Sonntag, Oktober 25, 2026
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Frauengesundheit neu gedacht: Wie das Startup Aenders Kreatin für Frauen etabliert

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Aenders: Kreatin für Frauen und Frauengesundheit Bild Links: Kathrin Ridder rechts: Caroline Thiel Fotografin: Laura Niggeschmidt  Bildrechte Aanders

Mit Aenders wollen die Gründerinnen Kathrin Ridder und Caroline Thiel das Thema Kreatin für Frauen neu positionieren und verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse zur Frauengesundheit mit Nahrungsergänzungsmitteln, Aufklärung und einer starken Community.

Wer steckt hinter Aenders und wie ist die Idee entstanden, eine eigene Marke mit dem Schwerpunkt Frauengesundheit aufzubauen?

Wir sind Kaddi und Caro, also Kathrin Ridder und Caroline Thiel, beste Freundinnen und beide Psychologinnen. Bei uns dreht sich immer alles um Menschen.

Kaddi war die erste Mitarbeiterin bei everdrop. Dort hat sie von Tag 1 an miterlebt, wie man ein Start-up erfolgreich skaliert und eine neue Kategorie aufmacht. Sie war Chief of Staff, hat das Influencer-Marketing auf sechs Millionen Euro Umsatz skaliert und später die Produktentwicklung verantwortet. W&V hat sie in die „Top 33 unter 33“ gewählt.

Caro hat ein Health Café in München eröffnet, die Food-Marke SNACCIDENTS gegründet und F50 mitgegründet, eine digitale Lösung für Menschen mit Essstörungen, die von der Bundesregierung ausgezeichnet wurde. Zuletzt war sie Head of Growth bei Evermood, einer Plattform für mentales Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Wissenschaftlich begleitet uns die Ernährungswissenschaftlerin und Frauengesundheitsexpertin Dr. Dorothea Portius. Sie war am Salk Institute in den USA, forscht heute in Halle und Heilbronn zu Ernährung in der Menopause und hat mehrere Fem Health Bücher geschrieben.

Die Idee zu Aenders kam uns im Gespräch mit den Frauen in unserem Umfeld. Wir kennen so viele tolle Frauen, die nicht sehen, wie stark sie sind. Gleichzeitig hinken Forschung und Produkte bei Frauengesundheit hinterher. Das wollten wir ändern, mit einer Community und mit Produkten, die Frauen wirklich guttun.

Mit Aenders möchtet ihr Frauengesundheit stärker in den Mittelpunkt rücken. Welche Probleme oder Versorgungslücken haben euch zur Gründung bewegt?

In der Medizin war der männliche Körper lange der Standard. Nur rund ein Prozent der Forschungsausgaben im Gesundheitswesen fließt in frauenspezifische Erkrankungen, Krebs nicht mitgerechnet. Das sieht man auch bei Supplements.

Kreatin ist das beste Beispiel. Es ist eines der am besten erforschten Supplements, wurde aber fast nur Männern im Gym verkauft. Dabei haben Frauen im Schnitt deutlich geringere Kreatinspeicher, und ihr Körper verändert sich mit Zyklus, Schwangerschaft und Menopause ständig. Die Nachfrage ist da: Die Google-Suchen nach „Kreatin Frauen“ haben sich in Deutschland seit 2024 fast verzwanzigfacht. Viele Frauen sind trotzdem unsicher, weil ihnen das nie ehrlich erklärt wurde.

Da setzen wir an. Und Kreatin ist erst der Anfang.

Nach eurem Produktlaunch im Februar beschäftigt ihr euch verstärkt mit der Perimenopause. Warum habt ihr euch entschieden, diese Lebensphase besonders in den Fokus zu nehmen?

Weil unsere Community danach gefragt hat. Viele unserer Kundinnen sind zwischen 30 und 50 und stecken mitten in der Perimenopause oder kommen gerade in diese Phase. Sie wollen wissen, was in ihrem Körper passiert und wie sie stark bleiben. Gleichzeitig spricht kaum jemand offen darüber. Das wollen wir ändern: mit Wissen, Webinaren mit Dorothea und Events, bei denen Frauen ehrlich darüber reden können. Und mit dem richtigen Supplement, das sie in dieser wichtigen Phase unterstützt.

Euer Kreatinprodukt wurde von Aenders Daily in Creatine+ umbenannt. Was steckt hinter dieser Entscheidung und wie hat sich eure Markenstrategie entwickelt?

Wir sind mit „Aenders Daily“ gestartet, um zu signalisieren, wie wichtig bei Kreatin die tägliche Einnahme ist. Kreatinspeicher füllen sich nicht über Nacht, die meisten Vitamine wirken nicht über Nacht, man muss eine Weile dranbleiben. Dann haben wir gemerkt: Die meisten haben unsere Sticks als reines Kreatinprodukt gesehen, dabei ist es so viel mehr. Neben Kreatin sind Zink und für Frauen essentielle Vitamine wie Folsäure, Biotin und B12 drin, die wir meist nicht ausreichend über die Ernährung zu uns nehmen. Deswegen haben wir den Produktnamen zu “Aenders Creatine+” geändert. Am Anfang wollten wir breit „Female Health“ abdecken. Heute konzentrieren wir uns auf Kreatin für Frauen und verbinden es mit Aufklärung und Community.

Welche Rolle kann Kreatin aus wissenschaftlicher Sicht für Frauen in der Perimenopause und Menopause spielen und wo sind die Grenzen der bisherigen Forschung?

Ab 30 nimmt unsere Muskelmasse jedes Jahr ab. Ab der Lebensmitte wird es nochmal wichtiger, Muskeln und Kraft zu erhalten. Kreatin unterstützt die körperliche Leistung bei kurzen, intensiven Belastungen wie Krafttraining. Bei Erwachsenen über 55 kann die tägliche Aufnahme die Wirkung von Krafttraining auf die Muskelkraft verstärken. Studien zeigen außerdem sehr vielversprechende Effekte auf Gehirn, Knochen, Regeneration und den weiblichen Zyklus. Gleichzeitig berichten Studien bei einer täglichen Dosis von 3g Kreatin, wie sie in unseren Aenders Kreatin-Sticks für Frauen enthalten sind, so gut wie keine Nebenwirkungen.

Da ist allerdings noch viel Forschung nötig, um eindeutige Aussagen treffen zu können. Die Gender Data Gap ist gerade beim Thema Frauengesundheit ein ernstzunehmendes Problem und wir sind sehr froh, einen kleinen Teil dazu beitragen können.

Gemeinsam mit Dr. Dorothea Portius beleuchtet ihr Ernährung und Krafttraining rund um die Menopause. Welche Erkenntnisse sind dabei besonders relevant?

Erstens: Kein Supplement ersetzt die Basics. Krafttraining, genug Eiweiß und guter Schlaf sind das Fundament, Kreatin, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen können das ergänzen. Und nicht zu vergessen: Die psychische und soziale Gesundheit. Genug Pausen und ausreichend Sozialkontakte senken das Cortisollevel.

Zweitens: Viele Sorgen sind unbegründet. Kreatin macht Frauen nicht „massig“, 3 Gramm pro Tag führen laut aktuellen Studien nicht zu spürbaren Wassereinlagerungen und es schwemmt nicht auf.

Drittens: Es ist einfach. Drei Gramm täglich reichen, ohne Ladephase. Das ist die Menge, die in unseren Kreatin-Sticks von Aenders enthalten sind. Regelmäßigkeit ist wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme.

Und, abseits von Krafttraining: Kreatin spielt nicht nur in den Muskel-, sondern auch in den Gehirnzellen eine Rolle. Welchen Effekt es auf Brain Fog, Fokus, Konzentration und gegebenenfalls sogar Stimmung haben kann, wird gerade untersucht.

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist stark umkämpft. Was unterscheidet Aenders und Creatine+ von anderen Angeboten?

Wir sind lauter. Wir haben es satt, dass Frauen sich kleiner machen. Wir wollen, dass sie Raum einnehmen und sich trauen, sichtbar zu sein. Das ist unsere Haltung, und die spürt man bei uns überall.

Dazu kommen Wissenschaft und Community. Wir haben Creatine+ mit Dorothea für Frauen entwickelt, als praktische Sticks für den Alltag. Und wir haben eine Community von über 2.500 Frauen und mehr als 20 Ambassadors aufgebaut, die sich bei unseren Events und Webinaren austauschen und gegenseitig stärken.

Welche Frauen möchtet ihr mit Aenders erreichen und wie findet ihr heraus, welche Bedürfnisse in den unterschiedlichen Lebensphasen tatsächlich bestehen?

Frauen zwischen 30 und 50, die sich stark fühlen wollen, körperlich und mental, und die lieber Fakten als Hype wollen. Was sie brauchen, finden wir heraus, indem wir sie fragen. Als Psychologinnen liegt uns das. Wir haben vor dem Launch mit Hunderten Frauen gesprochen und tun das heute bei jedem Event, in jedem Webinar und in vielen direkten Nachrichten. So ist auch das Thema Kreatin in der Perimenopause in den Fokus gerückt.

Gerade bei Produkten rund um Frauengesundheit sind wissenschaftliche Grundlagen und Vertrauen entscheidend. Wie stellt ihr sicher, dass eure Kommunikation fundiert bleibt und keine unrealistischen Erwartungen weckt?

Ehrlichkeit und Authentizität ist unsere DNA. Wir trennen klar: Was ist belegt, was ist ein erster Hinweis, was ist offen? Dorothea prüft unsere Inhalte, und wir zitieren Studien und zeigen ehrlich, wo es noch weitere Forschung braucht. Wir versprechen keine Wunder. Oder wie Dorothea sagt: Es geht nicht darum, Kreatin zu verkaufen, sondern es richtig einzuordnen.

Welche Herausforderungen habt ihr seit dem Produktlaunch erlebt und welche Erfahrungen haben eure unternehmerischen Entscheidungen besonders geprägt?

Unser Produkt kam rund zweieinhalb Monate zu spät, und damit haben wir die wichtigsten Monate verpasst: Dezember bis Februar, die Zeit der Neujahrsvorsätze, wenn alle sich plötzlich mit Ernährung und Fitness beschäftigen.

Als nahezu gebootstrapptes Start-up mussten wir mit wenig Geld kreativ werden. Man steckt ständig im Dilemma: Kosten sparen, um nichts zu riskieren, und gleichzeitig investieren, um zu wachsen.

Gelernt haben wir vor allem, dass eine starke Community unser stärkstes Asset ist. Während des Sommerlochs haben wir gesehen, welche Relevanz sie nicht nur Branding-seitig, sondern auch in Hinblick auf unsere Umsätze gemacht. Die Teilnehmerinnen an unseren Events konvertieren oft direkt, mit deutlich höherem AOV als bei einigen Meta Ads.

Wie möchtet ihr Aenders langfristig weiterentwickeln und welche nächsten Produkte oder Themen stehen auf eurer Agenda?

Zuerst wollen wir Kreatin für Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz fest etablieren. Unser erstes Flavor haben wir bereits gelaunched: Unsere Aenders Kreatin-Sticks mit Pfirsichgeschmack sind im Sommer auf den Markt gekommen. Das Thema Frauengesundheit hört für uns aber nicht bei Kreatin auf. Gemeinsam mit Dr. Dorothea Portius und ihrem Team entwickeln wir bereits die nächsten Supplements für Frauen. Mittelfristig wollen wir nach Europa.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen geben, die mit einer eigenen Marke im Gesundheits- und Wellnessbereich Fuß fassen möchten?

Erstens: Wählt eure Mitgründerin mit Bedacht. Das Team ist alles, und wir sind unglaublich dankbar, diese Reise gemeinsam zu machen. Redet über alles. Es wird Momente geben, in denen ihr euch nicht einig seid. Aber wenn ihr ein starkes Team seid, lässt sich alles klären.

Zweitens: Baut eure Community auf, bevor ihr verkauft. Eure Kundinnen sagen euch, was sie brauchen.

Drittens: Hört auf Feedback, aber bleibt euch treu. Ihr seid die Gründerinnen und wisst, warum ihr tut, was ihr tut. Wenn ihr nicht an eure Idee glaubt, wer dann? Be bold. Be aenders.

Bild Links: Kathrin Ridder rechts: Caroline Thiel Fotografin: Laura Niggeschmidt  Bildrechte Aanders

Wir bedanken uns bei Kathrin Ridder und Caroline Thiel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI schreibt die Rechnung? Was MCP für Selbstständige ändert

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Rechnungen: MCP und KI-Assistenten im Einsatz Timo Kleemann

Bisher konnten KI-Assistenten über Rechnungen reden. Jetzt können sie welche anlegen. Möglich macht das eine neue Schnittstelle namens MCP. Was dahintersteckt, was heute schon geht und wo Selbstständige vorsichtig sein sollten.

Vom Chat zur Aktion

Wer ChatGPT oder Claude nutzt, kennt das Muster. Man stellt eine Frage, der Assistent antwortet. Mit der eigenen Buchhaltung hatte das bisher wenig zu tun. Der Assistent kannte weder die Kunden noch die offenen Rechnungen. Alles musste man von Hand hinein- und wieder herauskopieren.

Das Model Context Protocol, kurz MCP, ändert das. Es ist ein offener Standard, den das KI-Unternehmen Anthropic Ende 2024 vorgestellt hat. Inzwischen unterstützen ihn viele KI-Assistenten und Entwicklungswerkzeuge. MCP funktioniert wie ein Adapter. Ein Programm beschreibt, was es kann, etwa „Kunden suchen“ oder „Rechnungsentwurf anlegen“. Der Assistent kann diese Funktionen dann selbst aufrufen.

