ENVIOTECH ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year 2026!
Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter ENVIOTECH?
Wir sind ENVIOTECH und entwickeln intelligente Lösungen für eine nachhaltigere und smartere urbane Infrastruktur. Konkret heißt das: Wir machen aus bestehender Straßenbeleuchtung eine vernetzte, steuerbare und datenfähige Infrastruktur, ohne dass Städte dafür ihre gesamte Beleuchtung austauschen müssen.
Gegründet wurde ENVIOTECH aus dem Wunsch heraus, ein reales Problem mit einer praktikablen Lösung zu adressieren. Hinter dem Unternehmen steht ein junges Team mit technischem, unternehmerischem und strategischem Hintergrund, das die Überzeugung teilt, dass Städte nicht nur digitaler, sondern auch effizienter und lebenswerter werden müssen.
Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?
Uns hat vor allem motiviert, dass wir ein Problem gesehen haben, das riesig ist, aber oft unterschätzt wird. Straßenbeleuchtung ist in jeder Stadt vorhanden, verbraucht enorme Mengen an Energie und wird vielerorts immer noch sehr starr gesteuert. Gleichzeitig sprechen alle über Smart City, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Für uns war die Frage: Warum wird eine so zentrale Infrastruktur nicht längst intelligenter genutzt?
Genau aus dieser Diskrepanz ist ENVIOTECH entstanden. Der Auslöser war weniger ein einzelner Moment als vielmehr die Erkenntnis, dass man für echten Fortschritt nicht immer alles neu bauen muss. Manchmal liegt die bessere Lösung darin, bestehende Systeme intelligent weiterzudenken.
Welche Vision verfolgt ihr mit ENVIOTECH? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?
Unsere Vision ist es, urbane Infrastruktur neu zu denken und zwar so, dass sie nachhaltiger, intelligenter und wirtschaftlich sinnvoller wird. Wir glauben, dass Straßenbeleuchtung viel mehr sein kann als reine Lichtquelle. Sie kann zum Ausgangspunkt für eine vernetzte Stadt werden.
Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass Städte bestehende Infrastruktur als Plattform begreifen: für Energieeinsparung, bessere Steuerung, datenbasierte Entscheidungen und weitere Smart-City-Anwendungen. Unser Ziel ist es, Modernisierung einfacher, schneller und realistischer zu machen.
Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?
Die größte Herausforderung war ganz klar, ein Thema anzugehen, das technologisch anspruchsvoll ist und gleichzeitig in einem eher traditionellen Markt stattfindet. Im kommunalen Umfeld reicht es nicht, nur innovativ zu sein. Man muss zeigen, dass die Lösung zuverlässig funktioniert, wirtschaftlich Sinn ergibt und sich in bestehende Strukturen integrieren lässt.
Hinzu kommt, dass der Aufbau eines Infrastrukturunternehmens kapitalintensiv ist. Produktentwicklung, Pilotierung, Hardware, Software und Marktaufbau müssen parallel gedacht werden. Deshalb war es für uns wichtig, nicht nur Kapital aufzunehmen, sondern die richtigen Partner zu finden, die unsere Vision verstehen und langfristig mittragen. Unsere Finanzierung haben wir entsprechend so aufgestellt, dass wir Wachstum und Substanz miteinander verbinden können.
Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?
Unsere wichtigste Zielgruppe sind Kommunen, Stadtwerke und Betreiber öffentlicher Infrastruktur. Genau dort ist der Bedarf besonders hoch, Kosten zu senken, Energie effizienter einzusetzen und bestehende Systeme fit für die Zukunft zu machen.
Darüber hinaus sind unsere Lösungen auch für andere Betreiber großer Außenbeleuchtungsnetze relevant, zum Beispiel in Industriearealen, auf Campusflächen oder in größeren gewerblichen Infrastrukturen. Besonders spannend ist unser Ansatz überall dort, wo Modernisierung nötig ist, ein vollständiger Austausch aber wirtschaftlich oder operativ nicht sinnvoll wäre.
Wie funktioniert ENVIOTECH ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?
Unser Ansatz basiert auf intelligenter Nachrüstung statt Komplettaustausch.
Bestehende Leuchten werden mit unserer Technologie erweitert und so zu einer vernetzten, steuerbaren und datenfähigen Infrastruktur. Das sorgt für mehr Sicherheit genau dort, wo Licht wirklich gebraucht wird, senkt die Energiekosten um bis zu 80 Prozent und lässt sich dank Plug-and-Play-Retrofit in rund 30 Minuten in bestehende, kompatible Straßenbeleuchtung integrieren. So können Städte ihre Beleuchtung bedarfsgerecht steuern, zentral verwalten und ihre Infrastruktur schneller, wirtschaftlicher und ressourcenschonender modernisieren.
Der große Vorteil liegt darin, dass Städte ihre bestehende Infrastruktur weiter nutzen können. Das macht die Umsetzung deutlich schneller, wirtschaftlicher und ressourcenschonender als klassische Austauschprojekte. Gleichzeitig schaffen wir die Grundlage für deutlich mehr als nur Energieeinsparung: Wir ermöglichen eine Infrastruktur, die sich weiterentwickeln lässt und neue Anwendungen integrieren kann.
Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?
Für uns ist das vor allem eine starke Bestätigung, dass das Thema, an dem wir arbeiten, relevant ist und Aufmerksamkeit bekommt. Gerade im Startup-Alltag ist man oft sehr stark im Operativen, deshalb ist es schön zu sehen, wenn die eigene Arbeit auch von außen wahrgenommen wird.
Natürlich freuen wir uns über die Sichtbarkeit und die Anerkennung. Gleichzeitig sehen wir das als Motivation, den nächsten Schritt zu gehen. Für uns zählt jetzt vor allem, daraus konkrete Chancen zu machen: neue Partnerschaften, weitere Pilotprojekte und noch weitere Wachstumschancen.
Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und ENVIOTECH in fünf Jahren?
In fünf Jahren möchten wir ENVIOTECH als festen Partner für intelligente urbane Infrastruktur etabliert haben, zunächst in Deutschland und dann darüber hinaus. Unser Ziel ist es, dass unsere Technologie in vielen Städten sichtbar im Einsatz ist, dort echten Mehrwert schafft und Kommunen dabei unterstützt, Energie effizienter zu nutzen, Kosten zu senken und ihre Infrastruktur zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus sehen wir uns nicht nur als Anbieter für smarte Beleuchtung, sondern als Enabler für eine neue Art, urbane Infrastruktur zu nutzen. Wenn Städte in Zukunft bestehende Systeme intelligenter einsetzen, Ressourcen sparen und datenbasiert planen können, dann ist das genau die Richtung, in die wir wollen.
Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Der erste Tipp: Arbeitet an einem Problem, das wirklich relevant ist. Es hilft enorm, wenn hinter der Idee nicht nur Begeisterung, sondern auch echte Dringlichkeit steckt.
Der zweite Tipp: Sprecht früh mit dem Markt. Viele Annahmen wirken im Kopf logisch, halten aber der Realität nicht stand. Je früher man Feedback bekommt, desto besser.
Der dritte Tipp: Habt Ausdauer. Gründen verläuft fast nie so linear, wie es von außen oft wirkt. Hinter jedem Schritt stehen Unsicherheiten, Lernprozesse und viele Anpassungen auf dem Weg. Entscheidend ist, trotzdem weiterzumachen und den eigenen Fokus nicht zu verlieren.
Bild Gründer Linh Pham und Adrian Rhaese ENVIOTECH ⓒIvgenia Möbus
Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

























