WeRoad verbindet Gruppenreisen mit einer starken Community und schafft Reiseerlebnisse für Menschen, die gemeinsam statt allein die Welt entdecken möchten
Wie entstand die Idee zu WeRoad und warum habt ihr euch auf Gruppenreisen spezialisiert?
WeRoad entstand aus einer sehr persönlichen Situation. Mit 30 wird es zunehmend schwieriger, die eigene Zeit, den eigenen Terminkalender und die eigenen Vorlieben mit denen der alten Freunde in Einklang zu bringen, die sich im natürlichen Lauf des Lebens immer weiter entfernen. Ich wollte reisen, aber nicht alleine und konnte niemanden überzeugen, mitzukommen. Ich schaute mich um und erkannte, dass das nicht nur mein Problem war, sondern ein generelles. Also haben wir gemeinsam mit meinen Mitgründern Erika De Santi und Fabio Binwe die Lösung gebaut, die wir uns selbst gewünscht hätten: eine Möglichkeit, solo zu reisen, ohne sich jemals einsam zu fühlen.
Welche Vision verfolgt WeRoad für die Zukunft des Reisens?
Wir glauben, dass sich Reisen von einem Produkt zu einer Plattform für menschliche Verbindung wandelt. Menschen suchen heute nicht mehr nur neue Orte, sie suchen Zugehörigkeit. In einer Welt, die zunehmend von KI und sozialen Medien geprägt wird, wird echte menschliche Verbindung gleichzeitig seltener und wertvoller. Unsere Vision ist es, die weltweit größte Reise-Community aufzubauen und dieses Gefühl der Zugehörigkeit über die Reise hinaus in den Alltag zu tragen – durch WeMeet. Das Reisen bleibt zentral, wird aber zunehmend von Micro-Erlebnissen begleitet, die dieselben Beziehungsdynamiken im täglichen Leben erzeugen.
Warum entscheiden sich heute so viele Menschen bewusst für gemeinschaftliche Reisen statt für klassische Urlaubsangebote?
Weil wir gleichzeitig die am stärksten vernetzte und die einsamste Generation der Geschichte sind. Studien zeigen, dass rund 30 % der jungen Erwachsenen täglich Einsamkeit empfinden. Traditionelles Reisen beantwortet die Frage, wohin man fahren soll. WeRoad beantwortet die Frage, mit wem man fährt und wer man durch das Erlebnis wird. Was das Reisen bietet, was der Alltag nicht kann, ist der richtige Kontext: einen, in dem Menschen wirklich aufeinandertreffen, ihre Mauern einreißen und gemeinsam echte Geschichten schreiben können. Genau das schaffen wir auf jeder Reise.
Welche Zielgruppe steht bei euren Reisen besonders im Fokus?
Unsere Kernreisenden sind Millennials oder Gen Z, im Schnitt etwa 30 Jahre alt, berufstätig in mittelgroßen oder großen Unternehmen – und sie reisen solo. Rund 90 % unserer Kunden buchen alleine. Sie sind selbstständig genug, um Ziel und Tempo selbst bestimmen zu wollen, suchen aber geteilte Erlebnisse und echte menschliche Verbindung. Viele sind für den Job in eine neue Stadt gezogen und bauen ihr soziales Netzwerk neu auf. Sie kaufen nicht einfach eine Reise – sie investieren in ihr soziales Leben.
Was unterscheidet WeRoad von traditionellen Reiseveranstaltern?
Wir haben eine Marke mit einer eigenständigen kulturellen Identität aufgebaut. Wir sprechen nicht über das Reiseprodukt, sondern über die Reisenden selbst. Und wir sprechen ihre echten Bedürfnisse an: wie schwer es ist, Menschen für gemeinsame Erlebnisse zu finden, wie isolierend das moderne Stadtleben sein kann. Jede Reise wird von einem Travel Coordinator geleitet – kein Guide, sondern ein mitreisender Enthusiast, der die Logistik übernimmt und dabei echte Verbindungen in der Gruppe fördert. Und wir haben eine Community von über 4.000 Travel Coordinators aufgebaut, die echte Markenbotschafter sind. Heute wählen Menschen WeRoad nicht wegen eines Reiseziels, sie wählen es, weil es WeRoad ist. „Lass uns ein WeRoad machen“ ist zum Synonym für Gruppenreisen geworden.
