Sonntag, Oktober 25, 2026
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KI für das Handwerk: Wie das Startup ToolTime Büroarbeit und Sprachbarrieren auf Baustellen abbaut

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ToolTime: Echo nutzt KI für Handwerksbetriebe Marcel Mansfeld CEO

ToolTime erleichtert Handwerksbetrieben den Arbeitsalltag und setzt mit Echo auf KI, um Arbeitsberichte per Spracheingabe zu erstellen, Dokumentationsaufwand zu reduzieren und Sprachbarrieren abzubauen.

Marcel, stell dich und ToolTime bitte kurz vor. Was hat dich dazu bewegt, ein Softwareunternehmen speziell für das Handwerk aufzubauen?

Ich bin CEO von ToolTime und baue seit über 15 Jahren Software, unter anderem für pepperbill, NewStore oder SumUp. Dabei hat mich immer dieselbe Frage angetrieben: Wie kann Technologie Arbeit einfacher machen? Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr nur einzelne Produkte bauen, sondern eine ganze Branche zukunftsfähig machen möchte. Und kaum eine Branche ist so wichtig für Deutschland und gleichzeitig so wenig digital unterstützt wie das Handwerk.

Deshalb folgte 2019 die Gründung der Handwerkersoftware ToolTime. Heute ist ToolTime das digitale Betriebssystem für Handwerksbetriebe, von Angebot über Einsatzplanung und Dokumentation bis zur Rechnung. Über 20.000 Handwerker:innen haben ihren Betrieb mit uns bereits erfolgreich digitalisiert. Seit Anfang des Jahres gehen wir nun den nächsten logischen Schritt: Wir setzen KI als Werkzeug ein, um genau die wiederkehrenden Aufgaben zu automatisieren, die Betrieben täglich Zeit und Geld rauben. So können sich Handwerksbetriebe wieder auf das konzentrieren, was sie am besten können: ihr Handwerk.

Mit ToolTime digitalisiert ihr bereits die Betriebe von über 20.000 Handwerkerinnen und Handwerkern im DACH-Raum. Welche Probleme begegnen euch in den Betrieben besonders häufig?

Das Muster ist fast überall gleich: Die Leute haben eine echte Leidenschaft für ihr Handwerk, aber die Büroarbeit frisst ihnen die Zeit weg. Angebote werden abends am Küchentisch geschrieben, Arbeitsberichte liegen als Zettel im Auto und Absprachen laufen über unübersichtliche WhatsApp-Gruppen. Dazu kommt eine Bürokratielast, die jedes Jahr wächst, und der Fachkräftemangel, der dafür sorgt, dass niemand da ist, der das alles nebenbei auffängt. Dafür ist niemand Handwerker geworden!

Viele Betriebe wissen, dass sie digitaler werden müssen. Aber im vollen Arbeitsalltag fehlt die Zeit, sich damit zu beschäftigen und nach Jahren auf Papier ist jede Umstellung erst einmal ungewohnt. Wir entwickeln ToolTime deshalb seit dem ersten Tag eng mit Handwerksbetrieben zusammen und gestalten die Software so intuitiv wie möglich, damit sie in ihren echten Arbeitsalltag passt. Sie soll Betrieben das Leben leichter machen, statt sie mit komplizierten Eingabemasken auszubremsen. Natürlich ist die Digitalisierung erst einmal ein Schritt, den man gehen muss. Aber einer, der sich schnell auszahlt und am Ende entlastet statt belastet.

Mit „Echo“ habt ihr eine KI-App entwickelt, die Spracheingaben aus über 30 Sprachen in professionelle Arbeitsberichte auf Deutsch oder Englisch verwandelt. Wie funktioniert die Anwendung konkret im Arbeitsalltag?

Stell dir vor, du stehst als Handwerker:in auf der Leiter, hast das Werkzeug in der Hand und sollst nebenbei einen Bericht schreiben. Das klappt einfach nicht. Also machst du es später. Dann liegt der Zettel im Wagen, geht verloren oder du schreibst ihn abends aus dem Gedächtnis und vergisst die Hälfte. Deshalb setzt Echo konsequent auf Voice-first: Der Monteur erzählt in seiner Sprache und mit seinen eigenen Worten, was er gemacht hat, ergänzt ein paar Fotos, und die KI erstellt daraus einen professionellen Arbeitsbericht mit Leistungsbeschreibungen, Materialübersicht und Bildunterschriften.

Das eigentlich Spannende passiert aber davor und danach. Schon morgens sieht er in der App seine Termine und alles, was das Büro vorbereitet hat: Adresse, Kundendaten, Navigation und die kalkulierten Leistungen und Materialien. Wurde vor Ort mehr verbaut als geplant, reicht ein kurzer Satz. Und sobald der Kunde den geprüften Bericht auf dem Display unterschrieben hat, landet er direkt im passenden Termin in ToolTime. Die Bürokraft übernimmt die Leistungen dann mit wenigen Klicks in die Rechnung. Das ist ein Workflow ohne Brüche: keine Zettel, kein Abtippen, keine Position, die unterwegs verloren geht. Für mich ist das der Unterschied zwischen einer netten Diktier-App und einem Werkzeug, das die Arbeit eines ganzen Betriebs verändert.

Wie ist die Idee zu Echo entstanden und welches Problem wolltet ihr damit in erster Linie lösen?

Wir haben uns gefragt: Wo verlieren Betriebe trotz Software immer noch Zeit und was davon kann Automatisierung ihnen abnehmen? Die Baustelle war dabei eines der Themen mit dem größten Potenzial. Denn ob mit Software oder ohne: Am Ende muss jemand festhalten, was gemacht wurde. Entweder handschriftlich auf Papier oder getippt auf dem Smartphone, mit schmutzigen Händen, mit vollen Händen, zwischen zwei Einsätzen. Und wer die Sprache nicht so gut spricht oder sich mit der Rechtschreibung schwertut, für den ist das doppelt anstrengend. Das Ergebnis sind dann unvollständige Berichte, die im Büro nachgearbeitet werden müssen. Entwickelt haben wir Echo dann in einer langen Beta-Phase gemeinsam mit unseren Kunden. Viele Details gibt es, weil die Betriebe gesagt haben: Genau das brauchen wir!

Welche Rolle spielen Sprachbarrieren für internationale Fachkräfte im deutschen Handwerk und wie kann Technologie dabei helfen, diese abzubauen?

Eine viel größere, als man von außen denkt. Ohne internationale Fachkräfte würde heute auf vielen deutschen Baustellen nichts mehr gehen. Und trotzdem stoßen gerade sie ständig auf Hürden, die mit ihrem Können nichts zu tun haben. Eine der größten ist die Dokumentation. Denn der Arbeitsbericht ist im Handwerk kein Papierkram nebenbei: Das Büro rechnet damit ab und im Zweifel ist er der Nachweis für die erbrachte Leistung. Für viele Betriebe ist die Sprache deshalb schon bei der Einstellung ein Thema, denn wer allein einen Einsatz beim Kunden übernimmt, muss am Ende auch sauber dokumentieren können.

So bleiben gute Fachkräfte oft unter ihren Möglichkeiten, obwohl sie fachlich längst mehr Verantwortung tragen könnten. Technologie wird die Sprachbarriere nicht von heute auf morgen abschaffen, aber sie kann dafür sorgen, dass Sprache im Arbeitsalltag nicht mehr darüber entscheidet, wer welche Aufgabe übernehmen kann. Das gibt allen im Team die gleiche Chance. Und bei rund 200.000 fehlenden Fachkräften im Handwerk können wir es uns schlicht nicht leisten, gute Leute an einem Formular scheitern zu lassen.

Wie stark können Handwerksbetriebe durch Echo tatsächlich bei Dokumentation und administrativen Aufgaben entlastet werden?

Deutlich, denn Echo entlastet gleich doppelt. Weil die App direkt mit ToolTime verbunden ist, spart jeder Bericht nicht nur auf der Baustelle Zeit, sondern auch im Büro. Für den Monteur dauert die Dokumentation nur noch so lange, wie er braucht, um zu erzählen, was er gemacht hat. Kein Formular aus dem Auto holen, kein Nachschreiben am Abend, keine Rückfragen aus dem Büro. So ist er schneller beim nächsten Einsatz und im Büro muss niemand mehr Handschriften entziffern, nachtelefonieren oder Positionen abtippen, weil sich alles automatisch synchronisiert und Informationen schon da sind, wo sie später gebraucht werden. Das ist Zeit, die Betriebe jeden Tag zurückbekommen, für neue Aufträge, für ihre Kunden oder einfach für einen pünktlichen Feierabend. Aber mindestens genauso wichtig ist die Vollständigkeit. Jede Info, die früher unterwegs verloren ging, wird jetzt abgerechnet. Den Unterschied merkt ein Betrieb also nicht nur an mehr Zeit, sondern direkt auf dem Konto.

Wie stellt ihr sicher, dass aus gesprochenen Informationen fachlich korrekte und für den Betrieb brauchbare Arbeitsberichte entstehen?

Indem wir die KI nicht im luftleeren Raum arbeiten lassen. Echo versteht nicht einfach nur Wörter, sondern Zusammenhänge. Wenn jemand beim Erzählen springt, einen falschen Begriff benutzt oder einen Satz nicht zu Ende bringt, erkennt die KI das und macht trotzdem einen sauberen Bericht daraus. Entscheidend ist außerdem der Kontext: Anhand der Kopplung mit ToolTime weiß Echo schon, um welchen Auftrag es geht, welche Leistungen geplant waren und welches Material vorgesehen ist. Die KI muss also nicht raten, sondern baut auf dem auf, was das Büro bereits geplant hat. Sollte doch mal etwas schiefgehen, behält der Monteur die volle Kontrolle. Er kann den Bericht prüfen, bevor der Kunde unterschreibt und alles manuell oder einfach per erneuter Spracheingabe korrigieren. Die KI übernimmt die lästige Schreibarbeit, das letzte Wort hat aber immer der Mensch.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz inzwischen generell bei ToolTime und wo seht ihr im Handwerk die größten Einsatzmöglichkeiten?

Seit Anfang des Jahres ist KI ein fester Bestandteil unserer Strategie. Der Grund ist ganz einfach: Auch in digitalisierten Handwerksbetrieben gibt es immer noch viele Aufgaben, die viel Zeit kosten, die jeden Tag aufkommen und sich deshalb sehr gut automatisieren lassen. Nimm das Telefon im Büro: Werbeanrufe abwimmeln, jedes Gespräch einordnen, neue Kunden von Hand anlegen. Das übernimmt für unsere Kunden inzwischen der ToolTime Assistant. Oder eingehende Rechnungen: Statt sie Zeile für Zeile abzutippen, liest die Software sie automatisch aus. Und jetzt Echo für die Baustelle. Die größten Möglichkeiten sehe ich überall dort, wo Informationen eigentlich längst vorhanden sind, aber trotzdem noch händisch von A nach B getragen werden müssen. Unser Ziel ist, dass diese Aufgaben einfach geräuschlos im Hintergrund mitlaufen und sich die Betriebe wieder mehr auf ihre Kunden und ihr Handwerk konzentrieren können.

Gerade auf Baustellen werden teilweise sensible Kunden-, Projekt- und Unternehmensdaten verarbeitet. Wie geht ihr bei Echo mit Datenschutz und Datensicherheit um?

Für uns gilt ein klarer Grundsatz: Die Daten unserer Kunden gehören unseren Kunden. Wir trainieren keine KI-Modelle damit, das Wissen eines Betriebs bleibt sein Eigentum. Die Sprachaufnahmen selbst werden weder an ToolTime übertragen noch gespeichert, verarbeitet wird nur der Text. Alles läuft DSGVO-konform und verschlüsselt auf europäischen Servern. Die Daten werden nur so kurz wie nötig zwischengespeichert, um den Bericht zu erstellen und die Kontrolle bleibt immer beim Betrieb: Die KI leistet Zuarbeit, die finale Entscheidung trifft der Mensch. Mit ihren Daten vertrauen uns die Betriebe ein Stück ihres Unternehmens an. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.

Deutschland fehlen zahlreiche Fachkräfte im Handwerk. Kann Digitalisierung aus deiner Sicht einen messbaren Beitrag dazu leisten, vorhandene Fachkräfte produktiver einzusetzen?

Ja, und zwar ganz direkt. Software wird zwar nicht den Fachkräftemangel lösen, die Leute müssen wir weiterhin ausbilden und gewinnen. Aber wir können dafür sorgen, dass die Fachkräfte, die da sind, ihre Zeit sinnvoller für das einsetzen, wofür sie ausgebildet wurden. Jede Stunde, die nicht mehr in Zettel, Abtippen oder Rückfragen fließt, ist eine Stunde für den nächsten Auftrag. Und das merkt ein Betrieb ziemlich schnell: an mehr Einsätzen, an mehr Umsatz und an einem Büro, das nicht ständig hinterherläuft. Und dann ist da noch das Thema Nachfolge: Wer will einen Betrieb übernehmen, in dem alles auf Zetteln und im Kopf des Inhabers steckt? Ein digital organisierter Betrieb lässt sich deutlich leichter übergeben und ist für junge Leute einfach attraktiver.

ToolTime ist bereits im DACH-Raum etabliert. Welche Wachstums- und Internationalisierungspläne verfolgt ihr in den kommenden Jahren?

Im DACH-Raum sind wir noch längst nicht fertig. Ein Großteil der Handwerksbetriebe arbeitet auch 2026 noch kaum digital. Von daher haben wir hier vor unserer Haustür genug zu tun. Natürlich schauen wir uns auch andere Märkte in Europa an. Konkretes dazu verraten wir aber erst, wenn es so weit ist.

Du hast bereits Unternehmen und Produkte wie pepperbill und SumUp mit aufgebaut. Welche Erfahrungen daraus helfen dir heute beim Aufbau und bei der Skalierung von ToolTime?

Bei pepperbill habe ich gelernt, wie hart es ist, eine traditionelle Branche zu digitalisieren. Gastronomen und Handwerker haben mehr gemeinsam, als man denkt. Beide stehen den ganzen Tag im Betrieb und haben keine Geduld für Software, die kompliziert ist. Wenn ein Produkt nicht auf Anhieb funktioniert, ist es raus. Bei SumUp haben wir damals aus einem einzelnen Produkt eine Plattform gemacht, ohne die Nutzer dabei zu verlieren. An einem ähnlichen Punkt stehen wir bei ToolTime gerade mit dem Schritt zur KI. Und die wichtigste Lektion aus allen Stationen: Das beste Produkt entsteht im Austausch mit den Menschen, die es jeden Tag benutzen. Deshalb entwickeln wir ToolTime von Anfang an eng mit Handwerksbetrieben zusammen. Und am Ende positives Feedback von begeisterten Kunden zu bekommen, ist wirklich die beste Motivation.

Wo soll ToolTime in drei bis fünf Jahren stehen und welche Rolle soll Echo innerhalb eures Angebots spielen?

