Montag, Oktober 26, 2026
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NALU: Das Löwen Startup bringt Fruchtgummi mit 96 Prozent weniger Zucker

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NALU: Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker nalu Max und Lisa Bildcredits Valentin Pellio (Studio Pellio)

NALU entwickelt Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker und möchte damit eine Alternative zu klassischen Süßwaren schaffen.

Können Sie NALU kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Aloha! Ich bin Max Schön, eine Naschkatze aus Hamburg. Zusammen mit meiner Freundin Lisa Bella Ippolito habe ich letztes Jahr Hand in Hand in der Höhle der Löwen gestanden.

Wie entstand die Idee, Fruchtgummis mit deutlich weniger Zucker zu entwickeln?

Ich nasche für mein Leben gerne, am liebsten Fruchtgummis. Aber klassische Fruchtgummis bestehen mindestens zur Hälfte aus Zucker, vegane sogar zu 60 % aus Zucker. Meine Freundin und ich dachten uns: Das muss doch irgendwie besser gehen.

Welche Vision verfolgen Sie mit NALU, und wie möchten Sie den Markt für Süßwaren langfristig verändern?

Wir möchten bei NALU jede Naschkatze ins innere Gleichgewicht bringen. Unser Traum ist, dass man bald alle Fruchtgummis im Supermarkt mit gutem Gewissen essen kann.

An welche Zielgruppen richten sich Ihre Produkte hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie damit erfüllen?

Zunächst würde man denken, dass nur Leute aus der Fitness-Community gerne zu uns greifen. Aber die Zielgruppe ist viel größer: Mittlerweile achten viele Menschen, von Jung bis Alt, auf ihre Ernährung. Zudem gibt es mehr Menschen, als man denkt, die aufgrund einer Erkrankung wie Diabetes oder Autoimmunerkrankungen keinen Zucker essen dürfen.

Viele Verbraucher möchten ihren Zuckerkonsum reduzieren, wollen aber nicht auf Genuss verzichten. Wie begegnet NALU diesem Wunsch?

Bei uns steht Geschmack an erster Stelle und an zweiter Stelle die Zuckerreduktion, bei der wir immer besser werden. Als wir gelauncht haben, lagen wir bei etwa 80 % weniger Zucker als herkömmliche Fruchtgummis – mittlerweile sind wir bei 96 % weniger Zucker.

Was macht NALU aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Fruchtgummis und anderen zuckerreduzierten Alternativen?

Ganz klar die Kombination aus Zuckerreduktion und erhöhtem Ballaststoffgehalt. Herkömmliche zuckerfreie Gummibärchen aus der Apotheke sind mit Maltit gesüßt, einem Zuckeralkohol, der bereits nach fünf Gummibärchen abführend wirken kann. Das kommt bei uns nicht in die Tüte!

Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung eines Fruchtgummis, der sowohl geschmacklich als auch in der Konsistenz überzeugen soll?

Die Textur ist der Endgegner in der Produktion. Sobald man Zucker in der Rezeptur ersetzt, wird das Gummi entweder zäh, verliert den Biss oder wird klebrig. Besonders bei unseren veganen Alternativen war die Konsistenz eine große Herausforderung. Die perfekte Balance zu finden, um dieses ikonische Kau-Gefühl zu bewahren, war unser größter und härtester Meilenstein.

NALU war in der Höhle der Löwen zu sehen. Welche Auswirkungen hatte dieser Schritt auf die Entwicklung des Unternehmens?

Die Ausstrahlung war ein absoluter Gamechanger für uns! Die mediale Aufmerksamkeit war gigantisch, und wir waren nach dem Deal-Trubel komplett ausverkauft. Und wir hatten einfach so ein Glück mit unseren Löwinnen Janna Ensthaler und Lena Gercke. Wir stehen immer noch im wöchentlichen Austausch, und sie haben maßgeblich zu tollen Listungen wie bei Müller und dm beigetragen.

Wie hat sich die Nachfrage nach zuckerreduzierten Süßwaren in den vergangenen Jahren verändert?

Sie ist aus der absoluten Nische in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Früher war „zuckerreduziert“ ein Thema für Ernährungs-Nerds. Heute ist das Bewusstsein in der breiten Masse angekommen. Die Menschen wissen, was übermäßiger Zuckerkonsum anrichten kann, und fordern proaktiv bessere, smarte Alternativen.

Welche nächsten Produktentwicklungen und Wachstumsziele stehen bei NALU aktuell im Fokus?

Wir feilen schon an den nächsten Sorten und binden dabei unsere Community mit ein, machen regelmäßig Umfragen, was für Konsistenzen, Geschmäcker und Meerestiere sich die Community wünscht, und auch an echt größeren Überraschungen – aber das ist leider ein gut gehütetes Firmengeheimnis. Und natürlich steht die Präsenz im Supermarkt an oberster Stelle.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit innovativen Food-Produkten etablierte Märkte herausfordern möchten?

Hui, keine leichte Frage. Aber erstens: Geschmack zählt. Egal wie innovativ das Produkt ist, wenn es nicht schmeckt, kauft es keiner. Zweitens: Dran bleiben. Ich (Max) hätte kurz vor der Höhle der Löwen-Zusage fast das Handtuch geworfen. Und drittens: Spaß nicht vergessen und Zwischenerfolge feiern. Probleme wird es immer geben, aber auch ganz tolle Momente, und diese gilt es zu würdigen und zu genießen.

Bild Max Schön und Lisa Bella Ippolito Bildcredits Valentin Pellio (Studio Pellio)

Wir bedanken uns bei Max Schön für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

innocept mobility: Wie Ladeinfrastruktur mit OmniCharge profitabel wird

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innocept mobility: Ladeinfrastruktur mit OmniCharge Founderteam Bild Credits Innocept Mobility

innocept mobility entwickelt mit OmniCharge eine Softwarelösung, mit der Betreiber ihre Ladeinfrastruktur steuern, abrechnen und wirtschaftlicher betreiben können.

innocept mobility ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter innocept mobility?

innocept mobility ist ein Spin-off der TU Darmstadt mit Sitz in Frankfurt am Main. Wir entwickeln OmniCharge – ein Charge Point Management System, also die Software, mit der Betreiber ihre Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge steuern, abrechnen und wirtschaftlich betreiben.

Hinter dem Unternehmen stehen zwei Gründer. Ich bin Masih Akbar, seit 2019 in der E-Mobilität, und verantworte Sales und Investor Relations – ich sitze also täglich mit Betreibern am Tisch. Mein Mitgründer Dmytro Khodyryev ist CTO und seit Tag eins dabei, er hat OmniCharge konzipiert und vollständig entwickelt.

Heute laufen über unsere Plattform Ladepunkte an etwa 200 Standorten in Deutschland und in Schweden. Unsere Kunden sind gewerbliche Ladeinfrastruktur-Betreiber, deren Standorte unter anderem bei Banken, Gewerbeimmobilien und Mobilitätsanbietern stehen.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Der Auslöser war weniger ein Moment als eine Beobachtung, die sich in Gesprächen ständig wiederholt hat.

Ladeinfrastruktur wird gerade überall gebaut – der Ausbau ist politisch gewollt und teilweise gesetzlich vorgeschrieben. Profitabel betrieben wird sie aber fast nirgends. Und wenn man sich anschaut, warum, landet man erstaunlich schnell bei der Software: Sie ist für die größten Netze gebaut, entsprechend teuer, überladen und kaum anpassbar. Betreiber mittlerer Größe bekommen damit ein System, das ihre eigentlichen Fragen gar nicht beantwortet.

Der entscheidende Punkt kam, als klar wurde, dass diese Lücke kein Randphänomen ist, sondern die Regel. Da haben wir das Unternehmen konsequent auf diese unterversorgte Gruppe ausgerichtet und den Pivot vollzogen. Aus einem Hochschulprojekt wurde ein Produktunternehmen mit einem klaren Markt – und das war rückblickend die eigentliche Gründung.

Welche Vision verfolgt ihr mit innocept mobility? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision klingt zunächst unspektakulär: Wir wollen, dass sich Ladeinfrastruktur rechnet. Aber genau daran hängt der gesamte Hochlauf der Elektromobilität.

Der Zusammenhang ist einfach. Wer mit seinen ersten zehn Ladepunkten kein Geld verdient, baut die nächsten fünfzig nicht. Jeder Standort, der wirtschaftlich läuft, ist damit ein Argument für den nächsten. Solange der Betrieb ein Zuschussgeschäft bleibt, bleibt der Ausbau eine Frage von Fördermitteln statt von unternehmerischer Entscheidung.

Konkret möglich machen wollen wir vor allem eines: Multi-Use. Also privates Laden, Flottenladen, Quartiersladen und öffentliches Laden am selben Ladepunkt, mit automatisch geregelten Zugängen, Prioritäten und Tarifen je Nutzergruppe. Damit wird Infrastruktur nutzbar, die heute zum Beispiel nach Feierabend ungenutzt herumsteht – beim Handwerksbetrieb, beim Supermarkt, im Wohnquartier. Langfristig wollen wir das führende Multi-Use-CPMS in Europa sein.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war nicht technischer, sondern strategischer Natur: herauszufinden, für wen wir eigentlich die beste Lösung am Markt sind – und für wen ausdrücklich nicht.

Wir haben dafür sehr systematisch ausgewertet, warum wir Aufträge gewinnen und warum wir sie verlieren. Das Ergebnis war unbequem und extrem hilfreich zugleich: Wir gewinnen dort, wo Service, Tempo und Anpassbarkeit zählen, und wir verlieren dort, wo Konzerngröße und -reife gefragt sind. Lange haben wir versucht, auch die zweite Gruppe zu überzeugen. Diese Zeit hätte an anderer Stelle deutlich mehr bewirkt.

Finanziell sind wir bewusst kapitaleffizient unterwegs. Wir haben eine Pre-Seed in mittlerer sechsstelliger Höhe aufgenommen – ein Teil davon nicht-verwässernd, dazu eine stille Beteiligung der BMH sowie ein Investment von Campana & Schott, die als Corporate Business Angel und Gesellschafter an Bord sind. Aktuell finanzieren wir über eine weitere Runde, bei der wir neben unseren Bestandsinvestoren vor allem auch weitere Business Angels ansprechen.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe ist sehr scharf gezogen: Charge Point Operator mit etwa 50 bis 1.500 Ladepunkten, die einen gemischt genutzten Anteil in ihrem Portfolio haben.

