur Bewerbung und zum erweiterten Veranstaltungskonzept sollen zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

„Wir wollten zeigen, dass Startup-Pitches nicht nur in kleinen Konferenzräumen oder im Fernsehen stattfinden können, sondern auch auf der großen Bühne funktionieren. Dass wir innerhalb von sechs Wochen über 40 Startups, 1.000 Gäste, Investoren, Speaker und Partner in die LANXESS arena bringen konnten, zeigt, wie groß das Interesse und die Lücke für neue Formate für Gründerinnen und Gründer ist. 2027 wollen wir daran anknüpfen – mit mehr Vorlauf, mehr Pitches und einem noch größeren Rahmen“, kündigt Schmidt an.

Bild Die Organisatoren Beatrix und Benny Schmidt, bei der Anmoderation auf der Bühne in der Lanxess arena Bildcredits © Be a star Productions

Quelle Heyst GmbH

Was macht vent.io bei Corporate Startups anders als viele andere?

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vent.io: Corporate Startups im Konzern erfolgreich aufbauen Sven Siering Ventio Portrait

vent.io baut Corporate Startups innerhalb eines Konzerns auf und gibt Einblicke, welche Voraussetzungen für erfolgreiche Innovation, nachhaltiges Wachstum und unternehmerisches Handeln in etablierten Unternehmensstrukturen entscheidend sind

Sie haben vent.io innerhalb eines etablierten Konzerns aufgebaut. Was waren die größten Unterschiede zwischen dem Aufbau eines Corporate Startups und der Gründung eines eigenständigen Unternehmens?

Der größte Unterschied liegt nicht im Geld, sondern in der Frage, woraus Geschwindigkeit entsteht. Ein eigenständiges Unternehmen ist schnell, weil es niemandem Rechenschaft schuldet außer seinen Investoren und dem Markt. Ein Corporate Startup ist nie auf dieselbe Weise schnell, dafür hat es Zugang, den kein eigenständiges Unternehmen sich erkaufen könnte. Bei uns sind das die über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen der Deutschen Leasing zum deutschen Mittelstand. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, diesen Zugang in validierte Nachfrage zu übersetzen, statt zu versuchen, ein eigenständiges Unternehmen im Konzern nachzubauen. Wer das nicht versteht, kämpft permanent gegen die eigene Struktur.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein Corporate Startup innerhalb eines Konzerns überhaupt erfolgreich entstehen kann?

Drei Dinge. Erstens ein konkreter Auftrag, der vom Top Management getragen wird und nicht beim nächsten Quartalsbericht wieder infrage steht. Zweitens Zugang zu den Kunden oder internen Ressourcen des Konzerns, denn das ist der Vorteil, den man hat. Drittens die Bereitschaft der Muttergesellschaft, die Einheit nach eigenen Regeln arbeiten zu lassen, solange sie transparent bleibt. Und dazu eine gemeinsame Zielsetzung, der beide Seiten, Corporate Startup wie Muttergesellschaft, verpflichtet sind. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, wird daraus eher ein Innovationstheater als ein Geschäft.

Wie gelingt es, in einer traditionell geprägten Unternehmensstruktur Raum für Innovation, Geschwindigkeit und unternehmerisches Denken zu schaffen?

Indem man Transparenz gegen Freiraum tauscht. Wir berichten regelmäßig und offen, was wir tun, worin wir investieren und was wir bewusst ablehnen. Diese Offenheit schafft Vertrauen, und Vertrauen ist die Währung, mit der man sich Autonomie erarbeitet. Raum entsteht nicht dadurch, dass man sich gegen die Struktur stellt, sondern dadurch, dass die Struktur versteht, was man vorhat und warum.

Sie haben den Aufbau in einer der traditionsreichsten Finanzstrukturen Deutschlands vorangetrieben. Mit welchen Widerständen waren Sie konfrontiert?

Weniger offener Widerstand, als man vermuten würde. Es war eher die Schwerkraft etablierter Abläufe. In einer Organisation, die seit Jahrzehnten verlässlich funktioniert, sind viele Prozesse darauf ausgelegt, Risiken zu vermeiden, nicht sie einzugehen. Das ist kein Vorwurf, das ist die Aufgabe eines solchen Unternehmens. Die Kunst liegt darin, das zu respektieren und trotzdem einen Korridor zu schaffen, in dem anders gearbeitet werden darf.

Viele Corporate-Innovationseinheiten scheitern an internen Hürden. Welche Fehler beobachten Sie besonders häufig?

Der häufigste Fehler ist, die Muttergesellschaft als Gegner zu behandeln, als Bürokratie, die man umgehen muss. Damit verschenkt man genau den Vorteil, der die Einheit überhaupt rechtfertigt. Der zweite Fehler ist mangelnde Kommunikation nach innen: Wer nicht offen und frühzeitig berichtet, was die Einheit tut und warum, erzeugt Misstrauen und schürt Ängste. Transparenz ist keine Pflichtübung, sondern die Bedingung dafür, dass die Einheit in Ruhe arbeiten darf. Und der dritte ist der Versuch, für alle in der Muttergesellschaft nützlich sein zu wollen. In dem Moment, in dem eine Einheit jedem helfen will, ist sie in nichts mehr richtig gut.