Für Selbstständige heißt das: Der Assistent arbeitet direkt im Rechnungsprogramm. Er liest dort Daten und legt neue an.

Was heute schon praktisch geht

Erste Rechnungs- und Buchhaltungsprogramme bieten solche Schnittstellen bereits an. Die Möglichkeiten unterscheiden sich, die Grundidee ist überall gleich. Einige Beispiele aus dem Alltag:

Eine Grafikdesignerin schreibt in den Chat: „Lege eine Rechnung für das Logo-Projekt an, 12 Stunden zu 85 Euro.“ Der Assistent sucht den Kunden, legt den Entwurf an und meldet die Summe zurück.

Ein Berater fragt: „Welche Rechnungen sind seit mehr als 30 Tagen offen?“ Er bekommt eine Liste, ohne das Programm zu öffnen.

Eine Übersetzerin kopiert ihre Stundenliste in den Chat. Der Assistent macht daraus Rechnungspositionen.

Ein Fotograf meldet: „Kunde Müller hat heute bezahlt.“ Der Assistent erfasst die Zahlung.

Das spart vor allem bei Routinearbeit Zeit. Besonders dann, wenn Informationen ohnehin schon im Chat stehen.

Wo die Grenze liegt

So bequem das ist: Eine Rechnung ist ein rechtliches Dokument. Sie muss Pflichtangaben enthalten. Nach dem Versand darf sie nicht mehr verändert werden. Fehler korrigiert man nur mit einer Storno- oder Korrekturrechnung. Und ab 2027 beziehungsweise 2028 müssen Rechnungen an Geschäftskunden als E-Rechnung in einem festen Datenformat verschickt werden.

Sprachmodelle machen Fehler. Sie verwechseln Kunden mit ähnlichem Namen. Sie runden falsch. Und sie erfinden manchmal Angaben, die plausibel klingen. Deshalb gilt eine einfache Regel: Die KI schreibt Entwürfe, der Mensch gibt frei. Gute Schnittstellen sind genau so gebaut. Sie legen nur Entwürfe an und verschicken nichts selbstständig. Löschen ist oft gar nicht möglich.

Wer eine solche Verbindung nutzt, sollte jeden Entwurf vor dem Versand prüfen. Stimmen Kunde, Leistung, Zeitraum und Steuersatz? Diese Kontrolle dauert eine Minute. Sie erspart später eine Korrekturrechnung.

Sicherheit und Datenschutz

Mit MCP bekommt ein KI-Assistent Zugriff auf Geschäftsdaten. Das verdient ein paar Überlegungen vorab.

Die Verbindung läuft meist über einen persönlichen Zugangsschlüssel. Er gehört nicht in geteilte Dokumente oder Chats. Gute Programme zeigen an, wann der Schlüssel zuletzt benutzt wurde. Sie erlauben auch, ihn jederzeit zu ersetzen.

Wichtig ist auch der Umfang der Rechte. Ein Assistent, der nur Entwürfe anlegen darf, kann wenig Schaden anrichten. Einer, der Rechnungen versendet, schon.

Schließlich landen die Daten aus dem Chat beim Anbieter des KI-Assistenten. Dazu gehören Kundennamen, Beträge und Leistungen. Wer mit sensiblen Kundendaten arbeitet, sollte die Datenschutzbedingungen des KI-Anbieters lesen. Für geschäftliche Nutzung bieten viele Anbieter eigene Tarife mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung an.

Einstieg in drei Schritten

Erstens: prüfen, ob das eigene Rechnungsprogramm eine MCP-Schnittstelle anbietet. Oft steht das in der Hilfe oder in den Einstellungen unter Stichworten wie „KI“ oder „API“.

Zweitens: die Verbindung einrichten. Meist reicht ein Zugangsschlüssel aus dem Rechnungsprogramm. Er wird in die Einstellungen des KI-Assistenten eingetragen. Das dauert etwa zehn Minuten.

Drittens: klein anfangen. Zuerst nur Fragen stellen, etwa nach offenen Rechnungen. Dann die ersten Entwürfe anlegen lassen und gründlich prüfen. Erst wenn das zuverlässig klappt, die Routine ausweiten.

MCP wird die Buchhaltung nicht ersetzen. Es nimmt Selbstständigen aber lästige Klickarbeit ab. Die Verantwortung für jede Rechnung bleibt bei ihnen.

Bildcredits Timo Kleemann/privat

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sternekoch trifft Air Fryer: Wie das Startup FRYZZA in der Höhle der Löwen punkten will

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FRYZZA: Air Fryer Pizza – Die Höhle der Löwen Ronny Schreiber, Dieter Könnes und Alexander Wulf (v.li.) , Gründer von FRYZZA Foto: RTL

Das Startup FRYZZA entwickelt eine speziell für den Air Fryer konzipierte Tiefkühlpizza und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Geschäftsidee und die Pläne für den bundesweiten Handel vorzustellen.

Wie ist die Idee zu FRYZZA entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter FRYZZA stehen fünf Gründer mit ganz unterschiedlichen Hintergründen – und genau das macht uns aus. Alexander Wulf ist Sternekoch und hat mit seinem Freund Ronny Schreiber, bester Sommelier Deutschlands 2026, das Restaurant TROYKA in Erkelenz zu einem Michelin-Stern geführt. Josef Kirisits ist Handels-, Marken- und Produktionsspezialist und mit diversen Produkten im österreichischen und deutschen Lebensmittelhandel vertreten. Lars Jansen ist ebenfalls Händler, vor allem im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Dieter Könnes kommt aus Radio und Fernsehen, ist Moderator, Unternehmer und Gründer der ROBIN GUT Stiftung. Dieter und Lars sind Geschäftsführer der FRYZZA GmbH.

Der Witz ist: Eigentlich hatten wir uns Ende März 2025 aus einem ganz anderen Grund getroffen. Doch dann kam plötzlich die Frage auf: Der Air Fryer hat die deutschen Küchen erobert – warum gibt es dafür keine richtig gute Pizza? Warum entwickelt nicht mal ein Sternekoch eine Pizza, die genau für den Air Fryer gemacht ist? Als klar war, dass es tatsächlich noch keine einzige Pizza extra für den Air Fryer gab, und weil Pizza zu den beliebtesten Produkten in deutschen Küchen gehört, haben wir gesagt: Warum eigentlich nicht? Nach wenigen Tagen Recherche stand fest, dass wir gemeinsam gründen. Alexander hat so lange an der Rezeptur getüftelt, bis FRYZZA perfekt war. Von der ersten Idee bis ins Kühlregal hat es keine sechs Monate gedauert – im Herbst 2025 kam FRYZZA in den Handel, gestartet mit einer Premierenparty in Erkelenz.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell von FRYZZA aus?

Wir sind im Lebensmittelbereich tätig, genauer gesagt im Tiefkühlsegment. FRYZZA ist die erste Tiefkühlpizza, die von Grund auf für den Air Fryer entwickelt wurde. Die Rezeptur stammt von Sternekoch Alexander Wulf, der jede Änderung selbst freigibt; produziert wird bei einem spezialisierten Partner nach seinen Vorgaben. Vertrieben wird FRYZZA über den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland und Österreich sowie über Bofrost.

Das Besondere an unserem Geschäftsmodell ist das Team: Wir decken Küche, Kommunikation, Produktion, Handel und Logistik selbst ab. Jeder von uns kann etwas, was der andere nicht kann – so ergänzen wir uns perfekt. Bisher haben wir alles aus eigenen Mitteln der Gründer finanziert und stecken fast alles wieder ins Unternehmen.

Welches konkrete Problem löst ihr und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Der Air Fryer ist längst ein Standardgerät wie die Mikrowelle – in Deutschland und Österreich steht er in rund 30 % der Haushalte. Aber normale Tiefkühlpizzen passen nicht automatisch in den Heißluftkorb oder werden ungleichmäßig. Die großen Marken bauen ihre Pizzen für den Backofen und schreiben manchmal „auch für den Air Fryer“ auf die Packung.

Wir haben keine normale Pizza angepasst, sondern Teig, Form und Belag komplett für die Heißluftfritteuse gedacht: ein handgezogener Sauerteig mit 24 Stunden Reifezeit, eine eckige Form, die optimal in den Korb passt, und zwei Pizzen pro Packung. Nach fünf bis sechs Minuten ist FRYZZA außen knusprig und innen saftig. Und wer nur kleinen Hunger hat, nimmt eben nur eine FRYZZA aus der Packung. Damit schließen wir die Lücke zwischen schnellem Essen und echter Qualität – für Berufstätige, Studierende, Familien und Singles, vom Teenager bis zur Großmutter. Erst neulich hat uns eine 81-jährige Kundin im Supermarkt dafür gefeiert, dass sie für ihren Air Fryer endlich eine passende Pizza gefunden hat.

Warum habt ihr euch entschieden, mit FRYZZA in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Wir haben ein Produkt, das man sofort versteht und das jeder probieren will. Wir wollten FRYZZA aus der Region heraus deutschlandweit bekannt machen und dafür einen Partner finden, der den Lebensmittelhandel wirklich kennt. Die VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bietet beides: Millionen Zuschauer und Investoren mit starken Netzwerken.

Im Vordergrund stand für uns ganz klar eine langfristige Partnerschaft, nicht nur das Sprungbrett. Aufmerksamkeit ist schön, aber wir suchen jemanden, der mit uns wachsen will – mit Know-how in Handel, Vertrieb und Marketing, nicht nur mit Kapital.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Wir sind ganz offen in die Sendung gegangen und hätten uns über jeden Löwen gefreut, der an FRYZZA glaubt. Für uns war entscheidend, wer den Lebensmitteleinzelhandel und den Food-Bereich wirklich kennt. FRYZZA gehört ins Tiefkühlregal – und unsere Vision ist es, die Pizza-Marke zu werden, an die man beim Air Fryer zuerst denkt. Ein Investor mit Handelserfahrung, Food-Expertise und einem starken Netzwerk passt dazu am besten. Wie es ausgeht, seht ihr am 19. Oktober.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren in der Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Am meisten erhoffen wir uns Know-how und Netzwerk: Erfahrung im Lebensmitteleinzelhandel, Unterstützung bei Listungen und in der Flächenbetreuung, beim Skalieren von Produktion und Logistik sowie bei Marketing und Kommunikation. Ein guter Partner öffnet Türen und hilft, Fehler zu vermeiden, die wir als junges Unternehmen sonst selbst machen müssten.

Welche nächsten Schritte plant ihr nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?

Wir haben Produktion und Lager hochgefahren und die Logistik mit unseren Handelspartnern und Kunden abgestimmt. FRYZZA gibt es ab dem 20.10.bundesweit bei Lidl und außerdem über Bofrost – und weiterhin bei REWE, EDEKA (NRW), Globus und HIT sowie in Österreich bei Spar, MPreis, BILLA und BILLA PLUS. Am 29.10. feiern wir unseren ersten Geburtstag mit vielen Freunden, Instagrammern, Gamern und Promis. Weitere Social-Media-Aktionen folgen im November und Dezember und im nächsten Jahr.

Darüber hinaus arbeiten wir an neuen Sorten und weiteren Air-Fryer-Produkten – mehr verraten wir noch nicht. Unser Ziel: FRYZZA soll in jedem großen Tiefkühlregal in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen und danach weitere Länder erobern.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg als besonders wertvoll erwiesen?

Besonders wertvoll war die Erkenntnis, wie viel ein gut gemischtes Team ausmacht. Jeder von uns bringt etwas mit, das die anderen nicht können – Küche, Kommunikation, Produktion, Handel und Logistik. Dadurch konnten wir in weniger als sechs Monaten von der Idee ins Kühlregal kommen.

Gelernt haben wir auch, dass Geschmack am Ende alles entscheidet. Wer FRYZZA einmal probiert hat, kommt wieder – deshalb setzen wir stark auf Verkostungen und auf das Feedback unserer Kundinnen und Kunden. Und: Man muss seine Zahlen in- und auswendig kennen. Spätestens wenn es um Produktion, Margen und Handel geht, zählt jedes Detail.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Kennt eure Zahlen in- und auswendig und bleibt authentisch. Investoren und Kunden merken sofort, ob jemand eine Rolle spielt und wie sehr jemand an sein Produkt glaubt. Sucht euch Mitgründer, die euch ergänzen, statt euch zu spiegeln. Fangt an, statt ewig zu planen – vieles lernt man erst im Markt. Und wenn ihr pitcht: Bringt etwas mit, das man probieren oder sehen kann.

Was unterscheidet FRYZZA im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

FRYZZA ist eckig statt rund, damit sie optimal in den Air-Fryer-Korb passt, und es sind zwei Pizzen in einer Packung – so kann man sie auch einzeln zubereiten. Auf der Verpackung ist sofort klar: Das ist eine Pizza für den Air Fryer, nicht eine Backofenpizza mit Zusatzhinweis.

Inhaltlich unterscheiden uns die Rezeptur vom Sternekoch, der handgezogene Sauerteig mit 24 Stunden Reifezeit und der Verzicht auf Geschmacksverstärker und Palmöl. Die Salami ist auf Basis von Rind und Pute und damit für einen breiten Verwenderkreis geeignet. Aktuell gibt es vier Sorten: Margherita, Salami, Mediterranean Veggie und Thunfisch. Nach fünf bis sechs Minuten ist die Pizza fertig – und wer keinen Air Fryer hat, kann FRYZZA auch im Backofen zubereiten. Unser Claim: „Wenn Pizza, dann FRYZZA!“

Wie bereitet ihr eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den möglichen Nachfrageansturm am Abend der Ausstrahlung in der Höhle der Löwen vor?

