Donnerstag, August 13, 2026
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elef. Fragrance: Wie ein 21-Jähriger Erinnerungen in Nischenparfüms verwandelt

elef. Fragrance steht für handgefertigte Düfte, die persönliche Erinnerungen einfangen und vom Gründer und Parfümeur selbst entwickelt werden

Können Sie elef. Fragrance kurz vorstellen und erzählen, wie aus persönlichen Erinnerungen die Idee für eine eigene Parfummarke entstanden ist?

elef. Fragrance ist eine deutsche Nischenparfüm-Marke für handgefertigte, besondere Düfte. Gegründet habe ich sie 2025 – ich bin gleichzeitig die Nase (der Parfümeur) dahinter, entwickle also jeden Duft selbst. Der Name kommt von meinen Initialen: L. F., ausgesprochen „el-ef“.

Angefangen hat alles 2023, als ich zum ersten Mal in Limone sul Garda war. Dort gab es eine kleine Parfümerie, in der ich mir mein erstes richtiges Parfüm gekauft habe. Dieser Duft hat mich den ganzen Urlaub begleitet – und wenn ich heute daran rieche, bin ich sofort wieder dort.

Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, was Duft eigentlich kann: Einen in Ort und Erinnerungen zurückversetzen. Genau darauf ist die Marke gebaut. Jeder elef.-Duft fängt einen konkreten Moment ein – nicht ein Konzept aus dem Marketing, sondern einen Moment, den ich selbst erlebt habe.

Wer steht hinter elef. Fragrance, und wie haben Sie sich das Wissen für die Entwicklung eigener Düfte angeeignet?

Hinter elef. steht ein 21-Jähriger. Ich habe mir das Handwerk komplett autodidaktisch beigebracht – über kleinere Kurse, Videos, Bücher, viel Eigenrecherche und vor allem über dutzende Versuche.

Parfümerie ist ein Beruf, den man in Deutschland kaum lernen kann. Es gibt keine Ausbildung, die man einfach so machen kann – die großen Häuser in Frankreich und Italien bilden intern aus und nehmen nur sehr wenige Leute. Also blieb nur der Weg über die Praxis: Rohstoffe bestellen, riechen, verstehen, kombinieren, verwerfen, neu anfangen.

Welche Vision verfolgen Sie mit elef. Fragrance, und warum möchten Sie die Marke stärker als Erlebnismarke positionieren?

Meine Vision ist, dass elef. irgendwann nicht als Parfümmarke wahrgenommen wird, sondern als Erlebnismarke – die Momente konserviert und sie immer wieder erlebbar macht.

Der Unterschied ist größer, als er klingt. Eine Parfümmarke verkauft einen Duft, der gut riecht und fast jedem gefällt. Eine Erlebnismarke verkauft die Rückkehr in ein Gefühl, einen Ort oder eine Erinnerung. Das Produkt ist dasselbe, aber der Grund, warum jemand es trägt, ist ein völlig anderer – obwohl sich das gut riechen dabei nicht ausschließt.

Langfristig will ich, dass jemand einen elef.-Duft aufmacht und sofort weiß: Daran erinnere ich mich – das ist der Moment, für den ich diesen Duft habe.

Ihre Düfte entstehen aus persönlichen Momenten und Erinnerungen. Wie übersetzen Sie solche Erlebnisse in eine konkrete Duftkomposition?

Zu dieser Frage, gebe ich ein Beispiel: Mein neuer Duft Windy Woods, der am 1. Oktober 2026 erscheint, geht auf Wanderungen und Bergabstiege zurück, die ich damals mit meinen Eltern oft gemacht habe, da diese wandern lieben. Ich stand oben, habe tief eingeatmet und bin dann langsam durch einen Nadelwald den Berg hinuntergegangen. Was ich festhalten wollte, war nicht einfach „Wald“ oder „Holz“ als Kategorie, sondern diese ganz bestimmte Stille. Kühle und klare Luft, ohne den Stress vom Alltag.

Der Übersetzungsschritt besteht dann darin, dieses Gefühl in Struktur zu übersetzen. Kühle und Klarheit brauchen andere Moleküle als Wärme. Ein Duft, der Ruhe transportieren soll, darf nicht laut anfangen. Es geht also weniger darum, die Zutaten des Ortes nachzubauen, sondern die Wirkung des Ortes. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem beschreibenden und einem erzählenden Duft.

Danach folgen die Iterationen. Bei manchen Düften waren es über vierzig Versionen, bis das Gefühl gestimmt hat.

An welche Menschen richtet sich elef. Fragrance, und was suchen Ihre Kunden abseits klassischer Mainstream Düfte?

Meine Kunden sind Menschen, die keine Lust mehr darauf haben, wie alle anderen zu riechen oder sich mit dem Momente / der Erinnerung identifizieren können. Die meisten von ihnen haben irgendwann gemerkt, dass ihnen bei einem sehr bekannten Duft ständig jemand entgegenkommt, der genau denselben trägt – und dass damit etwas verloren geht.

Was unterscheidet elef. Fragrance aus Ihrer Sicht von anderen Nischenparfum Marken?

Erstens: Bei den meisten Marken sind Gründer und Parfümeur zwei verschiedene Personen. Die Marke hat eine Idee, ein externes Duftlabor setzt sie um. Bei mir ist das dieselbe Person. Es gibt keine Übersetzungsverluste zwischen dem, der die Geschichte erzählt, und dem, der den Duft baut.

Zweitens: Jeder Duft hat einen echten, überprüfbaren Ursprung. Kein Marketing-Konzept, das man nachträglich draufschreibt, sondern ein Moment, den ich tatsächlich erlebt habe. Das kann man nicht faken, und man merkt es einem Duft an.

