Donnerstag, März 19, 2026
StartGründerTalkKönnen Geschichten der Schlüssel sein, damit Kinder wirklich gerne lernen?

Können Geschichten der Schlüssel sein, damit Kinder wirklich gerne lernen?

boboola entwickelt Edu Books für Kinder und verbindet Geschichten mit Lernen in einem interaktiven digitalen Buchformat

Was steckt hinter der Idee von boboola und wer sind die Menschen, die das Startup gegründet haben?

Neue Technologie verändert die Möglichkeiten und vergrößert die Gruppe von Menschen, die mit dieser Technologie Ergebnisse produzieren können.
Früher konnten hochwertige Videos nur von Firmen produziert werden mit einem Avid Composer und einer BetaCam Kamera. Heute reicht dafür ein Smartphone.
Die Entwicklung der KI hat mir als Designer Möglichkeiten gegeben, Bilder und Charaktere zu produzieren, die früher drei großen Hollywood Firmen vorbehalten waren.
Die Faszination dieser Entwicklung war ein Motor für die Gründung. Der andere Grund war der lange vorhandene Wunsch, außergewöhnliche Produkte zu gestalten, die einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten und vom Agentur-Dienstleister zum Verlag zu werden und eigene Produkte zu gestalten und zu vertreiben.
Diese beiden Aspekte führten zur Gründung von boboola.

Wie ist boboola entstanden und welche Erfahrungen oder Beobachtungen aus dem Bildungs oder Kinderbuchbereich haben zur Entwicklung der Edu Books geführt?

Der Kern war die Gründung eines Verlags als Geschäftsmodell, der international Produkte vertreibt. Der Kinderbuchmarkt, insbesondere in Deutschland, folgt sehr ausgeprägten und dogmatischen Narrativen, die allesamt natürlich in den Köpfen von Erwachsenen entstanden sind. Das betrifft sowohl den Stil der Visualisierungen als auch die Cover- und Titelgestaltung. Diese Narrative sind uns bekannt und wir wollten etwas anderes machen.
Ein wesentlicher Aspekt bei Kinderbüchern ist das Erzählen von Geschichten. Bei Kids im Vorschulalter ist aufgrund der fehlenden Lesekompetenz immer ein Elternteil notwendig, um Geschichten in Kombination mit Bildern erzählen zu können. Diese Rolle des Geschichtenerzählers fällt nicht allen Eltern leicht und selbst bei den Talentierten bleibt im Alltag oftmals wenig Raum und Muße, um in diese Rolle schlüpfen zu können. Das war ein wichtiger Ansatz.

Das Konzept Edutainment, also die Kombination aus Unterhaltung und Lernen, war für uns im Kontext evident. Also war die Frage, wie das Kinderbuch der nächsten Generation aussehen könnte, das alle Anforderungen in einem Produkt vereint:

Das Design eines traditionellen Kinderbuchs (vollflächige Bilder im Bezug auf einen festen Gestaltungsrahmen wie beim Buch)
Integration eines Audiobooks
Kontextuelles lernen, also Story und Lernen integrativ miteinander zu verbinden

Digitale Lernangebote für Kinder sind oft stark fragmentiert. Warum verfolgt boboola bewusst den Ansatz einer durchgehenden Bilderbuchgeschichte mit integrierten Lernmodulen?

Die digitalen Lernangebote sind fragmentiert, weil sie einer Marktlogik folgen und nicht pädagogischen Erkenntnissen.
Wie wirkliches Lernen funktioniert, ist kein Geheimwissen. Fragmentierung ist das größte Problem der digitalen Technologie generell. Alle Algorithmen in social media arbeiten so. Themen und Aspekte verlieren den Kontext. Und ohne Kontext verkümmert die inhaltliche Substanz zu digital snippets. Das Synonym für diesen Trend ist das Smartphone. Wenn wir glauben, wir könnten die Komplexität und Vielschichtigkeit der Welt auf die Größe eines Smartphones reduzieren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn dabei nichts Großes herauskommt. Daher sind unsere Edu Books auch nicht für die Smartphone Nutzung ausgelegt. Wir lehnen Smartphones in Kinderhänden komplett ab.

Was genau versteht boboola unter einem Edu Book und wie unterscheiden sich diese Inhalte von klassischen Lern Apps oder digitalen Kinderbüchern?

Das Edubook ist ein Lernmedium für Kids, das alle relevanten Aspekte von Lernen in einem Produkt vereint und verbindet. Und es Kindern ermöglicht, diese digitalen Bücher eigenständig nutzen zu können.

An wen richten sich die Edu Books konkret und welche Bedürfnisse von Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren möchte boboola damit erfüllen?

Das Erleben von inspirierenden Geschichten, Beziehungen zu unseren Charakteren, die alle ein bestimmtes Themenfeld repräsentieren und Story based learning, das Themen und Inhalte integrativ mit Geschichten verbindet.

Die Inhalte von boboola sind bilingual aufgebaut. Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit im Konzept und welche Lernvorteile sehen Sie darin?