Welche Rolle spielen Community und soziale Vernetzung in eurem Konzept?
Community ist kein Feature von WeRoad – sie ist WeRoad. Wir haben alles – Produkt, Marke, Marketing – rund um die Möglichkeit echter Verbindungen durch gemeinsame Erlebnisse aufgebaut. Unsere Coordinator Community mit über 4.000 Menschen in ganz Europa, und jetzt auch in den USA, ist vollständig organisch gewachsen. Unsere Reise-Community mit über 300.000 Menschen auf mehr als 1.000 Routen seit 2017 hat eine Wiederbuchungsrate von 60 % und einen NPS von 9/10. Diese Zahlen kommen nicht von einer tollen Buchungsplattform, sie kommen von Menschen, die etwas gefunden haben, das sie nicht erwartet hatten: echte Freundschaften.
Viele Reisende buchen allein. Warum funktioniert dieses Modell aus eurer Sicht so gut?
Weil es eine echte Spannung löst, die vorher keine Lösung hatte. Menschen wollen die Unabhängigkeit, Ziel, Tempo und Stimmung der Reise selbst zu wählen, aber sie wollen das Erlebnis teilen. Bei WeRoad buchst du alleine, reist aber mit einer Gruppe Gleichgesinnter im selben Alter und mit derselben Reisestimmung. Du musst monatelang nicht mit Freunden verhandeln. Du musst keine Kompromisse machen. Und du kommst irgendwo an, ohne jemanden zu kennen und gehst mit Menschen, zu denen du noch jahrelang Kontakt hältst. Rund 90 % unserer Kunden reisen genau aus diesem Grund solo.
Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim internationalen Wachstum von WeRoad konfrontiert?
Ein Unternehmen zu skalieren, das auf echten menschlichen Erlebnissen basiert, ist etwas völlig anderes als reine Software zu skalieren. Jeder neue Markt erfordert Menschen, operative Qualität, eine lokale Community, ausgebildete Coordinators und Kontrolle über das Erlebnis. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen. Die Disziplin liegt darin, Tempo und Nachhaltigkeit in Balance zu halten, in neue Märkte zu investieren, aber mit einem replizierbaren, messbaren und gesunden Modell. Die Community hat enormen wirtschaftlichen Wert, muss aber geschützt werden. Die eigentliche Herausforderung ist nicht nur die Finanzierung des Wachstums, sondern die Finanzierung des richtigen Wachstums: eines, das das Produkt stark, die Bindungsrate hoch und die Beziehung zur Community authentisch hält.
Wie wichtig sind digitale Plattformen und Social Media für euren Erfolg?
Grundlegend! Wir haben eine Social-First-Marke mit über 3,5 Millionen Followern aufgebaut – nicht durch die Bewerbung von Reisezielen, sondern indem wir die Sprache unserer Community sprechen: oft ironisch, manchmal inspirierend, immer authentisch. Wir verwenden ausschließlich echte Bilder, echte Videos, echte Menschen. Und wir haben stark in organische Inhalte investiert, in trendgetriebene Aktionen online wie offline und in Texte, die die Aufmerksamkeitsbarriere durchbrechen. Digital ist auch der Weg, über den wir unseren Eintritt in den US-Markt gestalten werden, mit gezielten Kampagnen und strategischen Partnerschaften, um unsere stärksten Märkte zu identifizieren, bevor wir das Community-Modell vor Ort vollständig ausrollen.
Welche Reisearten oder Destinationen sind aktuell besonders gefragt?
