Freitag, Oktober 2, 2026
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Eigenständig statt kopiert: Wie Thomas Bernhardt mit PASSIONATY eine deutsche Duftmarke aufgebaut hat

PASSIONATY ist eine eigenfinanzierte Marke, mit der Gründer Thomas Bernhardt einen eigenständigen Duft abseits bekannter Designerkompositionen etablieren möchte

Thomas, stell dich und PASSIONATY bitte kurz vor. Was hat dich 2023 dazu bewegt, vom E-Commerce und Webdesign eine eigene Duftmarke aufzubauen?

Ich bin Thomas Bernhardt, Gründer von PASSIONATY. Durch meinen beruflichen Hintergrund im E-Commerce und Webdesign hatte ich bereits viel mit digitalen Geschäftsmodellen, Onlineshops und der Vermarktung von Produkten zu tun. 2023 wollte ich den nächsten Schritt gehen und eine eigene Marke mit einem eigenen physischen Produkt aufbauen.

Düfte haben mich persönlich schon immer begeistert. Gleichzeitig hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sich viele Düfte in klassischen Parfümerien trotz unterschiedlicher Marken sehr ähnlich sind und mir teilweise auch das Verhältnis zwischen Qualität und den aufgerufenen Preisen nicht mehr gefallen hat. Daraus entstand die Idee, selbst einen Duft zu entwickeln, der einen eigenen Charakter besitzt und sich bewusst von der Masse abhebt. So entstand PASSIONATY.

Mit Alpha Noir habt ihr bewusst keinen bestehenden Duft kopiert. Wie ist die eigene Duftkomposition entstanden und welche Idee steckt dahinter?

Bei Alpha Noir hatte ich von Anfang an eine ziemlich klare Vorstellung davon, was für einen Duft ich entwickeln wollte. Mein Ziel war ein eleganter Herrenduft für besondere Situationen – zum Essen gehen, für ein Date, eine Feier oder einen besonderen Abend. Ein Duft, den eben nicht jeder trägt und der einen eigenen Wiedererkennungswert besitzt.

Daraus ist Schritt für Schritt die Duftkomposition von Alpha Noir entstanden. Sie verbindet unter anderem Schwarze Johannisbeere, Orange und Kardamom mit floralen Herznoten und einer warmen Basis aus Sandelholz, Kokos, Vanille, Tonka und Patchouli. Für mich war dabei entscheidend, nicht einfach einen bereits erfolgreichen Designerduft nachzubauen. Alpha Noir sollte von Anfang an eine eigene Identität haben.

PASSIONATY lässt Alpha Noir in Deutschland produzieren. Warum war dir dieser Schritt von Anfang an wichtig?

Für mich war wichtig, auf deutsche Qualitätsstandards setzen zu können. Gleichzeitig war Alpha Noir mein erstes eigenes Duftprojekt und ich musste selbst sehr viel über Entwicklung und Produktion lernen.

Gerade deshalb wollte ich mit den beteiligten Unternehmen in meiner eigenen Sprache kommunizieren können. Bei einem solchen Projekt gibt es unzählige Details, bei denen Missverständnisse später große Auswirkungen haben können. Mir war wichtig, Fragen direkt klären zu können, verstanden und als Gründer ernst genommen zu werden. Im Laufe der Zeit habe ich allerdings auch gelernt, dass „Made in Germany“ allein noch keine Garantie dafür ist, dass jeder einzelne Produktionsschritt perfekt funktioniert. Die eigene Qualitätskontrolle und die Auswahl der richtigen Partner bleiben trotzdem entscheidend.

Der Duftmarkt wird von internationalen Marken mit großen Marketingbudgets geprägt. Wie möchtest du PASSIONATY darin langfristig positionieren?

Ich möchte mit PASSIONATY gar nicht versuchen, die großen internationalen Marken über deren Marketingbudgets zu schlagen. Das wäre als eigenfinanzierte junge Marke auch unrealistisch. Wir müssen über das Produkt, unsere eigene Identität und die Nähe zu unseren Kunden überzeugen.

Langfristig soll PASSIONATY für eigenständige Duftkompositionen, Qualität und ein sehr gutes Verhältnis zwischen Produkt und Preis stehen. Ich möchte keine Marke aufbauen, die einfach erfolgreiche Trends oder bekannte Düfte kopiert. Mein Ziel ist, dass unsere Düfte einen eigenen Charakter besitzen und Menschen irgendwann bewusst PASSIONATY kaufen, weil sie genau diesen Charakter suchen.

Mehr als 5.000 Kunden haben bereits bei PASSIONATY bestellt. Wer ist eure Kernzielgruppe und was überzeugt sie von Alpha Noir?

Unsere Kernzielgruppe für Alpha Noir sind vor allem Männer zwischen 25 und 55 Jahren, die Wert auf Qualität und eine eigenständige Duftkomposition legen. Viele suchen nicht einfach den nächsten bekannten Duft, sondern möchten etwas tragen, das einen eigenen Charakter besitzt und nicht überall zu finden ist.

Genau dort setzen wir mit Alpha Noir an. Entscheidend sind für uns die Qualität des Produkts und eine Duftkomposition, die sich bewusst von vielen bekannten Mainstream-Düften unterscheidet. Wir möchten keinen kurzfristigen Hype verkaufen, sondern einen Duft, den unsere Kunden gerne und mit Überzeugung tragen.

Du bringst viel Erfahrung aus E-Commerce und Webdesign mit. Wie hilft dir dieses Wissen heute beim Markenaufbau und bei der Kundengewinnung?

Mein Hintergrund hilft mir enorm, weil eine junge Marke heute weit mehr braucht als nur ein gutes Produkt. Onlineshop, Nutzererfahrung, Werbung, Datenanalyse, Social Media und die gesamte digitale Darstellung einer Marke greifen ineinander.

Viele dieser Bereiche kann ich selbst abdecken und muss sie nicht vollständig an Agenturen oder externe Dienstleister abgeben. Gerade als eigenfinanziertes Unternehmen ist das ein großer Vorteil. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass E-Commerce-Erfahrung allein keinen Erfolg garantiert. Ein eigenes physisches Produkt bringt ganz andere Herausforderungen mit sich als ein rein digitales Geschäftsmodell – insbesondere bei Produktion, Logistik, Qualität und regulatorischen Anforderungen.

PASSIONATY ist eigenfinanziert gewachsen. Welche Vorteile hat Bootstrapping für dich und wo stößt dieses Modell an seine Grenzen?

Ein großer Vorteil ist für mich die Unabhängigkeit. Ich bin keinem Investor oder einer Bank gegenüber verpflichtet und kann Entscheidungen danach treffen, was ich langfristig für PASSIONATY für richtig halte.

Gleichzeitig bedeutet Eigenfinanzierung für mich, dass das Produkt und das Geschäftsmodell tatsächlich Leistung bringen müssen. Es steht nicht dauerhaft externes Kapital zur Verfügung, mit dem sich Probleme einfach überdecken lassen.

Die Grenzen merkt man allerdings sehr deutlich bei der Skalierung. Besonders Marketingbudgets sind für eine kleine eigenfinanzierte Marke begrenzt. Während große Unternehmen sehr viel Kapital in Reichweite, Tests und Markenbekanntheit investieren können, muss ich wesentlich genauer überlegen, wo ich jeden Euro einsetze. Dadurch kann gesundes Wachstum länger dauern.

Fehlerhafte Chargen und Qualitätsprobleme haben euch zwischenzeitlich stark zurückgeworfen. Was ist damals passiert und welche Konsequenzen habt ihr daraus gezogen?

Bei der Produktion wurden Leistungen von beteiligten Partnerunternehmen teilweise nicht in der Qualität und fachgerechten Ausführung umgesetzt, die wir vereinbart und erwartet hatten. Bei einem physischen Produkt kann so etwas sehr schnell weitreichende Folgen haben und uns hat diese Situation entsprechend stark zurückgeworfen.

Für mich war das eine wichtige, wenn auch kostspielige Erfahrung. Heute achte ich noch stärker darauf, welche Unternehmen und Partner an einem Produkt beteiligt sind und ob sie unsere Qualitätsanforderungen tatsächlich zuverlässig umsetzen können. Ich habe gelernt, dass man als Markeninhaber Verantwortung nicht einfach vollständig abgeben kann. Am Ende steht PASSIONATY auf dem Produkt und deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass die gewünschte Qualität beim Kunden ankommt.

