Immer mehr Gründerinnen und Gründer fragen sich nicht nur, was sie tun, sondern warum. In einer Welt, in der Produkte und Dienstleistungen austauschbar geworden sind, wird Haltung zum echten Unterscheidungsmerkmal. Die Purpose Economy, das Prinzip des werteorientierten Gründens und die Idee der nachhaltigen Unternehmensführung zeigen, dass Sinn das neue Kapital der Zukunft ist.
Vom Profitdenken zur Sinnökonomie
Die Zeiten, in denen Erfolg ausschließlich in Umsatzzahlen gemessen wurde, gehen zu Ende. Immer mehr Startups erkennen, dass reiner Profit nicht reicht, um langfristig zu bestehen. Kunden, Mitarbeitende und Investoren erwarten heute Haltung, Verantwortung und Transparenz.
Die Purpose Economy beschreibt diesen Wandel: eine Wirtschaft, die auf Sinn, Werte und Wirkung baut. Unternehmen, die nach diesem Prinzip handeln, fragen sich nicht nur, wie sie wachsen, sondern wofür.
In dieser neuen Ökonomie stehen soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit und ethisches Handeln im Mittelpunkt. Wachstum wird dabei nicht aufgegeben, sondern neu definiert – als Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Wirkung.
Werteorientiertes Gründen – wenn Visionen Verantwortung tragen
Werteorientiertes Gründen bedeutet, ein Unternehmen auf Basis von Überzeugungen zu führen – nicht auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet, sondern auf langfristige Wirkung.
Gründer:innen, die diese Haltung verkörpern, wissen, dass Verantwortung kein Zusatz ist, sondern Teil der DNA ihres Unternehmens. Sie fragen sich: Welchen Beitrag leistet mein Unternehmen für die Gesellschaft? Wie beeinflusst mein Handeln Umwelt, Mitarbeitende und Kund:innen?
Ein bekanntes Beispiel ist das Hamburger Unternehmen Viva con Agua, das mit jedem verkauften Produkt den Zugang zu sauberem Trinkwasser fördert. Hier wird Business zum Mittel, um soziale Veränderung voranzutreiben – nicht zum Selbstzweck.
Werteorientiertes Gründen schafft Vertrauen und Bindung. Marken mit Haltung ziehen nicht nur Kund:innen, sondern auch Talente an, die dieselben Werte teilen.
Nachhaltige Unternehmensführung – Verantwortung als Wettbewerbsvorteil
Nachhaltige Unternehmensführung ist weit mehr als ein CSR-Bericht oder ein grünes Etikett. Sie beschreibt eine strategische Denkweise, die ökologische, soziale und ökonomische Ziele miteinander verbindet.
Startups, die nachhaltig geführt werden, denken in Kreisläufen statt in Quartalen. Sie setzen auf faire Lieferketten, ressourcenschonende Prozesse und langfristige Beziehungen. Das zahlt sich aus: Unternehmen mit klarer Nachhaltigkeitsstrategie sind widerstandsfähiger in Krisen und attraktiver für Investor:innen.
Auch für die Startup-Szene ist das relevant. Wer frühzeitig Verantwortung integriert, schafft Strukturen, die Wachstum stabilisieren. Nachhaltigkeit ist kein Hindernis, sondern der Schlüssel zu Glaubwürdigkeit.
Ein Beispiel: Ein Berliner Mode-Startup produziert ausschließlich mit recycelten Materialien und transparenten Lieferketten. Es wächst langsamer – aber gesünder. Statt schnellem Profit entsteht ein stabiler, vertrauensvoller Markenaufbau.
Purpose Economy als kultureller Wandel
Die Purpose Economy verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch Unternehmenskultur. Mitarbeitende wollen heute mehr als Gehalt – sie wollen Sinn. Besonders junge Generationen identifizieren sich mit Unternehmen, deren Werte sie teilen.
Für Gründer:innen bedeutet das: Purpose ist kein Marketingtool, sondern ein Führungsprinzip. Teams, die den Sinn hinter ihrer Arbeit verstehen, sind motivierter, kreativer und loyaler.
Auch Investoren reagieren auf diesen Trend. Impact Investing – also Kapitalanlagen in Unternehmen mit gesellschaftlicher Wirkung – wächst rasant. Geld folgt zunehmend den Werten, nicht nur den Zahlen.
Werte als strategisches Fundament
Ein klar definierter Purpose ist wie ein innerer Kompass. Er hilft, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und Krisen zu überstehen. Werteorientiertes Gründen führt zu einer konsequenteren Markenführung und stärkt die interne Kohärenz.
Unternehmen, die nach ihren Werten handeln, müssen weniger kommunizieren – sie werden erlebt. Das schafft Authentizität und Differenzierung.
Gerade im Wettbewerb um Aufmerksamkeit zählt Glaubwürdigkeit mehr als Lautstärke. Kunden erkennen schnell, ob ein Unternehmen wirklich nach seinen Werten lebt oder nur so tut. Die Purpose Economy belohnt Authentizität.
Nachhaltige Unternehmensführung als Zukunftsstrategie
In einer Zeit globaler Herausforderungen – Klimawandel, soziale Ungleichheit, digitale Transformation – ist Verantwortung kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Nachhaltige Unternehmensführung verbindet Innovation mit Ethik und zeigt, dass Zukunftsfähigkeit auf Bewusstsein basiert.
Die Unternehmen von morgen sind nicht die größten, sondern die glaubwürdigsten. Sie erkennen, dass Wachstum ohne Sinn leer bleibt – und Sinn ohne Struktur wirkungslos.
Fazit
Die Purpose Economy ist mehr als ein Trend – sie ist der Beginn einer neuen Gründerära. Werteorientiertes Gründen und nachhaltige Unternehmensführung zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören.
Gründer:innen, die nach Sinn statt nach Schlagzeilen streben, schaffen Marken, die bleiben. Denn Kapital misst heute mehr als Umsatz – es misst Vertrauen.
AZUBeasy unterstützt Auszubildende und Unternehmen dabei, Ausbildung neu zu denken – authentisch, praxisnah und mit echtem Blick für die junge Generation.
Was war die ursprüngliche Idee hinter AZUBeasy und wie hat sich daraus die heutige Plattform entwickelt?
Die Idee ist aus meiner eigenen Geschichte entstanden. Ich habe damals in meiner Hotelfachausbildung den Betrieb im 2. Lehrjahr gewechselt. Nach der Ausbildung wurde mir von verschiedenen Seiten nahe gelegt, dass ich doch studieren müsste, um später mal was zu erreichen. Die alternativen Optionen zu möglichen Weiterbildungen kamen hier gar nicht zur Sprache. Also getagt, getan und ich hab BWL studiert. Über die Jahre in meiner anschließenden Arbeit im Projektmanagement hab ich immer wieder festgestellt, dass Azubis nicht die Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht. Also habe ich einfach mal angefangen mit meinem Blog und habe meine eigenen Erfahrungen geteilt. Das ganze hat sich dann weiter entwickelt über meinen Podcast, über meine Onlinekurse, meine Social Media Präsenz bis hin so meinem Videoformat, meinen Speakings und Workshops.
Wie kam es zur Gründung von AZUBeasy – gab es ein persönliches Erlebnis, das den Anstoß gegeben hat?
Wie eben schon erwähnt kam die Idee aus meiner eigenen Geschichte. Ich habe damals schon in der Schule unschöne Erfahrungen gemacht mit einem Schulwechsel auf Grund von zu schlechten Noten. Durch zwei 5-er in Mathe und Englisch bin ich vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt in der 7. Klasse. Das heißt ich weiß auch gut, wie es Schülern geht, wenn sie mit dem Druck aus der Schule und der Gesellschaft nicht mehr standhalten können. Mein Ziel war es von Anfang an Azubis endlich die Aufmerksamkeit zu schenken und die Anerkennung, die sie verdienen. Gleichzeitig ist es mein Ziel die Ausbildung zur Besten Zeit des Lebens zu gestalten und Schülern endlich eine passende und zielgruppengerechte Orientierung in der Berufsorientierung zu bieten.
Welche Mission treibt Sie an, wenn Sie über die Zukunft der Ausbildung in Deutschland sprechen?
Mein Ziel ist es schlichtweg die Ausbildung zur Besten Zeit des Lebens zu gestalten. Es ist so viel mehr als nur drei Jahre einen Beruf zu erlernen. In dieser Zeit formt und wandelt sich ein junger Mensch enorm, lernt sich selbst nochmals von einer ganz anderen Seite kennen, macht Fehler, fällt hin, steht wieder auf und lernt dazu. Diese Zeit ist so besonders und prägend und genau darum geht es: es müssen endlich auch die letzten Unternehmen verstehen, dass es hier nicht nur darum geht, eine Ausbildung zu machen. Es geht darum einen Jugendlichen zu begleiten, der eine Reise durchlebt, innerhalb der drei Jahre erwachsen wird und am Ende auf eigenen Beinen stehen kann.
Wie unterstützt AZUBeasy junge Menschen dabei, ihren Berufseinstieg einfacher und selbstbewusster zu gestalten?
Bei meinem Videoformat 1 Tag als Azubi gehe ich in Unternehmen, schlüpfe selbst in die Rolle eines Azubis und begleite einen Azubi den Tag über bei seiner Arbeit. Das ganze filme ich mit meine 360° Kamera mit um jede Perspektive einzufangen. Durch 3-4 Stunden Videomaterial entsteht am Ende ein sehr authentisches, nahbares, ungeskriptetes und echtes Video in 2D-Format, dass auf YouTube für alle Schüler und Azubis frei zugänglich ist.
Der Tag soll direkt erlebbar machen, wie die Ausbildung ablaufen kann, wie man in dem Unternehmen miteinander spricht, wie es in den Büros, Lagerräumen oder auch Werkstätten aussieht. Wie die Mittagspause abläuft und wie die Kollegen miteinander umgehen. Für uns alle sind das sehr alltägliche Dinge, für junge Menschen ist das jedoch oft nicht greifbar. Auf Grund von einer Stellenanzeige mit 10-15 Punkten kann sich doch kein 17-jähriger entscheiden, welchen Beruf er lernen will. Da gehört heute einfach ein bisschen mehr dazu.
Welche Rolle spielt dabei Ihre eigene Erfahrung als ehemalige Auszubildende und BWL-Absolventin?
Meine eigenen Erfahrungen sind elementar für meine tägliche Arbeit. Schüler und Auszubildende merken das sofort, ob man ihnen etwas vormacht oder ob man ihnen echte Geschichten und Erlebnisse erzählt. Umso nahbarer und authentischer ich mit den Schülern und Azubis sprechen kann, umso einfacher fällt mir meine Arbeit. Zudem kenne ich beide Perspektiven: die der Azubine und die der Studentin. Das heißt ich urteile nicht vorschnell über jemand, der in der einen oder anderen Rolle ist, sondern kann beide Gesichtspunkte sehr gut verstehen und nachvollziehen und mich auch reindenken.
Was unterscheidet AZUBeasy von anderen Angeboten im Bereich Ausbildung und Berufsorientierung?
AZUBeasy setzt sich ja im wesentlichen aus drei verschiedenen Bestandteilen zusammen: aus meinem Videoformat 1 Tag als Azubi, meinen Trainings und Workshops für Azubis und meinen Speakings auf HR-Events, in denen ich die Insights der Azubis und Schüler wiederum an Ausbilder teile. Das heißt ich schlage täglich die Brücke zwischen Schüler, Azubi und Ausbildungsbetrieb. Gleichzeitig bin ich täglich mit Azubis und Schülern über Social Media in Kontakt, arbeite sehr viel direkt mit den Azubis in meinen Trainings und Onlinekursen zusammen und weiß deshalb ganz genau, was die junge Generation heute so bewegt.