Diese Gruppe ist strukturell unterversorgt bzw. fehlerhaft versorgt. Für die großen Anbieter ist sie zu klein, um wirtschaftlich betreut zu werden – Anpassungsentwicklung stellen die Etablierten ab einer bestimmten Kundengröße schlicht ein. Gleichzeitig ist sie zu groß und zu anspruchsvoll für einfache Standardlösungen.

Wenn ich es auf eine Person herunterbrechen soll: Wir entwickeln für den operativen Sachbearbeiter, der oft 50 bis 1.500 Ladestationen praktisch allein betreut. Sein Tag besteht aus Störungsmeldungen, Support-Anrufen, Abrechnungsfragen und dem Anbinden neuer Standorte. Ihm nehmen wir entlang der gesamten Strecke Arbeit ab.

Wie funktioniert innocept mobility ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

Der Ablauf hat drei Schritte: anbinden, betreiben, verdienen.

Angebunden wird jede Hardware und jeder Standort herstellerunabhängig über den OCPP-Standard – der Betreiber ist also nicht an einen Hardwarehersteller gebunden. Betrieben wird dann alles über OmniCharge: Ladesteuerung, Lastmanagement und Roaming laufen automatisiert. Und am Ende stehen Abrechnung, Stromhandel und Payment, die nahtlos ineinandergreifen. Betreiber und Support-Teams arbeiten im Web-Dashboard, E-Fahrerinnen und -Fahrer über die App.

Der erste Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen ist Multi-Use. Klassisch muss man sich entscheiden: Mitarbeiterladen oder öffentliches Laden. Bei uns läuft beides über denselben Ladepunkt. Tagsüber lädt die Belegschaft, abends und am Wochenende der Besucher – gleicher Hardware-Invest, deutlich höhere Auslastung. Und Auslastung ist beim Betreiber die Kennzahl, an der alles hängt.

Der zweite Vorteil ist unsere Kostenstruktur. Wir sind ein AI-First-Unternehmen: KI steckt tief in Entwicklung und Betrieb, nicht als Marketing-Etikett, sondern als Architekturentscheidung. Dadurch können wir etwas anbieten, das früher schlicht nicht darstellbar war – ein sehr hohes Serviceniveau bei einer sehr schlanken Organisation, auch für kleinere Kunden. Wer bei uns anruft, bekommt eine echte Antwort statt eines Tickets in der Warteschlange. Service bedeutete früher Personal; heute geht das anders.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal ist es eine schöne Bestätigung für ein Team, das die meiste Zeit sehr kopfüber im Tagesgeschäft steckt. Ladeinfrastruktur-Software ist kein Thema, mit dem man schnell Aufmerksamkeit gewinnt – umso mehr freut es uns, wenn die Relevanz dahinter gesehen wird.

Praktisch ist die Sichtbarkeit in der Region wertvoll.

Wie es weitergeht: Kurzfristig steht die Vertiefung unseres Segments im Vordergrund und die Stabilisierung des neu aufgenommenen Geschäfts in Schweden sowie die Umsetzung der anstehenden Projekte, die uns viel Zeit, Aufwand und hoffentlich weiterhin auch viel Spaß bringen wird. Und natürlich drücken wir uns für das Finale selbst die Daumen.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und innocept mobility in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir das führende Multi-Use-CPMS in Europa sein – gemessen daran, dass Betreiber unserer Größenordnung an uns nicht mehr vorbeikommen.

Der Weg dorthin führt bewusst über Tiefe statt Breite. Wir wollen nicht in immer größere Segmente springen, sondern denselben Kundentyp mit denselben Problemen in weiteren Regionen und Ländern gewinnen. Nach Schweden kommen die Niederlande, UK, weitere nordische Märkte.

Was mir persönlich wichtig ist: dass wir dann eine Kundengruppe haben, die uns weiterempfiehlt, weil wir Probleme lösen, die sonst niemand lösen will.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Fokus ist kein Verzicht, sondern der eigentliche Wettbewerbsvorteil. Wir haben lange versucht, auch Kunden zu gewinnen, für die wir strukturell nicht die richtige Wahl sind. Werte systematisch aus, warum du gewinnst und warum du verlierst – und ziehe daraus die unbequeme Konsequenz.

Zweitens: Frag die Kunden, bevor du baust. Wir erheben heute konsequent zuerst den Bedarf und den tatsächlichen Aufwand beim Kunden und schnüren erst danach ein Paket. Das ist unromantisch und spart Monate.

Drittens: Vertrieb ist Prozess, nicht Talent. Verlorene Deals scheitern selten am Produkt. Sie scheitern an Prozessen, Netzwerk und Schnelligkeit. Das lässt sich abstellen – aber nur, wenn man es als Handwerk begreift und nicht als Charaktereigenschaft.

Und wenn ich einen halben vierten anfügen darf: Gutes Sparring ist am Ende vielleicht das wertvollste Werkzeug überhaupt.

Bildcredits innocept mobility GmbH

Wir bedanken uns bei Masih Akbar für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Telekinesis: Wie Roboter durch Physical AI ein eigenes Betriebssystem bekommen

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Telekinesis: Physical AI für intelligente Roboter Founder Bild 2026 @ Telekinesis GmbH

Telekinesis entwickelt ein Betriebssystem für Physical AI, das Roboter intelligenter, anpassungsfähiger und einfacher einsetzbar machen soll.

Telekinesis ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year

Bitte stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Telekinesis?

Telekinesis ist ein Spin-off des Labors für Intelligente Autonome Systeme (IAS) an der TU Darmstadt, das von Prof. Jan Peters geleitet wird – einer der führenden Forschungsgruppen im Bereich Robotik und KI. Gegründet von Suman Pal und Arjun Vir Datta, haben wir jahrelang an der Spitze der Roboterlern- und Physical-AI-Forschung gearbeitet und dabei aus erster Hand erfahren, wie schwierig es noch immer ist, Roboter zuverlässig in der realen Welt einzusetzen. Wir haben Telekinesis gegründet, um dieses Problem zu lösen. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – den „Android“ für Roboter. Das Betriebssystem verleiht Robotern die Fähigkeit, neue Aufgaben zu verstehen, zu erlernen und sich an sie anzupassen. Unsere Vision ist es, intelligente Roboter in der Fertigung und letztlich auch im Haushalt skalierbar einsetzbar zu machen.

Was hat euch motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen bestimmten Moment oder Auslöser?

Der Auslöser war unsere eigene Erfahrung in der Robotikforschung. Selbst an der Spitze des Roboterlernens stellten wir fest, dass wir enorm viel Zeit mit der Programmierung, Integration und Fehlersuche bei Robotern verbrachten, statt ihnen neue Fähigkeiten beizubringen. Es wurde klar, dass sich die Technologie zwar rasant weiterentwickelte, die Software, die Roboter wirklich intelligent und anpassungsfähig macht, jedoch noch fehlte. Diese Erkenntnis hat uns motiviert, das Labor zu verlassen und Telekinesis aufzubauen: Wir wollten die Durchbrüche beim Roboterlernen in ein Betriebssystem überführen, das intelligente Roboter in der realen Welt praktisch nutzbar und skalierbar macht.

Welche Vision verfolgt ihr mit Telekinesis? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist es, intelligente Roboter ebenso allgegenwärtig zu machen wie Computer und Smartphones. Wir wollen die Robotik von starren Maschinen für einen einzigen Zweck hin zu Robotern entwickeln, die Anweisungen verstehen, neue Fähigkeiten erlernen und sich an veränderte Umgebungen anpassen können. Wir entwickeln das agentische Betriebssystem für Physical AI – die KI-Schicht, die Robotern eine vielseitig einsetzbare Intelligenz verleiht. Langfristig soll jeder Roboter – von der Fabrikhalle bis zum Zuhause – von einem intelligenten Betriebssystem angetrieben werden.

Vom ersten Gedanken bis heute: Was waren eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung strukturiert?

Die größte Herausforderung bestand darin, modernste Robotikforschung in eine Technologie zu überführen, die in der realen Welt zuverlässig funktioniert. Forschungsprototypen können zeigen, was möglich ist; ein Produkt zu entwickeln, das mit unterschiedlichen Robotern, Aufgaben und industriellen Umgebungen funktioniert, ist eine ganz andere Herausforderung. Wir haben zunächst aus eigenen Mitteln finanziert und eng mit Kundinnen und Kunden zusammengearbeitet. Als wir den Schritt von der Forschung zum Produkt vollzogen, holten wir strategische Investoren und führende Venture-Capital-Gesellschaften an Bord, die unsere Vision teilen. So konnten wir unseren technischen Anspruch beibehalten und gleichzeitig die Technologie in realen Einsätzen validieren.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer gehört zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Unsere primäre Zielgruppe sind produzierende Unternehmen, insbesondere KMU und der deutsche Mittelstand, für die sich Automatisierung historisch oft nur schwer rechtfertigen ließ, weil jede neue Anwendung einen erheblichen Programmier-, Integrations- und Engineering-Aufwand erforderte. Diese Unternehmen arbeiten häufig mit einer hohen Variantenvielfalt und kleinen Stückzahlen und fertigen viele unterschiedliche Produkte oder Varianten in relativ kleinen Losgrößen. Klassische Roboter sind äußerst effektiv, wenn sie dieselbe Aufgabe wiederholt ausführen, lassen sich jedoch deutlich schwieriger einsetzen, wenn sich die Produktion häufig ändert. Genau hier sehen wir die größte Chance.

Unser Agentic OS macht Roboter flexibler und einfacher einsetzbar, sodass sie sich an neue Aufgaben anpassen können, anstatt bei jeder Produktionsänderung umfangreich neu programmiert werden zu müssen. Dadurch kann Automatisierung für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll werden, die den Kosten- oder Komplexitätsaufwand für den Einsatz von Robotern bisher nicht rechtfertigen konnten. Parallel arbeiten wir mit Systemintegratoren und Roboterherstellern zusammen, um diese Fähigkeit in eine deutlich größere Zahl von Fabriken zu bringen.

Wie funktioniert Telekinesis konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz gegenüber bestehenden Lösungen?

Im Kern steht unser Agentic Operating System, das KI-gestütztes Schlussfolgern mit einer Bibliothek wiederverwendbarer Roboterfähigkeiten verbindet. Anstatt jede Aufgabe von Grund auf zu programmieren, kann eine Nutzerin oder ein Nutzer beschreiben, was der Roboter tun soll. Das System ermittelt, wie die Aufgabe ausgeführt werden kann, kombiniert die erforderlichen Fähigkeiten und führt sie auf dem Roboter aus. Der entscheidende Vorteil ist die Intelligenz. Die klassische Robotik wird weitgehend Aufgabe für Aufgabe und Roboter für Roboter programmiert. Unser Ansatz ermöglicht es, Intelligenz und Fähigkeiten über verschiedene Aufgaben, Umgebungen und Roboter hinweg wiederzuverwenden – dadurch lassen sich Roboter schneller und kostengünstiger einsetzen.

