Lyght Living zeigt, wie flexible Möblierung und Corporate Housing Unternehmen dabei helfen, Einrichtung bedarfsgerecht zu nutzen und Ressourcen länger im Kreislauf zu halten.
Können Sie Lyght Living kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für das Mietmöbelmodell entstanden ist?
Lyght Living bietet flexible Möblierungslösungen für Unternehmen, Immobilienpartner und Relocation-Dienstleister. Unsere Kunden nutzen Einrichtungen genau so lange, wie sie benötigt werden. Anschließend werden die Möbel aufbereitet und erneut eingesetzt – Zirkularität ist damit ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.
Die Idee ist auch durch meinen deutsch-japanischen Hintergrund geprägt. In Japan steht „Mottainai“ für die Haltung, Ressourcen wertzuschätzen und möglichst lange zu nutzen. Genau diesen Gedanken verbinden wir bei Lyght Living mit einem konkreten Bedarf im B2B-Markt: Flexibilität für Unternehmen, ohne Ressourcen unnötig zu verbrauchen.
Wer steht hinter Lyght Living, und welche Erfahrungen haben Ihren Weg als Unternehmer besonders geprägt?
Als Deutschjapaner bin ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen und dies hat sicherlich meine Perspektive geprägt – auch auf Unternehmertum und den Umgang mit Ressourcen.
Unternehmerisch war für mich aber vor allem entscheidend zu erleben, wie sich ein zunächst erklärungsbedürftiges Geschäftsmodell über die Jahre etablieren kann. Als wir 2011 gestartet sind, war die Idee, komplette Einrichtungen für einen bestimmten Zeitraum zu mieten, im B2B-Bereich noch deutlich weniger bekannt.
Wir haben deshalb sehr früh gelernt, nah an unseren Kunden zu arbeiten und unser Angebot entlang realer Anforderungen weiterzuentwickeln. Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden. Diese Entwicklung zeigt mir, dass sich neue Geschäftsmodelle vor allem dann durchsetzen, wenn sie ein konkretes Problem besser lösen.
Welche Vision verfolgen Sie mit Lyght Living, und warum glauben Sie, dass Unternehmen Einrichtung zunehmend nutzen statt besitzen werden?
Unternehmen werden immer flexibler – und damit verändern sich auch ihre Anforderungen an Infrastruktur und Ausstattung.
Hier ein paar Anwendungsbeispiele aus vergangenen Lieferungen:
Eine Expat-Familie aus den USA wird im Rahmen einer Mitarbeiterentsendung für zwei Jahre nach Berlin versetzt und findet keine geeignete möblierte Wohnung.
Ein KI-Start-up eröffnet einen neuen Standort und möchte sein Büro schnell und flexibel einrichten.
Ein Automobilkonzern zieht um und benötigt eine temporäre Möblierungslösung, bis die bestellten Möbel im neuen Büro eintreffen.
Eine Einrichtung dauerhaft zu kaufen, obwohl sie möglicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt wird, passt nicht immer zu dieser Realität.
Wir glauben deshalb, dass Unternehmen künftig stärker danach entscheiden werden, was sie für welchen Zeitraum benötigen, statt automatisch alles dauerhaft anzuschaffen. Unsere Vision ist es, flexible Möblierung als selbstverständliche Alternative zum klassischen Kauf zu etablieren.
Mehr als 600 Unternehmenskunden setzen bereits auf Ihre Lösungen. Was treibt die Nachfrage nach flexibler Möblierung aktuell besonders an?
Wir sehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Internationale Mobilität und Relocation spielen eine große Rolle, ebenso Corporate Housing und der Bedarf an kurzfristig verfügbarem Wohnraum für Mitarbeitende.
Gleichzeitig möchten Unternehmen flexibel auf Veränderungen reagieren können und Kapital nicht unnötig langfristig binden. Hinzu kommt ein stärkeres Bewusstsein dafür, Ressourcen länger zu nutzen.
Flexible Möblierung verbindet diese Anforderungen: Unternehmen bekommen die Ausstattung, die sie benötigen, für den Zeitraum, in dem sie gebraucht wird – ohne sich langfristig festlegen zu müssen.
Welche Rolle spielen Corporate Housing, Relocation und internationale Mobilität für das Geschäftsmodell von Lyght Living?
Eine zentrale. Wenn Unternehmen internationale Mitarbeitende an einen neuen Standort holen, reicht es nicht, lediglich eine Wohnung bereitzustellen. Sie muss im Idealfall vom ersten Tag an tatsächlich bewohnbar sein.
Gerade bei Relocations muss das häufig kurzfristig und für einen klar definierten Zeitraum funktionieren. Unternehmen und Relocation-Dienstleister benötigen deshalb Lösungen, die schnell verfügbar und gleichzeitig flexibel skalierbar sind.
Corporate Housing und internationale Mobilität gehören entsprechend zu den Bereichen, in denen die Vorteile flexibler Möblierung besonders deutlich werden.
Sie zählen auch zahlreiche DAX-Unternehmen zu Ihren Kunden. Welche Anforderungen stellen große Unternehmen an flexible Möblierung?
Bei großen Unternehmen stehen vor allem Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und standardisierte Prozesse im Vordergrund.
Wenn mehrere Wohnungen an unterschiedlichen Standorten ausgestattet werden müssen, muss das genauso zuverlässig funktionieren wie bei einer einzelnen Einheit. Gleichzeitig können Anforderungen sehr kurzfristig entstehen.