In drei bis fünf Jahren soll ToolTime für Handwerksbetriebe so selbstverständlich sein wie Hammer und Zollstock. Ein Werkzeug, über das man nicht mehr nachdenkt, weil es einfach da ist und funktioniert. KI-Features wie Echo werden dabei eine zentrale Rolle spielen. In den Daten, die Betriebe über Kunden, Finanzen und Abläufe längst haben, steckt beispielsweise enormes Potenzial, das bisher kaum genutzt wird. Dieses Wissen in Form von Daten wollen wir für sie sichtbar und nutzbar machen. Es ist definitiv noch einiges in Planung, wir haben gerade erst angefangen.

Welche drei Tipps würdest du Gründern geben, die mit Technologie eine traditionelle Branche nachhaltig verändern möchten?

Erstens: Raus aus dem Büro. Wer eine Branche verändern will, muss sie verstehen, und das klappt nicht über Annahmen, sondern nur vor Ort, im Gespräch mit den Menschen, die dort jeden Tag arbeiten.

Zweitens: Bau Werkzeuge, keine Technologie. Kein Handwerker wacht morgens auf und denkt: Heute brauche ich KI. Er will, dass sein Problem gelöst wird. Wenn die Technik dabei im Hintergrund bleibt, hast du alles richtig gemacht.

Drittens: Respekt vor dem, was da ist. Viele Betriebe funktionieren seit Jahrzehnten, manche seit Generationen. Vertrauen gewinnt man nicht, indem man alles umkrempelt, sondern indem man Schritt für Schritt zeigt, dass es einfacher geht. Und ganz ehrlich: Das Handwerk hat es verdient, dass sich mehr Gründer genau diese Mühe machen.

Bildcredits ToolTime GmbH

Wir bedanken uns bei Marcel Mansfeld für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Stadtspaziergang als Spiel: Das Startup CuriFox im Interview

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CuriFox: App macht die Stadt zum Rätselspiel Gründerteam von CuriFox: Roman Krivtsov und Ekaterina Glebova, mit der App in der Hand

Die App CuriFox verwandelt einen Spaziergang durch die Stadt in eine kostenlose Entdeckungstour mit individuellen Routen, spannenden Geschichten und Rätseln, die direkt vor Ort gelöst werden können.

Roman, kannst du dich und CuriFox kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, klassische Stadtspaziergänge mit Geschichten und Rätseln zu verbinden?

Ich bin Roman, Softwareentwickler aus Frankfurt. CuriFox ist eine kostenlose App für iOS und Android, die aus einem Spaziergang durch die Stadt ein Spiel macht. Man wählt Start und Ziel oder einen Rundweg, die App baut daraus eine Route zu Fuß, und an jeder Station gibt es eine kurze Geschichte und ein Rätsel zu dem, was man gerade vor sich sieht. Die Idee kam beim Spazierengehen. Ich gehe oft durch Viertel, die ich eigentlich kenne, und merke, dass ich über die Häuser und Plätze fast nichts weiß. Eine geführte Tour passt dann selten: fester Termin, feste Gruppe, feste Strecke. Wir wollten eine Stadtführung, die man jederzeit starten kann und bei der man nicht nur zuhört, sondern selbst etwas herausfindet.

Wer steckt hinter CuriFox und welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringt ihr als Gründerteam in die Entwicklung der App ein?

Wir sind ein sehr kleines Team aus Frankfurt. Ich komme aus der Softwareentwicklung und habe den größten Teil der App, des Backends und der Datenverarbeitung selbst gebaut. Dazu kommt Unterstützung bei Produktfragen, bei den Texten und beim Testen auf der Straße. Wir haben vorher an anderen Software-Produkten gearbeitet, aber noch nie an einem Spiel, das draußen stattfindet. Das war neu für uns und hat viele Annahmen über den Haufen geworfen.

Mit CuriFox können Nutzer ihre Stadt auf spielerische Weise entdecken. Welches Problem möchtet ihr damit lösen und welche Zielgruppen sprecht ihr besonders an?

Das Problem ist einfach: Die meisten Menschen laufen jeden Tag an interessanten Orten vorbei und wissen nichts darüber. Klassische Stadtführungen decken die Innenstadt ab und brauchen einen Termin. Wir wollen, dass man an jedem Ort und zu jeder Zeit losgehen kann. Zielgruppen sind erstens Leute, die ihre eigene Stadt neu entdecken wollen, zum Beispiel nach einem Umzug. Zweitens Besucher, die eine Stadt auf eigene Faust erkunden wollen. Und drittens Gruppen, die eine Stadtrallye oder Schnitzeljagd suchen, etwa Freunde, ein Junggesellenabschied, ein Team oder eine Schulklasse. Für Gruppen ist der Vorteil, dass nichts gebucht werden muss und es nichts kostet.

Nutzer wählen einen Start- und Zielpunkt und erhalten eine individuelle Route mit Geschichten und Rätseln. Wie funktioniert die Zusammenstellung der Routen und nach welchen Kriterien werden die Stationen ausgewählt?

Die App kennt für jede Stadt viele tausend Orte mit einer Geschichte: Gebäude, Denkmäler, Plätze, Brücken, Parks. Wenn jemand Start und Ziel wählt, sucht die App Orte in einem Korridor zwischen den beiden Punkten und ordnet sie so, dass eine sinnvolle Strecke zu Fuß entsteht, ohne Umwege und ohne dass man zweimal am selben Ort vorbeiläuft. Dafür gibt es ein Kilometer-Budget, man wählt 1 bis 2 km, 3 bis 6 km oder mehr. Bei der Auswahl zählt, ob ein Ort wirklich etwas zu erzählen hat und ob man ihn vom Weg aus sieht, denn das Rätsel bezieht sich auf das, was man vor sich hat. Rundwege funktionieren genauso, nur mit demselben Start- und Zielpunkt.

Für eure Inhalte nutzt ihr offene Datenquellen wie OpenStreetMap und Wikipedia. Wie verarbeitet ihr diese Informationen und wie stellt ihr sicher, dass die Geschichten und Rätsel korrekt, interessant und verständlich sind?

Die Orte kommen aus OpenStreetMap, die Hintergründe aus Wikipedia und Wikimedia. Eine Pipeline holt für jeden Ort die Quelltexte, prüft, ob genug Substanz da ist, und erstellt daraus mit Sprachmodellen eine kurze Geschichte und ein Rätsel. Wichtig ist, dass die Texte aus den Quellen entstehen und nichts dazu erfunden wird. Wenn über einen Ort zu wenig bekannt ist, fliegt er raus, dann lieber eine Station weniger. Die Inhalte werden danach in sieben Sprachen übersetzt. Bevor eine Stadt freigeschaltet wird, prüfen wir Stichproben und laufen Routen selbst ab. Fehler kommen trotzdem vor, und wir sind froh über jede Rückmeldung in der App.

CuriFox ist bereits in 17 Städten verfügbar. Nach welchen Kriterien habt ihr diese Städte ausgewählt und welche Herausforderungen bringt es mit sich, das Angebot auf weitere Standorte auszuweiten?

Wir haben mit den Städten angefangen, die wir selbst kennen, Frankfurt, Wiesbaden, Koblenz, und dann die großen deutschen Städte dazugenommen, Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart. Später kamen kleinere Orte wie Baden-Baden und Rüdesheim und zwei Testorte im Ausland dazu. Die größte Herausforderung ist die Datendichte: In Berlin gibt es zu fast jedem Haus etwas, in einer kleinen Stadt müssen wir genauer hinschauen, damit die Routen nicht dünn werden. Jede neue Stadt läuft durch dieselbe Pipeline, aber wir schauen uns das Ergebnis jedes Mal an, bevor es live geht. Technisch ist das Hinzufügen inzwischen eine Frage von Tagen, nicht Wochen.

Von der Entwicklung bis zur Veröffentlichung in den App Stores habt ihr rund acht Monate benötigt. Welche technischen und organisatorischen Herausforderungen musstet ihr in dieser Zeit bewältigen?

Technisch war das Schwierigste die Route selbst: Eine Strecke zu Fuß zu bauen, die sinnvoll ist, die richtigen Orte in der richtigen Reihenfolge enthält und auf dem Handy schnell geladen ist. Dazu kamen eigene Karten, damit die App nicht von teuren Kartendiensten abhängt, und die Inhaltspipeline, die für tausende Orte stabil laufen muss. Organisatorisch war es die Entscheidung, wann etwas gut genug ist, um es Leuten in die Hand zu geben. Wir haben lange nur selbst getestet. Rückblickend hätten wir früher mit fremden Leuten rausgehen sollen, da lernt man in einer Stunde mehr als in einer Woche am Schreibtisch.

Der Markt für Stadtführungen, Erlebnis-Apps und digitale Freizeitangebote ist vielfältig. Was unterscheidet CuriFox von klassischen Stadtführungen, Schnitzeljagd-Apps und anderen digitalen Stadterlebnissen?

Die meisten Angebote sind von Hand gemachte Touren: Jemand hat eine Strecke gebaut, und genau diese Strecke kann man laufen, oft gegen Geld pro Gruppe. Bei uns gibt es keine festen Touren. Man wählt irgendeinen Start und irgendein Ziel in der Stadt, und die Route entsteht in dem Moment. Das funktioniert auch in Wohnvierteln, in denen nie jemand eine Tour angelegt hat. Dazu kommt die Spielmechanik: Münzen für gelöste Rätsel, mit denen man neue Routen freischaltet, und die eigenen Schritte, mit denen man neue Städte freischaltet. Und es kostet nichts und muss nicht gebucht werden.

Die App ist kostenlos verfügbar und finanziert sich über optionale In-App-Käufe statt über ein Abonnement. Warum habt ihr euch für dieses Geschäftsmodell entschieden und wie soll es langfristig wirtschaftlich funktionieren?

Ein Abo passt nicht zu einem Produkt, das man vielleicht an drei Wochenenden im Monat nutzt und dann wieder zwei Wochen nicht. Wir wollten, dass jeder die App ohne Risiko ausprobieren kann. Routen bauen, laufen und Geschichten lesen kostet deshalb nichts. Wer schneller vorankommen will, kann sich Spielwährung kaufen, statt sie zu erlaufen. Langfristig sollen bezahlte Extras dazukommen, zum Beispiel das eigene Viertel auf Wunsch freischalten oder besondere Routen mit Partnern vor Ort. Ob das wirtschaftlich trägt, müssen wir noch beweisen. Im Moment geht es uns darum, dass Leute die App finden und ihre erste Route laufen.

Seit September 2026 ist CuriFox für iOS und Android erhältlich. Welche ersten Rückmeldungen habt ihr von euren Nutzern erhalten und welche Erkenntnisse fließen bereits in die Weiterentwicklung ein?

In den ersten Tagen nach dem Start hatten wir rund hundert neue Nutzer, die meisten aus unserem eigenen Umfeld. Die wichtigste Erkenntnis war unangenehm: Viele haben sich registriert, aber nur etwa jeder Vierte hat tatsächlich eine Route gebaut, und noch weniger haben das erste Rätsel erreicht. Der Weg von der Installation bis zur ersten Station war zu lang. Daran arbeiten wir gerade: weniger Schritte am Anfang, schneller raus auf die Straße. Inhaltlich kam das Feedback, dass die Rätsel genau dann gut sind, wenn sie sich auf etwas Sichtbares beziehen, und schwach, wenn man die Antwort auch vom Sofa aus googeln könnte. Das ist jetzt eine Regel für die Inhalte. Gerade testen außerdem Geocacher aus mehreren Städten die App und sagen uns ehrlich, was fehlt.

Welche nächsten Funktionen und Erweiterungen plant ihr für CuriFox und wo möchtet ihr mit eurer App in den kommenden drei bis fünf Jahren stehen?

Als Nächstes kommt das Freischalten des eigenen Viertels auf Wunsch, so dass man direkt vor der Haustür loslegen kann, mit einer Variante für Kinder, bei der Spielplätze auf der Strecke liegen. Dazu ein Tagesplan, der jeden Tag eine andere kleine Route im eigenen Viertel vorschlägt. Danach mehr Städte in Europa. In drei bis fünf Jahren soll CuriFox das sein, was man öffnet, wenn man irgendwo in Europa eine Stunde Zeit hat und die Gegend zu Fuß kennenlernen will, egal ob Großstadt oder Kleinstadt.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einem kleinen Team eine eigene App entwickeln und erfolgreich auf den Markt bringen möchten?

Erstens: Früh mit fremden Leuten testen, nicht mit Freunden. Freunde sind nett, Fremde zeigen einem, wo man sie verliert. Zweitens: Den Kern klein halten. Wir hatten lange Listen mit Funktionen, am Ende zählt nur, ob jemand die erste Route zu Ende läuft. Drittens: Von Tag eins messen, wo die Leute aussteigen. Ohne diese Zahlen diskutiert man über Meinungen statt über Fakten.

Bildcredits privat/Roman Krivtsov

Wir bedanken uns bei Roman Krivtsov für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Forschungszulage digital sichern: Wie das Startup Coup Innovationen fördert

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Coup: Forschungszulage für Unternehmen sichern Gründer Arne Wittern und Dr. Erik Wittern Bildcredits Coup

Arne und Erik, stellt euch und Coup bitte kurz vor. Wie ist die Idee entstanden, die Forschungszulage für Startups und Scaleups einfacher zugänglich zu machen?

Arne: Ich bin Arne, CEO von Coup. Erik ist mein älterer Bruder und als CTO für unsere Plattform und den technischen Bereich verantwortlich. Mit Coup helfen wir Unternehmen dabei, die Forschungszulage zu bekommen und begleiten sie von der Frage, welche Innovationsprojekte überhaupt förderfähig sind, über den Antrag bis zur Dokumentation und Auszahlung.

Wer sich jetzt fragt, was die Forschungszulage ist: Sie ist eine Förderung des Bundes, die beispielsweise Unternehmen wie Startups oder Scaleups in Höhe von max. 4,2 Millionen Euro p. a. gewährt und über die Steuerschuld von Einkommens- oder Körperschaftssteuer angerechnet oder bei fehlender Last ausgezahlt wird.

Als wir 2021 gestartet sind, war die Forschungszulage selbst recht neu. Uns ist ziemlich schnell aufgefallen, dass zwei Dinge nicht zusammenpassen: Auf der einen Seite gibt es Unternehmen, die viel Geld und Zeit in Forschung und Entwicklung stecken. Auf der anderen Seite war der Zugang zur Förderung ziemlich klassisch organisiert, also viele Gespräche, die meist als Vor-Ort-Termine angegangen wurden, Excel, Word, E-Mails, Dokumente hin und her. Gerade für Startups funktioniert so ein Prozess nicht besonders gut. Unsere ursprüngliche Idee war deshalb ziemlich simpel: Das muss digitaler und einfacher gehen. Wir wollten einen Prozess bauen, der Unternehmen möglichst wenig Arbeit macht und fachlich absolut zuverlässig ist. Daraus ist dann die Kombination entstanden, die Coup heute ausmacht: eine eigene Softwareplattform und ein Beratungsteam, das die Projekte fachlich wirklich versteht.

