MediaTech Hub Potsdam fördert Startups in Babelsberg und vernetzt Medien, Forschung und Technologie, um digitale Innovationen schneller in die Praxis zu bringen
Wie positioniert sich der de Potsdam innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks? Welche Rolle übernimmt der Hub für die digitale Transformation in Brandenburg und darüber hinaus?
Innerhalb der de Initiative steht der MediaTech Hub Potsdam für ein sehr klares Profil: Wir sind Deutschlands einziger Digital Hub mit Fokus auf Medientechnologien. Damit bringen wir die Perspektive einer Branche in das Netzwerk ein, in der digitale Transformation besonders konkret sichtbar wird. Es geht um Film, Fernsehen, Streaming, KI-gestützte Produktion, virtuelle Produktionsumgebungen, immersive Medien und neue datenbasierte Geschäftsmodelle.
Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern in Anwendung zu bringen. Wir unterstützen Startups, vernetzen sie mit Industrie, Forschung und Investor und schaffen Räume für Wissenstransfer, Kooperation und konkrete Erprobung.
Für Brandenburg bedeutet das: Wir entwickeln Babelsberg als Innovationsstandort gezielt weiter. Mit dem neuen Standort auf dem Gelände von Studio Babelsberg, dem strategischen Standortmanagement für die Medienstadt Babelsberg und der Kooperation mit Studio Babelsberg bringen wir Startup-Ökosystem, Medienproduktion und Technologieentwicklung strukturell näher zusammen. So können neue Lösungen dort entstehen, wo sie später auch gebraucht werden: im Umfeld realer Film-, Serien- und Medienproduktion.
Damit verbinden wir die besondere Medienkompetenz der Region mit nationalen und internationalen Netzwerken. Unser Ziel ist ein Ökosystem, das Innovation schneller in Anwendung bringt und über die Medienbranche hinaus Wirkung entfaltet.
Potsdam steht für starke Kompetenzen in Medien, KI und Data. Welche Standortvorteile nutzt der de Potsdam, um Innovationen in diesen Bereichen gezielt zu fördern?
Der große Vorteil von Potsdam und Babelsberg ist die außergewöhnliche Nähe von Medienproduktion, Technologieentwicklung, Forschung und kreativem Talent. Hier treffen Studios, Produktionsunternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Startups und etablierte Medienakteure direkt aufeinander.
Mit unserem neuen Standort auf dem Gelände von Studio Babelsberg wird diese Nähe noch konkreter. Innovation entsteht hier nicht abstrakt, sondern im Umfeld realer Produktionsprozesse. Startups können ihre Lösungen nah an tatsächlichen Bedarfen entwickeln. Unternehmen bekommen früh Zugang zu neuen Technologien und können diese gemeinsam mit jungen Teams erproben.
Genau darin liegt die Stärke des Standorts. Babelsberg verbindet kreative Exzellenz mit technologischer Anwendung. Der MediaTech Hub Potsdam schafft dafür die Struktur: durch Programme, Veranstaltungen, Netzwerkformate, Standortmanagement und direkte Vermittlung zwischen den Akteuren.
Welche technologischen Schwerpunkte setzt der de Potsdam aktuell? Warum sind diese Themen für die digitale Zukunft besonders relevant?
Aktuell sehen wir besonders starke Entwicklungen in drei Bereichen: Künstliche Intelligenz sowohl im Bereich der generativen KI (also dem Erzeugen von Geschichten, Bildern, Bewegtbild und Audio mit KI) als auch im Bereich der agentischen KI für Produktionsprozesse. Hinzu kommt die Nutzung von MediaTech für neue Geschäftsmodelle, nutzerzentrierte Angebote und Virtual Production, wobei wir letzteres als größeres Spielfeld als nur LED verstehen: von PreViz über Photogrammetrie, volumetrisches Video, Gaussian Splatting bis hin zur Visualisierung von Produktionsprozessen.
Für uns ist wichtig, diese Technologien nicht als Hype zu betrachten. Entscheidend ist, wo sie konkrete Probleme lösen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und kreative Arbeit sinnvoll erweitern. Genau an dieser Schnittstelle setzt der MediaTech Hub Potsdam an, da er die Perspektiven verschiedener Akteure zusammenbringt.
Wie unterstützt der Hub Startups und Unternehmen bei der Entwicklung, Validierung und Skalierung ihrer Geschäftsmodelle?