Abenteuerreisen und Naturerlebnisse sind weiterhin am beliebtesten. Japan und China gehören derzeit zu unseren gefragtesten Zielen. Neben Asien ist Marokko eine unserer beliebtesten Fernreiseoptionen: Trekking auf den Toubkal gehört konstant zu unseren meistgebuchten Erlebnissen. Die nordischen Länder wachsen schnell, besonders bei Reisenden, die Naturimmersion und einen echten Kontrast zum städtischen Alltag suchen. Und der Route-66-Trip ist bereits live und erzeugt starkes Frühinteresse.
Wir sehen auch enorme Nachfrage nach unseren kürzeren Formaten: WeRoad Weekend und WeRoad Express. Das sind Reisen mit vier Nächten oder weniger, für Menschen, die weniger Urlaubstage einsetzen wollen, aber dennoch ein vollständiges Gruppenreise-Erlebnis möchten. Sie sind auch ein idealer Einstieg für Erstbucher, die das WeRoad-Modell auf sanfte Weise ausprobieren möchten, bevor sie sich für eine längere Reise entscheiden. Ziele wie Italien, Griechenland und Spanien funktionieren in diesem Format ausgezeichnet – nah genug, um zugänglich zu wirken, reich genug, um Lust auf mehr zu machen.
Was sich durch all das zieht, ist ein tieferer Wandel im Reisemotiv. Menschen interessieren sich weniger dafür, Sehenswürdigkeiten abzuhaken, und mehr dafür, etwas Bedeutsames mit anderen zu erleben. Das Reiseziel ist wichtig, aber es wird zunehmend zur Kulisse – nicht zum Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist, mit wem man reist und was man von der Erfahrung mit nach Hause trägt.
Welche Entwicklungen oder neuen Konzepte plant WeRoad für die kommenden Jahre?
Der größte Schritt ist unsere Expansion in die Vereinigten Staaten, finanziert durch diese 58-Millionen-Dollar-Series-C unter der Führung von Airbnb. Darüber hinaus werden wir WeMeet als eigenständige Plattform für das soziale Alltagsleben weiterentwickeln. Die Vision ist es, eine dauerhafte Infrastruktur für menschliche Verbindung zu werden, nicht nur im Urlaub, sondern in der Stadt, jede Woche.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Löse ein echtes Problem, kein theoretisches. WeRoad entstand aus unserem eigenen Bedürfnis heraus – wir haben das Produkt gebaut, das wir uns selbst gewünscht hätten. Diese Authentizität lässt sich nicht vortäuschen und ist nur sehr schwer zu kopieren.
Zweitens: Investiere in deine Gründer-Community genauso wie in dein Unternehmen. Einige der wichtigsten Entscheidungen, die ich getroffen habe – und einige der größten Fehler, die ich vermieden habe – entstanden aus Gesprächen mit anderen Unternehmern, die dieselben Dinge durchgemacht hatten. Ein Unternehmen aufzubauen ist schon schwer genug; es ohne ein Netzwerk von Gleichgesinnten zu tun, die dich herausfordern, unterstützen und ihr Wissen teilen, ist noch schwerer. Finde deine Gründer-Community und pflege sie ernsthaft.
Drittens: Kümmere dich um deine Menschen, bevor du dich um dein Produkt kümmerst. Das Produkt lässt sich immer verbessern – aber wenn du die Menschen verlierst, die an das glauben, was du aufbaust, verlierst du alles. Das Beste, was wir je getan haben, war Menschen anzuziehen, denen die Mission wirklich am Herzen lag – nicht nur der Job. Schütze diese Kultur mit aller Konsequenz, besonders wenn du schnell wächst und rasch einstellst.
Bild: Paolo De Nadai Bildcredit/Fotograf: WeRoad
Wir bedanken uns bei Paolo De Nadai für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder























