Freitag, März 6, 2026
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Warum ausgerechnet ein Bereich, der sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat, plötzlich zum Spielfeld für KI wird?

DeepIP entwickelt KI-gestützte Lösungen, die Patentarbeit effizienter machen und Kanzleien sowie IP-Teams im gesamten Patentprozess unterstützen

Was steckt hinter der Idee zu DeepIP und wer sind die Menschen, die das Unternehmen gegründet haben?

Mein Co-Founder Edouard d’Archimbaud und ich haben vor DeepIP gemeinsam Kili Technology aufgebaut – seit 2018 eine KI-Infrastrukturplattform für Fortune-500-Konzerne wie Airbus, IBM und SAP. Wir wissen, wie man KI in kritische, regulierte Umgebungen bringt, ohne Sicherheit oder Qualität zu opfern. Was uns zuDeepIP geführt hat, war eine sehr klare Beobachtung: Der Patentbereich hat ein tiefgreifendes strukturelles Problem. Die Zahl der Anmeldungen steigt massiv, erfahrene IP-Fachkräfte sind knapp, und der Prozess selbst hat sich seit den 1990ern kaum verändert – Dokument für Dokument, Wort für Wort. Wir haben gesehen, dass KI hier einen echten Unterschied machen kann – aber nur, wenn sie auf die richtige Weise eingebettet wird.

Wie kam es dazu, dass DeepIP sich auf den Einsatz von KI im Patentprozess spezialisiert hat?

Patentarbeit ist fundamental anders als andere Rechtsbereiche. Sie ist kumulativ – eine Anmeldung baut auf der nächsten auf, Portfolio-Entscheidungen folgen aus Einträgen, die Jahrzehnte zurückliegen, Teams arbeiten über Kanzleigrenzen und Jurisdiktionen hinweg zusammen. Was mich fasziniert und gleichzeitig frustriert hat: Legal Tech hat Verträge und Compliance modernisiert – aber Patente stecken noch immer in einem Labyrinth manueller Arbeit. Fragmentierte Tools, manuelle Kontextübertragung, Silos zwischen Kanzlei und Mandant. Wir haben DeepIP gebaut, weil wir überzeugt waren: Das lässt sich lösen – aber nur mit einer nahtlosen Integration in den bestehenden Workflow, nicht mit noch einem isolierten KI-Tool.

Welche Vision verfolgt DeepIP für die Zukunft der Patentarbeit?

Unsere Vision ist klar: KI als vertrauenswürdige Schicht in jede Phase des Patentlebenszyklus – von der Erfindungserfassung bis zur Portfolio-Durchsetzung. Aber ich betone das Wort vertrauenswürdig bewusst. KI, die neben dem eigentlichen Workflow läuft, wird nicht genutzt. KI, die Anwälte zwingt, ihre Prozesse zu ändern, wird abgelehnt. Wir bilden die bestehenden Workflows ab: DeepIP ist dort, wo die Arbeit ohnehin stattfindet – in Microsoft Word, in den IP-Management-Systemen, die Kanzleien bereits täglich nutzen. Langfristig wollen wir die Orchestrierungsmaschine sein, auf der die gesamte IP-Wertschöpfungskette läuft – von der ersten Erfindungsidee bis zur strategischen Portfolio-Entscheidung.

An welche Zielgruppen richtet sich DeepIP und welche konkreten Probleme dieser Nutzer möchte Ihr Produkt lösen?

Unsere Kernzielgruppen sind Patentrechtskanzleien und interne IP-Teams von Unternehmen. Die Probleme sind konkret und messbar: Ein qualifizierter Patentpraktiker braucht in den USA 7 bis 10 Jahre Ausbildung und bis zu 200.000 Dollar Investment. Gleichzeitig ist die erwartete Bearbeitungszeit einer Anmeldung von 40 Stunden in den 1990ern auf heute 20 Stunden gesunken. Das ist eine enorme Schere. Wir helfen dabei, diese Lücke zu schließen – nicht indem wir Anwälte ersetzen, sondern indem wir KI-Unterstützung direkt in ihre bestehenden Workflows integrieren. Kein Systemwechsel. Keine Lernkurve. Einfach: die gleiche Arbeit, mit deutlich weniger Reibung.

Viele Patentanwälte arbeiten traditionell mit komplexen Dokumenten und manuellen Prozessen. Wie unterstützt DeepIP sie dabei, effizienter zu arbeiten?