Dieses Wissen kann ich entsprechend an Ausbildungsbetriebe weiter tragen, was für sie sehr wertvoll ist um ihre eigene Ausbildung stetig weiter zu entwickeln. Denn wenn wir mal ehrlich sind, wird kaum ein Azubi seinem Ausbildung wirklich ehrlich die Meinung zur eigene Ausbildung ins Gesicht sagen, vor allem wenn etwas nicht so gut läuft. Das macht meine Arbeit bei AZUBeasy auf jeden Fall einzigartig.
Wie gelingt es Ihnen, mit Formaten wie „1 Tag als Azubi“ oder den Onlinekursen die Generation Z wirklich zu erreichen?
Bei allen Formaten die ich entwickelt habe bzw. die ich bespiele, versuche ich mich wieder in meine eigenen Ausbildung und meine Schulzeit reinzuversetzen. Gleichzeitig bin ich ja sowieso sehr eng mit den Schülern und Azubis im Austausch, sodass ich mir hier auch immer sehr direktes und ungefiltertes Feedback einhole, sei es über Social Media oder über die Ausbildungsbetriebe. Und am Ende ist es auch viel Trial & Error. Wenn etwas nicht funktioniert – was auch schon vorgekommen ist – dann geh ich mit meinen Zielgruppen ins Gespräch und lerne daraus wieder, um meine Produkte stetig an die Anforderungen und Bedürfnisse der Zielgruppen anzupassen.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Auszubildenden?
Wie jedes andere Start Up oder Unternehmen merke auch ich, dass die Investitionsbereitschaft aktuell natürlich auf Grund der teilweise wirtschaftlich angespannten Situation zurückgegangen bzw. verhalten ist. Zudem muss man leider auch sagen, dass sobald Einsparungen intern vorgenommen werden, diese nicht in der Chefetage passieren, sondern meist in der Nahrungskette unten angesetzt werden, was dann leider sehr oft direkt die Auszubildenden betrifft. Das heißt es wird schlichtweg an der falschen Stelle gespart, denn der Nachwuchs ist am Ende unser aller Zukunft. Nichts desto trotz muss man sagen, dass viele Unternehmen es bereits verstanden haben, dass sie hier mehr Gas geben müssen und nicht am falschen Ende sparen dürfen. Und es ist auch sehr stark davon abhängig von welcher Branche wir sprechen, denn es geht nicht allen Branchen gleich gut oder schlecht.
Wie reagieren Betriebe auf Ihre Formate und Trainings – sehen Sie ein wachsendes Bewusstsein für moderne Ausbildung?
Wie eben schon erwähnt haben es viele Unternehmen bereits verstanden, dass sie mehr in die Ausbildung investieren müssen. Mein Videoformat und auch meine Trainings kommen sehr gut bei den Unternehmen an, auch wenn manche Unternehmen gegenüber einer neuen Marketingmaßnahme noch skeptisch sind. So gilt es dann einfach auch diese Unternehmen mit den Erfolgen, Kennzahlen und der steigenden Zufriedenheit bestehender Auszubildenden zu überzeugen.
Was wünschen Sie sich von Politik und Wirtschaft, um Ausbildung wieder attraktiver zu machen?
Der Wandel darf nicht erst in der Ausbildung passieren, wir müssen hier viel früher ansetzen, bereits in der Schule. Denn wenn die Basis der Berufsorientierung nicht stimmt, wird auch der weitere Verlauf mit der Ausbildung sich nicht grundlegend ändern. Nicht umsonst bricht rund 1/4 der Azubis die Ausbildung ab, was unter anderem eben auch an einem Miss-Match zwischen Schüler und Betrieb liegt. Das heißt berufsvorbereitende Maßnahmen müssen flächendeckend ausgerollt werden. Es müssen meiner Meinung nach mindestens 3 verpflichtende Praktika pro Schüler absolviert werden in unterschiedlichen Betrieben. Berufsmessen müssten ab der 8. Klasse verpflichtend sein. Und wenn die Basis der Berufsorientierung dann stimmen sollte, kann man sich an die gesellschaftliche Akzeptanz der Berufsausbildung machen. Das steht dann allerdings wieder auf einem ganz anderen Blatt Papier.
Welche nächsten Schritte und Entwicklungen planen Sie mit AZUBeasy in den kommenden Jahren?
Mein Ziel ist es in den nächsten Jahren mit AZUBeasy ein Team aufzubauen, um noch mehr Schüler und Azubis erreichen zu können. Perspektivisch möchte ich auch noch enger mit Kammern und Schulen, vielleicht auch der Arbeitsagentur und der Politik zusammenarbeiten, um einfach noch breiter die Message nach draußen zu bringen: die Ausbildung zu Besten Zeit des Lebens zu gestalten. Und das funktioniert einfach nur gemeinschaftlich, wenn es in der gesellschaftlichen Anerkennung von der Ausbildung einen Wandel gibt und wenn die Berufsorientierung sich grundlegend verändern wird.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer eigenen Idee starten möchten?
Kenne deine Zielgruppe und geh mit ihr so früh wie möglich in Austausch. Umso früher du mehr über sie weißt, desto besser. Stelle dabei unbedingt die richtigen Fragen. Eine Buchempfehlung an der Stelle ist „Der MOM Test“.
Probier es einfach aus. Wenn du nicht raus gehst und es nicht versuchst, wirst du nicht wissen, ob es funktioniert. Du wirst scheitern, aber auch das gehört dazu. Dann geht es darum wieder aufzustehen und weiter zu machen.
Wenn du die Möglichkeit hast, starte nebenher. Ich habe mein Start Up über 3,5 Jahre berufsbegleitend aufgebaut und bin erst dann den Schritt voll rein in die Selbstständigkeit. Es muss nicht immer von heute auf morgen alles super gut funktionieren. Gib dir Zeit.
AMATRIUS entwickelt Düfte mit wissenschaftlich belegter Wirkung, die Emotionen aktivieren und das persönliche Wohlbefinden auf ganzheitliche Weise fördern
Wie ist AMATRIUS entstanden und welche Menschen stehen hinter der Idee, Düfte mit wissenschaftlich belegter Wirkung zu entwickeln?
AMATRIUS entstand aus der Idee ein Institut für innere Schönheit zu eröffnen. Ich bin von Wien nach Hamburg gezogen, einer Stadt die wirklich durch ihre äußere Schönheit besticht. Allerdings fehlte mir oft die innere Wärme, die innere Schönheit und Zugewandtheit. Einer meiner Freunde, ein Chirurg für wiederherstellende Chirurgie, kam eines Morgens nach einer ganzen Nacht im OP zu mir. Ich sagte ihm „Hamburg braucht keine äußere Schönheit mehr, es braucht innere Schönheit.“ Was das bedeutete und wie man diese erreichen würde wusste ich damals auch noch nicht. Der Moment war aber der Start meiner Erkundungsreise nach den besten holistischen Ansätzen und Experten auf dem Gebiet.
Das Ergebnis nach 5 Jahren war ein Mix an Ansätzen, die damals noch sehr auf mentale Gesundheit fokussiert waren. Fix war, dass es eines Erinnerungsankers bedarf, um Erlebtes verankern zu können, gleichzeitig aber auch den Effekt zu verstärken. Wie könnten wir unsere Sinne am besten anregen. Der Geruchssinn ist der Einzige der ungefiltert auf unser Emotionszentrum wirkt, die Amygdala. Also war klar: ich möchte Düfte entwickeln, die beeinflussen, wie wir uns fühlen, aber auch ein guter Erinnerungsanker sind. Und dann gleich Eau de Parfum das so gut riecht wie ein großartiges Lifestyle Parfum. Nun war nur die Frage nach den Effekten den wir benötigen: heraus kamen vier Düfte, die sozusagen alles abdecken was man an einem Tag, Monat oder leben so benötigt.
„Enjoy Me“ wirkt positiv und belebend – perfekt für den Morgen und einen schwungvollen Start in den Tag. „Recharge Me“ gibt neue Energie und macht Lust auf Neues – ob fürs Gym oder spontane Abenteuer statt Sofaabend. „Unplug Me“ steht für Durchatmen und Abschalten – einfach mal Pause drücken. „Love Me“ ist wie eine liebevolle Umarmung – für Dich selbst und Deine Liebsten.
Die Duftwahl richtet sich ganz danach, was man gerade am meisten braucht.
Ich gewann Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt und Star Parfumeur Geza Schön als meine Development Partner. Da ich selbst weder die Wissenschaftliche Basis noch das Kreativ-Künstlerische mitbrachte wählte ich zwei Experten die in der Welt der Parfümerie als Team unübertroffen sind.
Welche Vision verfolgt AMATRIUS, wenn es darum geht, Emotionen und Wohlbefinden durch Düfte zu beeinflussen?
Die Vision war und ist es Unabhängigkeit zu erreichen. Als Therapeutin habe ich beobachtet, dass im therapeutischen Prozess oft das Bedürfnis entsteht, sofort einen neuen Termin zu vereinbaren – ein Zeichen von Unsicherheit, Themen eigenständig weiterzuführen. Duft kann hier ein wertvolles Werkzeug sein: Wird er in positiven Momenten eingesetzt, hilft er später, diese Emotionen erneut zu aktivieren – und fördert so Selbstwirksamkeit und innere Stärke.
Die Vision von AMATRIUS ist es, dieses Prinzip in den Alltag zu bringen – mit Düften als holistisches Wellbeing in einer Flasche, kleine Begleiter, die Achtsamkeit stärken und uns in die Richtung lenken, die wir gerade brauchen.
Das Logo – die Flügel – symbolisiert „Wings to Fly“, die Freiheit und Unabhängigkeit, die wir alle anstreben. AMATRIUS kann im Alltag, auf Reisen oder bei Meditationen als Duftanker dienen, um positive Erinnerungen zu festigen und das Wohlbefinden zu stärken.
Was bedeutet der Begriff „Impact Scents“ konkret und wie unterscheidet sich dieser Ansatz von klassischer Parfümerie?
Klassische Parfums riechen (meistens) gut. Je besser sie riechen, desto erfolgreicher wird die Marke sein. Bei AMATRIUS steht die Wirkung im Vordergrund, d.h. der gute Duft ist eigentlich ein Zusatznutzen. Klassische Parfums trägt man, um sich nach außen mit einem Duft zu schmücken, AMATRIUS trägt man, um sich selbst zu unterstützen, sich selbst etwas Gutes zu tun. Und es riecht halt auch großartig. Es riecht genau nach diesen Empfindungen, wie die Düfte selbst heißen.
Wie verbindet AMATRIUS Wissenschaft, Emotion und Nachhaltigkeit in seinen Produkten?
Ziel von AMATRIUS ist es, holistisches Wohlbefinden zu fördern – wissenschaftlich fundiert, emotional spürbar und ökologisch verantwortungsvoll. Die Basis liegt in der Aromatherapie und ihrer Weiterentwicklung, der Aromakologie. Gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt, Präsident der Union der Akademien der Wissenschaften Deutschlands und Leiter des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Universität Bochum, verfügen wir über 35 Jahre Forschungserfahrung in der Riechforschung. Der emotionale Aspekt fließt durch meine therapeutische Ausbildung – insbesondere in Trauma- und Hypnosearbeit – mit ein. Auch Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle: von wiederverwendbaren Verpackungen bis zur Idee, Düfte als langfristige emotionale Begleiter einzusetzen.
Für welche Zielgruppe sind die Produkte von AMATRIUS besonders relevant und wie sprechen Sie diese emotional an?