Ihr seid Finalist für den „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Es ist eine großartige Anerkennung sowohl für unser Team als auch für die Technologie, die wir entwickeln. Da wir aus der Region FrankfurtRheinMain und der TU Darmstadt kommen, ist es besonders bedeutungsvoll, in unserer Heimatregion anerkannt zu werden. Für uns ist es außerdem eine Bestätigung, dass der Wandel von modernster Robotikforschung hin zu einem echten Unternehmen an Dynamik gewinnt. Der nächste Schritt besteht darin, diese Dynamik in weitere Einsätze, mehr Kundinnen und Kunden und letztlich in ein globales Robotik-Softwareunternehmen zu übersetzen.

Wohin geht die Reise? Wo seht ihr euch und Telekinesis in fünf Jahren?

In fünf Jahren soll Telekinesis das De-facto-Betriebssystem für Physical AI sein und Roboter in der Fertigung sowie in anderen realen Anwendungen weltweit antreiben. Unser Ziel ist nicht einfach, ein weiteres Robotik-Softwareunternehmen aufgebaut zu haben. Wir wollen den Softwarestandard etablieren, der es Millionen von Robotern ermöglicht, intelligente und anpassungsfähige Maschinen zu werden.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Früh mit Kundinnen und Kunden sprechen: Verbringt nicht Jahre damit, etwas zu entwickeln, bevor ihr herausgefunden habt, ob Menschen es tatsächlich brauchen.

Scheitern annehmen: Ihr werdet deutlich häufiger scheitern, als ihr erfolgreich sein werdet. Lernt schnell, passt euch an und macht weiter.

Groß denken, aber konsequent umsetzen: Habt eine Vision, die beinahe unmöglich erscheint, und konzentriert euch dann jeden Tag auf den nächsten konkreten Schritt, um sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Bildcredits Telekinesis GmbH

Wir bedanken uns bei Arjun Datta und Suman Pal für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

FlyPix AI: Wie das Startup die KI-Analyse von Satellitenbildern revolutioniert

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FlyPix AI: Künstliche Intelligenz für Erdbeobachtung FlyPIx AI Founder Team Bild

FlyPix AI verbindet Künstliche Intelligenz mit Erdbeobachtung und macht die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern auch ohne tiefes technisches Know-how zugänglich

FlyPix AI ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year!

Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter FlyPix AI?

Hinter FlyPix AI stehen wir beide – Ivan und Sergey. Uns verbindet ein technischer Hintergrund in Machine Learning und Data Science. Sergey hat seinen Master an der TU Darmstadt abgeschlossen und im Bereich Machine Learning promoviert. Ivan promovierte in Informatik an der Universität Trento in Italien. Gemeinsam entstand die Idee zu FlyPix AI: die Analyse von Satelliten-, Luft- und Drohnenbildern aus der Expertenwelt herauszuholen und als Produkt für Unternehmen zugänglich zu machen. Unser Ziel ist es, dass auch Anwenderinnen und Anwender ohne tiefes technisches Know-how Geodaten einfach nutzen und daraus fundierte Entscheidungen treffen können.

Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?

Vor der Gründung von FlyPix AI haben wir Unternehmen als Berater im Bereich Machine Learning und Data Science unterstützt. Gleichzeitig war für uns immer klar, dass wir langfristig ein eigenes Produkt aufbauen wollten. Als Gründer ist es etwas Besonderes, eine Lösung zu entwickeln, die kontinuierlich wächst, sich weiterentwickelt und hinter der das gesamte Team steht. Genau das hat uns angetrieben.

Den einen Schlüsselmoment gab es allerdings nicht. Vielmehr haben wir immer wieder dieselben Anforderungen von unseren Kunden gehört und für unterschiedliche Projekte ähnliche Bildanalyse-Pipelines entwickelt. Irgendwann wurde klar: Statt dieselbe Lösung immer wieder neu zu bauen, sollten wir sie einmal richtig entwickeln – als skalierbares Produkt. So ist FlyPix AI entstanden.

Welche Vision verfolgt ihr mit FlyPix AI? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?

Unsere Vision ist einfach: Wir wollen den Zugang zu Wissen über unseren Planeten demokratisieren. An Daten mangelt es heute nicht mehr – Satelliten-, Luft- und Drohnenbilder stehen in riesigen Mengen zur Verfügung. Die eigentliche Herausforderung ist, diese Daten zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Genau hier setzt FlyPix AI an.

Wir machen Erdbeobachtungsdaten für alle nutzbar – nicht nur für Spezialisten. Wenn jede Organisation diese Informationen einfach auswerten und für bessere Entscheidungen einsetzen kann, eröffnet das völlig neue Möglichkeiten: vom Umwelt- und Naturschutz über Klimaanpassung bis hin zu einer effizienteren Infrastruktur. Langfristig wollen wir damit nicht nur Unternehmen helfen, sondern einen Beitrag leisten, unseren Planeten besser zu verstehen und nachhaltiger mit ihm umzugehen.

Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?

Die größte Herausforderung war – und ist bis heute – nicht die Technologie. Eine gute technische Lösung zu entwickeln, ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein Produkt zu bauen, das Menschen gerne nutzen und auf das sie sich im Alltag verlassen können.

Der Weg von einer funktionierenden Lösung zu einem Produkt, das von Hunderten oder Tausenden Nutzerinnen und Nutzern regelmäßig eingesetzt wird, ist wahrscheinlich die größte Aufgabe jedes Technologie-Start-ups. Genau darauf konzentrieren wir uns jeden Tag.

Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?

Wir entwickeln FlyPix AI ganz bewusst für Menschen ohne technischen Hintergrund. Das ist eine Herausforderung – aber gleichzeitig auch der spannendste Teil unserer Arbeit. Denn unser Ziel ist es, dass niemand Data Scientist oder KI-Experte sein muss, um wertvolle Erkenntnisse aus Satelliten-, Luft- oder Drohnenbildern zu gewinnen.

Genau diese Anwender stehen für uns im Mittelpunkt: Fachleute mit tiefem Domänenwissen, die konkrete Probleme lösen wollen. Sie sollen die Möglichkeiten moderner Erdbeobachtung nutzen können, ohne dafür ein eigenes Data-Science-Team aufbauen oder komplexe KI-Modelle verstehen zu müssen.

Wie funktioniert FlyPix AI ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?

FlyPix AI macht hochkomplexe KI- und Fernerkundungstechnologie über eine intuitive Benutzeroberfläche zugänglich. Im Hintergrund arbeiten leistungsstarke Vision-Modelle – für die Nutzer fühlt es sich jedoch so einfach an, wie Objekte auf einer Karte zu markieren. Nach wenigen Beispielen lernt die Plattform selbstständig, wonach gesucht wird, und erstellt automatisch ein passendes KI-Modell.

Man kann es mit einem Kind vergleichen, das den Buchstaben „A“ lernt: Anfangs braucht es einige Beispiele, doch schon bald erkennt es den Buchstaben in unterschiedlichsten Formen und kann ihn selbst schreiben. Genauso lernt FlyPix AI, Objekte unter verschiedensten Bedingungen zu erkennen und sie anschließend weltweit automatisch zu identifizieren.

Genau darin liegt auch unser entscheidender Unterschied zu klassischen Lösungen. Was bisher spezialisierte GIS-Experten, Data Scientists und aufwendige Analyseprozesse erforderte, erledigt FlyPix AI in wenigen Klicks. So wird Erdbeobachtung erstmals für Fachanwender ohne KI- oder GIS-Kenntnisse zugänglich.

Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?

Für uns bedeutet diese Auszeichnung vor allem zweierlei. Zum einen ist sie eine große Anerkennung für die Arbeit, die unser Team in den vergangenen Jahren geleistet hat. Das macht uns stolz.

Zum anderen bringt sie Verantwortung mit sich. Jedes erfolgreiche Start-up war irgendwann am Anfang. Deshalb sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die nächste Generation von Gründerinnen und Gründern zu inspirieren und zu unterstützen. Vielleicht sind einige von ihnen heute noch klein – morgen können sie größer sein.

Wir möchten zeigen, was möglich ist, wenn man mutig denkt, kalkulierte Risiken eingeht und konsequent an einer Vision arbeitet. Wenn wir damit andere ermutigen können, selbst den Schritt ins Unternehmertum zu wagen, dann ist das für uns mindestens genauso wertvoll wie die Auszeichnung selbst.

Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und FlyPix AI in fünf Jahren?

Es ist heute schwieriger denn je, fünf Jahre in die Zukunft zu blicken. Vor fünf Jahren hätte kaum jemand vorhergesagt, wie rasant sich Künstliche Intelligenz entwickeln würde – bis hin zu Systemen, die heute komplexe Schlussfolgerungen ziehen können. Diese Dynamik zeigt, wie schnell sich unsere Branche verändert.

Eines ist für uns aber klar: In fünf Jahren wollen wir FlyPix AI als einen der weltweit führenden Anbieter an der Schnittstelle von Space Tech und Künstlicher Intelligenz etabliert haben. Nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern global. Unser Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die unseren Planeten besser verständlich machen und Menschen überall auf der Welt dabei unterstützen, fundiertere Entscheidungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu treffen.

Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: resilient bleiben. Rückschläge gehören dazu – entscheidend ist, dass man immer wieder aufsteht und weitermacht. Zweitens: den Blick bewusst auf das Positive richten. Auch in schwierigen Phasen gibt es Fortschritte und Chancen; man muss sie erkennen und ihnen Raum geben.

Und drittens: die Menschen im eigenen Umfeld stärken. Wer seinem Team vertraut, Verantwortung überträgt und Mut macht, baut mehr als nur ein Unternehmen. Am Ende sind es genau diese Menschen, die die Vision mittragen und gemeinsam mit dir Wirklichkeit werden lassen.

Bildcredits FlyPix AI

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Föcker Safety Lights: Mehr Sichtbarkeit für Kinderfahrräder gegen tote Winkel

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Föcker Safety Lights: beleuchtete Wimpelfahne für Kinder Dirk Föcker Portrait Bild

Föcker Safety Lights möchte mit der beleuchteten Wimpelfahne dafür sorgen, dass Kinder auf Fahrrädern und Laufrädern im Straßenverkehr besser gesehen werden.

