Donnerstag, Mai 28, 2026
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Warum landen noch funktionierende Produkte so oft im Müll?

Zircls entwickelt eine Plattform für Reparatur, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktentscheidungen und war zuletzt in der Green Deal Show zu sehen

Wie entstand die Idee zu Zircls und wer steckt hinter dem Startup?

Die Idee zu Zircls entstand aus unserer Arbeit mit FixFirst. Dort beschäftigen wir uns schon seit Jahren intensiv mit Reparatur und Kreislaufwirtschaft. Dabei haben wir immer wieder gesehen: Reparatur ist oft die beste Lösung, aber leider nicht immer möglich oder wirtschaftlich sinnvoll. Dann braucht es gute Alternativen.

Am Ende geht es darum, Produkte möglichst lange im Kreislauf zu halten und für jedes Produkt die beste nächste Entscheidung zu finden: erst reparieren, wenn das nicht geht, verkaufen, gebraucht kaufen oder recyceln – und nur wenn es wirklich sinnvoll ist, etwas Neues zu kaufen aber wenn dann reparierbarer. Genau dafür bauen wir Zircls.

Hinter Zircls steht das Team von FixFirst. Die Idee kommt aus vielen praktischen Erfahrungen, persönlicher Frustration über unnötige Verschwendung und den Erkenntnissen, die wir in den letzten Jahren im Reparatur- und Circular-Economy-Markt gesammelt haben.

Was hat euch dazu bewegt, euch so intensiv mit Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Konsum zu beschäftigen?

Wir glauben, dass Kreislaufwirtschaft ein Modell ist, das sowohl für die Wirtschaft als auch für die Umwelt extrem viel Sinn ergibt. Sie kann nachhaltiger, effizienter und langfristig auch wirtschaftlich attraktiver sein als unser aktuelles lineares Konsummodell.

Gleichzeitig glauben wir, dass nachhaltige Entscheidungen einfacher werden müssen. Es reicht nicht, Menschen zu sagen, dass sie nachhaltiger handeln sollen. Man muss Lösungen schaffen, die funktionieren, Spaß machen, einfach zugänglich sind und im besten Fall auch belohnen.

Für mich persönlich als Gründer war außerdem wichtig, an etwas zu arbeiten, mit dem ich mich wirklich identifizieren kann: etwas, das einen Beitrag zur Lösung der Klimakrise leistet, aber gleichzeitig pragmatisch im Alltag umsetzbar ist. Dafür sind Kreislaufwirtschaft und Zircls aus meiner Sicht genau der richtige Ansatz.

Zircls war am 22. Mai Teil von „The Green Deal Show“. Wie habt ihr euren Auftritt in der neuen YouTube Sendung erlebt?

Das war total aufregend. Ehrlicherweise haben wir kurz vorher noch sehr viel fertiggestellt, umgebaut und angepasst. Für uns war es ein sehr neues Format, weil wir bisher noch nicht so stark mit Influencern und Social-Media-Formaten gearbeitet haben.

Zircls ist außerdem ein neues Produkt aus dem FixFirst-Umfeld. FixFirst ist bisher vor allem im B2B-Bereich unterwegs und spricht ganz andere Zielgruppen an. Deshalb war es spannend zu sehen, wie ein stärker konsumentennahes Produkt in so einem Format funktioniert.

Der Auftritt war für uns extrem wertvoll. Wir haben danach noch einmal sehr viel umgekrempelt, angepasst und verbessert. Es war wahrscheinlich eine der besten Feedback-Situationen, die wir bisher hatten. Jetzt sind wir sehr gespannt, in welche Richtung sich Zircls weiterentwickelt.

Mit welchen Erwartungen seid ihr in die Show gegangen und wie habt ihr euch vorbereitet?

Ehrlicherweise war vor allem viel Aufregung dabei. Es war eine neue Situation für uns, und wir wollten erst einmal ausprobieren, ob und wie das Format für uns funktioniert.

Wir wussten, dass wir uns damit ein gutes Stück außerhalb unserer Komfortzone bewegen. Deshalb haben wir Pitch-Training gemacht und uns intensiv überlegt: Was zeigen wir? Wie erklären wir Zircls in sehr kurzer Zeit? Wie viel Detail passt überhaupt in eine Minute?

Das war tatsächlich schwieriger, als wir vorher gedacht hatten. Wir haben gemerkt, dass wir unser Produkt noch einfacher und klarer erklären müssen. Gerade Influencer und Content Creator machen das jeden Tag – viele Menschen sind heute sehr kurze, klare und visuelle Erklärungen aus Social Media gewohnt. Da müssen wir als Team noch besser werden.

Insgesamt war es etwas anders als erwartet, aber gerade deshalb sehr lehrreich. Für das, was jetzt als Nächstes kommt, war die Erfahrung sehr wertvoll.

Würdet ihr anderen nachhaltigen Startups empfehlen, an „The Green Deal Show“ teilzunehmen?

Ja, auf jeden Fall – besonders dann, wenn man ein Endkundenprodukt oder einen Service hat, den Menschen über Social Media gut verstehen und entdecken können.

Die Erfahrung war für uns sehr wertvoll. Auch das ganze Drumherum war professionell und angenehm organisiert, gerade dafür, dass es für uns das erste Mal in diesem Format war. Wir haben uns gut aufgehoben gefühlt.

Ich würde anderen Startups empfehlen, es auf jeden Fall auszuprobieren und zu prüfen, ob das Format zur eigenen Zielgruppe und zum eigenen Produkt passt.

Gab es einen Deal für Zircls?

Nicht direkt in der Show. Wir haben gemerkt, dass wir bei der Erklärung und Darstellung von Zircls noch einmal nachschärfen müssen. Wir haben einen nicht so optimalen Aufhänger gewählt (“man bekommt bis zu 500€“), was uns dann etwas in Erklärungsnot brach.

Das ist aber vollkommen okay. Für uns war das Feedback sehr hilfreich, und wir haben seitdem bereits vieles überarbeitet. Zu möglichen Deals, die Backstage passiert sind, können wir bald mehr sagen.

Viele Produkte werden schnell ersetzt oder entsorgt. Wie möchte Zircls dieses Konsumverhalten verändern?

Fast alle Produkte werden heute zu schnell ersetzt oder entsorgt – oft auch deshalb, weil Reparatur als zu teuer, zu kompliziert oder zu aufwändig wahrgenommen wird. Viele Menschen prüfen gar nicht erst, welche Optionen sie eigentlich hätten.

Genau das wollen wir ändern. Zircls soll es einfacher, schneller und bequemer machen, die beste nächste Entscheidung für ein Produkt zu treffen. Dabei geht es nicht nur um Reparatur, sondern auch um Alternativen wie Weiterverkauf, refurbished Produkte, Recycling oder – wenn es wirklich sinnvoll ist – einen besseren Neukauf.

Wir wollen eine zentrale Anlaufstelle schaffen, die sich um den nachhaltigsten nächsten Schritt im Lebenszyklus eines Produktes kümmert. Entscheidend ist dabei Convenience: Die Lösung muss einfach und direkt nutzbar sein.

Zusätzlich kombinieren wir Zircls mit einem Belohnungssystem in Form von Reparaturgutscheinen. Wenn Nutzerinnen und Nutzer nachhaltige Entscheidungen über unsere Lösung treffen, werden sie über die Zeit dafür belohnt. Jedes Mal, wenn ein Zircl geschlossen wird, ist das Teil dieses Systems.

Zum Beispiel kann man ab drei Zircls bis zu 50 Euro in Form eines Reparaturgutscheins erhalten. Diese Gutscheine können dann auch für Produkte eingesetzt werden, bei denen sich eine Reparatur normalerweise wirtschaftlich nicht lohnen würde. So können wir Reparaturen ermöglichen, die sonst gar nicht stattfinden würden.

Welche Zielgruppe möchtet ihr mit Zircls besonders erreichen und welche Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt?

Mit Zircls möchten wir vor allem Menschen erreichen, die grundsätzlich das Richtige tun wollen, aber im Alltag wenig Zeit haben. Sie brauchen eine Lösung, die ihnen schnell und einfach zeigt, welche Optionen es gibt, diese vergleicht und direkt buchbar macht.

Convenience ist dabei ein großes Thema. Gleichzeitig sprechen wir Menschen an, die Geld sparen wollen. Wer konsequent nach dem Prinzip von Zircls handelt, kann über die Jahre sehr viel Geld sparen. Wir haben hochgerechnet, dass das über ein Leben hinweg bis zu 25.000 Euro oder mehr sein können.

Dahinter steckt aber auch ein Mindset Shift: Wir wollen Menschen dabei unterstützen, Produkte anders zu betrachten – nicht als Wegwerfartikel, sondern als Dinge mit mehreren möglichen Lebenszyklen.

Außerdem bauen wir KI-Lösungen, die man einfach anrufen kann. Damit wird Zircls auch für Menschen zugänglich, die keine App herunterladen möchten oder digitale Lösungen weniger aktiv nutzen. Langfristig glauben wir, dass wir damit sehr viele Menschen erreichen können.

Was unterscheidet Zircls von anderen Plattformen im Bereich Nachhaltigkeit und Circular Economy?

Der Hauptunterschied ist, dass wir eine sehr einfache Lösung bauen, die Produkte über den gesamten Lebenszyklus begleitet. Viele bestehende Lösungen decken nur einen Teilbereich ab – zum Beispiel Reparatur, Recycling oder Wiederverkauf.

Zircls setzt früher an und fragt: „Was ist jetzt die beste Option für dieses Produkt?“ Reparieren? Verkaufen? Refurbished kaufen? Recyceln? Oder doch neu kaufen, aber besser? Diese Optionen werden nicht nur angezeigt, sondern auch vergleichbar gemacht und im besten Fall direkt buchbar.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: weniger Aufwand, bessere Entscheidungen und zusätzlich eine Belohnung für nachhaltiges Verhalten.

Ein weiterer Unterschied ist unser Vertriebsmodell. Wir können mit Händlern, Herstellern und anderen Partnern wie Städten zusammenarbeiten und Zircls dadurch schnell an sehr viele Menschen bringen. Das passiert teilweise schon in Berlin und London oder international, wo wir mit der UN arbeiten. Dieses Potenzial hat nicht jede Plattform. Unter anderem dafür haben wir z.B. im Dezember letzten Jahres den German Ecodesign Award gewonnen.

Welche Herausforderungen begegnen euch beim Aufbau einer Plattform rund um Reparatur, Weiterverkauf und Recycling?

Unternehmertum ist grundsätzlich herausfordernd. Bei Kreislaufwirtschaft kommt aus meiner Sicht noch einmal eine zusätzliche Komplexität dazu. Im klassischen E-Commerce gibt es bereits viele fertige Tools, Prozesse und Baukastensysteme. In der Circular Economy ist vieles noch nicht so standardisiert.

Das ist einer der Gründe, warum Kreislaufwirtschaft im Alltag noch nicht so etabliert ist. Viele Dinge müssen neu gedacht und neu aufgebaut werden – technisch, operativ und auch systemisch.

Besonders beim Thema Reparatur gibt es noch viele strukturelle Hürden. Mit dem europäischen Recht auf Reparatur wird sich hier einiges verbessern. Die EU-Richtlinie ist bereits in Kraft, muss aber bis zum 31. Juli 2026 in nationales Recht umgesetzt und angewendet werden. Dann sollen Verbraucherinnen und Verbraucher besseren Zugang zu Reparaturmöglichkeiten erhalten, und auch Reparaturbetriebe sollen leichter an Ersatzteile, Informationen und Werkzeuge kommen.

Trotzdem braucht es Zeit, bis sich der Markt wirklich verändert. Als Unternehmen ist man dadurch ein Stück weit auch von Regulierung, Marktstrukturen und deren Umsetzung abhängig. Das ist nicht immer einfach – aber genau deshalb ist der Bereich gerade so spannend.

Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Mein wichtigster Tipp ist: dranbleiben und nicht zu früh aufgeben. Gründen ist hart und oft ein echter Rollercoaster.

Zweitens würde ich empfehlen, sich wirklich auf das Problem zu fokussieren – und sich nicht zu sehr in eine bestimmte Idee oder neue Technologie zu verlieben. Am Ende zählt, ob man ein echtes Problem löst.

Drittens sollte man lernen, sich selbst gut zu managen. Man muss verstehen, was einem Kraft gibt, was Energie zieht und wie man langfristig leistungsfähig bleibt. Gerade als Gründerin oder Gründer ist das extrem wichtig.

Ich hätte sicher noch viele weitere Tipps, aber diese drei Punkte sind aktuell diejenigen, die bei mir am stärksten resonieren.

Bild Sebastian Daus Bildcredits/Fotograf: Quintus Studios GmbH / Michael Laver, Edit by Clemens Barth

Wir bedanken uns bei Sebastian Daus für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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