Wir sprechen Menschen an, die sich mit ihrer eigenen Gesundheit beschäftigen, bevor sie krank werden, spirituell offen sind oder sich zumindest interessieren und an generell an einem gesunden Lifestyle interessiert sind.
Welche Herausforderungen ergeben sich, wenn man Düfte nicht nur als Luxusprodukt, sondern als Instrument für Wohlbefinden positioniert?
Als Unternehmer sage ich: den der eingeschränkteren Zielgruppe. Wir sprechen eben nicht jede Person an, man kann niemanden „zwingen“ sich mehr um sich selbst zu kümmern. Unsere Marke ist erklärungsbedürftig. Das macht natürlich die reine Vermarktung herausfordernder. Wir wollen aber Leben positiv verändern, das kann mit den AMATRIUS Wirkdüften anfangen und mit einem der AMATRIUS Experten weitergeführt werden. Jede Anregung in eine positive Richtung ist hier wichtig.
Wie wichtig ist Ihnen die Forschung im Bereich Duftwirkung und welche Erkenntnisse fließen direkt in Ihre Produktentwicklung ein?
Die olfaktorische Produktentwicklung unserer vier Wirkdüfte haben wir unseren Experten Hanns Hatt und Geza Schön überlassen. Diese dienen uns also als Basis. Wir sind im Austausch mit internationalen Forschern, nicht nur in Bezug auf Duftforschung, sondern auch auf generelles Wohlbefinden oder auch Präventivmedizin, welche anderen Aspekte noch für das holistischer Wohlbefinden wichtig sind. AMATRIUS ist u.a. Ambassador des „Global Wellness Institute“, Sitz in den USA. Auf deren Summits treffen einander die einflussreichsten Personen der Wellness Branche.
Was unterscheidet AMATRIUS von anderen Marken, die ebenfalls auf natürliche und nachhaltige Inhaltsstoffe setzen?
AMATRIUS setzt auf holistisches Wohlbefinden, nicht nur Inhaltstoffe. Dazu gehört nicht nur ein Duft, sondern auch dazugehörige Rituale und auch Experten. Hier bot AMATRIUS schon in der Vergangenheit Retreats an und wird in der Zukunft noch mehr auf die Zusammenarbeit bei Retreats aber auch durch bestimmte Rituale und auch u.a. ein Online-Angebot einen Unterschied zu anderen Marken bieten können. Es zahlt sich in jedem Fall aus den Newsletter zu abonnieren.
Wie sieht die Zukunft von AMATRIUS aus. Welche neuen Produktlinien oder Weiterentwicklungen dürfen Kundinnen und Kunden erwarten?
Wie ich schon sagte, wird es einerseits in die Diversifizierung des Angebotes, weg von reiner Kosmetik gehen, auf der anderen Seite haben wir noch ein paar spannende Produkte in der Pipeline.
Wie hat sich Ihr Verständnis von Duft und Emotion seit der Gründung verändert?
Ich habe durch die eigene Nutzung und durch unsere Kunden gesehen, wie sehr Duft eigentlich unterschätzt wird. Sobald man sich selbst mit dem Thema beschäftigt, wird man viel aufmerksamer und bemerkt in verschiedensten Situationen wie Duft uns völlig unbewusst steuert. Das ermöglicht dies viel mehr zu genießen, bewusster einzusetzen. Nicht nur mit den Wirkdüften von AMATRIUS, auch zB mit dem Duft der eigenen Kinder.
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg – in einem Markt, der immer stärker von Nachhaltigkeit und Emotion getrieben ist?
Ich denke Erfolg bedeutet schon, wenn man den Mut hat ein eigenes Unternehmen zu starten. Noch mehr Erfolg, wenn man in einer Branche ein Projekt startet, die absolut gesättigt ist und man es doch schafft etwas völlig Neues anbieten zu können. Emotion und das Streben nach Nachhaltigkeit haben mich schon in meiner Vergangenheit begleitet, als Direktor für Zentral und Ost Europa in einer der größten Mediaagenturen der Welt. Schon damals musste ich auch mit emotionaler Intelligenz, viel Engagement für unsere Kunden und großer Liebe für den Job uns, mein Team und mich zu außerordentlichen Leistungen bringen, um im Dschungel des Agentur Angebotes einen Unterschied zu bieten.
Wenn man dem Kunden besseres Service und in unserem Fall Verhandlungsgeschick für die Kunden bieten konnte, ihn quasi glücklich machen konnte. Heute ist Erfolg dann erreicht, wenn wir das Leben unserer Kunden positiv beeinflussen können. Wenn wir jeden Tag zu einem Besseren machen können. Unsere Tagline ist „Elevate Me“, wir wollen Sie einfach zu Höherem bringen, was auch immer dies individuell für Sie bedeutet.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die Wissenschaft, Emotion und Unternehmertum verbinden möchten?
Sei mutig. Schule Deine Intuition, lerne mit dem Universum eine positive Verbindung einzugehen. Sobald man hier Vertrauen aufbaut, merkt man, dass, solange Dein Vorhaben auch gut ist für andere Menschen, Du Unterstützung erhältst. Suche Dir einen guten Mentor, der Wissen rund um den Unternehmenszweck hat. Oder eben Development Partner. Das Netzwerk ist für einen Unternehmer das um und auf. Rechne damit, dass es immer viel länger dauert als Du denkst. Gib dabei nicht auf sondern mache weiter (und sorge vorher dafür dass Dir dabei auch nicht zu schnell der finanzielle Atem ausgeht).
Bild @ AMATRIUS
Wir bedanken uns bei Nora Naisbitt für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Barista Royal ist eine inklusive Kaffeerösterei, die Menschen mit Behinderung beschäftigt und handwerklich gerösteten Premiumkaffee mit sozialem Engagement verbinde
Wie ist die Idee zu Barista Royal entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?
Da muss ich selbst schmunzeln. In einem Satz: Bring zwei Kaffeeliebhaber und einen Moment der Verärgerung zusammen. Etwas weiter ausgeholt: Meine Schwester kam mit einer körperlichen Behinderung zur Welt und fand trotz größter Mühen einfach keinen Job. Zur gleichen Zeit fragte sich Michael, der Genießer unter uns Gründern, warum der Kaffee im Italienurlaub perfekt schmeckt, in Deutschland aber oft sauer oder ungenießbar. Als wir uns zusammensetzten, war die Idee geboren. Wir verbinden unsere Leidenschaft für perfekten Kaffee mit der aktiven Einbindung von Menschen mit Behinderung. Wir wollten beweisen, dass Social Entrepreneurship nicht nur eine Theorie von Universitätsprofessoren ist, sondern auch in der Praxis umgesetzt werden kann.
Was hat euch dazu bewegt, Kaffee mit sozialem Engagement zu verbinden und eine inklusive Rösterei aufzubauen?
In Deutschland gibt es etwa 3,1 Millionen Menschen mit Behinderung im arbeitsfähigen Alter. Ein Viertel aller Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern beschäftigt jedoch keinen einzigen schwerbehinderten Menschen. Diese Ungerechtigkeit wollten wir nicht hinnehmen. Gleichzeitig haben wir entdeckt, dass Menschen mit Behinderung genau die Eigenschaften mitbringen, die perfekten Kaffee ausmachen: diese unglaubliche Detailverliebtheit, diese Geduld bei der Handselektion und diese Präzision beim Rösten. Es gibt nur wenige Menschen, die so detailversessen an einer Sache arbeiten. Das ist keine Schwäche, sondern ihre Superkraft!
Welche Vision verfolgt Barista Royal mit seinem Ansatz, hochwertigen Kaffee und gesellschaftliche Verantwortung zu vereinen?
Unsere Vision ist Inklusion in Reinform: Beim gemeinschaftlichen Rösten von Kaffee interessiert es niemanden, ob jemand aufgrund eines beeinträchtigten Körperteils oder einer eingeschränkten geistigen Fähigkeit als „behindert” eingestuft wird. Jeder macht seine Sache so gut wie möglich, und wo es hapert, hilft man seinem Nächsten. Von der rohen Bohne bis zur Tasse Kaffee wollen wir genau das verbinden, was wir mit gutem Kaffee verbinden: Freude und Genuss. Und wir wollen zeigen, dass soziale Verantwortung über fairen Handel hinausgeht – sie beginnt hier, bei uns, in unserer Gesellschaft.
Wie gelingt es euch, trotz handwerklicher Röstung und sozialer Produktion wirtschaftlich nachhaltig zu arbeiten?
Die ehrliche Antwort? Die letzten Jahre waren verdammt hart. Explodierende Rohbohnenpreise, Lohnkosten, Gas, Miete – alles ist teurer geworden. Dazu noch eine immer komplexere Bürokratie, die alles andere als Startup freundlich ist in Deutschland. Auch wir mussten unsere Preise anpassen. Obwohl wir eigentlich noch höher gehen müssten, kostet unser Kaffee aber nach wie vor nicht mehr als der bei anderen lokalen Röstereien.
Wir haben die Preiserhöhung auch Transparent an unsere Kunden kommuniziert und sogar Nachrichten und Anrufe erhalten, dass sie es verstehen und die Offenheit sehr schätzen. Wir durften erleben, dass es auch Menschen gibt, die für echte Werte und Arbeit am und mit Menschen zu zahlen. Nicht für ein gekauftes Siegel auf der Packung, sondern für das Wissen, dass ihr Kaffee von Menschen geröstet wurde, die ihre Arbeit lieben und darin aufgehen. Die Detailverliebtheit unserer Rösterinnen und Röster ist kein Label – sie ist unser Qualitätsversprechen. Jede Bohne, die sie aussortieren, jede Röstung ist Handarbeit und macht unseren Kaffee zu dem, was er ist, getreu unserer Vision: Mit gutem Kaffee Gutes tun.
Ja, die Produktion dauert länger, und das bedeutet höhere Produktionskosten. Aber während andere Kaffeemarken in Marketingkampagnen und teure Zertifikate investieren, stecken wir jeden Euro in das, was zählt: Menschen und Qualität. Unsere Kunden kaufen nicht nur Kaffee – sie werden Teil einer Bewegung. Und das ist unbezahlbar. Wirtschaftlich nachhaltig sind wir, weil wir bewiesen haben: Soziales Engagement und Premium-Qualität sind kein Widerspruch. Sie sind die perfekte Verbindung.
An wen richtet sich euer Angebot – eher an bewusste Konsumenten oder auch an Firmenkunden, die Wert auf fairen Kaffee legen?
Unser Kaffee ist für alle, die verstehen. Genuss und Verantwortung schließen sich nicht aus, sondern verstärken sich gegenseitig. Das sind Privatpersonen, die ihren Kaffee morgens mit dem guten Gefühl trinken, etwas Sinnvolles zu unterstützen. Und es sind Unternehmen, die ihren Mitarbeitern und Kunden zeigen wollen: Wir leben Inklusion nicht nur in Hochglanzbroschüren, sondern auch in der Kaffeeküche. Jede Tasse ist ein Statement für eine Gesellschaft, in der jeder seinen Platz hat.
Wie stellt ihr sicher, dass eure Kaffees sowohl geschmacklich als auch ethisch höchste Qualität bieten?
Von der Handselektion über das händische Kleben der Etiketten bis hin zur Röstung wird bei uns sehr viel Zeit und Detailarbeit investiert. Unsere Rösterinnen und Röster verfügen über individuell ausgeprägte, besondere Fähigkeiten – und genau diese Liebe zum Detail macht den Unterschied. Alle Bohnen werden sortenrein und schonend im Trommelröstverfahren geröstet, denn jede Kaffeesorte hat einzigartige Eigenschaften – genau wie jeder Mensch. Und unsere Verpackungen? Sie sind aluminiumfrei!
