emori bewahrt Familiengeschichten und Erinnerungen digital, damit wertvolle Stimmen und persönliche Erlebnisse für kommende Generationen erhalten bleiben
Welche Idee stand am Anfang von emori und warum haben Sie sich entschieden, Familienerinnerungen in den Mittelpunkt Ihres Unternehmens zu stellen?
Am Anfang stand eine sehr persönliche Erfahrung. Ich bin jahrelang zu meinen Großeltern gefahren. Die wichtigsten Momente und Erinnerungen passierten beiläufig, auf der Couch im Wohnzimmer, nicht bei besonderen Anlässen. Heute ist mein Großvater verstorben, meine Großmutter leidet an Demenz. Ein großer Teil dieser Geschichten ist für immer verloren. Mir wurde klar: Fotos bewahren Bilder, aber nicht die Stimme und nicht das Gespräch. Genau deshalb stehen Familienerinnerungen im Mittelpunkt von emori. Das ist der ehrlichste Grund, warum es emori gibt.
Wie würden Sie emori in wenigen Sätzen jemandem erklären, der die Plattform noch nicht kennt?
Ich erkläre es meistens so: emori ist das Zuhause für eure Familiengeschichten. Ihr erlebt eure Erinnerungen wieder wie ein Gespräch, mit echten Stimmen. Besondere Momente sammelt ihr wie Stationen auf eurer gemeinsamen Familienkarte. Alles bleibt sicher und privat, nur in eurer Familie. Mitmachen können alle Generationen. So bleiben eure Geschichten lebendig, statt mit der Zeit verloren zu gehen.
Welche Vision verfolgen Sie mit emori und wie soll diese in den kommenden Jahren Realität werden?
Unsere Vision ist, dass keine Familie ihre wertvollen Geschichten mehr verliert und versteht was die Familie über die Jahrzehnte geprägt hat. Jede Familie soll einen sicheren Ort haben, an dem Stimmen und Erinnerungen über Generationen lebendig bleiben. In den kommenden Jahren möchte ich emori im gesamten deutschsprachigen Raum verankern und dann europäisch ausbauen. Wir bauen das Produkt Schritt für Schritt gemeinsam mit Familien weiter. Wichtig ist mir dabei: einfach für alle Generationen, sicher in Deutschland, und immer nah am echten Familienalltag.
Warum wird das Bewahren von Familiengeschichten und persönlichen Erinnerungen aus Ihrer Sicht immer wichtiger?
Aus meiner Sicht teilen wir heute viel, aber wenig bleibt. Nachrichten, Fotos und Videos liegen verstreut und verschwinden mit der Zeit. Gerade die Geschichten, die eine Familie zusammenhalten und geprägt haben, stehen in keinem Fotoalbum. Sie leben nur in den Köpfen derer, die sie erlebt haben. Generationen wohnen oft weit voneinander entfernt, und Krankheiten wie Demenz zeigen, wie schnell sich ein Zeitfenster schließt. Wer heute festhält, schenkt seiner Familie etwas, das für immer bleibt.
An welche Zielgruppen richtet sich emori besonders und welche Bedürfnisse möchten Sie dabei erfüllen?
emori ist für Familien gemacht, über alle Generationen hinweg. Besonders denke ich an die Menschen, die in der Familie den Anstoß geben. Das sind oft Töchter und Söhne um die 50, die die Geschichten ihrer Eltern sichern wollen, bevor es zu spät ist. Genauso wichtig sind mir die Großeltern, die endlich erzählen dürfen, und die jüngere Generation, die nachfragt. Auch Angehörige von Menschen mit Demenz liegen mir besonders am Herzen. Allen gemeinsam ist der Wunsch nach Nähe, nach Sinn und nach Sicherheit.
Viele Erinnerungen sind heute über verschiedene Apps und Geräte verstreut. Wie löst emori dieses Problem?
Bei emori hat eure Familie einen Ort statt vieler. Eure Erinnerungen liegen nicht mehr verstreut auf Handys, in Chats oder in der Cloud. Bei uns bekommen sie einen roten Faden: Ihr könnt sie sortieren, wiederfinden und gemeinsam erleben. Jeder in der Familie trägt bei, jede Generation. So entsteht aus einzelnen Schnipseln eine lebendige Familienchronik, die mit der Zeit wächst.
Was macht emori aus Ihrer Sicht einzigartig im Vergleich zu klassischen Cloud-Speichern oder sozialen Netzwerken?
