strikr ist eine App für Freizeitmannschaften, die Mannschaften fair zusammenstellt, Trainingstermine organisiert und mit Statistiken und Wettbewerben für zusätzliche Motivation sorgt.
Marcus, kannst du dich und strikr kurz vorstellen und erzählen, wie aus den Diskussionen bei eurer wöchentlichen Hobbyfußballrunde die Idee für eine eigene Sport-App entstanden ist?
Ich bin Marcus, 42 Jahre alt, wohne in Rutesheim und spiele bei der SKV Rutesheim AH Fußball. strikr begann ganz unspektakulär mit einem Strich auf Papier: Damit unser wöchentliches Training etwas spannender wird, bekam jeder Spieler der Siegermannschaft einen Strich. Irgendwann waren die Zettel zerknittert oder verschwunden. Also habe ich die Strichliste nach Excel übertragen, damit wir sie auch auf dem Handy nutzen konnten. Das war besser, aber noch längst nicht richtig gut.
Der nächste entscheidende Schritt entstand spät am Abend bei unserer Weihnachtsfeier. Wir unterhielten uns darüber, wie viel Gemecker es nach der Mannschaftswahl gab – und jemand meinte sinngemäß: Wäre es nicht genial, wenn eine KI die Spieler einfach fair aufteilen könnte? Daraus wurde der zweite Grundbaustein von strikr. Heute ist es kein frei entscheidendes KI-System, sondern ein intelligenter Algorithmus, der anhand hinterlegter Informationen möglichst ausgeglichene Teams zusammenstellt. Aus der Strichliste ist so Schritt für Schritt eine App geworden, mit der wir inzwischen im Training unsere eigene Saison spielen.
Du arbeitest hauptberuflich als IT-Solution-Architect und hast strikr neben deinem Beruf entwickelt. Was hat dich motiviert, aus einer persönlichen Alltagserfahrung ein digitales Produkt zu machen, und wie hast du die ersten Schritte umgesetzt?
Ursprünglich wollte ich gar kein großes Produkt bauen. Ich wollte für unsere eigene Runde eine bessere Lösung. Beruflich bin ich IT-Solution-Architect, aber eine komplette App selbst zu entwickeln und in die Stores zu bringen, war für mich trotzdem Neuland.
Ich habe mir vieles selbst erarbeitet und dabei auch KI als Unterstützung genutzt – beim Verstehen von Technologien, beim Programmieren, beim Finden von Fehlern und beim Hinterfragen von Ideen. Die Entscheidungen und die Verantwortung dafür, was auf dem Platz wirklich funktioniert, blieben bei mir und den Menschen, die strikr testen.
Der Alltag war und ist: entwickeln, veröffentlichen, testen, wieder verbessern. Oft merkt man erst am Donnerstagabend, dass eine Funktion auf dem Papier gut aussah, in der Praxis aber noch zwei Klicks zu viel braucht. Gerade diese ständigen kleinen Verbesserungen machen mir Spaß.
Viele Freizeitmannschaften organisieren ihre Spiele über Messenger-Gruppen oder einfache Tabellen. Welche Probleme entstehen dabei aus deiner Sicht und was möchtest du mit strikr grundlegend verbessern?
Mit WhatsApp kommt man beim Organisieren schon weit. Aber Zusagen, Absagen, Gastspieler, Teamaufteilung und Ergebnisse liegen dann oft an verschiedenen Stellen. Dazu kommen Tabellen oder Strichlisten, die irgendjemand pflegen muss.
strikr verbindet diese Schritte zu einem Ablauf. Die Organisation ist dabei nur der Anfang. Ich möchte, dass die gemeinsame Trainingseinheit möglichst effektiv und fair ist und dass das Erlebnis nicht direkt mit dem Schlusspfiff aufhört. Wenn danach im Chat über die Tabelle, Siegquoten oder die nächste Trophäe diskutiert wird, bleibt die Gruppe auch zwischen den Trainingstagen miteinander verbunden.
strikr verbindet Trainingsorganisation, Zu- und Absagen, Teamaufteilungen und eigene Wettbewerbe. Wie funktioniert die App konkret und welche Vorteile bietet sie einer Hobbygruppe im Vergleich zu bisherigen Organisationsformen?