Anwälte berichten uns, dass sie beim Verfassen von Anmeldungen bis zu 50 % Zeitersparnis erzielen – das entspricht täglich rund zwei Stunden. Bisher haben wir über 40.000 Patentdokumente unterstützt und an mehr als 8.500 Anmeldungen mitgewirkt. Was mich aber am meisten begeistert, ist die Adoption. KI, die in den Workflow integriert ist, erreicht 20 % mehr Nutzende und wird 40 % intensiver eingesetzt als isolierte KI-Tools. Das liegt nicht am Feature-Set – es liegt daran, dass wir die KI nicht neben den Arbeitsalltag stellen, sondern mitten hinein. Wenn ein Anwalt morgens Word öffnet und DeepIP einfach da ist – dann wird es benutzt.

Was unterscheidet DeepIP von anderen Tools oder KI-Lösungen im Bereich Intellectual Property und Patentmanagement?

Der entscheidende Unterschied ist der Ansatz. Die meisten Tools beschleunigen eine einzelne Aufgabe – Suche, Entwurf, Prüfung. Das ist hilfreich, aber es löst nicht das eigentliche Problem: den fragmentierten Workflow. Man nutzt Tool A für die Recherche, Tool B für den Entwurf und überträgt den Kontext manuell von Schritt zu Schritt – genau da schleichen sich Fehler ein und geht Zeit verloren.

DeepIP denkt den gesamten Patentlebenszyklus als ein System: von der Suche und Patentierbarkeit über den Entwurf und die Prüfungsphase bis zu Einspruch und Portfolio-Intelligence. Und das alles eingebettet in die Workflows, die Kanzleien und IP-Teams ohnehin nutzen.

Aber es gibt noch eine Dimension, die oft übersehen wird: Sicherheit. Wenn vertrauliche IP-Daten zwischen mehreren isolierten Tools fließen, ist jede Übergabe eine potenzielle Schwachstelle. Mit DeepIP bleibt alles unter einem Plattform-Dach – eine Sicherheitsschicht, ein Data-Governance-Rahmen, eine Verantwortlichkeit. Wir sind SOC-2- und DSGVO-konform und speichern keine Mandantendaten – auch nicht für das Modelltraining. Für Kanzleien und IP-Teams, die mit den sensibelsten Vermögenswerten eines Unternehmens arbeiten, ist das kein Nice-to-have. Es ist eine Grundvoraussetzung.

Das ist keine Produktphilosophie – das ist unsere Grundüberzeugung.

Welche technischen oder regulatorischen Herausforderungen begegnen einem Startup, das KI im sensiblen Bereich von Patenten einsetzt?

Es gibt zwei Dimensionen. Technisch: Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit sind nicht verhandelbar. Ein Fehler in einer Patentanmeldung kann ein Patent angreifbar machen – der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Unsere Modelle sind auf Patentdaten trainiert, wir replizieren nachweislich den Schreibstil einzelner Anwälte und Kanzleien, und wir haben eine klare Haltung zur Qualitätssicherung. Regulatorisch sind wir SOC-2- und DSGVO-konform, speichern keine Mandantendaten – auch nicht für das Modelltraining. Wir unterstützen 20 Jurisdiktionen und sind mit den wichtigsten Patentämtern kompatibel: USPTO, EPO, CNIPA – um nur einige zu nennen. Vertrauen verdient man sich in diesem Markt nicht mit Marketing – sondern mit Compliance und nachgewiesener Qualität.

Wie reagieren Patentanwälte und Unternehmen auf den Einsatz von KI beim Schreiben oder Analysieren von Patenten?

Die Akzeptanz ist deutlich gestiegen – und sie hängt direkt mit der Qualität der Nutzung zusammen. Ich sage unseren Kunden oft: KI ist wie ein hochqualifizierter Assistent. Wenn man dem Assistenten eine vage Anfrage gibt, bekommt man eine vage Antwort. Je präziser der Input, desto wertvoller der Output.

Was DeepIP hier auszeichnet, ist die Geschwindigkeit, mit der Teams dorthin gelangen. Unser Onboarding ist schnell und unkompliziert – Anwälte sind in Stunden einsatzbereit, nicht in Wochen. Keine komplexe Implementierung, keine steile Lernkurve, kein IT-Projekt. Weil die Plattform in den Tools lebt, die sie ohnehin nutzen, ist der Einstieg nahezu sofortig. Innerhalb weniger Tage sehen Teams echte Produktivitätsgewinne.

Was ebenfalls hilft: Wir erzwingen keine Disruption. Kanzleien, die DeepIP einführen, ändern ihre Prozesse nicht – sie erweitern sie. Das ist der workflow-native Ansatz in der Praxis, und deshalb probieren unsere Kunden die Plattform nicht einfach aus – sie machen sie zu einem festen Bestandteil ihrer täglichen Arbeit.