Ihr seid Brüder und habt gemeinsam gegründet. Wie beeinflusst eure persönliche Beziehung die Zusammenarbeit im Unternehmen?

Erik: Der größte Vorteil ist wahrscheinlich das Vertrauen. Wir kennen uns natürlich schon ein bisschen länger und wissen, dass der Andere in guter Intention handelt. Das hilft gerade dann, wenn man in Detailfragen unterschiedlicher Meinung ist. Man kann Dinge ziemlich offen ansprechen, ohne jedes Mal die Beziehungsebene mitverhandeln zu müssen.

Dazu kommt, dass wir bei vielen grundsätzlichen Fragen ähnlich ticken. Wir wollen ambitioniert sein und Leistung einfordern, gleichzeitig aber konstruktiv und empathisch miteinander umgehen. Das prägt auch die Kultur bei Coup. Die Kehrseite ist: Wenn zwei Menschen sich sehr einig sind, kann man auch gemeinsam eine Wahrnehmungslücke haben. Deshalb ist es wichtig, gezielt andere Perspektiven ins Leadership zu holen und sich challengen zu lassen. Das haben wir dann auch ganz bewusst gemacht.

Arne: Und vielleicht hilft uns auch, dass zwischen uns acht Jahre liegen. Wir hatten nie diese klassische Geschwisterkonkurrenz, bei der zwei fast Gleichaltrige ständig dasselbe wollen. Als wir Coup gegründet haben, hatten wir schon sehr unterschiedliche berufliche Wege hinter uns. Erik kam aus Wissenschaft und Technologie, ich aus Produktmanagement, E-Commerce und operativer Unternehmensentwicklung.

Wie habt ihr eure Rollen als CEO und CTO aufgeteilt und in welchen Bereichen ergänzt ihr euch besonders gut?

Arne: Die Aufteilung hat sich ziemlich natürlich ergeben. Ich bin eher Generalist und kümmere mich als CEO um die kommerzielle und organisatorische Seite: Kunden, Vertrieb, Team, Strategie und die Frage, wie wir Coup weiterentwickeln. Ich komme aus dem Produktmanagement und habe vor Coup unter anderem an großen Digitalisierungs- und Internationalisierungsprojekten gearbeitet. Dabei habe ich gelernt, Verantwortung für ein Ergebnis zu übernehmen, auch wenn sehr viele andere Menschen daran beteiligt sind. Das hilft mir heute enorm.

Erik: Bei mir liegt der Schwerpunkt klar auf Technologie, Plattform und Produkt. Ich habe Informatik promoviert, insgesamt neun Jahre wissenschaftlich gearbeitet und war anschließend unter anderem bei IBM. Dieser Hintergrund hilft extrem für die Arbeit an und bei Coup, weil wir uns jeden Tag mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten von innovativen Unternehmen beschäftigen. Arne und ich schauen also aus unterschiedlichen Richtungen auf dieselbe Frage: Wie schaffen wir einen Prozess, der fachlich substanziell ist, für den Kunden aber möglichst einfach funktioniert?

Coup kombiniert persönliche Beratung mit einer eigenen Softwareplattform. Wie funktioniert dieser Ansatz in der Praxis?

Erik: Ich würde sogar sagen, dass „Beratung“ Coup nur zur Hälfte beschreibt. Ein klassischer Berater sagt dir häufig, was du tun solltest. Wir nehmen unseren Kunden tatsächlich einen großen Teil des Prozesses ab, unterstützen zudem bei der Dokumentation. Unsere Softwareplattform, die im Laufe der Jahre immer wieder große Entwicklungssprünge gemacht hat und sich damit klar von neueren Angeboten abhebt, schafft dafür die Struktur: Informationen und Dokumente werden dort gesammelt, der Prozess wird nachvollziehbar und gerade bei Dokumentation und Auszahlung lassen sich viele Schritte sauber digital abbilden.

Die andere Hälfte sind unsere R&D Consultants. Die müssen verstehen, was technisch in einem Projekt passiert, wo die Unsicherheit liegt und zeigen, dass das Unternehmen tatsächlich Forschungs- oder Entwicklungsarbeit leistet. Das lässt sich nicht einfach durch ein Formular ersetzen. Die Stärke liegt deshalb für uns in der Kombination: Software übernimmt Struktur und wiederkehrende Prozesse, Menschen die Teile, bei denen Fachwissen, Erfahrung und Urteilskraft gefragt sind.

Und nach fünf Jahren steckt in der Plattform natürlich etwas, das man von außen nicht sofort sieht: sehr viele Edge Cases. Ein Prozess kann auf dem Whiteboard schnell einfach aussehen. Die Qualität eines Systems zeigt sich aber daran, wie gut es mit den hundert Sonderfällen umgehen kann, die in der Realität auftauchen.

Welche Unternehmen können von der Forschungszulage profitieren und wo bestehen bei Startups häufig noch Wissenslücken?

Arne: Grundsätzlich ist die Forschungszulage für alle Unternehmen interessant, die in Deutschland forschen oder entwickeln. Das sind längst nicht nur Unternehmen, die ein Labor betreiben. Wir sehen förderfähige Projekte zum Beispiel in Software, Maschinenbau, Medizintechnik oder Life Sciences. Entscheidend ist, ob in einem Projekt wirklich etwas Neues entwickelt wird und dabei technische oder wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen.

Die größte Wissenslücke ist aus meiner Sicht deshalb oft schon die erste Frage: „Machen wir überhaupt Forschung und Entwicklung?“ Viele Startups würden ihre Arbeit selbst gar nicht so nennen. Sie entwickeln ein neues Produkt und lösen dabei technische Probleme, für die es eben keine fertige Anleitung gibt. Da kann die Forschungszulage als Fördermittel interessant werden.

Die zweite wichtige Erkenntnis: Scheitern ist kein Gegenargument. Forschung und Entwicklung zeichnet sich gerade dadurch aus, dass das Ergebnis nicht von Anfang an feststeht. Wenn alles sicher funktioniert und nur noch umgesetzt werden muss, wird es im Gegenteil schwieriger, den FuE-Charakter zu begründen.

Ihr habt bereits mehr als 300 Projekte begleitet und über 170 Millionen Euro an Fördermitteln gesichert. Was habt ihr dabei über die Bedürfnisse eurer Kunden gelernt?

Arne: Vor allem, dass Kunden keinen Fördermittelkurs belegen wollen. Sie wollen ihr Produkt entwickeln und ihr Unternehmen aufbauen. Unser Job ist es deshalb nicht, ihnen den Prozess der Forschungszulage möglichst ausführlich zu erklären, sondern ihnen möglichst viel davon abzunehmen.

Gleichzeitig ist Vertrauen extrem wichtig. Wir begleiten Unternehmen teilweise über mehrere Jahre und über mehrere Projekte hinweg. Die Zusammenarbeit ist also nicht mit dem Absenden eines Antrags vorbei. Wir sehen auch, dass Kunden sehr stark auf die Menschen reagieren, mit denen sie bei uns zusammenarbeiten. Fachliche Qualität ist die Voraussetzung, aber gute Zusammenarbeit bedeutet eben auch, erreichbar, konstruktiv und verlässlich zu sein. Dass wir eine hohe Kundenzufriedenheit und Retention sehen, ist für uns deshalb fast genauso wichtig wie einzelne Förderzusagen.

Coup gibt eine Erfolgsquote von 95 Prozent an. Welche Faktoren sind entscheidend, damit ein Antrag auf Forschungszulage erfolgreich ist?

Erik: Der wichtigste Punkt ist, ein Projekt nicht künstlich zu Forschungs- und Entwicklungstätigkeit umzuschreiben. Man muss fachlich sauber herausarbeiten, was tatsächlich neu ist, welches technische oder wissenschaftliche Risiko besteht und warum die Lösung nicht von vornherein feststand.

Gerade das Kriterium der technischen Unsicherheit ist anspruchsvoll. Man muss plausibel zeigen können, warum ein Vorhaben scheitern kann oder warum sich der ursprünglich geplante Lösungsweg während des Projekts verändert. Das setzt voraus, dass jemand das Projekt wirklich versteht und nicht einfach nur einen Antrag sprachlich optimiert.

Arne: Dazu kommt Erfahrung. Nach mehreren hundert Projekten erkennt man schneller, welche Informationen fehlen, wo Rückfragen wahrscheinlich sind und was verständlicher erklärt werden muss. Eine hohe Erfolgsquote entsteht aus unserer Sicht nicht durch irgendeinen Trick im Antrag, sondern durch gute Projektauswahl, fachliche Tiefe und einen erprobten Prozess.

Was unterscheidet Coup von klassischen Fördermittelberatungen und anderen Anbietern in diesem Bereich?

Arne: Als wir gestartet sind, war die Antwort sehr einfach: Wir waren einer der ersten Anbieter, die die Forschungszulage konsequent digital gedacht haben. Heute reicht „wir haben Software“ als Differenzierung nicht mehr. Das ist auch gut so, weil es uns zwingt, genauer hinzuschauen, worin unsere Qualität eigentlich besteht.

Für mich sind es heute drei Dinge zusammen: Wir haben eine über Jahre entwickelte Plattform, ein spezialisiertes Team und einen Prozess, der von der ersten Einordnung bis zur Auszahlung reicht. Der Kunde bekommt also nicht ein Gutachten und muss danach selbst weitermachen. Wir bleiben im Prozess.

Erik: Und Software ist eben nicht gleich Software. Neue Tools lassen sich heute gerade mit KI sehr viel schneller bauen als noch vor fünf Jahren. Was sich nicht beliebig beschleunigen lässt, sind Erfahrung und Erprobung. Unsere Plattform hat fünf Jahre reale Fälle gesehen. Dazu kommt ein Consulting-Team mit etablierten Prozessen. Ich glaube, genau diese Kombination ist wesentlich schwieriger zu kopieren als eine einzelne Softwarefunktion.

Bereits ab dem dritten Jahr war Coup profitabel. Welche Entscheidungen waren für diese Entwicklung besonders wichtig?

Arne: Wir haben Coup nie nach dem Prinzip aufgebaut, möglichst schnell möglichst viel Kapital einzusammeln und anschließend Wachstum einzukaufen. Wir waren bei finanziellen Entscheidungen eher konservativ. Das heißt nicht, dass wir nicht investieren. Aber eine zusätzliche Stelle, ein neues Produkt oder ein neuer Kanal sollte für uns einen nachvollziehbaren Zweck haben.

Wir haben sehr früh auf ein funktionierendes Geschäftsmodell und echte Kundennachfrage geachtet. Und diese Disziplin behalten wir bei: Wachstum ist für uns kein Selbstzweck.

Wie verbindet ihr bei Coup Unternehmertum, Technologie und Forschergeist miteinander?

Erik: In der Wissenschaft formuliert man eine Hypothese, probiert etwas aus, lernt und korrigiert gegebenenfalls den Ansatz. Genau diese Arbeitsweise brauchen gute Technologieunternehmen ebenfalls.

Ich war neun Jahre lang selbst Wissenschaftler. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Problem und das kontinuierliche Lernen haben mir immer Spaß gemacht. Bei Coup findet sich davon einiges wieder, nur eben in einem unternehmerischen Kontext.

Arne: Und wir arbeiten jeden Tag mit Unternehmen, die genau das tun! Ein Medizintechnikunternehmen, das eine neue Untersuchungstechnologie entwickelt, ein Softwareunternehmen, das ein ungelöstes technisches Problem angeht, oder ein Maschinenbauer, der einen neuen Ansatz ausprobiert: Das sind unternehmerische Wetten auf Innovation. Wir helfen dabei, dass ein Teil dieses Risikos durch die Forschungszulage abgefedert wird.

Welche nächsten Entwicklungsschritte plant ihr für Coup und wo soll das Unternehmen in drei bis fünf Jahren stehen?

Arne: Unser Anspruch ist, dass Coup beim Thema Forschungszulage für Qualität steht. Wir wollen mehr Unternehmen erreichen, ohne daraus eine Organisation zu machen, in der der Prozess mit jedem neuen Kunden komplizierter wird. Deshalb werden Technologie, Standardisierung und Automatisierung weiter eine große Rolle spielen.

Gleichzeitig wollen wir nicht wahllos automatisieren. Software sollte vor allem Arbeit übernehmen, die repetitiv ist und weder unseren Kunden noch unserem Team besonders viel Freude macht. Dort, wo Fachwissen, Austausch und Urteil gefragt sind, sollen Menschen auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Erik: Für mich ist es eine attraktive Vorstellung, ein Unternehmen aufzubauen, in dem Menschen möglichst viele intellektuell anspruchsvolle Aufgaben machen können, während Software den Rest immer stärker übernimmt. Wachstum kann dann eben auch heißen, effizienter zu werden und nicht einfach nur mehr Menschen einzustellen.

Welche zwei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die gemeinsam mit einem Familienmitglied ein Unternehmen aufbauen möchten?

Erik: Erstens: Nutzt das Vertrauen, aber verwechselt Vertrauen nicht mit Übereinstimmung. Der große Vorteil ist, dass wir auch unangenehme Dinge offen ansprechen können. Gefährlich wird es, wenn man irgendwann glaubt, dass man automatisch richtig liegt, nur weil man sich einig ist. Holt euch Menschen dazu, die euch widersprechen. Gerade wir merken, dass unser starkes Alignment sonst auch Wahrnehmungslücken erzeugen kann.

Arne: Und zweitens: Klärt Verantwortlichkeiten. „Wir machen alles gemeinsam“ klingt bei zwei Gründer:innen harmonisch, funktioniert aber im Alltag nicht besonders gut. Bei uns ist klar, wo Erik entscheidet und wo ich entscheide. Man kann sich beraten, diskutieren und auch streiten. Am Ende muss aber jemand für ein Ergebnis verantwortlich sein.

Bildcredits Coup

Wir bedanken uns bei Arne Wittern und Dr. Erik Wittern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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Putzsteinpaste & Power Scrub Schwamm von everdrop

Putzsteinpaste und Power Scrub Schwamm von everdrop – gegen hartnäckigen Schmutz in Küche und Bad

Jeder kennt’s: Manchem Schmutz im Haushalt scheint einfach nicht beizukommen zu sein – ob hartnäckige Kalkränder im Bad oder Eingebranntes auf dem Kochfeld oder dem Grill. everdrop hat fantastische Neuigkeiten für alle, die ihren Wochenendputz oder das Daily Cleaning aufs nächste Level heben wollen!

Die everdrop Putzsteinpaste trifft auf den innovativen Power Scrub Schwamm. Zusammen bilden sie das unschlagbare Duo für strahlende Sauberkeit in Küche und Bad – ganz ohne lästiges Schrubben, Kratzer oder unnötige aggressive Chemikalien.

Ein echtes Must-have für dein Zuhause – kraftvoll, sanft und wunderbar duftend!