Ein Organisator legt die Gruppe und Trainingstermine an, die Spieler sagen zu oder ab. Aus den tatsächlich Anwesenden erstellt strikr auf Knopfdruck möglichst ausgeglichene Teams. Danach spielt man, trägt Ergebnisse ein und hat unmittelbar eine aktuelle Tabelle und persönliche Statistiken. Auch kleinere Turniere sind möglich.
Je nach Funktionsumfang können Spieler sehen, wie oft sie gewonnen haben, wie ihre Siegquote aussieht, mit wem sie besonders häufig zusammenspielen oder gewinnen und welche Meilensteine sie erreicht haben. Dazu gibt es Badges, also sammelbare Auszeichnungen. Nach dem Training können Ergebnisse und Siegerfotos bequem über WhatsApp oder Instagram geteilt werden.
Wir haben zusätzlich eine Mannschaftskasse und eine Bierkasse aufgebaut. Gerade Letztere kommt bei uns gut an: Man wählt die getrunkenen Bier aus, sieht den Betrag und gelangt von der App zu unserem PayPal-Pool. Die Zahlung läuft über PayPal. Weitere Ideen, etwa ein Dienstplan für Arbeitsdienste, entwickeln wir noch. So soll strikr nach und nach den ganzen Mannschaftsalltag unterstützen.
Ein zentraler Bestandteil von strikr ist die möglichst ausgeglichene Aufteilung der Mannschaften. Nach welchen Kriterien werden die Teams zusammengestellt und wie gehst du damit um, dass sich sportliche Leistungen und individuelle Spielstärken nur schwer objektiv bewerten lassen?
Wir haben bei unserer AH einen kleinen Kreis von Verantwortlichen, der Spielstärken und Positionen nach bestem Wissen und Gewissen einschätzt. Diese Informationen bleiben bewusst intern, weil eine öffentliche Stärkeliste vermutlich sofort für neue Diskussionen sorgen würde.
Der Algorithmus berücksichtigt Mannschaftsgrößen, die hinterlegten Stärken und Positionen und weitere optionale Gruppeneinstellungen. Er prüft sehr viele mögliche Aufteilungen und sucht eine möglichst ausgeglichene Kombination. Der Organisator kann sie anschließend noch verändern.
Perfekt ist das natürlich nie: Tagesform, Zusammenspiel und Motivation lassen sich nicht einfach berechnen. Und gebruddelt wird bei uns immer noch. Das darf und soll auch ein bisschen so sein. Aber wenn wir auf die Spielergebnisse schauen, haben wir den Eindruck, dass die Mannschaften heute deutlich ausgeglichener sind. Für mich ist das Entscheidende, dass alle auf dem Platz eine faire Chance und damit ein möglichst gutes Training haben.
Mit eigenen Tabellen, Statistiken, Auszeichnungen und kleinen Turnieren möchtest du auch außerhalb des offiziellen Ligabetriebs für sportlichen Wettbewerb sorgen. Welche Rolle spielt dieser spielerische Ansatz und wie verhinderst du, dass der Wettbewerb den Spaß innerhalb einer Freizeitgruppe beeinträchtigt?
Der kleine Wettbewerb ist ein zusätzlicher Anreiz, regelmäßig zum Training zu kommen. Bei uns wird nicht nur über Tore gesprochen, sondern auch darüber, wer in der Tabelle vorne liegt, wer die beste Siegquote hat oder wem noch ein Sieg bis zur nächsten Trophäe fehlt. Wenn jemand noch überlegt, ob er am Donnerstag kommen soll, ist vielleicht genau dieser eine mögliche Tabellenpunkt die zusätzliche Motivation.
Die Frage, wie man verhindert, dass der Spaß darunter leidet, ist aber wichtig. Wir haben bewusst wechselnde Mannschaften. Man sammelt seine Erfolge persönlich, aber man gewinnt und verliert immer wieder mit anderen Spielern. Die Tabelle soll nicht einzelne feste Teams gegeneinander aufbringen.