Die Sprachentwicklung von Kindern wird durch Bilingualität nachweislich verbessert. Zweisprachig aufzuwachsen hat nicht nur kognitive Vorteile, sondern bietet auch später mehr Möglichkeiten bei der Bildungs und Lebensgestaltung.

Was macht das Konzept von boboola im EdTech Markt besonders und worin liegt aus Ihrer Sicht der zentrale Unterschied zu bestehenden digitalen Lernangeboten für Kinder?

Die absolute Mehrheit digitaler Lernangebote stehen konzeptionell isoliert im Raum und verstehen Lernen als click and success Handlungen. Ich möchte nicht sagen, dass Kinder dadurch nichts lernen, aber ein integrativer und ganzheitlicher Ansatz leistet hier wesentlich mehr.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer neuen Produktkategorie wie den Edu Books und wie gehen Sie mit diesen Hürden um?

Wir bürsten bei nahezu allen Aspekten gegen den Strich. Keine Multidevice Kompatiblität, kein Subscription Modell, keine hochgradig individuellen Charaktere, moderner Visualisierung Stil statt einfacher 2D Vektorgrafik. Das Kinderbuch Narrativ der Erwachsenen konstatiert hier natürlich “KI ist lieblos”. Doch wie unsere Tests gezeigt haben, kennen Kinder keine Narrative und auch keine Stile. Sie nehmen Dinge wahr ohne Vorbehalte oder Narrative, entscheiden intuitiv und lieben unsere Charaktere. Bei User Tests haben wir unterschiedliche Stile getestet. 95% der Kinder wählten den “High Glossy” Stil, statt einer einfachen 2D Grafik. Oder sie wussten gar nicht, was diese “Stilfrage” bezwecken soll. Natürlich nicht, denn sie sind Kinder.

Alle Kinderbuch Narrative sind in den Köpfen Erwachsener entstanden, die Käuferschaft Eltern gehört hier natürlich dazu.
Wenn Eltern aus der Sicht ihrer Kinder denken und nicht nach den eigenen Narrativen, können sie mit unseren Edu Books Kindern große Freude bereiten. Und auch sich selbst, da sie von der Erzähler Rolle befreit werden und sich auf das Moderieren und Reflektieren fokussieren können. Auf Wunsch können Eltern natürlich im Kids+ Modus den Text eingeblendet, um, selbst die Erzähler Rolle einzunehmen.

Welche Vision verfolgt boboola langfristig und wie möchten Sie das Format der Edu Books im Bildungs und EdTech Markt etablieren?

Wir sind mit 29,90 für aufwendige Storybooks im Premiumbereich. Ein Massenmarkt Positionierung war strategisch nie geplant. Die zentrale Strategie ist die Internationalisierung der Produkte und des Vertriebs in andere Märkte wie USA, Südamerika und Asien. Auch weil dort typisch deutsche Kinderbuch Narrative nicht vorhanden sind.

Wie sieht die weitere Entwicklung von boboola aus. Welche neuen Inhalte oder Formate sind in Zukunft geplant?

Jeder Charakter erhält zunächst ein Storybook. Parallel werden Theme und Playbooks produziert. Wir stehen auch in Gesprächen mit Schulbuchverlagen. Die Idee ist Edu Books als Komplementär Medium für Schulbücher der ersten Klasse zu produzieren. Die Edu Books hätten hier die Funktion, die Kids für Themen wie Lesen, Rechnen etc zu begeistern, um den Eintritt in die Schule und die Schulbücher zu erleichtern.

Welche Rolle spielen Geschichten beim Lernen von Kindern und warum setzt boboola bewusst auf eine narrative Struktur statt auf einzelne Übungen?

Kinder lernen am besten, wenn sie Spaß und Freude empfinden. Das ist bei Erwachsenen übrigens genauso Stichwort Gamification. Emotionen entstehen durch Bindung an Charaktere. Dieses mentale Setup öffnet die Neugier für Inhalte und ermöglicht wirkliches Lernen. Die pädagogischen Grundsätze sind alle bekannt und bestens erforscht. Neu ist daran nichts. Dies alles in einem Buch abgestimmt und integrativ zu verbinden, jedoch schon.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Startup im Bildungs oder EdTech Bereich aufbauen möchten?

In der Startup Szene gelten wie in jeder anderen Szene auch gewisse Narrative, Buzzwords und eine eigene Sprache. Skalierung ist eines der Lieblingswörter. Ohne potentielle Millionengewinne beißt kein Investor. Aber wenn jede Produktentwicklung sich ausnahmslos dieser Skalierungslogik beugt, dann werden dabei nur massenkompatible Produkte herauskommen. Doch ein funktionierendes Unternehmen muss nicht zwingend zweistellige Millionenbeträge erwirtschaften, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Wie so oft im Leben ist weniger mehr. Dass man damit keinen klassischen Investor begeistert, ist mir bewusst. Aber die Welt ist mehr als eine Exceltabelle. Natürlich muss ein Unternehmen rentabel sein, aber nicht jedes Unternehmen muss im Massenmarkt erfolgreich sein.

Bild boboola Gründer Jürgen Schmitt (l.) u. Frank H. P. Dohrmann Credits:boboola

Wir bedanken uns bei Jürgen Schmitt und Frank H. P. Dohrmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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