Was unterscheidet Barista Royal von anderen Röstereien, die ebenfalls auf Nachhaltigkeit setzen?
Bei uns steht niemand mit Stoppuhr neben dem Röster. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Zeit – Zeit für Perfektion, Zeit für Details, Zeit für jeden einzelnen Arbeitsschritt. Diese Ruhe und Konzentration, die Menschen mit Behinderung in ihre Arbeit legen, ist unser Geheimnis. Sie sehen Dinge, die anderen entgehen. Und Sie spüren, wann die Röstung perfekt ist. Sie haben diese besondere Gabe der absoluten Fokussierung. Wir haben keine Hochglanzbroschüre über unsere Nachhaltigkeitsstrategie. Wir haben Röster, die morgens mit einem Lächeln zur Arbeit kommen. Und wir haben Kaffee, der nach mehr schmeckt als nur nach gutem Gewissen – er schmeckt nach echter Handwerkskunst. Das macht uns anders. Das macht uns echt. Das beginnt übrigens schon im Einkauf und Import von Bohnen, denn hier macht es ebenfalls einen großen Unterschied.
Welche Herausforderungen bringt die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung mit sich und wie begegnet ihr diesen?
Die Abstimmung zwischen uns und der Rösterei für Menschen mit Behinderung gleicht manchmal dem Jonglieren mit Kaffeebohnen. Es gibt eigene Abläufe, die genau auf die Menschen mit Behinderung abgestimmt sein müssen. Wir haben gelernt, flexibel zu planen. Wenn eine wichtige Großbestellung reinkommt und ausgerechnet dann jemand krank wird oder die Gruppe einen Ausflug macht, müssen wir umdenken. Puffer einbauen. Anders kommunizieren. Wir arbeiten mit Bildern, Farbcodes und individuellen Anleitungen – je nachdem, was für wen am besten funktioniert. Die größte Lernkurve für uns? Zu verstehen, dass der Spagat zwischen dem therapeutischen Auftrag und unseren Qualitätsansprüchen keine Hürde, sondern eine Chance ist. Wir mussten lernen, in anderen Zeitdimensionen zu denken. Ein neuer Mitarbeiter braucht vielleicht drei Monate statt drei Wochen Einarbeitung. Dafür bleibt er oft jahrelang dabei und wird richtig gut. Das ist nachhaltiger als jede Quick-and-Dirty-Lösung.
Wie möchtet ihr die Marke Barista Royal in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Für uns ist Inklusion kein Charity-Projekt, sondern ein Erfolgsmodell. Bereits 2022 haben wir bewiesen, dass unser Konzept über Kaffee hinaus funktioniert: Mit „Tea of Dreams” haben wir seitdem den Teemarkt aufgewirbelt. Gleiche Philosophie, neues Getränk: Menschen mit Behinderung kreieren außergewöhnliche Tees, die mehr sind als nur ein gutes Gewissen. Wie auch beim Kaffee setzen wir beim Tee auf höchste Qualität. Jedes Jahr bringen wir zudem neue Produkte auf den Markt, die die Gesellschaft ein Stück näher an echte Inklusion bringen. Ob Kaffee, Tee oder was als Nächstes kommt – wir schaffen Arbeitsplätze, die Sinn stiften. Mehr Werkstätten sollen die Chance bekommen, mit uns zusammenzuarbeiten. Mehr Menschen mit Behinderung sollen morgens aufstehen und sich auf ihre Arbeit freuen.
Unser Ziel? Dass es irgendwann niemanden mehr überrascht, wenn der beste Kaffee, der beste Tee oder das beste Produkt von Menschen mit Behinderung kommt. Dass es normal wird. Inklusion soll kein Thema mehr sein, über das man reden muss, sondern gelebter Alltag werden. Bis dahin rösten, mischen und entwickeln wir weiter – ein Produkt, eine Geschichte, einen Menschen nach dem anderen.
Gibt es Pläne, das Sortiment oder den Vertrieb über neue Kanäle auszubauen?
Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Privat- und Firmenkunden, die verstehen, dass guter Kaffee seinen Preis hat. Guter Kaffee hat seinen Preis – und seinen Wert. Ja, wir sind ein paar Euro teurer pro Kilo als der Massenkaffee im Supermarkt. Dafür bekommst du aber auch mehr: handwerkliche Röstung, echte Geschichten und das gute Gefühl, mit jeder Tasse etwas zu bewegen. Für all jene, die das zu schätzen wissen, haben wir attraktive Abo-Rabatte entwickelt – für Privatgenießer ebenso wie für Büros, die ihre Kaffeepause zu einer Statement-Pause machen möchten.
Am Lebensmitteleinzelhandel beißen wir uns noch die Zähne aus. Die großen Ketten sind offenbar noch nicht bereit für echte Inklusion im Regal. Oft herrscht enormer Margendruck oder zählt dort leider die x-te Variante eines Trendprodukts mehr als eine Geschichte, die wirklich etwas verändert. Schade eigentlich, denn unsere Kunden zeigen uns jeden Tag, dass Qualität und soziale Verantwortung zusammen ein unschlagbares Team sind. Aber wir geben nicht auf! Wenn da draußen jemand ist, der Connections hat, der weiß, wie man Einkäufern die Augen öffnet, und der uns helfen will, die Supermarktregale zu erobern, dann meldet euch! Wir sind für jedes Gespräch offen. Wir träumen nämlich davon, dass Oma Erna ihren Inklusions-Kaffee irgendwann ganz selbstverständlich beim Wocheneinkauf mitnimmt. Bis dahin rocken wir weiter online, im Fachhandel und überall dort, wo Menschen Wert auf echte Qualität legen.
Wie reagiert ihr auf die wachsende Konkurrenz im Bereich nachhaltiger Kaffeeanbieter?
Natürlich gibt es Konkurrenz – überall, wo eine Idee funktioniert, wollen andere mitmischen. Das kennen wir. Gefühlt jede Woche taucht eine neue „nachhaltige” Kaffeemarke auf. Bio hier, Fairtrade dort, klimaneutral da. Der Markt ist voll davon. Und ehrlich? Das bringt uns manchmal schon ins Grübeln. Wie soll man Kunden erklären, dass unser Kaffee anders ist, wenn alle von Nachhaltigkeit reden? Wir erzählen daher keine abstrakten Nachhaltigkeits-Storys, sondern konkrete Menschen-Geschichten. Während andere mit der Optimierung ihrer CO2-Bilanz werben – was zweifellos wichtig ist – haben wir das schon umgesetzt und zusätzlich Arbeitsplätze für Menschen, die sonst durch das Raster fallen. Das ist greifbar, das ist echt, das berührt. Unsere Kunden kaufen nicht nur ein gutes Gewissen, sondern werden Teil einer echten Veränderung – hier bei uns und nicht irgendwo am anderen Ende der Welt.
Das birgt leider auch einige Herausforderungen. Inklusion lässt sich schwieriger vermitteln als ein Bio-Siegel. Gleichzeitig ist es deutlich aufwändiger. Es braucht mehr Erklärungen, mehr Zeit und mehr Überzeugungsarbeit. Aber genau das ist auch unsere Stärke. Wenn Kunden einmal verstanden haben, dass hinter ihrer Tasse Kaffee Menschen stehen, die jeden Morgen stolz zur Arbeit kommen und ihre persönliche Handschrift in jeder Bohne hinterlassen, dann bleiben sie dabei.
Wir müssen jeden Tag aufs Neue beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber wir haben etwas, das die Konkurrenz nicht kopieren kann. Unsere Authentizität, die man schmeckt. Unsere Röster, ihre Geschichten und ihre besondere Arbeitsweise – all das ist einzigartig. Solange es Menschen gibt, die das wertschätzen, werden wir weitermachen. Nicht trotz, sondern wegen unserer Überzeugung.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die ein soziales Unternehmen aufbauen möchten?
Macht es aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Menschen spüren, ob du es ernst meinst. Zweitens: Sozial bedeutet nicht schlechte Qualität – im Gegenteil! Die besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung können zu außergewöhnlichen Produkten führen. Sucht diese Stärken und baut darauf auf. Drittens: Habt Geduld und nehmt euch Zeit. Ja, manches dauert länger. Manches ist komplizierter oder sogar fehleranfälliger. Aber wenn ihr am Ende des Tages seht, wie stolz eure Mitarbeiter auf ihre Arbeit sind, wisst ihr: Es hat sich jede Extra-Minute gelohnt. Social Entrepreneurship ist kein Sprint, sondern die schönste Marathon-Strecke, die ihr je laufen werdet.
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Wir bedanken uns bei Christoph Weil und Michael Halbritter für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
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Im Interview mit Pascal Beij geht es um die Zukunft des Handels und darum, wie Agentic Commerce mithilfe von KI-Agenten den gesamten Einkaufsprozess automatisiert und effizienter gestaltet.
Wie würden Sie den Begriff Agentic Commerce für ein breites Publikum erklären?
Agentic Commerce ist im Grunde ein neues Konzept im Handel, bei dem KI-Agenten wirklich den kompletten Einkaufsprozess für uns übernehmen. Das heißt, anstatt dass ich oder Sie jeden einzelnen Schritt noch selbst erledigen müssen – also recherchieren, vergleichen, eine Entscheidung treffen und dann bezahlen – macht das in Zukunft eine künstliche Intelligenz für uns, und zwar automatisch im Hintergrund. Für Verbraucher:innen ist das natürlich eine enorme Erleichterung, weil es Zeit spart und bequemer ist. Und Unternehmen können davon profitieren, indem sie zum Beispiel ihre Lieferketten besser steuern oder Preisverhandlungen automatisieren und dadurch insgesamt effizienter arbeiten.
In welchen Bereichen erleben wir heute bereits erste reale Anwendungen von KI-gesteuertem Einkaufen?
Das Potenzial vom agentenbasierten Handel ist riesig. Analysten schätzen, dass bis zu vier Prozent der digitalen Transaktionen bis 2029 schon von solchen KI-Agenten ausgeführt werden könnten. Das klingt vielelicht wenig, aber bei einem Markt von über 36 Billionen US-Dollar pro Jahr ist das enorm. Besonders gut eignet sich diese Automatisierung dort, wo Abläufe immer wieder gleich sind, etwa bei wiederkehrenden Zahlungen oder Standardtransaktionen, vor allem auch im B2B-Bereich. Bei komplizierten Einzelkäufen bleibt der Mensch natürlich weiterhin gefragt. Ein ganz konkretes Beispiel ist das US-Unternehmen Perplexity, das 2024 einen KI-Agenten vorgestellt hat, der Bestellungen schon komplett alleine auslösen kann. Klar, da läuft noch nicht alles rund, und einfache Aufgaben funktionieren manchmal erst nach mehreren Versuchen, aber die Richtung stimmt. Und dass große Zahlungsdienstleister wie Visa oder Mastercard hier verstärkt investieren, zeigt auch, wie ernst das Thema mittlerweile genommen wird.
Viele sprechen von einem Hype – was ist Ihrer Einschätzung nach tatsächlich schon marktreif?
Man muss schon sagen, dass wir beim agentenbasierten Handel noch ganz am Anfang stehen, auch wenn die Entwicklung richtig schnell vorangeht. Es gibt noch viele Baustellen, an denen gearbeitet wird, aber was man merkt: Wir bewegen uns Stück für Stück weg vom reinen Zukunftsversprechen hin zu ersten echten Anwendungen, gerade bei Prozessen im Handel oder bei Zahlungen.
Welche technologischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit KI-Agenten eigenständig Kaufentscheidungen treffen können?