Wir haben Produktion und Lager hochgefahren und die Logistik eng mit unseren Handelspartnern und Kunden abgestimmt. Auch unsere Website und alle Social-Media-Kanäle sind auf viel Traffic vorbereitet. Sämtliche Kommunikationsmaßnahmen – von PR bis Werbung – wurden im Vorfeld konzertiert und mit allen Beteiligten abgestimmt. Da FRYZZA bereits im Handel und über Bofrost erhältlich ist, verteilt sich die Nachfrage auf viele Kanäle.

Sehen Sie FRYZZA am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Ronny Schreiber, Dieter Könnes und Alexander Wulf (v.li.) , Gründer von  FRYZZA Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Ronny Schreiber, Dieter Könnes und Alexander Wulf für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Zehn Jahre Die Höhle der Löwen: Carsten Maschmeyer über Exits, Erfolge und seine Investment-Strategie

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Höhle der Löwen: Carsten Maschmeyer über Gründer und Deals Fotograf Thomas von Aagh

Im exklusiven Interview spricht Investor Carsten Maschmeyer über zehn Jahre Höhle der Löwen und verrät, was einen erfolgreichen Gründer ausmacht.

Herr Maschmeyer, Sie sind seit 2016 Teil von „Die Höhle der Löwen“. Wenn Sie heute auf zehn Jahre zurückblicken: Was hat diese Zeit mit Ihnen persönlich als Investor gemacht?

Carsten Maschmeyer: Durch die Höhle habe ich Gründer, Produkte und ganze Branchen kennengelernt, mit denen ich sonst wahrscheinlich nie in Berührung gekommen wäre. Man kann noch so viel Investmenterfahrung haben, am Ende überraschen einen die Gründerinnen und Gründer immer wieder mit fantastischen Ideen und Lösungen für alltägliche Probleme.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Drehtag und daran, mit welchen Erwartungen Sie damals in „Die Höhle der Löwen“ gestartet sind?

Ich war vor meinem Start in der Höhle der Löwen ja schon viele Jahre als Investoir tätig. Ich wollte also vor allem auf einem neuen Weg spannende Gründer kennenlernen, ihnen mit Kapital, Vertrieb und Netzwerk helfen und dabei selbst Spaß haben. Dass daraus zehn Jahre werden, hätte ich damals nicht gedacht.

Sie sagen: „Ich investiere in Gründerinnen und Gründer. Nicht in Businesspläne.“ Hat sich Ihr Blick auf Menschen und Gründerpersönlichkeiten durch zehn Jahre „Die Höhle der Löwen“ verändert?

Carsten Maschmeyer: Mein Grundsatz hat sich nicht verändert, sondern eher bestätigt: Wer vor Was. Person vor Produkt! Gerade bei sehr frühphasigen Startups ist die Gründerpersönlichkeit entscheidend. Ein Geschäftsmodell kann man verändern, ein Produkt weiterentwickeln, eine Strategie korrigieren. Aber Charakter, mentale Stärke, Lernfähigkeit und dieser unbedingte Hunger sind sehr viel schwerer auszutauschen. Lieber habe ich ein First-Class-Team mit einem Second-Class-Produkt als umgekehrt.

Rund 280 Arbeitsplätze sind nach Ihrer Bilanz durch DHDL-Startups mit Ihrer Unterstützung entstanden. Was bedeutet Ihnen diese Zahl im Vergleich zu Renditen, Exits und Unternehmensbewertungen?

In Wahrheit sind es wohl weit mehr, aber: Nicht ich, sondern die Gründer schaffen die Arbeitsplätze, das ist mir wichtig. Und das ist natürlich großartig, denn an einem Arbeitsplatz hängt nicht nur die Möglichkeit, sich und der eigenen Familie das Leben finanzieren zu können, sondern oft auch Selbstwert und das Gefühl, etwas beizutragen.

Mit Presize gelang Ihnen eine besondere Erfolgsgeschichte, die schließlich in der Übernahme durch Meta mündete. Wann haben Sie erkannt, dass aus diesem DHDL-Investment etwas außergewöhnlich Großes werden könnte?

Carsten Maschmeyer: Schon beim Pitch war klar, dass da außergewöhnlich starke Gründer mit einer technologisch anspruchsvollen Lösung vor mir stehen. Sie kannten ihre Zahlen, ihre Technologie und ihren Markt und konnten gleichzeitig erklären, warum ihr Produkt ein echtes Problem löst. Dass daraus einmal ein Verkauf an Meta werden würde, konnte natürlich niemand vorhersehen. Aber bei Presize hatte ich sehr früh dieses Gefühl: Wenn die beiden liefern, kann das international richtig groß werden.

Bei Finanzguru haben Sie damals eine Million Euro investiert und damit ein außergewöhnlich großes Einzelinvestment gewagt. Welche Eigenschaften der Gründer haben Sie überzeugt, dieses Risiko einzugehen?

Alexander und Benjamin hatten etwas, das ich bei Gründern suche: fachliche Kompetenz, Ehrgeiz und absolute Überzeugung von ihrer Idee, ohne dabei beratungsresistent zu sein. Sie hatten außerdem nicht irgendeine App gebaut, sondern ein echtes Problem erkannt: Viele Menschen haben keinen vernünftigen Überblick über ihre Finanzen. Ich war also von Geschäftsmodell und Gründern gleichermaßen überzeugt.

Zu zehn Jahren als Investor gehören neben Erfolgen zwangsläufig auch Entscheidungen, die man später anders beurteilt. Bei welchem DHDL-Deal oder Nicht-Deal haben Sie sich im Nachhinein am meisten geärgert?

Carsten Maschmeyer: Bei keinem einzelnen DHDL-Deal so sehr, dass ich heute sagen würde: Das war ein riesiger Fehler. Hinten habe ich keine Augen. Eine Investmententscheidung muss mit den Informationen richtig sein, die man zu diesem Zeitpunkt hat, nicht mit dem Wissen fünf Jahre später. Natürlich sieht man Unternehmen, die sich hervorragend entwickeln, obwohl man nicht investiert hat, aber das gehört zum Geschäft.

In zehn Jahren haben Sie zahlreiche Gründerinnen und Gründer kommen sehen. Woran erkennen Sie heute schneller als früher, ob jemand tatsächlich das Potenzial hat, ein großes Unternehmen aufzubauen?

Gute Gründer kennen ihre Zahlen, brennen für ihr Startup, haben sich auf alle Fragen vorbereitet und wollen nicht nur Geld, sondern unsere Expertise. Vor allem haben sie diesen Hunger: Sie wollen ihr Unternehmen unbedingt erfolgreich machen und nicht nur möglichst schnell Geld einsammeln. Und sie müssen Menschen begeistern können: Kunden, Mitarbeiter und Investoren.

Die Startup-Welt des Jahres 2026 unterscheidet sich deutlich von der des Jahres 2016. Sind Gründerinnen und Gründer heute professioneller geworden – oder vielleicht auch vorsichtiger und weniger risikobereit?

Carsten Maschmeyer: Die Qualität ist deutlich gestiegen. Gründer beschäftigen sich heute früher mit Finanzierung, Vertrieb und Internationalisierung. Gleichzeitig wünsche ich mir in Deutschland wieder etwas mehr Mut zum Risiko. Wer erst gründen möchte, wenn sämtliche Risiken ausgeschlossen sind, wird nie gründen. Allerdings erleben wir gerade einen regelrechten Gründerboom. Rund 690.000 Menschen haben 2025 in Deutschland gegründet, nach rund 585.000 im Jahr davor. Das freut mich natürlich.

Fotograf Thomas von Aagh

KI hat innerhalb kürzester Zeit ganze Geschäftsmodelle verändert und ist für viele Startups zum zentralen Thema geworden. Was muss ein KI-Startup heute mitbringen, damit Sie noch wirklich neugierig werden?

Nur irgendwo KI draufzuschreiben, ist heute kein Geschäftsmodell mehr. Mich interessiert, welches konkrete Problem gelöst wird und ob der Nutzen messbar ist: Spart die Lösung Zeit, Kosten oder Energie, verbessert sie Qualität oder schafft sie etwas, das vorher gar nicht möglich war? Dazu braucht es eigene Daten, technologischen Vorsprung oder tiefes Branchenwissen, damit nicht morgen jeder dasselbe bauen kann. Für mich gilt: AI or bye-bye, aber eben mit echtem Mehrwert und nicht als Etikett.

Nach zehn Jahren „Die Höhle der Löwen“: Gibt es einen Deal, eine Begegnung oder einen Moment abseits der großen Erfolgsgeschichten, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Carsten Maschmeyer: Was mich tatsächlich immer wieder berührt, sind Nachrichten von Eltern, die erzählen, dass ihre Kinder durch die Sendung plötzlich verstehen wollen, was Unternehmensanteile, Bewertungen oder Prozentrechnung bedeuten. Da sitzen Familien zusammen und diskutieren darüber, ob zehn Prozent für 200.000 Euro ein guter Deal sind. Das hätte ich vor zehn Jahren nie erwartet. Unternehmertum in die Wohnzimmer zu bringen, ist für mich eine der größten Leistungen dieser Sendung.

Sie haben inzwischen weit über 160 Technologie-Startups in Europa und Nordamerika im Portfolio. Was kann „Die Höhle der Löwen“ Ihnen als Investor heute noch bieten, das Sie außerhalb der Sendung nicht finden?

Über unsere Fonds in München, Berlin und San Francisco landen jeden Monat sehr viele gute Pitchdecks auf dem Schreibtisch. Aber die Höhle bringt mich immer wieder mit Gründern, Produkten und Branchen zusammen, nach denen ich selbst wahrscheinlich nie gesucht hätte. Leonie von ivyclip ist dafür ein gutes Beispiel: Eine Einzelgründerin mit einer Haarklammer wäre in meinem Alltag als Tech-Investor wahrscheinlich nicht in Frage gekommen. Aber sie war fokussiert, ehrgeizig, kannte ihre Zielgruppe genau und wollte aus ivyclip nicht nur ein Produkt, sondern eine große Marke bauen. Da habe ich gerne investiert! Heute stehen ihre Produkte Deutschlandweit im dm-Regal.

Wenn Sie noch einmal zehn Jahre vorausblicken: Welche Entwicklung würden Sie sich für „Die Höhle der Löwen“, die deutsche Startup-Szene und Ihren eigenen Weg als Investor wünschen?

Carsten Maschmeyer: Für die Höhle wünsche ich mir, dass sie weiterhin Lust auf Unternehmertum macht und noch mehr Zukunftsthemen zeigt – KI, Robotik, HealthTech, Energie und neue industrielle Technologien. Für Deutschland wünsche ich mir weniger Angst vor dem Scheitern, weniger Bürokratie und sehr viel mehr Geschwindigkeit, damit aus unseren Ideen auch hier Weltmarktführer entstehen. Und für mich persönlich? Solange ich neugierig bin, starke Gründer treffe und ihnen wirklich helfen kann, möchte ich weiter investieren.

Fotocredits/ Fotograf: Thomas von Aagh

Wir bedanken uns bei Carsten Maschmeyer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Venture Capital 2026: Wie Startups in Deutschland Investoren finden und an Wagniskapital kommen

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Startup-Gründerin im Gespräch mit Investoren über Venture Capital 2026 und Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen in Deutschland.

Mehr Geld, aber weniger Finanzierungsrunden: Der deutsche Venture-Capital-Markt zeigt sich 2026 von zwei Seiten. Während Milliarden in junge Technologieunternehmen fließen, bleibt die Suche nach Investoren gerade für Startups in der Frühphase schwierig. Welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt, worauf Kapitalgeber achten und welche deutschen VC-Fonds für Gründer interessant sind.

Eine gute Geschäftsidee ist schnell erklärt. Schwieriger wird es, wenn aus der Idee ein Unternehmen werden soll, das wächst, Mitarbeiter einstellt und neue Märkte erschließt. Denn dafür braucht es meistens Geld. Und das ist gerade in der Anfangsphase nicht immer leicht zu bekommen.

Venture Capital, also Wagniskapital, kann jungen Unternehmen den entscheidenden Schub geben. Doch wer 2026 auf Investorensuche geht, merkt schnell: Ein überzeugendes Pitch Deck und eine große Vision reichen längst nicht aus.

Kapitalgeber schauen genauer hin. Sie wollen wissen, ob ein Geschäftsmodell funktioniert, welche Risiken bestehen und wie sich aus einer innovativen Idee ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen entwickeln lässt.

Die Frage lautet deshalb nicht nur, wo Startups Investoren finden. Mindestens genauso wichtig ist, welche Finanzierung überhaupt zum eigenen Unternehmen passt.

Venture Capital 2026 in Deutschland: Mehr Kapital, aber nicht für alle

Auf den ersten Blick entwickelt sich der deutsche Wagniskapitalmarkt positiv. Nach Angaben des EY Startup-Barometers vom Juli 2026 erhielten deutsche Startups im ersten Halbjahr rund 5,3 Milliarden Euro Risikokapital. Das waren 14 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Allerdings ging die Zahl der Finanzierungsrunden gleichzeitig um elf Prozent auf 354 zurück.

Besonders auffällig ist die Konzentration auf große Investments. Finanzierungsrunden mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro machten 67 Prozent des gesamten investierten Kapitals aus. Ein Jahr zuvor waren es noch 55 Prozent.

Das zeigt, wie unterschiedlich die Situation am Markt ist. Während etabliertere Wachstumsunternehmen teilweise dreistellige Millionenbeträge einsammeln, müssen andere Startups deutlich länger nach einer passenden Finanzierung suchen.

Auch die regionale Verteilung fällt auf. Berlin lag mit knapp 1,7 Milliarden Euro an der Spitze, gefolgt von Baden-Württemberg mit rund 1,6 Milliarden Euro und Bayern mit mehr als 1,1 Milliarden Euro.

Allerdings können einzelne besonders große Finanzierungsrunden solche Statistiken erheblich beeinflussen. So entfiel ein wesentlicher Teil des baden-württembergischen Investitionsvolumens auf das Robotikunternehmen Neura Robotics.

Für Gründer bedeutet das vor allem eines: Ein steigendes Investitionsvolumen ist noch keine Garantie dafür, dass die eigene Finanzierungsrunde einfacher wird.

Quelle: EY Startup-Barometer Deutschland, Juli 2026.

Was ist Venture Capital und wann lohnt es sich für Startups?

Venture Capital ist Beteiligungskapital für junge Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Investoren stellen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür in der Regel Anteile am Unternehmen.

Anders als bei einem klassischen Bankkredit muss dieses Eigenkapital nicht nach einem festgelegten Tilgungsplan zurückgezahlt werden. Dafür geben Gründer einen Teil ihres Unternehmens ab.

Das kann sinnvoll sein, wenn ein Startup viel Kapital benötigt, um neue Technologien zu entwickeln, schnell zu wachsen oder international zu expandieren.

Besonders bei Softwareunternehmen, KI-Startups, Biotechnologie oder industriellen Innovationen kann der Finanzierungsbedarf hoch sein, lange bevor ausreichend eigene Umsätze entstehen.

Allerdings ist Venture Capital kein kostenloses Geld. Investoren erwarten eine attraktive Rendite und wollen bei wichtigen Unternehmensentscheidungen häufig mitreden. Zudem können weitere Finanzierungsrunden dazu führen, dass die Anteile der ursprünglichen Gründer kleiner werden.

Deshalb sollten sich Gründer frühzeitig fragen, ob sie tatsächlich ein stark skalierbares Geschäftsmodell aufbauen möchten oder ob eine Finanzierung über eigene Umsätze, Fördermittel oder Kredite besser geeignet wäre.

Wie kommen Startups 2026 an Venture Capital Wagniskapital?

Wer Investoren gewinnen möchte, sollte die Finanzierung nicht erst dann angehen, wenn das Geld knapp wird. Erfolgreiches Fundraising beginnt mit einer guten Vorbereitung.

1. Die passende Finanzierungsphase bestimmen

Nicht jeder Investor steigt zum gleichen Zeitpunkt ein. Entscheidend ist, wie weit das Unternehmen bereits entwickelt ist.

In der Pre-Seed-Phase stehen häufig das Gründerteam, die technologische Idee und erste Nachweise zur Umsetzbarkeit im Mittelpunkt. In der Seed-Phase erwarten Investoren meist konkretere Ergebnisse, etwa einen Prototyp, erste Kunden oder eine erkennbare Nachfrage.

Bei einer Series-A-Finanzierung geht es häufig darum, ein bereits erprobtes Geschäftsmodell systematisch auszubauen.

Diese Einteilung ist allerdings nicht starr. Gerade bei DeepTech- oder Biotech-Startups können Entwicklungszyklen länger sein. Hier bewerten Investoren neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch technologische Fortschritte, Patente und Forschungsergebnisse.

2. Gezielt nach passenden Investoren suchen

Ein häufiger Fehler bei der Kapitalbeschaffung ist, möglichst viele Venture Capital Fonds gleichzeitig anzuschreiben.

Sinnvoller ist es, eine Liste mit Investoren zusammenzustellen, die tatsächlich zum Startup passen. Dabei spielen Branche, Finanzierungsphase, Kapitalbedarf und geografischer Schwerpunkt eine wichtige Rolle.

Wer beispielsweise eine industrielle Robotiklösung entwickelt, sollte gezielt nach Investoren mit Erfahrung in Hardware, DeepTech oder industrieller Automatisierung suchen.

Ein B2B-Softwareunternehmen wiederum kann von einem Fonds profitieren, der bereits mehrere SaaS-Unternehmen beim Wachstum begleitet hat.

Ein Blick auf das bestehende Portfolio hilft dabei, die Investmentstrategie besser einzuschätzen.

3. Ein Pitch Deck erstellen, das Fragen beantwortet

Ein Pitch Deck soll Interesse wecken und die wichtigsten Informationen über das Unternehmen verständlich vermitteln.

Dazu gehören das Problem, die angebotene Lösung, die Marktgröße, das Geschäftsmodell, die Wettbewerbssituation und das Gründerteam.

Ebenso wichtig sind bisherige Fortschritte und eine nachvollziehbare Finanzplanung.

Investoren wollen wissen, wie viel Kapital benötigt wird, wofür es eingesetzt werden soll und welche konkreten Meilensteine damit erreicht werden können.

Wer beispielsweise zwei Millionen Euro einsammeln möchte, sollte erklären können, wie lange dieses Kapital reicht und welche wirtschaftlichen oder technologischen Fortschritte bis zur nächsten Finanzierungsrunde geplant sind.

4. Mit belastbaren Zahlen überzeugen

Natürlich interessieren sich Investoren für große Märkte und ambitionierte Wachstumsziele. Noch wichtiger ist jedoch, ob sich die Annahmen hinter dem Geschäftsmodell überprüfen lassen.

Bei Software-Startups können wiederkehrende Umsätze, Kundenbindung, Wachstumsraten und die Kosten der Kundengewinnung eine wichtige Rolle spielen.

Bei Hardware- und DeepTech-Unternehmen stehen dagegen häufig Entwicklungsfortschritte, Produktionskosten, Pilotkunden oder industrielle Partnerschaften im Vordergrund.

Nicht jedes Startup muss bereits Gewinne erzielen. Entscheidend ist, ob Gründer nachvollziehbar erklären können, wie das Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreich werden soll.

5. Kontakte aufbauen und frühzeitig Gespräche führen

Der Zugang zu Investoren entsteht häufig über persönliche Kontakte. Gründerveranstaltungen, Startup-Konferenzen, Acceleratoren und Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk können dabei helfen.

Besonders interessant sind Kontakte zu anderen Gründern, die bereits eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben.

Aber auch eine direkte Ansprache ist möglich. Wichtig ist, dass die Nachricht individuell formuliert ist und erkennen lässt, warum das Startup zur Investmentstrategie des Fonds passt.

Ein kurzer, gut vorbereiteter Kontakt ist meist sinnvoller als eine lange E-Mail, die an zahlreiche Investoren gleichzeitig verschickt wird.

Fünf deutsche Venture Capital Investoren, die Startups kennen sollten

Deutschland verfügt über eine vielfältige Landschaft an Venture-Capital-Fonds. Die folgenden fünf Investoren gehören zu den etablierten Ansprechpartnern für technologieorientierte Startups. Sie unterscheiden sich allerdings bei ihren Schwerpunkten und den Finanzierungsphasen, in denen sie investieren.

1. High-Tech Gründerfonds (HTGF)

Der High-Tech Gründerfonds mit Sitz in Bonn gehört zu den bekanntesten deutschen Frühphaseninvestoren. Der Schwerpunkt liegt auf technologieorientierten Startups aus den Bereichen Digital Tech, Industrial Tech, Climate & Deep Tech, Life Sciences und Chemie.

Der HTGF investiert insbesondere in der Pre-Seed- und Seed-Phase, begleitet Portfoliounternehmen über seine Multi-Stage-Struktur aber auch in späteren Wachstumsphasen.

2. UVC Partners

UVC Partners ist ein deutscher Venture-Capital-Investor mit Standorten in München und Berlin und enger Verbindung zum Innovationsökosystem der UnternehmerTUM.

Der Fonds konzentriert sich auf technologieorientierte B2B-Unternehmen, insbesondere aus Bereichen wie DeepTech, industrielle Technologien, Software und ClimateTech. Im Mittelpunkt stehen frühe Finanzierungsphasen.

3. Project A

Project A ist ein in Berlin gegründeter Venture-Capital-Investor, der sich auf technologieorientierte Unternehmen konzentriert.

Zu den Investitionsfeldern gehören unter anderem industrielle Technologien, Software und sicherheitsrelevante Innovationen. Neben Kapital unterstützt Project A seine Portfoliounternehmen auch mit operativer Expertise.

Der Investor ist insbesondere für ambitionierte Technologieunternehmen interessant, die sich in frühen Entwicklungs- und Wachstumsphasen befinden.

4. Capnamic

Capnamic ist ein deutscher Venture-Capital-Investor mit Wurzeln in Köln und einem Schwerpunkt auf technologieorientierten Geschäftsmodellen.

Im Fokus stehen insbesondere junge Unternehmen aus dem B2B-Technologieumfeld. Dazu gehören unter anderem Softwarelösungen und digitale Geschäftsmodelle mit internationalem Wachstumspotenzial.

Capnamic investiert vor allem in frühen Finanzierungsphasen, von Pre-Seed bis Series A.

5. Earlybird

Earlybird gehört zu den etablierten europäischen Venture-Capital-Investoren mit deutschen Wurzeln.

Der Investor engagiert sich über unterschiedliche Investmentstrategien in technologieorientierten Unternehmen. Zu den relevanten Feldern zählen digitale Geschäftsmodelle, DeepTech und Gesundheitstechnologien.

Je nach Fonds und Investmentstrategie begleitet Earlybird Unternehmen von frühen Finanzierungsphasen bis in spätere Entwicklungsstadien.

Die Übersicht stellt keine Rangliste dar. Gründer sollten vor einer Kontaktaufnahme immer prüfen, ob ein Fonds aktuell neue Investments tätigt und ob das eigene Geschäftsmodell zur jeweiligen Strategie passt.

Welche Branchen ziehen 2026 besonders viel Venture Capital an?

Ein Blick auf die aktuellen Finanzierungszahlen zeigt, dass vor allem technologieintensive Geschäftsmodelle hohe Investitionssummen erhalten.

Nach dem EY Startup-Barometer floss im ersten Halbjahr 2026 mit mehr als 1,6 Milliarden Euro besonders viel Kapital in den Hardwarebereich. Dahinter folgten Software & Analytics mit mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Auch Verteidigungstechnologien gewannen an Bedeutung. Startups aus diesem Sektor erhielten insgesamt 579 Millionen Euro. Die Bereiche Gesundheit und Energie verzeichneten jeweils Investitionen von mehr als 450 Millionen Euro.

Zu den auffälligen Entwicklungen gehören außerdem künstliche Intelligenz, Robotik und industrielle Automatisierung.

Allerdings sollte man diese Zahlen nicht falsch verstehen. Ein hohes Finanzierungsvolumen bedeutet nicht automatisch, dass in einer Branche besonders viele Startups Kapital erhalten. Einzelne große Deals können das Gesamtbild erheblich verändern.

Für Gründer ist deshalb weniger entscheidend, welcher Technologiebereich gerade besonders viel Aufmerksamkeit bekommt. Viel wichtiger ist, ob ihr Unternehmen ein relevantes Problem löst und sich daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Welche Alternativen zu Venture Capital gibt es 2026?

Nicht jedes Startup benötigt einen klassischen Venture Capital 2026 Investor. Gerade in frühen Unternehmensphasen können andere Finanzierungsformen sinnvoller sein.

Business Angels: Kapital und Erfahrung

Business Angels investieren privates Vermögen in junge Unternehmen. Häufig handelt es sich um erfahrene Unternehmer, die neben Kapital auch Kontakte und Branchenwissen einbringen.

Für Startups in der Pre-Seed- oder Seed-Phase kann das besonders wertvoll sein. Allerdings erhalten auch Business Angels für ihre Investitionen häufig Unternehmensanteile.

Staatliche Förderprogramme: Unterstützung ohne klassischen Venture Capital Fonds

Deutschland bietet verschiedene öffentliche Fördermöglichkeiten für Gründer.

Dazu gehört beispielsweise das EXIST-Gründungsstipendium, das innovative Gründungsvorhaben aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt.

Auch die KfW, Landesförderbanken und regionale Förderinstitutionen bieten unterschiedliche Finanzierungsinstrumente an.

Je nach Programm können Zuschüsse, Förderkredite oder Beteiligungskapital infrage kommen.

Wichtig ist, sich frühzeitig über die jeweiligen Voraussetzungen zu informieren. Bei manchen Förderprogrammen muss der Antrag gestellt werden, bevor bestimmte Projektmaßnahmen beginnen.

Corporate Venture Capital: Wenn Unternehmen zu Investoren werden

Auch etablierte Unternehmen investieren in Startups. Dieses Modell wird als Corporate Venture Capital bezeichnet.

Neben finanzieller Unterstützung können junge Unternehmen dadurch Zugang zu industriellen Partnern, Kunden oder Vertriebskanälen erhalten.

Allerdings sollten Gründer darauf achten, dass strategische Interessen des Venture Capital Investors die unternehmerische Unabhängigkeit nicht zu stark einschränken.

Crowdfunding und Crowdinvesting

Über digitale Plattformen können Startups Kapital von einer größeren Zahl einzelner Unterstützer einsammeln.

Beim klassischen Crowdfunding stehen häufig Produkte, Projekte oder Gegenleistungen im Vordergrund. Beim Crowdinvesting beteiligen sich Anleger über unterschiedliche vertragliche Modelle finanziell am Unternehmen.