Als offizielles Startup-Zentrum Brandenburg begleiten wir Startups bei der Entwicklung marktfähiger Geschäftsmodelle. Mit dem MTH Accelerator unterstützen wir seit 2019 Early-Stage-Teams an der Schnittstelle von Medien, Technologie und Wirtschaft. Seit der Gründung wurden von Jahr zu Jahr zunehmend und inzwischen mehr als 100 Startups durch den Accelerator begleitet. 2026 werden es allein mehr als 30 Startups sein.
Unser Angebot richtet sich bewusst an unterschiedliche Wachstumspfade von Startups. Mit dem „Bootstrap Seedstrap Programm“ unterstützen wir Gründer, die kapital-effizient und nachhaltig wachsen wollen. Mit dem „Investment Readiness Programm“ bereiten wir Teams gezielt auf Angel-, Pre-Seed- oder Seed-Finanzierungen vor. Beide Programme sind anteilsfrei und bieten Zugang zu Coaching, Mentoring, Netzwerken und internationalen Märkten.
Gleichzeitig ist unser Standort ein wichtiger Hebel. Durch die Nähe zu etablierten Medienunternehmen, Produktion, Forschung und Investor können Startups ihre Lösungen schneller validieren. Unternehmen wiederum erhalten Zugang zu jungen Technologien und neuen Partnern für konkrete Pilotprojekte.
Welche Rolle spielen etablierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen im Ökosystem des de Potsdam?
Sie spielen eine zentrale Rolle. Innovation entsteht selten in einem geschlossenen System. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Etablierte Unternehmen bringen Marktkenntnis, reale Anwendungsfälle und Branchenzugang ein. Hochschulen und Forschungseinrichtungen liefern technologische Tiefe, wissenschaftliche Kompetenz und Talente. Startups bringen Geschwindigkeit, unternehmerischen Mut und neue Lösungsansätze. Der MediaTech Hub Potsdam verbindet diese Perspektiven.
Diese Verbindung ist auch historisch Teil unserer DNA. Der Hub wurde aus dem Babelsberger Medien- und Innovationsumfeld heraus aufgebaut und wird bis heute von starken Partnern wie der Universität Potsdam, dem Hasso-Plattner-Institut und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF unterstützt. Unsere Aufgabe ist es, aus dieser Nähe konkrete Zusammenarbeit entstehen zu lassen: Pilotprojekte, Wissenstransfer, neue Geschäftsmodelle und langfristige Partnerschaften.
Wie adressiert der Hub aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Internationalisierung oder den Transfer von Forschung in marktfähige Produkte?
Diese Herausforderungen hängen eng zusammen. Wer Fachkräfte gewinnen will, braucht ein sichtbares, attraktives und dynamisches Ökosystem. Wer Forschung in den Markt bringen will, braucht Unternehmer, Anwendungspartner und Zugang zu Kapital. Und wer international wachsen will, braucht Netzwerke und Sichtbarkeit über den eigenen Standort hinaus.
Der MediaTech Hub Potsdam setzt genau dort an. Wir schaffen Formate, in denen Talente, Startups, Unternehmen und Forschungseinrichtungen miteinander in Kontakt kommen. Über den MTH Accelerator begleiten wir Teams beim Schritt von der Idee oder Technologie hin zu einem skalierbaren Geschäftsmodell. Über die de Initiative, internationale Events und die MediaTech Hub Conference bringen wir den Standort in überregionale und internationale Netzwerke.
Besonders wichtig ist für uns der Transfer. Forschung und Technologie entfalten ihren Wert erst dann, wenn daraus Anwendungen entstehen, die in der Praxis funktionieren. Diese Übersetzung von Wissen in marktfähige Produkte ist ein Kern unseres Auftrags.
Welche Bedeutung haben Daten, KI und digitale Plattformen für die Innovationsstrategie des Hubs?
Daten, KI und digitale Plattformen sind zentrale Bausteine der nächsten Innovationsphase in der Medienbranche. Sie verändern die gesamte Wertschöpfungskette und ganze Berufsbilder. Inhalte werden anders geplant, produziert, ausgewertet, verteilt und genutzt.
Für den MediaTech Hub Potsdam sind diese Technologien deshalb strategisch relevant. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für effizientere Produktionsprozesse, personalisierte und auch interaktivere Nutzererlebnisse, bessere Rechte- und Metadatenstrukturen, automatisierte Workflows und neue Geschäftsmodelle.