Da braucht es erstens Schnittstellen – also leistungsfähige APIs –, damit die Agenten mit verschiedenen Systemen kommunizieren und Informationen austauschen können. Die Künstliche Intelligenz braucht zweitens Zugriff auf hochwertige, aktuelle Daten, denn nur so kann sie Kaufentscheidungen treffen. Die Produktinformationen müssen daher so aufbereitet sein, dass eine Maschine sie verstehen und nutzen kann. Drittens brauchen wir sichere Echtzeit-Transaktionen, damit Zahlungen schnell und automatisch ausgelöst werden können. Und viertens brauchen wir einen sicheren regulatorischen Rahmen.
Welche Rolle spielen dabei große Tech-Unternehmen wie Amazon, OpenAI oder Perplexity?
Die großen Tech-Unternehmen wie Amazon, OpenAI, Perplexity oder Google sind hier Vorreiter. Gefühlt gibt es wöchentlich neue Ankündigungen und Partnerschaften – da kooperiert Paypal mit OpenAI, Mastercard mit Paypal und Cloudflare mit den Kartenorganisationen wie Visa, Mastercard und American Express, damit KI-Agenten Transaktionen im Namen von Verbrauchern abwickeln können. Noch ist offen, welche Anbieter und Systeme sich durchsetzen werden, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die großen Tech-Unternehmen hier Standards setzen werden, an denen sich andere orientieren.
Wie lässt sich sicherstellen, dass KI-Agenten im Sinne der Nutzer handeln – also fair, transparent und datenschutzkonform?
Zentrale Voraussetzung ist die Einhaltung geltender Datenschutzgesetze wie der DSGVO, ergänzt durch transparente Algorithmen und klare Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen. Technisch wird dies durch abgesicherte Datenverarbeitung – etwa über Tokenisierung – unterstützt. Wichtig ist zudem, dass Nutzer Kontrollmöglichkeiten haben, um den Handlungsspielraum der Agenten festzulegen. Nur so kann sichergestellt werden, dass KI-Agenten tatsächlich im Interesse der Nutzer agieren.
Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI eine Fehlentscheidung trifft oder einen falschen Kauf tätigt?
Die Frage der Haftung ist eine der zentralen Herausforderungen im Agentic Commerce. Bislang ist rechtlich noch nicht eindeutig geregelt, wer im Fehlerfall haftet – also etwa, ob die Verantwortung beim Nutzer, beim Anbieter des Agenten oder beim Händler liegt. Die gesamte Branche beschäftigt sich aktuell mit genau dieser Problematik und sucht gemeinsam nach praxistauglichen Regelungen. Klar ist: Hier wird es verbindliche gesetzliche und vertragliche Rahmenbedingungen brauchen, um Rechtssicherheit zu schaffen.
Welche regulatorischen oder ethischen Fragen ergeben sich, wenn Maschinen für Menschen Verträge abschließen?
Zum einen muss klar nachvollziehbar sein, dass der Agent tatsächlich im Auftrag und Interesse des Nutzers handelt. Die Authentizität und Wirksamkeit von Einwilligungen oder Vertragsabschlüssen durch KI sind noch nicht normiert. Außerdem stellt sich die Frage, wer haftet, wenn etwas schiefgeht – sei es versehentlich oder durch Missbrauch. Auch die Möglichkeiten zur Rückabwicklung und die Rolle des menschlichen Supports müssen geklärt werden. Ethisch relevant ist zudem, wie viel Kontrolle Nutzer abgeben und wie transparent und nachvollziehbar die Entscheidungsprozesse der KI-Agenten sind.
Wie gut ist Europa auf diese Entwicklung vorbereitet – und besteht die Gefahr, erneut den Anschluss an die USA oder Asien zu verlieren?
Europa zeigt grundsätzlich eine hohe Sensibilität, was Datenschutz und Sicherheit betrifft. Das führt allerdings auch dazu, dass Innovationen hier oft etwas langsamer voranschreiten als in den USA oder Asien. Dort beginnen bereits erste große Markteinführungen von KI-gestützten Commerce-Lösungen, während in Europa die regulatorischen Grundlagen, insbesondere bei Datenschutz und Compliance, noch nicht vollständig geschaffen sind. Trotzdem ist die technologische Entwicklung auch hier dynamisch – etwa im Bereich Tokenisierung und Authentifizierung.
Welche Chancen eröffnet Agentic Commerce für Händler und Zahlungsdienstleister?
Für Händler:innen bedeutet diese Entwicklung die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle effizienter zu gestalten und das Einkaufserlebnis für Kund:innen nahtloser zu machen. Durch den Einsatz von KI-Agenten können Prozesse wie Bestandsmanagement und Preisverhandlungen automatisiert werden, was zu einer Optimierung der Lieferketten und einer verbesserten Ressourcennutzung führt. Zahlungsdienstleister können von der zunehmenden Automatisierung im Handel profitieren, indem sie sichere Echtzeit-Transaktionssysteme anbieten, die den komplexen Anforderungen eines KI-gesteuerten Handels entsprechen. Außerdem können sie durch innovative Zahlungslösungen und die Anpassung an gesetzliche Vorgaben ihre Position im Markt stärken. Insgesamt eröffnet Agentic Commerce die Chance auf eine höhere Effizienz und neue Geschäftsmodelle, die durch verbesserte Technologieeinsätze unterstützt werden.
Welche Risiken sehen Sie für Verbraucher, wenn KI-Agenten künftig eigenständig Zahlungen auslösen?
Aktuell sehe ich für Verbraucher kein grundsätzlich erhöhtes Risiko, da auf absehbare Zeit immer noch ein Mensch in den Freigabeprozess eingebunden sein wird, der Transaktionen final legitimiert. Gerade weil viele rechtliche Fragen – zum Beispiel rund um Haftung und Rückabwicklung – noch offen sind, wird dieser „Human-in-the-loop“-Ansatz vorerst bestehen bleiben.
Wie verändert sich durch diese Entwicklung die Rolle klassischer Onlinehändler und Zahlungsanbieter?
Für Onlinehändler:innen wird es immer wichtiger, auf eine hohe Datenqualität und eine maschinenlesbare Präsentation ihrer Produkte zu achten – also digitale Informationen zu liefern, mit denen eine KI gut arbeiten kann. Im Vergleich zu klassischen Marketing-Ansätzen wie SEO wird entscheidender, dass Maschinen die Angebote leicht finden und verarbeiten können. Händler müssen ihre Systeme also so aufsetzen, dass die Anbindung an KI-Agenten möglichst reibungslos funktioniert. Zahlungsanbieter müssen Lösungen bieten, die automatisiert und sicher sind, um die neuen Anforderungen im KI-gesteuerten Handel zu erfüllen.
Wie bereitet sich Ihr Unternehmen konkret auf diese Zukunft vor – und welche Verantwortung sehen Sie für die Payment-Branche?
Wir haben eine abteilungsübergreifende Expertengruppe, die sich intensiv mit den technischen, rechtlichen und prozessualen Herausforderungen auseinandersetzt. Uns ist wichtig, dass zentrale Themen wie Sicherheit, Authentifizierung und Tokenisierung von Anfang an mitgedacht werden. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Compliance-, Risiko- und IT-Teams sowie natürlich auch mit der Rechtsabteilung zusammen. Außerdem sind wir im aktiven Austausch mit wichtigen Partnern wie Visa, Mastercard und Banken, um gemeinsam an sicheren Lösungen und Standards für automatisierte Transaktionen zu arbeiten.
Was wünschen Sie sich von der öffentlichen Debatte rund um Agentic Commerce?
Ich wünsche mir, dass die Diskussion ausgewogen geführt wird – also beide Seiten im Blick hat: sowohl die Chancen für mehr Effizienz und bessere Nutzererlebnisse als auch mögliche Risiken. Und ich wünsche mir den Mut, Neues zu wagen – von der Politik, von den Unternehmen und von den Verbraucher:innen.
Bild Pascal Beij @Unzer
Wir bedanken uns bei Pascal Beij für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Immer schneller, immer mehr, immer weiter – das war lange das ungeschriebene Gesetz der Startup-Welt. Doch eine neue Generation von Gründerinnen und Gründern bricht bewusst mit diesem Tempo. Das Slow Startup, die Idee von Achtsamkeit im Business und das Prinzip des nachhaltigen Arbeitens stehen für ein Umdenken in einer Welt, die gelernt hat, dass Dauerstress kein Erfolgskonzept ist.
Vom Dauerlauf zur bewussten Bewegung
In der Startup-Szene galt Überstundenkultur lange als Statussymbol. Schlaflose Nächte, sieben Tage die Woche arbeiten und „Hustle“ als Identität. Doch immer mehr Gründer:innen erkennen, dass dieser Lebensstil auf Dauer krank macht – physisch wie mental.
Das Slow Startup steht für eine neue Haltung. Es geht nicht um Stillstand, sondern um Bewusstheit. Gründerinnen und Gründer hinterfragen, wie sie arbeiten, was wirklich wichtig ist und wie sie ein Unternehmen aufbauen, das Leistung und Lebensqualität in Einklang bringt.
Diese Bewegung ist eine Reaktion auf die Hustle Culture, die Produktivität über Menschlichkeit stellte. Heute geht es um Balance statt Burnout – um strategische Langsamkeit als Erfolgsfaktor.
Achtsamkeit im Business – mehr als ein Trend
Achtsamkeit im Business bedeutet, bewusst zu handeln, präsent zu sein und Prioritäten klar zu setzen. Das betrifft nicht nur den Umgang mit sich selbst, sondern auch mit Teams und Geschäftspartnern.
In Slow Startups ist Achtsamkeit keine Modeerscheinung, sondern Teil der Unternehmenskultur. Meetings werden kürzer, Kommunikationswege klarer, Entscheidungen reflektierter. Ziel ist nicht, weniger zu tun, sondern das Richtige zu tun.
Studien zeigen, dass achtsam geführte Teams produktiver und kreativer sind. Wer Pausen zulässt und Raum für Reflexion schafft, trifft langfristig bessere Entscheidungen. Gründer:innen, die Achtsamkeit praktizieren, reduzieren nicht nur Stress, sondern fördern Empathie und Teamgeist.
Nachhaltiges Arbeiten – Erfolg mit Sinn und Struktur
Nachhaltiges Arbeiten ist der dritte Pfeiler des Slow Startup-Prinzips. Es geht darum, Ressourcen – ob Zeit, Energie oder Kapital – bewusst einzusetzen. Statt kurzfristiger Höchstleistungen zählt der langfristige Rhythmus.
Ein Beispiel: Ein Startup, das bewusst langsamer wächst, um Qualität und Kultur zu sichern. Das mag auf den ersten Blick weniger spektakulär erscheinen, führt aber zu stabileren Strukturen, loyalen Mitarbeitenden und zufriedeneren Kund:innen.
Nachhaltiges Arbeiten bedeutet auch, Grenzen zu setzen. Nicht jede Chance muss sofort ergriffen, nicht jeder Trend mitgemacht werden. Erfolg wird dadurch nachhaltiger, weil er auf Klarheit und Fokus basiert – nicht auf Überforderung.
Slow Startup als Haltung
Ein Slow Startup zu führen bedeutet nicht, auf Ambitionen zu verzichten. Es heißt, Erfolg auf die eigene Art zu definieren. Gründer:innen, die diesen Weg gehen, verstehen, dass ständige Beschleunigung keine Innovation garantiert.
Langsamkeit ist hier kein Mangel, sondern Strategie. Sie ermöglicht tiefere Einsichten, fundiertere Entscheidungen und echte Kreativität. In einem Umfeld, das ständig auf „höher, schneller, weiter“ drängt, ist Gelassenheit ein Akt der Stärke.
