Dienstag, Oktober 27, 2026
StartInterviewsVorausschauende Liquiditätsplanung: Wie das Startup PRIDIX Finanzdaten in bessere Unternehmensentscheidungen verwandelt

Vorausschauende Liquiditätsplanung: Wie das Startup PRIDIX Finanzdaten in bessere Unternehmensentscheidungen verwandelt

Das Startup PRIDIX entwickelt eine KI-gestützte Plattform für die Liquiditätsplanung, mit der Unternehmen ihre Finanzdaten analysieren, zukünftige Zahlungsströme besser einschätzen und Investitionsentscheidungen fundierter vorbereiten können.

Tim, kannst du dich und PRIDIX kurz vorstellen und erzählen, wie aus deinen Erfahrungen als Gründer und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen die Idee für eine eigene Financial-Intelligence-Plattform entstanden ist?

Ich bin Tim Neumeier, Gründer und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen. Mit CurveDesign entwickeln wir digitale Lösungen für komplexe geschäftliche Herausforderungen. PRIDIX ist unsere neue Financial-Intelligence-Plattform, die aus einer sehr persönlichen unternehmerischen Überzeugung entstanden ist.

Als Unternehmer trifft man ständig Entscheidungen, deren finanzielle Auswirkungen man oft erst deutlich später vollständig erkennt. Man investiert, stellt Mitarbeiter ein, entwickelt neue Geschäftsfelder oder entscheidet sich für zusätzliches Wachstum. Dabei beschäftigt einen immer wieder dieselbe Frage: Wie wird sich diese Entscheidung auf unsere finanzielle Situation in den kommenden Wochen und Monaten auswirken?

Mich hat zunehmend gestört, dass Unternehmen heute über enorme Mengen an Finanzdaten verfügen, daraus aber nicht automatisch ein klares Bild ihrer finanziellen Zukunft entsteht.

Wir wissen häufig sehr genau, was gestern passiert ist. Aber wenn es darum geht, verschiedene Entscheidungen für morgen zu vergleichen, wird es schnell kompliziert.

Genau an diesem Punkt setzt PRIDIX an.

Ich wollte keine weitere Software entwickeln, die bestehende Zahlen lediglich in ansprechenden Diagrammen darstellt. Meine Vision war von Anfang an eine Plattform, die finanzielle Zusammenhänge verständlich macht, zukünftige Entwicklungen unter nachvollziehbaren Annahmen modelliert und Unternehmen dabei unterstützt, ihren tatsächlichen Handlungsspielraum besser zu erkennen.

Denn Zahlen allein sind wertvoll. Wirklich interessant wird es für mich aber erst, wenn wir verstehen, was sie für unsere nächsten Entscheidungen bedeuten.

Du hast selbst erlebt, wie schwierig es sein kann, Investitionen, Wachstum und unterschiedliche Zahlungszeitpunkte miteinander zu vereinbaren. Welche konkreten Herausforderungen haben dich besonders geprägt und wann wurde dir klar, dass du dafür eine eigene Lösung entwickeln möchtest?

Eine der wichtigsten unternehmerischen Erkenntnisse ist für mich, dass ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen nicht automatisch zu jedem Zeitpunkt über ausreichend freie Liquidität verfügt.

Man kann volle Auftragsbücher haben, gute Umsätze erzielen und trotzdem sehr genau überlegen müssen, wann eine größere Investition sinnvoll ist.

Denn während Gehälter, laufende Verpflichtungen oder Investitionen zu konkreten Zeitpunkten bezahlt werden müssen, folgen Zahlungseingänge nicht immer exakt dem geplanten Verlauf.

Besonders anspruchsvoll wird das, wenn mehrere Unternehmen, unterschiedliche Zahlungszyklen und größere strategische Vorhaben zusammenkommen.

Ich wollte deshalb nicht einfach wissen, wie viel Geld aktuell verfügbar ist. Mich interessierte die viel entscheidendere Frage: Wie könnte sich unsere Liquidität entwickeln, wenn wir heute eine bestimmte Entscheidung treffen?

Und was wäre, wenn wir dieselbe Entscheidung vier Wochen später treffen würden?

Genau diese Perspektive habe ich in der klassischen rückblickenden Auswertung häufig vermisst.