Flexibel und kraftvoll

everdrop Putzsteinpaste Starter Set

Putzsteinpaste Starter Set

Power Scrub Schwamm +Putzsteinpaste ab 23,99 €

Putzsteinpaste: Extra-ergiebig und sanft

Feinste Polierpartikel reinigen kraftvoll, ohne empfindliche Oberflächen zu verkratzen.

Herrlicher Duft

Verwandelt das Putzen mit der Frische von Grapefruit & Rhabarber in ein wohltuendes Erlebnis.

Vegan und frei von Mikroplastik

Die Putzsteinpaste ist vegan, frei von Mikroplastik und dermatologisch getestet.

Power Scrub Schwamm mit FlexTexture-Technologie

Fest in kaltem Wasser für hartnäckigen Schmutz, weich in warmem Wasser für sanfte Pflege.

2-in-1 Design für den gesamten Haushalt

Vielseitig einsetzbar im gesamten Haushalt – von der Spüle bis zur Duschkabine.

Anwendung in Küche und Bad

Vielseitig einsetzbar, zum Beispiel auf Kochfeld, Arbeitsplatte, Backofen, Grill, Wasserhahn und Fliesen.

Bildquelle everdrop GmbH

Quelle everdrop GmbH

Eine Firma für einen Euro?

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Übernahme: Liquiditätsbedarf und Kaufpreis richtig planen Sandris Belevics CEO von IMC Europe LLC.

Warum der Kaufpreis nicht den gesamten Übernahmeaufwand zeigt

Eine Firma für einen Euro klingt nach einem günstigen Einstieg in die Selbständigkeit. Tatsächlich sagt ein symbolischer Kaufpreis wenig darüber aus, wie viel Geld und Arbeit eine Übernahme erfordert. Entscheidend ist, ob der Betrieb nach dem Eigentümerwechsel zahlungsfähig bleibt und wirtschaftlich tragfähig geführt werden kann. Wer eine Übernahme erwägt, sollte deshalb den Kaufpreis, den Liquiditätsbedarf, notwendige Investitionen und den Aufwand für die Übergabe getrennt untersuchen.

Was der eine Euro bezahlt

Zunächst muß klar sein, was überhaupt verkauft wird. Beim Erwerb von GmbH-Anteilen wechselt der Gesellschafter; die Gesellschaft besteht mit ihren Vermögenswerten und Verpflichtungen fort. Ihre Schulden verschwinden durch den Verkauf nicht. Beim Erwerb einzelner Betriebsmittel oder eines Geschäftsbetriebs stellen sich andere Fragen zu Verträgen und Haftung. Die wirtschaftliche Planung braucht deshalb einen eindeutig beschriebenen Kaufgegenstand und eine fachliche Prüfung der gewählten Struktur.

Ein niedriger Preis kann unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht möchte der Inhaber kurzfristig ausscheiden. Vielleicht fehlen Erträge, oder wichtige Investitionen wurden verschoben. Aus dem Angebotspreis allein läßt sich weder eine Chance noch ein tragfähiger Unternehmenswert ableiten. Interessenten sollten den Verkaufsgrund nachvollziehen und prüfen, welche Belastungen nach dem Einstieg bestehen bleiben.

Ein fiktives Beispiel macht den Bedarf sichtbar

Angenommen, sämtliche Anteile einer kleinen Dienstleistungs-GmbH werden für einen Euro angeboten. Das folgende Beispiel ist vollständig erfunden; die Beträge sind keine Marktwerte. Die Gesellschaft hat wiederkehrende Kunden, benötigt aber Zeit, um ihre Abläufe zu verbessern. Für die ersten drei Monate ergibt die Planung jeweils 15.000 Euro mehr Auszahlungen als Einzahlungen. Daraus entsteht eine Liquiditätslücke von 45.000 Euro. Verfügbares Guthaben oder verbindlich zugesagte Kreditlinien stehen im Beispiel nicht zur Verfügung.

Zusätzlich sind 20.000 Euro für notwendige technische Erneuerungen vorgesehen. Weitere 10.000 Euro entfallen auf externe Prüfung, Vertragsabwicklung und vereinbarte Unterstützung während der Übergabe. Diese Auszahlungen sind noch nicht in der monatlichen Liquiditätslücke enthalten. Zusammen mit dem Kaufpreis ergibt sich ein geplanter Mittelbedarf von 75.001 Euro. Ein zusätzlicher Puffer für Verzögerungen muß anhand der konkreten Risiken bemessen werden.

Das ist eine vereinfachte Anfangsplanung, keine Aussage über den gesamten Unternehmenswert oder alle späteren Kosten. Entscheidend ist die zeitliche Zuordnung jeder Zahlung. Bereits in der Liquiditätsplanung berücksichtigte Lieferantenrechnungen dürfen nicht nochmals als zusätzlicher Bedarf angesetzt werden. Umgekehrt gehören fällige Rückstände, Steuern oder Darlehensraten hinein, wenn sie bisher fehlen. Auch der private Lebensunterhalt des Erwerbers braucht eine gesonderte Planung.

Umsatz ist noch kein verfügbarer Zahlungseingang

Die Ausgangszahlen müssen belastbar sein. Dazu gehören Jahresabschlüsse, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen sowie Übersichten über offene Forderungen und Verbindlichkeiten. Ein Auftrag kann Umsatz erwarten lassen, während das Geld erst Wochen nach der Leistung eingeht. Material und Gehälter werden möglicherweise vorher fällig. Auch ein rechnerisch profitabler Betrieb kann dadurch zusätzlichen Liquiditätsbedarf haben.

Für erwartete Umsätze sollte erkennbar sein, ob unterschriebene Aufträge, laufende Verträge oder lediglich unverbindliche Gespräche zugrunde liegen. Ebenso wichtig sind Kündigungsmöglichkeiten, die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und die tatsächlich erzielten Margen. Eine zweite Rechnung mit späteren Zahlungseingängen oder dem Verlust eines wichtigen Kunden zeigt, wie empfindlich das Vorhaben auf Abweichungen reagiert. Künftige Verbesserungen gehören als Annahmen gekennzeichnet, statt bereits wie gesicherte Ergebnisse behandelt zu werden.

Die Übergabe braucht einen eigenen Plan

Der organisatorische Aufwand wird leicht unterschätzt. Hält der bisherige Inhaber die wichtigsten Kundenkontakte persönlich? Sind Angebote, Kalkulationen und Zugänge dokumentiert? Wer übernimmt die tägliche Führung? Wenn Wissen und Beziehungen an einer Person hängen, muß die Übergabe konkret geregelt werden. Dazu gehören Aufgaben, Dauer, Erreichbarkeit und eine mögliche Vergütung.

Interessenten sollten außerdem klären, ob Schlüsselmitarbeiter bleiben wollen und ob sie selbst die fachlichen Voraussetzungen für den Betrieb mitbringen. Die eigene Arbeitszeit ist eine begrenzte Ressource. Ein Übernahmekonzept muß zeigen, wer Kunden betreut, Leistungen erbringt und die notwendigen Veränderungen umsetzt. Ein günstiger Einstieg hilft wenig, wenn diese Aufgaben dauerhaft liegenbleiben.

Fünf Fragen vor der Entscheidung

Eine kompakte Prüfung beginnt mit fünf Fragen: Was genau wird erworben, und welche Verpflichtungen bestehen? Wie hoch ist der Mittelbedarf bis zu einem nachvollziehbar geplanten Zeitpunkt? Welche Umsätze und Zahlungseingänge sind belegt? Welche Investitionen und Übergabeaufgaben sind unverzichtbar? Was passiert, wenn zentrale Annahmen nicht eintreten?

Offene Antworten sollten vor einer verbindlichen Entscheidung geklärt werden. Die umfassende Prüfung vor einer Übernahme wird als Due Diligence bezeichnet und umfaßt wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Fragen. Bei Hinweisen auf Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist unverzüglich fachlicher Rat erforderlich; Verkaufsverhandlungen ersetzen keine gesetzlichen Pflichten. Eine Übernahme für einen Euro kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn der zusätzliche Aufwand verstanden, zeitlich geplant und mit verfügbaren Mitteln abgedeckt ist.

Bildcredits: pirvat

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Inhalation bei Frühgeborenen: Fraunhofer-Ausgründung InhalPlus sichert sich 500.000 Euro

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InhalPlus: Frühgeborenen helfen mit NBank Capital

Damit Medikamente bei Frühgeborenen ankommen: NBank Capital investiert 500.000 Euro in InhalPlus

Fraunhofer-Ausgründung aus Hannover gewinnt ihren ersten Investor

Bei Frühgeborenen, die beim Atmen unterstützt werden, erreicht ein inhaliertes Medikament oft nur zu einem kleinen Teil die Lunge. Das Hannoveraner Start-up InhalPlus hat ein System entwickelt, das genau das ändern soll, und gewinnt dafür seinen ersten externen Investor: Die NBank Capital, Beteiligungsgesellschaft der landeseigenen Förderbank NBank, beteiligt sich mit 500.000 Euro an der InhalPlus GmbH. Die Vereinbarung wurde am 16. Oktober 2026 in Hannover notariell beurkundet. InhalPlus ist im August 2026 aus dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM hervorgegangen.

Medikamente erreichen die Lunge bisher kaum

Viele Frühgeborene werden auf der Intensivstation beim Atmen unterstützt: Über kleine Nasenstücke hält ein leichter Überdruck ihre Atemwege offen (CPAP). In Deutschland, Österreich und der Schweiz betrifft das jedes Jahr rund 37.000 Kinder, viele von ihnen entwickeln Lungenprobleme. Ein inhaliertes Medikament muss dabei den Weg durch den Beatmungskreislauf nehmen: Das Aerosol verdünnt sich im Atemgas, lagert sich in den Schläuchen ab oder geht über Leckagen verloren.

Das InhalPlus Bypass-System setzt hier an. Es zweigt einen kleinen Teilstrom aus dem Beatmungskreislauf ab, reichert ihn außerhalb des Hauptgasstroms mit dem Medikament an und gibt ihn direkt an der Nase des Kindes ab. Die Atemunterstützung läuft dabei ohne Unterbrechung weiter. In Laboruntersuchungen mit einem Frühgeborenen-Atemsimulator erreichte das System eine bis zu achtfach höhere inhalierte Dosis als das klinische Standardsystem.

Vom Prototyp zum Produkt

Das Kapital ermöglicht es InhalPlus, seinen klinischen Prototyp zu einem serienfähigen Produkt weiterzuentwickeln, die regulatorischen Unterlagen für die spätere Zertifizierung als Medizinprodukt zu erarbeiten und das Team auszubauen. Zugleich dient es als Eigenanteil für öffentliche Förderprogramme.

Für Anfang 2027 ist der Start der ersten klinischen Studie geplant, eine sogenannte Proof-of-Concept-Studie: An neonatologischen Zentren soll das System dann erstmals bei Frühgeborenen eingesetzt werden. Gefördert wird die Studie vom IBT Lower Saxony, dem Institute for Biomedical Translation von Niedersachsen.next, aus dem Programm „zukunft.niedersachsen“ des Landes Niedersachsen und der VolkswagenStiftung.

Auf den Markt kommen soll das System ab 2029, zunächst in ausgewählten Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Hier trifft ein klarer medizinischer Bedarf auf eine Technologie, die in Niedersachsen über viele Jahre entwickelt wurde. Genau solche Gründungen wollen wir früh begleiten“, sagt Susanne Hauck, Beteiligungsmanagerin der NBank Capital.

„Ein Frühgeborenes atmet mit jedem Atemzug nur wenige Milliliter ein. Bisher geht oft der größte Teil eines inhalierten Medikaments auf dem Weg in die Lunge verloren“, sagt Dr. Felix Carl Wiegandt, Mitgründer und Geschäftsführer von InhalPlus. „Unser System ist darauf ausgelegt, dass das Medikament auch bei den kleinsten Patientinnen und Patienten dort ankommt, wo es wirken soll: in der Lunge. Mit NBank Capital haben wir einen Partner an unserer Seite, der weiß, dass Medizintechnik einen langen Atem braucht.“

InhalPlus wurde von Dr. Felix Carl Wiegandt (CEO), Dr. Gerhard Pohlmann (CSO) und Dr. Dirk Schäfer (CFO) gegründet und nutzt Patente der Fraunhofer-Gesellschaft in exklusiver Lizenz.

Langfristig sieht das Unternehmen auch in der Atemtherapie bei Erwachsenen ein Anwendungsfeld. Die 500.000 Euro bilden die Pre-Seed-Runde von InhalPlus, die nächste Finanzierungsrunde ist für 2027 geplant.

Bild Beim Notartermin am 16. Oktober 2026 in Hannover (v. l. n. r.): Dr. Dirk Schäfer (CFO, InhalPlus), Ralf Borchers (Geschäftsführer, NBank Capital), Susanne Hauck (Beteiligungsmanagerin, NBank Capital), Dr. Felix Carl Wiegandt (Geschäftsführer, InhalPlus) und Dr. Gerhard Pohlmann (CSO, InhalPlus) mit Prototypen des InhalPlus Bypass-Systems. Foto: Ralf Borchers

Quelle InhalPlus GmbH

Gesunde Tiefkühlkost für Kinder: Wie das Startup ratzfatz den Familienalltag entlastet

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ratzfatz: Familien entscheiden über Crowdfunding mit ki berabeiet

Das Startup ratzfatz setzt auf Crowdfunding, um fünf neue Kindergerichte auf den Markt zu bringen, und benötigt dafür die Unterstützung von 2.200 Familien. Gründerin Sarina erklärt, warum die Kampagne über die Zukunft des Unternehmens entscheidet und welche Herausforderungen hinter der Entwicklung besserer Kindermahlzeiten stecken.

Sarina, kannst du dich und ratzfatz kurz vorstellen und erzählen, wie du gemeinsam mit Luisa auf die Idee gekommen bist, ein eigenes Unternehmen rund um Kinderernährung aufzubauen?

Ich bin Sarina, Mama von zwei Kindern und eine von drei Gründerinnen von ratzfatz. Gemeinsam mit Luisa und Maraike haben wir 2023 ratzfatz gegründet, weil wir überzeugt sind, dass Kinderernährung besser und der Familienalltag gleichzeitig einfacher werden muss.

Wir drei bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen mit, die sich bei ratzfatz sehr gut ergänzen. Ich habe viele Jahre in der Konsumgüterindustrie gearbeitet und verantworte bei uns Marketing und Vertrieb. Luisa kommt aus der Gastronomie, hat unter anderem das Kochhaus mit aufgebaut und kümmert sich bei ratzfatz um Produktentwicklung und Operations. Maraike hat Immobilienwirtschaft studiert und verantwortet unsere Finanzen und das Business Development.

Die Idee entstand aus einer Frage, die uns als Mütter beschäftigt hat: Warum gibt es für Erwachsene unzählige schnelle und praktische Essenslösungen, aber kaum wirklich gute Fertiggerichte speziell für Kinder?

