Donnerstag, Mai 28, 2026
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Was passiert, wenn nachhaltige Ideen plötzlich Millionen Menschen erreichen?

SIRPLUS rettet Lebensmittel gegen Lebensmittelverschwendung und zeigt, wie Nachhaltigkeit und günstiger Einkauf im Alltag zusammenfinden können

Wie entstand die Idee zu SIRPLUS und wer steckt heute hinter dem Unternehmen?

Nachdem ich fünf Jahre im Geldstreik gelebt und in dieser Zeit foodsharing aufgebaut habe – eine freiwillige Bewegung von mittlerweile knapp 500.000 Usern, die die Tafeln im Kleinen ergänzt –, wollte ich mit SIRPLUS eine Lösung schaffen, bei der alle Menschen bequem von zu Hause über den Onlineshop von SIRPLUS mitretten können.

Was hat euch motiviert, euch so konsequent dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung zu widmen?

Meine Vision ist eine Welt, in der alle Menschen genügend zu essen haben. Wir könnten heute alle knapp 700 Millionen Menschen, die global hungern, dreimal ernähren – mit den Lebensmitteln, die wir weltweit verschwenden. Außerdem ist Food Waste für ca. 10 % aller Treibhausgase verantwortlich, und ich bin der Überzeugung, dass Lebensmittelverschwendung sowohl ethisch als auch ökologisch eine der größten globalen Herausforderungen ist.

SIRPLUS war am 22. Mai Teil von „The Green Deal Show“. Wie habt ihr euren Auftritt in der neuen YouTube-Sendung erlebt?

Es war total spannend, und ich war auch ein wenig aufgeregt, wie die Creator:innen auf SIRPLUS reagieren würden. Am Ende lief es aber viel besser als damals 2019 bei „Die Höhle der Löwen“, und ich war begeistert von der Passion, die die Creator:innen für SIRPLUS und unsere Mission „Zero Waste for Zero Hunger“ in der Sendung gezeigt haben. Da ca. die Hälfte der Lebensmittelverschwendung zu Hause stattfindet, sind wir alle Teil des Problems und können deswegen auch ganz einfach Teil der Lösung werden.

Mit welchen Erwartungen seid ihr in die Show gegangen und was hat euch besonders überrascht?

Was mich besonders gefreut hat: Keine:r der Creator:innen wollte Geld haben, sondern alle wollten sich einfach so mit ihrer Reichweite für SIRPLUS einsetzen. Wir spenden pro Bestellung zwei Schulmahlzeiten, und die meisten Influencer:innen wollen keinen Affiliate-Deal mit SIRPLUS, sondern lieber mehr Mahlzeiten spenden. Das hat mich wirklich berührt.

Würdet ihr anderen nachhaltigen Startups empfehlen, bei „The Green Deal Show“ dabei zu sein?

Auf jeden Fall! Das Format muss größer und erfolgreicher werden als „Die Höhle der Löwen“, denn wir brauchen nachhaltige und soziale Lösungen für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft – und dafür ist „The Green Deal Show“ genau das Richtige. Gemeinsam können wir mehr bewegen, und es gibt schon so viele Lösungen, die aber oft daran scheitern, dass zu wenig Menschen von ihnen wissen bzw. sie umsetzen. Wenn Creator:innen mit Reichweite und Vertrauen in ihrer Community nicht wieder nur irgendetwas Nicht-Ökologisches bewerben, nähren wir den Status quo unseres verschwenderischen Systems. Genau deshalb braucht es Ansätze wie „The Green Deal Show“, um den Startups, die die Welt braucht, Flügel zu verleihen.

Gab es einen Deal für SIRPLUS?

Ja, und der ist außergewöhnlich. Aber ich darf nicht verraten, wie der Deal aussieht. Dafür müsst ihr unbedingt die Staffel mit SIRPLUS schauen.

Welche Zielgruppe erreicht SIRPLUS besonders stark und warum wächst das Interesse an geretteten Lebensmitteln?