Die Gründerinnen und Gründer von Slow Startups berichten häufig von gesteigerter Lebensqualität, stabileren Teams und einer klareren Vision. Sie bauen Unternehmen, die wachsen, ohne zu hetzen – und damit länger bestehen.
Achtsamkeit als Führungsqualität
Führung im Slow Startup bedeutet, mit gutem Beispiel voranzugehen. Gründer:innen, die Pausen ernst nehmen, Empathie zeigen und klare Kommunikation fördern, schaffen ein Umfeld, in dem Mitarbeitende Verantwortung übernehmen.
Achtsamkeit im Business ist damit auch ein Leadership-Tool. Sie hilft, Konflikte früh zu erkennen, Burnout vorzubeugen und Motivation zu erhalten. Führungskräfte, die zuhören, schaffen Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis für Innovation.
Diese Form des Führens unterscheidet sich deutlich von der traditionellen Gründerrolle. Es geht weniger um Kontrolle, mehr um Vertrauen. Weniger um Tempo, mehr um Richtung.
Nachhaltiges Arbeiten als Zukunftsmodell
Immer mehr Studien belegen, dass nachhaltige Unternehmenskulturen resilienter sind. Startups, die auf Werte, Transparenz und Menschlichkeit setzen, überstehen Krisen besser und wachsen gesünder.
Das Slow Startup ist somit kein Gegenentwurf zum Erfolg, sondern ein nachhaltiges Erfolgsmodell. Es beweist, dass Ruhe und Fokus keine Bremsen, sondern Beschleuniger für Qualität und Beständigkeit sind.
Nachhaltiges Arbeiten bedeutet auch, Umwelt- und Sozialaspekte mitzudenken. Viele Slow Startups kombinieren Achtsamkeit mit Nachhaltigkeit – von ökologischen Lieferketten bis zu fairen Arbeitsbedingungen.
Fazit
Das Slow Startup steht für einen Paradigmenwechsel in der Gründerszene. Achtsamkeit im Business und nachhaltiges Arbeiten zeigen, dass Erfolg nicht im Tempo, sondern in der Tiefe liegt.
Gründer:innen, die bewusst führen, lernen, dass Qualität vor Quantität steht – und dass nachhaltiger Erfolg dann entsteht, wenn man sich Zeit nimmt, das Richtige zu tun.
SquareNeo entwickelt KI-basierte Vertriebssoftware, die komplexe Prozesse im B2B-Bereich vereinfacht und das Wissen erfahrener Vertriebsteams effizient nutzbar macht
Wie ist die Idee zu SquareNeo entstanden und welches Problem im B2B-Vertrieb wollten Sie damit lösen?
Die Idee zu SquareNeo entstand aus der Beobachtung, dass der Vertriebsprozess von komplexen Industrieprodukten oft langwierig und fehleranfällig ist. Vertriebsmitarbeiter müssen sich durch umfangreiche Produktkataloge arbeiten und unzählige technische Spezifikationen abrufbereit haben, damit sie die passende Lösung für den Kunden finden. Viele Prozesse wiederholen sich, ohne dass dieses Wissen, was häufig vor allem bei erfahreneren Mitarbeitern angehäuft ist, systematisch genutzt wird. Wir wollen genau dieses Problem lösen, indem wir den Vertrieb durch intelligente Technologien entlasten. Existierende Tools bieten zwar Unterstützung, erfordern allerdings auch einiges an Know-How.
Was war der wichtigste Impuls, der Sie dazu motiviert hat, eine KI-basierte Vertriebssoftware zu entwickeln?
Der entscheidende Impuls kam aus unserem Arbeitsalltag bei unserem alten Arbeitgeber. Dort haben wir an der Entwicklung von CPQ-Systemen gearbeitet, also Software, mit der die Konfiguration und Angebotserstellung im Vertrieb erleichtert wird. Dadurch standen wir regelmäßig mit Vertriebsmitarbeitern im Kontakt und bekamen Einblicke in den Arbeitsalltag im Vertrieb. Hier erreichte uns häufig der Wunsch nach einer besseren Lösung, was uns inspirierte. Dazu kam auch die Erkenntnis, dass viele Unternehmen trotz moderner Vertriebssoftware noch immer viel Zeit mit dem manuellen Schreiben von Angeboten und der Suche nach der passenden Lösung verbringen. Deshalb wollten wir eine Lösung kreieren, die den Vertriebsmitarbeitern nicht nur dabei hilft, Zeit zu sparen, sondern eben auch das angesprochene Wissen nutzbar zu machen.
Wie hilft der SalesCoach von SquareNeo Unternehmen konkret dabei, komplexe Vertriebsprozesse zu vereinfachen?
Der SquareNeo SalesCoach kann automatisch umfangreiche Kundenanfragen aus E-Mails, Excel Dokumenten, PDF-Dateien etc. analysieren. Basierend darauf wird mithilfe der KI die am besten passende Produktvariante für die entsprechenden Anforderungen gesucht. Das spart den Vertrieblern die Zeit, die das mühselige manuelle Heraussuchen von Details aus dem Produktkatalog in Anspruch genommen hätte. Zudem basiert die Datenbasis der Software auf vergangenen, abgeschlossenen Angeboten, was die Variantenfindung bei wiederkehrenden Anforderungen deutlich vereinfacht.
Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Ihrer Lösung an und wie unterscheiden sich deren Anforderungen?
Unsere Lösung spricht vor allem Vertriebsteams oder den technischen Vertrieb in Unternehmen an. Diese Unternehmen stammen häufig aus Branchen wie dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Automobilindustrie. Prinzipiell kann der SquareNeo SalesCoach aber überall dort Gebrauch finden, wo variantenreiche Produkte verkauft werden und das Wissen über diese Varianten eben in riesigen Katalogen oder den Köpfen der Vertriebsmitarbeiter gespeichert ist. Das könnte auch Luft- und Raumfahrttechnik, Medizintechnik oder Software/IT sein. Dabei geht es häufig weniger um Unterschiede zwischen den Branchen, sondern eher wie die Vertriebsstruktur unternehmensintern aufgebaut ist. In unterschiedlichen Unternehmen wird unterschiedliche Software zur Variantenkonfiguration und Angebotserstellung verwendet, was dementsprechend unterschiedliche Anforderungen für uns mit sich bringt.
Was war bisher die größte Herausforderung bei der Entwicklung oder Implementierung Ihres Produkts und wie sind Sie damit umgegangen?
Eine große Herausforderung war es für uns, die genauen Anforderungen unserer Kunden zu identifizieren und das das Produkt in genau diese Richtung zu lenken. Gerade in der Anfangsphase, in der wir voller Tatendrang im „Gründungsfieber“ waren, mussten wir uns teilweise bremsen und einen Schritt zurückgehen, um das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Hier haben viele interne Gespräche, aber auch Meetings und Demonstrationen mit interessierten Firmen und Kontakten geholfen.
Durch viel Evaluieren und Ausprobieren konnten wir unsere Vision immer greifbarer machen und konnten uns so viel sicherer sein, dass das der SquareNeo SalesCoach auch die tatsächlichen Herausforderungen der Industrie lösen kann. Bei der darauffolgenden Entwicklung mussten wir dann auch die Balance zwischen Genauigkeit und Kreativität finden. Denn auch wenn viele Ideen da waren, die echte Use Cases lösen würden, muss unser Vorschlag am Ende auch belastbar sein. Auch hier war die Devise: Je besser die Planung, desto besser im Endeffekt auch das Ergebnis.
Viele Unternehmen setzen bereits auf CRM- oder CPQ-Systeme. Wie fügt sich SquareNeo in diese bestehende Softwarelandschaft ein?
Der SquareNeo SalesCoach versteht sich nicht als Ersatz für bestehende Systeme, sondern als Ergänzung. Wie gesagt, die meisten Firmen besitzen bereits bestehende Strukturen im Vertriebsprozess und alte Software mit völlig neuer zu ersetzen wäre sowohl aufwändig als auch sinnlos. Wir fungieren eher als Brücke zwischen Produktkonfiguration und Angebotserstellung und spielen genau dort die Stärken von KI aus. So nutzen wir die etablierten Strukturen und bauen die Vorteile von KI quasi „obendrauf“. Das ermöglicht eine nahtlose Integration und verbessert die Effizienz, ohne in die Routine einzugreifen.
Was macht den Ansatz von SquareNeo einzigartig im Vergleich zu anderen KI-basierten Lösungen im Vertrieb?
Viele traditionellere Services fokussieren sich auf generische Standardisierung oder statische Vorlagen. Der SquareNeo SalesCoach hingegen kombiniert die individuelle Datenstruktur mit regelbasiertem Wissen. Da die KI besonders stark in der Verarbeitung von großen Datenmengen ist und wir ihr genau die richtigen Schranken aufweisen, ist unsere Lösung perfekt für Unternehmen, die den nächsten großen Schritt in der Digitalisierung gehen wollen, ohne bestehende Abläufe extrem anpassen zu müssen.
Wie stellen Sie sicher, dass die sensiblen Daten Ihrer Kunden in der Cloud-Lösung optimal geschützt sind?
In Absprache mit unseren Kunden werden alle unsere Lösungen entweder in Deutschland oder Europa gehostet, um den Umgang mit den Unternehmensdaten von vorneherein DSGVO-konform zu gestalten. Ebenso können alle KI-Modelle, die wir für die Software nutzen, souverän gehostet werden. Das bedeutet, dass die Daten unserer Kunden souverän, also unabhängig der Server von großen KI-Anbietern, verarbeitet werden. Ebenso ist es möglich, den ganzen SquareNeo SalesCoach vollständig on-premise, also auf dem Firmengelände bzw. auf eigenen Servern zu hosten. Alle Daten bleiben dadurch im Kundenkontext und können nicht für externe Zwecke verwendet werden. Außerdem nutzen wir moderne Verschlüsselungstechnologien, um die Daten währen der Übertragung und Speicherung ausreichend zu schützen.
Welche Rolle spielt KI für Sie in der Zukunft des industriellen Vertriebs?
KI wird eine zentrale Rolle spielen, denn Sie hilft, wie in unserem Fall, vorhandenes Unternehmenswissen einfacher zu speichern, zu verarbeiten und zu skalieren. Sie wird den menschlichen Aspekt des Vertriebs nicht ersetzen, aber ergänzen, indem Routineaufgaben automatisiert werden und die Verfügbarkeit von Expertenwissen ohne weitere Hürden allen im Vertriebsteam zuteilwird. So bleibt mehr Zeit für strategische Entscheidungen und dem tatsächlichen Kundenkontakt. Langfristig wird KI dazu beitragen, den Vertrieb agiler, datengetriebener und effizienter zu machen.
Wie sieht Ihre Vision für SquareNeo in den kommenden Jahren aus? Gibt es bereits neue Funktionen oder Märkte, die Sie anvisieren?
Unsere Ziele drehen sich als junges Startup vor allem um Skalierung, sowohl in der Teamgröße als auch im Kundenstamm. Hauptsächlich soll natürlich das Produkt weiterentwickelt und als Standardsoftware mit Lizenzmodell im Markt etabliert werden. Neue Funktionen werden häufig infolge von Kundenanforderungen entwickelt, wenn also mehr Kunden mit unterschiedlicheren Anforderungen an Bord kommen, wird auch der SquareNeo SalesCoach mit weiteren Funktionalitäten ausgestattet. Aktuell ist vor allem die automatische Generierung der Angebotstexte und des Pricings, basierend auf der konfigurierten Variante konkret geplant.
Was motiviert Sie persönlich, Innovation im Bereich Vertriebssoftware voranzutreiben?