Ein Cloud-Speicher lagert Dateien. emori macht Erinnerungen erlebbar. Aus einer Erinnerung wird bei uns ein Gespräch, mit echter Stimme, nicht eine Datei, die niemand mehr öffnet. Ihr könnt mit emori das Gespräch mit euren Liebsten immer wieder haben und bekommt die Antworten, die gegeben wurden – damit simulieren wir ein reales Gespräch mit den Erinnerungen und ihr könnt euren Liebsten beim Erzählen in die Augen schauen und ihre Mimik und gestik erleben. Anders als soziale Netzwerke haben wir keinen Feed, keine fremden Augen. Es gibt keine Likes und keine Follower. emori ist nur für eure Familie. Und wir setzen auf echte Stimmen, nicht auf künstliche Nachbildungen.
Datenschutz spielt bei persönlichen Familienerinnerungen eine zentrale Rolle. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Ihr Unternehmen?
Für mich ist Datenschutz keine Zusatzfunktion, sondern das Fundament. emori ist von Grund auf so gebaut, dass die Daten der Familie gehören und nur ihr. Wir entwickeln und hosten emori in Deutschland und arbeiten vollständig nach der DSGVO. Für mich ist das auch eine Frage digitaler Souveränität: Familien sollen die Kontrolle über ihre Erinnerungen behalten und nicht von großen Anbietern aus anderen Ländern abhängig sein. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig deutsche Lösungen sind, bei denen die Daten in vertrauenswürdiger Hand bleiben. Wir verkaufen keine Daten, wir geben nichts an Dritte weiter, und wir erstellen keine künstlichen Nachbildungen von Stimmen. Wer seine Familiengeschichten teilt, muss uns vertrauen können. Dieses Vertrauen ist für mich die wichtigste Aufgabe überhaupt.
emori ist Teil des Hub Potsdam. Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Entwicklung Ihres Startups?
Wir wurden als Startup in das Programm des MediaTech Hub Potsdam aufgenommen, und darauf bin ich wirklich stolz. Der MediaTech Hub ist Deutschlands nationales Zentrum für Medientechnologien und ein offizielles Startup-Zentrum des Landes Brandenburg. Dass wir ausgewählt wurden, ist für mich auch eine Bestätigung, dass hinter emori eine starke Idee steht. Für mich als Gründer bedeutet die Aufnahme vor allem dreierlei. Wir bekommen Struktur und Begleitung, die uns schneller besser machen. Wir sind Teil eines starken Netzwerks aus Gründern, Partnern und Medienunternehmen. Und die Auswahl gibt uns Sichtbarkeit und Vertrauen nach außen. Gerade in der Aufbauphase hilft mir das enorm.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen, wenn es darum geht, Menschen für die langfristige digitale Sicherung ihrer Erinnerungen zu begeistern?
Die größte Herausforderung ist, dass viele das Thema für wichtig, aber nicht für dringend halten. Man schiebt es auf, bis es manchmal zu spät ist. Hinzu kommt: Gerade die prägendsten Geschichten gehen am leichtesten verloren. Die Wendepunkte, die schweren Entscheidungen, das, was einen Menschen wirklich geformt hat, danach fragen wir selten und halten es noch seltener fest. Genau diese Fragen macht emori selbstverständlich. Deshalb mache ich den Wert sofort spürbar: Schon die erste Geschichte fühlt sich wie ein kleiner Schatz an. Und ich zeige, wie einfach der Anfang ist, ganz ohne Technik-Kenntnisse. So wird aus einem guten Vorsatz ein echter Moment, der bleibt.
Welche Rolle spielt der Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern im Hub Potsdam für emori?
Für mich ist vor allem das Netzwerk entscheidend. Im Hub treffe ich viele andere Gründerinnen und Gründer. Die meisten richten sich an Unternehmen, wir mit emori dagegen direkt an Familien. Gerade dieser Unterschied macht andere Sichtweisen so wertvoll: Sie bringen mich auf Gedanken, die mir allein nicht kommen. Genauso wichtig sind die Kontakte, die daraus entstehen. Dieses Netzwerk und der Blick über den eigenen Tellerrand sind für mich essenziell, um erfolgreich zu sein.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein Startup mit gesellschaftlichem Mehrwert aufbauen möchten?
Ich würde drei Dinge mitgeben. Startet von einem echten Problem, das ihr selbst kennt, denn eine ehrliche Geschichte trägt weiter als jede clevere Idee. Macht eure Werte zur Grundlage, nicht zur Dekoration, bei uns ist Vertrauen und Datenschutz von Anfang an Teil der Technik und nicht nachträglich aufgesetzt. Und hört früh und oft euren Nutzern zu und sucht euch ein gutes Umfeld, denn gesellschaftlicher Mehrwert entsteht im Austausch und nicht allein am Schreibtisch.
Bildcredits emori
Wir bedanken uns bei Sebastian Hartung und Ansgar Nanke für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























