Embat entwickelt eine Treasury-Plattform für den Mittelstand und automatisiert Finanzprozesse mit KI und Echtzeitdaten
Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit bei Pleo helfen Ihnen heute beim Aufbau von Embat im DACH Markt besonders weiter?
Bei Pleo habe ich gelernt, dass ein erfolgreicher Markteintritt in der DACH-Region nicht vom Produkt allein abhängt, sondern vom Vertrauen. Finance-Teams in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind gründliche Entscheider – sie adoptieren neue Technologie nicht wegen des Hypes, sondern weil sie nachweislich funktioniert. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es braucht: lokale Talente, lokale Beziehungen und ein Produkt, das die Sprache des CFOs spricht.
Wie will Embat den Treasury Bereich in mittelständischen Unternehmen langfristig verändern?
Unsere Vision ist es, Finance-Abteilungen im Mittelstand von Kostenstellen zu strategischen Werttreibern zu machen. Zu viele Treasury-Teams verlieren sich heute in manuellen Prozessen – Embat automatisiert bis zu 80 % dieser Routineaufgaben und gibt CFOs Echtzeit-Transparenz über ihre Liquidität. Der nächste Schritt ist agentenbasierte KI, die komplexe Workflows eigenständig ausführt und Ergebnisse direkt in ERP-Systeme wie SAP, DATEV oder Microsoft einspeist.
Antonio Berga, Carlos Serrano und Tomás Gil haben Embat 2021 gegründet. Welche gemeinsame Vision stand damals am Anfang?
Die Gründungsvision entstand aus einer echten Frustration: Antonio und Carlos sahen bei J.P. Morgan hautnah, wie Großkonzerne von moderner Treasury-Infrastruktur profitierten – und wie unzugänglich diese für den Mittelstand war. Tomás brachte als ehemaliger CTO von Fintonic das technologische Know-how mit. Ihre gemeinsame Frage war einfach, aber kraftvoll: Warum Treasury mit Excel verwalten, wenn bessere Technologie längst existiert? Embat wurde gebaut, um diese Lücke zu schließen.
Warum ist gerade der deutschsprachige Markt für Embat aktuell so wichtig?
DACH ist einer der bedeutendsten Treasury-Märkte Europas, mit einem anspruchsvollen Mittelstand, komplexen Bankenstrukturen und hohem ERP-Bedarf – insbesondere SAP und DATEV. Gleichzeitig hinkt die Digitalisierung im Treasury hier historisch hinterher, was die Chance umso größer macht. Mit Büros in München und Berlin sind wir gut positioniert, diese Nachfrage mit echter lokaler Expertise zu bedienen.
Viele Unternehmen kämpfen noch mit Datensilos und manuellen Finanzprozessen. Wo sehen Sie hier die größten Probleme in der Praxis?
Das Kernproblem ist fehlende Echtzeit-Transparenz. Wer mit mehreren Banken, Gesellschaften und ERP-Systemen arbeitet, verbringt enorm viel Zeit damit, ein klares Liquiditätsbild manuell zusammenzusetzen – und wenn es fertig ist, ist es oft schon veraltet. Hinzu kommt eine kulturelle Hürde: Veränderung erfordert echtes Vertrauen, dass der Wechsel kein Risiko darstellt. Deshalb sind Implementierungsgeschwindigkeit und lokaler Support so entscheidend.
Embat spricht von „Technologie von Finanzexperten für Finanzexperten“. Wie spiegelt sich dieser Ansatz konkret in der Plattform wider?
Es zeigt sich in Details, die nur Praktiker einbauen würden. Unsere Gründer kamen vom Investment Banking bei J.P. Morgan – die Plattform spiegelt echte Treasury-Praxis wider, nicht die Vorstellung eines Softwareentwicklers. Wir passen Finance-Teams nicht an unsere Software an, sondern haben die Software um ihre Prozesse herum gebaut. Das macht die Implementierung ungewöhnlich schnell und intuitiv.
Mit „TellMe“ entwickelt Embat einen agentenbasierten KI Treasury Analysten. Wie weit kann KI im Treasury Management künftig tatsächlich gehen?