Können Sie Föcker Safety Lights kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für die beleuchtete Wimpelfahne entstanden ist?

Beinahe-Unfall am Zebrastreifen: Ein Weckruf für mich für mehr Sichtbarkeit. Es war eine Sekunde, die alles hätte verändern können. Am Zebrastreifen übersah der Fahrer eines großen SUVs ein Kind, das die Straße überqueren wollte. Zum Glück reagierte ich im letzten Moment geistesgegenwärtig – ein schwerer Unfall konnte gerade noch verhindert werden. Dieser Vorfall zeigt ein riesiges Problem im Straßenverkehr: Die zunehmende Größe und Höhe moderner Fahrzeuge. Aus der erhöhten Sitzposition eines SUVs sind kleine Fahrräder, insbesondere Kinder, im direkten Nahbereich oder hinter der Motorhaube oft extrem schwer zu sehen. Die toten Winkel vor dem Fahrzeug vergrößern sich massiv. Eine einfache Lösung hätte diese gefährliche Situation komplett vermieden und zwar: meine beleuchtete Wimpelfahne! Meine aktiv leuchtende Wimpelfahne retten Leben. Sie machen aus unsichtbaren Kindern unübersehbare Verkehrsteilnehmer.

Welche persönliche Motivation steckt hinter Ihrem Fokus auf die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr?

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 86.687 Schulwegunfälle gemeldet. Statistisch gesehen verunglückte alle 19 Minuten ein Kind (unter 15 Jahren) im Straßenverkehr, wobei insgesamt rund 27.260 Kinder verletzt oder getötet wurden. Besonders hoch ist das Risiko für 1- bis 12-Jährige zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Hauptursachen sind Kollisionen mit PKW, weil die Kinder auf Ihren Fahrrädern einfach übersehen werden. Klassische Wimpelfahnen reflektieren lediglich Licht.

Warum haben Sie sich bewusst für eine aktiv leuchtende Lösung entschieden? Welche Vision verfolgen Sie mit Föcker Safety Lights, und was möchten Sie im Bereich der Kindersicherheit verändern?

Herkömmlich Wimpelfahnen leuchten nicht selber und müssen angestrahlt werden um gesehen zu werden. Meine beleuchtete Wimpelfahne leuchtet selber und ist schon von weitem zu erkennen ohne angestrahlt zu werden. ich möchte das so viele beleuchtete Wimpelfahnen von Föcker Safety Lights an Kinderfahrrädern zu sehen sind.

Ihre Wimpelfahne ist für Kinderfahrräder und Laufräder konzipiert. Welche Anforderungen waren bei der Entwicklung besonders wichtig?

Kindersicher, einfache Bedienung, keine spitz verbauten Teile.

Eltern, Großeltern und sicherheitsbewusste Familien bilden Ihre zentrale Zielgruppe. Was erwarten diese aus Ihrer Sicht von einem solchen Sicherheitsprodukt?

Das ihre Kinder und Enkelkinder sicher zur Schule zum Sport oder zu ihren Freizeitaktivitäten kommen. Kinder sollen ja im Straßenverkehr teilnehmen aber wenn dann doch so sicher wie möglich.

Das Produkt ist serienreif und durch ein Gebrauchsmuster geschützt. Welche Schritte waren auf dem Weg von der Idee zum marktreifen Produkt besonders herausfordernd?

Nach unzähligen Prototypen hatte ich endlich genau das Produkt was ich haben wollte, meine beleuchtete Wimpelfahne.

Was unterscheidet Föcker Safety Lights neben der aktiven Beleuchtung von anderen Lösungen für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr?

Neben dem hohen Sicherheitsfaktor ist eine beleuchtete Wimpelfahne für Kinder extrem cooooool 🙂

Bei einem Sicherheitsprodukt für Kinder spielt Vertrauen eine große Rolle. Wie möchten Sie Eltern von Ihrer Lösung überzeugen?

Das meine beleuchtete Wimpelfahne die Sicherheit für Kinder auf dem Fahrrad extrem erhöht ist selbsterklärend.

Welche Herausforderungen sehen Sie beim Aufbau einer neuen Marke in einem Markt mit vielen etablierten Fahrradprodukten?

Meine beleuchtete Wimpelfahne ist einzigartigund deswegen für Eltern und Großelter aber zuerst für Kinder sehr interessant. Mein Produkt braucht Werbung weil es eine beleuchtete Wimpelfahne vorher noch nicht gab und deswegen keiner genau danach sucht.

Welche nächsten Schritte planen Sie für Föcker Safety Lights, und sind langfristig weitere Sicherheitsprodukte denkbar?

Ja unbedingt, ich möchte noch mehr Sicherheitsaspekte für Kinder auf dem Weg zur Schule usw entwikeln und auf dem Markt bringen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer eigenen Produktidee ein marktreifes Unternehmen aufbauen möchten?

Man muß an seinem Produkt glauben, keine Zweifel an sich heranlassen und durchhalten, durchhalten, durchhalten.

Bildcredits Privat

Wir bedanken uns bei  Dirk Föcker für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Föcker Safety Lights

Kontakt:

Föcker Safety Lights
Pfarrer-Trocker-Pättken 22
46348 Raesfeld
Deutschland

www.föckersafetylights.de
foeckersafeftylights@gmx.de
015787322734

Social Media:
TikTok

Nanolope: 800.000 Euro Pre-Seed für thermische Energiespeicher

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Nanolope: Speicherpaneele für den Gebäudebestand Foto Gründerteam

Nanolope erhält Pre-Seed-Finanzierung für thermische Energiespeicher in Bestandsgebäuden

  • Berliner DeepTech-Startup sammelt 800.000 Euro Pre-Seed-Kapital ein
  • IBB Ventures, Business Angels und Branchenexpert:innen investieren
  • Passive Wärme-/Kältespeicher für energieeffiziente Sanierungen im Bestand

Das Berliner DeepTech-Startup Nanolope hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 800.000 Euro abgeschlossen. An der Finanzierungsrunde beteiligten sich IBB Ventures mit ihrem Pre Seed Fund B# („be sharp“) sowie mehrere erfahrene Business Angels und Industrieexpert:innen aus den Bereichen Energie, Immobilien und Materialtechnologie. Mit dem Kapital wird Nanolope die Produktion seiner thermischen Energiespeicher skalieren, erste Pilotprojekte umsetzen und das Team ausbauen.

Key Takeaways

  • Das Berliner DeepTech-Startup Nanolope hat 800.000 Euro Pre-Seed-Finanzierung erhalten.
  • IBB Ventures und erfahrene Business Angels investieren in die thermischen Energiespeicher für Bestandsgebäude.
  • Die Speicherpaneele steigern die Energieeffizienz und senken Heizkosten um bis zu 50 Prozent.
  • Nanolope entwickelt Materialien nach den Prinzipien der Grünen Chemie, wodurch die Produkte zu 90 Prozent recycelbar sind.
  • Die Installation der Paneele erfolgt in unter 24 Stunden, was eine einfache Nachrüstung ermöglicht.

Thermische Energiespeicher für den Gebäudebestand

Nanolope entwickelt innovative und nachhaltige Materialien zur thermischen Energiespeicherung im Gebäudebestand. Die Vision: Eine Welt, in der saubere Energie für jeden bezahlbar und jederzeit abrufbar ist. Hierfür produziert Nanolope Speicherpaneele, die Wände, Decken und Fußböden in passive Wärmespeicher verwandeln.

Das Ergebnis: Ein konstantes Raumklima mit geringerem Heiz- und Kühlbedarf sowie reduzierten CO2-Emissionen und Lastspitzen. In ersten Anwendungen senken die Paneele die Heiz- und Kühlkosten um bis zu 50 Prozent und speichern dabei bis zu 24-mal mehr Wärme als herkömmliche Bauplatten.

Um Ressourcen zu schonen, entwickelt das Startup seine Materialien zudem nach den 12 Prinzipien der Grünen Chemie. Die thermischen Speicher werden deshalb ohne seltene Erden gefertigt und sind zu 90 Prozent recycelbar.

Energieeffizienz im Gebäudebestand als Herausforderung

Nanolope adressiert mit dem Gebäudesektor einen der größten Energieverbraucher in Europa. Allein in Deutschland gelten rund 75 Prozent der Bestandsimmobilien als energieineffizient, weil sie mit fossilen Energieträgern beheizt und schlecht gedämmt sind.

Besonders in Bestands- und Gewerbeimmobilien führen veraltete Heizsysteme, schlechte thermische Eigenschaften und steigende Anforderungen an Energieeffizienz zu hohen Kosten und Emissionen. Gleichzeitig sind umfassende Sanierungen häufig teuer, langwierig und für viele Eigentümer wirtschaftlich schwer umsetzbar.

„Die Wärmewende entscheidet sich im Gebäudebestand“, sagt Dr. Felix Marske, CEO und Co-Founder von Nanolope. „Viele Immobilien benötigen Lösungen, die sich schnell, wirtschaftlich und ohne große Eingriffe nachrüsten lassen. Genau dafür entwickeln wir unsere thermischen Speicherpaneele.“

Speicherpaneele lassen sich in unter 24 Stunden installieren

Die Lösungen von Nanolope richten sich insbesondere an Wohnungsunternehmen sowie Betreiber von Gewerbeimmobilien wie Hotels, Büros oder Cafés. Ziel ist es, bestehende Gebäude energieeffizienter zu machen und den thermischen Komfort für Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern. Das sorgt für ein ganzjähriges, konstantes Raumklima.

Ein weiterer Vorteil der Speicherpaneele ist, dass sie in unter 24 Stunden installiert werden können, sodass eine Nachrüstung ohne umfassende Gebäudesanierung möglich ist. Als Retrofit-Lösung und durch den Einsatz recycelbarer, langlebiger Materialien sind die Speicherpaneele zudem wartungsarm.

IBB Ventures investiert in Nanolope

Sabine Wolff, Principal bei IBB Ventures, über Nanolope: „Das Team hat uns mit seiner Kompetenz, Erfahrung und Ambitionen überzeugt, in Zeiten des Klimawandels mit ihren patentierten Energiespeichermaterialien neue Akzente in der Baubranche zu setzen.“

Bildcredits Nanolope GmbH

Quelle Nanolope GmbH

Cleverklagen: Wie eine digitale Plattform das Arbeitsrecht zugänglicher macht

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Cleverklagen: Prozesskostenhilfe im Arbeitsrecht digital Fabian Beulke_Cleverklagen Bildcredits Patrick Desbrosses

Cleverklagen verbindet Arbeitsrecht mit digitalen Prozessen und möchte mit der Prozesskostenhilfe den Zugang zu rechtlicher Unterstützung einfacher und bezahlbarer machen.