Welche Form sinnvoll ist, hängt vom Geschäftsmodell, dem Kapitalbedarf und den rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

Wandeldarlehen und Venture Debt

Wandeldarlehen können eine Möglichkeit sein, eine Finanzierung zu überbrücken, ohne sofort eine abschließende Unternehmensbewertung festzulegen. Unter vertraglich vereinbarten Bedingungen kann das Darlehen später in Unternehmensanteile umgewandelt werden.

Venture Debt richtet sich dagegen vor allem an Unternehmen, die bereits eine gewisse Entwicklung erreicht haben und zusätzliches Fremdkapital aufnehmen möchten.

Anders als bei einer Eigenkapitalfinanzierung entstehen dabei Rückzahlungsverpflichtungen. Deshalb müssen die Liquidität und die künftige Finanzierungsfähigkeit sorgfältig geprüft werden.

Warum scheitert die Suche nach Investoren?

Eine Absage von einem Venture-Capital-Fonds bedeutet nicht automatisch, dass die Geschäftsidee schlecht ist.

Manchmal passt das Startup schlicht nicht zur Investmentstrategie. In anderen Fällen ist das Unternehmen noch zu früh dran oder die angestrebte Bewertung erscheint dem Investor zu hoch.

Auch fehlende Nachweise zur Kundennachfrage, unrealistische Finanzplanungen oder unklare Verantwortlichkeiten im Gründerteam können eine Finanzierung erschweren.

Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Fundraising kostet Zeit.

Von den ersten Investorengesprächen bis zur Vertragsunterzeichnung können mehrere Monate vergehen. Hinzu kommen rechtliche Prüfungen, Verhandlungen über Unternehmensanteile und die sogenannte Due Diligence, bei der Investoren das Unternehmen genauer untersuchen.

Wer erst dann nach Kapital sucht, wenn die finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht sind, verschlechtert seine Verhandlungsposition.

Deshalb lohnt es sich, die nächste Finanzierungsrunde frühzeitig vorzubereiten und den Kapitalbedarf realistisch zu planen.

Fazit: Wer 2026 Wagniskapital sucht, braucht die richtige Strategie

Der deutsche Venture-Capital-Markt bietet auch 2026 Chancen. Das gestiegene Investitionsvolumen zeigt, dass Investoren weiterhin bereit sind, erhebliche Summen in junge Technologieunternehmen zu investieren.

Gleichzeitig macht die rückläufige Zahl der Finanzierungsrunden deutlich, dass nicht alle Startups gleichermaßen von dieser Entwicklung profitieren.

Für Gründer kommt es deshalb darauf an, den passenden Investor zu finden, das eigene Geschäftsmodell überzeugend darzustellen und die Finanzierung frühzeitig vorzubereiten.

Ein gutes Netzwerk kann Türen öffnen. Entscheidend bleiben aber die Qualität des Teams, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell und belastbare Fortschritte.

Und manchmal ist die beste Entscheidung, zunächst auf Venture Capital zu verzichten und das Unternehmen mit Fördermitteln, Business Angels oder eigenen Umsätzen weiterzuentwickeln.

Denn eine erfolgreiche Finanzierungsrunde ist noch kein unternehmerischer Erfolg. Sie schafft lediglich die Voraussetzungen dafür, den nächsten Schritt zu gehen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Venture Capital 2026

1. Wie bekommen Startups in Deutschland Venture Capital?

Startups können Wagniskapital über Venture-Capital-Fonds, Business Angels oder Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften erhalten. Entscheidend sind ein überzeugendes Geschäftsmodell, ein geeignetes Gründerteam und nachvollziehbare Wachstumsperspektiven. Ein professionelles Pitch Deck und die gezielte Ansprache passender Investoren erleichtern den Einstieg in Finanzierungsgespräche.

2. Wie viel Venture Capital kann ein Startup bekommen?

Die Höhe einer Finanzierung hängt von der Unternehmensphase, der Branche und dem Kapitalbedarf ab. In frühen Finanzierungsrunden können bereits fünf- oder sechsstellige Beträge relevant sein. Bei wachstumsstarken Technologieunternehmen sind auch Finanzierungen in Millionenhöhe möglich. Einheitliche Mindest- oder Höchstbeträge gibt es nicht.

3. Welche deutschen Venture-Capital-Fonds investieren in Startups?

Zu den etablierten deutschen Investoren gehören der High-Tech Gründerfonds (HTGF), UVC Partners, Project A, Capnamic und Earlybird. Die Fonds unterscheiden sich bei ihren Branchen, Investmentstrategien und bevorzugten Finanzierungsphasen. Gründer sollten deshalb vor der Kontaktaufnahme prüfen, welcher Investor zum eigenen Unternehmen passt.

4. Können Startups ohne Umsatz Venture Capital erhalten?

Ja. Insbesondere in der Pre-Seed- und Seed-Phase investieren Kapitalgeber auch in Startups, die noch keine nennenswerten Umsätze erzielen. Entscheidend können beispielsweise ein erfahrenes Gründerteam, eine innovative Technologie, erste Prototypen oder nachweisbares Kundeninteresse sein. Eine Finanzierung ist allerdings nicht garantiert.

5. Müssen Gründer Venture Capital zurückzahlen?

Klassisches Venture Capital ist Eigenkapital und muss nicht wie ein Bankkredit nach einem festen Tilgungsplan zurückgezahlt werden. Im Gegenzug erhalten Investoren Unternehmensanteile. Anders verhält es sich bei Fremdfinanzierungen wie Venture Debt oder bei Wandeldarlehen, deren Rückzahlungs- und Umwandlungsbedingungen vertraglich geregelt sind.

6. Welche Alternativen zu Venture Capital gibt es für Startups?

Neben klassischen VC-Fonds kommen Business Angels, öffentliche Förderprogramme, Crowdfunding, Crowdinvesting, Bankkredite und die Finanzierung aus eigenen Umsätzen infrage. Welche Möglichkeit sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Geschäftsmodell, der Unternehmensphase und der Bereitschaft ab, Unternehmensanteile abzugeben.

Welche Erfahrungen habt ihr bei der Investorensuche gemacht? Und welche Finanzierungsform kommt für euer Startup infrage? Schreibt uns eure Erfahrungen und Einschätzungen.

Foto/Quelle: stock.adobe.com – Gorodenkoff

Fertig-Cocktails im Shot-Format: Wie Kölsche Koks in der Höhle der Löwen punkten will

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Kölsche Koks: Die Höhle der Löwen – Cocktail Maximilian Koeser (l.) und Nicolas Lutz präsentieren mit „Kölsche Koks“ einen Espresso-Martini-Shot und Premix. Sie erhoffen sich ein Investment von 600.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Das Startup Kölsche Koks bringt fertig gemixte Cocktail-Kreationen auf den Markt und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Getränkemarke und die Pläne für weiteres Wachstum vorzustellen.

Wie ist die Idee zu Kölsche Koks entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Kölsche Koks ist aus unserer eigenen Gastronomie entstanden. Unser Espresso Martini Shot kam bei den Gästen so gut an, dass wir schnell gemerkt haben: Daraus kann eine eigenständige Marke werden. Heute treibe ich, Nicolas Lutz, als geschäftsführender Gesellschafter die Weiterentwicklung von Kölsche Koks voran.

In welcher Branche seid ihr tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

Wir sind in der Spirituosen- und Getränkebranche tätig sowie sehr aktiv in der Eventszene unterwegs. Unser Geschäftsmodell verbindet eine starke Marke mit unkomplizierten Cocktail- und Shot-Produkten, die wir über Gastronomie, Handel, Events und unseren Online-Shop vertreiben.

Welches konkrete Problem löst Kölsche Koks und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Ein klassischer Espresso Martini oder Pornstar Martini ist aufwendig zuzubereiten. Wir machen beide einfach und überall verfügbar: fertig gemixt, direkt trinkbar und trotzdem mit echtem Cocktail-Charakter.

Warum habt ihr euch entschieden, mit Kölsche Koks in der Höhle der Löwen zu pitchen?

Für uns war es die Chance, Kölsche Koks einem Millionenpublikum zu zeigen und gleichzeitig einen starken strategischen Partner für die nächste Wachstumsphase zu gewinnen.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe und warum?

Uns war besonders wichtig, einen Löwen zu gewinnen, der Erfahrung im Aufbau von Konsumgütermarken, starke Handelskontakte und echtes Vertriebs-Know-how mitbringt. Genau diese Kombination passt zu unserem nächsten Wachstumsschritt. Spannend wäre, wenn Andreas W. Herb als Gastlöwe dabei ist.

Welche Unterstützung erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Vor allem Unterstützung beim Vertrieb, beim Ausbau unserer Handelspräsenz und beim strategischen Markenaufbau.

Welche nächsten Schritte plant ihr nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen?

Wir wollen unsere Präsenz im Lebensmitteleinzelhandel weiter ausbauen, neue Handelspartner gewinnen und unser Produktsortiment gezielt erweitern. Langfristig soll Kölsche Koks deutschlandweit als starke Getränkemarke im Premium Cocktail Segment etabliert werden.

Welche Erfahrungen waren auf eurem bisherigen Gründerweg besonders wertvoll?

Dass ein gutes Produkt allein nicht reicht. Vertrieb, Geschwindigkeit, konsequente Umsetzung und die Bereitschaft, ständig dazuzulernen, sind mindestens genauso wichtig.

Welche Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Schnell starten, früh echtes Kundenfeedback einholen und den Vertrieb von Anfang an mitdenken. Und vor allem: bei Rückschlägen dranbleiben.

Was unterscheidet eure Produkte optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Kölsche Koks fällt durch den Namen und den eigenständigen Markenauftritt sofort auf. Gleichzeitig ist das Produkt extrem unkompliziert: fertig gemixt, direkt trinkbar und sowohl als Shot als auch als Cocktail einsetzbar.

Wie bereitet ihr euch auf den möglichen Nachfrageansturm nach der Ausstrahlung in der Höhle der Löwen vor?

Wir haben frühzeitig höhere Warenbestände aufgebaut und Produktion, Fulfillment, Logistik und unseren Online-Shop auf deutlich höhere Bestellmengen vorbereitet.

Sehen Sie Kölsche Koks am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Maximilian Koeser (l.) und Nicolas Lutz präsentieren mit „Kölsche Koks“ einen Espresso-Martini-Shot und Premix. Sie erhoffen sich ein Investment von 600.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile. Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Wir bedanken uns bei Maximilian Koeser und Nicolas Lutz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Bio-Rasierkopf ohne Plastik: Wie das Startup Razeco in der Höhle der Löwen überrascht

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Razeco: Rasierer – Die Höhle der Löwen Gründer Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch (v.li.) Foto: RTL

Das Startup Razeco entwickelt Rasierer mit biobasiertem Klingenkopf und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um seine Alternative zu herkömmlichen Plastikrasierern vorzustellen.

Wie ist die Idee zu Razeco entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Hinter Razeco stehen wir drei: die Geschwister Victor und Louisa Haisch und unser Mitgründer Ivo Lovric. In unserer Familie dreht sich seit Jahren viel um Materialien. Sie betreibt Biotech-Unternehmen, die biobasierte Kunststoffe entwickeln, und Louisa führt als Geschäftsführerin die Firma. Angefangen hat alles mit einer Frage, die wir uns selbst gestellt haben. Wir achten darauf, was wir essen, welche Creme wir benutzen, was wir anziehen. Aber beim Rasierer, der jeden Tag direkt auf die Haut kommt, hatten wir keine echte Wahl. Wir haben gesucht und nichts gefunden, das sich anfühlt wie ein gewohnter Rasierer, ohne Plastikkopf und Gelstreifen auskommt und nicht verlangt, dass man sein ganzes System wechselt. Wir haben irgendwann gesagt: Dann bauen wir ihn eben selbst.

In welcher Branche ist Razeco tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

Wir machen Rasierer, also Körperpflege. Ein Massenmarkt, den seit Jahrzehnten ein paar große Konzerne unter sich aufteilen und in dem sich beim Material lange kaum etwas getan hat. Unser Razeco5 hat einen Griff aus Stahl, Stahlklingen und einen Klingenkopf aus biobasiertem Material, zu 99 % frei von fossilem Plastik. Unser wichtigster Kniff: Die Köpfe passen auch auf alle Griffe mit Gillette-Fusion5-Mechanismus und auf Gillette Venus. Wir wollten, dass die bessere Entscheidung die einfachere ist. In Millionen Badezimmern liegt schon ein passender Griff, und den kann man einfach weiter benutzen. Verkauft wird über unseren Shop, gerne im Abo, über Amazon und im Handel.

Welches konkrete Problem löst Razeco und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Fast jeder rasiert sich, und kaum jemand fragt, woraus das Produkt eigentlich besteht. Klingenköpfe sind meistens aus Plastik, viele haben einen Gelstreifen, der sich bei jeder Rasur auf der Haut verteilt. Für uns ist ein Rasierer ein Hautkontaktprodukt und sollte auch so gebaut werden. Bisher gab es zwei Möglichkeiten: den gewohnten Plastikrasierer aus dem Drogerieregal oder einen kompletten Umstieg, etwa auf einen Rasierhobel, mit dem viele erst mal nicht zurechtkommen. Eine Option dazwischen gab es nicht. Genau da setzen wir an. Unser Klingenkopf ist nach TÜV Austria OK Biobased mit vier Sternen zertifiziert, kommt ohne Gelstreifen aus. Die Routine bleibt gleich, nur die Entscheidung ist besser – für die eigene Haut und nebenbei auch für die Umwelt.