Genau das wollten wir ändern. Mit ratzfatz entwickeln wir Tiefkühlgerichte, die Kindern schmecken, einen hohen Anspruch an Zutaten und Nährwerte erfüllen und in wenigen Minuten fertig sind.

Welche persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen haben euch zur Gründung bewegt und welches Problem möchtet ihr mit ratzfatz für Familien lösen?

Ich glaube, fast alle Eltern kennen diese Situation: Man kommt nach einem langen Tag nach Hause, die Kinder haben Hunger, alle sind müde und eigentlich möchte man nur noch Zeit miteinander verbringen. Stattdessen steht man in der Küche.

Gleichzeitig ist der Anspruch an Eltern enorm. Wir sollen frisch kochen, ausgewogen ernähren, beruflich erfolgreich sein und natürlich möglichst viel Zeit mit unseren Kindern verbringen. Irgendetwas bleibt dabei zwangsläufig auf der Strecke.

Wir wollen Eltern nicht erklären, wie sie ihren Alltag noch besser organisieren können. Wir wollen ihnen ganz konkret Arbeit abnehmen.

Denn ich finde, wir müssen aufhören, schnelle Lösungen automatisch mit schlechten Lösungen gleichzusetzen. Warum sollte ein Fertiggericht nicht auch aus guten Zutaten bestehen, viel Gemüse enthalten und Kindern richtig gut schmecken?

Unser Ziel ist es, dass Eltern ohne schlechtes Gewissen auf eine schnelle Lösung zurückgreifen können. Und dass dadurch mehr Zeit für das bleibt, was wirklich zählt.

Mit eurer Kampagne „Kinder auf die 1.“ stellt ihr die Bedürfnisse von Kindern in den Mittelpunkt. Was steckt hinter dieser Botschaft und welche Veränderungen möchtet ihr damit anstoßen?

Unsere Kampagne basiert auf einem Satz, den wahrscheinlich alle Eltern täglich sagen: „Gleich!“

„Gleich, ich muss nur noch schnell kochen.“ „Gleich, ich muss noch etwas erledigen.“ „Gleich, ich bin fertig.“

Dabei wollen wir doch eigentlich viel öfter „Jetzt!“ sagen.

Genau darum geht es bei „Kinder auf die 1.“. Wir möchten Eltern ermöglichen, ihren Kindern mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, ohne dafür an anderer Stelle noch mehr leisten zu müssen.

Natürlich löst ein Fertiggericht nicht alle Herausforderungen des Familienalltags. Aber wenn wir mit unseren Gerichten dafür sorgen, dass Eltern 20 oder 30 Minuten weniger in der Küche stehen, sind das vielleicht fünf Runden Uno, zwei Kapitel im Lieblingsbuch oder einfach ein entspannter Abend.

Mit unserer Kampagne wollen wir auch eine größere Diskussion anstoßen: Warum wird von Eltern eigentlich immer erwartet, noch effizienter zu werden? Vielleicht brauchen wir nicht noch bessere Wochenpläne und Meal-Prep-Routinen, sondern endlich mehr Angebote, die Familien wirklich entlasten.

Weniger „Gleich.“ Mehr „Jetzt.“ Das ist unser Antrieb.

Wie entwickelt ihr eure Produkte und welche Kriterien sind euch bei Zutaten, Nährwerten, Geschmack und Alltagstauglichkeit besonders wichtig?

Bei uns steht am Anfang immer die Frage: Was essen Kinder wirklich gerne?

Für unsere fünf neuen Gerichte haben wir deshalb eine Marktforschung durchgeführt und Eltern gefragt, welche Mahlzeiten sie sich für ihre Kinder wünschen. Herausgekommen sind vor allem Klassiker, die Kinder lieben.

Unser Anspruch ist es, genau diese Lieblingsgerichte gesünder zu machen. Mit viel Gemüse, ohne unnötige Zusatzstoffe und mit einer Nährwertzusammensetzung, die wir bewusst auf Kinder ausrichten.

Dabei ist Geschmack für uns nicht verhandelbar. Das gesündeste Gericht bringt nichts, wenn Kinder es nicht essen. Deshalb testen wir unsere Produkte immer wieder und entwickeln sie so lange weiter, bis Geschmack, Zutaten und Alltagstauglichkeit zusammenpassen.

Und natürlich müssen sie schnell gehen. Unsere Gerichte sollen in wenigen Minuten auf dem Tisch stehen. Denn genau darin liegt für Familien der Mehrwert.

Der Markt für Kinderlebensmittel ist groß und wird von etablierten Marken geprägt. Was unterscheidet ratzfatz von anderen Angeboten und welche Zielgruppe möchtet ihr erreichen?

Der Markt für Kinderlebensmittel ist voller Produkte, die speziell für Kinder vermarktet werden. Aber wenn man genauer hinschaut, sind das häufig Snacks, Süßigkeiten oder Produkte, bei denen vor allem die Verpackung kindgerecht ist.

Wir konzentrieren uns auf etwas anderes: vollwertige Hauptmahlzeiten für Kinder.

Wir möchten die Lücke zwischen selbst gekochtem Essen und klassischen Fertiggerichten schließen. Unsere Produkte sollen so praktisch sein wie ein Fertiggericht, aber mit einem deutlich höheren Anspruch an die Zutaten und Nährwerte.

Und wir wollen Kinder nicht mit irgendwelchen vermeintlichen Gesundheitsprodukten überzeugen, sondern mit Gerichten, die sie ohnehin lieben. Nudeln, Pizza, Tortellini oder Spätzle. Nur eben mit mehr Gemüse und einer durchdachten Rezeptur.

Unsere Zielgruppe sind nicht nur Eltern, die sich besonders intensiv mit Ernährung beschäftigen. Wir wollen alle Familien erreichen, die ihre Kinder gut ernähren möchten, aber nicht jeden Tag Zeit und Energie haben, frisch zu kochen.

Denn gute Ernährung darf keine Frage davon sein, wie viel Zeit Eltern zur Verfügung haben.

Auf eurer Crowdfunding-Seite sprecht ihr von 2.200 Familien, die eure Mission begleiten. Wie ist diese Community entstanden und welchen Einfluss haben die Familien auf eure Produktentwicklung?

Die 2.200 Familien sind unser Ziel für die aktuelle Crowdfunding-Kampagne. Wir brauchen 2.200 Familien, die unsere neuen Produkte vorbestellen, damit wir sie produzieren können.

Unsere Community haben wir seit dem Start von ratzfatz aufgebaut. Über unseren eigenen Onlineshop, Social Media, den Lebensmitteleinzelhandel und vor allem über den direkten Austausch mit Eltern.

Dieser Austausch ist für uns unglaublich wertvoll. Wir wollen nicht am Schreibtisch entscheiden, was Familien brauchen, sondern gemeinsam mit ihnen Produkte entwickeln, die tatsächlich im Alltag funktionieren.

Deshalb haben wir für unsere neuen Gerichte gezielt Eltern befragt. Welche Gerichte lieben ihre Kinder? Was fehlt ihnen im Supermarkt? Was muss ein Produkt leisten, damit sie es regelmäßig kaufen?

Die Antworten haben unsere Produktentwicklung maßgeblich beeinflusst.

Mit der Crowdfunding-Kampagne gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter. Familien entscheiden durch ihre Vorbestellung ganz konkret mit, ob diese Produkte auf den Markt kommen.

Mit eurer Startnext-Kampagne möchtet ihr die nächsten ratzfatz Produkte auf den Markt bringen. Warum habt ihr euch für Crowdfunding entschieden und welche konkreten Entwicklungsschritte sollen damit finanziert werden?

Wir haben in den vergangenen Jahren unglaublich viel gelernt. Wir haben Produkte entwickelt, einen eigenen Onlineshop aufgebaut und unsere Gerichte in den Lebensmitteleinzelhandel gebracht. Dabei haben wir auch erlebt, wie schwierig es ist, als kleine Marke gegen große etablierte Unternehmen anzutreten.

Die Lebensmittelbranche ist kapitalintensiv. Neue Produkte bedeuten hohe Vorleistungen für Entwicklung, Produktion, Verpackungen und Logistik. Gleichzeitig braucht es Zeit und Geld, um im Handel sichtbar zu werden.

Deshalb haben wir uns bewusst für Crowdfunding entschieden. Wir wollen nicht einfach weitere Produkte produzieren und hoffen, dass sie gekauft werden. Wir wollen zuerst zeigen, dass es genügend Familien gibt, die genau diese Produkte haben möchten.

Konkret wollen wir fünf neue Kindergerichte auf den Markt bringen: Cheesies, Tortellinchen, Dinobolo, Spätzelein und unsere Spinudel. Alles beliebte Kinderklassiker, die wir mit viel verstecktem Gemüse neu gedacht haben.

Die Vorbestellungen sollen uns ermöglichen, die notwendigen Produktionsmengen zu erreichen und die Herstellung sowie den Markteintritt zu finanzieren. Die Auslieferung ist für Februar 2027 geplant.

Für uns geht es dabei allerdings um weit mehr als einen Produktlaunch. Die Kampagne entscheidet darüber, ob und wie es mit ratzfatz weitergeht. Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert, ausprobiert und gelernt. Jetzt müssen wir zeigen, dass genügend Familien unsere Produkte wirklich wollen und bereit sind, sie zu kaufen.

Wenn wir bis zum 31. Oktober 2.200 Familien erreichen, können wir weitermachen. Wenn nicht, können wir ratzfatz in der bisherigen Form nicht fortführen.

Crowdfunding bedeutet auch, eine Community von der eigenen Idee überzeugen zu müssen. Welche Herausforderungen erlebt ihr bei der Kampagne und welche Erkenntnisse habt ihr bisher gewonnen?

Die größte Herausforderung ist ganz klar die Reichweite.

Wir sind inzwischen bei der Halbzeit unserer Kampagne angekommen und haben erst rund zehn Prozent unseres Ziels erreicht. Das ist deutlich weniger, als wir uns erhofft hatten. Und es bedeutet, dass noch ein enormer Weg vor uns liegt.

Gleichzeitig sehen wir etwas Interessantes: Die Conversion auf unserer Startnext-Seite liegt etwa dreimal so hoch wie der übliche Wert auf der Plattform. Das zeigt uns, dass unser Angebot bei den Menschen, die wir erreichen, durchaus auf Interesse stößt. Unser Problem ist vor allem, genügend Menschen auf die Seite zu bekommen.

Aber natürlich müssen wir uns auch selbstkritisch fragen, ob wir den Nutzen unserer Produkte und die Dringlichkeit der Kampagne klar genug kommunizieren.

Und diese Dringlichkeit ist real. Denn wir haben uns entschieden, mit dieser Kampagne auch die Zukunft unseres Unternehmens zu verknüpfen. Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher, wenn wir unser Ziel nicht erreichen.

Was ich gerade besonders intensiv lerne: Ein gutes Produkt allein reicht nicht. Auch eine starke Mission reicht nicht. Man muss es schaffen, dass Menschen davon erfahren, sich angesprochen fühlen und tatsächlich handeln.

Crowdfunding ist in dieser Hinsicht unglaublich ehrlich. Man sieht jeden Tag, ob das, was man tut, funktioniert. Und man muss bereit sein, sehr schnell daraus zu lernen.

Als Gründerinnen müsst ihr Produktentwicklung, Finanzierung, Marketing und Unternehmensaufbau miteinander verbinden. Wie teilt ihr euch die Aufgaben auf und welche Erfahrungen haben euch bisher besonders geprägt?

Wir sind drei Gründerinnen mit sehr unterschiedlichen Stärken, die sich gut ergänzen.

Luisa verantwortet unsere Produktentwicklung und Operations. Sie bringt durch ihre Erfahrung in der Gastronomie und beim Aufbau des Kochhauses viel Wissen rund um Lebensmittel, Prozesse und Produktentwicklung mit. Maraike hat Immobilienwirtschaft studiert und kümmert sich bei uns um Finanzen und Business Development. Ich selbst komme aus der Konsumgüterindustrie und verantworte Marketing und Vertrieb.

Natürlich sind die Grenzen im Startup-Alltag fließend. Gerade als kleines Team muss jede dort anpacken, wo es gerade notwendig ist.

Was mich besonders geprägt hat, ist die Erkenntnis, dass Gründen viel weniger geradlinig ist, als es von außen manchmal aussieht.

Wir haben mit ratzfatz schon unglaublich schöne Momente erlebt. Von unserem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ bis zu den ersten Produkten in den Supermarktregalen. Aber wir mussten auch Entscheidungen treffen, die wehgetan haben. Produkte hinterfragen, Strategien verändern und unseren eigenen Onlineshop schließen.

Ich glaube, eine der wichtigsten Fähigkeiten als Gründerin ist, sich nicht zu sehr in die eigene ursprüngliche Idee zu verlieben. Man muss an der Vision festhalten können und gleichzeitig bereit sein, den Weg dorthin immer wieder zu verändern.

Gerade bei Produkten für Kinder spielen Vertrauen, Qualität und transparente Kommunikation eine wichtige Rolle. Wie gewinnt ihr das Vertrauen der Eltern und wie geht ihr mit unterschiedlichen Erwartungen an Kinderernährung um?

Kinderernährung ist ein sehr emotionales Thema. Fast alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, aber was genau das bedeutet, darüber gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen.

Wir möchten Eltern deshalb nicht belehren oder ihnen vermitteln, dass es nur einen richtigen Weg gibt.

Unser Anspruch ist, Produkte zu entwickeln, bei denen wir selbst als Mütter ein gutes Gefühl haben. Wir achten auf hochwertige Zutaten, einen hohen Gemüseanteil und eine kindgerechte Nährwertzusammensetzung.

Gleichzeitig kommunizieren wir offen, was unsere Produkte können und was nicht. Ein Fertiggericht ersetzt keine abwechslungsreiche Ernährung. Aber es kann ein sinnvoller Bestandteil davon sein.

Ich finde es auch wichtig, den Druck aus der Diskussion zu nehmen. Eltern müssen nicht jeden Tag perfekt kochen, damit sich ihre Kinder gut ernähren.

Vertrauen entsteht für uns durch gute Produkte, transparente Zutaten und dadurch, dass wir unseren eigenen Anspruch ernst nehmen. Nicht durch große Versprechen.

Welche nächsten Produkte und Entwicklungsschritte plant ihr für ratzfatz und wo möchtet ihr mit eurem Unternehmen in den kommenden Jahren stehen?

Unser unmittelbarer Fokus liegt auf unserer Crowdfunding-Kampagne und den fünf neuen Kindergerichten. Wir möchten die 2.200 Familien erreichen, die wir brauchen, um die Produkte Anfang 2027 auszuliefern.

Und ich möchte an dieser Stelle ganz offen sein: Ob wir diese Pläne umsetzen können, hängt davon ab, ob unsere Kampagne erfolgreich ist. Wir haben uns entschieden, alles auf diese Karte zu setzen. Wenn wir unser Ziel nicht erreichen, können wir ratzfatz nicht weiterführen.