Können Sie Cleverklagen kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der digitalen Plattform für Arbeitsrecht steht?

Cleverklagen hilft Arbeitnehmer:innen dabei, ihre Rechte einfach und ohne finanzielles Risiko durchzusetzen. Wer beispielsweise ungerechtfertigt gekündigt wurde, bekommt bei uns Zugang zu erfahrenen Anwält:innen, die den Fall individuell betreuen und bei Bedarf auch vor Gericht ziehen. Gleichzeitig übernehmen wir im Hintergrund die bürokratischen Prozesse, sodass sich unsere Anwält:innen auf die juristische Arbeit und die persönliche Betreuung konzentrieren können. Unsere Idee dahinter ist letztlich sehr simpel: Recht sollte nicht davon abhängen, wie viel Geld oder Ressourcen jemand hat. Wir wollen dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht ein Stück weit auszugleichen und Menschen eine professionelle rechtliche Unterstützung ermöglichen. Und: Das Ganze läuft digital ab. So können wir Menschen in ganz Deutschland helfen. Unsere Kund:innen müssen für die Verteidigung ihrer Rechte nicht mal vom Sofa aufstehen!

Wer steht hinter Cleverklagen, und wie verbinden Sie juristische Expertise mit Technologie und Unternehmensaufbau?

Cleverklagen wurde 2020 von Lucas Rößler und mir gegründet. Wir sind beide Rechtsanwälte und haben zuvor selbst in großen internationalen Kanzleien gearbeitet. Dadurch kennen wir die Herausforderungen der Rechtsbranche sehr genau. Diese juristische Erfahrung verbinden wir mit Technologie und unternehmerischem Denken, um Prozesse neu zu denken und eine moderne Form der Rechtsberatung aufzubauen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Cleverklagen, wenn es um einen einfacheren Zugang zum Recht geht?

Unsere Vision ist, dass Menschen ihre Rechte wahrnehmen können, unabhängig davon, wie viel Geld sie verdienen oder wie kompliziert ein juristischer Prozess auf den ersten Blick erscheint. Das Deutsche Recht ist eigentlich super aufgestellt, gerade für Arbeitnehmer:innen, bloß profitieren bisher nicht alle davon. Viele Menschen schrecken vor rechtlichen Auseinandersetzungen zurück, weil sie Kosten, Bürokratie oder komplizierte Abläufe fürchten. Wir wollen diese Hürden abbauen und dafür sorgen, dass juristische Unterstützung verständlich und unkompliziert zugänglich ist.

Viele Arbeitnehmer verzichten auf berechtigte Ansprüche. Welche Hürden begegnen Ihnen dabei in der Praxis besonders häufig?

In der Praxis erleben wir vor allem drei große Hürden: fehlendes Wissen über die eigenen Rechte, die Angst vor den Kosten und komplizierte bürokratische Abläufe. Gerade nach einer Kündigung wissen viele Betroffene beispielsweise nicht, welche Fristen gelten oder welche Möglichkeiten sie überhaupt haben. Unser Ansatz ist deshalb, möglichst früh Orientierung zu geben und den gesamten Prozess so unkompliziert wie möglich zu gestalten.

Mit Ihrem neuen Tool digitalisieren Sie den Antrag auf Prozesskostenhilfe. Wie ist die Idee dafür entstanden?

Die Idee ist direkt aus unserer täglichen Arbeit entstanden. Wir sehen immer wieder, dass Menschen ihre Rechte nicht durchsetzen, weil sie sich ein Gerichtsverfahren finanziell nicht zutrauen. Zwar gibt es mit der Prozesskostenhilfe bereits ein wichtiges Instrument, um Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zum Recht zu ermöglichen, aber der Antrag ist extrem mühsam. Man kann ihn sich wie eine „kleine Steuererklärung“ vorstellen, es müssen haufenweise Belege eingereicht werden. Deshalb wollten wir genau an diesem Punkt ansetzen und den Prozess digitaler, verständlicher und einfacher machen, damit möglichst viele Menschen die staatliche Unterstützung tatsächlich in Anspruch nehmen können.

Juristische Formulare und Fachbegriffe können schnell überfordern. Wie gelingt es Ihnen, komplexe rechtliche Prozesse verständlich abzubilden?

Es geht auch hier um Zugang: Wer den juristische Sprech nicht beherrscht, wird teilweise davon abgehalten, sein Recht überhaupt einzufordern. Wir versuchen, juristische Komplexität nicht einfach an die Nutzer:innen weiterzugeben, sondern sie im Hintergrund abzubilden. Das bedeutet: Statt mit Fachbegriffen und langen Formularen zu arbeiten, übersetzen wir komplexe Prozesse in einzelne, verständliche Schritte. Bei unserem Prozesskostenhilfe-Tool erklären wir beispielsweise direkt, welche Angaben benötigt werden, warum sie relevant sind und welche Nachweise erforderlich sind. So können auch Menschen ohne juristisches Vorwissen nachvollziehen, was von ihnen verlangt wird und warum.

Welche Rolle spielen Automatisierung und künstliche Intelligenz bei Cleverklagen, und wo bleibt persönliche Betreuung unverzichtbar?

Eine juristische Entscheidung treffen wir niemals automatisiert, dafür bleibt die Verantwortung bei unseren erfahrenen Anwält:innen. Gerade im Arbeitsrecht spielen außerdem persönliche Beratung, Verhandlungsgeschick, Erfahrung und das richtige Timing eine entscheidende Rolle.

KI und Automatisierung unterstützen uns bei wiederkehrenden und administrativen Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise die Strukturierung von Daten, Fristen- und Aufgabenmanagement oder intelligente Prüfmechanismen zur Qualitätssicherung. Wichtig zu erwähnen: Wir haben eigene Server in-house. Die Daten unserer Nutzer:innen verlassen also unser Unternehmen nicht.

Technologie ist für uns kein Selbstzweck. Sie soll dort eingesetzt werden, wo sie Abläufe einfacher und effizienter machen kann. Im Unterschied zu einer klassischen Kanzlei denken wir deshalb nicht nur vom einzelnen Mandat, sondern versuchen, den gesamten Ablauf dahinter möglichst effizient und digital zu organisieren. Das bedeutet für unsere Mandant:innen auch: Sie müssen nicht für jeden Schritt persönlich in eine Kanzlei kommen, sondern können viele Dinge digital und unkompliziert von zu Hause aus erledigen. Gleichzeitig übernehmen wir das Kostenrisiko für die rechtliche Durchsetzung, sodass finanzielle Hürden nicht darüber entscheiden, ob jemand sein Recht wahrnimmt.

Gleichzeitig bleiben unsere Anwält:innen der zentrale Ansprechpartner für die Mandant:innen. Der entscheidende Punkt dabei: Durch den Einsatz von Technik schaffen wir uns Spielräume, die wir sonst nicht hätten – mehr Zeit für die schwierigen Fälle. Für diejenigen, die besonders viel Unterstützung brauchen. Für den menschlichen Aspekt. Genau der ist uns besonders wichtig – und das unterscheidet uns auch von anderen Legal-Tech-Anbietern, denke ich.

Das Prozesskostenhilfe Tool steht zunächst Bestandskunden zur Verfügung. Welche Erkenntnisse möchten Sie in dieser ersten Phase gewinnen?

Zunächst möchten wir vor allem verstehen, wie Nutzer:innen mit dem digitalen Antrag zurechtkommen und an welchen Stellen noch Fragen oder Hürden entstehen. Das Feedback unserer Mandant:innen ist dafür besonders wertvoll. Perspektivisch möchten wir das Tool auch für Menschen zugänglich machen, die bislang keine Cleverklagen-Kund:innen sind.

Welche besonderen Herausforderungen entstehen bei der Digitalisierung von Prozessen, bei denen rechtliche Genauigkeit entscheidend ist?

Bei Cleverklagen lassen wir keine rechtlichen Entscheidungen automatisiert treffen, die juristische Bewertung und Verantwortung bleiben immer bei unseren Anwält:innen. Deshalb stellt sich für uns weniger die Frage, wie man rechtliche Entscheidungen automatisieren kann, sondern vielmehr, an welchen Stellen Technologie sinnvoll unterstützen kann. Im Rechtsbereich darf Digitalisierung niemals auf Kosten der Genauigkeit gehen. Automatisiert werden bei uns beispielsweise organisatorische Prozesse wie Erinnerungen an Fristen. Das ist nicht nur zuverlässig, sondern kann im Vergleich zu manuellen Prozessen sogar zusätzliche Sicherheit schaffen. Deshalb müssen automatisierte Prozesse sehr sorgfältig entwickelt, geprüft und überwacht werden. Wir setzen Technologie dort ein, wo sie zuverlässig unterstützen kann, behalten die juristische Verantwortung aber bewusst bei unseren Anwält:innen. Gerade bei komplexen oder individuellen Rechtsfragen ist menschliche Expertise unverzichtbar.

Wie möchten Sie Cleverklagen und das Prozesskostenhilfe Tool in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir wollen unser bisheriges Wachstum fortsetzen und gleichzeitig unser Angebot ausweiten. Wir wollen dort helfen, wo Menschen mit echten und teilweise existenziellen rechtlichen Problemen konfrontiert sind. Das Prozesskostenhilfe-Tool ist nur eines von vielen geplanten Tools, die User:innen das Leben leichter machen sollen. Neben dem Arbeitsrecht wollen wir langfristig auch weitere Rechtsgebiete anbieten. Unser übergeordnetes Ziel bleibt dabei immer dasselbe: Recht für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die komplexe und stark regulierte Prozesse digital vereinfachen möchten?

Achtet darauf, nur dort zu digitalisieren, wo es wirklich Sinn macht. Digitalisierung nicht als Selbstzweck. Fragt euch immer: Lösen wir an dieser Stelle wirklich ein Problem?

Plant von Anfang an die Konzepte zur Datensicherheit als integralen Bestandteil mit ein. Das ist kein second thought.

Bewahrt den menschlichen Aspekt. Ich kenne niemanden, der es mag, mit einem KI-Chatbot am Telefon zu hängen.