Uns motiviert vor allem, dass die Technologie den Vertrieb menschlicher machen kann. Indem dem Vertriebsteam komplexe und zeitintensive Aufgaben abgenommen werden, können sie sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: den persönlichen Kontakt und die individuelle Beratung. Bei unserem ehemaligen Arbeitgeber haben wir wie gesagt bereits an traditionellerer Software für den Vertrieb gearbeitet und der Schritt in die Selbstständigkeit, kombiniert mit der Integration einer spannenden Technologie motiviert uns jeden Tag.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben, die ebenfalls mit einer technischen Lösung in einem traditionellen Markt starten möchten?
Am wichtigsten war für uns, dem Vertrieb des eigenen Produktes schon früh eine hohe Priorität zuzuschreiben, denn Unternehmen können keine Software verwenden, von der sie gar nicht wissen, dass sie existiert. Außerdem ist eine ausgiebige Markt- und Kundenanalyse unerlässlich. Gründern muss bewusst sein, welchen Herausforderungen sich die jeweilige Branche tagtäglich stellen muss, um eine Lösung zu entwickeln, die wirklich einen Unterschied macht. Und am Ende ist natürlich auch das Durchhaltevermögen extrem wichtig.
Bild Dr. Michael Klein (links) und Sebastian Kaupp (rechts) Bildrechte SquareNeo Solutions GmbH
Erfolg ist sichtbar, Scheitern bleibt oft verborgen. Doch gerade in der Startup-Welt zeigt sich, dass Scheitern im Startup, eine starke Gründermentalität und das Lernen aus Fehlern untrennbar miteinander verbunden sind. Wer mutig gründet, muss auch bereit sein, zu scheitern – und genau darin liegt die wahre Stärke.
Scheitern im Startup – zwischen Tabu und Realität
In der Gründerszene wird gern über Erfolge gesprochen, über Finanzierungsrunden, neue Produkte oder internationale Expansion. Doch die andere Seite bleibt oft im Schatten: das Scheitern. Dabei ist Scheitern im Startup keine Ausnahme, sondern Teil des Systems.
Statistiken zeigen, dass rund 80 Prozent aller Startups innerhalb der ersten fünf Jahre scheitern. Die Gründe sind vielfältig – von fehlender Marktvalidierung über falsches Timing bis zu Konflikten im Gründerteam. Doch die Frage ist nicht, ob man scheitert, sondern wie man damit umgeht.
In Deutschland ist Scheitern noch immer negativ belegt. Wer ein Unternehmen schließt, gilt als gescheitert. In den USA hingegen wird es oft als notwendige Etappe gesehen – als Beweis für Mut, Erfahrung und Lernfähigkeit. Diese kulturelle Haltung ist entscheidend, wenn man das Thema Scheitern im Startup neu denken will.
Gründermentalität – Erfolg durch Haltung
Eine gesunde Gründermentalität erkennt, dass Misserfolg kein Endpunkt ist, sondern ein Prozess. Gründerinnen und Gründer, die bereit sind, Fehler zu akzeptieren und daraus zu lernen, entwickeln sich schneller weiter.
Die Startup-Welt braucht genau diese Haltung: Neugier, Offenheit und die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen. Erfolgreiche Gründer:innen zeichnen sich nicht durch fehlerlose Karrieren aus, sondern durch die Art, wie sie mit Rückschlägen umgehen.
Ein Beispiel ist Elon Musk, der mit seinen frühen Projekten mehrfach gescheitert ist, bevor er mit Tesla und SpaceX Erfolg hatte. Oder Melanie Perkins, die Gründerin von Canva, die über 100 Investorenabsagen erhielt, bevor sie ihre Vision verwirklichen konnte.
Diese Geschichten zeigen, dass eine starke Gründermentalität keine Angst vor dem Scheitern hat – sie nutzt es als Motor.
Lernen aus Fehlern – der unterschätzte Erfolgsfaktor
Fehler sind die ehrlichsten Lehrer. Wer bereit ist, hinzuschauen, entdeckt in ihnen die größten Entwicklungschancen. Lernen aus Fehlern bedeutet, Muster zu erkennen, Ursachen zu analysieren und Strategien zu verbessern.
In Startups ist dieser Prozess besonders wertvoll, weil Entscheidungen schnell und oft unter Unsicherheit getroffen werden. Fehler lassen sich hier nicht vermeiden – aber sie können zu besseren Prozessen führen.
Ein praktisches Beispiel: Ein Food-Startup, das mit einem Produkt floppte, nutzte das Feedback unzufriedener Kund:innen, um das Rezept und Packaging zu optimieren. Das neue Produkt wurde später zum Bestseller.
Lernen aus Fehlern funktioniert nur, wenn Offenheit herrscht. Teams, die über Fehlentscheidungen sprechen dürfen, ohne Angst vor Schuldzuweisungen, entwickeln mehr Vertrauen und Innovationskraft.
Warum die Angst vor dem Scheitern lähmt
Die größte Hürde für Gründer:innen ist oft nicht das Scheitern selbst, sondern die Angst davor. Diese Angst verhindert mutige Entscheidungen, kreative Ideen und Experimente. Doch Innovation entsteht selten aus Sicherheit, sondern aus Risiko.
Gerade in der Anfangsphase eines Startups ist Experimentierfreude entscheidend. Wer immer nur auf Nummer sicher geht, verliert an Geschwindigkeit und Lernpotenzial. Das heißt nicht, blind zu handeln, sondern mutig und reflektiert.
Ein gesundes Verhältnis zum Scheitern im Startup entsteht, wenn Fehler nicht als Versagen, sondern als notwendiger Teil des Fortschritts betrachtet werden.
Gründermentalität im Wandel
Die neue Generation von Gründer:innen verändert die Perspektive auf Misserfolg. In Startup-Communities, Podcasts und Netzwerken wird heute offener über Krisen, Burnout oder Fehlentscheidungen gesprochen. Diese Transparenz hilft, die Gründermentalität neu zu definieren – als realistisch, menschlich und lernorientiert.
Events wie „Fuckup Nights“ zeigen, dass Scheitern keine Schande ist, sondern ein Lernmoment. Wer öffentlich über Rückschläge spricht, inspiriert andere und trägt zu einer Kultur des Vertrauens bei.
Ein Reifezeichen für ein Startup-Ökosystem ist, wenn Misserfolg als Erfahrung und nicht als Stigma verstanden wird.
Lernen aus Fehlern als Wettbewerbsvorteil
In einer schnelllebigen Wirtschaft ist Anpassungsfähigkeit entscheidend. Startups, die Fehler schnell erkennen und daraus lernen, reagieren agiler auf Marktveränderungen. Lernen aus Fehlern wird damit zu einem echten Wettbewerbsvorteil.
Gründer:innen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln, schaffen nicht nur bessere Produkte, sondern auch resilientere Teams. Fehler sind in diesem Sinne kein Rückschritt, sondern Teil des Wachstumsprozesses.
Eine Studie des MIT belegt: Unternehmer:innen, die bereits einmal gescheitert sind, haben bei ihrem nächsten Unternehmen eine deutlich höhere Erfolgschance – weil sie realistischere Entscheidungen treffen.
Fazit
Scheitern im Startup ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern des Lernens. Eine starke Gründermentalität erkennt Rückschläge als Chance, sich weiterzuentwickeln.
Wer den Mut hat, offen mit Fehlern umzugehen, schafft Innovation, Vertrauen und langfristigen Erfolg. Lernen aus Fehlern ist kein Makel, sondern die Grundlage für nachhaltiges Unternehmertum – und die ehrlichste Form des Wachstums.
Holzkern steht für Uhren, Schmuck und Accessoires aus natürlichen Materialien – jedes Stück ein Unikat, das die Einzigartigkeit der Natur und seiner Trägerinnen und Träger widerspiegelt.
Wie ist die Idee zu Holzkern entstanden und wer steht hinter dem Unternehmen?
Elias Ferihumer hat HOLZKERN 2016 in Oberösterreich gegründet – das Kinder- und Wohnzimmer im Elternhaus hat sowohl als Büro als auch Lager gedient. Unterstützt wurde Elias von seiner Schwester, die seine erste Mitarbeiterin war. Nach dem Studium an der WU Wien ist HOLZKERN nach Wien umgesiedelt. Die eigentliche Idee zum Geschäftsmodell ist Elias dabei auf einer Weltreise und aufgrund seiner Naturverbundenheit gekommen. 2024 hat Elias die Geschäftsführung an Georg Holzer, Mitarbeiter Nummer 9 und langjährig im Bereich Marketing tätig, übergeben.
Welche persönliche Geschichte oder Motivation steckt hinter dem Wunsch, natürliche Materialien wie Holz und Stein für Uhren und Schmuck zu nutzen?
Die Idee für HOLZKERN entstand aus Liebe zur Natur und mit dem Ziel, den bewussten Umgang mit Zeit in den Mittelpunkt des Alltags zu rücken. Dabei setzen wir auf natürliche Materialien und Vielfalt. Uns geht es darum, für jede Kundin und jeden Kunden ein wirklich einzigartiges Stück zu schaffen – inspiriert von der Natur. Mit dieser Individualität, kombiniert mit hoher Qualität und einem ausgezeichneten Service, wollen wir sicherstellen, Produkte zu schaffen, die so individuell sind, wie ihre Träger und Trägerinnen.
Was ist die zentrale Vision von Holzkern und wie arbeiten Sie täglich daran, sie Wirklichkeit werden zu lassen?
Unsere Vision ist es, die weltweit größte Marke für natürliche Vielfalt zu werden und uns als führender Anbieter von Uhren, Schmuck und Accessoires aus natürlichen Materialien zu etablieren. Wir leben nach dem Motto ‚Be proud to be unique‘ und möchten dieses Gefühl auch nach außen tragen. Im Alltag bedeutet das für uns, dass wir Kreativität gezielt einsetzen, um nachhaltigen Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen – für unsere Kund:innen, unsere Mitarbeiter:innen, unsere Partner und auch für die Umwelt. Vielfalt in den Materialien, den Designs und im Team ist dabei der Schlüssel, mit dem wir unsere Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden lassen. Unser Anspruch ist es, jeden Tag ein Stück besser zu werden als gestern. Dieses ständige Weiterentwickeln – sei es in der Qualität, im Service oder in der Kreativität – treibt uns an und hilft uns, unsere Vision Schritt für Schritt zu verwirklichen.
Welche Werte sind Ihnen bei der Produktentwicklung besonders wichtig?
Bei der Produktentwicklung legen wir besonderen Wert darauf, die Einzigartigkeit der Natur in den Vordergrund zu stellen. Unsere Materialien tragen von Natur aus einen besonderen Wert in sich. Diesen heben wir durch modernes Design und höchste Produktions- und Qualitätsstandards zusätzlich hervor, sodass am Ende langlebige und qualitativ hochwertige Produkte entstehen, die ihre eigene Geschichte erzählen. Uns ist wichtig, dass jedes Stück individuell und besonders bleibt – und gleichzeitig so gestaltet ist, dass es die Diversität der Menschen anspricht.
An wen richtet sich das Angebot von Holzkern – und wie stellen Sie sicher, dass Sie die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe wirklich treffen?