Wenn wir es schaffen, möchten wir mit unseren neuen Gerichten den nächsten großen Schritt gehen. Parallel haben wir Produkte wie unsere Kinderpizza und unsere Dino-Nuggets mit Hähnchen, Gemüse und Hirse entwickelt, mit denen wir ebenfalls großes Potenzial sehen.

Langfristig möchten wir ratzfatz als feste Marke für schnelle, bessere Kindermahlzeiten etablieren. Wir wollen, dass Eltern im Supermarkt ganz selbstverständlich zu ratzfatz greifen können, wenn sie eine unkomplizierte Mahlzeit für ihre Kinder suchen.

Unsere Vision ist, eine neue Kategorie im Tiefkühlregal zu etablieren. Denn während es für Erwachsene eine riesige Auswahl an schnellen Mahlzeiten gibt, ist das Angebot für Kinder noch immer erstaunlich klein.

Aber bevor wir über die nächsten Jahre sprechen können, müssen wir jetzt erst einmal die kommenden zwei Wochen erfolgreich meistern. Dafür brauchen wir 2.200 Familien, die an unsere Idee glauben und unsere Produkte vorbestellen.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer eigenen Produktidee in einem wettbewerbsintensiven Markt Fuß fassen möchten?

Erstens: Verliebt euch in das Problem, nicht in eure Lösung.

Wir haben in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass Produkte oder Vertriebswege, von denen wir anfangs überzeugt waren, nicht so funktioniert haben wie erwartet. Das ist schmerzhaft, aber entscheidend ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Vision darf bleiben. Die Strategie muss sich verändern dürfen.

Zweitens: Unterschätzt Vertrieb und Distribution nicht.

Gerade bei physischen Produkten ist eine gute Idee nur der Anfang. Es reicht nicht, ein großartiges Produkt zu entwickeln. Ihr müsst auch verstehen, wie es zu den Kundinnen und Kunden kommt, welche Margen notwendig sind und wie ihr genügend Menschen erreicht. Ein Produkt, das niemand sieht, wird auch niemand kaufen.

Drittens: Sucht euch Menschen, mit denen ihr auch durch schwierige Zeiten gehen könnt.

Gründen ist emotional, finanziell und persönlich oft herausfordernder, als man es sich vorher vorstellt. Deshalb ist es unglaublich wichtig, Mitgründerinnen und Mitgründer zu haben, die sich ergänzen, ehrlich miteinander sind und auch dann zusammenhalten, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Wir erleben gerade selbst eine Phase, in der es um sehr viel geht. Ob wir mit ratzfatz weitermachen können, hängt vom Erfolg unserer Crowdfunding-Kampagne ab. Das ist keine einfache Situation. Aber wir stehen als Gründerinnen gemeinsam dahinter und geben bis zum letzten Tag alles.

Und vielleicht noch ein vierter Rat: Sprecht offen darüber, wenn Dinge nicht funktionieren. In der Startup-Welt wird viel über Erfolge gesprochen und viel zu wenig über die schwierigen Phasen. Dabei lernt man gerade aus denen am meisten.

Bild mit KI bearbeitet Fotocredits: privat

Wir bedanken uns bei Sarina Morawiak für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: ratzfatz

Kontakt:

ratzfatz food GmbH
Greifswalder Straße 40
10405 Berlin
Deutschland

www.ratzfatz-food.com
Crowdfunding-Kampagne auf Startnext
Sarina@ratzfatz-food.com

Ansprechpartnerin: Sarina Morawiak

Social Media:
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Höhle der Löwen Staffelfinale: Tränen, Comebacks und 5 Startups

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Staffelfinale Höhle der Löwen 2026: Diese 5 Startups pitchen Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Janna Ensthaler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Staffelfinale bei „Die Höhle der Löwen“: Scharfe Tränen, große Träume und fünf Startups

Das Staffelfinale von „Die Höhle der Löwen“ läuft am 26. Oktober 2026 um 20:15 Uhr bei VOX. Fünf Startups präsentieren ihre Geschäftsideen, dazu kommen emotionale Gründungsgeschichten und überraschende Angebote. Außerdem kehrt mit Mexican-Tears-Gründer David Weyhe ein bekanntes Gesicht aus der ersten Staffel zurück.

Staffelfinale mit fünf Startups und einem besonderen Wiedersehen

Zum Abschluss der 20. Staffel treten allpacka One, nüchtern, meinhaus.digital, LifeSaveAir und Kippo an. Die Bandbreite ist groß: Es geht um Transporte mit dem Fahrrad, alkoholfreie Drinks, KI-gestützte Sanierungsplanung und praktische Helfer für den Alltag.

Zwei Auftritte fallen besonders auf. Ein Erste-Hilfe-Produkt entstand aus einem lebensbedrohlichen Moment in einer Familie. Ein anderer Gründer steht vor einem beruflichen Neuanfang und hofft, mit seiner Erfindung eine neue Existenz aufzubauen.

Wiedersehen im Staffelfinale: Mexican Tears bringt die Löwen erneut zum Weinen

Schon in der ersten Staffel sorgte David Weyhe aus Bremen mit den extrem scharfen Saucen von Mexican Tears für einen legendären Auftritt. Investor Vural Öger kam damals an seine Grenzen.

„Ich habe noch nie in meinem Leben so eine scharfe Sauce gegessen“, sagte er nach dem Probieren.

Judith Williams erinnert sich gut an diesen Moment. Beim Wiedersehen erzählt sie, Öger habe damals sogar gefragt, ob man einen Notarzt rufen könne.

Jetzt stellen sich die Löwen erneut der Herausforderung und testen verschiedene Schärfestufen. Fast alle probieren die höchste Stufe. Die Reaktionen sind entsprechend deutlich, reichlich Milch steht bereit.

Diesmal geht es aber nicht nur um die Schärfe. Andreas W. Herb ist von den Produkten und den Geschäftszahlen beeindruckt. Er fragt den Gründer, ob er noch einen Geschäftspartner sucht. Damit hatte David Weyhe offenbar nicht gerechnet.

Ein konkretes Investment wird zunächst nicht bekannt. Herb verabschiedet sich jedoch mit einer Einladung zum weiteren Austausch. Der Auftritt könnte für Mexican Tears also auch wirtschaftlich interessant werden.

allpacka One: Faltbare Transportbox für jedes Fahrrad

Einkäufe, Pakete oder Getränkekisten mit dem Fahrrad zu transportieren, ist oft mühsam. Hier setzt das Leipziger Startup allpacka One an.

Jonathan Vincentz und Lukas Ludwig, beide 29 Jahre alt, haben eine faltbare Transportbox für den Gepäckträger entwickelt. Damit lässt sich nahezu jedes herkömmliche Fahrrad in wenigen Sekunden für größere Transporte nutzen.

Ausgeklappt bietet die Box 30 Liter Stauraum und trägt bis zu 20 Kilogramm. Wird sie nicht gebraucht, lässt sie sich platzsparend zusammenklappen. Zusätzliche Fahrradtaschen können weiterhin genutzt werden.

Die Idee entstand im Alltag: Lukas Ludwig hatte Probleme, seine Einkäufe mit dem Fahrrad nach Hause zu bringen. Zwei Jahre lang entwickelten die Gründer daraufhin ihr Produkt. Gearbeitet wurde zunächst im WG-Zimmer von Ludwig. Morgens musste dort erst das Bett hochgeklappt werden, damit genug Platz war.

Inzwischen läuft die Serienproduktion, die ersten Boxen werden ausgeliefert. Für den nächsten Schritt bieten die Gründer zehn Prozent ihrer Anteile für 250.000 Euro. Neben Kapital suchen sie vor allem Unterstützung beim Markenaufbau und im Vertrieb.

nüchtern: Alkoholfreier Italian Spritz als Einzelportion

Alkoholfreie Getränke sind längst mehr als klassische Softdrinks. Immer mehr Anbieter entwickeln Alternativen zu Cocktails und Aperitifs.

Die Berliner Gründerin Isabella Steiner kennt diesen Markt seit Jahren. 2020 startete sie einen Onlineshop für alkoholfreie Getränke. Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee für eine eigene Marke.

Unter dem Namen nüchtern entwickelt Steiner hochkonzentrierte alkoholfreie Drinks in flüssigen Einzelportionen. Die Zubereitung ist einfach: Portion öffnen, ins Glas geben, mit Tonic auffüllen. Das erste Produkt ist ein alkoholfreier Italian Spritz, weitere Sorten sind in Planung.

Das kompakte Format soll Lagerung und Transport erleichtern. Gleichzeitig will die Gründerin zeigen, dass alkoholfreier Genuss keine Notlösung sein muss.

Isabella Steiner fordert 300.000 Euro für zwölf Prozent ihrer Anteile. Die Löwen diskutieren nicht nur über den Geschmack. Es geht auch um die Positionierung und die Frage, wie sich eine neue Getränkemarke durchsetzen kann.

meinhaus.digital: KI hilft bei der Sanierungsplanung

Ein Eigenheim ist für viele ein Lebenstraum. Gerade bei älteren Immobilien können Sanierungen aber schnell teuer werden. Viele Käufer wissen zudem nicht, welche Maßnahmen wirklich nötig sind und welche Kosten auf sie zukommen.

Hier setzt meinhaus.digital aus München und Schwäbisch Gmünd an. Die Gründerinnen Leonie Dowling (37) und Carolin Krebber (35) verbinden Architekturwissen mit künstlicher Intelligenz. Ihre Plattform soll Käufern helfen, nötige Sanierungen zu erkennen und die Kosten besser einzuschätzen. Sie begleitet die Planung von der ersten Bewertung über die Finanzierung bis zur Renovierung.

Beide bringen rund zehn Jahre Berufserfahrung mit. Carolin Krebber arbeitete als Architektin, Leonie Dowling in der Strategieberatung, unter anderem für Unternehmen der Bauwirtschaft. Ihr Ziel: professionelle Sanierungsplanung für mehr Menschen zugänglich machen.

Die Gründerinnen fordern 425.000 Euro für fünf Prozent ihrer Anteile. Das entspricht einer Bewertung von 8,5 Millionen Euro. Diese Bewertung sorgt bei den Löwen für Diskussionen. Gleichzeitig zeigen mehrere Investoren Interesse am Geschäftsmodell.

LifeSaveAir: Erste-Hilfe-Gerät nach einem Familienschock

Hinter dem Dortmunder Startup LifeSaveAir steht eine Erfahrung, die eine Familie nachhaltig geprägt hat.

Vor sechs Jahren verschluckte sich Jonas, der damals elfjährige Sohn von Nabil Chehade, an einer Erdbeere. Der Junge bekam kaum noch Luft. Während sein Vater wie erstarrt war, half seine Mutter mit gezielten Rückenschlägen.

Für Nabil Chehade (46) wurde dieser Moment zum Ausgangspunkt einer Geschäftsidee. Mit seinen Cousins Aiman Chehade (32) und Jusef Chehade (31) entwickelte er LifeSaveAir. Das Erste-Hilfe-Gerät soll bei gefährlichen Atemwegsblockaden helfen. Nach viereinhalb Jahren Entwicklung und Zertifizierung wollen die drei das Produkt nun am Markt etablieren.

Emotional wird es, als Jonas selbst dazukommt. Der inzwischen 17-Jährige erzählt von seinen Erinnerungen und unterstützt seinen Vater beim Pitch. Auch Ralf Dümmel berichtet von einer ähnlichen Situation: Sein Sohn hatte sich einst an einem Schokobonbon verschluckt.

Neben der persönlichen Motivation müssen die Gründer aber auch wirtschaftlich überzeugen. Ein sicherheitsrelevantes Produkt zu vermarkten, stellt hohe Anforderungen an Wirksamkeit und Anwendung. Die Cousins fordern 100.000 Euro für zehn Prozent ihrer Anteile.

Kippo: Drehbarer Griff als Chance auf einen Neuanfang

Manchmal entsteht eine Geschäftsidee aus einem ganz persönlichen Problem. Patrick Waligorski aus Essen wollte bei der Gartenarbeit seine Handgelenke entlasten. Deshalb entwickelte der 51-Jährige Kippo, einen drehbaren Griff für Schubkarren und Sackkarren.

Beim Ausschütten drehen sich die Griffe mit, die Hände behalten ihre Position. Lästiges Umgreifen entfällt. Auch in Kurven sollen die Griffe mehr Komfort bieten.

Hinter der Erfindung steckt eine größere Herausforderung. Waligorski betreibt mit seinem Cousin einen Schrottplatz, doch der Mietvertrag für das Gelände läuft aus. Ein neuer Standort ist schwer zu finden. Der Unternehmer steht damit womöglich vor einem kompletten beruflichen Neuanfang.

Für 50.000 Euro bietet er 30 Prozent seiner Firmenanteile. Mit seiner offenen Art berührt er die Löwen, mehrere sehen Potenzial im Produkt. Waligorski erhält tatsächlich mehrere Angebote. Nun muss er entscheiden, welcher Investor ihn beim Aufbau seines Unternehmens am besten unterstützt.

Staffelfinale am 26. Oktober: Welche Startups sichern sich ein Investment?

Die geforderten Summen reichen von 50.000 Euro bei Kippo bis 425.000 Euro bei meinhaus.digital. Für die Löwen stellen sich deshalb ganz unterschiedliche Fragen: Wie groß ist der Markt? Welche Vertriebswege passen? Und welche Bewertung ist gerechtfertigt?

Im Laufe des Abends verhandeln Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Andreas W. Herb und Johannes Kliesch mit den Gründerinnen und Gründern. Das Wiedersehen mit Mexican Tears schlägt dabei die Brücke zu den Anfängen der Show.

Das Staffelfinale der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ läuft am Montag, 26. Oktober 2026, um 20:15 Uhr bei VOX. Die Folge ist außerdem auf RTL+ verfügbar.

Bild Die „Löwen“ (v.l.) Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Janna Ensthaler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel. Bildcredits RTL / Bernd-Michael Maurer

Dieser Beitrag wurde auf Grundlage einer Pressemitteilung mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell bearbeitet.

Raimund Brichta: „Deutschland fehlt nicht der Mut, sondern das Kapital“

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Raimund Brichta: Geld, Börse und die Risiken für Startups Fotograf Philip Madl

Warum tun sich deutsche Start-ups bei der Finanzierung und beim Börsengang schwerer als ihre amerikanischen Konkurrenten? Raimund Brichta, langjähriger ntv-Finanzjournalist und Kenner der Kapitalmärkte, sieht das Problem vor allem beim Zugang zu Risikokapital. Im Interview erklärt er, warum Geld darüber entscheidet, welche Unternehmen wachsen können, woran sich tragfähige Geschäftsmodelle hinter dem KI-Hype erkennen lassen und weshalb hohe Bewertungen allein wenig über die Zukunft eines Start-ups aussagen.

Außerdem spricht Raimund Brichta über die Bedeutung von Risiko und unternehmerischem Zweifel, die Faszination spekulativer Investments und die Frage, was Gründer mitbringen müssen, damit aus einer guten Idee ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen wird.