Warum habt ihr euch mit Razeco entschieden, in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Ehrlich gesagt, weil wir als kleines Team gegen sehr große Marken antreten. Die haben Werbebudgets, von denen wir nur träumen können. Viele Menschen wissen gar nicht, dass es eine Alternative zu ihrem Rasierer gibt, und die Höhle der Löwen ist eine der wenigen Bühnen, auf denen man das einem großen Publikum zeigen kann. Dazu kommt: Wir wollten Leute an Bord, die schon mal ein Konsumprodukt in den Handel gebracht haben und wissen, wie es dort läuft. Und ein bisschen war es auch der Reiz, uns als Team gemeinsam dieser Situation zu stellen.

Wer war von Anfang an euer Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum würde dieser Investor besonders gut zu Razeco passen?

Einen einzigen Wunschlöwen hatten wir nicht. Uns war wichtiger, wofür jemand steht: Erfahrung im Handel, ein Gespür für Produkte, die man täglich benutzt, und die Überzeugung, dass Menschen bessere Entscheidungen treffen, wenn man es ihnen leicht macht.

Welche Unterstützung erhofft ihr euch von den Investoren in der Höhle der Löwen neben dem Kapital am meisten?

Erfahrung, die man nicht kaufen kann. Wir drei haben schon gelernt, wie man ein Produkt entwickelt und online verkauft. Die richtigen Kontakte im Netzwerk erleichtern den Einstieg in die Drogerie. Genau dort fällt aber die Entscheidung der meisten Menschen, und dort wollen wir die Alternative sein. Da wünschen wir uns jemanden, der uns sagt, wo wir Fehler machen, bevor wir sie machen.

Welche nächsten Schritte plant ihr mit Razeco nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und welche konkreten Pläne gibt es für Wachstum und neue Entwicklungen?

Wir haben unser Sortiment bewusst verkleinert und konzentrieren uns komplett auf den Razeco5 und die Ersatzklingen. Lieber ein Produkt richtig gut als fünf halbe. Im Handel sind wir schon bei Budnikowsky und in den USA bei Erewhon vertreten, das wollen wir ausbauen. Und wenn die Rasur steht, geht es weiter mit Pflegeprodukten. Die Frage bleibt dieselbe: Was kommt eigentlich jeden Tag auf unsere Haut, und warum gibt es dafür so oft keine bessere Wahl?

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg mit Razeco als besonders wertvoll erwiesen?

Die wichtigste Lektion kam früh und war unangenehm. Bei unserer ersten Charge hat sich bei manchen Rasierern der Kopf gelöst. Das Material stand im Griff unter Dauerdruck und hat irgendwann nachgegeben. Wir haben uns zusammengesetzt, den Griff umkonstruiert, und seit der zweiten Charge ist das Problem weg. Seitdem wissen wir: Ein Produkt ist erst fertig, wenn es im Alltag funktioniert, nicht wenn es im Labor funktioniert. Die zweite Lektion: Menschen wollen bessere Entscheidungen treffen, aber nicht auf Kosten ihres Alltags. Und die dritte: Mit Familie zu gründen ist anstrengend und großartig zugleich. Man streitet ehrlicher, aber man weiß auch, dass niemand hinschmeißt.

Welche Ratschläge lassen sich aus euren Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

Sucht euch ein Team, in dem jeder etwas anderes kann. Bei uns kommen Material, Produkt und Zahlen aus verschiedenen Köpfen, und genau das hat uns durch schwierige Phasen getragen. Wenn ihr selbst etwas vermisst und es keine Alternative gibt, ist das oft das beste Signal, dass andere es auch vermissen. Verkauft früh an echte Menschen, nicht nur an Freunde. Deren Feedback ist härter, aber ehrlicher. Wenn etwas schiefgeht, redet offen darüber und repariert es schnell. Versucht nicht, die Gewohnheiten von Menschen umzukrempeln, sondern macht die bessere Wahl zur einfachen. Und kümmert euch früh um die langweiligen Dinge: Marken, Verträge, Zertifikate.

Was unterscheidet den Razeco5 im Supermarktregal oder im Online-Shop optisch und inhaltlich von der Konkurrenz?

Im Rasierer-Regal ist meistens alles bunt, glänzend und aus Plastik. Der Razeco5 ist das Gegenteil: ein schlichter Stahlgriff, der sich wertig anfühlt und lange hält, mit einem Klingenkopf aus biobasiertem Material ohne Gelstreifen. Hinzu kommt die Verpackung, die an ein iPhone erinnert. Nachhaltigkeit muss nicht „Öko“ aussehen, sondern muss sich mindestens genauso gut anfühlen und aussehen, wie das, was die Menschen bisher kennen.

Wie bereitet ihr bei Razeco eure Lieferkette und euren Online-Shop auf den möglichen Nachfrageansturm am Abend der Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen vor?

Gemeinsam haben wir den kompletten Bestellweg immer wieder durchgespielt, von der Startseite über den Warenkorb bis zur Zahlung und zur Bestätigungsmail. Wir haben getestet, was wir testen konnten: verschiedene Geräte, verschiedene Zahlungsarten, Abo und Einzelkauf, viele Bestellungen gleichzeitig. Generell war Austausch und die Frage nach dem besten Vorgehen, wenn es schnell und viel sein muss, eine sehr zentrale in den letzten Wochen.

Sehen Sie Razeco am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Gründer Victor Haisch, Ivo Lovric und Louisa Haisch (v.li.) Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Louisa Haisch und Victor Haisch und Ivo Lovric für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Kaufkraft durch Bewegung: Wie move2pay in der Höhle der Löwen mit „Movement Commerce“ überzeugen will

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move2pay: Bewegung in Die Höhle der Löwen Gründer Mia Allouche und Karim Allouche, move2pay und Markenbotschafter Steffen Baumgart (v.re.) Foto: RTL

Das Startup move2pay verwandelt Bewegung in Shopping-Guthaben und wird am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen pitchen, um sein Geschäftsmodell vorzustellen.

Wie ist die Idee zu move2pay entstanden, wer steht hinter dem Startup und welcher Moment hat euch zur Gründung inspiriert?

Die Idee zu move2pay entstand aus einer einfachen Frage: Warum belohnen wir Konsum, Loyalität und Umsatz – aber nicht das Verhalten, das für unsere Gesundheit am wichtigsten ist: Bewegung?

Ich habe mich schon lange mit dem Thema Prävention und der Frage beschäftigt, wie man Menschen nachhaltig zu mehr Bewegung motivieren kann. Daraus entstand die Vision, Bewegung einen echten wirtschaftlichen Wert zu geben. Gemeinsam mit meiner Tochter Mia und unserem Team haben wir daraus move2pay entwickelt.

Heute bauen wir mit der SVAX GmbH eine Plattform an der Schnittstelle von Digital Health, E-Commerce und Plattformökonomie auf. Unser Ziel ist es, eine neue Kategorie zu etablieren: Movement Commerce – also Bewegung in reale Kaufkraft zu verwandeln.

In welcher Branche ist move2pay tätig und was zeichnet euer Geschäftsmodell aus?

move2pay verbindet Digital Health mit E-Commerce. Nutzer verbinden ihre Health- oder Fitness-App mit move2pay, sammeln durch ihre tägliche Bewegung Shopping-Guthaben und können damit bei unseren Shop-Partnern einen Teil ihres Einkaufs bezahlen.

Das Besondere daran: Unsere Nutzer erhalten keinen klassischen Rabatt. Wir verhandeln mit unseren Shop-Partnern einen Einkaufs- beziehungsweise Margenanteil und verwandeln diesen wirtschaftlichen Vorteil in Shopping-Guthaben für Bewegung. Der reguläre Produktwert bleibt damit sichtbar, während Bewegung zur zusätzlichen Kaufkraft wird.

Für Marken entsteht gleichzeitig ein neuer Vertriebskanal, über den sie gesundheitsbewusste und aktive Konsumenten erreichen und Bewegung gezielt als Kaufanreiz einsetzen können.

Welches konkrete Problem löst move2pay und welche Marktlücke habt ihr damit geschlossen?

Es gibt heute Milliarden von Menschen, die ihre Schritte, Workouts und Gesundheitsdaten über Smartphones, Smartwatches und Fitness-Apps erfassen. Gleichzeitig bewegen sich sehr viele Menschen zu wenig.

Bisher haben diese Daten für die Nutzer jedoch kaum einen direkten wirtschaftlichen Wert.

Genau hier setzt move2pay an: Wir machen Bewegung messbar wertvoll. Nutzer werden für etwas belohnt, das ihrer Gesundheit zugutekommt, und Marken erhalten gleichzeitig einen neuen Mechanismus, um Kunden zu aktivieren und zusätzlichen Umsatz zu generieren.

Wir verbinden damit erstmals Bewegung, Gesundheitsdaten und Commerce in einem durchgängigen Geschäftsmodell.

Warum habt ihr euch mit move2pay entschieden, in der Höhle der Löwen zu pitchen, und welche Aspekte standen dabei im Vordergrund?

Die Höhle der Löwen ist für ein Geschäftsmodell wie move2pay eine außergewöhnliche Plattform, weil wir unser Konzept innerhalb weniger Minuten einem Millionenpublikum erklären können.

Für uns ging es dabei nicht nur um Kapital. Die Sendung bietet die Möglichkeit, eine völlig neue Idee – Bewegung als Kaufkraft – sehr schnell bekannt zu machen und gleichzeitig potenzielle Nutzer, Markenpartner und strategische Partner zu erreichen.

Gleichzeitig wollten wir unser Geschäftsmodell vor sehr erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern auf den Prüfstand stellen. Gerade in einer frühen Wachstumsphase ist dieses Feedback enorm wertvoll.

Wer war von Anfang an euer absoluter Wunschlöwe in der Höhle der Löwen und warum passt dieser Investor perfekt zu eurer Vision?

Unser Wunschlöwe war von Anfang an Frank Thelen.

Für uns ist vor allem seine Erfahrung beim Aufbau und bei der Skalierung digitaler Geschäftsmodelle interessant. move2pay soll langfristig weit über den österreichischen Markt hinaus wachsen. Dafür braucht es neben Kapital vor allem Erfahrung bei Skalierung, Finanzierung und Internationalisierung sowie ein starkes unternehmerisches Netzwerk.

Genau diese Kombination war für uns besonders spannend.

Welche Form der Unterstützung durch die Investoren in der Höhle der Löwen erhofft ihr euch neben dem Kapital am meisten?

Für uns sind Netzwerk und Skalierungserfahrung fast genauso wichtig wie Kapital.

move2pay ist ein Plattformmodell. Je mehr attraktive Marken wir auf der einen und Nutzer auf der anderen Seite gewinnen, desto stärker wird das gesamte Ökosystem.

Besonders wertvoll sind deshalb Kontakte zu großen Marken und strategischen Partnern sowie Erfahrung bei User Acquisition, Vertrieb, Finanzierung und Internationalisierung.

Unser Ziel ist nicht, einfach nur eine App größer zu machen, sondern eine neue Kategorie im Commerce aufzubauen.

Welche nächsten Schritte plant ihr mit move2pay nach eurem Auftritt in der Höhle der Löwen und welche konkreten Pläne gibt es für Wachstum und Skalierung?

Unser Fokus liegt klar auf Skalierung.

Aktuell arbeiten wir bereits mit rund 60 Shops und Marken zusammen und bauen dieses Netzwerk kontinuierlich aus. Parallel wollen wir die Zahl unserer Nutzer deutlich steigern und move2pay technologisch weiterentwickeln.

Neben der App bauen wir den Marketplace weiter aus und arbeiten unter anderem an einem Webshop, einer Shopify-Integration sowie perspektivisch an Lösungen für den stationären Handel.

Langfristig soll Bewegung nicht nur innerhalb der move2pay-App einen Wert haben. Unsere Vision ist, dass „Pay with move2pay“ zu einer eigenen Bezahloption wird – online und offline.

Gleichzeitig wollen wir unsere Daten- und AI-Komponenten ausbauen und Nutzern zukünftig noch stärker dabei helfen, Bewegung, Ernährung, Schlaf und andere gesundheitsrelevante Faktoren zu verstehen und positiv zu beeinflussen.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf eurem bisherigen Gründerweg mit move2pay als besonders wertvoll erwiesen?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für uns, wie entscheidend Geschwindigkeit und echtes Nutzerfeedback sind.

Man kann sehr lange über Produkte, Funktionen und Geschäftsmodelle nachdenken. Am Ende lernt man aber am meisten, wenn echte Nutzer das Produkt verwenden und echte Partner bereit sind, damit Geschäfte zu machen.

Eine zweite wichtige Erkenntnis ist, dass man als Startup sehr klar priorisieren muss. Ressourcen sind immer begrenzt. Deshalb muss man ständig entscheiden, welche wenigen Dinge gerade wirklich Wachstum oder Produktqualität voranbringen.

Und vielleicht am wichtigsten: Eine starke Vision ist wichtig – aber man darf sich nicht in die erste Version des Weges verlieben. Die Vision kann gleich bleiben, während sich das Geschäftsmodell und das Produkt auf dem Weg dorthin mehrfach verändern.

Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?

So früh wie möglich mit echten Kunden sprechen und das Produkt in den Markt bringen.

Nicht darauf warten, bis alles perfekt ist. Die wichtigsten Erkenntnisse kommen meistens erst dann, wenn Menschen tatsächlich bereit sind, das Produkt zu nutzen oder dafür zu bezahlen.