Drittens: Ich mache alles in kleinen Chargen von Hand. Das begrenzt mein Wachstum zwar leicht, aber es hält die Qualität und die Nähe zum Produkt.

Ich bin ehrlich, nichts davon ist ein Alleinstellungsmerkmal, das niemand kopieren könnte. Aber die Kombination aus einem Parfümeur, der gleichzeitig die Marke ist, echten Geschichten und echter Handarbeit findet man selten

Sie entwickeln, mischen und fertigen Ihre Düfte selbst in kleinen Chargen. Welche Bedeutung hat diese handwerkliche Herstellung für Ihre Marke?

Zum einen bleibt die Qualität in meiner Kontrolle. Wenn eine Charge nicht stimmt, geht sie nicht raus. Zum anderen bleibe ich nah am Produkt. Ich merke sofort, wenn sich etwas verändert hat oder eine Formel nicht so reift wie gedacht. Diese Nähe verliert man, sobald man auslagert.

Und es passt zu dem, was ich verkaufe. Es wäre komisch, von Momenten und Handschrift zu sprechen und die Produktion dann in einer Fabrik machen zu lassen.

Der Parfummarkt ist stark von großen Marken und bekannten Namen geprägt. Wie schafft sich eine junge Marke wie elef. Fragrance darin Aufmerksamkeit?

Sehr langsam und ohne Abkürzung.

Menschen kaufen nicht das Produkt, sondern die Person dahinter – konkret heißt das: Ich zeige das Handwerk.
Wie ein Duft entsteht, warum ein Rohstoff etwas bewirkt, was schiefgeht. Auf TikTok, Instagram und LinkedIn. Das erreicht keine Millionen, aber es erreicht die richtigen Leute – und es baut etwas auf, das Millionenbudgets der anderen Marken nicht können: Vertrauen in eine Person.

Der zweite Weg, den ich für den wichtigsten halte: Ich entwickle inzwischen auch Düfte im Auftrag für andere Marken und Unternehmen. Das macht mich als Parfümeur bekannt und unabhängig von meiner eigenen Marke. Dieser Ruf ist etwas, das über Jahre wächst und das man nur mit guter Arbeit beschleunigen kann.

Sie positionieren sich bewusst gegen Duftzwillinge. Warum sind eigenständige Duftkreationen für Ihre Markenidentität so wichtig?

Weil ein Duftzwilling per Definition die Erinnerung von jemand anderem transportiert – das Widerspricht ja dem, was ich möchte: Meine Erinnerungen in Düfte packen. Es wäre kurzfristig deutlich einfacher, Dupes zu verkaufen. Aber man baut damit keine komplett eigene Marke auf, sondern nur einen Vertriebsweg für die Ideen anderer.

Welche Herausforderungen bringt es mit sich, gleichzeitig Parfümeur, Produzent und Unternehmer einer jungen Marke zu sein?

Die größte Herausforderung ist, dass es in einem normalen Unternehmen fünf oder sechs verschiedene Stellen wären. Duftentwicklung, Produktion, Design, Marketing, Vertrieb, Buchhaltung, Recht, Regulatorik. Ich mache das alles – und zwar neben einem Vollzeitjob, der die Marke mitfinanziert.

Außerdem hat man als junge Marke wenig Puffer. Wenn ich in Verpackung und Rohstoffe für einen Launch investiere, ist das Geld weg, bevor der erste Flakon verkauft ist. Damit umzugehen, ohne in Panik falsche Entscheidungen zu treffen, ist wahrscheinlich die unterschätzteste Fähigkeit beim Gründen.

Wo soll elef. Fragrance in den kommenden Jahren stehen, und welche weiteren Entwicklungen planen Sie für die Marke?

Kurzfristig will ich die bestehenden Düfte weiterentwickeln und meine Formulierung technisch auf ein höheres Niveau bringen sowie die Sichtbarkeit meiner Marke deutlisch ankurbeln.

Mittelfristig möchte ich in ausgewählten Parfümerien stehen – aber gezielt, nicht überall. Die Marke lebt davon, dass sie nicht beliebig verfügbar ist. Lieber fünf Häuser, die verstehen, was sie da verkaufen, als fünfzig Regale, in denen ich untergehe.

Parallel baue ich die Auftragsparfümerie weiter aus, also die Entwicklung von Düften für andere Marken, Hotels und Unternehmen. Das ist ein eigenes Standbein, das gleichzeitig meinen Namen als Parfümeur trägt.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Leidenschaft eine eigene Marke aufbauen möchten?

Fangt an, bevor ihr euch bereit fühlt. Ich hatte keine Ausbildung, kein Netzwerk und kein Kapital. Hätte ich gewartet, bis ich mich qualifiziert fühle, hätte ich wahrscheinlich immernoch nicht angefangen. Das meiste lernt man erst beim Machen – und zwar deutlich schneller, als wenn man sich vorher lange theoretisch vorbereitet.

Behaltet die Kontrolle über die Sache, die euch oder eure Marke ausmacht. Bei mir ist das die Duftentwicklung. Alles andere kann man irgendwann abgeben, aber den Kern nicht. Wer den auslagert, verliert genau das, was die Marke unterscheidbar macht.

Rechnet in Jahren, nicht in Monaten. Der Vergleich mit etablierten Marken macht einen fertig – die haben zwanzig Jahre Erfahrung und Budgets, die man nicht so aufholt. Wer in fünf Jahren noch da ist und in der Zeit besser geworden ist, hat einen Vorsprung, den kein Marketingbudget ersetzt. Der schwierigste Teil am Gründen ist nicht unbedingt der Start, sondern das Dranbleiben in der Phase, in der noch niemand hinschaut.

Bildcredits @ T&P Cine GmbH

Wir bedanken uns bei Lieven Flohr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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