Der Wunsch nach einer eigenen Lösung entstand aus der Überzeugung, dass moderne Technologie diese Zusammenhänge wesentlich systematischer und verständlicher abbilden können müsste. Aus dieser Überzeugung ist schließlich PRIDIX entstanden.

Mit PRIDIX und der Plattform CurveDesign möchtet ihr vorhandene Finanzinformationen in eine bessere Entscheidungsgrundlage verwandeln. Wie funktioniert eure Technologie konkret und welche Aufgaben können Unternehmen damit vereinfachen?

Zunächst eine kurze Einordnung: CurveDesign ist das Unternehmen hinter PRIDIX. PRIDIX ist unsere eigenständige Financial-Intelligence-Plattform.

Unser technologischer Ansatz basiert auf einer zentralen Idee: Finanzinformationen sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ihrem zeitlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang.

Dafür führen wir Daten aus angebundenen Buchhaltungs-, ERP- und Banksystemen zusammen und bereiten sie für unsere Financial Engine auf. Welche Informationen verfügbar sind, hängt dabei von den jeweiligen Schnittstellen und Berechtigungen ab.

Die eigentliche Besonderheit liegt für mich in der anschließenden Verarbeitung. Wir betrachten nicht nur vorhandene Kontostände oder offene Rechnungen, sondern auch Zahlungszeitpunkte, individuelle Zahlungsmuster, finanzielle Verpflichtungen und unterschiedliche Annahmen über zukünftige Entwicklungen.

Unsere Financial Engine bildet daraus nachvollziehbare Liquiditätsberechnungen und Szenarien.

Die KI-gestützte Ebene hat anschließend eine andere Aufgabe: Sie unterstützt dabei, die berechneten Ergebnisse und ihre Zusammenhänge verständlicher zu interpretieren.

Das Ziel ist nicht, die Finanzabteilung durch einen Chatbot zu ersetzen.

Wir möchten Unternehmen die aufwendige Zusammenführung und Interpretation verteilter Finanzinformationen erleichtern, damit mehr Zeit für die eigentliche Frage bleibt: Welche Entscheidung treffen wir auf dieser Grundlage?

Ein zentraler Bestandteil eurer Plattform ist die Analyse individueller Zahlungsmuster. Welche Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen und wie können Unternehmen diese Informationen für ihre zukünftige Liquiditätsplanung nutzen?

Eine Rechnung hat ein Fälligkeitsdatum. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass das Geld auch an genau diesem Tag auf dem Konto eingeht.

Dieser Unterschied wird in der Liquiditätsplanung häufig unterschätzt.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen hat eine offene Forderung über 80.000 Euro, die in 30 Tagen fällig wird. Aus dem bisherigen Zahlungsverhalten des Kunden ergibt sich jedoch die Erwartung, dass die Zahlung eher nach 43 Tagen eingehen könnte.

Dazwischen liegen 13 Tage. Für eine kurzfristige Liquiditätsplanung kann das einen erheblichen Unterschied machen.

Deshalb interessieren uns nicht nur formale Fälligkeiten, sondern auch die tatsächlichen Zahlungsmuster einzelner Geschäftspartner. Dazu gehören beispielsweise wiederkehrende Verzögerungen oder saisonale Veränderungen im Zahlungsverhalten.

Solche Informationen können helfen, Zahlungseingänge differenzierter einzuordnen und eine realistischere Erwartung möglicher Liquiditätsverläufe zu entwickeln.

Wichtig ist dabei, zwischen Erwartung und Gewissheit zu unterscheiden. Auch ein Kunde, der bisher immer pünktlich bezahlt hat, kann morgen in Schwierigkeiten geraten.

PRIDIX soll deshalb keine Sicherheit vortäuschen, die es bei Zukunftsprognosen nicht geben kann.

Unser Anspruch ist vielmehr, vorhandene Informationen intelligenter zu nutzen und die Annahmen hinter einer Prognose nachvollziehbar zu machen.

Neben der klassischen Finanzplanung bietet ihr auch Szenariosimulationen an. Welche Entwicklungen können Unternehmen damit durchspielen und welchen konkreten Nutzen bietet das beispielsweise bei Investitionen, Personalentscheidungen oder Wachstumsplänen?

Für mich wird Liquiditätsplanung erst dann zu einem wirklich strategischen Instrument, wenn wir nicht nur einen möglichen Verlauf betrachten, sondern unterschiedliche Handlungsoptionen miteinander vergleichen können.

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen plant eine Investition über 250.000 Euro.

Die klassische Betrachtung könnte lauten: Können wir uns diese Investition leisten?

Ich würde gerne einen Schritt weitergehen und fragen: Was verändert sich, wenn wir die Investition heute tätigen? Wie sieht unsere Liquidität aus, wenn wir sie um sechs Wochen verschieben? Und wie verändern sich beide Szenarien, wenn zusätzlich ein größerer Zahlungseingang später als erwartet erfolgt?

Genau solche Fragestellungen möchten wir mit PRIDIX ermöglichen.

Ähnlich verhält es sich bei Neueinstellungen, Standorterweiterungen, zusätzlichen laufenden Verpflichtungen oder veränderten Umsatzannahmen.

Dabei geht es nicht darum, eine vermeintlich perfekte Zukunft vorherzusagen. Es geht darum, die finanziellen Auswirkungen unterschiedlicher Annahmen sichtbar zu machen.

Eine Liquiditätssimulation ersetzt natürlich weder eine Wirtschaftlichkeitsrechnung noch eine strategische Bewertung.

Aber sie kann eine entscheidende zusätzliche Perspektive liefern.

Denn manchmal ist nicht die Investition selbst das Problem, sondern ihr Zeitpunkt.

Künstliche Intelligenz soll bei PRIDIX helfen, Finanzdaten zu interpretieren. Welche Aufgaben übernimmt die KI, wie macht ihr ihre Ergebnisse nachvollziehbar und wo bleibt die Entscheidung bewusst beim Unternehmer?

Ich halte KI für eine der spannendsten Entwicklungen der kommenden Jahre. Gleichzeitig glaube ich, dass wir gerade bei Finanzdaten sehr genau unterscheiden müssen, welche Aufgaben wir einer KI übertragen und welche nicht.

Ein Sprachmodell kann komplexe Sachverhalte hervorragend erklären. Daraus folgt aber nicht, dass wir ihm ungeprüft die Verantwortung für finanzwirtschaftliche Berechnungen überlassen sollten.

Deshalb verfolgen wir bei PRIDIX bewusst eine Trennung zwischen Financial Engine und KI-gestützter Interpretation.

Die Financial Engine ist für die eigentlichen Berechnungen und Szenariosimulationen verantwortlich. Die KI unterstützt anschließend dabei, deren Ergebnisse verständlich aufzubereiten und relevante Zusammenhänge einzuordnen.

Für mich ist Nachvollziehbarkeit dabei keine optionale Zusatzfunktion, sondern eine Grundvoraussetzung.

Wenn eine Anwendung auf eine mögliche Veränderung der Liquidität hinweist, muss nachvollziehbar sein, welche Daten und Annahmen dieser Aussage zugrunde liegen.

Genauso wichtig ist aber die Grenze der Technologie.

Eine KI kennt nicht automatisch sämtliche strategischen Überlegungen, persönlichen Erfahrungen oder unternehmerischen Prioritäten eines Geschäftsführers.

Deshalb soll PRIDIX Entscheidungen nicht an sich ziehen.

Wir möchten Unternehmern ermöglichen, informiertere Entscheidungen zu treffen – nicht ihnen die Verantwortung dafür abnehmen.

Gerade bei sensiblen Unternehmens- und Finanzdaten spielen Sicherheit und Vertrauen eine entscheidende Rolle. Wie schützt ihr diese Informationen und wie stellt ihr sicher, dass Prognosen nicht als garantierte Entwicklungen verstanden werden?

Wenn Unternehmen einer Software ihre Finanzinformationen anvertrauen, ist das ein erheblicher Vertrauensvorschuss. Diesen Anspruch nehmen wir bei der Entwicklung von PRIDIX sehr ernst.

Für uns bedeutet das, dass Zugriffsberechtigungen, kontrollierte Datenflüsse, der Schutz angebundener Schnittstellen und eine klare Trennung der technischen Verantwortlichkeiten von Anfang an berücksichtigt werden müssen.

Gerade bei einer Plattform, die unterschiedliche Finanzsysteme verbindet, reicht es nicht, einfach möglichst viele Informationen zusammenzuführen. Ebenso wichtig ist, wer auf welche Informationen zugreifen darf, zu welchem Zweck sie verarbeitet werden und wie diese Prozesse überprüft werden können.

Konkrete Aussagen über Schutzmaßnahmen müssen sich dabei immer an den tatsächlich umgesetzten und geprüften technischen und organisatorischen Maßnahmen messen lassen.

Ähnlich verantwortungsvoll müssen wir mit dem Thema Prognosen umgehen.

Die Zukunft ist nicht exakt berechenbar. Eine Liquiditätsprognose basiert auf verfügbaren Informationen und Annahmen, die sich verändern können.

Deshalb ist es uns wichtig, Ergebnisse nicht als Garantien darzustellen, sondern ihre Voraussetzungen und mögliche Unsicherheiten verständlich zu machen.

Für mich entsteht Vertrauen gerade nicht durch absolute Versprechen.

Es entsteht dadurch, dass eine Technologie nachvollziehbar arbeitet, ihre Grenzen kennt und transparent mit ihnen umgeht.

Der Markt für digitale Liquiditätsplanung und Finanzsoftware ist bereits stark besetzt. Was unterscheidet PRIDIX von bestehenden Lösungen und welche Probleme könnt ihr aus deiner Sicht besser lösen?

Der Markt ist bereits stark besetzt, und es gibt durchaus gute Lösungen für die Liquiditätsplanung. Unser Ziel war deshalb von Anfang an nicht, einfach ein weiteres Finanzdashboard mit einer modernen Oberfläche zu entwickeln.

Wir wollten einen entscheidenden Schritt weitergehen.

Ein zentraler Unterschied unseres Ansatzes liegt darin, dass wir uns nicht ausschließlich auf Kontostände, offene Rechnungen und deren formale Fälligkeiten konzentrieren. Uns interessiert vor allem, wann Geld unter Berücksichtigung des tatsächlichen Zahlungsverhaltens voraussichtlich fließen könnte.

Denn zwei Kunden mit identischen Rechnungsbeträgen und Zahlungszielen verhalten sich in der Praxis nicht unbedingt gleich. Während ein Kunde regelmäßig pünktlich zahlt, überweist ein anderer möglicherweise erst zwölf Tage nach Fälligkeit. Hinzu kommen saisonale Schwankungen, beispielsweise wiederkehrende Veränderungen im Zahlungsverhalten während bestimmter Monate oder zum Jahresende.

Genau diese individuellen und saisonalen Muster möchten wir mit unserer Financial Engine systematisch berücksichtigen, statt pauschal davon auszugehen, dass jede Rechnung zum angegebenen Fälligkeitsdatum bezahlt wird.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied. In der tatsächlichen Liquiditätsentwicklung eines Unternehmens kann er jedoch erhebliche Auswirkungen haben.

Unser Anspruch geht aber noch weiter: Wir möchten diese differenzierten Zahlungserwartungen mit den übrigen Finanzinformationen verknüpfen, daraus nachvollziehbare Liquiditätsentwicklungen berechnen und Unternehmen ermöglichen, unterschiedliche Entscheidungen in Szenarien durchzuspielen.

Die KI-gestützte Interpretation hilft anschließend dabei, die berechneten Zusammenhänge verständlich einzuordnen.

Für mich ist genau das der entscheidende Gedanke hinter PRIDIX: Wir wollen nicht nur zeigen, welche Zahlungen geplant sind, sondern ein fundierteres Bild davon entwickeln, wann Geld tatsächlich verfügbar sein könnte – und was das für zukünftige unternehmerische Entscheidungen bedeutet.

Dabei behaupten wir nicht, die Zukunft exakt vorhersehen zu können. Aber wir sind überzeugt, dass Unternehmen wesentlich mehr aus ihren bereits vorhandenen Finanzinformationen machen können, als sie lediglich in einer Übersicht darzustellen.