TellMe steht für unsere Vision, wie Treasury-Management aussieht, wenn KI zum echten Teammitglied wird. Kurzfristig geht es um automatisierte Abstimmungen, präzise Cash-Flow-Prognosen und proaktive Liquiditätsempfehlungen. Langfristig ist die Perspektive transformativ: KI, die komplexe Workflows eigenständig ausführt und Ergebnisse direkt in ERPs einspeist – dabei aber in streng kontrollierten Umgebungen arbeitet, ausschließlich mit freigegebenen Kundendaten. Im Treasury gibt es keinen Spielraum für Fehler.
Wie schwierig ist es, Unternehmen von der Digitalisierung sensibler Finanzprozesse zu überzeugen?
Die meisten CFOs zweifeln nicht grundsätzlich an der Digitalisierung – sie zweifeln am Risiko. Was, wenn die Migration Zahlungsflüsse stört? Was, wenn die Datensicherheit nicht den gewohnten Standards entspricht? Unsere Antwort liegt im Produkt selbst: bankengrade Sicherheitsarchitektur und ein Onboarding-Prozess, der schnell und risikoarm ist. Vertrauen entsteht nicht durch Argumente, sondern durch Erfahrung.
Welche Rolle spielen die neuen Standorte in München und Berlin für die weitere Expansion von Embat?
München und Berlin sind operative Knotenpunkte, keine Symbolik. München gibt uns Zugang zum Mittelstandsherz Bayerns, Berlin zur Scale-up-Community. Entscheidend ist dabei die lokale Expertise: Teams, die die deutsche Bankenlandschaft kennen, die Sprache der CFOs sprechen und die regulatorischen Besonderheiten des DACH-Markts verstehen. Die Region ist der Eckpfeiler unserer europäischen Expansionsstrategie.
Embat integriert bereits mehr als 15.000 Banken und zahlreiche ERP Systeme. Wie komplex ist es, eine solche Infrastruktur europaweit aufzubauen?
Extrem komplex – und genau das ist einer unserer wesentlichen Wettbewerbsvorteile. Europas Banking-Infrastruktur ist stark fragmentiert: Jedes Land hat eigene Formate, Konnektivitätsstandards und Open-Banking-Implementierungen. Dasselbe gilt für ERP-Integrationen: SAP, DATEV und Microsoft Dynamics folgen jeweils eigenen Logiken. Diese Komplexität zu meistern erfordert jahrelange Investitionen – und genau die haben wir getätigt.
Was unterscheidet Embat aus Ihrer Sicht von klassischen Treasury oder Finanzsoftware Lösungen?
Klassische TMS-Lösungen wurden für Großkonzerne gebaut – für den Mittelstand sind sie meist zu teuer, zu komplex oder zu langsam. Einfache Banking-Portale liefern Daten, aber keine Intelligenz. Embat verbindet beides: Enterprise-Funktionalität mit der Agilität, die mittelständische Finance-Teams brauchen. Wir gehen in Wochen live, bündeln alle Banken an einem Ort und bieten mit TellMe eine KI-Schicht, die nicht nur analysiert, sondern aktiv handelt.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Fintech Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Vertrauen verdienen, bevor man Umsatz verdient. Im Finanzbereich – und besonders im DACH-Markt – ist Vertrauen die eigentliche Währung. Investiert in Sicherheit, Compliance und Kundenbeziehungen wie in eure wertvollsten Assets.
Zweitens: Lokal einstellen, bevor man lokal vermarktet. Eine übersetzte Website reicht nicht. Ihr braucht Menschen vor Ort, die Bankbeziehungen, regulatorisches Umfeld und Entscheidungskultur wirklich verstehen.
Drittens: Nah am Problem bleiben, nicht nur am Produkt. Die Gründer, die dauerhaft erfolgreiche Unternehmen bauen, fragen sich immer wieder ehrlich, ob sie den Schmerz ihrer Kunden wirklich lösen – oder nur technisch beeindrucken.
Bild: Gründerteam Copyright Embat
Wir bedanken uns bei André Reimers für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
