Heute betreuen wir mehr als 600 Unternehmenskunden, darunter 18 der 40 DAX-Unternehmen. Für diese Kunden geht es deshalb nicht nur um die Möbel selbst. Entscheidend sind planbare Abläufe, definierte Qualitätsstandards, flexible Laufzeiten und die Möglichkeit, auch größere Projekte zuverlässig umzusetzen.
Was unterscheidet Lyght Living aus Ihrer Sicht von klassischen Möbelhändlern oder anderen Mietmodellen?
Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir nicht vom Verkauf eines Möbelstücks ausgehen, sondern vom konkreten Bedarf des Kunden und der Dauer seiner Nutzung.
Dazu gehört der gesamte Prozess: von der Planung und Bereitstellung über die Nutzung bis zur Rücknahme und Wiederaufbereitung der Möbel.
Wir verfügen heute über einen Bestand von rund 17.000 Möbelstücken. Unser Geschäftsmodell funktioniert deshalb gerade nicht darüber, möglichst viele neue Möbel zu verkaufen, sondern vorhandene Möbel möglichst effizient über mehrere Projekte hinweg einzusetzen.
Möbel erreichen bei Ihnen durchschnittlich sieben Verwendungszyklen. Wie organisieren Sie die Aufbereitung und Wiederverwendung in der Praxis?
Nach jedem Einsatz kommen die Möbel zurück und werden geprüft, professionell gereinigt und bei Bedarf repariert oder aufgearbeitet. Dafür betreiben wir ein eigenes Möbel-Reparaturzentrum in Rodgau.
Erst wenn ein Möbelstück unseren Qualitätsstandards entspricht, geht es zurück in den Bestand und kann erneut eingesetzt werden. Im Durchschnitt erreichen unsere Möbel auf diese Weise sieben Verwendungszyklen.
Die Aufbereitung ist deshalb kein Zusatz unseres Geschäftsmodells, sondern ein wesentlicher Teil davon.
Eine Aufbereitungsquote von 94 Prozent zeigt einen starken Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Wo liegen dennoch die größten Herausforderungen eines zirkulären Möbelmodells?
Die Herausforderung besteht darin, Kreislaufwirtschaft im großen Maßstab tatsächlich praktikabel zu machen.
Möbel müssen zurücktransportiert, geprüft, gereinigt, gegebenenfalls repariert, gelagert und anschließend wieder zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt werden. Gleichzeitig darf der nächste Kunde keinen Qualitätsunterschied wahrnehmen.
Aktuell können wir 94 Prozent der zurückkommenden Möbel wieder aufbereiten. Darin steckt letztlich auch der Gedanke, der mich schon durch meine japanische Herkunft geprägt hat: Bestehendes nicht vorschnell zu ersetzen, sondern seinen Wert möglichst lange zu erhalten. Entscheidend ist aber, daraus funktionierende Prozesse zu machen.
Sie statten jährlich mehr als 1.200 Wohneinheiten in mehreren europäischen Märkten aus. Welche Herausforderungen bringt diese Größenordnung für Logistik und Skalierung mit sich?
Wir realisieren B2B-Projekte in der gesamten DACH-Region sowie in den Benelux-Staaten und Dänemark. Bei mehr als 1.200 ausgestatteten Wohneinheiten pro Jahr besteht die Herausforderung darin, Flexibilität und Standardisierung miteinander zu verbinden.
Skalierung bedeutet für uns deshalb nicht einfach, mehr Möbel vorzuhalten. Bestand, Aufbereitung, Logistik und Projektplanung müssen ineinandergreifen.
Gleichzeitig müssen wir flexibel genug bleiben, um auf individuelle Anforderungen und teilweise sehr kurze Vorlaufzeiten reagieren zu können. Genau dieses Zusammenspiel ist aus meiner Sicht eine der entscheidenden Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
Wie soll sich Lyght Living in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welches Potenzial sehen Sie für flexible Möblierungslösungen in Europa?
Wir sehen in Europa weiterhin erhebliches Potenzial. Internationale Mobilität, Corporate Housing und flexible Arbeitsmodelle nehmen zu, gleichzeitig hinterfragen Unternehmen stärker, welche Ressourcen sie tatsächlich selbst besitzen müssen.
Für Lyght Living geht es deshalb darum, unser bestehendes Modell weiterzuentwickeln, Prozesse noch effizienter zu gestalten und flexible Möblierung für Unternehmen und Immobilienpartner weiter zu etablieren.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem zunächst ungewöhnlichen Geschäftsmodell eine etablierte B2B-Lösung entwickeln möchten?
Erstens: Ein echtes Problem lösen. Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell allein ist noch keine Innovation. Entscheidend ist, ob es dem Kunden einen konkreten Mehrwert bietet.
Zweitens: Den Kunden zuhören. Gerade im B2B entstehen viele der besten Weiterentwicklungen im direkten Austausch mit den Menschen, die eine Lösung tatsächlich einsetzen.
Drittens: Ausdauer haben, ohne starr zu werden. Neue Geschäftsmodelle brauchen Zeit, bis der Markt sie versteht. Man sollte deshalb nicht bei jedem Widerstand die Grundidee infrage stellen – gleichzeitig aber bereit sein, Angebot und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Bildcredits @ Lyght Living
Wir bedanken uns bei Daniel Ishikawa für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.