Außerdem halten wir die internen Stärkeeinschätzungen aus der öffentlichen Diskussion heraus. Und niemand muss alle Statistik- und Wettbewerbsfunktionen nutzen: Jede Gruppe entscheidet, was zu ihr passt. Wenn eine Rangliste irgendwann wichtiger würde als ein fairer, gemeinsamer Kick, hätten wir das Ziel verfehlt. Das Miteinander bleibt wichtiger als jeder Platz in der Tabelle.
strikr ist bereits für iOS und Android verfügbar. Welche technischen Herausforderungen musstest du bei der Entwicklung für beide Plattformen bewältigen und welche Funktionen haben besonders viel Zeit in Anspruch genommen?
Die größte technische Herausforderung war zunächst, wie wenig ich selbst von der konkreten App-Entwicklung wusste. Ich komme aus der IT, aber das Zusammenspiel aus Benutzeroberfläche, Datenbank, Berechtigungen, mobilen Plattformen und App-Store-Veröffentlichung war für mich ein riesiges Lernfeld.
KI hat mir geholfen, schneller einzusteigen und Lösungen auszuprobieren. Trotzdem war es nie so, dass man eine Idee eingibt und anschließend eine fertige, zuverlässige App bekommt. Der Aufwand steckt vor allem in den vielen Tests und Korrekturen: Etwas entwickeln, veröffentlichen, auf einem echten Handy benutzen, Fehler finden und wieder anpassen.
Besonders viel Arbeit steckt in der Teamgenerierung und dem geführten Trainingsablauf. Ein Trainingsleiter soll schließlich nicht am Spielfeldrand lange in Menüs suchen müssen. Die App muss dann funktionieren, wenn 20 Leute spielen wollen.
Erste Sportgruppen nutzen deine App bereits im Alltag. Welche Rückmeldungen hast du bisher erhalten, welche Funktionen werden besonders häufig verwendet und welche Verbesserungen sind daraus entstanden?
Die größte Hürde ist oft nicht eine fehlende Funktion, sondern die Umstellung. Viele Mannschaften haben seit Jahren ein System, das grundsätzlich funktioniert. Alle dazu zu bewegen, eine andere App auszuprobieren, ist ein echter Veränderungsprozess.
Spannend war für uns ein Gespräch bei einem Freundschaftsspiel beziehungsweise Turnier. Wir kamen mit anderen Mannschaften zufällig auf das Thema, und die erzählten von genau demselben Ärger über unfaire Teams. Als wir zeigten, was wir dafür gebaut hatten, wollten sie strikr ebenfalls ausprobieren. So kamen die ersten weiteren Vereine dazu.
Die Rückmeldungen zeigen mir, dass die Spieler die App oft erst nach und nach entdecken. Erst geht es um Zusagen und die Mannschaftseinteilung. Später werden die Tabelle, die Siegquoten und die persönlichen Trophäen interessant. Gleichzeitig merken wir bei jedem neuen Team, wo Abläufe vereinfacht werden müssen. Deshalb möchte ich auch beim Einrichten und beim Wechsel von bisherigen Apps persönlich helfen.
Ursprünglich wurde strikr für deine eigene Hobbyfußballrunde entwickelt. Inzwischen suchst du auch Pilotgruppen aus anderen Sportarten. Welche Sportarten eignen sich für dein Konzept und welche Anpassungen sind notwendig, damit die App über den Fußball hinaus funktioniert?
Ich bin überzeugt, dass unser Grundkonzept bei fast jeder Mannschaftssportart funktioniert, in der Teams gegeneinander antreten. Das Problem fairer Mannschaften gibt es im Fußball genauso wie im Volleyball oder Basketball.
Die Basis bleibt immer ähnlich: Teilnehmer organisieren, Mannschaften bilden, spielen, Ergebnisse festhalten und die eigenen Erfolge sichtbar machen. Unterschiede sehe ich vor allem in Details: Beim Volleyball geht es beispielsweise um Sätze statt Tore, im Basketball um höhere Punktzahlen, und bei manchen Sportarten sind andere Positionen, Mannschaftsgrößen oder Turnierabläufe üblich.