Du bringst bereits Erfahrung aus mehreren Unternehmensgründungen mit. Welche Erkenntnisse haben dir beim Aufbau von PRIDIX besonders geholfen und welche technischen oder unternehmerischen Herausforderungen musstest du bisher überwinden?

Wenn man bereits mehrere Unternehmen gegründet und aufgebaut hat, lernt man, dass eine gute Idee allein noch lange kein gutes Geschäftsmodell ergibt.

Man muss ein Problem wirklich verstehen, bereit sein, bestehende Annahmen zu hinterfragen, und vor allem konsequent an der Umsetzung arbeiten.

Bei PRIDIX hat mir besonders geholfen, dass ich die Fragestellungen nicht nur aus technologischer Sicht betrachte, sondern selbst die Verantwortung unternehmerischer Entscheidungen kenne.

Gleichzeitig musste ich lernen, dass die Komplexität einer Finanzplattform nicht an der Benutzeroberfläche sichtbar wird.

Eine der größten technischen Herausforderungen liegt darin, Informationen aus unterschiedlichen Systemen so zusammenzuführen, dass ihre fachliche Bedeutung erhalten bleibt. Ein offener Rechnungsbetrag, eine erwartete Zahlung und eine bereits gebuchte Bankbewegung dürfen beispielsweise nicht einfach als voneinander unabhängige Zahlungsströme interpretiert werden.

Hier entscheidet sich, ob eine Finanzplattform später tatsächlich belastbare Ergebnisse liefern kann.

Unternehmerisch war eine andere Herausforderung mindestens genauso wichtig: Prioritäten zu setzen.

Bei einem Produkt wie PRIDIX gibt es unzählige Möglichkeiten, weitere Funktionen zu entwickeln. Aber nicht jede denkbare Funktion macht das Produkt automatisch besser.

Ich habe mich deshalb immer wieder auf eine grundlegende Frage konzentriert: Welches Problem müssen wir wirklich gut lösen, damit PRIDIX im Arbeitsalltag einen echten Unterschied macht?

Diese Konzentration auf den tatsächlichen Nutzen halte ich rückblickend für eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Produktentwicklung.

Der offizielle Marktstart ist für den 15. November 2026 geplant. Welche Zielgruppen möchtet ihr zunächst erreichen, wie gestaltet sich euer Geschäftsmodell und welche Rückmeldungen habt ihr während der bisherigen Entwicklungsphase erhalten?

Mit PRIDIX möchten wir zunächst vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ansprechen, deren Geschäftsführer und Finanzverantwortliche ihre Liquiditätsplanung stärker auf zukünftige Entwicklungen ausrichten möchten.

Besonders relevant ist PRIDIX aus meiner Sicht für Unternehmen, die regelmäßig Investitionsentscheidungen treffen, Wachstum planen oder mit komplexeren Zahlungsströmen arbeiten.

Daneben sehen wir großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit Steuerberatern und Steuerkanzleien. Gerade in der betriebswirtschaftlichen Mandantenberatung kann eine fundierte, vorausschauende Liquiditätsbetrachtung ein wichtiger zusätzlicher Baustein sein.

Unser Geschäftsmodell ist als Software-as-a-Service konzipiert. Zum Marktstart planen wir einen Einführungspreis von 199 Euro netto im Monat gegenüber einem regulären Preis von 249 Euro netto monatlich. Zusätzlich ist eine 14-tägige Testphase vorgesehen.

Schon vor dem offiziellen Start führen wir intensive Gespräche mit interessierten Unternehmen und potenziellen Anwendern.

Die bisherigen Rückmeldungen bestärken uns vor allem in einer Beobachtung: Viele Unternehmer möchten nicht einfach mehr Kennzahlen sehen. Sie möchten schneller verstehen, was diese Kennzahlen für ihr Unternehmen und die nächsten Entscheidungen bedeuten.

Genau dort setzen wir an.

Unser Ziel für den Marktstart ist deshalb nicht nur, eine technisch anspruchsvolle Plattform bereitzustellen, sondern eine Lösung, deren Nutzen im Unternehmensalltag tatsächlich nachvollziehbar wird.

Die Anforderungen an Finanzplanung verändern sich durch wirtschaftliche Unsicherheit, Automatisierung und neue KI-Anwendungen. Welche Entwicklungen werden deiner Meinung nach die Unternehmenssteuerung in den kommenden Jahren besonders beeinflussen und wie möchtest du PRIDIX darauf vorbereiten?

Ich bin überzeugt, dass sich die Rolle der Finanzplanung in den kommenden Jahren deutlich verändern wird.

Bisher wird Unternehmenssteuerung häufig in festen Berichtszyklen gedacht: Monatsabschluss, Auswertung, Planung, nächste Auswertung.

Ich glaube, dass Unternehmen zunehmend eine kontinuierlichere und stärker vorausschauende Perspektive benötigen.

Nicht, weil historische Zahlen unwichtig werden. Im Gegenteil: Sie bilden eine unverzichtbare Grundlage.

Aber die Geschwindigkeit, mit der sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern können, macht es wichtiger, neue Informationen zeitnah in die eigene Planung einzuordnen.

Dazu kommt die zunehmende Vernetzung von Unternehmenssystemen. Buchhaltung, ERP, Bankinformationen und weitere Datenquellen sollten nicht dauerhaft isolierte Informationswelten bleiben.

Und schließlich wird KI den Zugang zu komplexen Informationen verändern.

Meine Erwartung ist, dass Führungskräfte künftig nicht mehr jede Kennzahl einzeln zusammensuchen müssen, sondern gezielter Fragen zu ihrer finanziellen Entwicklung stellen können – und verständliche, nachvollziehbare Antworten erhalten.

Für PRIDIX bedeutet das, dass wir unsere Plattform langfristig auf drei Prinzipien ausrichten: verlässliche Datenverbindungen, nachvollziehbare Finanzberechnungen und eine intelligente Interpretation, die den Menschen bei seinen Entscheidungen unterstützt.

Denn ich glaube nicht, dass die Zukunft der Unternehmenssteuerung darin besteht, Entscheidungen blind einer KI zu überlassen.

Ich glaube, sie besteht darin, dass Menschen mit besseren Informationen bessere Entscheidungen treffen können.

Welche langfristige Vision verfolgst du mit PRIDIX und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ihre eigenen unternehmerischen Erfahrungen in ein digitales Geschäftsmodell verwandeln möchten?

Meine langfristige Vision ist klar: Ich möchte PRIDIX zu der führenden Plattform für vorausschauende Liquiditätsplanung und Financial Intelligence im deutschsprachigen Raum entwickeln.

Dabei geht es mir um mehr als die Digitalisierung einer klassischen Finanzplanung.

Ich möchte, dass es für Unternehmer irgendwann genauso selbstverständlich ist, die finanziellen Auswirkungen einer Entscheidung vorab zu analysieren, wie es heute selbstverständlich ist, die wirtschaftlichen Ergebnisse vergangener Monate auszuwerten.

Wenn ein Unternehmen eine größere Investition plant, neue Mitarbeiter einstellen oder in einen weiteren Markt expandieren möchte, sollte es die damit verbundenen Liquiditätsentwicklungen möglichst fundiert betrachten können.

PRIDIX soll langfristig dabei helfen, diese Perspektive zugänglicher, verständlicher und alltagstauglicher zu machen.

Anderen Gründern würde ich aus meiner bisherigen Erfahrung drei Dinge mitgeben.

Mein erster Rat: Beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit einem Problem, das ihr wirklich versteht. Die beste Software hilft wenig, wenn sie keine relevante Herausforderung löst.

Mein zweiter Rat: Verliebt euch nicht so sehr in eure eigene Idee, dass ihr aufhört, zuzuhören. Gerade die kritischen Fragen potenzieller Kunden sind oft wertvoller als das nächste Kompliment.

Und mein dritter Rat: Denkt groß, aber arbeitet präzise. Eine langfristige Vision ist wichtig. Entscheidend ist jedoch, ob ihr bereit seid, die vielen kleinen, manchmal unspektakulären Schritte zu gehen, die notwendig sind, um daraus ein funktionierendes Unternehmen zu machen.

Denn am Ende entsteht ein gutes Produkt nicht durch große Versprechen, sondern dadurch, dass es seine Versprechen im Alltag einlöst.

Fotocredits: CurveDesign GmbH

Wir bedanken uns bei Tim Neumeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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