Sie haben offen darüber gesprochen, dass Sie in der Aufbauphase Ihr Startteam verloren haben. Was ist damals passiert?

Es fehlte uns am Anfang an gemeinsamer Klarheit darüber, was wir eigentlich bauen und warum. Wir hatten einen Plan und ein Budget, aber kein geteiltes Verständnis davon, was Erfolg bedeutet. Wenn der Auftrag unscharf ist, füllt jeder die Lücke mit seiner eigenen Vorstellung, und mit der Zeit driften diese Vorstellungen auseinander. Aber genau das ist die eigentliche Führungsaufgabe: Klarheit herzustellen, bevor die Reibung einer großen Organisation das übernimmt. Menschen gehen nicht, weil eine Entscheidung schwer ist. Sie gehen, wenn sie nicht verstehen, wofür sie arbeiten.

Welche Führungsfehler haben Sie in dieser frühen Phase gemacht und was haben Sie daraus gelernt?

Ich habe unterschätzt, wie viel Energie in die Herstellung von Klarheit fließen muss, bevor man baut. Ich dachte, das Schwierige sei das Produkt. Tatsächlich war das Schwierige die Ausrichtung. Heute schreiben wir unseren Auftrag explizit auf und halten ihn aktuell. Das klingt unspektakulär, aber genau diese Unspektakularität ist die schützende Infrastruktur, die ein junges Team zusammenhält.

Wie wichtig sind klare Vision, Kommunikation und Orientierung beim Aufbau neuer Geschäftseinheiten?

Sie sind nicht ein Faktor unter mehreren, sie sind die Grundlage. Kapital, Talent und Zugang nützen wenig, wenn niemand im Team dieselbe Frage gleich beantwortet, wenn man fragt, was wir hier eigentlich tun. Orientierung ist das Erste, was man herstellen muss, und das Erste, was verloren geht, wenn man nicht darauf achtet.

Gab es einen Moment, in dem Sie gezweifelt haben, ob das Projekt erfolgreich wird?

Den gab es, vor allem als das erste Team auseinanderfiel. In solchen Momenten ist die Frage nicht, ob man zweifelt, sondern was man daraus macht. Für mich war es der Anstoß, den Aufbau grundlegend anders anzugehen, mit deutlich mehr Disziplin bei Auftrag und Ausrichtung. Rückblickend war dieser Tiefpunkt der Wendepunkt.

Wie verändert sich die Rolle, wenn man nicht gegenüber Investoren, sondern gegenüber einem Konzernumfeld Verantwortung trägt?

Gegenüber Investoren verkauft man eine Zukunft. Gegenüber einem Konzern muss man zusätzlich permanent Vertrauen in der Gegenwart aufbauen, bei vielen verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Interessen. Man ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Übersetzer zwischen zwei Welten, die sehr unterschiedlich ticken. Diese Übersetzungsarbeit kostet Zeit, und wer sie unterschätzt, scheitert daran.

Wann hilft die Hierarchie eines Konzerns beim Aufbau, und wann wird sie zum Hindernis?

Sie hilft beim Zugang. Ein Anruf der Muttergesellschaft öffnet Türen zu Kunden aus dem deutschen Mittelstand, die man als Corporate Startup sonst erst über Jahre aufbauen müsste. Zum Hindernis wird sie, wenn man erwartet, dass Veränderung den formalen Wegen folgt. Das tut sie nicht. Was Dinge wirklich bewegt, ist Vertrauen, das man seitlich aufbaut, quer durch die Bereiche, nicht der Dienstweg.

Welche Fähigkeiten brauchen Führungskräfte, um sowohl die Sprache eines Konzerns als auch die eines Startups zu sprechen?

Vor allem die Fähigkeit, zwischen zwei Logiken zu wechseln, ohne eine davon zu verachten. Im Startup zählt Tempo und Mut zur Lücke, im Konzern zählen Verlässlichkeit und Abstimmung. Beides hat seine Berechtigung. Wer die eine Seite belächelt, verliert sie als Partner. Dazu kommt Geduld und die Bereitschaft, sehr viel zu kommunizieren, oft mehr, als sich nach innen produktiv anfühlt.

vent.io hat Beteiligungen an Unternehmen wie Rabot Energy, Unchained Robotics und WeSort.AI aufgebaut. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Ideen verfolgt werden?