Sie beschäftigen sich beruflich seit vielen Jahren intensiv mit den Finanzmärkten. Gleichzeitig hört man, dass Sie selbst keine Aktien halten. Was ist der Grund dafür und welche Rolle spielt dabei Ihre persönliche Einstellung zum Thema Geldanlage?

Raimund Brichta: Meine Zurückhaltung bei Einzelaktien hat ausschließlich einen Grund: Ich möchte jeden Anschein von Interessenkonflikten vermeiden. Wenn man eine Aktie besitzt und gleichzeitig darüber berichtet, kommt schnell der Verdacht auf, dass man nicht völlig objektiv ist – selbst wenn dieser Verdacht unbegründet ist. Am Aktienmarkt investiert bin ich natürlich trotzdem, vor allem über ETFs.

Wenn heute jemand mit 20 oder 25 Jahren zu Ihnen käme und sagen würde: „Ich möchte anfangen, mich mit meinen Finanzen und der Börse zu beschäftigen, weiß aber überhaupt nicht, wo ich anfangen soll“ was würden Sie dieser Person konkret empfehlen?

Erst einmal informieren – bei ntv, in guten Büchern, Blogs und Podcasts. Meine eigenen Veröffentlichungen und unseren Podcast „Brichta & Bell“ zähle ich dazu. Aber das Wichtigste ist: anfangen. Nicht darauf warten, bis man glaubt, alles verstanden zu haben. Das wird an der Börse ohnehin nie passieren.

Was fasziniert Sie heute noch an der Börse?

Raimund Brichta: An der Börse spiegelt sich wie kaum irgendwo sonst das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Geschehen wider. Dazu kommt eine gehörige Portion Psychologie – und fertig ist ein Gemisch, das eigentlich nie langweilig wird.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie in Ihrer Karriere über Geld und Erfolg gelernt haben?

Demut. Gerade wenn es gut läuft, darf man nicht übermütig werden. An der Börse gilt das ganz besonders: Wer glaubt, er habe sie endgültig verstanden, bekommt meistens ziemlich schnell eine Lektion erteilt.

Gab es einen Moment in Ihrer journalistischen Laufbahn, bei dem Sie Ihre Sicht auf Wirtschaft oder Börse grundlegend geändert haben?

Raimund Brichta: Den einen Moment gab es nicht. Aber im Laufe der Jahre ist mir immer klarer geworden, wie entscheidend das Geld für die Börse ist. Am Ende können noch so viele gute Geschichten erzählt werden: Aktienkurse brauchen Geld, das sie antreibt. Das ist für mich der wichtigste Faktor überhaupt.

Warum tun sich deutsche Startups beim Thema Finanzierung und Börsengang häufig schwerer als amerikanische Unternehmen?

Weil der amerikanische Kapitalmarkt alles überschattet. Dort gibt es viel mehr Kapital, das bereit ist, ins Risiko zu gehen. Für ein wachsendes Unternehmen ist es deshalb in den USA wesentlich leichter, an frisches Geldes zu kommen als in Deutschland.

Ist Deutschland aus Ihrer Sicht zu risikoavers, wenn es um Gründungen und Investments geht?

Das wird mir zu schnell behauptet. Das Hauptproblem sind aus meiner Sicht die Finanzierungsmöglichkeiten. Wo weniger Risikokapital zur Verfügung steht, können zwangsläufig auch weniger Unternehmen groß werden. Das ist nicht nur eine Frage der Mentalität, sondern vor allem eine Frage des Geldes.

Viele KI-Startups bekommen enorme Bewertungen. Woran erkennt man, ob dahinter ein echtes Geschäftsmodell oder nur Euphorie steckt?

Raimund Brichta: Das erkennt man leider nicht an ein paar Kennzahlen. Man muss die Materie verstehen und tief in das Unternehmen eintauchen: Was kann das Produkt wirklich? Wer braucht es? Lässt sich damit dauerhaft Geld verdienen? Und vor allem: Ist die Bewertung durch das Geschäft gerechtfertigt – oder nur durch die Hoffnung darauf?

Bitcoin, KI-Aktien, Startups, warum zieht gerade das Spekulative junge Anleger so stark an?

Weil die Lust am Glücksspiel enorm zugenommen hat. Und weil heute alles jederzeit verfügbar ist: ein paar Klicks auf dem Smartphone – und man ist dabei. Dazu kommen soziale Medien, in denen vor allem die spektakulären Gewinne herumgereicht werden. Wer langsam reich wird, geht eben selten viral.

Welche Frage wird Ihnen nach all den Jahren immer noch zu selten gestellt?

Raimund Brichta: Wo kommt unser Geld eigentlich her – und wie wird es gemacht? Erstaunlich viele Menschen beschäftigen sich ihr ganzes Leben mit Geld, ohne sich jemals diese Frage zu stellen.

Was haben Sie über Geld gelernt, das man in keinem Wirtschaftsstudium lernt?

Dass Geld und Schulden zwei Seiten derselben Medaille sind. Vereinfacht gesagt: Ohne Schulden gäbe es fast kein Geld. Würden auf einen Schlag alle Schulden zurückgezahlt, würde die Wirtschaft an Geldmangel zu Grunde gehen gehen. Das klingt verrückt – ist aber so.

Was würden Sie Ihrem 25-jährigen Ich heute über Karriere und Geld sagen?

Raimund Brichta: Mach dein Hobby zum Beruf! Wenn du morgens gerne anfängst und abends nicht ständig auf die Uhr schaust, hast du ziemlich viel richtig gemacht. Das Geld kommt dann oft zwangsläufig hinterher.

Wenn Sie einem Gründer nur einen einzigen Rat geben dürften, welcher wäre es?

Raimund Brichta: Verliebe dich in deine Idee – aber nicht so sehr, dass du ihre Schwächen nicht mehr siehst. Begeisterung brauchst du, um etwas aufzubauen. Zweifel brauchst du, damit es überlebt.

Bildcredits/Fotograf: Philip Madl

Wir bedanken uns bei Raimund Brichta für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Niemand ist Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Zettel auszufüllen

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clockin: Software für Zeiterfassung mit KI Frederik Neuhaus Foto Copyright: Maren Kuiter

clockin entwickelt Software für die Digitalisierung kleiner Betriebe und verbindet Zeiterfassung, KI-gestützte Dokumentation und automatisierte Arbeitsabläufe in einer Lösung, die besonders Beschäftigte ohne festen Schreibtisch entlasten soll.

Frederik, wer bist du und wie führte dein Weg vom Silicon Valley zurück nach Münster und schließlich zur Gründung von clockin?

Ich bin CEO und Mitgründer von clockin. Aufgewachsen bin ich in Münster, angefangen habe ich ganz klassisch mit einer Bankausbildung und danach in Deutschland studiert. Für mich war aber immer klar, dass ich danach in die USA will. In Berkeley im Silicon Valley habe ich dann unter anderem studiert. Parallel dazu habe ich immer schon meine erste Firma im Bereich Softwareentwicklung und Digitalmarketing aufgebaut. Aus diesem Unternehmen heraus sind später auch die Idee und die Umsetzung von clockin entstanden.

Die Idee zu clockin entstand durch die Begegnung mit einem Handwerksmeister, dessen Arbeitsalltag stark von Zetteln und manueller Organisation geprägt war. Was hast du damals beobachtet und wann wurde daraus eine konkrete Geschäftsidee?

Das war damals ein interessanter Zufall, wie so oft im Leben. Ich war damals parallel noch Trainer im Profi-Handball und habe dort Thomas kennengelernt, einen Sponsor des Vereins. Eines Tages sprach er mich an: „Mensch Freddi, du machst doch was mit Computern. Meine Mitarbeiter erfassen alles auf Zetteln.“

Thomas führte einen klassischen mittelständischen Handwerksbetrieb mit 40 Mitarbeitenden. Er erzählte mir, dass seine Leute auf der Baustelle, in der Produktionshalle oder wo auch immer sie unterwegs waren, alles auf Papier festhielten: Arbeitszeiten, Urlaubsanträge, die Dokumentation auf der Baustelle. Jeder Mitarbeiter füllte jeden Tag rund zehn Zettel aus, also 400 am Tag und 2.000 in der Woche. Am Ende der Woche wurden sie eingereicht, und zwei Personen mussten alles komplett in Excel abtippen, damit es überhaupt weiterverarbeitet werden konnte.

Das konnte ich im ersten Moment kaum glauben. Man kommt aus dem Silicon Valley, in unserer Generation ist alles durchdigitalisiert, und dann steht ein erfolgreicher Geschäftsführer vor dir und sagt: „Nee, wir machen das alles auf Zetteln.“

Daraus entstand der Gedanke: Das muss man besser lösen können. Wir haben uns den Markt angeschaut, aber nichts Vernünftiges gefunden. Also haben wir gesagt: Dann entwickeln wir es selbst. Das war die Geburtsstunde von clockin.

Erfolgreich war das aber nur, weil wir sehr eng mit Thomas und seinen Mitarbeitern zusammengearbeitet haben und später auch mit weiteren Unternehmern aus seinem Umfeld als ersten Kunden. Mit ihnen haben wir die Lösung ganz nah am tatsächlichen Bedarf in der Praxis entwickelt. Das ist bis heute das Geheimrezept von clockin.

Viele digitale Lösungen werden von Menschen entwickelt, die selbst überwiegend am Schreibtisch arbeiten. Warum wurden Beschäftigte auf Baustellen, in Werkstätten oder im Außendienst bei der Digitalisierung aus deiner Sicht lange nicht ausreichend berücksichtigt?

Ich sehe dafür im Wesentlichen drei Gründe.

Erstens: Die Menschen, die digitale Lösungen entwickeln und das entsprechende Mindset mitbringen, sitzen in aller Regel selbst am Schreibtisch. Sie leben in ihrer eigenen Bubble und haben kaum Berührungspunkte mit diesen Arbeitswelten. Da liegt es natürlich nahe, Software für Leute zu bauen, die ebenfalls am Computer sitzen und bei denen man ein gewisses Grundverständnis voraussetzen kann, also Software für Menschen wie einen selbst. Mir ging es ja ganz genauso: Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Unternehmen wie das von Thomas überhaupt noch auf Papier arbeiten, weil in meiner Bubble alles durchdigitalisiert war.

Zweitens, und das leitet sich direkt daraus ab: Wer Software für Menschen baut, die auf der Baustelle, beim Patienten oder in der Produktionshalle arbeiten, also für Deskless Worker, muss Software komplett anders denken. Viele Dinge kann man schlicht nicht voraussetzen. Diese Menschen haben keine Lust, sich mit Software auseinanderzusetzen, und wollen auch gar nicht lernen, wie sie funktioniert. Sie sind ja nicht Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Software zu bedienen. Das erfordert eine völlig andere Produktentwicklung als für Schreibtischarbeiter, die es gewohnt sind, sich in komplexe Systeme einzuarbeiten.

Drittens: Diese Menschen machen rund die Hälfte der Wirtschaft in Deutschland aus, arbeiten aber überwiegend in kleinen und Kleinstunternehmen. 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland haben weniger als 50 Mitarbeiter. Das ist ein extrem fragmentierter Markt über unzählige Branchen hinweg. Es ist natürlich viel einfacher, Software an wenige Großkonzerne zu verkaufen, die mehrere hunderttausend Euro im Jahr zahlen, als an Tausende Kleinstbetriebe, die vielleicht ein paar hundert Euro im Jahr zahlen. Dafür braucht es ein deutlich komplexeres Vertriebs- und Produktsystem. Und anders als bei Enterprise-Software, die seit 20 Jahren perfektioniert wird, gibt es dafür keine Blaupause. Lange fehlten auch schlicht die technischen Möglichkeiten.

Wir mussten deshalb immer wieder neue Wege gehen, und viele haben uns davon abgeraten. Heute sind wir sehr froh, dass wir es trotzdem gemacht haben.

Ein Investor hat mir einmal gesagt, dass in den vergangenen 20 Jahren rund 95 Prozent des Venture Capitals in Enterprise-Software geflossen sind. Ob die Zahl exakt stimmt, weiß ich nicht, aber die Richtung stimmt auf jeden Fall. Wir haben die Hälfte der Wirtschaft, die dieses Land wirklich am Laufen hält, bei der Softwareentwicklung jahrelang schlicht ignoriert.

Wenn Software für Menschen entwickelt wird, die möglichst wenig Zeit mit Software verbringen möchten: Welche Anforderungen stellt das an Benutzerführung, Funktionen und Produktentwicklung?

Man muss Software völlig anders denken und sich komplett von den gewohnten Mustern lösen. Unsere allererste App-Version haben wir genau so gebaut, wie wir es aus unserer Bubble kannten: viel Sliden, Wischen, Animationen, alles drum und dran. Dann haben wir sie den Mitarbeitern von Thomas gezeigt und schnell gemerkt: Die wissen überhaupt nicht, was sie machen sollen. Was für uns logisch war, weil wir es über Jahre im Umgang mit Software gelernt haben, kann man bei Menschen nicht voraussetzen, die so eine App noch nie benutzt haben oder sich damit gar nicht beschäftigen wollen.

Daraus ist unser Motto entstanden: dicke Tasten für dicke Finger. Gerade auf der Baustelle muss eine App intuitiv, schnell und einfach sein. Man muss sofort verstehen, was man tut, ohne sich eindenken zu müssen, und sie auch mit Handschuhen, dreckigen Fingern oder vollen Händen bedienen können. Dieses Prinzip ziehen wir bis heute durch.

Grundsätzlich heißt das: Die Nutzerführung muss mit so wenigen Klicks wie möglich auskommen und sofort verständlich sein. Niemand hat Lust, sich 20 Minuten in eine Software einzuarbeiten. Innerhalb einer Minute müssen die Leute verstehen, wie es funktioniert und wie es ihnen hilft, sonst sind sie raus.

Heute geht die Entwicklung noch einen Schritt weiter, und genau das machen wir bei clockin: Man kann alles per Sprache, Foto oder Video steuern. Man nimmt Dinge einfach auf, clockin versteht den Zusammenhang und führt die entsprechenden Aktionen aus. Die manuelle Bedienung reduzieren wir immer weiter. Man kann sie natürlich weiterhin nutzen, muss es aber nicht.

Das entspricht genau unserer Grundidee: Das beste clockin ist das, das man gar nicht bedienen muss. Heute sind wir so weit, dass man clockin auf völlig natürliche Weise nutzen kann. Mit clocki, unserem KI-Assistenten, ist das so, als würde man mit einem persönlichen Assistenten sprechen, der alles für einen erledigt. Früher hatte so einen Assistenten nur der Geschäftsführer. Wir bringen ihn jetzt einfach, schnell und bezahlbar zu jedem Mitarbeiter in jedem kleinen Betrieb, sodass jeder deutlich effizienter wird und gar nicht mehr lernen muss, wie man Software bedient.