Deshalb suche ich gerade auch Gruppen außerhalb des Fußballs. Ich bin vom Ansatz überzeugt, möchte die sportartspezifischen Details aber in echten Trainings testen und nicht einfach behaupten, alles sei bereits perfekt gelöst.
Du entwickelst strikr bislang nebenberuflich und befindest dich noch im Aufbau eines möglichen Unternehmens. Wie finanzierst du die Weiterentwicklung, welche wirtschaftlichen Überlegungen stehen hinter dem Projekt und welches Geschäftsmodell könntest du dir langfristig vorstellen?
Bislang finanziere ich strikr vollständig privat, einschließlich Infrastruktur, Entwicklungswerkzeugen und Marketing. Ich entwickle die App neben meinem Hauptberuf und möchte zunächst herausfinden, ob daraus langfristig ein kleines, tragfähiges Unternehmen werden kann.
Mir war wichtig, dass der Preis für eine komplette Mannschaft bezahlbar bleibt. Deshalb gibt es eine dauerhaft kostenlose Version und eine Pro-Version für 4,99 Euro im Monat beziehungsweise 49,99 Euro im Jahr. Wenn man knapp 50 Euro auf ein ganzes Team und ein ganzes Jahr verteilt, finde ich das gut tragbar.
Neue Teams können Pro zunächst 28 Tage ohne Kreditkarte und ohne automatische Verlängerung testen. Ich möchte organisch wachsen, mit Mannschaften, die den Nutzen wirklich erleben. Ein Investor ist dafür aktuell nicht mein Ziel.
Der Markt für Sport- und Teammanagement-Apps bietet bereits zahlreiche Lösungen. Was unterscheidet strikr von bestehenden Angeboten, wie möchtest du neue Gruppen gewinnen und welche Meilensteine stehen für dich als Nächstes an?
Ich glaube nicht, dass die Welt nur noch eine weitere App für Zu- und Absagen braucht. Unser Unterschied ist der komplette Ablauf: Er beginnt bei der Terminplanung, führt über möglichst faire Mannschaften und Ergebnisse und endet bei Tabellen, Auszeichnungen, Siegerbildern und dem Gespräch nach dem Training.
Man könnte sagen: Wir verbinden Trainingsorganisation mit Gamification und dem sozialen Erlebnis einer Mannschaft. Mir geht es darum, dass jeder eine möglichst gute Einheit bekommt und gleichzeitig der Zusammenhalt wächst.
Als Nächstes möchte ich weitere aktive Mannschaften gewinnen, den Einstieg erleichtern und die vorhandenen Abläufe weiter verbessern. Besonders wichtig sind mir Gruppen, die strikr wirklich Woche für Woche einsetzen – nicht bloß App-Downloads.
Welche langfristige Vision verfolgst du mit strikr und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründern geben, die aus einem persönlichen Alltagsproblem eine eigene App entwickeln und daraus Schritt für Schritt ein Unternehmen aufbauen möchten?
Meine Vision ist, Freizeitmannschaften eine Plattform zu geben, die keinen offiziellen Wettbewerb spielen, aber trotzdem mehr aus ihrem Training machen wollen: fairere Spiele, zusätzliche Motivation, persönliche Meilensteine und Erlebnisse, über die man noch Tage später spricht.
Langfristig könnte ich mir eine eigene strikr-Community vorstellen, in der sich solche Gruppen in freiwilligen strikr-Ligen miteinander vergleichen oder sogar über Sportarten hinweg messen können. Das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal muss das Produkt im Alltag möglichst vieler Gruppen richtig gut funktionieren.
Anderen würde ich drei Dinge mitgeben: Erstens mit einem Problem anfangen, das man wirklich kennt. Zweitens sich auch an Aufgaben herantrauen, die man noch nicht beherrscht – gerade mit KI als Unterstützung kann man unglaublich viel lernen. Und drittens früh mit echten Menschen testen und bereit sein, Dinge wieder zu ändern. Manchmal entsteht aus einem einzigen Strich auf einem Blatt Papier eben mehr, als man anfangs gedacht hätte.
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Wir bedanken uns bei Marcus Bofinger für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