Gleichzeitig braucht es einen verantwortungsvollen und anwendungsnahen Umgang. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Technologie gerade am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Die entscheidende Frage ist, welche Lösung einen echten Mehrwert für Kreative, Unternehmen, Nutzer und den Markt schafft. Genau darum arbeiten wir eng mit Startups und Partnern im Ökosystem wie dem Studio Babelsberg.
Wie fördert der de Potsdam die Zusammenarbeit zwischen Startups, Mittelstand, Wissenschaft und öffentlicher Hand?
Wir verstehen den MediaTech Hub Potsdam als Plattform für Zusammenarbeit. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen Menschen, Themen und Organisationen zusammenzubringen, damit daraus konkrete Projekte entstehen.
Das passiert über unterschiedliche Formate. Der MTH Accelerator bringt Startups mit Mentor, Unternehmen, Investor und Forschungspartnern zusammen. Die MediaTech Hub Conference, die dieses Jahr vom 29. bis 30. September stattfindet, schafft internationale Sichtbarkeit und fachlichen Austausch. Mit unseren Formaten wie „Die Grüne Couch: MediaTech meets…“, KI-Workshops oder Challenge-Formaten bringen wir konkrete Fragestellungen aus der Praxis mit innovativen Lösungsansätzen zusammen.
Auch die öffentliche Hand spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie schafft Rahmenbedingungen, unterstützt Standortentwicklung und ermöglicht strategische Projekte. Unser neuer Auftrag des Standortmanagements für die Medienstadt Babelsberg ist dafür ein gutes Beispiel. Er hilft uns, Kooperationen am Standort gezielter aufzubauen und Babelsberg gemeinsam mit allen Akteuren als Kompetenzzentrum für Medientechnologien weiterzuentwickeln.
Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – sowohl für die beteiligten Startups als auch für den Innovationsstandort Potsdam?
Für Startups messen wir Erfolg nicht nur an einer einzelnen Kennzahl. Natürlich sind Wachstum, Finanzierungen, Kundengewinnung und Markteintritt wichtig. Genauso wichtig ist aber, ob ein Team nach dem Programm ein geschärftes Geschäftsmodell, klare nächste Schritte und Zugang zu den richtigen Partnern hat.
Von den seit 2019 durch den MTH Accelerator begleiteten Startups sind mehr als 70% nach wie vor aktiv. Für uns ist das nicht nur eine Zahl. Dahinter stehen Gründer, die neue Technologien in konkrete Anwendungen übersetzen und damit die Medienbranche und angrenzende Märkte weiterentwickeln.
Für den Standort betrachten wir Erfolg auf einer zweiten Ebene. Hier geht es um Kooperationen, Sichtbarkeit, Wissenstransfer und wirtschaftliche Wirkung. Wenn Startups, Unternehmen, Forschung und Produktion häufiger und konkreter zusammenarbeiten, stärkt das den gesamten Standort. Unser Ziel ist, dass Babelsberg nicht nur als traditionsreicher Medienstandort wahrgenommen wird, sondern als Ort, an dem die Zukunft der Medienproduktion aktiv entsteht.
Welche Ziele verfolgt der de Potsdam in den kommenden Jahren, um die digitale Transformation aktiv mitzugestalten?
Unser Ziel ist es, Babelsberg und Potsdam als führenden Standort für medientechnologische Innovation weiter auszubauen. Der neue Standort auf dem Gelände von Studio Babelsberg und die strategische Partnerschaft mit Studio Babelsberg sind dafür wichtige Schritte.
In den kommenden Jahren wollen wir noch mehr Startups anziehen, Kooperationen zwischen Produktion, Technologie und Forschung vertiefen und neue Technologien schneller in reale Anwendungen bringen. Themen wie KI, Virtual Production, Extended Reality, datengetriebene Workflows und digitale Plattformen werden dabei weiter an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig wollen wir den Hub als physischen und inhaltlichen Treffpunkt stärken. Transformation entsteht nicht nur durch Technologie, sondern durch Begegnung, Vertrauen und gemeinsame Projekte. Unser Anspruch ist, ein Ort zu sein, an dem aus Austausch konkrete Innovation wird. Für Babelsberg, für Brandenburg und für die Medienbranche darüber hinaus.
Bild Team Bild MediaTech Hub Potsdam Fotograf: Beate Wätzel
Wir bedanken uns bei Peter Effenberg für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


