Bildcredits Patrick Desbrosses

Wir bedanken uns bei Fabian Beulke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Alithea Bio: Wie KI-basierte Immunopeptidomik die Krebsforschung sicherer macht

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Alithea Bio: HLA-Compass für sichere Immuntherapien Prof. Dr. Tim Fugmann und Fanny Giannou Bildcredits Alithea Biotechnology GmbH

Alithea Bio entwickelt mit HLA-Compass eine KI-gestützte Plattform, die die Entwicklung von Immuntherapien sicherer und gezielter machen soll.

Können Sie Alithea Bio kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Alithea Bio ist ein BioTech-Start-up aus Freiburg, gegründet 2019. Wir entwickeln mit HLA-Compass eine KI-gestützte Plattform, die Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und proprietäre HLA-Peptid-Daten kombiniert, um die Entwicklung von Immuntherapien, Krebsimpfstoffen und personalisierter Medizin sicherer und gezielter zu machen.

Die Gründungsidee war weniger ein einzelner Geistesblitz als eine Beobachtung meinerseits. Mein Mitgründer Prof. Dr. Tim Fugmann ist der brillante Wissenschaftler hinter Alithea Bio. Ich selbst komme aus dem internationalen Business Development und habe nie ein Labor geleitet. Genau diese Kombination macht uns erfolgreich: Viele exzellente Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, weil reine Forschungsteams selten wissen, wie man daraus ein finanzierbares Unternehmen macht. Als ich 2022 die Geschäftsführung übernommen habe, war mein Auftrag genau das: aus wissenschaftlicher Substanz einen skalierbaren Marktauftritt zu machen. Ich schlage die Brücke zwischen Forschung und einem Markt, der bereit ist, dafür zu zahlen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Alithea Bio, und wie möchten Sie die Entwicklung von Krebsimmuntherapien langfristig verändern?

Unsere Vision ist eine Welt, in der Krebs heilbar ist. Das klingt groß, aber dahinter steckt ein sehr konkretes Problem: Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, knapp 230.000 sterben jedes Jahr daran. Viele vielversprechende Therapien scheitern dabei nicht an der Wissenschaft, sondern daran, dass niemand vorher weiß, ob sie neben dem Tumor auch gesundes Gewebe angreifen. Schätzungen zufolge sterben allein in Deutschland jährlich zwischen 16.000 und 58.000 Menschen an Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten, ein Risiko, das bei Krebstherapien besonders schwer wiegt.

Mit Alithea Bio wollen wir genau diese Lücke schließen: Statt zu schätzen, messen wir. Wir machen mit unserem HLA-Compass sichtbar, welche Zielstrukturen eine Therapie wirklich treffen wird, und zwar bevor die erste klinische Studie beginnt. Langfristig soll das die Entwicklung von Immuntherapien verändern, weg von Versuch und Irrtum am Patienten, hin zu Entscheidungen, die auf echten Daten beruhen. Unser Ziel ist, dass der HLA-Compass in den nächsten Jahren zur Referenz für Immunonkologie wird, für Forschung, Kliniken, Pharma und Biotech gleichermaßen.

An welche Zielgruppen richtet sich Alithea Bio hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie mit Ihren Technologien?

Wir arbeiten vor allem mit Pharma- und Biotechunternehmen, die neue Immuntherapien, TCR-basierte Wirkstoffe, TCR-Mimetika oder Krebsimpfstoffe entwickeln, ergänzt um akademische und klinische Partner wie CHOP – Children’s Hospital Philadelphia. Die Herausforderung, die diese Partner alle teilen, ist dieselbe: Sie müssen früh und verlässlich wissen, ob ein Zielpeptid wirklich tumorspezifisch ist oder ob es auch auf gesundem Gewebe vorkommt und damit ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Genau hier setzen wir an. Mit über 200 abgeschlossenen Kundenprojekten und Partnern wie DeckBio in den USA oder DAAN in Südkorea zeigen wir, dass sich diese Frage vor der ersten klinischen Studie beantworten lässt, mit hochsensibler Massenspektrometrie und einer der größten Referenzdatenbanken ihrer Art. Für unsere Partner bedeutet das: weniger Kapital, das in Kandidaten fließt, die später an Toxizität scheitern, und mehr Sicherheit bei der Frage, welche Therapien es tatsächlich bis zur Zulassung schaffen.

Alithea Bio verbindet Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und Künstliche Intelligenz. Was macht diese Kombination aus Ihrer Sicht besonders?

Daten sammeln scheint inzwischen für fast jedes Biotech-Start-up machbar. Was Immunopeptidomik besonders macht, ist der Schwierigkeitsgrad der Datengenerierung. Wir messen winzige, sehr rare Peptide auf der Oberfläche der Tumorzellen. Um qualitative und sensitive Daten zu generieren, muss die komplette Orchestrierung klappen. So können wir im Labor bei der Vorbereitung der Proben für die ultra-sensitive Messung bereits im Prozess viele Peptide verlieren. Zudem muss die Methode der Massenspektronomie dem zu untersuchenden Gewebe entsprechend und je nach Fragestellung angepasst werden.

Das funktionierende Zusammenspiel dahinter ist das Ergebnis von jahrelanger Forschung und Optimierung der Prozesse. So sind wir in der Lage bis zu 80 Prozent mehr Daten als unsere Wettbewerber zu generieren. Die eigentliche Kunst liegt letztlich darin, aus dieser Datensammlung etwas zu machen, das ein Pharmaunternehmen tatsächlich für seine Entscheidungen nutzt. Dafür haben wir unsere eigene Bioinformatik und KI-Modelle entwickelt, um aus rohen Labordaten Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Entwicklung der nächsten Generation von Therapeutika Gold wert sind. Viele Datenbanken bleiben gut gemeinte Archive, aus denen niemand eine konkrete Antwort ableiten kann. Unsere Kombination aus Immunopeptidomik, Massenspektrometrie und KI ist deshalb kein akademisches, sondern ein Entscheidungswerkzeug.

Konkret heißt das: Über hochsensible Massenspektrometrie messen wir, welche Peptide tatsächlich auf Tumor- und auf gesundem Gewebe präsentiert werden, aktuell mehr als 23 Millionen immunopeptidomische Datenpunkte. KI-Modelle helfen uns, in dieser Menge Muster zu erkennen, etwa wenn wir wie kürzlich beim sogenannten Dark Genome zeigen konnten, dass bestimmte viral anmutende Peptide eben nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesundem Gewebe erscheinen. Diese Kombination aus echten Messdaten und KI ist es, die aus einer wissenschaftlichen Methode ein belastbares Sicherheits- und Entscheidungsinstrument macht.

Mit HLA-Compass haben Sie eine Plattform für die Entwicklung neuer Immuntherapien geschaffen. Welche Vorteile bietet sie Pharma- und Biotechnologieunternehmen?

HLA-Compass hat sich vom reinen Datenarchiv zu einem echten Entscheidungswerkzeug entwickelt. Unsere Kunden, internationale Biopharma-Unternehmen, nutzen die Plattform explizit, um eigene TCR-Wirkstoffkandidaten zu de-risiken, bevor Kapital in eine klinische Studie fließt und diese Studie aufgrund von Toxizität scheitert. Mit mehr als 1,4 Millionen gemessenen, einzigartigen Peptiden und über 17 Millionen Identifikationen aus mehr als 4.580 Proben – täglich steigend – aus gesundem Gewebe, Krebszelllinien und Tumoren, bieten wir eine der größten Referenzdatenbanken ihrer Art.

Die Vorteile für unsere Partner liegen vor allem in Zeitersparnis und Sicherheit. Die Chance, dass Medikamente die klinischen Studien erfolgreich durchlaufen, erhöht sich um mehr als 38 Prozent. Unsere Kunden erkennen früher, ob ein Zielpeptid wirklich tumorspezifisch ist oder auch auf gesundem Gewebe vorkommt, und können damit potenziell riskante Kandidaten aussortieren, bevor sie teure klinische Studien umsetzen. Das spart nicht nur Geld, es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Therapie am Ende tatsächlich Patientinnen und Patienten erreicht. Heute haben wir zu wenige zugelassene Immuntherapien und die Patienten nehmen, was wir anzubieten haben. Morgen haben wir viel mehr zugelassene Therapien und die Patienten haben viel größere Chancen auf Heilung.

Die Entwicklung neuer Krebsmedikamente ist mit hohen Risiken verbunden. Wie unterstützt Alithea Bio dabei, geeignete Zielstrukturen früher zu identifizieren und potenzielle Nebenwirkungen besser vorherzusagen?

Wir haben ein Verfahren entwickelt, das schon vor der ersten klinischen Studie zeigt, ob eine neue Zell- oder Immuntherapie gesunde Zellen angreifen könnte. Das gelingt durch die Kombination aus hochsensibler Massenspektrometrie und unserer großen Referenzdatenbank aus Tumor- und gesundem Gewebe.

Ein gutes Beispiel dafür ist unsere jüngste Arbeit zum sogenannten Dark Genome: Ancient Viren, die sogenannten HERVs, machen fast 8 Prozent unseres Genoms aus und galten lange als verlässlicher Hinweis auf Tumorpräsenz. Als wir mit HLA-Compass Tausende gesunde und Tumorproben über Nacht gescreent haben, haben wir mehr als 34.000 einzigartige HERV-abgeleitete Peptide identifiziert, und festgestellt, dass viele dieser Signale eben nicht ausschließlich auf Tumorgewebe vorkommen. Genau solche Erkenntnisse verhindern, dass ein vielversprechender Wirkstoffkandidat erst in der klinischen Studie an Toxizität scheitert, statt schon am Schreibtisch aussortiert zu werden.

Welche Rolle spielen große biologische Datensätze und Künstliche Intelligenz bei der Weiterentwicklung personalisierter Krebsimmuntherapien?

Sie sind die Grundlage dafür, dass personalisierte Medizin überhaupt möglich wird. Über Jahre haben wir bei Alithea Bio eine eigene Infrastruktur aufgebaut: aktuell mehr als 1,4 Millionen gemessene Peptide aus über 4.5800 Proben, kombiniert mit KI-Modellen zur Sicherheitsvorhersage und Immunogenität. Unsere Mission ist es, die diverseste Datenbank zu haben, um alle Geschlechter, alle ethnischen Hintergründe und Krebsarten abdecken zu können, damit die Therapien von morgen für alle sicher sind und wirken. Diese Daten zeigen, was ein einzelner Körper wirklich braucht, und wie eine Therapie passgenau auf ihn abgestimmt werden kann.