Unser Angebot richtet sich an Menschen, die das Besondere suchen – die Wert auf Individualität legen und sich mit Produkten identifizieren möchten, die ihre Persönlichkeit und ihre eigene Geschichte widerspiegeln. Wir achten sehr genau auf das Feedback unserer Kunden und Kundinnen und beziehen es aktiv in die Produktentwicklung ein. So stellen wir sicher, dass unsere Designs nicht nur ästhetisch und hochwertig sind, sondern auch praktische Bedürfnisse erfüllen und alltagstauglich sind. Wir gehen auch gezielte Kooperationen ein, wie beispielsweise mit Paramount und Star Trek – das Spannende daran ist die Kombination: ikonische Symbole und hohe Wiedererkennungsfaktoren treffen auf hochwertige, natürliche Materialien und modernes Design. So entstehen Uhren und Schmuckstücke, die nicht nur für Fans etwas Besonderes sind, sondern auch für all jene, die Individualität und zeitlose Qualität schätzen.
Worin liegt für Sie das Besondere an einem Holzkern-Produkt?
Individualität durch natürliche Einzigartigkeit ist der Kern unserer Marke. Stell dir vor, du legst zehn HOLZKERN-Produkte nebeneinander – das gleiche Modell, dieselbe Farbkombination, dieselbe Qualität. Und doch wirst du dein ganz persönliches Unikat sofort erkennen. Denn jede Uhr und jedes Schmuckstück erzählt durch die natürliche Maserung von Holz und die individuelle Struktur von Stein seine eigene Geschichte. Kein Produkt gleicht dem anderen – und genau das macht HOLZKERN so besonders.
Wie gelingt es Ihnen, trotz wachsender Konkurrenz im Lifestyle- und Accessoire-Markt, einzigartig zu bleiben?
Unser Anspruch ist es, jeden Tag ein Stück besser zu werden – in Qualität, Service und Kreativität. Dieses stetige Weiterentwickeln treibt uns an, immer neue Lösungen und Designs zu entwickeln, ohne dabei von unserer Markenidentität und von unserem Markenversprechen abzuweichen. Jedes Produkt erzählt seine eigene emotionale Geschichte, während unsere innovativen Designs den unverkennbaren Style-Faktor und die einzigartige Individualität von HOLZKERN unterstreichen.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Holzkern – und wo sehen Sie noch Potenzial für Verbesserungen?
Nachhaltigkeit ist für ein Unternehmen unserer Größe ein langfristiger Prozess. Wir haben intern eigene Ressourcen und ein eigenes kleines Team geschaffen, um Nachhaltigkeit einen noch höheren Stellenwert zu verleihen. Unser Ziel ist es, durch Projektarbeit aktiv Emissionen zu reduzieren. Langlebige Rohstoffe und ein qualitätsorientierter Design-Fokus sind dabei Teil der Lösung. Wir entwickeln uns stetig weiter, wissen aber, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt.
Gab es besondere Herausforderungen auf dem bisherigen Weg, die Sie als Team geprägt haben?
Eine besondere Herausforderung ist es, uns immer wieder selbst zu hinterfragen, konstruktiv Feedback zu üben und dabei als Team zusammenzuwachsen. Jedes Teammitglied von uns lernt, auf sich selbst zu schauen, proaktiv Verantwortung zu übernehmen und durch eigene Leistung Erfolge zu erzielen. Gerade diese Erfahrungen haben uns als Team geprägt und unsere gemeinsame Arbeitsweise gestärkt. Wir können mit Sicherheit sagen, dass ohne unser diverses Team mit unterschiedlichen Backgrounds und Perspektiven HOLZKERN nicht das wäre, was es ist.
Was dürfen Kundinnen und Kunden in Zukunft von Holzkern erwarten – planen Sie neue Produktlinien oder Märkte?
Wir möchten weiterhin kreativ und einzigartig bleiben, denn unser Anspruch wird auch in Zukunft sein, Produkte zu schaffen, die Emotionen wecken und ihre eigene Geschichte erzählen, die in Erinnerung bleiben. Wir haben 2025 unsere erste Uhr “Made in Switzerland” auf den Markt gebracht und arbeiten derzeit an unseren ersten Schmuckkollektionen, die “Made in Austria” sind. Zusätzlich bringen wir laufend Innovation durch neue Materialien in den Markt. Unsere Kundinnen und Kunden können also gespannt sein, was die Zukunft bringt.
Wie sehen Sie die Balance zwischen Online-Shop und stationärem Handel – wohin geht der Trend aus Ihrer Sicht?
Wir sehen Online-Shop und stationären Handel nicht als Gegensätze, sondern als Gesamtbild. Online ermöglichen wir Kundinnen und Kunden eine bequeme und inspirierende Entdeckung unserer Produkte – stationär hingegen können HOLZKERN-Produkte direkt vor Ort erlebt, die Materialien gefühlt und die Einzigartigkeit jedes Stücks hautnah erfahren werden. Der Trend geht unserer Meinung nach zu einer starken Verzahnung beider Welten, bei der digitale Inspiration und persönliches Erleben Hand in Hand gehen. 2025 werden wir in Deutschland 3 weitere Stores eröffnen.
Welche drei Tipps würden Sie Menschen geben, die selbst ein eigenes Unternehmen gründen möchten?
Keine Angst, Fehler zu machen. Immer lernfähig sein. Best Argument wins als Diskussionsgrundlage & echtes Team-Work at its finest sind in Jungunternehmen essentiell (sorry, dass es jetzt 4 Tipps sind).
Bild Georg Holzer @ Holzkern
Wir bedanken uns bei Georg Holzer für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
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Immer mehr Gründerinnen und Gründer hinterfragen den schnellen Griff nach externem Kapital. Bootstrapping im Startup, kluge Gründerfinanzierung und echte unternehmerische Unabhängigkeit gewinnen an Bedeutung – als Gegenbewegung zu immer größeren Finanzierungsrunden.
Warum Bootstrapping eine Renaissance erlebt
In den letzten Jahren war die Startup-Szene von einer klaren Denkweise geprägt: Wachsen, skalieren, Kapital einsammeln. Doch dieser Rhythmus verändert sich. Immer mehr Gründer:innen setzen auf Eigenfinanzierung – auf das sogenannte Bootstrapping.
Bootstrapping bedeutet, ein Unternehmen mit eigenen Mitteln, Einnahmen und klugem Kostenmanagement aufzubauen – ohne Venture Capital oder Business Angels. Was auf den ersten Blick riskanter wirkt, erweist sich langfristig oft als stabiler.
Der größte Vorteil: vollständige Kontrolle. Gründer:innen, die ihr Unternehmen eigenständig aufbauen, behalten ihre Entscheidungsfreiheit und gestalten Tempo und Richtung selbst. Statt Investoren zufriedenzustellen, können sie sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt – Kundennutzen und Produktqualität.
Bootstrapping Startup – mit Fokus auf Effizienz und Kreativität
Ein Bootstrapping Startup ist gezwungen, Ressourcen effizient einzusetzen. Jeder Euro zählt, jede Entscheidung wird bewusst getroffen. Diese Haltung fördert Kreativität und Pragmatismus – Eigenschaften, die für nachhaltigen Erfolg entscheidend sind.
Statt große Budgets in Marketing zu investieren, setzen gebootstrapte Startups auf organisches Wachstum, starke Netzwerke und authentische Kommunikation. Sie bauen Communitys auf, pflegen Kundennähe und entwickeln Produkte, die echte Probleme lösen.
Ein Beispiel ist das deutsche Unternehmen Blinkist, das in den ersten Jahren komplett gebootstrapped war. Mit einer klaren Vision und minimalem Budget entstand eine erfolgreiche App, die später Investoren anzog – aber zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen bereits profitabel war.
Bootstrapping zwingt Gründer:innen, den Markt früh zu validieren und Produkte zu entwickeln, die sich tatsächlich verkaufen. Dieser Fokus auf Kundennutzen und schnelle Umsetzbarkeit macht viele gebootstrapte Startups besonders widerstandsfähig.
Gründerfinanzierung neu gedacht
Gründerfinanzierung wird heute vielfältiger. Während klassische Venture-Capital-Finanzierungen nach wie vor eine zentrale Rolle spielen, erkennen viele Unternehmer:innen die Vorteile alternativer Finanzierungsformen.
Neben Bootstrapping entstehen Modelle wie Revenue-Based Financing oder Crowdfunding, die ebenfalls Eigenständigkeit fördern. Gründer:innen können Kapital beschaffen, ohne Anteile abzugeben, und behalten gleichzeitig ihre strategische Freiheit.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Denkweise: Bootstrapping steht für Nachhaltigkeit statt Abhängigkeit, für organisches Wachstum statt künstlicher Skalierung. Wer sein Unternehmen aus eigener Kraft aufbaut, lernt schnell, klug zu wirtschaften – und das stärkt die finanzielle Basis langfristig.
Unternehmerische Unabhängigkeit als Erfolgsprinzip
Die Sehnsucht nach unternehmerischer Unabhängigkeit wächst. Viele Gründerinnen und Gründer wollen nicht mehr in der Dauerschleife aus Pitchdecks, Investorenterminen und KPIs gefangen sein. Stattdessen setzen sie auf Freiheit, Authentizität und die eigene Vision.
Diese Haltung verändert auch die Wahrnehmung von Erfolg. Nicht mehr die Höhe der Finanzierungsrunde ist das Maß der Dinge, sondern der Impact. Unabhängigkeit bedeutet, Entscheidungen aus Überzeugung zu treffen – und nicht, weil ein Investor es erwartet.
In Krisenzeiten zeigt sich, wie wertvoll das ist. Unternehmen, die nicht von externem Kapital abhängig sind, können flexibler reagieren, Strukturen anpassen und nachhaltiger planen. Bootstrapping im Startup schafft Stabilität – gerade dann, wenn Märkte unsicher werden.
Risiken und Grenzen des Bootstrappings
Natürlich hat Bootstrapping auch seine Herausforderungen. Ohne Fremdkapital ist das Wachstum oft langsamer, und Gründer:innen tragen das volle Risiko selbst. Fehlende Liquidität kann Innovation bremsen oder Chancen verzögern.
Doch genau hier liegt der Unterschied zwischen kurzfristigem und nachhaltigem Denken. Wer gebootstrappt gründet, wächst bewusster, konzentriert sich auf Rentabilität und baut stabile Grundlagen auf, bevor er skaliert.
Zudem lässt sich Bootstrapping mit externem Kapital kombinieren – zu einem späteren Zeitpunkt und unter günstigeren Bedingungen. Wer beweist, dass sein Geschäftsmodell funktioniert, verhandelt aus einer Position der Stärke.
Bootstrapping als Haltung
Mehr als alles andere ist Bootstrapping eine Frage der Haltung. Es steht für Selbstvertrauen, Disziplin und unternehmerischen Realismus. Gründerinnen und Gründer, die diesen Weg wählen, entscheiden sich bewusst gegen Abhängigkeit und für Verantwortung.
Sie wissen: Echte Freiheit entsteht nicht durch große Finanzierungen, sondern durch unternehmerisches Denken. Und manchmal ist „weniger“ tatsächlich mehr – nämlich dann, wenn es den Fokus auf das Wesentliche schärft.
Fazit
Bootstrapping im Startup ist kein Rückschritt, sondern eine bewusste Strategie für Gründer:innen, die langfristig denken. Es stärkt unternehmerische Unabhängigkeit, fördert Disziplin und schafft finanzielle Stabilität.
Wer Bootstrapping mit kluger Gründerfinanzierung kombiniert, wächst nachhaltig, flexibel und eigenverantwortlich. Startups, die ihren Weg aus eigener Kraft gehen, beweisen: Erfolg misst sich nicht an Kapitalhöhe, sondern an Wirkung, Haltung und Beständigkeit.
Der de:hub Mannheim – Ludwigshafen verbindet Startups mit Industrie, Mittelstand und Forschung, um Innovation schneller in die Praxis zu bringen. Im Fokus stehen Digitalisierung, KI und strategische Partnerschaften in Chemie und Health.