Gleichzeitig sollte man sich sehr genau überlegen, welches eine Problem man wirklich lösen möchte. Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, gleichzeitig zehn Dinge zu bauen.

Und man sollte Ausdauer nicht unterschätzen. Startups entwickeln sich selten linear. Entscheidend ist, schnell zu lernen, Dinge zu verändern, wenn sie nicht funktionieren, und trotzdem konsequent an der übergeordneten Vision festzuhalten.

Welches spezifische Problem löst die Technologie von move2pay für Firmenkunden und wie messbar ist dieser Vorteil?

Für unsere Markenpartner lösen wir vor allem ein Problem: Wie schafft man einen zusätzlichen Kaufanreiz, ohne die eigene Marke permanent über klassische Rabatte zu entwerten?

Über move2pay können Marken einen Teil des Produktpreises mit Bewegung bezahlbar machen. Der Kunde erlebt dadurch einen starken Preisvorteil, gleichzeitig bleibt der reguläre Produktwert beziehungsweise UVP sichtbar.

Für die Marke entsteht damit ein neuer Performance- und Vertriebskanal.

Der Vorteil ist sehr konkret messbar: von Reichweite und Aktivierung über Klicks und Neukunden bis hin zu Bestellungen, Warenkorb und Umsatz. Langfristig wollen wir Marken diese Daten in einem eigenen Self-Service-Dashboard transparent zur Verfügung stellen.

Wie sieht eure Strategie aus, um B2B-Kunden zu gewinnen, und welche Rolle spielt der Auftritt in der Höhle der Löwen für die Markenbekanntheit von move2pay?

Unser stärkstes Argument im B2B-Bereich ist der tatsächliche Zugang zu einer aktiven Community.

Wir wollen Marken nicht einfach Werbefläche verkaufen, sondern zusätzliche Kunden und Umsatz bringen. Deshalb wachsen beide Seiten unseres Marktplatzes gemeinsam: Je größer unsere Nutzerbasis wird, desto interessanter wird move2pay für Marken. Und je attraktiver die Marken auf der Plattform werden, desto interessanter wird move2pay für Nutzer.

Die Höhle der Löwen kann diesen Netzwerkeffekt erheblich beschleunigen. Die enorme Bekanntheit der Sendung hilft uns nicht nur bei der Gewinnung neuer Nutzer, sondern macht move2pay gleichzeitig für deutlich mehr Marken und potenzielle strategische Partner sichtbar.

Unser Ziel ist, dass Marken künftig nicht mehr nur darüber nachdenken, wie viel Rabatt sie geben, sondern wie viel Bewegung sie ihren Kunden ermöglichen können.

Sehen Sie move2pay am 19. Oktober 2026 in der Höhle der Löwen

Bild Gründer Mia Allouche und Karim Allouche, move2pay und Markenbotschafter Steffen Baumgart (v.re.) 
Foto: RTL

Wir bedanken uns bei Mia Allouche und Karim Allouche für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sammlerobjekte im Depot: Wie Collectible Invst Sachwerte als Wertpapier nutzbar macht

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Malte_Haeusler_Collectible_Invst

Collectible Invst macht Sammlerobjekte über ein depotfähiges Wertpapier für Anleger zugänglich und bündelt dafür verschiedene Sammlermärkte in einem Portfolio.

Malte, stell dich und Collectible Invst bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, Sammlerobjekte als eigenständige Anlageklasse zugänglich zu machen?

Ich bin Malte Häusler, CEO und Co-Founder von Timeless Investments in Berlin. Davor war ich gut 20 Jahre in der Managementberatung, bei Zalando und in E-Commerce- und Finance-Führungsrollen. Die Idee kam über Umwege aus unserer ersten Gründungsidee, einem Marktplatz für besondere Fahrzeuge mit lückenlosem digitalen Nachweis. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass diese Sammler-Märkte über Jahrzehnte stabile Wertentwicklungen gezeigt haben. Trotzdem war der Zugang fast nur Insidern mit viel Kapital und Expertise vorbehalten. Mit Timeless haben wir das geändert: Über 80.000 Kunden investieren bei uns digital und in Bruchteilen. Collectible Invst ist der nächste Schritt. Es ist ein depotfähiges Wertpapier, das Sammlerobjekte dorthin bringt, wo professionelles Vermögen verwaltet wird: ins Wertpapierdepot.

Mit Collectible Invst wollt ihr einen Markt verändern, der bisher stark von Sammlern und Liebhabern geprägt ist. Welche Lücke habt ihr darin erkannt?

Sammlermärkte sind riesig, aber für Anleger strukturell verschlossen. Drei Hürden sind entscheidend: hohe Einstiegssummen, fehlende Expertise und kein geregelter Zugang. Ein Vermögensverwalter kann für seine Kunden keine Rolex oder keinen Premium Fahrzeug wie Porsche oder Ferrari ins Depot legen. Genau hier fehlte ein Produkt mit drei Eigenschaften: zugänglich, depotfähig und breit gestreut. Ein Instrument, das sich in bestehende Prozesse von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices einfügt, statt eine neue App oder Plattform zu verlangen. Diese Brücke zwischen der Welt der Sammler und der Welt der Kapitalanlage bauen wir.

Ihr habt ein Wertpapier entwickelt, das Investments in sechs verschiedene Sammlermärkte bündelt. Wie funktioniert dieses Modell und welche Vorteile soll es Anlegern bieten?

Collectible Invst ist eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit ISIN und WKN. Emittentin ist unsere Zweckgesellschaft NH Collectible 1 GmbH. Das eingesammelte Kapital fließt in ein Portfolio aus sechs Sammlermärkten: Luxusuhren, Kunst, Spirituosen, Automobile, Edelsteine und einzigartige Memorabilien. Für Anleger hat das drei Vorteile:

  • Streuung: kein Einzelobjekt-Risiko, sondern ein Korb über mehrere Märkte mit unterschiedlichen Zyklen.
  • Einfachheit: Zeichnung und Verwahrung erfolgen wie bei jedem anderen Wertpapier, über das eigene Depot.
  • Expertise: Auswahl, Ankauf, Lagerung, Versicherung und Verkauf übernehmen wir. Dafür greifen wir auf die Erfahrung aus über 45 Mio. Euro tokenisiertem Volumen zurück.

Kunst, Luxusuhren, Oldtimer und Pokémon-Karten unterscheiden sich erheblich. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Märkte und Objekte für ein Investment infrage kommen?

Wir investieren nicht nach Bauchgefühl, sondern nach klaren Kriterien. Auf Marktebene schauen wir auf folgende Punkte:

  • Gibt es eine globale, liquide Nachfrage?
  • Gibt es verlässliche Preisdaten aus Auktionen und dem Sekundärmarkt?
  • Ist die Knappheit und der Objektzustand nachweisbar und dokumentiert?

Auf Objektebene zählen Provenienz, Zustand, Authentizität, Seltenheit und Exit-Fähigkeit. Bevor ein Objekt ins Portfolio kommt, durchläuft es unser Asset Review Council. Dort bewerten interne und externe Experten jedes Asset. Die Märkte unterscheiden sich stark, aber die Logik dahinter ist dieselbe: Wir kaufen nur, was wir auch wieder verkaufen können.

Bei Collectible Invst setzt ihr auf Künstliche Intelligenz und datenbasierte Analysen. Wie helfen euch diese Technologien dabei, den Wert einzelner Sammlerobjekte einzuschätzen?

Sammlermärkte erzeugen enorme Datenmengen, aber sie sind fragmentiert. Wir haben Auktionsergebnisse, Händlerpreise, Sekundärmarkt-Transaktionen und Nachfragesignale. Datenbasierte Modelle helfen uns, diese Daten zusammenzuführen, Preistrends früh zu erkennen und Ausreißer zu identifizieren. So sehen wir zum Beispiel, wann eine Uhrenreferenz im Vergleich zu ihrer Historie günstig bewertet ist. KI ersetzt dabei nicht den Experten, sie macht ihn schneller und präziser. Wir haben wir ein datengestützes analytisches Tool mit aktuell mehr als 30 Datenquellen (und vor allem auch unsere eigenen Daten aus der aufgebauten Expertise von mehr als 1.000 Sourcings seit 2021). Die finale Entscheidung für ein neues Asset auf der Plattform trifft natürlich immer ein Mensch.

Anders als bei Aktien gibt es für viele Sammlerobjekte keine einheitlichen Marktpreise. Wie geht ihr mit fehlender Transparenz und schwer vergleichbaren Bewertungen um?

Wir gehen das Problem offen an. Sammlerobjekte haben keinen täglichen Börsenkurs, und das sollte man auch nicht vortäuschen. Wir arbeiten deshalb mit drei Mitteln:

  • Breite Datenbasis: Vergleichstransaktionen aus mehreren Quellen statt eines einzelnen Preisanker.
  • Unabhängige Expertise: Bewertungen und Echtheitsprüfungen durch Spezialisten und Partner aus dem Auktionswesen.
  • Konservative Annahmen: lieber vorsichtig bewerten als Erwartungen schüren, die der Markt nicht erfüllt.

Transparenz heißt für uns auch, klar zu kommunizieren, wie wir bewerten und wo die Grenzen dieser Bewertung liegen.

Welche Anleger möchtet ihr mit Collectible Invst erreichen und wie erklärt ihr ihnen die besonderen Chancen und Risiken dieser Anlageklasse?

Unsere Zielgruppe sind zum einen Vermögensverwalter, Banken und institutionelle Investoren, die ihren Kunden echte Diversifikation jenseits von Aktien und Anleihen bieten wollen. Zum anderen erreichen wir Privatanleger, die Sammlerobjekte spannend finden, aber kein Einzelrisiko eingehen wollen. Bei der Kommunikation ist uns Ehrlichkeit wichtig. Die Chance liegt in einer Anlageklasse mit eigener Dynamik und geringer Korrelation zu klassischen Märkten. Die Risiken benennen wir genauso deutlich: Es handelt sich um ein Nachrangprodukt, ein Totalverlust ist möglich, die Liquidität ist begrenzt und Wertentwicklungen sind nicht garantiert. Das steht klar im Basisinformationsblatt, und das sage ich auch persönlich jedem, der mit mir spricht.

Was unterscheidet euer Geschäftsmodell von klassischen Investmentprodukten und dem direkten Kauf einzelner Sammlerobjekte?

Gegenüber klassischen Produkten bieten wir Zugang zu einer Anlageklasse, die in keinem Aktien-ETF und keinem Mischfonds vorkommt. Gegenüber dem Direktkauf ist der Unterschied noch größer. Wer selbst eine Patek Philippe kauft, braucht sechsstelliges Kapital, Expertise gegen Fälschungen, Lagerung, Versicherung und einen Plan für den Verkauf. Und er trägt das volle Risiko eines einzelnen Objekts. Bei uns zeichnet man ein Wertpapier, ist breit gestreut und gibt die operative Komplexität ab. Auch gegenüber tokenisierten Angeboten, unser eigenes Timeless eingeschlossen, gibt es einen Unterschied: Collectible Invst funktioniert im Depot, also genau dort, wo professionelles Geld liegt.

Ein Wertpapier auf Basis unterschiedlicher Sammlermärkte bringt besondere regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen mit sich. Welche Herausforderungen musstet ihr bei der Entwicklung bewältigen?

Ein Wertpapier auf Sachwertbasis zu strukturieren heißt, sich gleichzeitig mit Kapitalmarktrecht, Steuern und operativen Fragen auseinanderzusetzen. Wir haben dafür eine eigene Zweckgesellschaft gegründet und die Anleihe depotfähig aufgesetzt. Bei Versicherung, Verwahrung und Dokumentation hat jedes Detail Gewicht. Dazu kommt ein regulatorisches Umfeld, das sich laufend bewegt: Die Aufsichtspraxis verändert sich, und wir passen uns an. Unser Vorteil ist, dass wir mit Timeless schon heute nach der MiCAR-reguliert sind und unter einem Haftungsdach arbeiten. Regulierung ist für uns kein Hindernis, sondern Teil des Produkts.

Alternative Investments werden häufig mit hohen Renditechancen verbunden. Welche Risiken werden aus deiner Sicht unterschätzt, insbesondere bei Liquidität und Wertentwicklung?

An erster Stelle steht die Liquidität. Sammlerobjekte lassen sich nicht per Klick verkaufen. Ein guter Exit braucht Zeit und den richtigen Moment. Wer jederzeit an sein Geld muss, ist hier falsch. Zweitens die Bewertung: Ein Preis existiert erst, wenn jemand ihn bezahlt. Zwischenbewertungen sind Schätzungen, keine Kurse. Drittens die Zyklen. Auch Sammlermärkte haben Übertreibungen, das hat man bei Uhren und Trading Cards in den letzten Jahren deutlich gesehen. Und viertens die Konzentration: Wer alles auf ein Objekt oder einen Hype setzt, spekuliert, statt zu investieren. Genau deshalb setzen wir auf Streuung, Disziplin beim Einkauf und einen langen Anlagehorizont.

Welche langfristige Vision verfolgt ihr mit Collectible Invst und welche weiteren Entwicklungen oder Anlagebereiche könnten künftig interessant werden?