Statt einer Therapie für alle entsteht so die Möglichkeit, jeden Patienten individuell zu behandeln. Und genau das ist auch der Grund, warum wir konsequent in die eigene Datenbasis investieren, seit 2024 mit eigenem Labor und eigenem Massenspektrometer in Berlin: Nur mit einer wirklich großen, gut kuratierten Datengrundlage lassen sich KI-Modelle trainieren, die verlässlich zwischen gesund und krank, sicher und riskant unterscheiden können.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen als TechBio-Unternehmen an der Schnittstelle von Biotechnologie, Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz?

Eine zentrale Herausforderung ist, exzellente Wissenschaft tatsächlich in ein finanzierbares, marktfähiges Unternehmen zu übersetzen. Viele hervorragende Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, nicht weil die Wissenschaft nicht gut genug wäre, sondern weil reine Forschungsteams selten wissen, wie man daraus ein Geschäftsmodell macht. Ich selbst komme aus dem internationalen Business Development, nicht aus dem Labor, und genau diese Perspektive war für Alithea Bio entscheidend.

Dazu kommt eine strukturelle Herausforderung für Europa insgesamt: Wir geben pro Kopf etwa siebenmal weniger für Krebsforschung aus als die USA. Das ist kein reines Ressourcenproblem, sondern auch ein Vertrauensproblem, Investoren und Fördermittel fließen zu selten dorthin, wo Wissenschaft und Geschäftsmodell gleichermaßen ernst genommen werden. Als Frau in einer Branche, in der Deep-Tech-Gründerinnen im EU-Schnitt deutlich weniger Kapital erhalten als vergleichbare männliche Gründer, erlebe ich diese Herausforderung auch ganz persönlich.

Die Entwicklung innovativer Therapien erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Forschung und Industrie. Wie wichtig sind Partnerschaften für den Erfolg von Alithea Bio?

Unsere Vision, Krebs vollständig heilbar zu machen, werden wir nicht alleine erzielen können. Partner sind für uns essentiell, um dieses Ziel zu erreichen. Fangen wir mit den Akademien an. Diese Partnerschaften erlauben es uns, an Gewebeproben von Donoren zu kommen, diese zu messen und den Partnern die gewonnenen Daten für die eigene Forschung zur Verfügung zu stellen. Außerdem haben viele Unikliniken und Universitäten ihre eigene Forschung zu z. B. Krebsvakzinen und großes Interesse an unserer Technologie. Partnerschaften sind für uns nicht ergänzend, sie sind der Kern unseres Geschäftsmodells. Erst durch die Zusammenarbeit mit Kunden wie dem Children’s Hospital of Philadelphia, Deck Bio und mehreren großen Pharmaunternehmen wird aus unserer Plattform ein Werkzeug, das echte Investitionsentscheidungen beeinflusst.

Auch grenzüberschreitende Kooperationen spielen für uns eine große Rolle: Ein deutsch-britisches Förderprogramm von ZiM hat uns geholfen, unser Modell überhaupt in dieser Form aufzubauen. Solche Partnerschaften zwischen Forschung, Industrie und öffentlicher Förderung zeigen, was möglich ist, wenn Europa aufhört, in getrennten Bahnen zu denken, und stattdessen Wissenschaft, Kapital und Industrie gezielt zusammenbringt.

Welche nächsten technologischen Entwicklungen und Wachstumsziele stehen bei Alithea Bio aktuell im Fokus?

Wir bauen unsere Datenbasis kontinuierlich weiter aus, zuletzt etwa um die Analyse des sogenannten Dark Genome, also viraler Peptidsignale, die bislang kaum systematisch erfasst waren. Gleichzeitig arbeiten wir daran, HLA-Compass noch stärker als Sicherheits- und Entscheidungswerkzeug für unsere Partner zu etablieren. Der nächste Meilenstein ist HLA-Compass Agenten-kompatibel zu machen, da die Forschung künftig durch Agenten unterstützt wird. Der technologische Fortschritt der Plattform folgt der stetigen Datengenerierung.

Auf der Wachstumsseite schließen wir aktuell unsere nächste Finanzierungsrunde ab, um Team und Laborkapazitäten weiter auszubauen. International wollen wir unsere Sichtbarkeit ausbauen, etwa nach unserem Doppelsieg beim Tech for Change Award und Audience Favorite Award bei den VivaTech Awards 2026 in Paris, und dabei gezielt neue Partnerschaften mit Pharma- und Biotechunternehmen in Europa aufbauen – alles mit dem Ziel, die bevorzugte Referenz für Immunonkologie zu sein. Dafür müssen wir sowohl die wichtigsten Fragen aus Wissenschaft als auch aus der Industrie beantworten können, um Vertrauen in unsere Daten zu schaffen.

Wie sehen Sie die Zukunft der personalisierten Krebsmedizin, und welche Rolle soll Alithea Bio dabei langfristig übernehmen?

Ich glaube, die Zukunft der Krebsmedizin liegt darin, weg von der einen Therapie für alle Patientinnen und Patienten hin zu Behandlungen zu kommen, die auf die individuelle biologische Realität jedes Menschen abgestimmt sind. Das setzt voraus, dass wir viel früher und viel verlässlicher wissen, welche Zielstrukturen sicher und wirksam sind.

Langfristig will ich, dass Alithea Bio und HLA-Compass genau diese Referenz werden: die Plattform, bei der die Kliniken vor und während der Behandlung von Patienten nachschauen, um jedem Patienten die ideale Therapie anbieten zu können, die wirksam und vor allem sicher ist. Das ist für mich keine Abstraktion, sondern ein Versprechen an die nächste Generation, an eine Welt, in der Krebs heilbar ist.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Bereich Biotechnologie oder TechBio aufbauen möchten?

Meine Top-4-Learnings für Gründerinnen und Gründer in Biotech oder TechBio:

Das Problem so klar wie möglich definieren. Gerade im Deep-Tech-Umfeld ist die Technologie oft schon reif, aber der Impact muss erst bewiesen werden. Eine unerschütterliche Überzeugung hilft nur, wenn sie sich auf den Impact und das Team bezieht, nicht nur auf Produkt oder Technologie.

Lernen, die Neins zu bewerten. Am Anfang hört man vor allem Absagen, von Kunden, Investoren, manchmal auch von Menschen, die man einstellen möchte. Die eigentliche Fähigkeit besteht darin zu erkennen, welches Nein ein „noch nicht“ ist, und sich an den wenigen, oft leisen Jas festzuhalten, die einen wirklich weiterbringen.

Wissenschaft und Geschäftsmodell von Anfang an gleich ernst nehmen. Viele exzellente Forschungsergebnisse schaffen es nie in die Anwendung, nicht weil die Wissenschaft nicht gut genug wäre, sondern weil niemand im Raum sitzt, der beantworten kann, wann das eingesetzte Kapital zurückkommt. Suchen Sie nicht die besten Forscherinnen und Forscher, sondern die richtigen Teams, die Wissenschaft tatsächlich in die Anwendung bringen.

Mutig, marktnah und schnell bleiben. Es braucht ein Gründer-Team, das auch Mut zur Entscheidung hat, selbst wenn das über den ursprünglichen Plan hinausgeht, und das baut, was der Markt braucht, nicht nur, was wissenschaftlich reizvoll ist. Dazu gehört, sich Rat von Menschen zu holen, die selbst schon gegründet haben, und das Ziel dabei nie aus den Augen zu verlieren.

Bild: Prof. Dr. Tim Fugmann und Fanny Giannou Bildcredits Alithea Biotechnology GmbH

Wir bedanken uns bei Fanny Giannou für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sicher im Interview mit der Presse: 6 Tipps für Gründer

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Interview: Tipps für Journalisten und Gründerinnen und Gründer Anna Ferdinand Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Eine Interviewanfrage von einer Wirtschaftszeitung, einem Fachmagazin, Podcast oder TV-Format ist für Gründerinnen und Gründer eine echte Chance: Sie können ihr Business, ihre Expertise und ihre Positionierung vor Menschen sichtbar machen, die sie über die eigenen Marketingkanäle nicht erreichen würden.

Damit aus dem Interview auch ein gelungener Beitrag wird, braucht es etwas Vorbereitung. Denn auch wenn der Journalist die Fragen stellt, kannst du als Gründer beeinflussen, welche Botschaften hängen bleiben. Diese sechs Tipps helfen dabei, klar, souverän und ohne Marketingfloskeln aufzutreten.

Kenne das Medium

Kein Interview ohne Vorbereitung: Informiere dich über das Medium, den Journalisten und die bisherige Berichterstattung zu deinem Themengebiet. Wie ist die Tonalität? Eher fachlich, kritisch oder provokativ? Für welche Zielgruppe berichtet das Medium?

Schau dir auch frühere Interviews des Journalisten an. So bekommst du ein Gefühl dafür, welche Fragen und Perspektiven ihn interessieren. Erst wenn du weißt, mit wem du sprichst und für wen der Beitrag entsteht, kannst du dich zielgerichtet vorbereiten.

Bereite Fakten und Key Messages vor

Vor dem Interview solltest du genau wissen, welche Informationen und Botschaften du vermitteln willst. Dazu gehören die wichtigsten Unternehmensdaten ebenso wie maximal drei Key Messages, die im Gespräch hängen bleiben sollen.

Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Investoren, relevante KPIs oder aktuelle Marktdaten sollten sicher sitzen und belegbar sein. Gleichzeitig brauchst du eine kurze und verständliche Erklärung deines Geschäftsmodells: Welches Problem löst ihr, für wen und wie?

Deine Key Messages sollten darüber hinaus eine klare Haltung oder interessante Perspektive enthalten. Was sollen Leser, Hörer oder Zuschauer nach dem Interview verstanden haben? Gute Botschaften liefern einen Mehrwert für die Zielgruppe und sind für die journalistische Berichterstattung anschlussfähig.

Denn: Die Presse ist nicht dein verlängerter Marketingkanal. Leere Marketingfloskeln interessieren Redaktionen wenig. Gefragt sind belastbare Fakten, klare Aussagen und neue Perspektiven.

Kenne deine Don’ts

Mindestens genauso wichtig wie die Frage „Was möchte ich sagen?“ ist: „Worüber möchte ich nicht sprechen?“

Journalisten stellen gezielt Nachfragen, um neue Informationen zu bekommen. Deshalb solltest du vorher festlegen, wo deine Grenzen liegen. Welche Zahlen sind vertraulich? Welche Gespräche mit Investoren oder Partnern sind noch nicht öffentlich? Über welche Wachstumsziele möchtest du nur grob sprechen?

Du musst nicht jede Frage mit einer konkreten Zahl beantworten. Statt eines exakten Umsatzes kannst du beispielsweise eine Größenordnung nennen. Statt eines detaillierten Forecasts lässt sich eine prozentuale Entwicklung beschreiben. Entscheidend ist, dass du dir diese Grenzen vor dem Interview überlegst und nicht erst unter Druck.

Bereite dich auf kritische Fragen vor

Eine Interviewvorbereitung sollte sich nicht nur mit den angenehmen Fragen beschäftigen. Überlege, was ein kritischer Journalist fragen könnte: Warum ist euer Produkt wirklich besser als bestehende Lösungen? Was spricht gegen euer Geschäftsmodell? Warum schreibt ihr noch Verluste? Wie reagiert ihr auf Kritik an eurer Branche?

Bereite darauf klare Antworten vor. Kritische Fragen wegzulächeln oder auszuweichen, wirkt schnell unsicher.

Wenn du etwas nicht weißt, sag es. Wenn eine Annahme des Journalisten aus deiner Sicht falsch ist, korrigiere sie sachlich. Und wenn du eine Information nicht nennen kannst, erkläre kurz warum.

Klar, verständlich und authentisch antworten

Im Interview selbst gilt: Bleib professionell und du selbst. Wer plötzlich besonders förmlich, glatt oder einstudiert spricht, wirkt schnell weniger glaubwürdig. Authentisch zu antworten heißt aber nicht, einfach draufloszureden.

Antworte bewusst, klar und verständlich. Beantworte zuerst die konkrete Frage und ergänze dann deine wichtigste Botschaft. Statt ausschweifender Sätze wähle konkrete Beispiele und eine einfache Sprache.

Auch Pausen sind erlaubt. Nimm dir einen Moment zum Nachdenken, wenn du ihn brauchst. Das wirkt souveräner als eine vorschnelle Antwort, die du später relativieren musst.

Ziel ist nicht, perfekt zu klingen. Deine Aussagen sollten verständlich, zitierfähig und trotzdem nach dir klingen.

Nutze das Interview auch nach dem Gespräch

Die wenigsten Redaktionen schicken einen Beitrag vor Veröffentlichung komplett zur Freigabe. Du kannst aber vorab fragen, ob dir direkte Zitate zur Autorisierung geschickt werden. Wird eine Autorisierung vereinbart, sollte sie dazu dienen, Aussagen sachlich korrekt wiederzugeben – nicht dazu, das Interview nachträglich in einen Marketingtext umzuschreiben.

Frage außerdem, wann der Beitrag voraussichtlich erscheint. Ist er veröffentlicht, kannst du ihn für deine eigene Kommunikation nutzen: auf Social Media, in der Kundenkommunikation oder im Pressebereich deiner Website.

Der Wert eines guten Interviews endet nicht am Erscheinungstag. Eine Medienplatzierung kann langfristig zeigen, wofür du und dein Business stehen.

Wichtig ist: Gründerinnen und Gründer können nicht kontrollieren, was ein Journalist über sie schreibt. Aber mit einer guten Vorbereitung können sie sehr wohl beeinflussen, was an relevanten Informationen, starken Zitaten und belastbaren Fakten über sie erscheint.

Bildrechte: Kommunikation mit Impact

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Was Gen Z erfahrenen Gründer:innen voraushat — und umgekehrt

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Gen Z: Was Gründer:innen voneinander lernen können Fotografin Marzena Seidel

Was lernen die beiden Seiten in einem gemischten Gründerteam wirklich voneinander, wenn sie sich nicht gegenseitig belehren? In unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder dieselben Lernlinien — und sie sind anders, als die üblichen Klischees vermuten lassen. Vor allem aber: Sie kommen nur zustande, wenn die Hierarchie aus dem Raum geht.

Der gefährlichste Lernmodus: einer lehrt, eine:r hört zu

In vielen gemischten Gründerteams läuft Lernen unausgesprochen so: Die erfahrene Person erklärt, wie es geht. Die jüngere Person nickt. Beide gehen mit dem Gefühl raus, etwas Konstruktives getan zu haben. Beide haben wenig gelernt.

Der Grund ist einfach: Sobald jemand „Lehrer:in“ ist, wird das Gespräch zur Bühne, nicht zum Austausch. Wer erklärt, prüft das eigene Wissen nicht. Wer zuhört, übersetzt nicht in den eigenen Kontext. Lernen passiert weder bei der einen noch beim anderen.

Was wirklich Lernen ermöglicht, ist ein anderer Modus: zwei Menschen, die ehrlich sagen, was sie beim jeweils anderen sehen — und dafür kurz die eigene Expertise zur Seite legen.

Was Gen Z von erfahrenen Gründer:innen tatsächlich mitnimmt

Das offensichtliche Klischee lautet: Junge lernen von Erfahrenen, „wie man eine GmbH gründet“ oder „wie man mit Investoren spricht“. In Wirklichkeit ist das selten der Punkt. Diese Dinge stehen in Tutorials und Foren. Was tatsächlich nur durch erlebte Praxis weitergegeben werden kann, ist subtiler.

Strategische Geduld

Wann reagiere ich auf eine Mail nicht? Wann lasse ich einen Konflikt offen, weil er sich von selbst klärt? Diese Form von „Nicht-Handeln als Strategie“ ist für viele jüngere Gründer:innen kontraintuitiv — und sie ist erlernbar, aber nicht über Bücher.

Eskalations-Choreografie

Wie wird ein Konflikt in mehreren Stufen geführt, ohne ihn zu eskalieren oder zu unterdrücken? Wer 25 Jahre Vertrieb hinter sich hat, hat dafür ein Repertoire, das nicht in einem Workshop entsteht.

Beziehungspflege als langfristiges Asset

Warum lohnt sich eine Investor-Mail, die Jahre später erst Geld bringt? Diese Form von „Investitionen in Beziehungen, die sich erst spät auszahlen“, lernt man am besten daran, wie erfahrene Mitgründer:innen ihren Kalender pflegen — und wem sie wann unaufgefordert schreiben.

Krisensteuerung

Was passiert konkret, wenn der wichtigste Kunde abspringt, ein Pitch-Termin geplatzt ist und die Liquidität knapp wird — und zwar an einem Mittwoch? Erfahrene Gründer:innen haben einen Reflex, jüngere müssen ihn erst entwickeln. Das geht nur, wenn sie zusehen, wie es jemand anders macht.

Was erfahrene Gründer:innen von Gen Z tatsächlich mitnehmen

Hier kippt das Klischee andersherum: Erfahrene lernen angeblich „wie man TikTok bedient“ oder „wie KI funktioniert“. Auch das ist meistens nicht der Punkt. Was wir konsistent sehen:

Direktheit ohne Hintergedanken

Jüngere Gründer:innen sprechen Spannungen oft direkter an, ohne politische Kalkulation. Für erfahrene Mitgründer:innen, die in Strukturen mit Eskalations- und Karrierelogik sozialisiert wurden, ist das anfangs irritierend — und langfristig eine echte Entlastung.

Geschwindigkeit beim Testen

„Lass uns nicht drei Wochen über die Landingpage diskutieren, lass uns sie online stellen und in zwei Tagen wissen, ob die Hypothese stimmt“ — diese Logik durchbricht endlose Konzeptionsrunden. Wer das einmal erlebt hat, denkt anders über Vorbereitungstiefe.

Werte als Teil des Geschäftsmodells

Jüngere Gründer:innen verhandeln Werte selten weg — auch dann nicht, wenn ein Investor das nahelegt. Was wie idealistische Sturheit aussehen kann, ist häufig eine harte ökonomische Beobachtung: Marken mit klarer Haltung performen langfristig anders als beliebige. Diese Beobachtung ist relativ neu — und sie ist erlernbar.

KI als selbstverständliches Werkzeug

Nicht als Hype, nicht als Tool, sondern als Standard-Schicht in jeder Arbeitsstunde. Wer das von Anfang an so denkt, kommt zu anderen Prozessen als jemand, der KI als Add-on versteht.

Drei Formate, mit denen Lernen ohne Hierarchie funktioniert

Lernen zwischen den Generationen passiert selten von allein. Drei Formate haben sich in der Beratungsarbeit als belastbar erwiesen.

Reverse Mentoring mit klarer Themenliste

Klassisches Mentoring kennen alle. Reverse Mentoring funktioniert anders herum: Das jüngere Teammitglied bringt einer erfahreneren Person ein Thema bei, das in der eigenen Lebensphase selbstverständlich ist. Wichtig: nicht „zeig mir mal“, sondern eine konkrete Themenliste über vier bis sechs Wochen, mit klaren Lernzielen.

Entscheidungs-Tandem

Bei jeder größeren Entscheidung entscheidet ein Tandem aus zwei unterschiedlichen Lebensphasen gemeinsam — nicht im Konsens, sondern indem beide ihre Sicht offen darlegen, bevor entschieden wird. Das verlangsamt nichts, weil die Entscheidung sowieso fällt. Es verändert nur, was gehört wird.

Failure Friday

Einmal pro Woche tauschen zwei Personen aus dem Team Geschichten aus, in denen sie gescheitert sind. Eine aus dieser Woche, eine aus früheren Jahren. Wer beides nebeneinander hört, lernt schneller, in welchen Mustern Fehler entstehen — und welche davon zeitunabhängig sind.

Was passiert, wenn Lernen wirklich gegenseitig wird

In den Teams, die diese Lernarbeit ernst nehmen, verschwindet etwas leise im Hintergrund: das „wir gegen die“. Die jüngere Seite hört auf, von „den Alten“ zu sprechen. Die erfahrenere Seite hört auf, „die Jungen“ als Kategorie zu denken. Übrig bleiben Menschen, die unterschiedliche Dinge gut können — und die wissen, was sie beim anderen finden.

Das ist nicht harmonisch im Sinne von konfliktfrei. Die Reibung bleibt. Sie wird nur produktiv.

Im dritten und letzten Teil dieser Serie zeigen wir, wie generationsübergreifende Beratung in der Praxis aussieht — am Beispiel unseres eigenen Mutter-Tochter-Settings.

Mitautorin: Arabella Tornow ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coaching und Host des Podcasts „Masculinity Now“. Sie arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Gespräch, Energiearbeit und innerer Bewusstseinsarbeit. Ihre Themen: Selbstliebe, Selbstvertrauen und Empowerment – jenseits von Perfektionismus und fremden Erwartungen. Sie ist die Tochter von Ortrud Tornow.

Bild Fotografin Marzena Seidel

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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