Genow ist Finalist für Frankfurt Forward Startup of the Year 2026!
Stellt euch und euer Startup unseren Leserinnen und Lesern kurz vor. Wer und was steckt hinter Genow?
In vielen Unternehmen ist Wissen über zahlreiche Systeme verteilt, oft unstrukturiert und im Arbeitsalltag nur schwer zugänglich. Genau dieses Problem lösen wir mit Genow: Wir bereiten interne Daten KI-basiert auf, reichern sie mit Kontext an und machen sie über spezialisierte Wissensagenten hochpräzise nutzbar.
So können Mitarbeitende in Bereichen wie Service, Vertrieb, Engineering, HR oder Compliance jederzeit auf verlässliche Informationen zugreifen – unabhängig davon, wo diese ursprünglich gespeichert sind.
Das Darmstädter DeepTech-Startup Genow wurde 2023 von Dr. Timo Koppe, Adrian Glauben, Dr. Sara Jourdan und Prof. Peter Buxmann als Spin-off aus der TU Darmstadt heraus gegründet.
Was hat euch dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es einen besonderen Moment oder Auslöser?
Motiviert hat uns vor allem der konkrete Bedarf, den wir in Unternehmen im Rahmen von Forschungsprojekten gesehen haben. In der Zusammenarbeit mit Praxispartnern wurde uns schnell klar, dass enormes Wissen vorhanden ist – dieses im Alltag aber kaum effizient genutzt werden kann, weil es über viele Systeme verteilt, unstrukturiert und schwer zugänglich ist oder nur in den Köpfen der Mitarbeitenden gespeichert liegt.
Gleichzeitig haben wir gesehen, dass bestehende Lösungen genau an dieser Stelle an ihre Grenzen stoßen und den fachlichen Kontext in Unternehmen oft nicht ausreichend berücksichtigen.
Der Auslöser für die Gründung war dann die Erkenntnis, dass große Sprachmodelle erstmals in der Lage sind, dieses Problem wirklich zu lösen. Für uns war klar: Das ist nicht nur ein spannendes Forschungsthema, sondern eine echte Chance, ein zentrales Problem vieler Unternehmen nachhaltig zu verbessern und damit für uns genau der richtige Zeitpunkt auszugründen.
Welche Vision verfolgt ihr mit Genow? Was wollt ihr langfristig verändern oder möglich machen?
Unsere Vision ist es, den Zugang zu internem Unternehmenswissen grundlegend zu verändern. Wissen soll nicht länger in einzelnen Systemen oder Köpfen verborgen sein, sondern jederzeit präzise, kontextbasiert und für alle relevanten Mitarbeitenden verfügbar werden.
Langfristig wollen wir erreichen, dass Unternehmen Wissen nicht nur verwalten, sondern aktiv nutzen – für bessere Entscheidungen, effizientere Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI.
Genow soll dabei zum zentralen Zugangspunkt für Unternehmenswissen werden: eine Plattform, über die Organisationen ihre individuellen Wissensagenten betreiben und skalieren, anstatt auf isolierte Einzellösungen angewiesen zu sein.
Von der Idee bis heute: Was waren bisher eure größten Herausforderungen – und wie habt ihr eure Finanzierung aufgestellt?
Als Startup erlebt man jede Woche neue Herausforderungen. Rückblickend war für uns eine der größten Herausforderungen die Übergangsphase vom Bootstrapping hin zur ersten Finanzierungsrunde gewesen.
In den ersten eineinhalb Jahren haben wir Genow vollständig über Kundenprojekte aufgebaut und finanziert und dabei bereits ein Team von rund 17 Personen aufgebaut. Gleichzeitig haben wir früh mit großen Enterprise-Kunden gearbeitet, die sehr hohe Anforderungen an Qualität, Skalierbarkeit und Funktionalität gestellt haben.
Diese Phase war besonders anspruchsvoll, weil wir parallel mehrere Dinge stemmen mussten: anspruchsvolle Kundenprojekte umsetzen, das Produkt skalierbar weiterentwickeln, den Vertrieb aufbauen und gleichzeitig Investoren ansprechen – oft mit noch hoher Unsicherheit in vielen strategischen Entscheidungen.
2025 haben wir dann erfolgreich unsere Seed-Finanzierungsrunde unter Führung des High-Tech Gründerfonds abgeschlossen. Das gibt uns heute die Möglichkeit, deutlich strategischer zu investieren und unsere Weiterentwicklung gezielter voranzutreiben.
Was uns dabei dauerhaft begleitet, ist die Herausforderung, sehr nah am Markt und an unseren Kunden zu arbeiten und gleichzeitig aus einer Vielzahl an Anforderungen die richtigen Prioritäten für unsere Produkt-Roadmap abzuleiten.
Für wen entwickelt ihr eure Lösungen? Wer zählt zu eurer wichtigsten Zielgruppe?
Zu Beginn haben wir uns vor allem auf große Unternehmen konzentriert, die besonders hohe Anforderungen an Datensicherheit haben und mit sehr heterogenen, komplexen Informationslandschaften arbeiten. Gerade dort entsteht ein enormer Mehrwert, wenn Wissen systemübergreifend nutzbar gemacht wird.
Mittlerweile sehen wir jedoch, dass unser Produkt gerade im Mittelstand ein besonders großes Potenzial entfaltet. Wir arbeiten branchenübergreifend, aber insbesondere im produzierenden Mittelstand lassen sich viele wertstiftende Anwendungsfälle realisieren.
Das sind häufig Unternehmen mit komplexen Produkten oder Spezialanlagen, bei denen Prozesse in Vertrieb und Service sehr informationsintensiv sind – etwa bei der Angebotserstellung oder bei Rückfragen zu individuellen, oft jahrelang laufenden Kundenprojekten.
Genau hier kann Genow seine Stärken ausspielen: Wir machen historisches, projektspezifisches und verteiltes Wissen jederzeit zugänglich und ermöglichen es, auch für sehr spezifische Anfragen schnell präzise Antworten zu liefern.
Wie funktioniert Genow ganz konkret? Und welche Vorteile bietet euer Ansatz im Vergleich zu bestehenden Lösungen?
Genow verbindet sich flexibel mit den bestehenden Systemen eines Unternehmens, von Standardlösungen wie SharePoint, ServiceNow oder SAP bis hin zu individuellen oder auch älteren Legacy-Systemen, in denen oft besonders wertvolles Wissen liegt.
Darauf aufbauend kommt unsere proprietäre Context Engine zum Einsatz: Sie bereitet diese häufig unstrukturierten Daten auf, reichert sie mit Metadaten an und sorgt dafür, dass unsere Wissensagenten die Inhalte im jeweiligen fachlichen Kontext wirklich verstehen und interpretieren können.
Ein entscheidender Vorteil unseres Ansatzes ist, dass wir nicht nur Daten strukturieren, sondern auch die Nutzeranfragen intelligent verarbeiten. Unsere Wissensagenten zerlegen komplexe Fragen automatisch, ergänzen Kontext und liefern präzise Antworten, ohne dass Mitarbeitende selbst „Prompt Engineering“ betreiben müssen.
Gleichzeitig lernen unsere Systeme kontinuierlich mit: Bei jeder Anfrage entstehen wertvolle Insights darüber, wie Wissen genutzt wird, wo Lücken bestehen oder welche Themen besonders relevant sind. So können Unternehmen beispielsweise erkennen, welche Kundenanfragen häufig auftreten, wo Upsell-Potenziale liegen oder an welchen Stellen ihre Wissensbasis gezielt verbessert werden sollte.
So können wir auch auf sehr großen, komplexen Datenmengen skalieren und gleichzeitig schnelle, verlässliche Ergebnisse liefern, etwa für Servicetechniker im Feld oder im Vertrieb bei der Angebotserstellung.
Ihr seid Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“. Was bedeutet das für euch – und wie geht es jetzt weiter?
Wir fühlen uns sehr geehrt, als Finalist für das „Frankfurt Forward Startup of the Year 2026“ ausgewählt worden zu sein und freuen uns sehr auf die Veranstaltung im Herbst.
Für uns ist diese Auszeichnung vor allem eine große Wertschätzung für die Arbeit unseres Teams, das jeden Tag mit viel Einsatz an unserer Technologie und der erfolgreichen Umsetzung bei unseren Kunden arbeitet.
Gleichzeitig richten wir unseren Blick klar nach vorne: Unser Fokus liegt darauf, unsere Marktpräsenz weiter auszubauen, noch mehr konkrete Anwendungsfälle mit hohem Mehrwert für unsere Kunden zu entwickeln.
Besonders möchten wir dabei unseren Fokus auf den Mittelstand weiter intensivieren, wo wir aktuell großes Potenzial sehen. Das Feedback aus dem Wettbewerb und von der Jury war für uns dabei sehr wertvoll.
Wo soll die Reise hingehen? Wo seht ihr euch und Genow in fünf Jahren?
In fünf Jahren soll Genow der zentrale Zugangspunkt für internes Unternehmenswissen in Europa sein – und darüber hinaus zunehmend auch international. Unser Ziel ist, dass sich Mitarbeitende nicht mehr fragen müssen, wo Wissen liegt oder wer es hat, sondern jederzeit direkt darauf zugreifen können.
Wir sehen dabei eine starke Entwicklung hin zu deutlich autonomeren Wissensagenten, die auf einem Expertenniveau arbeiten und Unternehmen dabei unterstützen, ihr Wissen nicht nur zugänglich zu machen, sondern aktiv weiterzuentwickeln.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, historisch gewachsenes Expertenwissen im Unternehmen zu halten. Genow soll genau das ermöglichen – als zentrale Plattform, über die Wissen langfristig erhalten, genutzt und weiterentwickelt wird.
Darüber hinaus wollen wir, dass unsere Kunden durch den Einsatz von Genow ihr eigenes Geschäftsmodell weiterentwickeln. Die Plattform soll es immer mehr Kunden ermöglichen, eigene KI-Services aufzubauen – etwa als Ergänzung zu bestehenden Dienstleistungen oder physischen Produkten – und sich so im Wettbewerb klar zu differenzieren.
Unser Anspruch ist es, dass Genow in fünf Jahren nicht nur Prozesse effizienter macht, sondern aktiv dazu beiträgt, wie Unternehmen Wertschöpfung generieren und neue digitale Services entwickeln.
Zum Abschluss: Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Wenn sich Team und Idee richtig anfühlen, sollte man den Schritt wagen, auch wenn man sich noch nicht vollständig bereit fühlt. Wir haben selbst erlebt, dass man vieles erst auf dem Weg lernt.
Zweitens: Resilienz ist entscheidend. Gerade bei uns haben sich Höhen und Tiefen oft sehr schnell abgewechselt. In solchen Momenten ist es wichtig, dranzubleiben, handlungsfähig zu bleiben und den Blick nach vorne nicht zu verlieren.
Drittens: Die Reise bewusst genießen. Trotz aller Herausforderungen ist Gründen eine besondere Erfahrung. Wir haben gelernt, diese Dynamik, die besonderen Momente mit dem Team und die vielen Möglichkeiten, die sich ergeben, sehr wertzuschätzen.
Bild Genow-Gründerfoto ⓒGenow
Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
