Wie stellen Sie sicher, dass die von DeepIP unterstützten Inhalte fachlich korrekt bleiben und den Anforderungen von Patentämtern entsprechen?

Qualität hat bei uns mehrere Ebenen. Erstens: spezialisierte Modelle, trainiert auf Patentdaten – keine generischen LLMs, die zufällig über Patente stolpern. Zweitens: die Fähigkeit, den individuellen Schreibstil eines Anwalts oder einer Kanzlei aus früheren Anmeldungen zu lernen und zu replizieren – das erhöht die Akzeptanz der Outputs erheblich. Drittens: ein klares Rollenverständnis. DeepIP ersetzt keine rechtliche Expertise. Wir empfehlen ausdrücklich, dass Erfinder IP-Fachleute konsultieren. KI ist der Assistent – der Anwalt bleibt verantwortlich. Dieser Grundsatz ist nicht Vorsicht, sondern Überzeugung.

Welche Rolle spielt die Integration in bestehende Arbeitsumgebungen wie Microsoft Word für die Akzeptanz Ihrer Lösung?

Eine zentrale. Patentanwälte verbringen einen Großteil ihres Arbeitstages in Word. Wenn wir DeepIP als separates Web-Tool positionieren würden, würden wir verlangen, dass sie ihre Arbeit unterbrechen, den Kontext manuell kopieren, in ein neues System wechseln – und dann zurück. Unser Word-Add-in bringt die KI direkt in die Oberfläche, die Anwälte ohnehin nutzen. Das ist keine Convenience-Funktion – das ist eine strategische Entscheidung. Workflow-native KI wird nicht ausprobiert. Sie wird zum Standard.

Wohin soll sich DeepIP in den kommenden Jahren entwickeln und welche neuen Funktionen oder Einsatzbereiche planen Sie?

Wir beschleunigen auf zwei Ebenen gleichzeitig: mehr Tiefe im Workflow und mehr Breite im Lebenszyklus. Mehr Tiefe bedeutet: agentische KI-Funktionen, die nicht nur auf Anfrage reagieren, sondern proaktiv Zusammenhänge erkennen, nächste Schritte antizipieren und Teams koordinieren – ohne zusätzlichen Overhead. Mehr Breite bedeutet: jeden Schritt des Patentlebenszyklus abdecken, der heute noch fragmentiert ist. Unser Ziel ist es, die Infrastrukturebene zu definieren, auf der IP-Arbeit im KI-Zeitalter läuft. Nicht als Tool, das man öffnet – sondern als System, auf das man standardisiert.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine technologiegetriebene Lösung in einem stark regulierten Markt aufbauen möchten?

Erstens: Verstehe den Markt tiefer als jeder andere. Ausgangspunkt war nicht die Technologie auf der Suche nach einem Markt. Wir haben mit unzähligen Patentpraktikern gesprochen und ihnen zugehört – und viele davon ins Team geholt – um ein tiefes Verständnis der Branche und der alltäglichen Anforderungen zu entwickeln. Wir haben das strukturelle Problem im Patentbereich verstanden – und dann gebaut. In regulierten Märkten verdient man Vertrauen durch Expertise, nicht durch Vision allein.

Zweitens: Denke den vollständigen Workflow von Tag eins. Das ist mein stärkster Rat. Es ist verlockend, ein starkes Feature zu bauen und es als eigenständiges Tool anzubieten. Aber in regulierten Branchen, wo Gewohnheiten und Prozesse über Jahrzehnte gewachsen sind, gewinnt derjenige, der sich in bestehende Workflows integriert – nicht derjenige, der sie ersetzt. Workflow-nativ ist kein Produktfeature. Es ist eine Grundhaltung.

Drittens: Mache Sicherheit und Compliance zu einem Wettbewerbsvorteil. Wir haben Datenschutz von Anfang an als Differenzierungsmerkmal positioniert. SOC 2, DSGVO-Konformität, keine Datenspeicherung für Training – das ist nicht nur Pflicht, das ist das, was große Kanzleien und Konzerne überzeugt. In sensiblen Märkten öffnet Vertrauen Türen, die Technologie allein nicht öffnen kann.

Bilder: François-Xavier Leduc, CEO & Co-Founder, DeepIP (im beigefarbenen Pulli) und Edouard d’Archimbaud, CTO.  Bildquelle: DeepIP

Wir bedanken uns bei François-Xavier Leduc für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


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1411 Broadway, 16th floor
New York, NY 10018
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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.
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