Bei clockin sitzen beispielsweise Kanalsanierer und Softwareentwickler gemeinsam am Tisch. Wie bindet ihr Kunden konkret in die Produktentwicklung ein und wie entscheidet ihr, welche Wünsche tatsächlich in die Software einfließen?

Wir treiben die Produktentwicklung über drei Bereiche voran.

Da ist zum einen das Feedback aus dem Markt: Wunschtickets, Bugtickets, alles, was von unseren Kunden reinkommt. Das hat für uns eine sehr hohe Relevanz.

Dazu kommen intensive Gespräche. Wir führen sehr viele Kundeninterviews, schauen uns den Markt an und sprechen nicht nur mit Kunden, sondern auch mit Unternehmen, die noch keine Kunden sind. Dazu kommt unser Customer Advisory Board, das wir schon seit längerer Zeit haben. Das sind besonders engagierte Kunden, oft sehr digitalaffin, die große Lust haben, Neues auszuprobieren und anzustoßen, und uns immer wieder zeigen, was man noch oder anders machen könnte. Das Board trifft sich regelmäßig, wird eng in die Produktentwicklung eingebunden und übernimmt auch Validierungsschritte.

Und dann gibt es den sogenannten iPhone-Moment. Als Steve Jobs das iPhone vorgestellt hat, wusste der Markt auch noch nicht, dass er es braucht. Genauso müssen wir innovative Ideen einbringen, von denen unsere Kunden noch gar nicht wissen, dass sie sie brauchen, von denen wir aber überzeugt sind. Dabei müssen wir aufpassen, unserem Grundprinzip treu zu bleiben und nicht aus dem Elfenbeinturm heraus zu sagen: So sieht es jetzt aus, das braucht ihr. Wir fragen uns immer ganz konkret, wie wir unseren Kunden die Arbeit im Alltag wirklich erleichtern können.

So ist etwa unsere KI-Videodokumentation entstanden. Man filmt und spricht einfach, und clocki erkennt automatisch die Inhalte und leitet daraus die nächsten Schritte ab: Materialverbräuche etwa, oder Aufgaben für andere Mitarbeiter. Sage ich zum Beispiel „Peter, du musst hier morgen noch die Lampen anschließen“, weiß clocki automatisch, auf welcher Baustelle ich gerade bin, informiert Peter und berücksichtigt das direkt in der Schicht- und Einsatzplanung. So bringen wir Innovationen ein, von denen unsere Kunden heute vielleicht noch nicht einmal träumen.

Bei der Entscheidung, was tatsächlich umgesetzt wird, schauen wir vor allem auf zwei Dinge: Wie stark hilft es unseren Kunden im Alltag? Und wie groß ist der Nutzen über viele Betriebe hinweg? Einzelne Sonderwünsche können wir nicht alle umsetzen. Aber wenn wir sehen, dass ein Thema viele Kunden betrifft und ihnen wirklich Arbeit abnimmt, hat es eine hohe Priorität.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei clockin und wie verändert sie die Art, wie Mitarbeitende ihre täglichen Aufgaben dokumentieren und organisieren?

Künstliche Intelligenz ist für uns der Schlüssel, um Software noch einfacher zu machen. Mit clocki haben wir einen KI-Assistenten entwickelt, der Mitarbeitenden administrative Aufgaben abnimmt. Statt komplizierte Formulare auszufüllen, können sie einfach sprechen, Fotos machen oder Videos aufnehmen. clocki versteht die Inhalte, ordnet sie dem richtigen Projekt zu und leitet daraus Aktionen ab.

Das verändert den Arbeitsalltag enorm. Ein Mitarbeiter kann beispielsweise auf der Baustelle ein Video aufnehmen und erklären, was erledigt wurde und was noch zu tun ist. Die KI erkennt die Informationen und erstellt automatisch die passende Dokumentation oder Aufgaben für Kollegen. So wird aus einer klassischen Software ein persönlicher Assistent, der im Hintergrund mitarbeitet.

Die Digitalisierung scheitert in vielen kleinen Betrieben nicht an der Technik, sondern an Gewohnheiten. Wie schafft man Akzeptanz für eine Software bei Mitarbeitern, die bislang mit Stundenzetteln, Papier und Zuruf gearbeitet haben?

Das ist absolut so. Über Jahre eingefahrene Prozesse von heute auf morgen zu ändern, ist extrem schwer.

Das Wichtigste ist: Die Software muss in der ersten Sekunde überzeugen. Die Idee muss sofort zünden, also dass ich etwas einfach per Sprache oder mit zwei Klicks erledigen kann, was mich sonst 20 Minuten nervige Zettelarbeit gekostet hätte. Darauf hat ja niemand Lust. Niemand ist Handwerker oder Pflegekraft geworden, um Zettel auszufüllen und die Hälfte seines Tages mit manueller Dokumentation zu verbringen. Wenn man diesen Menschen einen Weg zeigt, der super einfach ist, sofort funktioniert und direkt Ergebnisse bringt, ist das eine unglaublich gute Erfahrung. Spätestens wenn sie ein paar Tage in ihrem echten Arbeitsalltag erleben, wie viel Zeit sie sparen, wie bequem das ist und wie viel mehr Zeit sie wieder für ihre eigentliche Arbeit haben, sind alle überzeugt.

Zweitens empfehlen wir, mit ein oder zwei Funktionen zu starten und dann schrittweise zu erweitern. Kunden, die das so umsetzen, haben riesige Erfolge.

Genau das erleben wir jeden Tag, und deshalb freuen wir uns so sehr, dass clockin so großen Anklang findet.

Mit dem Wachstum auf mehr als 70 Mitarbeiter verändert sich auch das eigene Unternehmen. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, aus einer ursprünglichen Startup-Idee eine größere Softwareorganisation aufzubauen?

Absolut. Die clockin-Organisation von heute ist mit unseren Anfängen nicht mehr vergleichbar. Wir haben aber immer die Kultur an erste Stelle gestellt: unsere Vision, unsere Idee davon, wie wir arbeiten und zusammenarbeiten wollen und wie wir Unternehmen und Produkt weiterentwickeln. Das muss Hand in Hand gehen. Außerdem haben wir Prozesse und Strukturen immer vorausgedacht, bevor wir den nächsten großen Wachstumsschritt gegangen sind. Deshalb funktioniert es trotz der schnellen Veränderungen bei uns nach wie vor sehr gut, und wir arbeiten weiter zielgerichtet daran, jeden Tag ein wenig besser zu werden.

Wir sind bewusst bei dem geblieben, was uns von Anfang an getragen hat: für unsere Kunden zu entwickeln. Wir haben uns auch sehr genau überlegt, welche Investoren wir an Bord holen. Die Art, wie wir clockin bauen, funktioniert nicht mit jedem; man muss sehr gut verstehen, was wir tun. Und wir haben bis heute an unseren Grundprinzipien festgehalten: für unsere Kunden zu entwickeln und nicht einfach irgendetwas, nur um möglichst viel Geld zu verdienen. Ich bin überzeugt, dass man mit diesem Kundenfokus am Ende beides erreicht. Auch wenn es mal ein, zwei Jahre länger dauert, entstehen so Produkte und Prozesse, die am Markt unfassbar gut funktionieren. Das ist uns auch in der Organisation sehr gut gelungen.

Für mich persönlich hat sich mein Arbeitsfeld komplett verändert. Am Anfang habe ich eigentlich jeden Job im Unternehmen selbst einmal gemacht. Das ist ein riesiger Vorteil, weil man versteht, was passiert, und die Kunden kennt, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Heute liegt mein Fokus weniger im operativen Tagesgeschäft und viel mehr auf großen Partnern, Investoren, Bühnen und der strategischen Weiterentwicklung. Dafür haben wir ein super starkes Team, das die einzelnen Bereiche richtig gut nach vorne treibt. Es macht einfach großen Spaß, jeden Tag daran zu arbeiten, dieses Unternehmen weiterzubringen.

Die größte Herausforderung ist, dass viel mehr gleichzeitig passiert und trotzdem alles auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet bleiben muss. Die Kommunikation untereinander muss so gut funktionieren, dass alle wissen, was im Unternehmen gerade passiert, auch wenn man selbst nicht mehr bei jedem Detail dabei sein kann. Dafür ist clockin schlicht zu groß geworden. Entscheidend ist eine Kultur, die innovativ und offen ist und in der Probleme angesprochen werden können, damit sie gelöst werden. Niemand sollte Angst haben, Themen anzusprechen. Und es braucht eine dynamische Kultur, die bereit ist, sich jedes Jahr neu zu erfinden. Wenn man so schnell wächst, sieht das Unternehmen in einem Jahr schon wieder völlig anders aus. Dafür braucht man das richtige Mindset: Der eigene Job, der eigene Bereich und das ganze Unternehmen verändern sich jedes Jahr aufs Neue.

Der Markt für Zeiterfassung und Unternehmenssoftware ist stark umkämpft. Wodurch wollt ihr euch langfristig vom Wettbewerb unterscheiden und welche Rolle spielt dabei eure Spezialisierung auf Betriebe mit mobilen Mitarbeitern?

Wir bauen heute das Betriebssystem für Anpacker. Anpacker sind all diejenigen, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten und wirklich etwas nach vorne bringen. Sehr häufig sind das Mitarbeitende, die nicht am Schreibtisch sitzen, sondern mobil unterwegs sind und dort ihre Arbeit verrichten. Für sie ist bisher kaum etwas gebaut worden, in größeren Unternehmen vielleicht, in kleinen Betrieben aber nicht. Entsprechend groß ist der Markt für uns noch.

Zeiterfassung ist dabei ein wichtiger Schwerpunkt, aber eben nicht alles. Sie ist nur noch eine von rund 50 Funktionalitäten, die clockin abbildet. Wir sind also längst nicht mehr nur im Zeiterfassungsmarkt unterwegs, auch wenn wir gerade wieder Testsieger bei trusted.de geworden sind. In der Zeiterfassung sind wir richtig stark, aber sie ist eben nur eine Kernfunktion aus einem sehr viel größeren Bereich.

Unser Unterschied ist, dass wir die komplette Wertschöpfungskette in einem einzigen Tool abbilden. Nutzer müssen sich nicht in fünf oder zehn verschiedene Tools einarbeiten und im Alltag ständig zwischen ihnen hin- und herspringen. Das kann clockin schon heute.

Wir sind überzeugt, dass dieser Weg der richtige ist: alles in einem Tool abzubilden und jedem Mitarbeiter einen persönlichen Assistenten an die Seite zu stellen, sodass man die Software eigentlich gar nicht mehr bedienen muss. Diesen Weg gehen wir konsequent, denn so, wie wir es bauen, kenne ich es im Markt bislang nicht.

Welche unternehmerischen Entscheidungen haben sich rückblickend als besonders wichtig für die Entwicklung von clockin erwiesen und welche Fehler würdest du heute vermeiden?

Richtig war auf jeden Fall die Entscheidung, clockin immer gemeinsam mit unseren Kunden zu entwickeln, und zwar von Anfang an. Wir wollten verstehen, wie die Software wirklich genutzt wird und wie man sie so einfach baut, dass sie wirklich jeder versteht. Genauso richtig war es, clockin von Beginn an als selbstlernendes System aufzubauen, das kontinuierlich besser wird. Diese beiden Grundprinzipien waren entscheidend, haben aber auch Zeit gekostet. Die ersten zwei, drei, vier Jahre braucht man, um wirklich zu verstehen, wie alles funktioniert. Das muss man verinnerlichen, und das lässt sich von außen kaum beschleunigen.

Das gilt bis heute. Ich spreche nach wie vor mit Nutzern unserer Software und versuche zu verstehen, wo die Themen liegen, auch wenn das längst nicht mehr mein Schwerpunkt ist. Und ich glaube, es ist Gold wert, sich ein Stück Naivität zu bewahren, auch wenn einem alle sagen, dass etwas nicht funktioniert. Wenn man selbst überzeugt ist und sich regelmäßig reflektiert, entstehen genau daraus große Geschäftsideen und Erfolge: indem man Märkte und Wege einschlägt, die bisher niemand sieht und an die keiner glaubt. Rückblickend ist das unsere größte Stärke.

Was ich heute anders machen würde: Man kann sehr viel von erfahreneren Gründern lernen und von Menschen, die so etwas schon zigmal gesehen haben, gerade bei Unternehmensstrukturen, Entwicklungsschritten, Teamzusammensetzung und Investoren. Mit dem Wissen von heute hätten wir in manchen Bereichen schneller Entscheidungen getroffen, für die wir uns vielleicht etwas zu viel Zeit gelassen haben. Damit hätten wir unser Wachstum noch etwas beschleunigen können. Aber das sind Learnings, die man als Unternehmer eben macht. Natürlich würde ich mit dem Wissen von heute manches anders machen, aber wenn das nicht so wäre, hätte ich ja nichts gelernt.

Euer Ziel geht inzwischen über die reine Zeiterfassung hinaus. Welche Vision verfolgt ihr mit clockin und wie könnte das digitale „Betriebssystem“ für Unternehmen ohne klassische Schreibtischarbeitsplätze in einigen Jahren aussehen?

Unsere Idee ist, jedem Betrieb den unsichtbaren Betriebsleiter zu geben, den er nie hatte und sich auch nie leisten konnte. Oft wusste der Inhaber gar nicht, dass er ihn eigentlich braucht, weil es ja immer so lief, wie man es schon immer gemacht hat.

Unser Ziel ist, den gesamten administrativen und bürokratischen Overhead hochautomatisiert für unsere Kunden zu übernehmen, inklusive der kompletten Einsatzplanung und allem, was dazugehört. So kann sich der Kunde voll auf sein Kerngeschäft konzentrieren, also dort, wo die eigentliche Wertschöpfung stattfindet. Und das Ganze soll so einfach und natürlich sein, als würde man mit seinem Betriebsleiter sprechen, der dann alles organisiert.

Auf diesem Weg sind wir bereits einen riesigen Schritt vorangekommen, und jeden Tag kommen weitere hinzu. Wir haben heute ein System, das ich mir vor drei, vier Jahren in dieser Form kaum hätte vorstellen können. Geträumt habe ich davon, aber ich hätte nie erwartet, dass wir schon heute so weit sind. Ich dachte, dafür würden wir deutlich länger brauchen. Entsprechend froh und stolz bin ich, dass wir so ein System heute schon am Markt anbieten können.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, in denen immer mehr erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen und gerade in unseren Branchen immer weniger Nachwuchs nachkommt, müssen wir auch gesellschaftlich dafür sorgen, dass Betriebe viel stärker automatisiert, digitalisiert und mit KI optimiert werden und deutlich effizienter arbeiten. Genau dafür steht clockin. Da wollen wir hin, und dort sind wir heute schon ein gutes Stück.

Die ganz große Idee hinter clockin ist, jeden Betrieb zu einem selbstfahrenden Unternehmen zu machen, in dem sich jeder Mitarbeiter auf das wirkliche Kerngeschäft konzentrieren kann.

Bildcredits Foto Copyright: Maren Kuiter

Wir bedanken uns bei Frederik Neuhaus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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