Da ich niemanden kenne, der sich von Licht und Liebe ernährt, sind praktisch alle Menschen unsere Zielgruppe. Aber natürlich sind es vor allem online-affine und nachhaltigkeitsbewusste Menschen sowie diejenigen, die einfach sparen müssen oder Freude daran haben zu sparen, die bei SIRPLUS online Lebensmittel sowie andere überschüssige Produkte wie Drogerie- und Haushaltsartikel mitretten.

Viele Menschen achten inzwischen stärker auf Nachhaltigkeit. Wie verändert das eure Arbeit und eure Angebote?

Tatsächlich ist das Thema Nachhaltigkeit gerade eher wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Geld sparen bleibt aber ein Dauerthema, und ich bin davon überzeugt, dass auch die Notwendigkeit, nachhaltiger zu leben, wieder stärker in den Fokus rücken wird.

Was unterscheidet SIRPLUS von klassischen Supermärkten oder anderen Food-Rettungsplattformen?

Motatos war sechs Jahre lang der Nummer-1-Player in Deutschland, was kommerzielle Lebensmittelrettung angeht. Das aus Schweden stammende Startup hat sich aber gerade wieder aus Deutschland zurückgezogen. Damit ist SIRPLUS jetzt das einzige nachhaltige Startup, das sich mit einem Onlineshop für gerettete Lebensmittel in Deutschland halten konnte. Wir hatten selbst einmal sieben Läden in Berlin und eine Insolvenz im Jahr 2024, haben uns seitdem aber positiv entwickelt.

Der größte Unterschied zu klassischen Supermärkten ist, dass wir bei SIRPLUS nur verpackte Lebensmittel anbieten und deutlich weniger Produktvielfalt als ein Discounter oder Supermarkt haben. Dafür sind unsere Preise im Schnitt 30–40 % günstiger als im Einzelhandel, und wir liefern bequem deutschlandweit an die Haustür.

Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Rettung und Vermarktung überschüssiger Lebensmittel?

Nach der Insolvenz vor zwei Jahren haben wir uns noch stärker auf ein sehr leanes und effektives Setup fokussiert. Mit dem Ziel, so schnell wie möglich Profitabilität zu erreichen. Das haben wir u. a. durch ein Remote-only-Setup, den Verzicht auf Obst und Gemüse sowie 100 % organisches Wachstum ohne Paid Ads geschafft. Wir hatten bereits profitable Monate und werden voraussichtlich 2026 nach neun Jahren erstmals ein profitables Geschäftsjahr abschließen. Das freut mich riesig und ist wichtig, denn nur ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen kann langfristig Impact schaffen.

Trotz des großen Fortschritts nach der Insolvenz und des Pivots, den wir hingelegt haben, ist das Thema Finanzierung nach wie vor die größte Herausforderung. Außerdem verstehen nicht alle Hersteller den Mehrwert von SIRPLUS: Durch die Produktrettung sparen Unternehmen gemeinsam mit unserer starken Community nicht nur Entsorgungskosten, sondern steigern auch ihre Bekanntheit und gewinnen neue Kund:innen.

Welche drei Tipps würdet ihr Gründerinnen und Gründern geben, die ein nachhaltiges Startup aufbauen möchten?

Höre auf dein Herz und gehe all-in. Also mit all deiner Energie und Liebe für das Thema, für das du am stärksten brennst. Werde außerdem Botschafter:in für dein Startup auf Social Media und in den Medien.

Starte so lean wie möglich und versuche nicht, alles perfekt zu machen.

Gönn dir ab und zu wertvolle Auszeiten, um die Vogelperspektive einzunehmen und gegebenenfalls den Kurs zu ändern. Denn im Daily Hustle ist es oft nicht möglich, wirklich komplett out of the box zu denken. Das ist aber zwingend notwendig, um auch wirtschaftlich erfolgreich zu werden.

Bild: Raphael Fellmer Bildcredit/Fotograf: Hassaan Hakim

Wir bedanken uns bei Raphael Fellmer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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