Bei einem physischen Produkt hängen viele Prozesse voneinander ab. Was hast du über Produktion und Lieferketten gelernt, das du zu Beginn unterschätzt hast?

Am meisten unterschätzt habe ich tatsächlich den regulatorischen Aufwand. Wenn man von außen auf eine Duftmarke schaut, denkt man zunächst an Duftentwicklung, Flakon, Verpackung, Produktion und Marketing. Hinter einem Kosmetikprodukt steckt aber wesentlich mehr.

Es müssen zahlreiche gesetzliche Anforderungen, Dokumentations-, Sicherheits- und Kennzeichnungspflichten eingehalten werden. Als Gründer muss man sich mit Themen beschäftigen, von denen man zu Beginn teilweise noch gar nicht weiß, dass sie später relevant werden. Das kostet Zeit und verlangt viel Fachwissen. Heute weiß ich, dass man diesen Bereich bereits sehr früh in die Planung eines physischen Produkts einbeziehen sollte.

Was unterscheidet PASSIONATY und Alpha Noir aus deiner Sicht von anderen jungen Duftmarken?

Für mich ist es vor allem das Herzblut, das in PASSIONATY und Alpha Noir steckt. Hinter der Marke steht kein großer Konzern und auch kein Investor, sondern sehr viel persönliche Arbeit, eigenes Risiko und die Überzeugung, langfristig eine eigenständige Duftmarke aufbauen zu können.

Alpha Noir ist deshalb auch kein Dupe eines erfolgreichen Designerduftes. Wir haben bewusst eine eigene Duftkomposition entwickelt und produzieren in Deutschland. Mir geht es nicht darum, möglichst schnell den nächsten Trend zu kopieren. Qualität, Charakter und Wiedererkennungswert sollen langfristig im Mittelpunkt stehen.

Die vergangenen Jahre haben mir außerdem gezeigt, dass Markenaufbau nicht nur aus den schönen Momenten besteht. Wir haben Rückschläge erlebt und trotzdem weitergemacht. Ich stecke sehr viel Herzblut in PASSIONATY und möchte, dass man das langfristig auch an unseren Produkten merkt.

Aus einem ersten Herrenduft soll langfristig eine eigenständige deutsche Duftmarke entstehen. Welche nächsten Produkte oder Entwicklungen sind bereits geplant?

Langfristig soll PASSIONATY deutlich mehr sein als eine Marke mit einem einzelnen Herrenduft. Meine Vision ist ein eigenständiges Duftsortiment für Männer und Frauen. Darüber hinaus kann ich mir sehr gut vorstellen, die Marke später um weitere Duftprodukte wie beispielsweise Haarparfums, Bodysprays oder ähnliche Produkte zu ergänzen.

Mir ist allerdings wichtig, nicht möglichst schnell möglichst viele Produkte auf den Markt zu bringen. Ein neues Produkt soll erst dann kommen, wenn es wirtschaftlich und qualitativ wirklich sinnvoll ist und zu PASSIONATY passt. Aktuell liegt der Fokus deshalb klar darauf, Alpha Noir weiter am Markt zu etablieren und damit ein gesundes Fundament für die weitere Entwicklung der Marke zu schaffen.

Welche drei Ratschläge würdest du Gründern geben, die mit begrenztem Kapital eine eigene Konsumgütermarke aufbauen möchten?

Erstens: Habt ein klares Ziel und haltet daran fest. Es wird Rückschläge geben und gerade dann braucht man eine Vorstellung davon, wo man langfristig mit seiner Marke hinmöchte.

Zweitens: Glaubt an euer eigenes Produkt. Wenn ihr selbst nicht wirklich davon überzeugt seid, wird es schwer, Kunden, Partner oder andere Menschen davon zu überzeugen.

Und drittens: Gründet nicht mit der Erwartung, schnelles Geld zu verdienen. Eine nachhaltige Marke aufzubauen braucht Zeit. Denkt langfristig, überlegt euch eure Schritte genau und geht gerade mit begrenztem Kapital sehr bewusst mit euren Ressourcen um.

Bildcredits

Wir bedanken uns bei Thomas Bernhardt für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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