Unsere Vision ist, Sammlerobjekte als selbstverständliche Beimischung in jedem gut diversifizierten Portfolio zu etablieren, so wie Immobilien oder Gold heute. Collectible Invst 1 ist der Anfang einer Serie. Denkbar sind weitere Emissionen mit eigenen Schwerpunkten, etwa auf einzelne Märkte oder Risikoprofile. Bei neuen Anlagebereichen beobachten wir sehr genau, wo sich Nachfrage, Datenlage und Knappheit verbinden. Dazu gehören Mineralien, Memorabilia aus Sport und Musik und Raritäten mit globaler Sammlerbasis. Parallel bauen wir die Distribution über Banken, Broker und Vermögensverwalter aus, denn das Produkt muss dort hin, wo die Anleger sind.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die einen traditionellen Markt mit einem innovativen Finanzprodukt verändern möchten?

  1. Regulierung früh mitdenken. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wer sie als Erster beherrscht, hat einen Burggraben.
  2. Den Markt lieben, aber verstehe deine Zahlen. Leidenschaft für das Produkt ist dein Antrieb. Disziplin bei der Bewertung entscheidet über das Vertrauen deiner Anleger.
  3. Dort hingehen, wo deine Kunden schon sind. Innovation muss sich in bestehende Gewohnheiten einfügen. Für uns heißt das: ins Depot, nicht nur in eine neue App.

Bildcredits Collectible Invst

Wir bedanken uns bei Marcel Schäfer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

KI für Samtpfoten: Wie die App MiaoSense die Körpersprache von Katzen entschlüsselt

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MiaoSense: App erkennt die Stimmung von Katzen KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

MiaoSense ist eine App, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Körpersprache von Katzen analysiert und ihre Stimmung einschätzt. Entwickler Robert Sommer erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert, warum sämtliche Analysen direkt auf dem Smartphone stattfinden und welche Grenzen die KI hat.

Robert, kannst du dich und MiaoSense kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine App zur Einschätzung der Stimmung von Katzen zu entwickeln?

Ich bin Robert Sommer und habe MiaoSense in München entwickelt. MiaoSense ist eine Android-App zur visuellen Analyse der Stimmung von Katzen: Man richtet die Smartphone-Kamera auf eine Katze, und die App schätzt anhand der Körpersprache ein, in welcher Stimmung das Tier gerade ist. Anfangs war ich nur neugierig, ob KI die Mimik und Körpersprache von Katzen überhaupt auswerten kann. Mit der Zeit verstand ich, was möglich sein würde, und entschloss mich dazu, ein entsprechendes Projekt zu konzipieren, zu entwickeln und schließlich sogar auf den Markt zu bringen.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben dich dazu gebracht, dich mit der Körpersprache von Katzen zu beschäftigen und daraus eine digitale Anwendung zu entwickeln?

Auch wenn wir selbst schon seit einigen Jahren Katzen haben und uns auch recht gut damit auskennen, so kann es gerade für Anfänger in der Katzenhaltung oder Menschen, die noch davor stehen, sich eine oder mehrere Katzen anzuschaffen, durchaus eine Herausforderung sein, die Körpersprache von Katzen einzuschätzen. Daher will ich ihnen mit MiaoSense ein Hilfsmittel an die Hand geben, die Stimmung ihrer Katze einzuschätzen.

MiaoSense nutzt künstliche Intelligenz, um anhand der Körpersprache die Stimmung einer Katze einzuschätzen. Wie funktioniert die Analyse und welche Verhaltensmerkmale berücksichtigt die App dabei?

Zunächst einmal muss die App die Katze im Kamerabild erkennen: Ist überhaupt etwas im Kamerabild, und ist das, was dort zu sehen ist, überhaupt eine Katze? Danach wertet sie drei Dinge aus: Mimik, Körperhaltung und Bewegung. Daraus entsteht eine wahrscheinlichkeitsbasierte Einschätzung der Stimmung. Das Ergebnis erscheint live im Bild, als farbiger Rahmen um die Katze, darüber die eingeschätzte Stimmung und wie sicher sich die App dabei ist. Diese Angabe ist mir wichtig, weil sie offenlegt, wie sicher sich die App bei ihrer eigenen Einschätzung ist. Sie ist ein Hinweis und keine Garantie.

Katzen kommunizieren häufig über subtile Veränderungen ihrer Körperhaltung und Mimik. Welche Herausforderungen entstehen bei der Interpretation dieser Signale und wo liegen die Grenzen deiner Technologie?

Ein einzelnes Signal sagt bei Katzen wenig. Ohren, Augen, Schwanz und Haltung ergeben erst zusammen ein Bild, und auch das bleibt eine Deutung. Praktisch gibt es klare Grenzen: Bei schlechtem Licht, aus größerer Entfernung oder wenn die Katze nur halb im Bild ist, wird die Einschätzung unsicherer. Dann sollte man das Ergebnis besonders vorsichtig lesen bzw. das Tier unter entsprechend optimierten Umgebungsbedingungen analysieren lassen. Eine Katze, die lebhaft durch den Raum läuft, ist schwerer zu verfolgen als eine, die ruhig sitzt. Und manche Katzen reagieren auf das Handy selbst, was das Aufnehmen erschwert. Die grundsätzliche Grenze ist eine andere: MiaoSense schätzt Stimmung ein. Die Gesundheit der Katze beurteilt die App nicht.

Du hast dich bewusst dafür entschieden, die KI vollständig auf dem Smartphone auszuführen. Warum verzichtest du auf eine Cloud-Anbindung und welche technischen Herausforderungen bringt dieser Ansatz mit sich?

Eine Kamera, die ins Wohn- oder Schlafzimmer zeigt, sieht mehr als nur die Katze. Diese Bilder sollen dort ausgewertet werden, wo sie entstehen. Alle KI-Modelle sind Teil der App und laufen auf dem Prozessor des Telefons. Fotos, Audiodaten und Analyseergebnisse werden nicht in eine Cloud übertragen, und es gibt keinen Server, auf den Bilder hochgeladen würden. Nebenbei funktioniert die Analyse dadurch auch ohne Internetverbindung. Die Herausforderung: Die Modelle müssen klein und schnell genug sein, um auf ganz unterschiedlichen Android-Geräten live mitzulaufen, und trotzdem brauchbare Ergebnisse liefern. In der Cloud könnte man einfach mehr Rechenleistung einsetzen, auf dem Handy nicht.

MiaoSense benötigt kein Nutzerkonto und verarbeitet die Analysen direkt auf dem Gerät. Welche Bedeutung haben Datenschutz und eine möglichst unkomplizierte Nutzung für dein Produktkonzept?

Beides hängt zusammen. Die App startet ohne Anmeldung, man muss weder eine E-Mail-Adresse angeben noch ein Passwort anlegen. Gleichzeitig gibt es keinen MiaoSense-Server, auf dem Daten von Nutzern gespeichert würden. Verlauf und Profile liegen nur lokal auf dem Handy. Wer seine Daten entfernen möchte, löscht sie in den Einstellungen mit einer bestätigten Aktion aus der App. Das Recht auf Löschung ist damit technisch umgesetzt und nicht nur als Antragsweg beschrieben.

Die App liefert eine Einschätzung und ausdrücklich keinen tierärztlichen Befund. Wie stellst du sicher, dass Nutzer die Ergebnisse richtig einordnen und mögliche gesundheitliche Probleme ihrer Katze nicht übersehen?

Beim ersten Start erscheint ein Hinweis, dass MiaoSense eine Einschätzung liefert und keinen Befund. Erst wenn man ausdrücklich zustimmt, lässt sich die App verwenden. Zu jeder Einschätzung zeigt die App außerdem an, wie sicher sie ist. Wer sich Sorgen um seine Katze macht, sollte in die Tierarztpraxis gehen. Der Verlauf in der App kann dort höchstens eine Gedächtnisstütze sein, weil er frühere Beobachtungen neben die von heute legt. MiaoSense ist nicht dafür gedacht, tierärztliche Befunde zu liefern, und will das auch nicht.

Mit drei kostenlosen Analysen können Nutzer MiaoSense zunächst ausprobieren, bevor sie die Vollversion einmalig erwerben. Warum hast du dich gegen ein Abonnement entschieden und wie möchtest du die langfristige Weiterentwicklung finanzieren?

Eine App, die man ab und zu öffnet, um nach seiner Katze zu sehen, rechtfertigt für mich keine monatliche Gebühr. Und weil alles auf dem Gerät läuft, entstehen pro Analyse keine Serverkosten, die ein Abo decken müsste. Drei Analysen, ein Katzenprofil und der Verlauf der letzten sieben Tage sind kostenlos. Die Vollversion kostet in der Eurozone einmalig 7,99 Euro (Stand Oktober 2026) inklusive Mehrwertsteuer und schaltet unbegrenzte Analysen, mehrere Katzenprofile mit eigenem Verlauf, eine Aktivitäts-Heatmap und einen Wochenvergleich frei. Die Weiterentwicklung finanziere ich momentan eigenständig.

MiaoSense ist bereits in acht Sprachen bei Google Play verfügbar. Welche Zielgruppen möchtest du damit erreichen und welche Herausforderungen bringt die internationale Vermarktung einer solchen Spezialanwendung mit sich?

Die App gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Japanisch und Koreanisch. Zielgruppe sind Menschen, die die Körpersprache ihrer Katze genauer ansehen wollen, und die gibt es in jedem dieser Länder. Die Schwierigkeit liegt weniger in der Übersetzung als in der Wirkung der Worte. Ein Begriff für eine Stimmung klingt nicht in jeder Sprache gleich nüchtern, und was in der einen Sprache eine vorsichtige Einschätzung ist, kann in der anderen wie ein Versprechen klingen. Dazu kommt, dass jedes Land eigene Medien und eigene Gewohnheiten hat, wie man über Produkte berichtet. Zum Glück bin ich sprachbegabt und habe mindestens Anfängerkenntnisse in den aktuell unterstützten Sprachen, um wenigstens einschätzen zu können, ob eine Übersetzung passt oder daneben liegt. Da ich auch häufig die kulturellen und lokalen Befindlichkeiten einzuschätzen weiß, kann ich die internationale Vermarktung eigentlich recht gut steuern. Natürlich wäre die zusätzliche Unterstützung von Muttersprachlern hilfreich.

Du hast MiaoSense in München entwickelt. Welche technischen und unternehmerischen Herausforderungen musstest du bisher meistern und welche Erfahrungen haben dich dabei besonders geprägt?

Technisch war die größte Aufgabe, die analytische, visuelle Erkennung so klein zu bekommen, dass sie live auf dem Handy läuft. Vor der Veröffentlichung musste die App außerdem einen geschlossenen Test bei Google Play mit echten Testern durchlaufen. Die Rückmeldungen daraus haben die App spürbar verändert. Unternehmerisch war und ist für mich natürlich der Schritt in die Selbständigkeit eine gewisse Herausforderung und zugleich auch eine Befreiung.

Welche Rückmeldungen hast du seit der Veröffentlichung von Katzenhaltern erhalten und welche neuen Funktionen oder Verbesserungen möchtest du künftig umsetzen?

Vor der Veröffentlichung hat MiaoSense einen geschlossenen Test bei Google Play durchlaufen. Von den Testerinnen und Testern, die den abschließenden Fragebogen beantwortet haben, hatten alle die Live-Analyse, den Verlauf und die Katzenprofile genutzt, die meisten fast täglich, und niemand meldete einen Absturz. Alle gaben an, die Anzeige habe meistens zu dem gepasst, was sie selbst an ihrer Katze beobachtet haben. Das ist eine kleine Gruppe und keine Messung der Genauigkeit, aber ein ermutigender Anfang.

Genauso wichtig waren die kritischen Hinweise. Eine Testerin schrieb, dass die App draußen die Katze oft nur erkennt, wenn man sehr nah herangeht. Eine andere hat aus Neugier einen Schlüsselanhänger in Katzenform vor die Kamera gehalten und eine Stimmung angezeigt bekommen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Unsicherheit sichtbar zu machen, statt ein Ergebnis einfach anzuzeigen. Seit der Veröffentlichung kam bei Google Play der Hinweis, dass die App eine lebhaft herumlaufende Katze schwer verfolgen kann. Als Zielgruppe nannten die Testerinnen und Tester übrigens am häufigsten Haushalte mit mehreren Katzen und Menschen, die gerade erst eine Katze bekommen haben.

Daraus ergibt sich, was als Nächstes kommt: das Verfolgen von Katzen in Bewegung, eine bessere Erkennung auf Entfernung und im Freien sowie natürlich die kontinuierliche Verbesserung der Analysemodelle. Ebenfalls weit oben steht die Analyse von Lautäußerungen; eine Testerin, die seit Jahrzehnten Katzen hält, hat von sich aus danach gefragt. Sie soll die vorhandene Auswertung von Mimik, Haltung und Bewegung ergänzen.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit künstlicher Intelligenz eine eigene App entwickeln und dabei bewusst auf Datenschutz, einfache Bedienung und ein transparentes Preismodell setzen möchten?

Erstens: Schreibt früh auf, was eure KI nicht kann, und sagt es den Nutzern in der App selbst. Das schützt die Nutzer und euch. Überhaupt: Seid ehrlich! Zu euch selbst und zu euren Nutzern. Zweitens: Datenschutz beginnt bei der Architektur. Daten, die das Gerät nie verlassen, muss man nicht auf einem Server absichern. Drittens: Macht den Preis so einfach, dass man ihn in einem Satz erklären kann. Wer erst rechnen muss, was ihn eine App am Ende kostet, kauft sie eher nicht.

KI-generierte Einschätzung, kein medizinischer oder diagnostischer Befund. Ersetzt keine tierärztliche Beurteilung.

Bild KI-generierte Illustration (Google Gemini), Bildrechte: Robert Sommer, privat

Wir bedanken uns bei Robert Sommer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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