Die zentrale Frage ist immer dieselbe: Brauchen die Kunden der Deutschen Leasing das wirklich, auch wenn sie es vielleicht noch nicht wissen oder erst künftig brauchen werden? Wir prüfen das nicht in der Theorie, sondern in einer mehrwöchigen Validierung mit echten Mittelständlern, bevor wir Kapital binden. Erst wenn diese Frage ehrlich mit Ja beantwortet ist, geht ein Fall ins Investitionskomitee. Das schützt uns vor dem, was im Corporate Venture Capital am meisten Schaden anrichtet, nämlich dem Mitlaufen mit dem jeweils aktuellen Hype.

Wie gelingt es, Innovationen zu identifizieren, die strategisch zum Konzern passen und zugleich eigenständig wachsen können?

Indem man von der Nachfrage her denkt, nicht vom Trend. Wenn ein Geschäftsmodell ein belegtes Problem unserer Kundenbasis löst, hat es beides zugleich: strategische Nähe zum Konzern und einen eigenen Markt. Die Beteiligung steht dann nicht auf der Prognose eines fremden Marktes, sondern auf Beziehungen, die wir bereits haben. Das macht sie nach innen verteidigbar und nach außen tragfähig.

Welche Rolle spielt die Fehlerkultur beim Aufbau eines Corporate Startups?

Eine entscheidende, aber sie wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, Fehler zu feiern, sondern darum, sie früh und billig zu machen. Genau dafür ist unsere Validierung vor dem Investment da. Ein Nein nach sechs Wochen Kundengesprächen ist kein Scheitern, sondern eine gute Entscheidung. Teuer wird es, wenn man Fehler erst spät bemerkt, weil man sich vorher nicht getraut hat, ehrlich hinzusehen.

Was unterscheidet erfolgreiche Corporate-Venture-Einheiten von jenen, die nach wenigen Jahren wieder verschwinden?

Die erfolgreichen behandeln sich als eigene Disziplin mit eigenem Betriebsmodell, nicht als Startup mit reichem Elternhaus. Sie haben einen klaren Auftrag, sie validieren am Kunden, und sie investieren beständig in das Vertrauen der Muttergesellschaft. Die, die verschwinden, verlieren meist nicht durch eine einzelne Fehlentscheidung, sondern durch schleichenden Verlust an Fokus, eine vernünftige Ausnahme nach der anderen, bis sie von der Organisation um sie herum nicht mehr zu unterscheiden sind.

Welche Missverständnisse gibt es rund um das Thema Corporate Venturing?

Das hartnäckigste ist die Vorstellung, man könne Unternehmertum einfach organisatorisch anordnen. Man richtet eine Einheit ein, gibt ihr ein Budget und erwartet Innovation. So funktioniert es nicht. Das zweite Missverständnis ist, dass Tempo das Wichtigste sei. Tempo ohne Fokus verbrennt Kapital im Konzern genauso schnell wie draußen. Und drittens glauben viele, der Konzern sei vor allem ein Hindernis. In Wahrheit ist er das wertvollste Asset, das man hat, wenn man weiß, wie man es nutzt.

Wenn Sie heute noch einmal bei null beginnen würden: Welche drei Dinge würden Sie von Anfang an anders machen?

Erstens würde ich den Auftrag und die Definition von Erfolg vom ersten Tag an schriftlich festhalten und mit allen Beteiligten abstimmen, bevor ich das erste Mitglied einstelle.

Zweitens würde ich die Kundenvalidierung sofort als feste Disziplin etablieren, nicht erst, nachdem ich gelernt habe, wie teuer ihr Fehlen ist.

Drittens würde ich von Beginn an mehr Energie in die Kommunikation nach innen stecken, auch wenn sich das im Moment selten dringend anfühlt.

Welchen Rat würden Sie Führungskräften geben, die innerhalb eines Konzerns eine eigene Venture-Einheit aufbauen möchten?

Klärt euren Auftrag, bevor ihr loslauft, und schützt ihn danach mit aller Konsequenz. Behandelt die Muttergesellschaft als Partner und als Zugang, nicht als Gegner. Und lernt, Nein zu sagen, auch zu vernünftig klingenden Anfragen, denn der Fokus ist das Erste, was unter dem Erwartungsdruck einer großen Organisation verloren geht.

Was sollten Unternehmen verstehen, die glauben, man könne Unternehmertum organisatorisch verordnen?

Dass Unternehmertum aus Verantwortung, Klarheit und echtem Marktkontakt entsteht, nicht aus einem Organigramm. Man kann die Voraussetzungen dafür schaffen, einen konkreten Auftrag, Zugang zu Kunden, Freiraum innerhalb klarer Grenzen. Aber wachsen muss es aus Menschen, die ein echtes Problem für echte Kunden lösen wollen. Eine Einheit einzurichten ist der einfache Teil. Die eigentliche Arbeit besteht darin, ihr die Bedingungen zu schaffen, unter denen Unternehmertum tatsächlich entstehen kann.

Bildrechte: vent.io

Wir bedanken uns bei Sven Siering für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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